18. Juli 2013

Schlaglichter

Gestern hat es mich auf den letzten Metern gründlich eingeweicht, so daß heute Ruhe-Trocken-Tag ist. Überdies scheint heute das Wetter hier in Briançon nicht sonderlich stabil zu sein. Ich hoffe, morgen kann ich - wenn meine Kleidung und Schuhe wieder trocken sind - weiter auf Pässejagd gehen.

Jedenfalls gibt mir das Gelegenheit, noch einmal ein paar Höhepunkte der vergangenen Tage zu beleuchten.

Mit Dieter, Hüttenwirt Albert und Hüttenwart der Sektion Illertissen
vor der Schwarzenberghütte
Etwas ganz besonderes war die Fahrt mit Dieter zur Schwarzenberghütte (1380m) mit der Übernachtung. Dieter hat prima Verbindungen zum Hüttenwirt Albert und so konnte er die Rollstühle mit dem Auto an die Hütte bringen. Anschließend fuhren wir im Handbike von Hinterstein zu unserem Ziel. Anfangs recht moderat (wenn auch mit einer kurzer Steilstufe), war einige hundert Meter hinter dem Giebelhaus Schluß mit lustig. Auf 1,7 km mußten ca. 250 Höhenmeter überwunden werden - das bisher steilste und aufgrund seiner Länge das technisch anspruchsvollste, was ich in meiner langen Handbikerlaufbahn bisher bewältigt habe. Die Rampe steilte teilweise bis über 25% auf, und das nicht nur auf ein paar Metern. Schon der Anblick war furchterregend. Fahrfehler haben hier gravierende Konsequenzen, und so sollten sich an diesen Anstieg nur erfahrene Bergefahrer rantrauen.

Zur Belohnung erwartete uns eine grandiose Aussicht. Der Wirt - ein echtes Original - spendierte uns die Verpflegung und die Übernachtung und ich durfte hier gemeinsam mit Dieter einige meiner schönsten Stunden in den Alpen verleben. Seit mehr als 14 Jahren war ich das erste Mal wieder auf einer Alpenvereinshütte und unter alle Freude über das Erlebte mischte nur ein wenig Trauer darüber, daß mir die meisten Berghütten wohl für den Rest meines Lebens unerreichbar bleiben.

Auch für den folgenden Tag hatte sich Dieter etwas Besonderes ausgedacht. Gemeinsam fuhren wir von Oberstdorf zum südlichsten mit Handbike oder Rollstuhl erreichbaren Punkt in Deutschland im Rappenalptal. Von der Alpe Haldenwang auf 1310m führen nur noch Wanderwege bzw. Singletrails weiter südlich.

Daß es noch etwas Nervenzerfetzenderes gibt als die Auffahrt zur Schwarzenberghütte, mußte ich während meiner Autofahrt von Kempten nach Briançon erfahren. War der Transfer durch die Schweiz wie gewohnt völlig problemlos, verzweifelte ich nahezu in Italien. Ein völlig undurchschaubares Mautsystem (bei dem ich heute noch nicht weiß, was ich eigentlich bezahlt habe und ob ich nachträglich noch etwas überweisen muß), eine Ausschilderung, die sämtliche Gesetze der Logik verhöhnt und gegenüber Fremden rücksichtslose Autofahrer im Dschungel der Großstadt Turin, weswegen ich mich heute glücklich schätze, daß es dabei zu keinem Unfall gekommen ist. Ich war heilfroh, als Italien hinter mir lag. Mir graust schon vor dem Rückweg, doch leider gibt es nur eine sehr zeitraubende Alternative über das Aostatal. Vielleicht nehme ich die trotzdem...

Auf dem Col du Galibier (2642m)
Gestern dann der erste Kracher. Um von Briançon zum Col du Galibier (2645 m) zu gelangen muß man erst einmal den Col du Lautaret (2058 m) bezwingen. Der läßt sich sehr angenehm erreichen, sieht man einmal von dem übermäßig starken Kraftverkehr ab. Ohne Höhenmeter zu verlieren, führt ein Abzweig dann weiter zum Galibier. Auch dieser Anstieg ist im Vergleich zu dem, was ich bisher bereits gefahren bin, sehr gut zu bewältigen. Lediglich der letzte Kilometer vom Tunnel zur Paßhöhe kann als steil gelten. Oben herrschte dann ein Durcheinander von hunderten Radsportlern, wie ich es bisher noch niemals erlebt habe. Die wenigen Autofahrer, die sich bis hierhin wagten, hatten keine Chance. Und für das obligatorische Paßbild hieß es Anstehen...

'Bloß schnell weg von diesem Rummel!' war mein einziger Gedanke. Bereits kurz vor 14.00 Uhr war ich zurück am Ausgangspunkt und fühlte mich noch frisch für einen weiteren Paß. Den Col de Montgenèvre (1860m) mit seinen wunderschönen Serpentinen hatte ich bereits am Vortag mit dem Auto überquert. Auf den letzten Metern zur Paßhöhe machte sich dann zwar das bisher geleistete Pensum bemerkbar, dafür aber war die Abfahrt nach Briançon umso besser.

Es blieb sogar noch etwas Zeit für einen Abstecher in das Zentrum der Festungsstadt. Für Liebhaber der Miltärarchitektur des 19./20. Jahrhunderts ist ein Besuch der Anlagen auf jeden Fall ein Muß. Ich blieb dort jedenfalls wohl etwas zu lange, weil ich letzten Endes noch in das oben erwähnte Gewitter mit seinen Kübeln Wasser gekommen bin.

Es hat sich trotzdem gelohnt!

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