31. Juli 2014

Mein K(r)ampf

Ja, ich war oben. Auf dem Kronplatz (2273 m). Fragt nicht, wie, aber ich war oben.

Dabei startete die Tour vielversprechend. Nachdem ich wegen Nieselregen morgens noch etwas länger warten mußte, ging es von  meiner Ausgangsbasis (dem Campingplatz “Corones”) bei Nieder Olang zunächst verhältnismäßig zügig hoch zum Furkelsattel (1759 m). Natürlich bin ich nicht mehr so frisch, wie zu Beginn des Urlaubs. Doch angesichts der steilen Serpentinen habe ich mich eigentlich ganz wacker geschlagen.

Auch der Abzweig des Forstweges zum Kronplatz war nicht schwierig zu finden und die ersten steilen Passagen bis 20% ließen sich (auf einer meiner Meinung nach alten, erodierten Betondecke) “in kurzen Sprüngen” verhältnismäßig gut meistern.

Die nachfolgenden Serpentinen stellten da schon höhere Anforderungen. Besonders die Kehren  verlangten nach trickreichen und vorausschauenden Fahren. Denn wenn man dort stehen blieb, konnte man nicht mehr anfahren, weil das Vorderrad durchdrehte. Die Lösung: Kurz vor den Kurven anhalten (auch wenn man sich noch frisch fühlte), Kraft schöpfen und dann langsam und stetig ohne anzuhalten in einem Zug durch die Kehre.

Und damit näherte sich unaufhaltsam das Drama am Gipfel. Ich ignorierte den Abzweig des eigentlichen Fahrwegs und folgte der Ausschilderung zum Kronplatz auf Fahrspuren weiter bis zur Graziani-Hütte. Dort realisierte ich immer noch nicht, daß ich falsch war. Auch als die Autospuren endeten. Weiter ging es immer steiler werdend auf dem Wanderweg. Daß ich da bald nicht mehr allein weiterkam, kompensierte ich dadurch, indem ich Wanderer bat, mich ein Stück mit zu schieben, während ich selbstverständlich ebenfalls kurbelte.

Auf dem höchsten Punkt des Kronplatzes
Stück um Stück kämpfte ich mich mithilfe meiner wirklich leidensfähigen Unterstützer nach oben. Inzwischen wußte ich, daß hier noch niemals ein Handbiker entlanggekommen sein konnte. Aber der Gipfel schien bereits zum Greifen nah und ein Umkehrem wäre vermutlich ziemlich riskant gewesen. Irgendwann und nach dem Verschleißen mehrerer “Schieber” kam ich dann wieder in besseres Gelände und endlich auch auf einen Fahrweg. - So habe ich den Kronplatz zwar nicht ausschließlich mit eigener Kraft bezwungen, doch es mir dabei ganz gewiß nicht leichter gemacht.

Spannend wurde dann auf dem weitläufigen Areal noch die Suche nach dem richtigen Weg für die Abfahrt, denn ich kannte ihn ja bisher nicht. Glücklicherweise waren gerade Bauarbeiten auf dem Plateau im Gange und ein Betonmischer-LKW fuhr nach Ablieferung seiner Ladung wieder ins Tal. Dem folgte ich einfach in der Gewißheit, daß er nur dort fahren konnte, wo ich auch allein klarkam.

Später am Tag hatte ich bei meinem Rückweg über Bruneck noch einen weiteren Verhauer, der mir allerdings eine interessante Streckenalternative - leider mit einigen kurzen Gegenanstiegen - brachte. Für diese 57 km und 1700 Hm habe ich soviel Zeit benötigt, wie noch nie während des jetzigen Urlaubs. Was soll’s! Vielleicht fahre ich irgendwann noch einmal auf den Kronplatz. Jetzt kenne ich ja den richtigen Weg.

Übrigens: Selbst auf der korrekten Strecke dürfte der letzte Kilometer absolut grenzwertig aufgrund der Wegebeschaffenheit sein. Teilweise lose Kiesel, die unter den Rädern wegrollen, könnten auch dort zum echten Problem werden. Wie das Manfred Putz ohne Hilfe bewältigt hat, bleibt mir ein Rätsel.

Track der Handbiketour vom 31.07.2014 (nachgezeichnet)

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