18. September 2018

Ein Arbeitstag auf drei Rädern

Wie schon angekündigt, bin ich gestern hinauf ins Osterzgebirge gefahren. Bereits am Morgen war klar, daß es ein wunderschöner Tag werden würde. Sonnig und dabei in den Höhenlagen nicht zu warm. Nahezu perfekt für eine längere Runde.

Erfreulicherweise erwarteten mich keine richtig garstigen Rampen, und vor allem der Anstieg durch Oberfrauendorf (s. Track vom 17.09., km 31,4 - 33,6) kam mir zum Warmfahren sehr gelegen. Gleiches gilt für den Anstieg nach Ammelsdorf. Es war das einzige größere Waldgebiet auf meiner meiner Tour. Auf den offenen Flächen danach war die Sonne jedoch durchaus willkommen. Trotz der morgendlichen Lufttemperatur von 16°C reichte mir mein Kurzarmtrikot. Nicht mehr lange, bis wieder eine andere Kleiderordnung angesagt ist.

Es war reiner Zufall, daß ich diesmal gleich vier Talsperren passierte, denn geplant hatte ich es nicht. Zuerst querte ich den Einlauf der Talsperre Lehnmühle (km 45,9), später dann die Talsperre Lichtenberg zwischen der Vorsperre und dem Stausee (km 58,9). Schließlich erreichte ich kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze die Rauschenbach-Talsperre mit ihrer markanten geschwungenen Brücke (km 74,8). Und wenige Kilometer danach lag noch - diesmal auf der tschechischen Seite des Erzgebirges - die Talsperre Fleyh (Fláje, km 79,6). An allen war der trockene Sommer nicht spurlos vorbeigegangen. Die Wasserstände lagen mehrere Meter unter dem sonst üblichen, bei der Talsperre Lehnmühle war der obere Teil des Stausees sogar komplett trockengefallen. Da braucht es ergiebige Niederschläge und eine kräftige Schneeschmelze, bis die Defizite wieder ausgeglichen sind.

Die Flöha - hier noch Flájský potok genannt -
kurz unterhalb der Talsperre Fleyh (Aufnahmeort)
Das Osterzgebirge wird offenbar immer beliebter bei Radfahrern, jedenfalls begegneten mir gestern dort oben eine ganze Menge davon. Kein Wunder, denn im grenznahen deutschen Teil gibt es nur wenig Kraftverkehr und viele schön zu fahrende kleine Sträßchen. Mit dem E-Bike für Genußradler geradezu eine Empfehlung, doch wegen der meist nur mäßigen und kurzen Anstiege auch für untrainierte Puristen gut geeignet. Auf tschechischer Seite setzt sich das dann so fort, diesmal (inzwischen) fast ganz ohne menschliche Ansiedelungen. Leider sind die alten Asphaltstraßen hier mittlerweile so stark ausgewittert, daß es ziemlich holpert. Damit ist der Abschnitt zwischen Talsperre Fleyh und Neustadt (Nové Město, s. Track vom 17.09., km 79,6 - 89,2) für erschütterungsempfindliche Handbiker jedoch eine Zumutung.

In Böhmisch Zinnwald lagen dann endlich fast alle Berge hinter mir, denn es erwartete mich nur noch eine 12%-Rampe beim Verlassen des Müglitztals in Köttewitz. Auf den letzten knapp 50 km konnte ich deshalb all die Zeit aufholen, die ich bis dahin hatte in die vielen Höhenmeter hatte investieren müssen. 1750 Hm waren bis dahin zusammengekommen (am Ende 1850 Hm, und nicht wie - so oft - bei GPSies mit mehr als 2100 Hm zu viel angegeben), was mich doch ziemlich überraschte. Aber immerhin sind es ja auch reichlich 750 m Höhendifferenz zwischen dem Elbtal, wo ich wohne, und den gestern befahrenen Kammlagen des Osterzgebirges.

Übrigens: neuerdings bekomme ich von relieve.cc nach meinen Touren immer eine Mail mit dem Verweis auf das Streckenvideo meiner gerade absolvierten Tour zugeschickt. Wahrscheinlich sind sie irgendwie mit dem Internetportal von Garmin verbunden. Allerdings ist das Video nicht besonders aussagekräftig. Weder spiegelt sich die gefahrene Geschwindigkeit beim Darstellen der Strecke wieder, noch kann man die tatsächlichen Höhenunterschiede bzw. Anstiege richtig erkennen.  Die Streckenlänge (und dementsprechend die Durchschnittsgeschwindigkeit) stimmt auch nicht, denn ich muß die falschen Werte meines Garmin Edge 1000 jedesmal nach unten korrigieren. Letzten Endes ist das also meiner Meinung nach nur eine Spielerei für narzistisch veranlagte Zeitgenossen.

Wie toll ich doch bin!

Track der Handbiketour vom 17.09.2018

16. September 2018

Sammelleidenschaft

Auf den vergangenen beiden Touren habe ich wieder fleißig Höhenmeter gesammelt.

Dabei war das auf meiner Feierabendtour vom Freitag eigentlich gar nicht so geplant, denn ich konnte erst kurz nach 12.00 Uhr starten. Doch bei dem trüben, kühlen Wetter mit nassen Straßen und in den Bergen hängenden Wolken schien es mir das vernünftigste, immer neue Anstiege aneinanderzureihen. Weniger Schweiß und kein aufgewirbeltes Wasser beim Berganfahren, allerdings dann abwärts auch nur gebremst mit halbem Tempo.

Diesmal war ich beinahe völlig planlos und nur mit einer groben Zielvorgabe unterwegs. Das Spontane kommt ansonsten bei gespeicherten Touren häufig zu kurz, auch wenn ich mich hin und wieder während der Fahrt für andere Streckenvarianten entscheide.

Panorama oberhalb von Dorf Wehlen, v. l.: Lilienstein, Rauenstein, Bährensteine, Festung Königstein, davor Naundorf
(Aufnahmeort)
Bereits auf dem Rückweg legte ich am Bahnhof Krippen einen Zwischenstop ein, um die Batterie des Trittfrequenzsensors zu ersetzen. Während ich dort an der Bushaltestelle werkelte, kamen ein paar Mädchen. Neugierig sprachen diese mich bald an, während sie auf den Bus warteten. Sie bestaunten mein Gefährt und erzählten mir auf Nachfrage, daß sie gemeinsam ihre Schulfreundin aus der 5. Klasse besucht hatten, die wegen ihres gebrochenen Beins zuhause bleiben mußte. Das fand ich sehr nett! Überhaupt waren alle vier so unbekümmert und offen, wie ich es bisher nur hier in den Dörfern und kleinen Ortschaften der Region erlebt habe. Mich freuen solche Begegnungen sehr - mögen sich diese Kinder noch lange ihre natürliche Unbefangenheit bewahren! Mit einem Lächeln im Herzen fuhr es sich danach gleich viel beschwingter.

Meine Sonnabendtour brachte mich dann noch etwas weiter in Richtung Osten. Ich war lange nicht mehr am Herrenhausfelsen (Panská skála) bei Steinschönau (Kamenický Šenov). Überdies endet dort der sehr schöne Bahntrassenradweg "Varhany", den ich unbedingt wieder mal befahren wollte. Der Anstieg hinauf zu den "Orgelpfeifen" (gemeint ist der Herrenhausfelsen, tschech. Varhany = Orgel) fährt sich aber eigentlich meist recht gut, obwohl das Streckenprofil etwas anderes vermuten läßt. Trotzdem kommen auf rund 14 km Strecke mehr als 350 m Höhendifferenz zusammen.

Den höchsten Punkt der Tour erreichte ich bereits kurz nach 10. Von da an ging es mit nur wenigen kurzen Gegenanstiegen, zuletzt duch das Tal des Polzen (Ploučnice), zurück ins Elbtal nach Tetschen (Děčín). In die Heimfahrt über den Elbradweg baute ich anschließend für eine ausgewogene Höhenmeterbilanz auf der rechten Elbseite noch zwei Anstiege ein, allerdings auch deswegen, weil der rechtselbische Elbradweg zwischen Stadt Wehlen und Pirna gerade wegen einer Baustelle nicht durchgängig befahrbar ist. Die Zweiradfahrer kommen wohl durch, doch ob ich dort mit dem Handbike fahren kann, ist ungewiß.

Heute lasse ich mir nach den zwei anstrengenden Tagen die Sonne auf den Bauch scheinen, damit ich am Montag wieder fit bin. Dann steht eine ausgedehnte Osterzgebirgsfahrt an.

Bevor der Schnee kommt ...

Track der Handbiketour vom 14.09.2018
Track der Handbiketour vom 15.09.2018

10. September 2018

Improvisationstalent

Am vergangenen Wochenende war mein Radlfreund aus Chemnitz bei mir zu Gast. Wir haben uns schon eine ganze Weile nicht gesehen, denn er ist ebenfalls sehr oft auf Achse. Immerhin bleiben wir trotzdem in Kontakt, obwohl wir uns normalerweise nur einmal im Jahr sehen. Dafür gibt es beim Treffen dann auch jede Menge zu erzählen - alles das, was per e-Mail oder Anruf eben nicht so schnell abgehandelt ist.

Mittags an der Touristenbaude in Tyssa
(Turistická Chata Tisá, Aufnahmeort)
Normalerweise gehe ich ja mit meinen Besuchern im Elbsandsteingebirge auf Tour, doch dort kennt Jens inzwischen schon eine ganze Menge. Dafür sind die Gebiete im Böhmischen Mittelgebirge noch völlig unbekannt für ihn. Von unserem Treffpunkt in Bad Schandau fuhren wir also auf dem kürzesten Weg über die ansteigende Pultscholle des südlichen Elbsandsteingebirges in Richtung Böhmisches Mittelgebirge. Im sogenannten Aussiger Mittelgebirge (Ústecké středohoří), welches zu meinen Lieblingsgebieten gehört, war ich zuletzt im Juni 2018.

Sogar eine ziemlich große Burgruine gibt es im Hochland zwischen Tetschen (Děčín) und Aussig (Ústí n.L.). Inzwischen, so berichtete es mir mein Begleiter, wird an den Mauern der Burg Blankenstein (Blansko) fleißig gewerkelt, und auf der Webseite Homepage des Vereins zur Rettung der Burg ist eine Rekonstruktion der Anlage zu sehen. Hier findet man auch ein Video vom gegenwärtigen Zustand der Anlage und der Lage in der Landschaft.

Großartiger Ausblick von der Burg Blankenstein nach Norden, rechts am Horizont
der Hohe Schneeberg mit seinem Turm (Bild von Jens, Aufnahmeort)
Leider gab es auf den letzten Metern der Anfahrt zur Burg einen unfreiwilligen längeren Zwischenstop. Jens wollte unbedingt so weit wie möglich mit dem Rad den extrem steilem Feldweg hinauffahren. Seine Kette am Rad war da jedoch andere Meinung und quittierte den Dienst. Unglücklicherweise hatte mein Freund genau an diesem Tag den Kettennieter nicht mit, so daß er ziemlich kreativ werden mußte. Mit einer Zange, diversen Stanzblech- und Imbusschlüsseln von mir sowie Steinen als Hammerersatz bekam er tatsächlich die gerissene Kette wieder so zusammengefügt, daß wir nach einer knappen Stunde weiterfahren konnten. Allerdings traute ich dem Frieden nicht so richtig und ersparte uns lieber den eigentlich vorgesehenen letzten Anstieg über die Ohrener Höhe (Javorský vrch).

Aus diesem Grund gestaltete sich der Heimweg auch als nicht so furchtbar spannend. Trotzdem erwies es sich als die bestmögliche Entscheidung, den letzten Teil der Tour im Elbtal ohne nennenswerte Anstiege zu absolvieren. Denn an einem Minianstieg kurz vor Rathen gab nämlich nach reichlich 50 km die notdürftig geflickte Fahrradkette meines Kameraden endgültig den Geist auf. Es waren aber nur noch 2 km bis zum nächsten S-Bahn-Haltepunkt in Rathen. Während Jens in den Zug stieg, fuhr ich mit dem Rad nachhause.

Sonntags wurde es deshalb nichts mit einer zweiten gemeinsamen Tour. Aber als mein tschechischer Kamerad anrief, schwang ich mich am Vormittag zu vorgerückter Stunde doch noch auf's Handbike.

Jedoch hatte ich ihn mißverstanden. Eigentlich wollte er, daß ich mit dem Rolli zum Treffpunkt an der Bastei komme und dann ihn, seine Frau und ihre Mütter auf einem kleinen Spaziergang begleite. So nahmen wir uns nur etwas Zeit für ein Schwätzchen, bevor ich anschließend mein geplantes Tagespensum mit dem Rad abspulte. Dabei gab es bis auf die Durchquerung des Polenztals vor Hohnstein keine langen und kräftezehrenden Anstiege, so daß ich gut vorankam. Der letzte Umweg über das Blaue Wunder in Dresden diente lediglich der Tourenstatistik. Immerhin fand ich es bemerkenswert, wieviele Leute bei dem freundlichen Spätsommerwetter noch nach 17.00 Uhr auf dem Elbradweg unterwegs waren.

Spätestens in zwei Monaten wird hier um diese Zeit gähnende Leere herrschen.

Track der Handbiketour vom 08.09.2018
Track der Handbiketour vom 09.09.2018

5. September 2018

Außer Spesen nichts gewesen

Die juristische Aufarbeitung meiner Äußerungen im Diskussionsforum auf Handbike.de im Vorfeld des zweiten „Rekordversuchs“ von Herrn G. aus C. ist beendet. Wie einigen Leuten ja bereits bekannt sein dürfte, hatte der Freizeitsportler wegen scharfer Äußerungen mir sowie vermutlich weiteren Diskussionsteilnehmern und sogar den Betreibern des sehr populären Internetportals über seinen Rechtsanwalt Unterlassungsforderungen zustellen lassen.

Da ich mich im Recht fühlte, wies ich sein Schreiben zurück, woraufhin er Klage wegen übler Nachrede gem. § 186 StGB erhob. Wie den Ausführungen des Beschlusses (s. Bild) zu entnehmen ist, konnte das Gericht jedoch offensichtlich meine Beweggründe nachvollziehen. Allerdings hätte ich den Wahrheitsgehalt meiner Aussagen beweisen müssen. Das wäre zwar meiner Meinung nach möglich gewesen. Schließlich gab es ja nach seinem zweiten - ebenfalls gescheiterten - Anlauf in den über die Medien geführten Diskussionen klare Aussagen weiterer Kenner der Szene. Auch die durch Anwesende öffentlich gemachten Details seiner Aktion im Juli 2018 sowie weitere Indizien (z.B. die Streckenführung) untermauern meine Aussagen und hätten durchaus als Beweise dienen können. Eine sportmedizinische Untersuchung wäre ebenfalls ein geeignetes Mittel gewesen, und vielleicht hätten sich mir sogar auf meine Bitte hin einige prominente Handbiker als Zeugen zur Verfügung gestellt.

Beschluß des Landgerichts Oldenburg
(Ggf. zum Lesen im Kontextmenü über rechte Maustaste "Link in neuem Fenster öffnen" auswählen)
Trotzdem war mir der zu erwartende Zeit- und Organisationsaufwand zu schlichtweg zu hoch, so daß ich den Vergleichsvorschlag annahm. Zudem haben die Gerichte in dieser Zeit sicher wichtigere Angelegenheiten zu klären. Bemerkenswerterweise erklärte sich auch Herr G. zum Vergleich bereit. Aus meiner Sicht ein klares Indiz dafür, auf welch dünnem Eis er sich mit seiner Klage bewegte. Denn für einen grundlegenden Sinneswandel seinerseits hätte er vorher jederzeit Gelegenheit gehabt.

Ich ziehe zwei Lehren aus dieser Geschichte:
1. Es wird immer Leute geben, welche für ihr eigenes Verhalten andere Menschen verantwortlich machen möchten. Der Versuch, diese Zeitgenossen auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen, ist oft gar nicht nötig. Schließlich werden sich solche Personen früher oder später selbst in der Öffentlichkeit bloßstellen.
2. Alternativ dazu lasse ich mich natürlich auch zukünftig nicht mundtot machen. Statt kurzer, prägnanter Begriffe muß ich dann eben bei meinen Ausführungen etwas weiter ausholen und die Kritik durch entsprechende Formulierungen etwas unpersönlicher zum Ausdruck bringen. Daß ich mit den benutzten Bezeichnungen strafrechtlich relevante Tretminen auslöse, war mir wirklich nicht bewußt.

Ich habe mich dieser juristischen Auseinandersetzung gestellt, weil ich damit unter anderem auch diejenigen vertreten wollte, die durch das von Herrn G. praktizierte Vorgehen eingeschüchtert worden sind und sich ihm ohne Gegenrede gebeugt haben. Ich bedauere es immer noch sehr, daß als Reaktion auf diese Kontroverse eines der besten Internetportale für den Handbikesport im deutschsprachigen Raum stillgelegt wurde. Nicht zuletzt trage auch ich durch meine Formulierungen im Diskussionsforum daran eine Schuld.

Am meisten hat Herr G. wahrscheinlich sich selbst geschadet, denn seine Selbstwahrnehmung als Extremsportler und die Realität klaffen so weit auseinander, daß ihm wohl jede Glaubwürdigkeit gegenüber den (leistungs-)sportlich orientierten Handbikern abhanden gekommen sein dürfte. Es bleibt abzuwarten, ob der Protagonist in der Lage ist, die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen und zukünftig danach zu handeln.

Wegen des Vergleichs muß ich natürlich die anteiligen Prozeßkosten und die Vergütung für meinen Rechtsvertreter übernehmen. Aufgrund des festgelegten Streitwertes in Höhe von 10.000 EUR ist das zwar ein erklecklicher Betrag und sogar noch etwas höher als die ursprünglich geforderten Bearbeitungskosten der Gegenseite für die Unterlassungserklärung.

Ich selbst bin mir jedoch treu geblieben.

4. September 2018

Herbstnebel

Der Herbst ist da! Das Wochenende war für's Handbiken jedenfalls suboptimal. Den ersten Tag lang ließ ich mal alle Viere gerade sein, am zweiten bereitete ich einen Blogbeitrag vor, den ich nun - nach der erfolgten juristischen Prüfung durch meinen Rechtsvertreter - in den nächsten Tagen veröffentlichen werde. Allerdings machte sich die fehlende körperliche Ausarbeitung deutlich bemerkbar. Ich habe lange nicht mehr so schlecht geschlafen, wie in den jeweils darauffolgenden Nächten.

Es gab also Nachholbedarf. Gestern und heute konnte ich mich endlich austoben. Für den Montag plante ich noch einmal eine längere Strecke. Zunächst quer durch's Erzgebirgsvorland, auf dem Rückweg viel gemächlicher nördlich der Elbe. An diesem Tag war es zwar morgens mit 15°C immer noch relativ warm. Gleichzeitig reichten die Wolken aber bis zum Boden und ließen die Feuchtigkeit der vorherigen ausgiebigen Regenfälle nicht verdunsten. Richtiges Waschküchenwetter. Erst in tieferen Lagen und vor allem auf der anderen Elbseite wurde es besser.

Besser aber so, als Dauerregen. Überhaupt konnte ich doch froh sein, daß es angenehm warm wurde. Nach dem Mittag standen nämlich wieder über 20°C auf dem Thermometer. Zum Herbstbeginn ist das durchaus nicht mehr selbstverständlich.

Morgenstimmung in Rathewalde (Aufnahmeort)
Noch um ein paar Grad höher stieg die Temperatur am Dienstag. An dem schöneren der beiden Tage traf ich mich mit Micha, meinem ehemaligen Arbeitskollegen, zu einer gemeinsamen Radtour. Weil ich nachmittags bereits zurück in Pirna sein mußte, stellte ich nur eine kurze Strecke zusammen. Außerdem startete ich sehr zeitig, um nach hinten raus genug Luft für unvorhersehbare Zwischenfälle zu haben.

Gerade diese ersten Stunden des erwachenden Tages entfalten jedoch zu dieser Jahreszeit einen ganz  eigenen Reiz. Nicht selten kämpft dann die aufgehende Sonne mit dem dicht wabernden Bodennebel, und sehr lange ist nicht klar, wer am Ende die Oberhand behält. Heute siegte schließlich die Sonne.

Insgesamt war es diesmal keine übermäßig konditionell anspruchsvolle Strecke, dafür aber mit einigen sehr schönen und von mir gern befahrenen Abschnitten. Ich muß ja nicht jedesmal auf die Pauke hauen. Immerhin leistete ich mir zum Abschluß mehrere Extrazackel, um wenigstens noch ein paar Höhenmeter gutzumachen. An beiden Tagen bin ich diesbezüglich dennoch immer knapp unter 1% der gefahrenen Strecke geblieben.

Das paßt aber auch so...

Track der Handbiketour vom 03.09.2018
Track der Handbiketour vom 04.09.2018

26. August 2018

Wiederholungstäter

Nach der langen Verletzungspause durfte ich heute nun endlich wieder mit meinen tschechischen Freunden auf Tour gehen. Was habe ich mich darüber gefreut, auch weil Lád'as Frau Šárka mit von der Partie war!

Meine Freunde kommen zum Treffpunkt in Schmilka
mit der Fähre von der anderen Elbseite (Aufnahmeort)
Überhaupt ist Šárka beim Radfahren inzwischen ganz schön hart im Nehmen. Sie fährt zwar mit einem E-Mountainbike, doch als ich hörte, welche Strecke die beiden am vergangenen Wochenende meisterten, bekam ich erstmal große Augen. - Heftig, heftig ...

Diesmal rollte es wirklich sehr gut. Nicht zuletzt die mit 14 - 18°C nahezu optimalen Temperaturen ermöglichten es mir, ohne heißzulaufen selbst bei den langen Anstiegen überdurchschnittlich zügig voranzukommen. Aber natürlich fahre ich immer etwas schneller, wenn ich gemeinsam mit Zweiradfahrern unterwegs bin.

Obwohl es erst 11.00 Uhr war und wir eigentlich noch nichts geleistet hatten, hielten wir in Hohenleipa (Vysoká Lípa) am Restaurant mit Pension "U Nás" für eine Mittagsrast. Die Gaststätte erwies sich als eine tolle Entdeckung. Lád'a spendierte mir dort nämlich eine kalte Kofola, eine Knoblauchsuppe und danach Heidelbeerknödel mit Quark. Hm, extrem lecker! Vor allem die süßen Knödel waren jede (Kalorien-)Sünde wert. - Hierhin werde ich gern auch andere Freunde entführen!

Freßfest in Hohenleipa (Aufnahmeort)
Ziemlich vollgefressen brachen wir nach einer dreiviertel Stunde schließlich wieder auf. Am vergangenen Freitag wurde auf dem noch vor uns liegenden Schotterabschnitt bei einer Reifenpanne der Vorderreifen meines Handbikes so beschädigt, daß ich ihn gestern wechseln mußte. Der notwendige Schlauchwechsel während eines heftigen Unwetters und der sich daran anschließende "Eierlauf" war ziemlich grenzwertig. Eingedenk dieser Erfahrungen bat ich also meine Freunde um etwas Geduld, und fuhr wesentlich behutsamer die Holperstrecke. Wenn schon Wiederholungstäter, dann wenigstens wesentlich aufmerksamer.

Für Šárka habe ich das jedoch gern gemacht. Denn die Forststraßen in der Hinteren Sächsisch-Böhmische Schweiz waren für sie absolutes Neuland. Und die kilometerlange Fahrt durch tiefen Wald und teils felsige Täler - weit entfernt von jeder Ansiedlung - ist unbedingt ein Erlebnis. Nicht ohne Grund gehört die Gegend zu meinen absoluten Favoriten. Selbst später auf der perfekt ausgebauten Straße durch das Kirnitzschtal nach Bad Schandau gab es immer etwas zu sehen. Ab dem Lichtenhainer Wasserfall kann man sogar mit etwas Glück der weltweit einzigen (historischen) Straßenbahn durch einen Nationalpark begegenen. Langweiliges Abspulen von Kilometern ist anderswo.

Von Königstein aus mußten die beiden schließlich aus dem Elbtal (ca. 120 m NHN) bis auf über 600 m NHN zurück zu ihrem Ausgangspunkt klettern. Ich verabschiedete mich schon auf halber Höhe von Ihnen. Wie mir mein Freund gerade schrieb, sind sie ganz zum Schluß noch auf den Hohen Schneeberg (Děčínský Sněžník) gefahren. Dieser Tafelberg ist mit 723 m NHN der höchste Berg des Elbsandsteingebirges. Hut ab - vor allem vor Šárka.

Im nächsten Sommerurlaub könnten wir nun auch zu dritt die Alpen unsicher machen.

Track der Handbiketour vom 26.08.2018

25. August 2018

Auf Schleichfahrt

Endlich scheint alles überstanden zu sein, die offenen Stellen sind wieder verheilt. Trotz eher schlechter Wetterprognose wollte ich deshalb schon den Freitag für eine erste Tour nutzen.

Doch bereits am Ortsrand von Pirna wurden die Straßen naß. Offenbar war hier gerade ein Regenschauer vorbeigezogen. Mal abgesehen von einigen wenigen Tropfen, hatte ich den gesamten Vormittag jedoch ausgesprochenes Glück. Jedesmal sah ich nur die teils dichten Regenvorhänge, welche vorbeigezogen waren, bevor ich dort eintraf. Leider mußte ich mich wegen des nassen Untergrunds die lange Abfahrt nach Tetschen (Děčín) hinunterbremsen, um nicht völlig durchgeweicht und verdreckt unten anzukommen.

Dafür ging es dann bis nach Hohenleipa (Vysoká Lípa) in der Böhmischen Schweiz zügig voran. Die Temperaturen lagen im Wohlfühlbereich und die Straßen waren trocken. Hin und wieder zeigte sich sogar die Sonne. In Hohenleipa stellte ich fest, daß ich doch eigentlich über das Kirnitzschtal nach Bad Schandau fahren wollte, und drehte um.

Hätte ich's doch sein gelassen! Die ersten Kilometer auf der Böhmerstraße (Česká silnice) rollte es zwar fabelhaft auf einer nagelneuen Asphaltdecke, doch ab dem Abzweig zum Lagergrund (Taborový důl, s. Track vom 24.08., km 73,4) wurde es schotterig. Als es über mir immer dunkler wurde, ahnte ich nichts gutes. Das Gewitter kam sehr schnell, trotzdem fand ich gerade noch rechtzeitig das dichte Laubdach eines Baumes, wo ich mich unterstellen wollte. Keine Ahnung warum, doch plötzlich zischte es am Vorderrad. Mist! Während um mich herum die Welt gerade unterging, mußt ich mich meinem Vorderrad widmen. Als ich den langen Schnitt in der Seitenwand des Reifens sah, der sich fast bis zur Lauffläche hinzog, vertieften sich meine Sorgenfalten. Ich hatte nur einen einzigen Ersatzschlauch mit, jedoch keinen weiteren Reifen. Notdürftig stabilisierte ich den Riß von innen mit einer zusätzlichen Einlage, damit der neue Schlauch nicht nach außen gedrückt werden könnte.

Mittlerweile wurde es auch unter dem Baum ziemlich naß, und eigentlich spielte es keine Rolle mehr, ob ich noch weiter wartete. Also setzte ich mich wieder in Bewegung, sobald der Regen etwas nachließ. Noch zwei Kilometer Schotterpiste lagen vor mir. Außerhalb der Erreichbarkeit sämtlicher Funknetze und ca. 5 km von der nächsten menschlichen Ansiedlung entfernt, schlich ich quasi mit angehaltenem Atem teils langsamer als ein Wanderer voran. Würde auch nur einmal der (nun bereits beschädigte) Reifen einen Hieb erhalten, wäre das Naß von oben noch das geringste meiner Probleme.

Aber alles ging gut. Ein paar Regenschauer später erreichte ich endlich die asphaltierte Kirnitzschtalstraße, auf der ich nun wieder Mut faßte und mein Tempo erhöhte. Der Nervenkitzel war endlich überstanden, nicht jedoch der Regen. Allerdings konnte ich das Unwetter in Thürmsdorf wenigstens geschützt unter einem Carport-Dach verbringen.

Für die notwendigen Wartungsarbeiten hatte ich abends dann keine Nerven mehr. Heute konnte ich dagegen auch noch weitere Dinge erledigen, die ich sonst vor mir her schiebe.

Track der Handbiketour vom 24.08.2018