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7. April 2026

Schmetterling über Ostern

Der erste Härtetest der noch jungen Radsportsaison liegt hinter mir. An den vergangenen vier Tagen habe ich auf 4 Touren 450 km zurückgelegt und dabei außerdem 4360 Hm bewältigt. Für den Anfang ist das durchaus akzeptabel, zumal ich mit 15,3 km/h auch meine Anforderung hinsichtlich der Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen konnte.

Leider gab es am ersten Tag auch eine unangenehme Überraschung. Nach der Wartung in der Karwoche rollt mein Gefährt zwar wieder wie am Schnürchen, doch dafür habe ich ein neues Problem entdeckt. An der Gabel meines Handbikes ist ein Riß an einer Befestigung entstanden, der demnächst einen Austausch erforderlich machen wird. Das größte Problem sind dabei für mich nicht die Kosten, sondern die Schwierigkeiten der Ersatzbeschaffung. Dieses wichtigste Teil eines solchen Sportgeräts ist nämlich nahezu kundenspezifisch dimensioniert, weshalb ich vermute, daß das Teil beim Hersteller eben mal nicht einfach so vorrätig ist. Inzwischen habe ich auch einen Tip für eine mögliche Alternative von einem anderen Handbiker erhalten - mal sehen, wie ich das alles eintakten kann. Für die nächste Zeit muß die Gabel aber noch durchhalten, sonst ist die Saison für mich gelaufen, bevor sie so richtig begonnen hat. Immerhin scheint das Problem schon längere Zeit zu bestehen, jedenfalls nach den Symptomen zu urteilen.

Erstes Grün auf dem Weg von Possendorf zur
Babisnauer Pappel (Aufnahmeort)
Das Wetter war mir über Ostern aber durchaus wohlgesonnen. Zwar mußte ich auf meiner zweiten Tour in Wilschdorf nördlich von Dresden rund 50 Minuten vor einer Bäckerei unter einem Sonnenschirm ausharren, weil ein stetig weiter anwachsendes Regengebiet seine Schleusen geöffnet hatte. Doch blieb das die einzige Schlechtwetter-Episode, auch wenn mir der stramme Nordwestwind vor allem am Ostersonntag und -montag auf der Heimfahrt das Leben schwer machte. Inzwischen färbt die erste Sonnenbräune mein Gesicht.

Außerdem erlebte ich am Sonntag die sorbischen Osterreiter in Wendischbaselitz geradezu hautnah. Ich hatte nämlich die Gegebenheiten bei der Prozession unterschätzt und mich mit meinem Handbike bei meinem zweiten Zwischenstop zunächst viel zu dicht am Straßenrand positioniert. Als die Reiter mit ihren Pferden dann (mir entgegenkommend) vorüberzogen, fehlte manchmal nicht mehr als ein halber Meter zwischen mir und den Pferdebeinen. Die Pferde standen aufgrund des Umzugs sowie der vielen Menschenmassen sowieso schon erheblich unter Streß, und nicht jeder Vierbeiner blieb gelassen. Einmal schlug ein (ansonsten ruhig scheinendes) Pferd mehrmals neben mir mit dem linken Hinterlauf aus - das hätte für mich bzw. mein Handbike auch übel ausgehen können. Trotzdem konnte ich mich nicht so einfach zurückziehen, denn diese Bewegung in ihrer unmittelbaren Nähe wäre wahrscheinlich erst recht nicht gut bei den Tieren angekommen. Wenigstens hielt ich meine im Wind flatternde Signalfahne fest, die nun nicht mehr die Vierbeiner ängstigte. Sobald dann mal eine Lücke im Prozessionszug kam, suchte ich mit Unterstützung einer Zuschauerin schleunigst einen sicheren Platz weiter weg vom Geschehen auf. Diese Prozession war unvermutet auch für mich ziemlich nervenaufreibend geworden.

Zum Abschluß meiner Radel-Ostern fuhr ich gestern über den Höhenzug des südlichen Elbsandsteingebirges ins Böhmische. Ich hatte nämlich festgestellt, daß die drei Touren zuvor auf der Karte wie drei Flügel eines Schmetterlings mit dem Körper bzw. Zentrum in Pirna aussahen. Nun fehlte nur noch der rechte hintere Flügel, also eine Tour in Richtung Südosten. Obwohl ich konditionell nicht mehr ganz frisch war, raffte ich mich deshalb zu dieser Abschlußaktion des langen Sportwochenendes auf, bei welcher die letzten 40 km im Elbtal wegen des stürmischen Gegenwindes die größte Herausforderung wurden.

Sobald es am Morgen etwas wärmer wird, bin ich nun endlich auch für längere Touren bereit.

31. Dezember 2025

Masse statt Klasse

Mein Sportjahr 2025 wartet diesmal nicht mit spektakulären Aktionen, neuen Rekorden oder besonderen Erlebnissen auf. Daß ich trotzdem durchaus zufrieden sein kann, liegt diesmal eher an der Quantität. Denn sieht man mal von der bzgl. des Handbikesports alles überragenden Saison 2020 ab, ist es mir nach 2022 und 2024 erst zum dritten Mal gelungen, mehr als 14.000 km  (und weniger als 15.000 km) in einem Jahr auf drei Rädern zurückzulegen. Dabei habe ich mich so oft wie bisher nie freitags nach Feierabend auf's Handbike gesetzt, um das Wochenende mit einer ersten Tour einzuläuten. Insgesamt waren das immerhin 26 Touren mit 2.381 km und 23.753 Hm.

Unterwegs in der Felsenheimat (Aufnahmeort)
Im nun zu Ende gehenden Jahr reichte der Schnee zwischen Januar und März für acht gemeinsame Unternehmungen mit meinen Sportfreunden. Meine Ausfahrten im Skitandem sind inzwischen zu immer wieder langersehnten Aktivitäten geworden, auf denen ich Orte erreichen kann, welche sich für mich selbst in der schneefreien Zeit weder mit dem Handbike noch im Rollstuhl ansteuern lassen, da sie abseits von Wegen im Gelände liegen. Zu nennen ist hier beispielsweise die Tour zum Dreiherrenstein unweit des Keilbergs (Klínovec) und der Wüstung am Gottesgaber Spitzberg (Božídarský Špičák) mit den letzten Überbleibseln des bekannten Gasthauses "Wunderblume" am 25.01.2025.

Am häufigsten fuhr ich dabei mit Christiane im Skitandem, doch inzwischen hat sich auch Carsten als Gespannführer eingefuchst. Auf der Skitour im Mittleren Erzgebirge probierte sich sogar mal Stefan, ein Kletterfeund von Christiane, für viele Kilometer als Tandemerster aus, und machte seine Sache ebenfalls sehr gut. Nach wie vor unentbehrlich im Schnee ist für mich jedoch vor allem meine allerbeste Sportfreundin - nicht nur, weil wir uns relativ unkompliziert spontan für ein paar Kilometer im Osterzgebirge verabreden können. Wenn ich ein Vorbild bräuchte, genau sie wäre es!

Meine Urlaubswoche im April verbrachte ich zuhause. Nach mehreren Touren im Handbike, aber auch einer Wanderung mit Ute und Peggy zur Wildwiese im Schrammsteingebiet konnte ich zwar etliche Kilometer "abrechnen", doch der große Motivationsschub, den mir zu dieser Jahreszeit in den vergangenen Jahren Urlaubsfahrten mit Lád'a und seinen tschechischen Sportkameraden in die Toskana oder auch u.a. mit bayerischen Sportfreunden nach Südtirol gaben, blieb dabei aus.

So verwundert es nicht, daß ich 2025 nur drei Lange Kanten (Streckenlänge >= 200km) sowie zwei weitere 100-Meilen-Touren und 4 Langstrecken (Streckenlänge >= 150km) absolviert habe. Verglichen mit den Vorjahren ist das unterdurchschnittlich. Die 200er führten mich dabei bis nach Finsterwalde, Zittau und schließlich noch ins nordböhmische Reichstadt (Zákupy) östlich von Böhmisch Leipa (Česká Lípa). Meine letzte Langstrecke des Jahres fuhr ich schließlich relativ spät innerhalb meines Herbsturlaubs, für den ich diesmal Quartier im ZERUM Ueckermünde genommen hatte. Die Tour nach Stettin (Szczecin) war aber landschaftlich nicht unbedingt ein Höhepunkt und daher eigentlich nur Fleißarbeit.

Eine unbedingt erwähnenswerte Aktion wurde der gemeinsame Ausflug mit meinen Freunden in den Spreewald. Dem unmittelbar vorausgegangen war mein erfolgreicher Paddel-Test mit Christianes Segment-Kajak auf dem Kiessee Birkwitz-Pratzschwitz. Auf der Spree paddelte ich nun eine ganze Strecke im Einer-Kajak, bevor ich das Boot der Tochter meiner Sportfreundin überließ und mich zu Christiane in das Zweier-Faltboot setzte, was mich wesentlich weniger anstrengte.

Im Rollstuhl bin ich in diesem Jahr nur dreimal auf Achse gewesen, denn dafür gab es einfach zu wenig Gelegenheit. Neben der bereits oben erwähnten Rollitour steuerte ich mit meiner Wanderfreundin Ute jedoch gleich zweimal den Burchenbüchel nahe Reinhardtsdorf-Schöna an. Im Winter wollte ich die Gelegenheit nutzen, um Bilder für den entsprechenden Tourenvorschlag auf dem Portal des Tourismusverbandes zu schießen, und Anfang August war ich dort zusätzlich mit Peggy und einem Drehteam für Filmaufnahmen.

Die Autorin Steffi Springer wollte nämlich ein 15-minütiges Porträt von mir und meiner Heimat, die Sächsische Schweiz, für die Sendereihe "einfach Mensch" im ZDF drehen, wofür ich schlußendlich die ersten drei Tage meines Sommerurlaubs kurzfristig einplante. Mit meinem Kamerad Lád'a unternahm ich dabei zunächst eine Handbiketour von der Bastei nach Stadt Wehlen und entlang der Elbe weiter bis Rathen. Anderntags folgte die genannte Burchenbüchel-Aktion, und zum Schluß nahm ich mit meiner Helferin Christiane erstmalig an einem Wettbewerb im Präzisionsorientieren als Veranstaltung des 21. Königsteiner Festungsaufs teil. Herausgekommen ist dabei ein absolut authentischer Film mit teils spektakulären Landschaftsaufnahmen, der m. E. wirklich Lust darauf macht, mal ein paar Tage in der Sächsischen Schweiz zu verbringen. Das durchweg positive Echo, das ich von vielen Seiten inzwischen erhalten habe, bestätigt meine Meinung.

Zu den schönsten Aktionen gehört in diesem Jahr unbestritten die zweitägige Ausfahrt mit meinem Chemnitzer Sportfreund Jens ins heimatliche Elbsandsteingebirge, wobei wir in einer Schutzhütte nahe Lichtenhain freiübernachteten. Während meines ersten Lebens als Kletterer gehörte nämlich das Boofen ganz natürlich zu meinem Hobby, so wie dereinst häufig von den Altvorderen zwischen zwei Klettertagen praktiziert. Heutzutage ist es für mich die beliebteste Gelegenheit des unmittelbaren Naturerlebens, auch wenn die Mitnahme aller dafür benötigten Utensilien immer schwierig ist und ich mir das daher viel zu selten vornehme.

In einem Desaster endete hingegen vorzeitig mein Alpenurlaub des Jahres 2025. Diesmal lag der Fokus der Pässejagd auf den Ostalpen, doch bevor es so richtig losging, erwischte mich das erste Mal während meiner gesamten langjährigen Handbikerkarriere eine schwere und hartnäckige Infektion mit heftigem und langandauernden Durchfall, sodaß ich mich nach fünf Tagen und nur zwei Handbiketouren von meinem ersten Basislager in Amlach bei Lienz aus nachhause evakuieren mußte. Erst dort bekam ich schließlich mithilfe meiner Hausärztin, viel Ruhe und gründlicher medikamentöser Behandlung meinen Körper nach einer knappen Woche wieder in den Griff und konnte den Sommerurlaub - jetzt allerdings in der Heimat - fortsetzen.

Dadurch ergab sich aber plötzlich die Möglichkeit, doch noch wenigstens eines meiner Schubladen-Projekte anzugehen. Nach der furiosen Aufholjagd am Jahresende 2023, um noch die angepeilte Jahresleistung von 13 Tkm zu erreichen, wußte ich, daß eine Kilometerleistung von 700 km innerhalb von 7 Tagen mit dem Handbike zu schaffen war. 2023 hatte ich zwischen dem 24. und 30.12. an sechs aufeinanderfolgenden Tagen immerhin knapp 625 km absolviert. Bei meinem diesjährigen Vorhaben mit dem Titel "700 Kilometer in 7 Tagen" fuhr ich ab dem 23.08. schließlich insgesamt nicht nur 707 km, sondern benötigte dafür auch nur sechs Tage am Stück. In diesem Fall war das angekündigte Schlechtwetter der Grund, mich noch ein wenig mehr bei der Umsetzung zu sputen. Als besonderes Bonbon, das ich ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatte, konnte ich schließlich in Summe dieser sechs Ausfahrten außerdem die 7.000-Höhenmeter-Marke knacken, und das bei dieser Dauerbelastung!

Als letztes erwähnenswertes Ereignis meines Jahresrückblicks sei die Auszeichnungsveranstaltung für die "Tourismushelden Sachsen 2025" im Rahmen der  Messe "Touristik & Caravaning Leipzig" genannt. In diesem Jahr wurde ich dafür wegen meines bereits langjährigen ehrenamtlichen Engagements zum Ausbau der touristischen Angebote für Gäste mit Handicap in meiner Heimatregion vom Tourismusverband Sächsische Schweiz nominiert. Auch wenn mich die Preisverleihung dann nicht sonderlich beeindruckte, habe ich mich doch über diese Ehrung sehr gefreut. Peggy, die für das Thema Barrierefreiheit zuständige Mitarbeiterin des Tourismusverbandes, war daran nicht ganz unbeteiligt - erkunde ich doch immer wieder gern mit meiner Wanderfreundin Ute und ihr neue mögliche Ausflugsziele und Touren für mobilitätseingeschränkte Besucher. Wenn man etwas gern macht, ergibt sich das übrige quasi ganz von allein.

Nach diesem zusammenfassenden Überblick könnte ich nun die Zahlen meiner Radsportsaison folgen lassen, doch erspare ich mir das. Wen es interessiert, schaut sich die im Beitrag eingefügten Übersichten etwas genauer an, doch will ich nicht den Eindruck erwecken, mir aufgrund der durchaus eindrucksvollen Werte bloß mit den Fäusten auf die Brust zu trommeln. Fakt ist, daß es wohl nur sehr wenige Fahrer gibt, welche innerhalb eines Zeitraums von 21 Jahren (meiner mittlerweile 26jährigen Handbikerlaufbahn) mehr als 241 Tkm und 2,4 Mio. Hm im Handbike zurückgelegt haben. (Die ersten fünf Jahre lasse ich dabei unberücksichtigt, weil es davon keine elektronischen Aufzeichnungen gibt.)

Für viele Radsportler ist das bereits mehr, als sie im ganzen Leben fahren.

Nachtrag vom 30.01.2026: Auf meinen Facebook-Seiten habe ich nun noch einen kurzen Beitrag mit einer Bildergalerie von 44 ausgesuchten und kommentierten Fotos veröffentlicht, die bisher noch nicht zu sehen waren.

23. Dezember 2025

Ausschleichen

Es ist geschafft! Mit meiner gestrigen Tour habe ich mein Wunschziel, was die zurückgelegten Kilometer in der Saison betrifft, endlich erreicht. Dabei dümpelte ich auf den meisten meiner Ausfahrten im Dezember so ziemlich vor mich hin. Nach den während der sieben Touren zurückgelegten 731 km und knapp 7600 Hm betrug meine Durchschnittsgeschwindigkeit nur 14,6 km/h statt des angestrebten Leistungsziels von 15,0 km/h.

Wahrscheinlich lag das jedoch nicht nur an den meist suboptimalen Witterungsbedingungen, sondern eben auch daran, daß mein Gefährt inzwischen unbedingt eine gründliche Wartung benötigt. Doch soll diese eigentlich erst im Frühling vor Beginn der Hauptsaison stattfinden. - Mal sehen, ob ich die Arbeiten bis dahin hinauszögern kann.

Am vergangenen Sonnabend schwang ich mich für die erste der beiden letzten "Pflichttouren" auf's Handbike. Zunächst fuhr ich eine kleinere Runde in der nordwestlichen Sächsischen Schweiz, um noch das Weihnachtsgeschenk für mein Patenkind bei seinen Eltern vorbeizubringen.

Danach kletterte ich während einer zweiten Runde noch einmal in das nördliche Umland von Dresden, vermied jedoch die ursprünglich geplante Horrorauffahrt von Pillnitz nach Borsberg bzw. deren Alternative nach Krieschendorf. Denn abgesehen vom gruseligen Pflaster im unteren Teil der erstgenannten Strecke, sind beide Straßen so steil, daß ich dort regelmäßig Zwischenstops benötige und außerdem zu langsam für die Aufzeichnung im Navi per GPS-Signal bin. D.h. dann wird weder die Höhe noch der zurückgelegte Weg protokolliert. Nur mit aktiviertem Geschwindigkeitssensor (am Vorderrad) funktioniert es, doch muß ich im Gerät erst wieder die Batterie wechseln. Meistens fahre ich nämlich inzwischen ohne aktivierten Geschwindigkeitsmesser, weil die Erfassung der Werte über GPS oftmals realistischer ist. Besonders in den Bergen ermittelt der Sensor immer erheblich mehr Kilometer als wirklich gefahren, was einmal auch schon zur Nichtanerkennung eines langen Kanten geführt hat.

Südlich der Elbe bin ich anschließend noch bis kurz vor Kreischa gefahren, wobei ich dort aus dem Lockwitztal die eher selten genutzte Streckenvariante über Saida wählte. Meine Tour unmittelbar an einem der der kürzesten Tage des Jahres endete schließlich eine knappe Viertelstunde vor dem Sonnenuntergang, ohne diese auch nur einmal gesehen zu haben.

Zwar strahlte der Stern dann am nächsten Tag fast von Auf- bis Untergang, doch benötigte ich unbedingt eine Erholungspause. Arme und Schultern zeigten deutliche Ermüdungserscheinungen, und mir war es das einfach nicht wert, mich ohne Sinn und Verstand zu quälen, wo doch zumindest für Montag noch akzeptables Wetter angekündigt wurde. (Ab Weihnachten soll die große Kälte kommen.) - Einfach mal die Beine baumeln zu lassen, gehört auch zu dieser Jahreszeit!

Auf der Abfahrt durch den Tiefen Grund,
kurz nach Erreichen der 14-Tkm-Marke
(Aufnahmeort)
Tatsächlich begann mein möglicherweise letzter Handbiketourentag des Jahres 2025 mit bereits relativ milden Temperaturen, so ungefähr 4 - 5°C. Erneut ohne garstige Steilrampen, baute ich in die Strecke immer noch ausreichend Anstiege ein, auf denen ich ingesamt auch wieder mehr als 1000 Hm absolvierte. So war ebenfalls sichergestellt, daß ich unterwegs nicht zu sehr auskühlte.

Als ich nach reichlich zwei Dritteln der Ausfahrt durch den Tiefen Grund (s. Track vom 22.12., km 68,2 - 74,3) hinunter ins Elbtal rollte, passierte ich dabei die virtuelle Ziellinie von 14 Tkm für die Tourensaison 2025. Neben dem in dieser Hinsicht alles überragenden Jahr 2020 mit 15.338 km ist dies erst das dritte Mal, in welchem eine 14 vor der Tausend steht. Bzgl. der Höhenmeter werde ich allerdings vermutlich auch unter dem nach unten korrigierten Jahresziel von 135 THm bleiben. Der Abbruch meiner diesjährigen Alpenpässejagd aufgrund massivem Durchfalls und die dadurch "fehlenden" Beträge in der Gesamtbilanz waren einfach nicht zu kompensieren.

Gemessen daran, daß ich mit 57 Jahren unter Leistungsgesichtspunkten vermutlich bereits altersbedingt abbaue, kann ich aber sehr gut damit leben.

31. Dezember 2024

Beständigkeit

Kurz vor Silvester ist es mal wieder Zeit, auf die vergangene Saison zurückzublicken. Mein Sportjahr 2024 wird nicht mit großen Projekten oder spektakulären Aktionen in Erinnerung bleiben, aber doch mit einer Menge Touren. Das ist in diesem Fall ganz sprichwörtlich, denn mit insgesamt 133 Handbiketouren war ich so oft wie noch nie auf drei Rädern unterwegs. Dagegen nehmen sich die 4 Ausfahrten im (Tandem-)Langlaufschlitten sowie 6 Rolliwanderungen insgesamt recht bescheiden aus.

Daß es so wenige Wintersportaktivitäten gab, lag zuallererst jedoch am fehlenden Schnee. Gerade mal an zwei Wochenenden im Januar gab es ausreichend Schnee, und auch im Dezember reichte das Weiß nur für zwei weitere Skitouren. Dafür waren Christiane, Carsten und ich sogar einmal wieder an der Elbe skifahren. Das hat man auch nicht alle Tage, bleibt aber nur ein schwacher Trost für den Winter-(fast)-Komplettausfall.

Mit dem Club-2k-Trikot vor dem Lilienstein
im Elbsandsteingebirge (Aufnahmeort)
Wesentlich mehr ist dafür in diesem Jahr in den Alpen geworden, und auch mein langjähriges Pässejagd-Projekt konnte ich nun endlich mit einer denkwürdigen Trophäe krönen. Nachdem ich im April mit meinem Kameraden Lád'a in Südtirol von Meran und Bozen aus u.a. bis in knapp über 2000 m Seehöhe (im Schnalstal) vorgestoßen war, fuhr ich zwei Monate später gemeinsam mit Christiane nach Österreich. Von Stams aus bezwangen wir gemeinsam erst den Kühtai-Sattel und anschließend gleich noch die Auffahrt zum Finstertaler Stausee. Während es für meine Sportfreundin die erste Pässefahrt auf zwei Rädern war, sammelte ich hier meinen letzten Paß für die illustre Mitgliedschaft im Club 2k des Radsport-Pässejagd-Portals Quaeldich.de im Internet. Die Dammkrone des Finstertaler Stausees sollte übrigens mit 2335 m ü.d.M. mein höchster in diesem Jahr mit dem Handbike erreichte Punkt bleiben. Für meine Aktivitäten in den Alpen spielte die Komplettierung der Quaeldich-Pässeliste aber eine eher untergeordnete Rolle. Erstens gab/gibt es in diesem Gebiet noch weitere Straßenübergänge bzw. Hochpunkte, die minimal 2000 m über dem Meeresspiegel aufragen, und zweitens wartete mit dem Passo del Mortirolo noch mindestens eine legendäre Radsport-Herausforderung auf mich. Ihn bezwang ich folgerichtig während meines Sommerurlaubs, welcher mich diesmal in fünf Stationen von Südtirol westwärts bis an den Comer See führte. Als anspruchsvollster Anstieg erwies sich dabei jedoch meine Tour zum "nur" 1985 m hohen Passo di San Marco.

Was meine Bilanz der absolvierten Langstrecken betrifft, so habe ich mich in dieser Saison im guten Mittelfeld gehalten. Insgesamt verbuche ich nämlich sechs Lange Kanten (Streckenlänge 200+km), vier 100-Meilen-Fahrten (Streckenlänge 161+km) sowie weitere drei über 150 km lange Ausfahrten im Haben. Die längste Strecke ging dabei über rund 232 km und führte mich in das Gebiet der Lausitzer Seen bis nach Brandenburg. Die Tour mit den meisten Höhenmetern des Jahres war mein Langer Kanten ins Erzgebirge. Dabei kamen immerhin 2410 Hm zusammen, mehr noch als bei meiner anspruchsvollsten Alpentour im Handbike, der Rundfahrt über Passo del Vivione und Passo Croce di Sálven mit 2350 Hm.

Außerdem ergab sich über Pfingsten wieder einmal die Gelegenheit für eine Handbike-Etappentour, weil meine Freunde über das verlängerte Wochenende zum Klettern ins Böhmische Paradies (Český ráj) fuhren. Sie boten mir an, meinen Rollstuhl und Schlafsack mitzunehmen, und so konnte ich jeweils einen Tag für Hin- und Rückfahrt einplanen. Auch diese Unternehmung war ziemlich anspruchsvoll, obwohl die Streckenlängen nur 142 bzw. 145 km betrugen. 

Natürlich war ich auch wieder mit dem Rollstuhl auf Achse, wenngleich sich diese Touren nur auf fünf Tage verteilten. Hauptsächlich dienten diese Wanderungen - wie z.B. von Gohrisch aus - der Erschließung und Dokumentation als Tourenvorschläge auf dem Internetportal für barrierefreie Touren des Tourismusverbands Sächsische Schweiz. Hierbei begleitete mich bis auf den letzten Spaziergang vor wenigen Tagen meine (nunmehr) ehemalige Physiotherapeutin Ute, die mir mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit über all die Jahre zu einer guten Freundin geworden ist, sowie regelmäßig auch Peggy vom Tourismusverband. Ausflüge mit diesen beiden werden immer zu einem wahren Happening, auf das ich mich besonders freue. Ich denke, die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit.

Im Herbst dieses Jahres verbrachte ich schließlich erneut einige Urlaubstage "im Norden". Diese Zeit nutze ich schon seit etlichen Jahren, um mir noch unbekannte Gegenden zu erkunden, die zwar nicht ganz oben auf meiner Wunschliste stehen, aber dennoch eine Reise wert sind. Wegen der absolut unangemessenen Preise für ein Quartier an der Ostseeküste (einschließlich der Jugendherbergen!!!) habe ich mich aber nun eher auf das nördliche Binnenland verlegt. Mit dem Haus Ecktannen in Waren an der Müritz fand ich diesmal ein wirklich empfehlenswertes Basislager für vier ausgedehnte Handbiketouren, die mich von dort in alle Himmelsrichtungen führten. Ich war von der Gastfreundschaft und der Unterkunft so angetan, daß ich mir - ganz gegen meine Gewohnheit - durchaus vorstellen kann, hier wieder einmal Urlaub zu machen. Das meist flache Land, unterbrochen von viel Wasser, lädt geradezu ein, relativ entspannt am Ende der Hauptsaison noch viel Strecke zu machen.

Apropos Wasser. In diesem Blog habe ich darüber nie berichtet, und auch auf meinem Instagram-Account gibt es nur ein kurzes Video davon: etwas häufiger als im vergangenen Jahr bin ich 2024 im Hallenbad schwimmen gewesen. An einem Abend in der Woche treffe ich mich nämlich mit meiner "Trainerin" Christiane (meine Sportfreundin ist tatsächlich ausgebildete und auch aktive Übungsleiterin) sowie inzwischen einer weiteren Bekannten, um im Kombibad Prohlis meine Bahnen zu ziehen. Allmählich werde ich (konditionell) etwas besser, an der Technik des Rückenschwimmens werden bei mir allerdings wohl immer Defizite bleiben. Ich schieb's vor allem auf die Höhe meiner Querschnittlähmung ... Trotzdem habe ich den Eindruck, daß mir diese Schwimmstunden konditionell selbst für meinen anderen Sport viel bringen.

In dieser Zusammenschau sind schließlich noch zwei weitere Dinge erwähnenswert. Zum einen betrifft das mein derzeitiges Handbike. Seit dem 01.11.2006 ist dieses Gefährt mein sportliches Hauptfortbewegungsmittel. In mittlerweile reichlich 18 Jahren habe ich damit mehr als 215 Tkm zurückgelegt und 2,19 Mio. Hm bewältigt. Viele Komponenten sind seitdem verschlissen und mußten ersetzt werden. Das passierte meist im Rahmen der regulären Wartung oder einfach so mal zwischendurch (z.B. Reifen- oder Bremsbelagwechsel), doch manchmal kommen einige Arbeiten unerwartet dazu. So steht derzeit die Überholung meiner zweiten Rohloff-Getriebenabe an, nachdem die Dichtungen durchlässig geworden sind. Immerhin kann ich das Vorderrad mit der Nabe durch mein altes (mit meiner überholten und als Ersatzteil vorgehaltenen ersten Rohloff-Nabe) relativ unproblematisch ersetzen, und bin daher nicht auf eine schnelle Reparatur angewiesen. So hoffe ich wenigstens. Weiterhin war auch die Halterung meines Fahrradnavis inzwischen total hinüber und damit unbrauchbar geworden. Hier hat mein Freund Lád'a mir schnell geholfen, indem er eine nahezu geniale Lösung für eine Ersatzhalterung konstruierte. Denn das, was mir an technischem Sachverstand und Werkzeug-Ausstattung fehlt, steuert mein tschechischer Kamerad bei. Beileibe nicht zum ersten Mal hat er mir damit schnell und zuverlässig aus der Klemme geholfen. Ich erinnere nur an die Erfindung des Tandem-Skilanglaufs  oder auch die mehrmalige Reparatur meiner Kurbelgriffe am Handbike. - Zu neuen Handbike-Hinterrädern bin ich ebenfalls in diesem Jahr gekommen, weil mir ein unachtsamer Autofahrer während meines verkehrsbedingten Halts an einer Kreuzung gegen das Rad fuhr. Der Unfall ging jedoch glimpflich aus und warf mich hinsichtlich meiner sportlichen Aktivitäten nicht zurück. Ich konnte nämlich übergangsweise mit den Rädern meines alten Rollstuhls weiterfahren, ohne erst auf den Ersatz warten zu müssen. Außerdem verlief die Klärung mit der Versicherung des Unfallbeteiligten erfreulich unkompliziert.

Zuletzt bleibt noch der Hinweis, daß ich mich 2024 erneut in einer Veröffentlichung verewigt habe. Meinen Text für Uwe Daniels Buch "Mythos Meisterwege" halte ich im Nachhinein für sehr gelungen. Er handelt von meinem letzten Klettertag, der mit dem Absturz endete, welcher mich in den Rollstuhl brachte. Darüber hinaus wird es im nächsten Jahr einen weiteren Beitrag für ein Kalenderblatt (analog diesem) geben, den ich zwar schon vor längerer Zeit abgeliefert hatte, der nun jedoch erst Verwendung findet. All diese Berichte sind für mich immer ein Blick zurück auf mein erstes Leben - verbunden mit der Möglichkeit, einige prägende Episoden und Sichtweisen dieser Jahre vor dem Dunkel des Vergessens zu bewahren.

So, wie das auch für diesen Jahresabschlußbericht gilt.

PS: Die reine Handbike-Statistik ist den Abbildungen dieses Beitrags zu entnehmen. Zur Einordnung möchte ich lediglich anmerken, daß ich erst zum dritten Mal in meiner sportlichen Laufbahn als Handbiker mehr als 14 Tkm pro Jahr gefahren bin und dabei sogar den zweiten Platz der Saison-Bestwerte erreicht habe. Noch weiter hebt sich mit knapp über 151 THm mein zweiter Platz bzgl. der Höhenmeter-Bilanz von der Durchschnittsleistung ab, was sicher auch auf meine drei diesjährigen Alpenfahrten zurückzuführen ist.

26. Dezember 2024

Sonniger Zieleinlauf

Mit der gestrigen Tour habe ich meine letzte Wunschmarke (mindestens 150.000 Hm im Anstieg) erreicht. Da ich außerdem nun mehr als 14.400 km Strecke im Jahr abrechnen kann, sind dies nun auch durchschnittlich 1200 km im Monat. Das sind doch eigentlich ganz nette Zahlen, oder?

Belohnt wurde ich am ersten Weihnachtsfeiertag mit viel Sonne, die sich nur nahe meines Umkehrpunktes Tetschen (Děčín) noch nicht gegen den Bodennebel durchgesetzt hatte. Vor allem während der Fahrt am frühen Nachmittag nach Papstdorf wärmte sie immerhin so sehr, daß es auch bei einer kurzen Pause trotz lediglich 2-3°C Lufttemperatur angenehm blieb. Das war auch mein Kalkül, als ich vor Cunnersdorf noch dieses Extra-Zackel zum spontanen Umweg einlegte. Auf dem "billigsten" Heimweg entlang der Elbe wäre ich hingegen zwischen Krippen und Königstein nur im Schatten gefahren.

Von Rathen habe ich mich am 25.12. auch nicht die 18%-Rampe nach Waltersdorf hinaufgekämpft, sondern bin auf den Füllhölzelweg zur Ziegenrückenstraße abgebogen (s. Track vom 25.12. km 13,4 - 15,4). Zwar ist dieser Wanderweg nicht als Radroute im Nationalpark ausgeschildert, weswegen man ihn prinzipiell nicht mit Zweirädern benutzen darf. Aber ich bin ja in einem "Sportrollstuhl" unterwegs. Überhaupt ist es nicht nur für mich schwer nachvollziehbar, weshalb die Nationalpark-Ranger mit ihren Autos dort "spazierenfahren" dürfen, während man bei entsprechend umsichtiger Fahrweise mit dem Rad auf dem zusätzlich mit Schotter befestigtem Wirtschaftsweg nicht einmal Spuren hinterläßt. Deren Akzeptanz und das Ansehen fördert das nicht gerade.

Der Lilienstein, vom Ortsausgang Walterdorf aus
gesehen (Aufnahmeort)
Auf der Höhe bei Waltersdorf erlebte ich dann jenen Anblick, der normalerweise typisch für den Herbst ist: der Tafelberg Lilienstein erhob sich über einer Nebeldecke, und auch weitere Berge im Süden des Elbsandsteingebirges ragten aus den Wolken. Zu dieser Jahreszeit und so später Stunde (es war bereits 9.30 Uhr) ist das eher ungewöhnlich.

Ansonsten blieb es an diesem Tag bei viel Routine, doch war das ja auch so geplant. Ab Tetschen hatte ich endlich auch den mäßigen Wind im Rücken und nun wirklich nichts mehr auszustehen. Denn daß ich meine Feitertagsrunde zusätzlich mit dem bereits oben erwähnten Abstecher nach Cunnersdorf und später sogar noch Papstdorf komplettierte, bildete das i-Tüpfelchen der Ausfahrt.

Als ein schöner Schlußpunkt meiner diesjährigen Handbike-Aktivitäten wäre die Tour jedenfalls geeignet.

17. Dezember 2024

Warm und windig

Zwei Tage zuvor noch auf Skiern im Schnee, nun bereits am Morgen 9°C in Pirna - logisch, daß ich die Gelegenheit für ein paar weitere Handbikekilometer genutzt habe. Selbst der kräftige Westwind störte mich nicht sonderlich, denn ohne Handschuhe und warme Winterstiefel sowie mit weniger Kleidungsschichten war ich wesentlich beweglicher.

Wenn ich wegen der äußeren Bedingungen (Witterung, Tageslänge in Verbindung mit meiner aktuellen Kraftausdauer) zu Beginn nicht genau abschätzen kann bzw. mir offenhalten möchte, wie weit ich fahre, habe ich mir inzwischen angewöhnt, die Strecke in meist zwei Runden mit Kreuzungspunkt in Pirna aufzuteilen oder wenigstens so zu legen, daß ich immer wieder nahe am Start- / Zielpunkt vorbeikomme. So auch gestern.

Außerdem halte ich mich zu dieser Jahreszeit bei den Anstiegen zurück. Ins verschneite Osterzgebirge mit dem Handbike zu fahren, ist derzeit sowieso grober Unfug, weil man sich und sein Gefährt dabei nur unnötig dem Spritzwasser der nassen Straßen aussetzt. Darüber hinaus darf es am Ende des Jahres gern mal auch etwas gemütlicher zugehen. 2340 Höhenmeter fehlen mir zwar noch an 150.000, das würde eine schöne Zielmarke ergeben. Doch falls es daraus nichts wird, wäre das trotzdem kein Grund, sich zu ärgern. Denn in dieser Saison konnte ich sowohl in Bezug auf die Distanz, als auch bezüglich der Anstiege bis jetzt bereits das zweitbeste Ergebnis (nach 2020) meiner jährlichen Radsportaktivitäten einfahren.

Meine Montagstour hielt - abgesehen von ein wenig Nieselregen auf der nördlichen Elbseite - jedenfalls keine nennenswerten Überraschungen bereit. Mittags befand ich mich schon kurz hinter Pötzscha auf der zweiten Runde. Ab Königstein nahm ich schließlich den größten bzw. längsten Anstieg des Tages unter die Räder, doch fahre ich diese Straße durch das Bielatal aufgrund der optimal dosierten konditionellen Trainingsanforderung immer wieder sehr gern. Ich glaube, das erwähnte ich bereits. Was ich auf diesen Kilometern beim Tempo an Boden verloren hatte, holte ich locker wieder auf der langen Abfahrt zum Ziel heraus. Das mag ich auf den Strecken nach Süden in Richtung Erzgebirgskamm bzw. Erzgebirgsgrenzgebiet: zum Schluß rollte es "zur Belohnung" bis nachhause nur noch bergab.

Deshalb schaffte ich es noch vor 15.00 Uhr zurück.

8. Dezember 2024

Kleckern statt Klotzen

Um mein Jahresziel zu erreichen, kann ich auf das Wetter keine Rücksicht nehmen! Beide Tage des Wochenendes sollten lt. Wetterprognose nicht unbedingt berauschend werden, und der Freitag war erst recht eine Katastrophe.

Dennoch begann der Sonnabend durchaus freundlich. Sogar die Sonne begleitete mich über einen Großteil des Vormittags, während der angekündigten Regen nur langsam in Richtung meines Tourengebiets zog. Wegen der niedrigen Temperaturen um die 3°C dehnte ich aber mein Aufwärmprogramm im flachen Gelände nach und durch Dresden etwas weiter aus, bevor ich anschließend im Lockwitztal zum ersten Mal am Tag allmählich an Höhe gewann.

Als nach der Abfahrt im Müglitztal und der Kletterei nach Burkhardswalde das Schlechtwetter immer noch auf sich warten ließ, fuhr ich auf dem Höhenzug schließlich bis kurz Liebstadt. Im Seidewitztal sollte es dann eigentlich bis Pirna nur noch bergab rollen, doch weil ich gut vorangekommen war, peilte ich erneut das Müglitztal an. Zum Schluß ging es von Heidenau bis Pirna auf dem Elberadweg.

Vis-à-vis eindrucksvoller Felsformationen im
Bielatal (Aufnahmeort)
Dabei hätte immer noch weiter fahren können - der Regen kam nämlich erst reichlich zwei Stunden nach meiner Ankunft. Doch an diesem Tag konnte ich mich nicht mehr zu einer weiteren Schleife motivieren. Bis dahin hatte ich nämlich mit vollem Körpereinsatz alle meine Vorgaben erfüllt. Da ich jedoch inzwischen körperlich spürbar abbaute, wäre ich wahrscheinlich langsamer geworden. Außerdem wollte ich mir eine unnötige Schinderei ersparen, da ich die wenigen fehlenden Kilometer zum Jahresziel bestimmt trotzdem in den verbleibenden Tagen des Jahres schaffe.

Nach dem langandauernden Regen des Abends und der Nacht sah es am Sonntagmorgen gar nicht so schlecht aus, sodaß ich gleich noch einmal mein Pferd sattelte. Bis zur nächsten Schallmauer - den 14.000 km - verblieben nur 41 km, die ich höchstwahrscheinlich bis Mittag abhaken konnte.

Schallmauer voraus! (Aufnahmeort)
Einrollen entlang der Elbe, als nächstes 15 km von Königstein bis zum Beutwald oberhalb des Bielatals rund 370 Hm klettern , und dann noch etwas länger (fast) ausschließlich bergab bis Pirna - so lautete das Programm für diese Tour. Kurz vor Langenhennersdorf Waldburg überquerte ich dabei die imaginäre 14k-Linie, also hatte ich alles richtig gemacht.

Und das Wetter hielt auch durch, weshalb ich mich für eine Ehrenrunde nördlich der Elbe entschied. Meine bisherige "Bummelei" konnte ich dadurch ausgleichen und gleich noch etwas für die Statistik tun. Ab Graupa nieselte es hin und wieder ein wenig, was mir aber nicht die Laune verdarb. Im Prinzip hatte ich nämlich mein Wunschziel erreicht. Für den zweitbesten Kilometerwert meiner gesamten Handbikerkarriere bräuchte ich nun etwa 80 km, und am bereits nach oben korrigierten Höhenmeterziel von 150.000 Hm fehlen knapp über 3000 Hm. Aber auch falls es daraus nichts wird, wäre das kein Drama.

Denn auf's Skifahren im Tandem mit Christiane, Lád'a oder Carsten freue ich mich mindestens genauso. Von mir aus kann es in den Hochlagen des (Ost-)Erzgebirges nun bald schneien ...  

16. September 2024

Zahlen und Bilder

Noch einmal habe ich mich hingesetzt und meine diesjährigen Aktivitäten in den Alpen Revue passieren lassen. (Bei dem derzeitigen schlechten Wetter muntern mich solche schönen Erinnerungen immer etwas auf.) Und natürlich hat es mich dabei interessiert, wie die Hochgebirgstouren-Gesamtstatistik für die aktuelle Saison aussieht. Denn weitere Unternehmungen in den hohen Bergen werden in diesem Jahr nicht mehr hinzukommen.

Herausgekommen ist nun ein Beitrag für Facebook, welcher im Text nicht nur diese Daten zusammenfaßt, sondern auch 40 bisher noch nicht gezeigte Bilder enthält. Leser, die nicht auf Facebook registriert sind, können die (evtl. zunächst erscheinende) Anmeldemaske einfach schließen (s. Kreuz rechts oben). Sie sollten danach trotzdem Zugang zur Veröffentlichung haben bzw. zu dieser weitergeleitet werden.

10. September 2024

Abschließende Zusammenfassung

Auch wenn ich für meinen beiden vorangegangenen diesjährigen Unternehmungen in den Alpen neben den Blogbeiträgen keinen Reisebericht abgeliefert habe, so veröffentliche ich doch nun eine illustrierte Zusammenfassung des Sommerurlaubs mit etlichen Aufnahmen, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Blauer Himmel überm Valle Brembana auf der anderen
Seite des Passo di San Marco - s.a. dazu das
Unwetter-Bild im Reisebericht (Aufnahmeort)
Meine Reise ins Hochgebirge im Herzen Europas schrieb sich in diesem Jahr besonders als - zumindest in meiner Erinnerung - durchgängig heißester Urlaub seit Beginn meiner Alpenfahrten in die Geschichte ein. Kein einziges Mal benötigte ich auf meinen Touren ein Langarmtrikot oder eine Jacke, und selbst die Ärmlinge streifte ich mir morgens nur ein-, zweimal für wenige Minuten über. Bis auf drei Übernachtungen zu Beginn des Urlaubs schlief ich im Auto auch nicht im Schlafsack, sondern benutzte nur eine dünne Fleecedecke auf der Isomatte. Schweißtreibend blieb es wegen der regelmäßig hohen Luftfeuchtigkeit trotzdem.

Obwohl ich in diesem Jahr im Sommer nicht so lange in den Alpen unterwegs war daher auch weniger Touren absolviert habe, kann sich die Bilanz doch sehen lassen: Auf 8 Touren bin ich 641 km gefahren und habe dabei 13.174 Hm bewältigt. 12 neue asphaltierte Straßenpässe konnte ich dabei erklimmen, auf vier Touren dabei jeweils 2. - Dafür, daß ich mittlerweile ganz schön organisieren muß, um hierbei einen sinnvollen Ablauf zu finden, geht das also völlig in Ordnung.

Leider sind andere interessante Spielwiesen für meine Kletterambitionen noch weiter entfernt bzw. umständlicher zu erreichen. Die Pyrenäen oder die Insel Korsika mit ihren vielen Bergstraßen würden mich nämlich auch mal interessieren. Aber dorthin möchte ich definitiv nicht allein fahren.

Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit ...

31. Dezember 2023

Starker Auftakt, starker Abgang

In den letzten Tagen des Jahres 2023 ist es wieder an der Zeit, die Geschehnisse der vergangenen 12 Monate Revue passieren zu lassen. Damit sind natürlich vorrangig meine sportlichen Aktivitäten gemeint, wenn mich auch zunehmend andere Dinge beschäftigen.

Die Welt verändert sich um mich herum, und zwar ganz und gar nicht zum Guten. Doch meine meistens sehr klare Meinung über bestimmte politische Entwicklungen sowie zum Umgang mit Konflikten gehört - so finde ich - nicht hierher. Ich halte es lieber mit einem alten Grundsatz, der Sport stets von Politik trennt - auch wenn zunehmend versucht wird, diesen politisch zu instrumentalisieren. Das alles gab es in diesem Land schon mindestens einmal ...

Der definitive Höhepunkt meines Sportlerjahres 2023 war unzweifelhaft die erfolgreiche Teilnahme von mir und meinen Freunden Christiane und Carsten am schwedischen Vasaloppet Ende Februar. Auf dieses Ziel hatten wir seit 2022 hingearbeitet, und mir war diese Veranstaltung so wichtig, daß ich über den gesamten Monat Februar nicht einen einzigen Kilometer im Handbike zurücklegte, sondern alle Energie für unser Vorhaben aufwandte. Es wurde ein beinahe triumphaler Durchmarsch, den ich nur gemeinsam mit meinen Freunden erreichen konnte. Mit unserer Teilnahme machten wir deutlich, wie Inklusion tatsächlich aussehen kann - ohne, daß die nicht eingeschränkten Sportler um die Behinderten herumtanzen, diese bespaßen und sich dabei selbst ob ihrer Großmütigkeit auf die Schultern klopfen.

Danach fiel ich erstmal in ein Motivationsloch, denn was für ein großes Projekt könnte es noch für mich geben?! Ich habe inzwischen so viel erreicht, da gehen mir allmählich die Ideen für realistisch umsetzbare anspruchsvolle Vorhaben aus.

Erst, als es nach der Tag-und-Nacht-Gleiche wieder lange genug hell für größere Strecken war und der Frühling mit für mich optimalen Radsport-Temperaturen lockte, besann ich mich auf alte Stärken. Nach dem ersten langen Kanten am 30.04. folgten im Mai drei, im Juni zwei und am 01.07. die letzte der diesjährigen Strecken mit mehr als 200 km Streckenlänge. Anfang September erreichte ich diese Entfernung zwar fast noch ein weiteres Mal, nach der Distanzkorrektur waren es dann an diesem Tag jedoch "nur" 199,2 km. Für mich gehörte es deshalb zu meinem Verständnis von Ehrlichkeit, diese Tour nicht als Langen Kanten anzuerkennen - auch wenn ich konditionell locker die noch fehlenden 800 m geschafft hätte. So sind es halt sieben 200+-Strecken ...

Aus diesen Langstrecken-Unternehmungen ragt meine Nonstop-Rundtour durch die drei größten sächsischen Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig hervor. Die Idee zu diesem "Drei-Städte-Giro" lag bei mir schon eine Weile in der Schublade, zumal ich bereits in den vorangegangenen Jahren Lange Kanten nach Chemnitz (und zurück) sowie Leipzig (und zurück) erfolgreich absolviert hatte. Für die 324,54 km und 2.249 Hm benötigte ich brutto 23 Stunden und 17 Minuten, lt. Strava (netto, also reine Fahrzeit) 20:53:46.

Abgesehen von etlichen gemeinsamen Skitouren mit Christiane (und Carsten) zur Vorbereitung auf unseren Wasalauf, bin ich allerdings im Jahr 2023 unterdurchschnittlich oft mit meinen besten Freunden zusammen auf Tour gewesen. Lád'a war in dieser Saison sehr oft auf Reisen, und Christiane hatte ebenfalls fast das ganze Jahr über einen vollen Terminkalender. Trotzdem freute ich mich über die Ausfahrt mit meinem tschechischen Kameraden zum Drei-Länder-Eck Tschechien-Polen-Deutschland sowie über die Tour zum Varhany-Radweg, auf der mich Christiane begleitete. Immerhin klappte es am Ende meines Sommerurlaubs noch mit unserer Biwak-Tour, bei der Christiane, Lád'a und ich zwischen zwei Touren im Schlafsack in einer Schutzhütte im Osterzgebirge nächtigten.

Die nächste Erfolgsgeschichte war meine Alpenpässejagd mit dem Handbike im Sommer, welche mich durch Regionen des Gebirges in der Schweiz, in Italien sowie in Frankreich führte. Auch wenn es diesmal neben viel Licht auch einigen Schatten gab, kann ich sehr zufrieden auf diese drei Wochen zurückblicken.

Nach mehreren Jahren ohne größere oder längere Aktivitäten im Rollstuhl, war ich 2023 wieder häufiger sportlich mit diesem Gefährt unterwegs. Nicht zuletzt wurden meine Rolliwanderungen durch ein Projekt des Tourismusverbands Sächsische Schweiz ausgelöst, welches die Überprüfung und ggf. Neuerfassung von barrierefreien/-armen Wandervorschlägen im Gebiet und ihre Aufarbeitung bzw. alternativ Bereitstellung im Internet-Tourenportal für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen beinhaltete.

Getreu meines Grundsatzes, daß Ausflüge mit Freunden viel schöner sind, als allein irgendwo herumzuwursteln, holte ich mir dafür liebe Begleiterinnen an Bord. Mit Ute, meiner Physiotherapeutin und inzwischen auch gute Freundin, sowie Peggy vom Tourismusverband, mit der mich meine Vergangenheit als Kletterer verbindet, unternahm ich etliche Ausflüge im Rollstuhl in die Sächsische Schweiz. Obwohl manchmal richtig anstrengend, hatten wir immer unseren Spaß dabei, wobei ich dank Peggy und vor allem Ute niemals hungern mußte.

Neben der Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Sächsische Schweiz engagierte ich mich 2023 übrigens auch noch bei weiteren Gelegenheiten. Erstmals konnte ich beispielsweise den Fortgang der Bauarbeiten zur Erweiterung der Saupsdorfer Hütte des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) vor Ort begutachten. Der Initiative des umtriebigen Hüttenwart-Ehepaars ist es zu verdanken, daß diese Unterkunft bald auch für Gäste mit Handicap nutzbar sein wird. Desweiteren beteiligte ich mich im Mai an der Ausgestaltung des in diesem Jahr wieder aufgelegten Berggottesdienstes in der Kuhstallhöhle des Neuen Wildensteins, für den ich einen kurzen Impulsbeitrag beisteuerte. Außerdem ergab sich vor einigen Wochen die Möglichkeit, auf Einladung der Verwaltung der Festung Königstein, den dort veranstalteten historischen Weihnachtsmarkt auf seine barrierefreie Zugänglichkeit zu testen. Dieser Termin war vor allem deswegen interessant, weil sich daraus gewiß weitere Anlässe für gemeinsame Projekte mit den Verantwortlichen für die Festung zum Thema Barrierefreiheit entwickeln. Meine Begleiter und ich wurden von ihnen jedenfalls mit offenen Armen empfangen.

Statt - wie bei mir schon beinahe Tradition - im Herbst noch einmal ein paar freie Tage für Erkundungen im Handbike irgendwo in Deutschland zu planen, verbrachte ich fast den gesamten Monat Oktober im Nordschwarzwald. Während meiner (regulären) Reha in der Heinrich-Sommer-Klinik des Berufsförderungswerks in Bad Wildbad nutzte ich die behandlungsfreie Zeit für Handbiketouren und Rollispaziergänge. Das oft wesentlich anspruchsvollere Streckenprofil dieses Mittelgebirges setzte mir dabei auf meinen Unternehmungen im Handbike viel stärker konditionell zu, als ich es erwartet hatte. Wenigstens eine dieser Aktionen war ziemlich grenzwertig. Dagegen gefiel es mir auf dem Baumwipfelpfad mit dem barrierefrei berollbaren Aussichtsturm richtig gut - kein Wunder bei den spätsommerlichen Temperaturen weit über 20°C an diesem Nachmittag.

Fast hätte mein Tourenjahr mit Wintersport geendet, denn Ende November versank innerhalb weniger Tage die Landschaft bis hinunter ins Elbtal (wo ich wohne) im Schnee. Mit den drei darauffolgenden Ausfahrten im Tandemski-Gespann summierten sich dabei in meiner Skilanglauftouren-Bilanz für 2023 beachtliche 412 km auf 12 Touren, was einer durchschnittlichen Streckenlänge pro Tag von mehr als 34 km entspricht. Dann aber kam das große Tauwetter, und selbst das zweitägige Schneechaos in den Höhenlagen meiner Heimat unmittelbar vor Weihnachten änderte nichts mehr daran, daß keine weitere Skitour mit meinen Freunden im Restjahr folgte.

Dafür öffnete sich für mich völlig unerwartet ein Fenster, meine eigenen Vorgaben für Aktivitäten im Handbike hinsichtlich Streckenlänge und Höhenmeter bis zum Jahresende doch zu schaffen. Am 23.12. fehlten noch fast 620 km und 1875 Hm bis zur Ziellinie. Mit einem bisher (von mir) noch nie erlebten Kraftakt gelang mir dank akzeptabler Witterungsbedingungen das scheinbar Unmögliche - so, wie wahrscheinlich die wenigsten Leute gedacht hätten, daß ich mit meinem Langlaufschlitten (im Skitandem) beim Wasalauf überhaupt im Ziel ankomme.

Noch bin ich fähig, immer wieder zu überraschen!

PS: Die Abbildungen diese Beitrags enthalten alle statistischen Informationen meines Sportlerjahres 2023. Wer genau hinschaut, wird bemerken, daß ich hinsichtlich Durchschnittsgeschwindigkeit weit unter meinem angepeilten Wert liege. Statt mindestens 15,0 km/h sind es nämlich nur 14,6 km/h. Ich mache dafür nicht nur mein wartungsbedürftiges Handbike (u.a. verschlissene Lager und Antriebskomponenten) verantwortlich, ich selbst werde mich wohl ebenfalls dem altersbedingten Nachlassen der Leistungsfähigkeit stellen müssen. Aber damit kann ich leben, auch wenn's manchmal schwer fällt.

PPS: Auf meinen Facebook-Seiten habe ich eine weitere schlaglichtartige Zusammenfassung meines Sportlerjahres 2023 inklusive vierzig kommentierter Bilder veröffentlicht.

17. Dezember 2023

Trostpreis

Mein angepeiltes Jahresendziel bzgl. der Statistik wird nun wohl auf ganzer Linie nicht mehr zu erreichen sein. Ich habe meinen Leistungszenith überschritten, das legen mir die diesjährigen Werte eindrücklich nahe. Doch klagen will ich nicht darüber, schließlich konnte ich in den vergangenen dreiundzwanzig Jahren eine ganze Reihe Projekte realisieren, von denen auch NUR EINES DAVON für jeden Sportler mit und ohne Handicap einen prominenten Platz in ihrer Bilanz haben würde.

Immerhin gab es gestern für mich trotzdem etwas zu feiern. Mein Schmicking-S3-Tourenhandbike hat nun nämlich ebenfalls die 200.000-km-Marke geknackt. Genauer: seit der ersten Tour auf meinem erst zweiten Handbike am 17.11.2006 habe ich nach reichlich 17 Jahren nunmehr 200.039 km mit 2.035.291 Hm absolviert. Es wird wohl nicht übermäßig viele Radsportler geben, welche ein und dasselbe Rad so lange verwenden bzw. mit einem einzigen Rad eine solche Laufleistung erreichen. Aber für mich paßt die Rahmengeometrie, die Konstruktion der Rückenlehne und die Anordnung sowie Länge der Handkurbeln (ganz wichtig!) nahezu perfekt. - Ich hoffe, daß mich mein treuer Drahtesel noch lange begleitet und gemeinsam mit mir alt wird ... 🥰

Zuvor legte ich dafür bereits am Freitagnachmittag den Grundstein. Denn weil der Schnee - rechtzeitig vor Weihnachten - erwartungsgemäß verschwunden ist, kam mein Handbike wieder zu seinen Ehren.

Abend an der Elbe bei Pirna (Aufnahmeort)
Meine Feierabendrunde führte mich in den waldreichen südlichen Teil des Elbsandsteingebirges. Ohne steile Anstiege und auf nicht mehr klatschnassen Straßen unterwegs, machten sich die 19 Tage Radabstinenz erstaunlich wenig bemerkbar. Und so dehnte ich meine Tour noch ein Stück in östliche Richtung aus - zumal der Rückweg auf dem Elberadweg fast komplett kraftverkehrsfrei ist, sodaß er sich (natürlich mit Beleuchtung) auch nach Einbruch der Dunkelheit entspannt fahren läßt. Wegen des Weihnachtsmarktes peilte ich in Pirna zuletzt mein Zuhause auf einem Umweg an, 16.41 Uhr stoppte ich die Aufzeichnung.

Gestern begann der Tag noch etwas wärmer aber mit etwas mehr Wind. Deswegen entschied ich mich zunächst für die Täler in Richtung Süden. Nach der Instandsetzung der Straße zwischen Pirna-Neundorf und Langenhennersdorf sowie weiter bis zum Abzweig des Bahretals ist dieser Abschnitt nun ebenfalls eine durchweg gut zu fahrende "Rennstrecke" geworden. Überhaupt konnte ich während meiner Tour eine ganze Reihe inzwischen neu asphaltierter Teilabschnitte miteinander verbinden, was sich merklich auf's Tempo auswirkte. Nur der Kilometer von der Einmündung der Göppersdorfer in die Börnersdorfer Straße  bis Liebstadt ist noch ziemlich holperig.

Nördlich der Elbe sammelte ich schließlich auf der zweiten Hälfte der Tour die restlichen Höhenmeter. Allerdings kam es mir dabei trotz des moderaten Streckenprofils so vor, als ob ich leistungsmäßig abbauen würde. Bei 100 km "aus der kalten" schienen sich die knapp drei Wochen ohne ein einzige Handbiketour doch auf meine Kraftausdauer auszuwirken. Auch signalisierte zum Schluß die Anzeige meines Fahrradcomputers für den (auf Basis von Herzfrequenz sowie weiterer gemessener Werte ermittelten) Trainingseffekt mit 5.0 im aeroben Bereich eindeutig Überbelastung an. Nach meinem Gefühl war diese Bewertung durchaus realistisch.

Also verbringe ich nun den dritten Advent lieber ohne sportliche Aktivitäten, damit ich vielleicht morgen ausgeruht eine weitere Tour dranhängen kann. Das Muster 2-0-1 hat sich schon häufig bewährt.

29. Oktober 2023

Kehraus

Fast die ganze Woche lang stand es auf der Kippe, ob ich noch einmal im Handbike aktiv werden könnte. Selbst für das Wochenende war Dauerregen angekündigt. Allerdings wurde es dann am Freitagnachmittag etwas besser, und auch gestern kletterte am Morgen zunächst die Sonne über die Berge.

Das war die Chance, mein selbstgewähltes Entfernungsziel von 1.000 km im Monat sowie auch die 11k-Marke für das gesamte Jahr zu erreichen. Zunächst fuhr ich das Tal der Großen Enz aufwärts, bei wenig Kraftverkehr entschied ich mich diesmal auch gleich für die Straße statt des Enztalradwegs. Der führt nämlich meist durch dichten Wald mit klatschnassem Asphalt, welcher sich wegen des Laubs, heruntergefallener Äste sowie Tannenzapfen bzw. Bucheckern derzeit ziemlich holperig fahren läßt.

"Grenzstein" des Landkreises
Freudenstadt an der Bundesstraße
B294 (Aufnahmeort)
Auch oben auf der Bundesstraße herrschte nur mäßig Verkehr, so daß ich zunächst zum Kilometersammeln weiter südwärts fuhr. Die Idee, hinter Besenfeld auf anderer Strecke zurückzukehren, mußte ich jedoch verwerfen, weil der dafür vorgesehene Waldweg inakzeptabel steil und grobschotterig war. Von solchen Experimenten hatte ich aber genug, zumal nach wie vor Schlechtwetter mit Regen drohte.

Die Bundesstraße immer leicht bergab durch das Tal der Kleinen Enz wurde dafür eine schöne Rennstrecke, wo ich viel Zeit gutmachte. Die Autos störten mich hier überhaupt nicht, weil ich ja selbst teilweise in derem Tempo abwärts rollte. Im übrigen möchte ich an dieser Stelle die hiesigen Autofahrer ausdrücklich loben. Sie begegneten mir fast durchweg extrem rücksichtsvoll - ganz ohne Schimpfen - und überholten bei Gegenverkehr noch nicht einmal an Stellen, wo es meiner Meinung nach ganz ohne Gefährdung möglich gewesen wäre. Vielleicht gab es ja auch einen Bonus für mich in meinem ungewöhnlichen Gefährt, den die Leute gern mal ein paar Momente in Aktion sehen wollten.

Als ich bereits kurz nach dem Mittag wieder in Calmbach und der Regen immer noch weit weg war, dehnte ich dann meine ursprünglich nur als Kurzstrecke geplante Tour Stück für Stück aus. Insgesamt kamen dabei noch einmal ähnlich viele Höhenmeter und Kilometer zusammen wie beim ersten Teil meiner Fahrt, doch konnte ich mein Wunschtempo halten. Leider gingen nach dem ersten 200-Hm-Anstieg bei Neuenbürg nun auch ein paar  Regenschauer nieder, die mir zwar nicht sonderlich zusetzten, jedoch die Straße so einnäßten, daß ich mich auf den letzten langen Abfahrten mit nahezu optimalen Gefälle schließlich herunterbremsen mußte, um halbweg vom Spritzwasser verschont zu bleiben. Sonst hätte ich bestimmt noch ein paar Zehntel zugunsten der Durchschnittsgeschwindigkeit herausholen können.

Es war trotzdem ein versöhnlicher Abschluß meines Tourenmonats während der Reha im Schwarzwald, bei dem ich oftmals leistungsmäßig (d.h. hinsichtlich des Tempos) nicht unbedingt geglänzt hatte. Immerhin kamen auf 9 Touren 824,5 km mit 10.074 Hm zusammen, wenn auch nur mit einer Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit von 14,0 km/h.

Nun bin ich gespannt, wie es nach meiner Rückkehr zuhause im Handbike rollt ...

11. August 2023

Unrühmlicher Abgang

Mein letztes Urlaubsziel sorgte bei mir für mehr Frust als Lust. Dabei klang die Beschreibung des Passes Col de la Loze (2301 m) eigentlich gar nicht so schlecht. Schlußendlich kam ich mir am Ende doch ziemlich vergackeiert vor, was ganz sicher dazu beiträgt, daß ich alle weiteren Unternehmungen in dieser Gegend von meiner Wunschliste gestrichen habe. Doch der Reihe nach.

Bereits einen Platz für die Übernachtung zu finden, erwies sich nämlich als eine unerwartete Herausforderung. Zwar war auf dem zuvor ausgesuchten Campingplatz in Brides les-Bains ganz offensichtlich noch ausreichend Platz für mein Auto - das Fräulein an der Rezeption wies mich dennoch ab, weil ich nicht reserviert hätte. Auch der Verwalter des etwas weiter höher im Tal gelegenen Campingplatzes ließ mich aus ähnlichem Grund abblitzen.

Wenigstens hatte ich zuvor festgestellt, daß der barrierefreie Sanitärtrakt des ersten Platzes nahezu vorbildlich ausgestattet und eingerichtet war. (Das muß ich fairerweise anmerken: es war beinahe die beste Ausstattung, die ich jemals auf Reisen erlebt habe - absolut durchdacht, so, als ob hier ein Rollifahrer an der Planung beteiligt gewesen wäre). Für meine nun nötige Improvisation wurde das ein zentrales Element. Denn ich übernachtete schließlich auf einem etwas abgelegenen bzw. versteckten Parkplatz und nutzte am nächsten Tag genau diesen Sanitärtrakt, indem ich mich noch einmal ungefragt auf dem Zeltplatz einschmuggelte und die offen zugänglichen Räumlichkeiten für meine Körperhygiene (Toilettengang und Duschen) nutzte. Den Leuten dort entging also die Übernachtungsgebühr von 2 x 25,- EUR und ich nutzte trotzdem, was ich brauchte. Ein schlechtes Gewissen habe ich deswegen nicht, schließlich hätte ich ja auch ganz gern offiziell dort übernachtet.

Nach einer recht kurzen Nacht startete ich dann bereits kurz vor Sonnenaufgang zur Paßfahrt. Ungeachtet der frühen Stunde wurde es dennoch ein Spießrutenfahren bis fast zum Ortsausgang von Courchevel. Eine schier endlose Karawane an Fahrzeugen walzte bereits gegen 6.30 Uhr die Straße zu den Ortsteilen dieses Nobel-Wintersportorts hinauf. Hauptsächlich waren es Kleintransporter und Baufahrzeuge, aber auch private Kfz, deren Nummernschilder die Besitzer vorzugsweise in den osteuropäischen Ländern verortete. Dabei überholten mich bei Gegenverkehr selbst schwere LKW, z.B. Betonmischer oder Autokräne sowie Betonplatten-Transporter, ohne Rücksicht auf irgendwelche Mindestabstände. Man mußte schon starke Nerven haben, um sich dadurch nicht verrückt machen zu lassen. Freude an der Auffahrt konnte da bei mir gar nicht erst aufkommen.

Massentourismus auf unterstem Niveau (Aufnahmeort)
Die Ortsteile von Courchevel wirkten auf mich deprimierend. Riesige Touristenbunker zwischen Kitsch und Protz, außerdem Boutiquen von Edel-Marken für Gestalten vom Schlag dieses deutschen TV-Show-Millionärspärchen - und genau darauf abgestimmt in der Anmutung. Jetzt war hier jedoch fast alles geschlossen - obwohl für den kommenden Winter an allen Ecken und Enden gebaut wurde, als ob es kein morgen gäbe. Ein solches Armageddon des Massentourismus' hatte ich nun wirklich bisher noch nicht gesehen.

Am Beginn der eigentlichen Fahrradstraße zum Col de la Loze war ich bereits dermaßen frustriert, daß es mir schwerfiel, dieser Tour noch etwas Schönes abzugewinnen. Bis hierher gelangte zwar nicht mehr die Blechlawine, doch die Zerstörung der Landschaft (durch Skipisten, Liftanlagen, Kunstseen zur Beschneiung der Hänge usw.) war immer noch allgegenwärtig. - Wie abgestumpft muß man eigentlich sein, damit man sich in einer solchen Umgebung noch wohl fühlt, auch wenn das weiße Leichentuch des Schnees alles bedeckt?!

Das angekündigte "Massaker" für den Radsportler blieb ebenfalls aus. Weder vom konditionellen Anspruch noch hinsichtlich der Steigungsprozente hob sich diese Auffahrt aus der Masse hervor. Irgendwie kam es mir so vor, als ob dieser Spruch eine miese Masche der lokalen Tourismusvertreter war, um während der schneefreien Jahreszeit auch ein paar Gäste - in diesem Fall Radsportler - anzulocken, mit denen man Geld verdienen könnte. Der Bau dieser Radstraße ging ja offensichtlich auch auf eine Idee dieser Verantwortlichen zurück. An einer Stelle vor einer Seilbahnstation sowie unmittelbar vor dem Scheitelpunkt zog die Steigung allerdings mal bis auf geschätzte 16 - 18% an, jedoch nie so lange, daß ich mich hätte hochruhen müssen. Vielleicht auch, um es mir selbst zu beweisen und um den ganzen Ärger über dieses ganze Gemache abzureagieren, fuhr ich alle diesen steilen Passagen ohne Pause durch.

Auf der Paßhöhe (eigentlich war es gar kein richtiger Paß, sondern eher die Querung einer Bergflanke) kamen kurz vor dem Mittag erstaunlich viele Radsportler zusammen, natürlich nicht zu vergleichen mit dem Auflauf auf dem Mont Ventoux, einer echten Radsportlegende. Aber selbst hier nervte das aggressive Marketing der Wintersportorte Courchevel und Meribel, welches sich in der Beschriftung der Straße sowie riesigen Aufstellern und Schildern manifestierte. Die Mofa-Truppen waren logischerweise ebenfalls überdurchschnittlich präsent. Ein wenig Wiedergutmachung leistete hingegen das umfassende Drei-Seiten-Panorama mit dem Mont Blanc am Horizont. Man mußte sich dabei nur die verunstaltete nähere Umgebung wegdenken.

Die Abfahrt stellte dann noch einmal einen echten Belastungstest für meine Scheibenbremse dar. Der obere Teil dieser Auffahrt bzw. für mich nun Abfahrt war dermaßen brutal und gestaltete sich dabei so unrund (flache und steile Abschnitte im kurzen Wechsel), daß diese wohl am ehesten einer Killer-Attacke gleichkommt. Ich war jedenfalls froh, die andere Seite gewählt zu haben.

Der Rest ist schnell berichtet. Nach meiner Ankunft am Auto verpackte ich bald meinen Krempel, erledigte meine hygienischen Verrichtungen auf besagtem Campingplatz und startete endlich gegen 19.00 Uhr mit dem Auto in Richtung Heimat. Nach 1113 km und zwei kürzeren Schlafpausen unterwegs erreichte ich heute gegen 11.15 Uhr mein Zuhause.

Die Bilanz dieser 21 Tage: 16 Pässe bzw. Bergfahrziele (davon 15 bisher von mir noch nicht im Handbike bezwungen) auf 12 Touren mit insgesamt 839,3 km und 18.994 Hm. - Eine wirklich erfolgreiche Pässejagdsaison!

31. Dezember 2022

Neue Horizonte

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alles Neue verursacht erst einmal Aufregung, bevor es im Alltag ankommt. Das ist bei Krankheiten so, bei Konflikten und natürlich auch hinsichtlich einer sich verändernden Umwelt. Und damit meine ich noch nicht einmal das Totschlag-Argument irgendwelcher Spinner.

Ich habe im Jahr 2022 erneut meinen eigenen Horizont erweitert, eine neue Aktivität für mich entdeckt und interessante Menschen kennengelernt. Manches davon wird eine Episode bleiben, doch in einigen Erlebnissen steckt das Potential für mehr. 

So, wie konkret beim Skifahren - genauer: dem Tandem-Skilanglauf, der sich inzwischen zu meinem Lieblings-Wintersport entwickelt hat. Denn allein, d.h. solo im Langlaufschlitten, möchte ich gar nicht mehr so richtig in die Loipe. Gemeinsam mit meinen Gespannführern lassen sich nämlich ganz andere Strecken fahren.

Bereits zu Beginn der Wintersportsaison hatten Christiane und ich neue Streckenrekorde im Tandem aufgestellt, die bei den nachfolgenden Touren dann regelmäßig übertroffen wurden. Die Tour auf den Wieselstein (Loučná) bedeutete mir dabei besonders viel, weil Christiane, Carsten und ich dabei unter widrigsten Bedingungen einen Gipfel erklommen, welcher mir selbst im Handbike sonst völlig unzugänglich ist. An diesem Tag wurde mir klar, daß ich mich mit meinen Freunden noch weit größeren Herausforderungen stellen kann. Natürlich hatte ich bereits ein Projekt in der Schublade: den Jizerská padesátka (J50) im Isergebirge, dessen Strecke wir in großer Besetzung eine Woche vor dem eigentlichen Wettkampf erfolgreich bewältigten. Bis zum späten Ende der Skisaison Anfang März kamen schließlich auf 10 Touren 396,6 km zusammen, davon immerhin sechs länger als 40 km bzw. zwei länger als 50 km. Das gibt Zuversicht für mein nächstes großes Projekt.

Vom Handbiken gibt es ebenfalls Interessantes zu berichten. Anfang des Jahres kontaktierte mich Daria aus Salzburg, weil sie sich nach ihrem Bergunfall sportlich neu orientieren wollte und dabei mein liebstes Hobby für sich entdeckt hatte. Schon bald kristallisierte sich ein gemeinsames Projekt heraus, welches wir dann für den September planten. Davor gab es mehrere Gelegenheiten, sich aufeinander abzustimmen. Während meines Besuchs in Salzburg um Ostern herum befuhr ich dabei neben dem Gaisberg auch mit der Postalm den für mich einzigen neuen Alpenpaß in diesem Jahr.

Wenige Wochen später erkundeten Daria und ich auf Einladung des Ostbayerischen Tourismusverbands den Fünf-Flüsse-Radweg im Handbike. Die Etappentour war perfekt organisiert - bei meist herrlichem Frühlingswetter genoß ich diese Ausfahrt nicht zuletzt wegen des Rundum-Sorglos-Pakets vom Reiseveranstalter. Für meine Sportfreundin war es nach dem ersten Leistungstest über Ostern gleich die nächste größere Aktion, auf welcher sie sich ebenfalls bewährte.

In den Spätfrühling bzw. Frühsommer fallen auch üblicherweise meine Langstreckenunternehmungen. 2022 fuhr ich insgesamt sechs Lange Kanten, die mit 241 km längste Tour der Saison gleich zu Beginn.

Eigentlich war auch in diesem Sommer wieder die alljährliche Alpenpässejagd geplant, doch es kam anders. Zunächst lud mich jedoch Peggy vom Tourismusverband Sächsische Schweiz auf Wunsch der Mitglieder der AG Leichter Reisen ein, zum Arbeitstreffen Ende Juni in Südbrandenburg als Referent über meine Erfahrungen im Barrierefreien Tourismus zu berichten. Ich erbat mir darüber hinaus noch ein paar Tage, an denen ich beabsichtigte, mich dort im Handbike etwas umzusehen. Denn das flache Lausitzer Seenland ist selbst für wenig bergeliebende Handbiker schon aufgrund der sehr gut ausgebauten Radwege-Infrastruktur ein interessantes Urlaubsziel.

Bei dieser Gelegenheit kam es auch zum Kontakt mit Sportlern des 1. Wassersportvereins Lausitzer Seenland. Einer der Macher des Vereins, der als Trainer auch besonders an dem Thema Inklusion beim Segeln interessiert ist, bot mir an einen der Tage meines Aufenthalts im Familienpark Großkoschen an, doch mal mit ihm auf dem Geierswalder See das Segeln auszuprobieren. Ich war von diesem Sport so begeistert, daß ich mich kurz darauf für den knapp einwöchigen "Grundkurs Segeln" im August anmeldete. Wasser statt Berge - im Jahr 2022 fiel mir diese Entscheidung nicht sehr schwer, denn es lockte eine völlig neue Erfahrung. Ich habe es nicht bereut.

Zwei Urlaubsfahrten standen nun noch an, eine davon war die Handbiketour in vier Etappen mit meinen Salzburger Sportfreunden von ihrer Heimatstadt aus über die Großglockner-Hochalpenstraße bis zum Wörthersee. Dank großzügiger Sponsoren brauchten wir uns hierbei ebenfalls keine Sorgen machen, den Rest organisierte Daria absolut professionell. Obwohl mir die zweite Befahrung der Glocknerstraße sehr schwergefallen ist, bin ich doch dankbar für dieses Erlebnis.

Zuletzt war ich vor knapp vier Wochen noch einmal auf Reisen. Nachdem ich die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern endgültig abgewählt habe wegen der sonderbaren Vorstellungen des dortigen Jugendherbergsverbandes zu den Beherbergungskonditionen, entschied ich mich für ein paar Tage in Deutschlands östlichster Stadt Görlitz. Abgesehen von einigen netten Streckenabschnitten auf dem (Oder-)Neiße-Radweg und einer haarsträubenden Aktion kurz vor Ultimo wird mir davon aber nicht viel im Gedächtnis hängenbleiben.

Dafür hat es sich inzwischen herumgesprochen, daß ich mich bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Abbau von Barrieren in Alltag und Urlaub engagiere. Vielleicht wirkte meine ehemalige Homepage "Sächsische Schweiz barrierefrei!" ein wenig als Katalysator, um das Thema verstärkt in den Blickwinkel der Touristiker zu rücken. Jedenfalls bin ich nun schon mehrmals daraufhin angesprochen worden, von Verbänden und Vereinen ebenso wie seitens der Behörden und Institutionen. Auch die zwei Reisen nach Ostfriesland im September 2021 sowie nach Franken 2022 hängen unmittelbar damit zusammen.

Nach meiner Beteiligung als Mitglied der Jury des "Tourismuspreises Barrierefrei" von Ostfriesland Tourismus wurde ich nun im Jahr 2022 seitens des Sächsischen Landesbeauftragten für Inklusion der Menschen mit Behinderungen um Mitarbeit in der Jury zur Auswahl der Preisträger für den 5. Sächsischen Inklusionspreis gebeten. Diesem Wunsch kam ich gerne nach, denn solche Anlässe sind immer wunderbar geeignet, den eigenen Horizont zu erweitern und neue Kontakte zu knüpfen. Im Anschluß an die Preisverleihung passierte genau das.

Auf die Statistiken meiner Aktivitäten im Handbike des Jahres 2022 will ich nun nicht noch einmal explizit eingehen, denn den Abbildungen dieses Blogbeitrags sind alle relevanten Daten zu entnehmen. Wichtig ist mir etwas anderes. Etwas, daß ich zwar schon viele Male angesprochen habe, jedoch nicht oft genug wiederholen kann: Wer denkt, ich sei ein Einzelkämpfer, der irrt! Ich habe mir nochmal alle meine großen Projekte ins Gedächtnis gerufen. Die Radfernfahrt nach St. Petersburg (2003), die Vätternrundan (2008), den Sella-Ronda-Bike-Day (2009) , den Styrkeprøven (2012), die "Frühstücksfahrt nach Prag" (2017), die Mont-Blanc-Umrundung (2018), "Berlin-Alexanderplatz" (2020) sowie den FichKona (2021). (Mein Dauer-Projekt "Alpenpässejagd" gehört nicht dazu, weil es aus vielen kleinen Einzelaktionen bzw. Urlaubsaufenthalten besteht.)

Selfies mit Christiane sowie mit Lád'a
Immer gab es Menschen in meinem persönlichen Umfeld, welche mich nicht nur bei der Verwirklichung meiner Träume begleiteten, sondern solche Unternehmungen vielfach überhaupt erst ermöglicht haben, indem sie mich z.B. logistisch unterstützten, mir unterwegs bei Bedarf halfen oder auch "nur" moralischen Rückhalt boten. Ohne sie sind meine größten Erfolge gar nicht denkbar. Ganz oben auf dieser Liste stehen dabei meine Sportfreunde Christiane und Lád'a. Während ich mit meinem tschechischen Kameraden schon seit 2010 befreundet bin, "stöberte" mich die leidenschaftliche Sportlerin aus meiner Heimat erst im Februar 2021 für gemeinsame Skitouren auf. Ein Sechser im Lotto ist bereits unglaublich, doch zwei solcher großen Würfe sind nahezu einzigartig. Daß ihre Ehepartner und Kinder voll dahinter stehen, macht diese Freundschaften für mich umso wertvoller.

Es wird viel geredet über Inklusion - besonders findige Behinderten-Aktivisten fordern sogar "Belonging"

Für mich war das nie ein Thema.

PS: Auch in diesem Jahr habe ich einen kurzen Rückblick mit vielen kommentierten Bildern auf meinen Facebook-Seiten veröffentlicht.