1. August 2026

Nächtlicher Überfall

Mein neues Quartier ist perfekt! Das liegt nicht nur an der nahezu vorbildliche barrierefreien Sanitärausstattung der Einrichtung, dem meist schattigen Plätzchen unter einem Baum für mein Wohnmobil-Auto sowie einem passender Unterstand zum Abstellen meines Handbikes, sondern auch an der überaus engagierten Betreiberin. Einen solchen Einsatz für Gäste wie mich habe ich in dem knappen Vierteljahrhundert meiner Alpenfahrten bisher nur ein-, zweimal erlebt.

Das einzige, was mich hier ausbremst, ist die gegenwärtige Hitze. Bis 35°C ist es schon geworden, da freut man sich über jeden Schatten. Für meine in diesem Gebiet geplanten Aktivitäten im Handbike ist das natürlich absolut kontraproduktiv. Zunächst stellte ich daher die Reihenfolge meiner Unternehmungen um und nahm mir die "leichtere" Tour vor. Außerdem fuhr ich dann gestern bereits in der späten Nacht um 3.40 Uhr bei noch angenehmen 19°C los.

Erstes Tagesziel war der Übergang Soboth an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der befindet sich zwar nur in 1347 m Meereshöhe, die Westauffahrt von Lavamünd überwindet dabei jedoch lt. Quaeldich.de auf 11,9 km immerhin 1014 Hm. Das ist ziemlich steil. Anders als beim vorangegangenen Schlußanstieg hinauf zum Sölkpaß, gab es hier aber immer mal wieder flachere Stücken, auf denen ich mich erholen konnte. Ein halbes Prozent Steigung weniger macht da schon viel aus - wahrscheinlich vor allem mental. (Man sieht, daß sich die Straße abflacht und "schöpft neuen Mut".)

Aus Lavamünd grüßen die Lichter zu mir herauf
(Aufnahmeort)
Im Dunkeln war ich bei Noch-fast-Vollmond lange Zeit ganz allein auf der Straße - solche Verrückten sind eben sehr selten. Fast genau um Sieben erreichte ich endlich den wenig spektakulären höchsten Punkt in einer Rechtskurve mitten im Wald und ohne Paßschild. Der frühe Start hatte sich bereits jetzt ausgezahlt. Um diese Zeit und in ausgesprochen guter körperlichen Verfassung konnte ich meine alternative Notlösung einer nur 27 km langen Rundtour beiseite legen. Über den Radlpaß steuerte ich nun also das Drautal bei Radlje ob Dravi an, von wo ich schließlich am Fluß entlang zurück zum Ausgangspunkt fahren wollte.

Die Fahrt durch schier endlosen Wald auf breiter, doch wenig befahrener Straße verlief sehr entspannt und bot immer mal wieder schöne Ausblicke auf die nur spärlich besiedelte Gegend. Erst der zweite Teil der Auffahrt zum Radlpaß, bei der insgesamt noch einmal etwa 290 Hm überwunden werden mußten, erforderte erneut vollen Einsatz. Diesmal legte ich in den steilen Schlußserpentinen mehrere kurze Zwischenstops ein, denn mittlerweile stieg der Temperatur deutlich. 9.30 Uhr kam ich oben an. Dort befand sich auch der Grenzübergang zu Slowenien. Ich bin noch nie zuvor in meinem Leben in diesem Land gewesen, nun zum ersten Mal gleich mit dem Radl über den gleichnamigen Paß.

Auf der Abfahrt ins Tal kühlte mich der Fahrtwind, bevor mich an der Drau die erwartete brütende Hitze empfing. Statt der ursprünglich vorgesehenen Strecke auf der Hauptverkehrsstraße wich ich auf den Drauradweg aus, weil dieser auf der anderen Flußseite im Schatten (fast) ganz ohne Kraftverkehr bis Dravograd verlief. Mit einer entspannten Heimfahrt auf flacher Strecke wurde es jedoch nichts. Nervte ab Trbonje anfangs die ansteigende, über 1,2 Kilometer nur geschotterte Straße, sammelte ich hierbei zudem  rund 120 zusätzliche Höhenmeter.

Auf den letzten 10 km bei oftmals voller Sonneneinstrahlung nördlich der Drau zurück zum Campingplatz verbrauchte ich zum Schluß alle Flüssigkeitsvorräte, welche ich mit mir führte und selbst bei den anstrengenden Anstiegen nicht benötigt hatte. Aber da konnte ich aufgrund des absehbaren Tourendes aus dem Vollen schöpfen.

Kurz vor 13.00 Uhr hatte ich's geschafft.