5. August 2026

Dann eben nicht ...

Mein detailliert ausgearbeiteter Plan sah vor, als nächstes im Camping Špik bei Gozd Martuljek in Slowenien Quartier zu machen. Doch schon bei meiner Ankunft dort ahnte ich, daß es schwierig werden könnte.

Tatsächlich war das Camp komplett ausgebucht, und die Dame an der Rezeption ließ sich nicht davon überzeugen, mich dennoch mit meinem Auto irgendwo auf dem Areal unterzubringen. Sie kontaktierte zwar telefonisch noch weitere Zeltplätze, aber die immergleiche Antwort hieß 'full'. Außerdem stellte sie sofort klar, daß für das unerlaubte Abstellen des Autos 100,- EUR Strafe fällig werden würden.

Unverrichteter Dinge mußte ich also abziehen, was mich ziemlich verdroß. Ich hatte mir nämlich zwei sehr schöne Touren zusammengestellt, die ich nun mit schwarzer Kreide in die Esse schreiben konnte. In Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und auch in Italien ermöglichten mir die Betreiber der Campingplätze regelmäßig trotz voll belegter Zeltplätze bei ihnen oder auf nahen Parkflächen unterzukommen. Nur im quasisozialistischen Frankreich und nun ebenfalls in Slowenien bin ich abgeblitzt! - Wo ich nicht willkommen bin, zieht's mich nicht so bald wieder hin ...

Nach einer zeitraubenden und nervenaufwändigen Odyssee landete ich schließlich auf dem Zoncolan Camping im italienischen Ovaro. Hier wollte ich am Ende meiner Pässejagdsaison noch zwei Touren mit dem Handbike fahren, darunter einen echten Scharfrichter. Der Monte Zoncolan ist bei bergeliebenden Radsportlern beinahe berühmt-berüchtigt, weil er nur über extrem steile Auffahrten zu erreichen ist.

Das dünnste Brett dieser drei Strecken nahm ich mir gleich am Dienstag vor. In Verbindung mit einem weiteren Paß, dem Sella Valcalda, ergab sich eine schöne, kleine Rundtour über 41 km und allerdings 1900 Hm. Wie ich schon kurz nach dem Start feststellte, ließ sich der erste Paßanstieg des Tages sehr schön fahren. Eine gleichmäßig Steigung von ca. 6 - 8 %, eine kurvenreiche Strecke und nicht zu viele Höhenmeter eigneten sich ausgezeichnet zum Warmfahren. Zweimal, einmal kurz nach dem Beginn und einmal in Nähe des Scheitelpunkts, hielten Italiener extra mit ihren Autos an, um mich in Aktion zu fotografieren. Italien ist eben ein radsportbegeistertes Land und ich ein Exot auf drei Rädern.

Kurz nach Acht begann ab dem Ortseingang von Sutrio der Aufstieg zum Monte Zoncolan. Die Sonne entfaltete bereits ihre Kraft und in den südseitig exponierten Serpentinen machte sich das sofort bemerkbar. Die waren eigentlich gar nicht so steil, doch mit zunehmender Dauer fiel mir das Vorankommen immer schwerer. Wahrscheinlich lag das vor allem an einem erheblichen Flüssigkeitsdefizit. Weil ich nicht wußte, wie es mit der Getränkeversorgung unterwegs aussah, sparte ich mir jeden Schluck. Mehr und mehr quälte ich mich schon jetzt. Meine Hoffnung war das Skizentrum Zoncolan nach dem Ende der Serpentinen. Ich hatte Glück, gab es dort doch am Kreisverkehr eine Wasserstelle. Sofort tankte ich 2 - 3 Liter kühles, köstliches Naß und füllte meine Vorräte auf. Danach ging es mir schon wieder viel besser ... Jedenfalls: ohne diese Wasserentnahmestelle hätte ich vermutlich kapitulieren müssen, bevor noch überhaupt der härteste Teil des Anstiegs begann.

Die letzten 430 Hm wurden dann meist eine Tortur, denn drei Steilrampen bis über 20% Steigung erwarteten mich auf den folgenden 3,8 km bis zum höchsten Punkt. Stück um Stück und mit vielen kürzeren und längeren Pausen, meist im Schatten einzelner Bäume, mühte ich mich aufwärts. 14.00 Uhr war ich endlich oben.

Am Scheitelpunkt der Straße auf den Monte
Zoncalan (Aufnahmeort)
Doch damit war die Tour noch nicht vorbei! Nun erwartete mich eine Abfahrt, die mich und mein Material, genauer die Hydraulikscheibenbremse, an die Grenzen bringen sollte. Die höllische supersteile Auffahrt direkt von Ovaro aus hatte ich mir wohlweislich im Anstieg erspart, doch im Rahmen dieser Rundstrecke mußte ich dort hinunter! Die Bremse fast permanent zu ziehen, war nicht nur auf Dauer sehr kraftaufwendig, es erhitzte natürlich auch die Scheibe enorm. Und nach jedem Zwischenstop zur Abkühlung ergab sich das gleiche Problem wie schon bei der Abfahrt vom Großen Speikkogel. Der Bremshebel zog nicht mehr, und ich war kurz davor, aufgrund des riesigen Spiels des Bremshebels bis immer näher an den Anschlag nicht mehr bremsen zu können. Auch hier korrigierte sich das Bremshebelspiel zwar immer wieder etwas, doch dafür mußte überhaupt erstmal eine Bremswirkung erzielt werden. Und mit jedem Halt wurde es schlimmer ... Jeder kann sich bestimmt vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich endlich unten ankam. Auch wieder so eine Grenzerfahrung!

In den nächsten Tagen bleibt es zwar sehr warm, aber die Witterung wird unbeständiger. Eine Tour hätte ich noch in petto. Bereits jetzt bin ich jedoch vollauf zufrieden, denn meine Bilanz kann sich sehen lassen. Bisher sind es neun Paßanstiege geworden, davon allein fünf Pässe, welche auf Quaeldich.de als "Highlight" gekennzeichnet sind.

Das ist doch schon etwas!

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