3. August 2026

Das Salz in der Suppe

Ich habe es mir getraut, trotz der hohen Temperaturen einen der anspruchsvollsten Anstiege im österreichischen Alpenraum anzugehen. Die Tour auf den 2120 m hohen Großen Speikkogel. Allerdings startete ich noch einmal fast eine Stunde früher als bei meiner letzten Unternehmung. Denn bevor die Kletterei richtig begann, waren erstmal rund fündundzwanzig flache Kilometer für die Anfahrt im Lavanttal zu absolvieren. Zum Warmfahren eignete sich die Strecke jedenfalls gut, und zu dieser Tageszeit konnte ich zum schnellen Vorankommen auch die großen Straßen nutzen. Den Laventradweg hob ich mir lieber für die Rückfahrt auf. Erneut begleitet mich der Mond - er strahlte immer noch hell genug, sodaß ich teilweise sogar ohne Licht fahren konnte.

Kurz vor Fünf eröffnete ich den Kampf um den Berg. Er gewährte mir keine Gnade, sondern empfing mich sofort mit langen, steilen Passagen. Aber ich kam gut durch! Dennoch schaute ich mich schon nach Möglichkeiten zum Nachtanken meiner Flüssigkeitsvorräte um. Etwa in halber Höhe sah es diesbezüglich ganz gut aus, doch floß kein Wasser aus dem Brunnen. Dafür betrat die Straße gerade ein Mann, der mit Hund zu seinen Morgenspaziergang aufbrach. Den bat ich um Nachschub. Er füllte nicht nur meine Trinkflasche, sondern brachte mir sogar noch eine weitere Flasche Mineralwasser. Wir kamen ins Gespräch, und bevor ich schließlich weiterfuhr, lud mich Peter ein, doch noch mal auf dem Rückweg bei ihm anzuhalten.

Über diese Begegnung freute ich mich sehr. Zusätzlich motiviert, verweilte ich während des Anstiegs gedanklich noch lange bei diesem unerwarteten Treffen. Das sind diese besonderen Erlebnisse, welche meine Reisen oftmals bereichern!

Mit zunehmender Höhe und bei anhaltender Steilheit mußte ich nun öfters mal kurze Verschnaufpausen einlegen. Glücklicherweise war ich aber bereits so weit oben, daß mich die Hitze, welche sich inzwischen allmählich ausbreitete, nicht mehr erreichte. Das härteste Stück erwartete mich schließlich nach dem Ende der öffentlichen Straße am Skizentrum Koralpe. Ein schmales, asphaltiertes Band zog auf den letzten vier Kilometer steil gen Himmel. Die tiefen Kratzspuren der Pistenfahrzeuge auf dem Belag machten unmißverständlich klar, für wen diese Zufahrt eigentlich gedacht war. 480 Hm auf 4,2 km. Ich änderte deshalb meinen Klettermodus und arbeite mich nun nur noch meterweise aufwärts. Es zählte nicht das Tempo oder flüssiges Vorankommen, nein, das Erreichen des Gipfels hatte höchste Priorität.

Panorama vom Großen Speikkogel nach Südwesten, rechts eine der beiden Kuppeln der Goldhaube
(Aufnahmeort)
Willkommene Abwechslung und zusätzlichen Grund für eine Pause boten mir dabei teils längere Gespräche mit Einheimischen über meinen Sport, Freunde, die durch Unfälle in den Rollstuhl gelangt waren und sich ebenfalls wieder hochgerappelt hatten, über das Land und die ganz besonderen alpinen Bedingungen am Gipfel. Ich habe selten unterwegs so viele offene, freundliche und interessierte Menschen getroffen, wie an diesem Tag ... Die Schlußetappe zum höchsten Punkt der Tour lag erst nach 2,5 Stunden hinter mir. Aber neben all der Schinderei erfreuten mich auch diese herrliche Landschaft und die beinahe atemberaubenden Tiefblicke, welche trotz des Dunstes eindrucksvoll blieben. Ganz in der Ferne grüßten wahrscheinlich auch schon die slowenischen Kalkalpen.

Peter, Regina und Sunny
Auf der Abfahrt mußte meine hydraulische Scheibenbremse und die Bremsscheibe dann Schwerstarbeit leisten. Mehrmals befürchtete ich, daß Bremsölverlust drohte - dabei war das zeitweise größere Spiel des Bremshebels vermutlich durch die entstehende Reibungshitze bedingt. Es korrigierte sich jedenfalls alles wieder von selbst. Nach knapp 20 Minuten kam ich vor Peters Haus zum stehen. Ich rief, und Peter und seine Lebensgefährtin Regina sowie ihr Hund Sunny begrüßten mich mit einem extrem leckeren Kaffee - ganz so, wie ich ihn mag. In der Werkstatt (ein anderer Ort war in meinem Handbike nicht zugänglich) saßen wir dann fast eine Stunde gemütlich beisammen. Es gab viel zu erzählen, denn die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Diese Momente, bei denen ich ganz unmittelbar Kontakt zu den Menschen vorort erhalte, um an ihrem Leben teilzunehmen, sind für mich jedesmal eine enorme Bereicherung. Ich glaube, genau das ist auch ein Privileg des Alleinreisenden. Vor meiner Weiterfahrt tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus.

Über den Lavantradweg, den ich für die Heimfahrt nutzte, gibt es schließlich nur wenig zu berichten. Durchgängig asphaltiert, gut ausgeschildert und bis kurz vor dem Ende in Lavamünd durchgängig ohne Anstiege, hielt er genau das, was ich mir von ihm versprochen hatte: ein entspanntes Rollen auf den letzten Kilometern, bei dem sich auch die erneut bis 33°C hohen Temperaturen ertragen ließen. Um drei war alles vorbei.

Diese vermeintlich vergessene Grenzregion von Kärnten ist für mich bereits jetzt DIE (positive) Überraschung meines diesjährigen Sommerurlaubs in den Alpen. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt, und der Hauptgrund dafür waren die Menschen, denen ich begegnet bin.

Auf dem Campingplatz und unterwegs auf meinen Touren.

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