5. Juli 2026

Minus fünfzehn Kelvin

Innerhalb einer Woche ist der Frühling zurückgekommen. Die Maximaltemperatur am Tag sank von 38 °C auf 23 °C und ermöglichte damit die Rückkehr in den Normalmodus. Schade nur, daß damit auch die Witterung unbeständiger wurde, denn wegen des angekündigten Regens konnte ich keine Langstrecke planen.

Meine Nachmittagstour am Freitag hätte mich dazu aber perfekt motiviert.  Das Streckenprofil der diesmal kurz vorher zusammengestellten Route war zwar relativ flach und enthielt keine steilen Auffahrt. Doch das erklärt nicht ausschließlich mein gutes Vorankommen. Auch der anfangs frische Westwind, welcher mir ungebremste Fahrt ermöglichte reicht nicht als Begründung. Es lag wohl hauptsächlich an der Temperatur in meinem Wohlfühlbereich bei meist bedecktem Himmel. Ohne lästige Schweißausbrücke bzw. mit guter Kühlung durch den Fahrtwind läßt sich der Körper ganz anderes belasten als in flirrender Hitze.

Diesmal absolvierte ich erneut nur mein Minimalpensum, obwohl damit meine Feierabendrunde bereits 18.30 Uhr endete. Das deshalb nicht verschossene Pulver hob ich mir lieber für den nächsten Tag auf.

Noch unschlüssig, wohin es am Sonnabend gehen sollte, kam mir die zündende Idee erst am Morgen. Schon längere Zeit bin ich nicht mehr in Nixdorf (Mikulášovice) gewesen, auch weil in dieser Gegend viele lange und auch steile Anstiege bewältigt werden müssen. In Verbindung mit der Quasi-Umrundung des böhmischen Elbsandsteingebirges (orographisch) rechts der Elbe ergibt sich selbst nach dem langen Anstieg von Sebnitz über Wölmsorf (Vilémov) durch Nixdorf bis zum Scheitelpunkt der Tour unterhalb des Plissenbergs (Plešný) auf ca. 510 m ü. NHN (s. Track vom 05.07., km 39,2 - 53,7) ein Sägezahnprofil, mittels dessen bis zur Rückkehr ins Elbtal sich noch weitere 450 Hm summieren.

Andachtsbild an der Böhmerstraße (Česká silnice), 
s.a. Beschreibung (Aufnahmeort)
Die abwechslungsreiche Fahrt hielt mich jedoch immer bei Laune, was nicht zuletzt gerade auch wieder dem angenehmen Klima zu verdanken war. Außerdem wurden inzwischen viele Straßenabschnitte neu asphaltiert bzw. umfassend ausgebessert, sodaß ich mich eigentlich nie mit holperigem Untergrund herumärgern mußte. Einzig die Mofa-Fahrer nervten mich zunehmend, deren Konzentration sich mit meiner Annäherung an die touristischen Ausflugsziele spürbar erhöhte.

Dafür hinterließ eine Beobachtung auf der Straße nach Herrnskretschen (Hřensko) ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Nachdem mir bereits in Rainwiese (Mezní Louka) das Auto der Ordnungshüter des Gemeindeamts entgegengekommen war, wartete ich nur noch auf "Opfer" der fleißigen Kollegen. Und tatsächlich standen trotz des ausdrücklichen und mehrfach ausgeschilderten Halteverbots kurz vor dem Abzweig des Wanderwegs zum Prebischtor (Pravčická brána) am Straßenrand zwei Autos. Für deren Besitzer bleibt nun die Wanderung zum größten Felsentor des Elbsandsteingebirges dauerhaft im Gedächtnis - und zwar anders als gedacht. Ihre Fahrzeuge wurden nämlich mit Radkrallen fixiert. Deren lange Gesichter bei ihrer Rückkehr hätte ich sehen wollen, zumal damit neben einer saftigen Geldbuße auch ein erheblicher sowie zeitintensiver Aufwand bis zur Freigabe der Fahrzeuge durch die Mitarbeiter der Ortsverwaltung verbunden ist! Bei den Tschechen läuft es ein bißchen anders als in unserer Bananenrepublik - da wird nicht diskutiert, sondern gehandelt ... Manche Leute müssen das erst auf die harte Tour lernen.

Bereits im Elbtal, veranlaßte mich hingegen drohender Regen zu einem Ziel"sprint" ab Postelwitz. Wie angekündigt, näherte sich von Westen her ein größeres Niederschlagsgebiet, und ich wollte unbedingt vermeiden, auf den letzten Kilometern dieser schönen Tour noch naß zu werden.

Das ist mir gelungen.