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3. August 2026

Das Salz in der Suppe

Ich habe es mir getraut, trotz der hohen Temperaturen einen der anspruchsvollsten Anstiege im österreichischen Alpenraum anzugehen. Die Tour auf den 2120 m hohen Großen Speikkogel. Allerdings startete ich noch einmal fast eine Stunde früher als bei meiner letzten Unternehmung. Denn bevor die Kletterei richtig begann, waren erstmal rund fündundzwanzig flache Kilometer für die Anfahrt im Lavanttal zu absolvieren. Zum Warmfahren eignete sich die Strecke jedenfalls gut, und zu dieser Tageszeit konnte ich zum schnellen Vorankommen auch die großen Straßen nutzen. Den Laventradweg hob ich mir lieber für die Rückfahrt auf. Erneut begleitet mich der Mond - er strahlte immer noch hell genug, sodaß ich teilweise sogar ohne Licht fahren konnte.

Kurz vor Fünf eröffnete ich den Kampf um den Berg. Er gewährte mir keine Gnade, sondern empfing mich sofort mit langen, steilen Passagen. Aber ich kam gut durch! Dennoch schaute ich mich schon nach Möglichkeiten zum Nachtanken meiner Flüssigkeitsvorräte um. Etwa in halber Höhe sah es diesbezüglich ganz gut aus, doch floß kein Wasser aus dem Brunnen. Dafür betrat die Straße gerade ein Mann, der mit Hund zu seinen Morgenspaziergang aufbrach. Den bat ich um Nachschub. Er füllte nicht nur meine Trinkflasche, sondern brachte mir sogar noch eine weitere Flasche Mineralwasser. Wir kamen ins Gespräch, und bevor ich schließlich weiterfuhr, lud mich Peter ein, doch noch mal auf dem Rückweg bei ihm anzuhalten.

Über diese Begegnung freute ich mich sehr. Zusätzlich motiviert, verweilte ich während des Anstiegs gedanklich noch lange bei diesem unerwarteten Treffen. Das sind diese besonderen Erlebnisse, welche meine Reisen oftmals bereichern!

Mit zunehmender Höhe und bei anhaltender Steilheit mußte ich nun öfters mal kurze Verschnaufpausen einlegen. Glücklicherweise war ich aber bereits so weit oben, daß mich die Hitze, welche sich inzwischen allmählich ausbreitete, nicht mehr erreichte. Das härteste Stück erwartete mich schließlich nach dem Ende der öffentlichen Straße am Skizentrum Koralpe. Ein schmales, asphaltiertes Band zog auf den letzten vier Kilometer steil gen Himmel. Die tiefen Kratzspuren der Pistenfahrzeuge auf dem Belag machten unmißverständlich klar, für wen diese Zufahrt eigentlich gedacht war. 480 Hm auf 4,2 km. Ich änderte deshalb meinen Klettermodus und arbeite mich nun nur noch meterweise aufwärts. Es zählte nicht das Tempo oder flüssiges Vorankommen, nein, das Erreichen des Gipfels hatte höchste Priorität.

Panorama vom Großen Speikkogel nach Südwesten, rechts eine der beiden Kuppeln der Goldhaube
(Aufnahmeort)
Willkommene Abwechslung und zusätzlichen Grund für eine Pause boten mir dabei teils längere Gespräche mit Einheimischen über meinen Sport, Freunde, die durch Unfälle in den Rollstuhl gelangt waren und sich ebenfalls wieder hochgerappelt hatten, über das Land und die ganz besonderen alpinen Bedingungen am Gipfel. Ich habe selten unterwegs so viele offene, freundliche und interessierte Menschen getroffen, wie an diesem Tag ... Die Schlußetappe zum höchsten Punkt der Tour lag erst nach 2,5 Stunden hinter mir. Aber neben all der Schinderei erfreuten mich auch diese herrliche Landschaft und die beinahe atemberaubenden Tiefblicke, welche trotz des Dunstes eindrucksvoll blieben. Ganz in der Ferne grüßten wahrscheinlich auch schon die slowenischen Kalkalpen.

Peter, Regina und Sunny
Auf der Abfahrt mußte meine hydraulische Scheibenbremse und die Bremsscheibe dann Schwerstarbeit leisten. Mehrmals befürchtete ich, daß Bremsölverlust drohte - dabei war das zeitweise größere Spiel des Bremshebels vermutlich durch die entstehende Reibungshitze bedingt. Es korrigierte sich jedenfalls alles wieder von selbst. Nach knapp 20 Minuten kam ich vor Peters Haus zum stehen. Ich rief, und Peter und seine Lebensgefährtin Regina sowie ihr Hund Sunny begrüßten mich mit einem extrem leckeren Kaffee - ganz so, wie ich ihn mag. In der Werkstatt (ein anderer Ort war in meinem Handbike nicht zugänglich) saßen wir dann fast eine Stunde gemütlich beisammen. Es gab viel zu erzählen, denn die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Diese Momente, bei denen ich ganz unmittelbar Kontakt zu den Menschen vorort erhalte, um an ihrem Leben teilzunehmen, sind für mich jedesmal eine enorme Bereicherung. Ich glaube, genau das ist auch ein Privileg des Alleinreisenden. Vor meiner Weiterfahrt tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus.

Über den Lavantradweg, den ich für die Heimfahrt nutzte, gibt es schließlich nur wenig zu berichten. Durchgängig asphaltiert, gut ausgeschildert und bis kurz vor dem Ende in Lavamünd durchgängig ohne Anstiege, hielt er genau das, was ich mir von ihm versprochen hatte: ein entspanntes Rollen auf den letzten Kilometern, bei dem sich auch die erneut bis 33°C hohen Temperaturen ertragen ließen. Um drei war alles vorbei.

Diese vermeintlich vergessene Grenzregion von Kärnten ist für mich bereits jetzt DIE (positive) Überraschung meines diesjährigen Sommerurlaubs in den Alpen. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt, und der Hauptgrund dafür waren die Menschen, denen ich begegnet bin.

Auf dem Campingplatz und unterwegs auf meinen Touren.

1. August 2026

Nächtlicher Überfall

Mein neues Quartier ist perfekt! Das liegt nicht nur an der nahezu vorbildlichen barrierefreien Sanitärausstattung der Einrichtung, dem meist schattigen Plätzchen unter einem Baum für mein Wohnmobil-Auto sowie einem passenden Unterstand zum Abstellen meines Handbikes, sondern auch an der überaus engagierten Betreiberin. Einen solchen Einsatz für Gäste wie mich habe ich in dem knappen Vierteljahrhundert meiner Alpenfahrten bisher nur ein-, zweimal erlebt.

Das einzige, was mich hier ausbremst, ist die gegenwärtige Hitze. Bis 35°C ist es schon geworden, da freut man sich über jeden Schatten. Für meine in diesem Gebiet geplanten Aktivitäten im Handbike ist das natürlich absolut kontraproduktiv. Zunächst stellte ich daher die Reihenfolge meiner Unternehmungen um und nahm mir die "leichtere" Tour vor. Außerdem fuhr ich dann gestern bereits in der späten Nacht um 3.40 Uhr bei noch angenehmen 19°C los.

Erstes Tagesziel war der Übergang Soboth an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der befindet sich zwar nur in 1347 m Meereshöhe, die Westauffahrt von Lavamünd überwindet dabei jedoch lt. Quaeldich.de auf 11,9 km immerhin 1014 Hm. Das ist ziemlich steil. Anders als beim vorangegangenen Schlußanstieg hinauf zum Sölkpaß, gab es hier aber immer mal wieder flachere Stücken, auf denen ich mich erholen konnte. Ein halbes Prozent Steigung weniger macht da schon viel aus - wahrscheinlich vor allem mental. (Man sieht, daß sich die Straße abflacht und "schöpft neuen Mut".)

Aus Lavamünd grüßen die Lichter zu mir herauf
(Aufnahmeort)
Im Dunkeln war ich bei Noch-fast-Vollmond lange Zeit ganz allein auf der Straße - solche Verrückten sind eben sehr selten. Fast genau um Sieben erreichte ich endlich den wenig spektakulären höchsten Punkt in einer Rechtskurve mitten im Wald und ohne Paßschild. Der frühe Start hatte sich bereits jetzt ausgezahlt. Um diese Zeit und in ausgesprochen guter körperlichen Verfassung konnte ich meine alternative Notlösung einer nur 27 km langen Rundtour beiseite legen. Über den Radlpaß steuerte ich nun also das Drautal bei Radlje ob Dravi an, von wo ich schließlich am Fluß entlang zum Ausgangspunkt zurückkehren wollte.

Die Fahrt durch schier endlosen Wald auf breiter, doch verkehrsarmer Straße verlief sehr entspannt und bot immer mal wieder schöne Ausblicke auf die nur spärlich besiedelte Gegend. Erst der zweite Teil der Auffahrt zum Radlpaß, bei der insgesamt noch einmal etwa 290 Hm überwunden werden mußten, erforderte erneut vollen Einsatz. Diesmal legte ich in den steilen Schlußserpentinen mehrere kurze Zwischenstops ein, denn mittlerweile stieg der Temperatur deutlich. 9.30 Uhr kam ich oben an. Dort befand sich auch der Grenzübergang zu Slowenien. Ich bin noch nie zuvor in meinem Leben in diesem Land gewesen, nun zum ersten Mal gleich mit dem Radl über den gleichnamigen Paß.

Auf der Abfahrt ins Tal kühlte noch der Fahrtwind, bevor mich an der Drau die erwartete brütende Hitze empfing. Statt der ursprünglich vorgesehenen Strecke auf der Hauptverkehrsstraße wich ich auf den Drauradweg aus, weil dieser auf der anderen Flußseite im Schatten (fast) ganz ohne Kraftverkehr bis Dravograd verlief. Mit einer entspannten Heimfahrt auf flacher Strecke wurde es jedoch nichts. Nervte ab Trbonje anfangs die ansteigende, über 1,2 Kilometer nur geschotterte Straße, sammelte ich hierbei zudem rund 120 zusätzliche Höhenmeter.

Auf den letzten 10 km bei oftmals voller Sonneneinstrahlung nördlich der Drau zurück zum Campingplatz verbrauchte ich zum Schluß alle Flüssigkeitsvorräte, welche ich mit mir führte und selbst bei den anstrengenden Anstiegen nicht benötigt hatte. Aber da konnte ich aufgrund des absehbaren Tourendes aus dem Vollen schöpfen.

Kurz vor 13.00 Uhr hatte ich's geschafft.

30. Juli 2026

Überraschungsaktion

Als Gast des Olachgut Camping hatte ich die sogenannte Gästecard Murau zusammen mit einer Broschüre der damit verbundenen Angebote bekommen. Beim Durchblättern des Heftchens stach mir förmlich die Möglichkeit der Nutzung der Kreischberg 10er Gondelbahn ins Auge, welche auch für Rollifahrer problemlos nutzbar sein sollte. Die Kennzeichnung als "inklusive" bedeutete in diesem Fall, daß jeder Inhaber der Gästecard kostenlos einmal mit der Seilbahn hinauf- und hinunterfahren konnte.

Das mußte ich testen! Vor dem Transfer zum nächsten Übernachtungsort blieb überdies reichlich Zeit für eine solche Extrawurst. 9.00 Uhr startete der Betrieb, 8.30 Uhr war ich vorort, da die Seilbahn in St. Georgen am Kreischberg nur ca. 6 km vom Olachgut  entfernt lag. Die Zeit bis dahin vertrieb ich mir im integrierten Intersport-Geschäft. Nach dem Ausflug erstand ich dort für ebenfalls unschlagbare 31,-EUR ein neues Radtrikot. Ein schönes Andenken.

Blick aus der Gondel hinab ins Murtal in Richtung
Murau (Aufnahmeort)
Das Einlösen des Angebots funktionierte danach genauso reibungslos, wie der Zugang zu den Gebäuden und zur Kabine wirklich barrierefrei war. (Überdies gab es dort natürlich auch ein Rolli-WC.) Es war DAS Erlebnis des Tages! Ich genoß die 16 min dauernde Fahrt nach oben in vollen Zügen. Solch eine Aktion hatte ich bisher nur in Südtirol in Bozen (auf den Ritten) sowie in Saltaus im Passeiertal (Hirzer-Seilbahn) erlebt. Von 865 m über die Mittelstation in 1441 m bis auf 1771 m Seehöhe. Grandios! Da gab es eine Extraausschüttung Glückshormone.

Oben drehte ich zwar nur eine kleine Runde um die Bergstation, doch der Höhepunkt war ja sowieso die Berg- und Talfahrt mit der Bahn, bei der ich eine Gondel ganz für mich allein hatte. Euphorisiert kehrte ich nach rund einer Stunde ins Tal zurück. Zuerst die wirklich fairen Übernachtungspreise des Camping Olachgut, und nun diese komplett ungeplante Aktion. Der Tag fing gut an! Mit einer schönen Erinnerung stieg ich schließlich 11.15 Uhr ins Auto, um zum Camping Laquamünd kurz vor Lavamünd zu fahren. Von hier aus soll es dann wieder im Handbike auf Pässejagd gehen.

Ich hoffe, die Hitze macht mir dabei keinen Strich durch die Rechnung ...

29. Juli 2026

Technischer KO

Nach einem Tag Langeweile - ich hatte den Transfer zum Camping Olachgut nahe Murau schon vormittags erledigt - bin ich heute bereits kurz vor dem Sonnenaufgang losgefahren. Mein Tagesziel war der Sölkpaß, lt. Quaeldich.de ein dreigeteilter Anstieg mit zwei anspruchsvollen Rampen zu Beginn und am Ende.

Nicht nur am Reschenpaß gibt es einen  Kirchturm
im See - auch Rottenmann verweist auf einen solchen
Doch dieser ist nur die Illustration einer Sage.
(Aufnahmeort)

Ich hatte das für mich perfekkte Zeitfenster erwischt. Nach der Anfahrt bis Schöder blieb es auf dem ersten Teil der Auffahrt trotz Sonne immer noch erfreulich angenehm. Später tauchte ich so tief in das Katschtal ein, daß die Sonne noch nicht über den Berg gestiegen war. Auch der steile Schlußanstieg mit der Kehrenfolge mittendrin lag noch im Schatten. Allerdings gab es auf diesem Abschnitt nicht ein Flachstück, nur in den Wendekurven konnte ich mal durchatmen. Trotzdem hielt ich eisern durch, immer in der Hoffnung auf ein paar weniger steile Meter.

Als ich dann endlich nach einer Biegung das Ende der Schinderei erkennen konnte und ich darüber hinaus inzwischen auf dem letzten Loch pfiff, hielt ich zum ersten Mal auf dem gesamten Anstieg für eine Ruhepause an. Ich konnte wirklich nicht mehr, und der Kopf revoltierte bereits seit längerem gegen die pausenlose Bewegung im Schneckentempo. Damit hatte ich verloren. Obwohl ich eine längere Pause einlegte, ging es danach nicht mit frischer Kraft weiter. Vielmehr quälte ich mich nun die letzten 500 m stückweise mit ungezählten Zwangsstops zum Ziel, denn ich konnte nichts mehr hinzusetzen - weder mental noch physisch. So sehr am Ende war ich lange nicht mehr. Diese Rampe hat mir sehr deutlich meine Grenzen aufgezeigt. Bis zu jenem KO hätte ich Bäume ausreißen können ...

Über den Rest der Tour ist schnell berichtet. Nach der langen Abfahrt bis Schöder fuhr ich nicht den gleichen Weg wieder zurück, sondern folgte dem Tal weiter ins bis zu dessen Mündung in Katsch an der Mur. Der daran anschließende Abschnitt des Murradwegs hielt noch ein paar kurze unangenehme Anstiege bereit, in meinem körperlich angeschlagenem Zustand (wozu auch die nun immer größere Hitze beitrug) nicht unbedingt willkommen.

Ungefähr halb Zwei kam ich endlich am Campingplatz an. Die Steilrampen und auch die Hitze waren ein Vorgeschmack auf das, was mich nun erwarten könnte. Deshalb weiß ich tatsächlich noch nicht, welche Tour ich als nächste fahre.

Nur eines steht fest: Immer ohne Motor!

PS: Heute berichtete ein Bekannter aus Bayern ganz stolz auf WhatsApp, er hätte im Handbike gemeinsam mit seinen Sportfreunden ohne Handicap auf der Route des Grandes Alpes 698 km und 18.700 Hm bewältigt. Dabei fährt er ein E-Handbike (von mir Mohabi genannt). - Wer einerseits verkündet, daß er für Handbikes ohne Elektromotor zu alt ist und sich aber andererseits mit solchen Unternehmungen brüstet, die nach meinem Verständnis nicht einmal ansatzweise eine sportliche Leistung darstellen, für den ist kein Platz (mehr) auf meiner Liste. Ich habe den Kontakt umgehend gelöscht.

27. Juli 2026

Wegbereiter

Morgen werde ich mein Basislager wechseln und dabei über jenen Paß fahren, den ich heute im Handbike bezwungen habe. Die Tour zum Radstädter Tauernpaß war meine zweite Aktion in diesem Sommerurlaub, nachdem ich gestern wegen Regen pausieren mußte.

Bereits ein Tag ohne körperliche Aktivitäten reichte aus, um gut ausgeruht relativ zeitig zu starten. Außerdem sollte das Wetter gegen Mittag schlechter werden, bedeckt mit hoher Luftfeuchte war es ja schon. Doch mit 55 km Streckenlänge standen die Chancen gut, es vor dem angekündigten Regen zu schaffen, zumal die Beschreibung des Anstiegs auf Quaeldich.de wesentlich geringere Anforderungen als bei meiner Tour unter die Dachstein Südwand erwarten ließ.

Am Beginn der Schlucht (Aufnahmeort)
Trotzdem war die Strecke nicht zu unterschätzen, wie ich an der ersten Steilrampe feststellte. Die führte geradewegs in eine tiefe Schlucht, deren Anfang besonders pittoresk war. Im Bild kommt das leider nicht so deutlich zur Geltung, doch fühlte ich mich an diverse Paßstraßen in Frankreich erinnert. Dort war es freilich wesentlich wärmer.

Abgesehen von der meist dicken Wolkendecke, kam mir die Temperatur unter 20°C aber sehr gelegen, deshalb machte sich die Feuchtigkeit auch nicht so schweißtreibend bemerkbar. Bis auf zwei Pinkelpausen konnte ich durchfahren und schon kurz nach Zehn erreichte ich den wenig eindrucksvollen Scheitelpunkt im oberen Teil des Touristenortes Obertauern. Der wiederum animierte mich überhaupt nicht zum längeren Verbleib, er ist halt einer dieser typischen Wintersportziele für jedermann.

Weil sich inzwischen Niederschlagsgebiete dem Ennstal (in welchem Altenmarkt liegt) bedrohlich näherten, begab ich mich nun schleunigst in die Abfahrt - leider auf dem gleichen Weg wie bergauf. Wofür ich im Aufstieg rund 3 Stunden benötigt hatte, war abwärts in einer dreiviertel Stunde Geschichte. Kurz vor Zwölf trudelte ich schließlich am Camping ein.

Der halbe Tag lag noch vor mir. Der Regen blieb nicht nur aus, sondern es setzte sich sogar die Sonne immer mehr gegen die Wolken durch. Eigentlich hätte ich also einen zusätzlichen Abstecher zum Zauchensee unternehmen können, mit rund 12 km pro Strecke und weiteren 500 Hm wäre ich dabei gewesen. Das aber war mir zuviel, will ich doch nicht gleich am Anfang meines Urlaubs mein ganzes Pulver verschießen.

Es warten noch größere Herausforderungen!

26. Juli 2026

Anspruchsvoller Einstieg

Es ist wieder losgegangen: meine beinahe alljährliche Pässejagd in den Alpen. Noch am Freitag habe ich nachmittags mein erstes Basislager aufgeschlagen, nachdem ich zuhause unerwartet schnell mit den Reisevorbereitungen fertig war.

Dazu gehörte natürlich auch die Recherche zu geeigneten Campingplätzen, die zumindest über eine (lt. Eigenaussage) barrierefreie Sanitäreinrichtung verfügen. Vorort erweist sich diese dann nur sehr selten als perfekt, meist komme ich aber auch bei suboptimalen Bedingungen mit Abstrichen noch ganz gut klar. Auch beim Camping Passrucker in Altenmarkt am Pongau gibt es diesbezüglich Luft nach oben, doch dafür sind die Leute ganz nett und machen vieles möglich, was anderswo nicht machbar wäre.

Üblicherweise beginne ich meine Alpentouren mit dem Handbike verhalten, um mich erstmal zu akklimatisieren. Hierbei geht es nicht nur um Höhenanpassung - ich wohne ja in Pirna auf nur 120 m ü. NHN. Auch eine andere Fahrstrategie ist im Hochgebirge nötig, denn große Höhendifferenzen und überhaupt ein ganz anderes Verhältnis von Strecke zu (bewältigten) Höhenmetern erfordern eine ganz andere mentale und körperliche Herangehensweise an solche Unternehmungen. Ausdauer ist wichtiger als Schnelligkeit. 

Gestern allerdings gab es keine Schonung. Das war nicht einmal von mir beabsichtigt, ich hatte bei der Planung einfach nur die Herausforderung unterschätzt. Bereits die Auffahrt von Pichl nach Ramsau am Dachstein überraschte mich mit durchgängiger Steilheit bis zu den ersten Häusern von Vorberg. Kein Wunder! Wie ich später bei Quaeldich.de feststelle, war das nämlich der anspruchsvollste Weg in den beliebten Urlaubsort.

Nach kurzer Erholung folgten dann auf der Dachsteinstraße die nächsten Steilrampen bis etwa 14% Steigung. Im unteren Teil gab es dabei mehr als 2 km lang keine Möglichkeit zum Durchschnaufen ohne Stehenzubleiben. Und das gönnte ich mir nur einmal in einer flachen Kehre, weil die Batterie meines Geschwindigkeitssensors entladen war und ich daher ausschließlich mit Strecken-/Geschwindigkeitsaufzeichnung per GPS fuhr. Sobald ich also angehalten hätte, wären beim Weiterfahren danach wegen meines geringen Tempos keine Werte mehr erfaßt worden.

Am Ziel vor der Türlwandhütte - im Hintergrund
der Dachstein, unten die Talstation, oben die
Bergstation der Seilbahn (Aufnahmeort)
Bevor ich gegen 11.40 Uhr an der Türlwandhütte den höchsten Punkt meiner Tour auf rund 1700 m Seehöhe erreichte, mußte ich noch ein weiteres Mal im Schlußteil des Anstiegs standhaft um jeden Höhenmeter kämpfen. Das war vor allem eine Kopfsache, befand sich das Ziel doch bereits in Reichweite. Die letzten Meter zum "Gipfel" sind oftmals die schwierigsten ...

Oben gönnte ich mir eine lange Ruhepause (das sind bei mir 30 Minuten), schließlich lag nun der anspruchsvollste Teil der Tour hinter mir. Von Pichl aus waren bisher auf knapp 15 km immerhin rund 1000 Hm zusammengekommen. Auf den Rest der Strecke verteilt, gab es dann noch ein paar Aufschwinger, bei denen ich jedesmal in den "Bergmodus" umschalten mußte. Letztendlich blieben diese mit insgesamt 250 Hm für die Gesamtbilanz weitestgehend unerheblich - eine Aussage, die im Flachland wohl für Kopfschütteln sorgen würde.

Kurz vor meiner Ankunft auf dem Zeltplatz nervte mich ziemliches Zickel-Zackel aufgrund geänderter bzw. gesperrter Wege. Das gehörte aber nur zum Abgesang und verdarb mir nicht die Laune. An diesem Tag hatte ich mich trotz der unerwarteten Steilrampen wirklich wacker geschlagen, auch dank optimaler Witterung.

Ein gelungener Auftakt!

8. Mai 2026

Tourenbilder von Südtirol

Auf dem Vinschgau Radweg (Aufnahmeort)
Nun habe ich es geschafft, meine während des Frühjahrsurlaubs im Vinschgau fotografierten Erinnerungen aufzubereiten und die aussagekräftigsten davon für eine Veröffentlichung auszuwählen. In Verbindung mit einem kurzen Text als zusammenfassender Überblick ist daraus ein Beitrag auf meiner Facebook-Seite entstanden.

Mögen die kommentierten Aufnahmen - gemeinsam mit den entsprechenden Artikeln in diesem Blog - anderen Interessierten Inspiration für eigene Aktionen in einer Region sein, die auf jeden Fall eine Reise wert ist. Die beste Zeit dafür ist sicherlich das späte Frühjahr.

30. April 2026

Zwei Gesichter

Bei all der Sonne in den vergangenen Tagen konnte ich mir hier im Urlaub gar nicht so richtig schlechtes Wetter vorstellen. Ich bekam Nachhilfe ...

Nachdem es am Ruhetag nach meiner Matschertal-Tour tagsüber bedeckt war und schließlich abends die ersten Niederschläge fielen, wurde die Nacht zum Mittwoch noch nässer. Bis weit in den Vormittag des 29.04. regnete es relativ kräftig. Allerdings schien sich das Regengebiet nach Süden zu verziehen, und kurz vor dem Mittag nieselte es nur noch leicht.

Einen weiteren Tag ohne sportliche Aktivität wollte ich mir aber nicht leisten. Auch hatte ich bereits einen Alternativplan zusammengestellt, der selbst bei suboptimaler Witterung funktionieren sollte. Also fuhr ich los. Leider hörte der leichte Niesel nicht wie erwartet auf, sondern verstärkte sich im Gegenteil noch. Trotzdem blieb ich hartnäckig. Der bedeckte Himmel und etwas kühlere Temperaturen ließen mich wenigstens nicht heißlaufen, außerdem war ich gut erholt nach dem sportfreien Vortag.

Das Dorf in den Wolken (Aufnahmeort)
Den rund 3 km langen Schlußanstieg von der Ofenpaßstraße zum Weiler Craistas absolvierte ich daher ohne Zwischenrast, obwohl sich das schmale, gewundene Sträßchen meist recht steil in den Himmel reckte. Das konnte man beinahe wörtlich nehmen, denn zum Schluß fuhr ich durch Wolken, die sich aufgrund der Feuchtigkeit in dieser Höhe bildeten.

Kurz nach dem Scheitelpunkt wurde es immer ungemütlicher. Ich hatte das Elend auf dem Regenradar schon kommen sehen, wußte deshalb aber auch, daß Warten auf Wetterbesserung sinnlos war. So rollte ich bei einsetzendem Landregen stoisch bergab, umso mehr darauf bedacht, nicht in Hektik zu verfallen. Auf dieser einsamen Straße - unterwegs traf ich nur einmal ein Auto und danach zwei Wanderer - durfte mir nichts Übles (wie z.B. eine Reifenpanne) passieren!

Als ich Sta. Maria im Val Müstair erreichte, atmete ich erstmal auf. Der Hauptstraße folgend, rollte ich danach weiter talwärts - nur eben nicht so schnell, wie eigentlich möglich. Das Fahren im Wasserschleier wäre sonst noch unangenehmer geworden, ich hatte sowie keinen trockenen Faden mehr am Leib und fror. Wahrscheinlich gab ich inzwischen auch ein ziemlich erbarmungswürdiges Bild ab. Der italienische Grenzer winkte mich jedenfalls ohne großes Federlesen durch, als ich mich suchend nach einem Beamten umsah.

Rund eine dreiviertel Stunde mußte ich noch durchhalten, bis ich wieder im Quartier ankam. Die Nachbereitung dauerte dann zwar seine Zeit, weil ich die tropfnassen Sachen sofort wechseln und mich auch um mein Gefährt kümmern mußte. Aber da sah ich wenigstens schon den Silberstreif am Horizont. Am Abend klarte es auf, sogar die Sonne ließ sich noch einmal blicken. Um die Fahrt durch den Regen wäre ich deshalb jedoch nicht herumgekommen.

Heute folgte die Fortsetzung der ersten vier Tourentage: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen über den ganzen Tag. Es erwies sich daher im Nachhinein als die richtige Entscheidung, gestern meinen Ausflug nach Sulden zu verschieben. Nicht nur wegen des Streckenprofils, sondern eben auch aufgrund der grandiosen Ausblicke auf die hohen Berge, welche mir sonst vorenthalten geblieben wären.

Dabei hatte die gestrige Regentour konditionell (und gesundheitlich) überhaupt keine Spuren bei mir hinterlassen. Auch diesmal mußte ich selbst auf den steileren Passagen nicht pausieren, wobei mir die Kühle des Vormittags ebenfalls sehr gelegen kam.

Ankunft in Sulden (Aufnahmeort)
Die Bergwelt rund um Sulden war wirklich sehr eindrucksvoll. Vermutlich war auch der vorangegangene Niederschlag in großer Höhe als Schnee gefallen, sodaß viele Bergflanken in einem beinahe makellosem Weiß erstrahlten. Dieser beeindruckende Talabschluß glich auch vieles aus, was mir sonst solche beliebigen Skiressorts verleitet. Sofern man der Bespaßungs-Infrastruktur nicht zu nahe kam, sah es hier nämlich ganz nett aus. Für eine längere Pause reichte es dennoch nicht, zumal sich allmählich die Körperwärme vom Bergauffahren verflüchtigte.

Ich stürzte mich also bald in die Abfahrt, um wärmere Gefilde zu erreichen. Bevor ich dann im Quartier einrückte, gönnte ich mir eine kleine Abschiedsrunde über Schleis. Rundum zufrieden, nahm ich dieses wunderschöne Land um mich herum mit allen Sinnen auf. Auch wenn ich mich schon auf Zuhause freue - hierher werde ich gern zurückkommen, sobald es an der Zeit ist.

Vielleicht das nächste Mal ja auch wieder in Begleitung.

28. April 2026

M & M

Martelltal und Matschertal, das waren meine Tourenziele der vergangenen beiden Tage. Bzgl. der Witterung hätte ich es nicht besser treffen können. Und auch der Ruhetag am Sonnabend war wirklich wichtig, um meine härteste Tour des Urlaubs erfolgreich meistern zu können.

Zunächst verlor ich bei meiner Fahrt durch das Vinschgau hinab zur Mündung des Martelltals rund 350 hm, die ich am Ende natürlich wieder hinaufklettern mußte. Kurz nach Neun begann die eigentliche Auffahrt, knapp 1400 Hm auf rund 23 km lagen nun vor mir. Prinzipiell könnte man ja meinen, daß die 26 km zum Einfahren gut auf die Anforderungen dieser langen Bergaufstrecke vorbereitet hätten. Andererseits erforderte es eine ganz andere Herangehensweise, sich nun nach dem beinahe mühelosen und schnellen Vorankommen für die lange Schinderei zu motivieren.

Immerhin kamen nach den ersten Serpentinen auch mal Flachstrecken, auf denen ich kräftemäßig etwas herunterregeln konnte. Dabei verzichtete ich lieber auf's Tempomachen, denn ich wußte, daß noch zwei steile Kehrenfolgen vor mir lagen.

Die erste Zickzack-Rampe führt hinauf zur Mauer des Zufritt-Stausees. Auf Quaeldich.de wurde sie als der steilste Abschnitt im Streckenprofil dargestellt. Durch die teils sehr eng aufeinanderfolgenden Kehren versuchte ich es also erst gar nicht, ohne Ruhepause durchzukommen. Auch mußte ich mich wegen des engen Kurvenradius' öfters nochmal zurückrollen lassen, um die Kehre zu bewältigen. Bei niedriger Geschwindigkeit war im steilen Gelände der Wendekreis meines Handbikes einfach zu groß.

Am Beginn des Schlußanstiegs im Martelltal:
Jeder stirbt für sich allein ... (Aufnahmeort)
Nachdem ich mich entlang des (gefühlt) beinahe leeren Stausees etwas entspannt hatte, schockte mich die Ankündigung einer 14%-Steigung. Reichlich 1,5 km fehlten noch bis zum höchsten Ende der Auffahrt, doch dieses Stück brachte mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit. Fast 40 Minuten inkl. zahlloser Verschnaufpausen kostete mich das Martyrium, doch Aufgeben kam für mich so kurz vor dem Ziel überhaupt nicht infrage. Der Endpunkt der Schinderei war schließlich hinter einem Kiosk ganz unspektakulär ein Wendeplatz im Wald. Von dort hätte man auf Schotter zwar noch wenige hundert Meter zu einem kleinen See sowie einem aufgegebenen Hotel weiterfahren können, doch angesichts der fortgeschrittenen Zeit - es war bereits 14.30 Uhr - und dem begrenzten "Mehrwert" entschied ich mich dagegen.

Dafür bin ich dann etwas später auf der Rückfahrt nochmal über die öffentlich zugängliche Krone der Staumauer gefahren, von welcher man einen schönen Blick talwärts hatte. Erfreulicherweise kam ich abwärts auch gut durch die zwei Kehrenabschnitte, d.h. ohne nochmaliges Rangieren. Das war nämlich meine größte Befürchtung - denn auf solch steiler Straße während der Abfahrt (bergauf) zurückzusetzen, ist extrem schwierig bis unmöglich.

Der Rückweg auf dem Radweg im Vinschgau wurde dann nur eine Ausdaueraktion, verglichen mit dem bisher Erlebten, ohne Höhepunkte. Nur die unzähligen Mofafahrer (wahrscheinlich ca. 80 - 90% der Zweiradnutzer) nervten, weil sie auf den geschotterten Abschnitten zwischen Göflan und Laas zusätzlich Staub aufwirbelten. Abends war ich redlich ausgearbeitet, doch hochzufrieden mit mir.

Normalerweise wollte ich am nächsten Tag einen weiteren Ruhetag im Quartier einlegen. Denn nach einer solch anstrengenden Tour konnte am Montagmorgen von vollständiger Regeneration überhaupt nicht die Rede sein. Als ich mir jedoch die Wetterprognose ansah, die für heute viel Regen ankündigte, brach ich schließlich doch zu einer Tour auf. Diese sollte allerdings nur kurz sein, und bei der Vorbereitung des Urlaubs hatte ich für genau solche Fälle schon einen Plan zusammengestellt.

Die Streckenlänge zum höchsten Punkt der Straße durch das Matschertal betrug ab meinem Quartier in Mals nur knapp 16 km, doch war die Tour nicht zu unterschätzen. Ich tat jedenfalls gut daran, zumal die ersten 2,5 km bis kurz nach der ersten Kehre erneut sehr steil waren und mir den letzten Saft aus den Armmuskeln preßten. Auch hier kämpfte ich mich nur Stück um Stück nach oben, allerdings in dem Wissen, daß danach das Schlimmste auf dieser Ausfahrt überstanden ist.

Auch von diesem schönen Aussichtspunkt im
Matschertal war (links) der Ortler zu sehen. -
Nur der stinkende Misthaufen im Vordergrund
trübte etwas den Genuß ... (Aufnahmeort)
Ab dem Dorf Matsch hatte ich das kleine Sträßchen nahezu gänzlich für mich alleine, hierhin verirrten sich zu dieser Zeit nur ganz wenige Touristen. Lediglich am höchsten Punkt auf dem großen Parkplatz bei der Kapelle am Almhotel Glieshof hielt just ein deutsches Auto mit MOL-Kennzeichen, als ich dort gerade meine Mittagspause einlegte. Der Mann und die Frau stiegen aus, die stark geschminkte ältere "Dame" zündete sich eine Zigarette an, dann standen sie ein bissel unschlüssig in der Gegend herum, bevor sie wieder im Auto zurückfuhren. Ich habe sie ignoriert und nichts gesagt, doch dachte ich folgendes: 'Was für ein fades, belangloses Leben müssen doch diese bemitleidenswerten Gestalten führen, daß ihnen nichts besseres einfällt, als einfach nur mit dem Auto in der Gegend herumzufahren ...'

Nach meiner Rückkehr aus dem Tal wäre tatsächlich noch eine Zusatzrunde über Glurns, Latsch und Schleis ohne viele Höhenmeter zur Verbesserung der ziemlich miesen Tourenstatistik möglich gewesen, aber das hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Blick. Stattdessen erreichte ich auf kürzestem Weg bereits dreiviertel Zwei wieder meinen Ausgangspunkt.

So unglücklich war ich darüber trotzdem nicht.

25. April 2026

Ein gastlicher Ort

Um für die nächste Tour gut ausgeruht zu sein, lege ich heute einen Ruhetag ein. Es fällt mir zwar schwer, bei diesem weiterhin herrlichen Wetter die Stunden "ungenutzt" verstreichen zu lassen, doch dafür werde ich morgen hoffentlich topfit für die anspruchsvollste Tour des Urlaubs sein.

Immerhin gibt mir das die Möglichkeit, auch anderen Interessierten meine Unterkunft in Mals vorzustellen. Die FinKa heißt deshalb so, weil das Gebäude früher mal eine FINanzKAserne war. Normalerweise mache ich ja keine solch ausgiebige Werbung (für die ich übrigens keine Gegenleistung erhalte). Aber ich denke, daß es als Rollifahrer sowieso schon schwierig genug ist, geeignete Urlaubsquartiere zu finden.

Außerdem sagen Bilder mehr als tausend Worte. Deshalb habe ich hier sechs Aufnahmen zusammengestellt, auf denen das wichtigste hinreichend detailgenau zu sehen ist. 
  • Ansichten von der FinKa Mals (Standort)
    Rechts vom Haupteingang konnte ich mein Auto parken, und selbst bei größerem Gästeansturm werden die Gastgeber sicher versuchen, für Rollifahrer einen geeigneten Parkplatz auf dem Gelände bereitzustellen. (Links vom Gebäude im Hintergrund befindet sich die Fahrradgarage.) 
  • Die Fahrradgarage ist mit einem elektrischen Rolltor (gerade offen) ausgestattet, welches ganz unkompliziert mit der Schlüsselkarte bedient wird. Der Sensor dafür ist sogar aus dem Handbike heraus gut erreichbar. Außerdem verschließt sich das Tor erst nach erneuter Aktivierung des Sensors, also nicht per Zeitschaltung. Ich glaube, extra sichern muß man sein Gefährt dort nicht.
  • Die Terrasse gehört zwar nicht zum Zimmer, sondern ist unmittelbar daneben über den öffentlichen Gang erreichbar. Der Blick auf die Berge ist aber wirklich schön!
  • In den zwei barrierefreien Zimmern selbst befinden sich vier Betten, jeweils nur eines davon ist tatsächlich nicht für Rollifahrer nutzbar. Das Zimmer ist sehr geräumig.
  • Die Duschkabine verfügt über einen Klappsitz, der Zugang in das Geviert ist wegen der faltbaren Glasseitenwände jedoch ein bißchen trickreich. Ich habe mir für's Duschen darüberhinaus einen Campingstuhl bereitstellen lassen, weil ich so stabiler sitze. Meinem Wunsch wurde völlig unproblematisch entsprochen.
Das im Übernachtungspreis enthaltene Frühstück ist zwar vergleichsweise einfach und ohne große Abwechslung - aber letztlich befindet man sich hier ja nicht in einem Hotel. Und natürlich kann man essen und trinken, soviel man möchte, denn es gibt ein Selbstbedienungsbuffet. Die überaus freundliche Servicemitarbeiterin (eine ukrainische Geflüchtete) ist sehr hilfsbereit und bringt auf Wunsch Essen und Getränke an den Tisch.

Achja, und nicht ganz unerheblich: die WLAN-Verbindung ist ausgezeichnet! 😀

Wenn dann noch das Wetter paßt, sind alle Voraussetzungen für einen perfekten Urlaub gegeben. - So, wie gerade jetzt!

24. April 2026

Kaiser-Jagdwetter

Zwei Alpenpässejagd-Touren liegen nun schon hinter mir, Zeit für einen ersten Bericht!

Wie beabsichtigt, erreichte ich mein Basislager Mals im Obervinschgau nachmittags am vergangenen Mittwoch. Untergekommen bin ich in der FinKa, einem Hostel, welches nicht nur über ein barrierefreies Zimmer verfügt, sondern wo wirklich faire Preise für die Übernachtung mit Frühstück berechnet werden. Bereits bei der Buchung hatte ich ein gutes Gefühl, und das bestätigte sich dann vorort vollumfänglich. Interessant ist es übrigens zu wissen, daß es quasi die Garantie gibt, nicht noch einen (unbekannten) Zimmergast in das Vierbett-Zimmer einquartiert zu bekommen. Wenn ich hingegen in Begleitung gekommen wäre, hätten wir sogar pro Person noch etwas weniger bezahlt.

Als Akklimatisationstour hatte ich mir gleich am nächsten Tag die Vinschgauer Höhenstraße vorgenommen. Denn was Streckenlänge und erreichte Höhe des Scheitelpunkts betraf, schien sie mir am geeignetsten. Außerdem bewegten sich lt. der Informationen auf Quaeldich.de die Steigungsprozente bis auf die ersten Kilometer nach Beginn in Schluderns in einem moderaten Bereich. Daß es eine großartige Aussicht von dort oben geben würde, war sowieso klar.

Der Tag startete mit Sonne satt, vielleicht fühlten sich deshalb auch die niedrigen Temperaturen von ca. 4-5°C auch nicht so kalt an. Nach knapp fünf Kilometern begann der Anstieg. Bei diesem Wetter machte das Bergefahren einfach nur Laune. Zwar mußte ich anfangs zwei-, dreimal an den Steilstücken durchschnaufen, doch motivierte mich an einem Teilstück die bis auf die Straße reichende Wasserfontänen der Bewässerungsanlagen, dort möglichst ohne Pause hochzukommen. Sehr naß bin ich dabei jedenfalls nicht geworden - angesichts der Wärmeentwicklung beim Klettern war das sogar eher angenehm. Noch vor dem Mittag lag in Schlanders die eigentliche Höhenstraße hinter mir.

Für den Rückweg hatte ich mir den Vinschgau-Radweg ausgesucht. Leider wich kurz hinter Göflan für etliche Kilometer der Asphalt einer Schotterpiste, wahrscheinlich aus Naturschutzgründen (s. Track vom 23.04., km 27,0 - 31,4). Denn kurze, steile Aufschwinger hatte man zur Verbesserung der Bodenhaftung perfekt asphaltiert. Erst am Ortseingang von Laas gab es wieder Asphalt. Als noch unangenehmer bleibt mir aber der grobe Schotter auf einigen hundert Metern hinter Prad in Erinnerung (s. Track vom 23.04., km 42,8 - 43,8), wo ich mich noch behutsamer vorangetastet habe.

Ab Glurns mußte ich zwar noch einmal mehr als 100 Hm zu meiner Bleibe in Mals überwinden, kam aber bereits 14.15 Uhr am Quartier an. Da blieb außerhalb der Wertung noch Zeit für eine kurze Ortsrundfahrt, zumal an diesem Tag gerade der jährliche Georgimarkt stattfand. Das hatte ich nämlich noch nicht erwähnt: man muß schon körperlich ziemlich fit sein, um hier im Rollstuhl einigermaßen gut ohne Hilfe klarzukommen. Eine wirklich sehr freundliche und hilfsbereite junge Einheimische, die mir beim ersten Rundgang ganz von sich aus ihre Unterstützung bei einer Steigung angeboten hatte, bemerkte dazu: "Da haben Sie sich aber den bergigsten Ort der Umgebung ausgesucht!"

Heute, also am Freitag, stand gleich die nächste Runde im Handbike an. Auf mein Tagesziel - das Langtauferer Tal - war ich erst kurz vor dem Urlaub aufmerksam geworden, weil der Autor der Beschreibung dieser Auffahrt auf Qualdich.de das Tal besonders lobte. Auch die Fahrt nach St. Valentin am Haidersee vor dem Reschensee verlief letztlich anders, als ursprünglich festgelegt. Dabei mußte ich kurz hinterm Ortsausgang von Mals bei bis zu 16% Steigung mal rund zwei Kilometer tüchtig beißen. Ohne ausreichende Erwärmung ging ich aber kein Risiko ein und pausierte zwischendurch mehrmals.

Der Radweg am Ostufer des Reschensees entpuppte sich dann erneut als Schotterpiste, weswegen ich auf die parallel verlaufende, doch stark befahrene Hauptstraße ausgewichen bin. 99,9% der Autofahrer sahen das jedoch sehr entspannt, nur ein einziger dämlicher Deutscher hupte mich einmal auf meiner Fahrt nach Graun beim Überholen an.

In Graun zweigte das Langtauferer Tal ab, und schlagartig wurde es ruhig auf der Straße. 1,5 km vor Pedross zog die Steigung merklich an und nötigte mich noch einmal zu Zwischenstops. Dieses Mal jedoch hauptsächlich, um mir den Schweiß aus den Augen zu wischen und abzukühlen. Mit Erreichen des Ortes war's das aber auch schon. Die restlichen Kilometer bis zum Ende der Straße ließen sich nämlich recht entspannt bewältigen, obwohl immerhin noch weitere 200 Hm zu überwinden waren. Vom Endpunkt der Straße zurück bis Graun benötigte ich danach 23 Minuten.

Südtirol-Panorama (Aufnahmeort)
Nun fuhr ich noch schnell bis zum Reschenpaß, bevor ich den Radweg westlich des Sees für den Rückweg unter die Räder nahm. Dieser führte zwar mehrmals auf und ab, wurde jedoch sehr schön angelegt und durchweg asphaltiert. Auch der Radweg am Westufer des südlich benachbarten Haidersees gefiel mir, obwohl zu Beginn noch einmal für wenige hundert Meter der Asphalt fehlte.

Weil die letzten drei Kilometer des Radwegs nach Burgeis wegen Bauarbeiten gesperrt war, nutzte ich schließlich ein letztes Mal an diesem Tag die Hauptstraße. In Burgeis konnte ich aber wieder auf den Vinschgau-Radweg. So bot sich mir bald das Fotomotiv des Tages: die Fürstenburg von Burgeis vor dem Vinschgau und den schneebedeckten Bergen.

Genau so stelle ich mir immer Südtirol vor!

17. Oktober 2025

Joker

Gestern morgen entschloß ich mich, einen Tag länger im Norden zu bleiben. Doch schon am Vorabend hatte ich darüber nachgedacht, ob ich nicht gleich die Gelegenheit nutzen sollte, eine Handbiketour auf die Insel Usedom zu unternehmen. Dort war ich bisher noch nie, auch nicht in meinem ersten Leben.

Zunächst stellte ich mir eine geeignete Strecke zusammen, eine Rundfahrt natürlich. Aufgrund der begrenzten Tageslänge und auch weiterer Bedingungen plante ich dabei, in Anklam zu starten. Erstmalig würde ich also mit den Handbike im Auto zum Ausgangspunkt gelangen müssen. Zwar bedeutete dieses Vorgehen einen höheren logistischen Aufwand, war jedoch m. E. die einzige erfolgversprechende Alternative.

So ziemlich genau ging es dann 8.30 Uhr mit dem Handbike von Anklam aus los. Da ich diesmal meist überregionale Radrouten für meine Tour nutzte, fuhr ich oft abseits von öffentlichen Straßen bzw. auf verkehrsarmen Nebenstrecken. Erstaunlicherweise gab es anfangs dabei nur einen relativ kurzen Abschnitt, welcher nicht asphaltiert oder mit Betonsteinen ausgebaut war. Selbst als es ca. 6 km vor Ahlbeck hügelig wurde und einige kräftigere Anstiege bewältigt werden mußten, blieb der Untergrund meist noch leidlich akzeptabel.

Überhaupt war die nördliche, also an die Ostsee grenzende Küste der Insel ziemlich anspruchsvoll. Abgesehen von den Abschnitten durch die Seebäder, d.h. über die Strandpromenaden von Ahlbeck sowie Heringsdorf ging es hier häufig bergauf und bergab. Lange Anstiege waren das zwar nicht, sie schlauchten aber dennoch auch aus einem weiteren Grund. Große Teile des ausgewiesenen Küstenradwegs verliefen nämlich nur auf Schotter bzw. verdichteten Sandboden. Für die zahlreichen Zweiradtouristen mochte das ausreichen, mich hinderte das jedoch am zügigen Vorankommen. Immerhin erwies sich die Strecke als ziemlich abwechslungsreich, und auch Aussichtspunkte auf das Meer gab es etliche.

Blick von der Seebrück Koserow nach Osten zur
Küste mit dem Streckelsberg (Aufnahmeort)
Den Abschluß dieses Bummelparcours bildete dann die Seebrücke von Koserow. Fixiert auf die Unebenheiten des Fahrwegs, wäre ich an dieser Konstruktion beinahe ahnungslos vorbeigefahren. Erst im letzten Moment bemerkte ich den Abzweig, und da es langsam Zeit war, etwas zu essen, steuerte ich folgerichtig das Bauwerk an. Die Seebrücke war der perfekte Rastplatz mit Blick auf die Ostsee und den Küstenstreifen. Endlich "richtig" am Meer, so wie es mir immer vorgestellt hatte!

Alles was danach kam, bedeutete für mich nur noch Ausdauersport. Ein paar Kilometer Betonplattenweg bremste mich ein letztes Mal, doch im wesentlichen konnte ich dabei wieder einiges von der während der Küstenfahrt verlorenen Zeit aufholen. Denn immerhin galt es ja, noch möglichst vor dem Sonnenuntergang zurück in Anklam zu sein. Es wurde schließlich ein punktgenauer Zieleinlauf: als ich die Aufzeichnung auf dem Fahrradnavi stoppte, schaltete es gerade in den Nachtmodus um. Geschafft!

Diese völlig ungeplante Extratour zähle ich nun als die schönste Unternehmung meines diesjährigen Herbsturlaubs. Eine für hiesige Verhältnisse überdurchschnittlich abwechslungsreiche Strecke, viel Sehenswertes, endlich mal auch am "richtigen" Meer - das alles wäre mir entgangen, wenn ich bereits gestern nach meinem am Schreibtisch geplanten Tourenprogramm wieder nachhause gefahren wäre. Manchmal sollten man die Logistik überdenken, falls sich dadurch neue Möglichkeiten eröffnen. Daß ich nun häufig zum Beginn einer Ausfahrt mit dem Handbike erstmal im Auto fahre, ist zwar weiterhin eher unwahrscheinlich.

In diesem Fall paßte aber alles zusammen.

15. Oktober 2025

Nummer 4 von hier

Während meines Urlaubs wollte ich von Ueckermünde aus das Umland in allen möglichen Himmelsrichtungen durchstreifen. Die Tour nach Südwesten hatte ich mir heute zum Abschluß vorgenommen, weil sie die kürzeste bei gleichzeitig flachem Streckenprofil war. Den Umkehrpunkt Strasburg in der Uckermark erreichte ich bereits 12.00 Uhr.

Ansonsten gibt es nichts Spannendes vom Tag zu vermelden. Keine landschaftlichen Höhepunkte, keine überdurchschnittlich sehenswerte Architektur in den durchfahrenen Orten - und das vielleicht einzige interessante Ziel, ein großes Feuchtbiotop nördlich des Galenbecker Sees, verbarg sich hinter einem kilometerlangen Deich, den risikoreich zu erklimmen ich mir gar nicht erst die Mühe machte (s. Track vom 15,10., km 37,1 - 43,2).

In den "Genuß" der für diese Region typischen Verkehrsinfrastruktur bin ich aber natürlich auch wieder gekommen. Das waren zum einen zwei Straßenabschnitte von 2 (s. Track vom 15.10., km 16,1 - 18,1) bzw. 1 km (s. Track vom 15.10., km 18,8 - 19,8), die den berüchtigten Pavé-Sektoren des legendären Radrennens Paris - Roubaix alle Ehre gemacht hätten und welche aber hinsichtlich ihrer Unbefahrbarkeit sogar alle ähnlichen Abschnitte der vorangegangenen Touren in den Schatten stellten. Als zweite regionale Besonderheit muß ich erneut die endlos schnurgeraden Straßenabschnitte nennen, die fast mit der 8 km langen SW-Anfahrt auf Grosseto durch die Maremma (in der Toskana) mithalten können. Auch wenn diese Teilstücke heute "nur" maximal vier Kilometer ohne Kurve oder Biegung durch das flache Land führten, war ich darauf trotz meines zügigen Vorankommens (gefühlt) ewig unterwegs.

Noch einmal im Hafen vor einem
der Großsegler des ZERUM
(Aufnahmeort)
Nach all der Meckerei gab es jedoch noch einen Lichtblick. Zwischen Strasburg und Jatznick gestaltete sich nämlich meine Fahrt recht abwechslungsreich. Die leicht wellige Topograpfie des Geländes zwang hier offensichtlich zu angepaßter Straßenführung jenseits einer Geraden von A nach B. 

Spätestens ab Straßburg setzte sich auch immer mehr die Sonne durch, sodaß ich sogar meine Radjacke ablegen konnte und nun am Körper nur noch ein langärmeliges Funktionsunterhemd sowie (darüber) ein Kurzarm-Radtrikot trug. So selbstverständlich ist das zu dieser Jahreszeit auch nicht mehr. Von den wärmenden Strahlen der Herbstsonne gestreichelt, erreichte ich schließlich nach entspannter Fahrt zur besten Kaffeetrinkerzeit mein Zuhause auf Zeit.

Plan erfüllt!

14. Oktober 2025

Regen und Sonne

Mein straffes Tourenprogramm läßt keine Pause zu. Auch wenn es am Sonntagmorgen draußen gar nicht gut aussah, startete ich wie am Vortag kurz nach Acht zu einer weiteren Ausfahrt. Dafür nahm ich die geplante Tour nach Westen mit den Eckpunkten Anklam und Friedland in Angriff.

Bereits am Start war die Luft feucht, und bald danach begann es leicht zu nieseln. In der Hoffnung, daß dies nur ein kurzes Intermezzo bleiben würde, fuhr ich jedoch weiter. Blieb es aber nicht. Mal mehr, mal weniger fiel nun leichter Regen - dabei wurde auf dem Online-Regenradar meiner Smartphone-App davon gar nichts angezeigt! Na, dann konnte es ja auch gar nicht so schlimm sein ...

Wider besserem Wissen - ich hatte mich ja schon während der Tourenplanung intensiv damit beschäftigt und die Strecke entsprechend des auf OpenStreetMap (OSM) "codierten" Untergrunds zusammengestellt - folgte ich in Bugewitz der Ausschilderung nach Anklam. Mit dem Ergebnis, daß ich dann doch zwei Kilometer weiter an einem Vogelbeobachtungsturm auf meine geplante Strecke zurückkehren mußte, weil die Piste sich im unwegsamen Gelände verlor.

Auf mittlerweile klatschnassen Straßen arbeitete ich mich jetzt nach Anklam vor und wurde dabei immer nässer. Wenigstens konnte ich mir einbilden, nicht völlig durch beispielsweise Landregen eingeweicht zu werden. Spaß machte es aber keinen. Obwohl Anklam offensichtlich ein durchaus sehenswertes Stadtzentrum mit alten Gemäuern einschließlich mehrerer Stadttore verfügt, hatte ich kein Auge dafür. Nur schnell weiter, denn noch lagen knappe zwei Drittel der Tour vor mir!

Bei diesem Wetter fehlte eigentlich nur noch schlechter Untergrund. Wie gesagt, die erste Hürde hatte ich vor Anklam erfolgreich gemeistert. Doch die Asphaltdecke der "Straße" genannten öffentlichen Verkehrsverbindung zwischen dem Abzweig hinter Spantekow bis zwei Kilometer vor Borntin spottete jeder Beschreibung. Etwas später fuhr ich dann auf einem typischen Kolonnenweg aus Betonplatten, der schließlich wieder in wild aufgeworfenes Feldsteinpflaster überging. In Zinzow hatte ich genug davon und fuhr lieber einen großen Umweg, noch dazu auf der relativ stark befahrenen Bundesstraße B197. Erst danach wurde es wieder besser. Das betraf inzwischen auch das Wetter auf dem Rückweg von Friedland. Auch diese Stadt scheint durchaus einen Besuch zu lohnen, gleichwohl ich hier aus bereits genannten Gründen ebenfalls nur Zaungast blieb.

Vor Ferdinandshof wurde es zwar noch einmal feucht, doch ansonsten ließ sich auf den letzten Kilometern manchmal sogar die Sonne blicken. Zurück im Quartier, mußte ich an diesem Tag mir einiges einfallen lassen, um meine Radbekleidung und die Sitzpolsterung meines Handbikes wieder trocken zu bekommen. Denn den nächsten Tag, an welchem viel Sonne angekündigt war, durfte ich nicht untätig verstreichen lassen.

Da wollte ich zur Küste des Stettiner Haffs. Bereits als ich meine Route zuhause plante, sah ich mich mit einigen Unwägbarkeiten konfrontiert: Straßen, die danach aussahen, als ob sie nicht mehr benutzt werden würden, ein deutsch-polnischer Grenzübergang, zu dem offensichtlich nur ein schmaler Wanderweg führte sowie ein scheinbar nichtöffentliches Sträßchen entlang der Küste. Tatsächlich wurde meine Montagsrunde die abenteuerlichste aber auch erlebnisreichste Unternehmung der vergangenen drei Tage.

Bis Altwarp kam ich gut voran, wenngleich morgens bei strahlendem Sonnenschein fast schon Handschuhwetter herrschte. Da ich den Rückweg von der Halbinsel nicht über die gleiche Straße absolvieren wollte, nutzte ich die zweite auf der Karte eingezeichnete Verkehrsverbindung. Das war jene aufgelassene Straße, auf welcher ich bis Warsin schließlich eine gefühlte Ewigkeit mutterseelenallein durch endlose Waldidylle fuhr. Auch die ausgewiesene Radtrasse nach Rieth enthielt zwischendurch einen längeren unbefestigten Abschnitt.

Mit meinen Helfern vom Naturpark "Am Stettiner
Haff" auf der Grenzbrücke, auf meine Bitte hin
fotografiert von einem der polnischen Grenzer
(Aufnahmeort)
Spannend wurde es auf dem letzten Stück zum deutsch-polnischen Touristengrenzübergang bei Rieth. Am Ende des asphaltierten Straßenstücks führte nämlich der Wanderweg zu einem selbstschließenden Tor im Zaun, welcher das Überqueren der Grenze von Tieren mit Afrikanischer Schweinepest verhindern soll. Aber auch ich stand zunächst macht- und ratlos vor diesem Hindernis. Auf der Suche nach möglichen Helfern kehrte ich in den Grenzort zurück, wo mir just in diesem Moment ein Auto mit Mitarbeitern des Naturparks "Am Stettiner Haff" entgegenkam. Sie wollten am Strand Wasservögel zählen, doch als ich sie um Unterstützung bat, zögerten sie nicht lange. Zitat meines Ansprechpartners: "Eine gute Tat am Tag vollbringen!" Letztlich öffnete mir der Mitarbeiter des Naturparks dann das Schweinegatter und begleitete mich mit seinen beiden Kolleginnen dann noch bis zur kleinen Grenzbrücke, wo er mir außerdem die Steilrampe hinaufhalf. Über diese Brücke fuhr einst (1908 - 1945) die Randower Kleinbahn von Neuwarp nach Stöven, gestern erwarteten uns darauf jedoch mitten im Nirgendwo zwei polnische Grenzer, einer ganz martialisch mit einem Sturmgewehr im Anschlag. Dabei war ich vermutlich der einzige Grenzgänger an diesem Tag. Während meine Helfer anschließend zu ihrer Arbeit zurückkehrten, fuhr ich auf dem nun asphaltierten Radweg weiter zur Straße nach Neuwarp.

Als letztes Abenteuer der Tour stellte sich der Abschnitt an der Küste des Stettiner Haffs ab Miroszewo heraus. Ich hatte gehofft, dort am Ufer mit Blick auf das Wasser zu fahren, doch abgesehen davon, daß die vermeintliche Straße nur ein holperiger und zugewachsener Betonplattenweg war, führte dieser immer landeinwärts unterhalb der Deichkrone entlang, sodaß ich niemals die Landschaft dahinter zu sehen bekam. Deshalb ersparte ich mir schließlich das Holpern und bog am nächstmöglichen Abzweig in Warnołęka vorzeitig zur Landstraße ab.

Die Kilometer bis zum Grenzübergang vor Blankensee verliefen anschließend nach dem Motto: "Hirn abschalten und volle Kraft voraus!" Dabei war das längste schnurgerade Stück aus Asphalt rund 5 km lang ... Wenigstens begegneten mir auch hier nur ganz, ganz selten Leute in ihren Autos. An der Grenze, hier auf öffentlicher Straße, traf ich zumindest den Bewaffneten vom ersten Grenzübertritt wieder. Wir nickten uns zu, dann ging es weiter.

"Ein Schiff wird kommen ..." (Aufnahmeort)
Bereits in Ueckermünde, gönnte ich mir zuletzt noch einen Abstecher an das östliche Ufer der Ueckermündung, die ich vom ZERUM aus nicht direkt erreichen kann. Diese Aussichtsplattform ist (im Gegensatz zur Anlage auf der "ZERUM"-Seite) komplett barrierefrei zugänglich. Im Abendsonnenschein tuckerte gerade ein Segelboot zum Stadthafen.

Ein schöner Tourenabschluß!

Entschleunigung, aber flott!

Diesmal werde ich den Bericht über meine vergangenen drei Touren aufteilen, denn es gibt etliches zu berichten. Zunächst einmal über dem Ort, den ich mir diesmal für meinen Herbsturlaub ausgewählt habe.

Bekanntlich versuche ich ja immer, diese freien Tage am Ende der warmen Tage im Norden zu verbringen - vorzugsweise am Wasser. 2025 klappte es nun endlich mit der Unterkunft im Zentrum für ERlebnispädagogik und UMweltbildung (ZERUM), welche etwas abgelegen von Ueckermünde direkt am Oderhaff liegt. Hier hat man sich direkt auch auf Gäste (verzugsweise Gruppen) mit Handicap eingestellt, und hier ist auch der Heimathafen des (nach Eigenaussage) ersten Rolliseglers in Deutschland.

Meine Unterkunft im ZERUM, davor einer der
beiden Großsegler des Zentrums, die "Greif von
Ueckermünde". Ich schlafe im Erdgeschoß des
blauen Gebäudeteils, allerdings auf der anderen
Seite (Aufnahmeort)
Schon unmittelbar nach meiner Ankunft habe ich mich sofort willkommen gefühlt. Das lag nicht nur an der Begrüßung und Unterstützung durch die Verantwortliche am Empfang, sondern auch am weit überdurchschnittlichen Engagement ihrer Kollegen vorort. So bot mir ungefragt die Zuständige für das im Nebenhaus gelegene Quartier an, daß ich mein Handbike dort gleich im Korridor abstellen könnte. Nun steht es trocken und auch geschützt vor unberechtigtem Zugriff, obwohl ich nicht glaube, daß dies nötig wäre. Des weiteren konnte ich das Frühstück für mich vorverlegen, ganz wichtig für meine geplanten Touren. Auch als ich nicht ausschließen konnte, nach meiner langen Auftakttour rechtzeitig zum Abendbrot zurück zu sein und daher die Mitarbeiterin in der Küche bat, mir für diesen Fall eine Auswahl an Speisen zusammenzustellen, war das absolut kein Problem. Ich kam nämlich dann tatsächlich zu spät wieder in der Unterkunft an und fand deshalb dennoch für mich eine üppige und reichhaltige Mahlzeit vor. Toll!

Insgesamt ist es hier sehr ruhig, das Zimmer einfach und zweckmäßig eingerichtet. Den separaten behindertengerechten und gut ausgestatteten Sanitärraum teilt man sich allerdings mit (möglichen) weiteren Gästen. Für mich ist das akzeptabel, da ich zurzeit im Gebäude sowieso der einzige Bewohner bin. Fernsehen und Radio gibt es (im für mich zugänglichen Bereich) nicht, auch das WLAN ist nur (eingeschränkt) im Speiseraum verfügbar. Für manche Besucher mag das nervend sein, mir gefällt es jedoch ausnehmend gut. Anderswo wird viel Geld für Entschleunigung im Urlaub verlangt, hier bekomme ich das als Alleinreisender quasi gratis dazu. KEINE (frustrierenden) Nachrichten aus aller Welt, KEIN Zivilisationslärm, KEIN Getöse aus Funk und Fernsehen. Dafür jedoch die Möglichkeit zu einem kurzen 300m-Spaziergang an die Küste, wo die Uecker in das Oderhaff mündet, außerdem unmittelbar am Haus Hafenromantik, in welchem u.a. auch der Rollisegler liegt (der ist zurzeit leider unterwegs). Jedenfalls kann ich die Unterkunft auch für Gruppen von Rollifahrern wärmstens empfehlen - die können sich hier ja bei Bedarf gegenseitig bespaßen.

Am Sonnabend bin ich zu meiner ersten Handbiketour aufgebrochen. Denn aufgrund der schlechten Wetterprognose hatte ich meinen Urlaubsbeginn um einen Tag vorverlegt und damit leidlich gute Witterungsbedingungen. Zwar blieb es den ganzen Tag meist bedeckt, aber auch trocken. Für meine geplante Runde war das eine unabdingbare Voraussetzung. 142 km waren für die Tour vorgesehen, letztlich wurden es 163 km. Von meinem Tourenziel Stettin (Szczecin) hatte ich mir allerdings mehr versprochen, eben eine typische alte deutsche Hansestadt. Dafür wich ich sogar im Stadtzenrum von meiner geplanten Route ab, um der sogenannten Altstadt einen Besuch abzustatten. Zusammenhängende alte Gebäudeensemble habe ich dort aber nicht gefunden, vermutlich ist das meiste den Bombardements im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen.

"Klassische" mecklenburgische Straße zwischen
Ahlbeck und Hintersee (Aufnahmeort)
Ansonsten blieb es bei viel Kurbelroutine ohne landschaftliche Höhepunkte, die ich trotz "langsamer" Streckenabschnitte bei viel weniger Höhenmetern als sonst ziemlich flott absolvierte. Kurz hinter Ahlbeck lag ein Baum quer über die Straße, an welchem sich gerade das Aufräumungsteam zu schaffen machte. Da war ich wohl gerade zur richtigen Zeit zur Stelle, zeitiger wäre schlecht gewesen. Kurz danach erwartete mich zum ersten Mal im Urlaub eine der gefürchteten "klassischen" mecklenburgischen Straßen, die man häufig auch bei den Ortsdurchfahrten kleiner Dörfer findet. Hier mußte ich mich ca. 7 km quälen - dabei nur wenig schneller als im Schrittempo, um keine Reifenpanne zu riskieren.

Bereits auf dem Rückweg, blieb mir wenige Kilometer hinter Rothenklempenow eine weitere unangenehme Überraschung nicht erspart. Dort hatte sich die Nebenstraße abgesenkt und war daher auf ca. 100 m vom Wasser überspült. Nachdem der Fahrer eines gerade entgegenkommenden Autos mir gezeigt hatte, wie hoch bei der Durchquerung das Wasser an seinem Fahrzeug stand, entschied ich mich für einen Umweg. Einen nassen Hintern bzw. durchgeweichten Handbikesitz konnte ich absolut nicht gebrauchen! Bis nach Pasewalk verschlug es mich anschließend, viele nervtötende Kilometer davon bei kräftigem Gegenwind entlang der B104. Glücklicherweise existierte dort - wie übrigens ebenso entlang vieler weniger bedeutender Verkehrsverbindungen - ein sehr gut ausgebauter Radweg und entschärfte damit das Vorankommen. Rund zwanzig Kilometer zusätzliche Strecke bedeuteten letztlich, daß ich meine Unterkunft erst nach Sonnenuntergang erreichte. Aber ich hatte ja meine Beleuchtung mitgenommen ...

Alles in allem ein gelungener Start in den Urlaub!

19. August 2025

Ruhe ...

Ich mußte die Reißleine ziehen. Als mich in der Nacht zum vergangenen Sonnabend erneut schwerer Durchfall heimsuchte und es - abgesehen von der damit einhergehenden körperlichen Schwächung - keine Aussicht auf Besserung gab, habe ich meinen Alpenurlaub abgebrochen und bin so schnell als irgendwie möglich zurück nach Pirna gefahren. Daß zu Beginn auch mein Auto streikte und ich erst am fortgeschrittenen Vormittag jemanden fand, der mir Starthilfe leisten konnte, sei nur am Rande erwähnt. Auch in diesem Urlaub gab es keine halben Sachen - wenn Katastrophe, dann richtig!

Dieses unerfreuliche Kapitel ist leider damit noch nicht zu Ende, denn in der Heimat verbessert sich meine gesundheitliche Lage nur langsam. Außerdem kam durch die mehrstündige Heimfahrt "im eigenen Saft" noch ein offene Stelle im Sitzbereich hinzu, die nun zusätzlich behandelt werden muß.

Trotzdem bin ich nicht total niedergeschlagen. Zum einen, weil es mich noch wesentlich schlimmer hätte erwischen können. Insofern war die getroffene Entscheidung zum vorzeitigen Ende der Urlaubsfahrt die einzig richtige bzw. sinnvolle Option. Zum anderen habe ich zuhause nicht nur ein besseres Umfeld mit entsprechender Ausstattung zur Behandlung meiner gesundheitlichen Probleme, sondern auch alle Freunde, die mich unterstützen. An erster Stelle seien dabei natürlich meine Sportfreundin Christiane für ihre mentale und handfeste Hilfe sowie Dagmar genannt, welche mich gelegentlich im Haushalt unterstützt und nun so eine Art "Krankenbetreuung" übernimmt. Was bin ich froh, solche Menschen an meiner Seite zu wissen!

Gestern hat mich meine Hausärztin nach der Diagnose zunächst bis zum 22.08. aus dem Rennen genommen. Sie macht ihre Sache als Nachfolgerin meines langjährigen und in den Ruhestand gegangenen betreuenden Arztes wirklich gut, und der gegenseitige Respekt ist die Basis für mein uneingeschränktes Vertrauen ihr gegenüber. Mit ihren Tips und den verordneten Medikamenten und Hilfsmitteln werde ich ganz bestimmt wieder gesund. Alles nur eine Frage der Zeit, doch die muß ich mir nehmen. Geduld ist eine Tugend, die ich in meinen Jahren mit Querschnittlähmung so ziemlich neu definieren mußte.

Vielleicht ist in der nächsten Woche das "Disaster Recovery" dann endlich abgeschlossen.

14. August 2025

KEIN Auftakt nach Maß!

Der Start in meinen Sommerurlaub stand unter keinem guten Stern. Bereits am Ende meiner ersten Tour fühlte ich mich körperlich nahe eines Kreislaufkollapses, und was danach folgte, läßt sich nur mit einem "schlimmsten anzunehmenden Vorkommnis" beschreiben: Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Verspannung der Nackenmuskulatur usw. usf. Immer noch nicht habe ich den Magen/Darm-Infekt überstanden, und selbst diese Zeilen zu schreiben bereitet mir große Mühe. Wenn es nicht bald besser wird, werde ich wohl meine Alpenfahrt abbrechen. Zum ersten Mal überhaupt hat es mich so erwischt! 

Kurz vor dem höchsten Punkt der Pustertaler
Höhenstraße schweft der Blick zurück nach
Unterried, welches ich vor einer gefühlten
Ewigkeit passiert hatte (Aufnahmeort)
Über die Ursachen für dieses Disaster kann ich nur spekulieren. Möglicherweise war es verunreinigtes Wasser aus einem der beiden Brunnen, aus denen ich am 12.08. meine Trinkvorräte wieder aufgefüllt habe. das ist zumindest die plausibelste Erklärung. In Verbindung mit hohen (Durchschnitts)temperaturen und überwiegend direkter Sonneneinstrahlung war das alles jedenfalls zu viel für mich.

Mehr infos zu meinen Touren findet sich in meiner Beschreibung auf Strava (Tour 1, Tour 2). Mir fehlt (vorerst) die Kraft, ausführlicher darüber zu berichten.

Es kann nur besser werden ...

25. Oktober 2024

Glücks-Kleeblatt

Nach sieben Tagen bin ich wieder zuhause. Jedoch nicht, ohne im Mecklenburgischen meine Glücksklee-Tourensammlung zu komplettieren. Vier Touren in alle vier Himmelsrichtungen könnte man natürlich auch Windrose nennen, aber die Spuren meiner Ausfahrten zeichnen eher Blätter - wenn auch ziemlich zerzauste.

Von vornherein hatte ich zwischen meinen Unternehmungen im Handbike in Waren einen Ruhetag geplant. Den legte ich am Dienstag ein und erkundete die Altstadt etwas gründlicher. Das schöne Wetter machte am Vormittag ebenfalls Pause, doch da besichtigte ich u.a. die zwei großen Stadtkirchen, St. Marien und Georgen. Ich sage immer: "Schaue Dir die Gotteshäuser eines Ortes an, und Du erfährst mehr über die Menschen, die dort leben". - Die Leute hier sind mir sympathisch.

Meine dritte Tour ab Waren (Müritz), diesmal nach Osten, führte mich am Mittwoch bis nach Neubrandenburg. Zwar legte sich den gesamten Vormittag teils recht dichter Nebel übers Land, sodaß nicht viel von der Umgebung zu sehen war. Aber dafür radelte ich auf kilometerlangen Fahrradstraßen und einsamen Sträßchen nahezu stundenlang völlig allein. Allerdings gab es dabei auch einen Abschnitt, der mir viel Geduld abverlangte. Die mit groben Feldsteinen gepflasterte Kastanienallee zwischen Klein und Groß Flotow (s. Track vom 23.10., km 26,1 - 28,1) mag zwar Naturliebhaber begeistern, schüttelte mich und mein Gefährt aber ziemlich durch. Ein höheres Tempo als Schrittgeschwindigkeit war da einfach nicht drin.

Viel entspannter ließ sich dann der bestens asphaltierte Bahntrassenradweg vor und nach Penzlin fahren (s. Track vom 23.10., km 32,7 - 45,0), wenngleich die Unterbrechungsstelle vor dieser Stadt auch wieder baulich so gestaltet war, daß diese durch die meisten Handbiker nicht ohne Hilfe gemeistert werden kann. Eigentlich schade.

Am Tollensesee bog ich dann kurzentschlossen noch zum Stadtzentrum von Neubrandenburg ab, denn ich lag gut in der Zeit, um die vier Stadttore, für welche diese Stadt bekannt ist, zu besichtigen. Die waren auch wirklich sehenswert, was sich dahinter in der vermuteten Altstadt verbarg dafür umso weniger. Geschockt von einem riesigen mit Steinplatten ausgelegten Platz, den ein häßliches Betonklotz-Hochhaus, Beleuchtungsinstallationen sowie eine überdimensionierte Hallenkonstruktion aus Stein, Glas und Stahl - ähnlich der staatlichen Protzbauten in Nordkorea - säumten, flüchtete ich alsbald von diesem unheimlichen Ort. Die Wiedergutmachung erfolgte etliche Kilometer später mit dem Schloß Hohenzieritz, einem schönen frühklassizistischen Bau, an dem ich nur aufgrund eines verpaßten Abzweigs vorbeikam.

Schöner Tourenabschluß wurde an diesem Tag meine Fahrt durch den Müritz-Nationalpark auf der Strecke, welche ich bei meiner Fahrt rund um die Müritz zugunsten einiger Zusatzkilometer links liegen lassen hatte.

Gestern folgte schließlich noch meine Handbiketour in Richtung Westen. Vor dem Umkehrpunkt Plau am See am Westufer des Plauer Sees fuhr ich erneut viele Kilometer auf einsamen Straßen. Am Donnerstag setzte sich jedoch die Sonne schon eine Stunde nach meinem Aufbruch immer mehr gegen den Morgennebel durch. Das gab ein paar sehr romantische Ausblicke über die Landschaft mit waberndem Weiß in den Senken und sonnenbeschienenen Anhöhen unter einem blauem Himmel!

Erneut änderte ich spontan einen Teil meiner geplanten Tour, um unbefestigten sowie kurz danach grob gepflasterten Wegstrecken auszuweichen. Damit konnte ich aber das flotte Tempo beibehalten. Mittags erreichte nach 60 km Plau am See, und bald danach passierte ich das Reha-Zentrum, in welchem ich 2007 auch schon mal in Behandlung war.  Mittlerweile war es wieder so warm, daß ich nur noch Kurzarmtrikot sowie Ärmlinge benötigte. Bei meiner Freßpause ließ ich mir daher mehr Zeit als sonst.

Das Sparower Großsteingrab (Aufnahmeort)
Im weiteren Verlauf der Fahrt stattete ich noch der großen Halbinsel im Plauer See einen Besuch ab. Dort befand sich ein Campingplatz, den ich für Freunde auskundschaftete. 2,5 km weiter stach mir am Ortseingang von Sparow ein Wegweiser mit dem Hinweis auf das nahe Großsteingrab ins Auge. Das wollte ich mir natürlich unbedingt ansehen, denn der Weg dorthin schien mit meinem Handbike befahrbar zu sein. Etwas abseits der Trasse gelegen, fuhr ich zunächst daran vorbei, konnte aber - nachdem ich meinen Fehler bemerkt hatte und umgekehrt war - sogar die rund dreißig Meter Gelände leicht bergauf bis zum Steinbau erstaunlich gut bewältigen. Es ist schon faszinierend, an einem solchen Ort durch die Hinterlassenschaften einer versunkenen Kultur den Atem einer lang vergangenen Zeit zu spüren.

Noch vor dem Ziel wurde ich jedoch wieder in die Realität zurückgeholt. Als ich einen Abzweig zum landstraßenbegleitenden Radweg verpaßte und auch wegen einer durchgehender Leitplanke nicht mehr darauf wechseln konnte, hupte mich auf schnurgerader Straße ohne Gegenverkehr ein Typ im Auto an und schnauzte mich sofort bei heruntergelassener Seitenscheibe an, ich solle den Radweg benutzen. Abgesehen davon, daß dieser separate Radweg nach 400 m schon wieder endete und ein Wendemanöver außerdem für mich wesentlich gefährlicher gewesen wäre, habe ich an dieser Stelle nun wirklich niemanden behindert. Genauso beschränkt verhielt sich übrigens auch ein nachfolgender autofahrender Briefträger, der mir ebenfalls sein Brett vor dem Kopf präsentieren mußte. Kurz vor Ultimo also endlich doch noch Quotenidioten, und das gleich im Doppelpack!

Die übrigen Einheimischen waren nämlich sonst überaus freundlich, rücksichtsvoll und durchaus aufgeschlossen gegenüber mir mit meinen Aktivitäten. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, hierher noch einmal wiederzukommen.

Ein prima Quartier, wo ich herzlich willkommen bin, hätte ich bereits ...