28. April 2026

M & M

Martelltal und Matschertal, das waren meine Tourenziele der vergangenen beiden Tage. Bzgl. der Witterung hätte ich es nicht besser treffen können. Und auch der Ruhetag am Sonnabend war wirklich wichtig, um meine härteste Tour des Urlaubs erfolgreich meistern zu können.

Zunächst verlor ich bei meiner Fahrt durch das Vinschgau hinab zur Mündung des Martelltals rund 350 hm, die ich am Ende natürlich wieder hinaufklettern mußte. Kurz nach Neun begann die eigentliche Auffahrt, knapp 1400 Hm auf rund 23 km lagen nun vor mir. Prinzipiell könnte man ja meinen, daß die 26 km zum Einfahren gut auf die Anforderungen dieser langen Bergaufstrecke vorbereitet hätten. Andererseits erforderte es eine ganz andere Herangehensweise, sich nun nach dem beinahe mühelosen und schnellen Vorankommen für die lange Schinderei zu motivieren.

Immerhin kamen nach den ersten Serpentinen auch mal Flachstrecken, auf denen ich kräftemäßig etwas herunterregeln konnte. Dabei verzichtete ich lieber auf's Tempomachen, denn ich wußte, daß noch zwei steile Kehrenfolgen vor mir lagen.

Die erste Zickzack-Rampe führt hinauf zur Mauer des Zufritt-Stausees. Auf Quaeldich.de wurde sie als der steilste Abschnitt im Streckenprofil dargestellt. Durch die teils sehr eng aufeinanderfolgenden Kehren versuchte ich erst gar nicht, ohne Ruhepause durchzukommen. Auch mußte ich mich wegen des engen Kurvenradius' öfters nochmal zurückrollen lassen, um die Kehre zu bewältigen. Bei niedriger Geschwindigkeit war im steilen Gelände der Wendekreis meines Handbikes einfach zu groß.

Am Beginn des Schlußanstiegs im Martelltal:
Jeder stirbt für sich allein ... (Aufnahmeort)
Nachdem ich mich entlang des (gefühlt) beinahe leeren Stausees etwas entspannt hatte, schockte mich die Ankündigung einer 14%-Steigung. Reichlich 1,5 km fehlten noch bis zum höchsten Ende der Auffahrt, doch dieses Stück brachte mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit. Fast 40 Minuten inkl. zahlloser Verschnaufpausen kostete mich das Martyrium, doch Aufgeben kam für mich so kurz vor dem Ziel überhaupt nicht infrage. Der Endpunkt der Schinderei war schließlich hinter einem Kiosk ganz unspektakulär ein Wendeplatz im Wald. Von dort hätte man auf Schotter zwar noch wenige hundert Meter zu einem kleinen See sowie einem aufgegebenen Hotel fahren können, doch angesichts der fortgeschrittenen Zeit - es war bereits 14.30 Uhr - und dem begrenzten "Mehrwert" entschied ich mich dagegen.

Dafür bin ich dann etwas später auf der Rückfahrt nochmal über die öffentlich zugängliche Krone der Staumauer gefahren, von welcher man einen schönen Blick talwärts hatte. Erfreulicherweise kam ich abwärts auch gut durch die zwei Kehrenabschnitte, d.h. ohne nochmaliges Rangieren. Das war nämlich meine größte Befürchtung - denn auf solch steiler Straße während der Abfahrt (bergauf) zurückzusetzen, ist extrem schwierig bis unmöglich.

Der Rückweg auf dem Radweg im Vinschgau wurde dann nur eine Ausdaueraktion, verglichem mit dem bisher Erlebten, ohne Höhepunkte. Nur die unzähligen Mofafahrer (wahrscheinlich ca. 80 - 90% der Zweiradnutzer) nervten, weil sie auf den geschotterten Abschnitten zwischen Göflan und Laas zusätzlich Staub aufwirbelten. Abends war ich redlich ausgearbeitet, doch hochzufrieden mit mir.

Normalerweise wollte ich am nächsten Tag einen weiteren Ruhetag im Quartier einlegen. Denn nach einer solch anstrengenden Tour konnte am Montagmorgen von vollständiger Regeneration überhaupt nicht die Rede sein. Als ich mir jedoch die Wetterprognose ansah, die für heute viel Regen ankündigte, brach ich schließlich doch zu einer Tour auf. Diese sollte allerdings nur kurz sein, und bei der Vorbereitung des Urlaubs hatte ich für genau solche Fälle schon einen Plan zusammengestellt.

Die Streckenlänge zum höchsten Punkt der Straße durch das Matschertal betrug ab meinem Quartier in Mals nur knapp 16 km, doch war die Tour nicht zu unterschätzen. Ich tat jedenfalls gut daran, zumal die ersten 2,5 km bis kurz nach der ersten Kehre erneut sehr steil waren und mir den letzten Saft aus den Armmuskeln preßten. Auch hier kämpfte ich mich nur Stück um Stück nach oben, allerdings in dem Wissen, daß danach das Schlimmste auf dieser Ausfahrt überstanden ist.

Auch von diesem schönen Aussichtspunkt im
Matschertal war (links) der Ortler zu sehen. -
Nur der stinkende Misthaufen im Vordergrund
trübte etwas den Genuß ... (Aufnahmeort)
Ab dem Dorf Matsch hatte ich das kleine Sträßchen nahezu gänzlich für mich alleine, hierhin verirrten sich zu dieser Zeit nur ganz wenige Touristen. Lediglich am höchsten Punkt auf dem großen Parkplatz bei der Kapelle am Almhotel Glieshof hielt just ein deutsches Auto mit MOL-Kennzeichen, als ich dort gerade meine Mittagspause einlegte. Der Mann und die Frau stiegen aus, die stark geschminkte ältere "Dame" zündete sich eine Zigarette an, dann standen sie ein bissel unschlüssig in der Gegend herum, bevor sie wieder im Auto zurückfuhren. Ich habe sie ignoriert und nichts gesagt, doch dachte ich folgendes: 'Was für ein fades, belangloses Leben müssen doch diese bemitleidenswerten Gestalten führen, daß ihnen nichts besseres einfällt, als einfach nur mit dem Auto in der Gegend herumzufahren ...'

Nach meiner Rückkehr aus dem Tal wäre tatsächlich noch eine Zusatzrunde über Glurns, Latsch und Schleis ohne viele Höhenmeter zur Verbesserung der ziemlich miesen Tourenstatistik möglich gewesen, aber das hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Blick. Stattdessen erreichte ich auf kürzestem Weg bereits dreiviertel Zwei wieder meinen Ausgangspunkt.

So unglücklich war ich darüber trotzdem nicht.

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