25. April 2026

Ein gastlicher Ort

Um für die nächste Tour gut ausgeruht zu sein, lege ich heute einen Ruhetag ein. Es fällt mir zwar schwer, bei diesem weiterhin herrlichen Wetter die Stunden "ungenutzt" verstreichen zu lassen, doch dafür werde ich morgen hoffentlich topfit für die anspruchsvollste Tour des Urlaubs sein.

Immerhin gibt mir das die Möglichkeit, auch anderen Interessierten meine Unterkunft in Mals vorzustellen. Die FinKa heißt deshalb so, weil das Gebäude früher mal eine FINanzKAserne war. Normalerweise mache ich ja keine solch ausgiebige Werbung (für die ich übrigens keine Gegenleistung erhalte). Aber ich denke, daß es als Rollifahrer sowieso schon schwierig genug ist, geeignete Urlaubsquartiere zu finden.

Außerdem sagen Bilder mehr als tausend Worte. Deshalb habe ich hier sechs Aufnahmen zusammengestellt, auf denen das wichtigste hinreichend detailgenau zu sehen ist. 
  • Ansichten von der FinKa Mals (Standort)
    Rechts vom Haupteingang konnte ich mein Auto parken, und selbst bei größerem Gästeansturm werden die Gastgeber sicher versuchen, für Rollifahrer einen geeigneten Parkplatz auf dem Gelände bereitzustellen. (Links vom Gebäude im Hintergrund befindet sich die Fahrradgarage.) 
  • Die Fahrradgarage ist mit einen elektrischen Rolltor (gerade offen) ausgestattet, welches ganz unkompliziert mit der Schlüsselkarte bedient wird. Der Sensor dafür ist sogar aus dem Handbike heraus gut erreichbar. Außerdem verschließt sich das Tor erst nach erneuter Aktivierung des Sensors, also nicht per Zeitschaltung. Ich glaube, extra sichern muß man sein Gefährt dort nicht.
  • Die Terrasse gehört zwar nicht zum Zimmer, sondern ist unmittelbar daneben über den öffentlichen Gang erreichbar. Der Blick auf die Berge ist aber wirklich schön!
  • Im (einzigen) barrierefreien Zimmer selbst befinden sich vier Betten, nur eines davon ist wirklich nicht für Rollifahrer nutzbar. Das Zimmer ist sehr geräumig.
  • Die Duschkabine verfügt über einen Klappsitz, der Zugang in das Geviert ist wegen der faltbaren Glasseitenwände jedoch ein bißchen trickreich. Ich habe mir für's Duschen darüberhinaus einen Campingstuhl bereitstellen lassen, weil ich so stabiler sitze. Meinem Wunsch wurde völlig unproblematisch entsprochen.
Das im Übernachtungspreis enthaltene Frühstück ist zwar vergleichsweise einfach und ohne große Abwechslung - aber letztlich befindet man sich hier ja nicht in einem Hotel. Und natürlich kann man essen und trinken, soviel man möchte, denn es gibt ein Selbstbedienungsbuffet. Die überaus freundliche Servicemitarbeiterin (eine ukrainische Geflüchtete) ist sehr hilfsbereit und bringt auf Wunsch Essen und Getränke an den Tisch.

Achja, und nicht ganz unerheblich: die WLAN-Verbindung ist ausgezeichnet! 😀

Wenn dann noch das Wetter paßt, sind alle Voraussetzungen für einen perfekten Urlaub gegeben. - So, wie gerade jetzt!

24. April 2026

Kaiser-Jagdwetter

Zwei Alpenpässejagd-Touren liegen nun schon hinter mir, Zeit für einen ersten Bericht!

Wie beabsichtigt, erreichte ich mein Basislager Mals im Obervinschgau nachmittags am vergangenen Mittwoch. Untergekommen bin ich in der FinKa, einem Hostel, welches nicht nur über ein barrierefreies Zimmer verfügt, sondern wo wirklich faire Preise für die Übernachtung mit Frühstück berechnet werden. Bereits bei der Buchung hatte ich ein gutes Gefühl, und das bestätigte sich dann vorort vollumfänglich. Interessant ist es übrigens zu wissen, daß es quasi die Garantie gibt, nicht noch einen (unbekannten) Zimmergast in das Vierbett-Zimmer einquartiert zu bekommen. Wenn ich hingegen in Begleitung gekommen wäre, hätten wir sogar pro Person noch etwas weniger bezahlt.

Als Akklimatisationstour hatte ich mir gleich am nächsten Tag die Vinschgauer Höhenstraße vorgenommen. Denn was Streckenlänge und erreichte Höhe des Scheitelpunkts betraf, schien sie mir am geeignetsten. Außerdem bewegten sich lt. der Informationen auf Quaeldich.de die Steigungsprozente bis auf die ersten Kilometer nach Beginn in Schluderns in einem moderaten Bereich. Daß es eine großartige Aussicht von dort oben geben würde, war sowieso klar.

Der Tag startete mit Sonne satt, vielleicht fühlten sich deshalb auch die niedrigen Temperaturen von ca. 4-5°C auch nicht so kalt an. Nach knapp fünf Kilometern begann der Anstieg. Bei diesem Wetter machte das Bergefahren einfach nur Laune. Zwar mußte ich anfangs zwei-, dreimal an den Steilstücken durchschnaufen, doch motivierte mich an einem Teilstück die bis auf die Straße reichende Wasserfontänen der Bewässerungsanlagen, dort möglichst ohne Pause hochzukommen. Sehr naß bin ich dabei jedenfalls nicht geworden - angesichts der Wärmeentwicklung beim Klettern war das sogar eher angenehm. Noch vor dem Mittag lag in Schlanders die eigentliche Höhenstraße hinter mir.

Für den Rückweg hatte ich mir den Vinschgau-Radweg ausgesucht. Leider wich kurz hinter Göflan für etliche Kilometer der Asphalt einer Schotterpiste, wahrscheinlich aus Naturschutzgründen (s. Track vom 23.04., km 27,0 - 31,4). Denn kurze, steile Aufschwinger hatte man zur Verbesserung der Bodenhaftung perfekt asphaltiert. Erst am Ortseingang von Laas gab es wieder Asphalt. Als noch unangenehmer bleibt mir aber der grobe Schotter auf einigen hundert Metern hinter Prad in Erinnerung (s. Track vom 23.04., km 42,8 - 43,8), wo ich mich noch behutsamer vorangetastet habe.

Ab Glurns mußte ich zwar noch einmal mehr als 100 Hm zu meiner Bleibe in Mals überwinden, kam aber bereits 14.15 Uhr am Quartier an. Da blieb außerhalb der Wertung noch Zeit für eine kurze Ortsrundfahrt, zumal an diesem Tag gerade der jährliche Georgimarkt stattfand. Das hatte ich nämlich noch nicht erwähnt: man muß schon körperlich ziemlich fit sein, um hier im Rollstuhl einigermaßen gut ohne Hilfe klarzukommen. Eine wirklich sehr freundliche und hilfsbereite junge Einheimische, die mir beim ersten Rundgang ganz von sich aus ihre Unterstützung bei einer Steigung angeboten hatte, bemerkte dazu: "Da haben Sie sich aber den bergigsten Ort der Umgebung ausgesucht!"

Heute, also am Freitag, stand gleich die nächste Runde im Handbike an. Auf mein Tagesziel - das Langtauferer Tal - war ich erst kurz vor dem Urlaub aufmerksam geworden, weil der Autor der Beschreibung dieser Auffahrt auf Qualdich.de das Tal besonders lobte. Auch die Fahrt nach St. Valentin am Haidersee vor dem Reschensee verlief letztlich anders, als ursprünglich festgelegt. Dabei mußte ich kurz hinterm Ortsausgang von Mals bei bis zu 16% Steigung mal rund zwei Kilometer tüchtig beißen. Ohne ausreichende Erwärmung ging ich aber kein Risiko ein und pausierte zwischendurch mehrmals.

Der Radweg am Ostufer des Reschensees entpuppte sich dann erneut als Schotterpiste, weswegen ich auf die parallel verlaufende, doch stark befahrene Hauptstraße ausgewichen bin. 99,9% der Autofahrer sahen das jedoch sehr entspannt, nur ein einziger dämlicher Deutscher hupte mich einmal auf meiner Fahrt nach Graun beim Überholen an.

In Graun zweigte das Langtauferer Tal ab, und schlagartig wurde es ruhig auf der Straße. 1,5 km vor Pedross zog die Steigung merklich an und nötigte mich noch einmal zu Zwischenstops. Dieses Mal jedoch hauptsächlich, um mir den Schweiß aus den Augen zu wischen und abzukühlen. Mit Erreichen des Ortes war's das aber auch schon. Die restlichen Kilometer bis zum Ende der Straße ließen sich nämlich recht entspannt bewältigen, obwohl immerhin noch weitere 200 Hm zu überwinden waren. Vom Endpunkt der Straße zurück bis Graun benötigte ich danach 23 Minuten.

Südtirol-Panorama (Aufnahmeort)
Nun fuhr ich noch schnell bis zum Reschenpaß, bevor ich den Radweg westlich des Sees für den Rückweg unter die Räder nahm. Dieser führte zwar mehrmals auf und ab, wurde jedoch sehr schön angelegt und durchweg asphaltiert. Auch der Radweg am Westufer des südlich benachbarten Haidersees gefiel mir, obwohl zu Beginn noch einmal für wenige hundert Meter der Asphalt fehlte.

Weil die letzten drei Kilometer des Radwegs nach Burgeis wegen Bauarbeiten gesperrt war, nutzte ich schließlich ein letztes Mal an diesem Tag die Hauptstraße. In Burgeis konnte ich aber wieder auf den Vinschgau-Radweg. So bot sich mir bald das Fotomotiv des Tages: die Fürstenburg von Burgeis vor dem Vinschgau und den schneebedeckten Bergen.

Genau so stelle ich mir immer Südtirol vor!

21. April 2026

Heute hier, morgen dort (*)

Ein unerwarteter Ausstand vor dem Einstand - so könnte man meine heutige Aktion bezeichnen. Morgen geht es nämlich für ein paar Tage in Richtung Süden, natürlich zum Handbiken. Doch weil ich schon am dringend notwendigen Ruhe-Sonntag sowie dem total verregneten Montag meine gesamten Reisevorbereitungen erledigen konnte, blieb heute Zeit für eine Extratour.

Als Streckenlänge nahm ich mir die fehlende Distanz zum Monatssoll von 1000 km vor, in diesem Fall waren es 84 km. Noch vor ein paar Tagen konnte ich mir nicht vorstellen, diese Marke noch vor meiner Reise zu erreichen. Aber nach der erschöpfungsbedingten Quälerei der vorangegangenen Ausfahrt zahlte sich die rund 60-stündige Sportabstinenz spürbar aus. Vor allem am langen 10%er von Glashütte in Richtung Luchau (s. Track vom 21.04., km 25,9 - 27,9) war deutlich zu spüren, daß ich wieder über ausreichend Reserven hinsichtlich Kraft und Ausdauer verfügte. Zum Schluß verlängerte ich daher sogar meine Runde bis Lohmen und Dorf Wehlen und beendete trotzdem noch vor der Kaffetrinkerzeit meinen Ausflug in Pirna.

Nun warten im Obervinschgau lange Quaeldich-Anstiege auf mich, auch habe ich mir bereits einige Touren für das Navi zusammengestellt. Mal sehen, wie ich diesmal mit den örtlichen Bedingungen klarkomme. Das ist nicht zuletzt auch vom Wetter (z.B. niedrigen Temperaturen) abhängig. Mein beliebter Spruch "Erwarte nichts, und Du bekommst alles!" zieht allerdings nicht.

Denn dafür sind meine Ambitionen viel zu konkret.


(*) Titel eines sehr populären Folk-Songs von Hannes Wader (s. YouTube)

19. April 2026

Stark und schwach

Mein Frühjahrsurlaub hat begonnen. Bevor es in die hohen Berge geht, habe ich in den beiden vergangenen Tagen das Heldenwetter nochmal für zwei Touren in der Heimat genutzt.

Ursprünglich wollte ich am Freitag nur den provisorischen Elbübergang für Fußgänger und Fahrradfahrer in Aussig (Ústí nad Labem) testen. Dort wird gerade die alte Stahlbogenbrücke (Benešův most) generalüberholt, und auch die Auffahrt fehlt inzwischen auf der linken Elbseite. Der kürzeste Weg dorthin führte mich natürlich über die Ausläufer des Osterzgebirges und dem Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk). Gegen Elf erreichte ich wieder die Elbe, allerdings benötigte ich eine Ehrenrunde inklusive ein paar heikler Meter auf der autobahnartigen Schnellstraße für die richtige Zufahrt zur Fußgängerbrücke.

Normalerweise wäre ich nun nur noch entlang des Flusses in Richtung Heimat gekullert, doch allein der Gedanke daran erquickte mich nicht besonders. Zumal angesichts der (relativ frühen) Tageszeit bei diesem schönen Wetter! Also überlegte ich mir eine Strecke, die mich in den östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) führen sollte. Ich entschied mich schließlich für die "billigste" Variante, die ab Klein Priesen (Malé Březno) über Saubernitz (Zubrnice) nach Loschowitz (Lovečkovice) aufsteigt. Die Strecke über Hummel (Homole u Panny) ist zwar noch reizvoller, jedoch wesentlich anspruchsvoller. Angesichts der bereits absolvierten Höhenmeter wollte ich es jedoch nicht gleich übertreiben, denn auch auf der gewählten Strecke erreichte ich die 1000 Hm bereits in Nieder Rebire (Dolní Šebířov).

Ländliches Idyll vor dem letzten Teil des Anstiegs ins
Östliche Böhmische Mittelgebirge (Aufnahmeort)
Ganz oben habe ich mir deshalb auch den kurzen Abstecher zu "meiner" Aussicht (Víťova vyhlídka - Veits Aussicht) erspart, außerdem war ich schon einmal dort. Dieser zweite lange Anstieg des Tages über 11,3 km und 450 Hm nahm mich kräftemäßig ganz schön mit, weswegen ich auf der folgenden Hochfläche einen kleinen Durchhänger überwinden mußte. Die 50 Hm-Auffahrt hinter Wernstadt (Verneřice) bereitete mir jedenfalls mehr Mühe, als zu erwarten gewesen wäre.

Da ich mich jedoch bis Krippen schon wieder richtig gut fühlte, hängte ich zum Schluß als Alternative zum flachen Elberadweg noch meinen Standard-Umweg über Cunnersdorf an, was mir zusätzliche 170 Hm einbrachte. Trotz der ganzen Kletterei schaffte ich bis zuhause tatsächlich noch den gewünschten 15er Geschwindigkeitsdurchschnitt. Mich überraschte dabei nicht, daß mir abends - basierend auf meinen Herzfrequenz-, Höhen- und Streckenwerten - mein Fahrradcomputer Übertraining signalisierte und vier anschließende Ruhetage empfahl. Diese schöne Tour war es wert!

Entgegen der Empfehlung vom Vorabend setzte ich mich am Sonnabend dennoch aufs Handbike, denn für Sonntag war Dauerregen angekündigt. (Bis jetzt ist es aber noch trocken, die Ankunft des Schlechtwetters verzögert sich.)

Prinzipiell wollte ich mir jedoch nur eine flache Runde zumuten, und auch nur wenig mehr als 100 km fahren. Obwohl ich mich in meiner Heimatregion gut auskenne, verpeilte ich mich diesbezüglich aber gründlich. Denn weil mir der "langweilige" Norden zu fade erschien, hielt ich mich westwärts in Richtung Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) bzw. Lausitzer Bergland. Dabei deutet doch schon der Name daraufhin, daß es häufig auf und ab geht! Freilich waren die geplanten Anstiege nicht besonders lang und auch nur zweimal steiler als 10%. Aber in Verbindung mit dem Umstand, daß ich mich wegen des anstrengenden Vortags bereits von Beginn an konditionell nicht in Topform fühlte, quälte ich mich mehr und mehr, sobald es aufwärts ging. Diesmal erreichten die Temperaturen auch Werte, bei denen ich mich nach Schatten sehnte.

Nördlich von Neustadt nutzte ich endlich die Gelegenheit zum Wechsel auf die Dünnbrettbohrer-Heimfahrstrecke, nachdem ich auf reichlich 70 km schon fast 1000 hm eingefahren hatte und mein Geschwindigkeitsdurchschnitt nur bei 13 km/h lag. Die noch fehlenden Kilometer zur Hundert (oder wie es auf Strava bezeichnet wird: Gran Fondo) sammelte ich auf einem Umweg über die Elbniederung rund um Pratzschwitz.

Nun warte ich auf den Regen. Auch das trockene Land braucht ihn.

16. April 2026

Ausreißer

Nach drei wechselhaften Tagen strahlte gestern wieder die Sonne vom Himmel. Obwohl der Mittwoch für mich ein regulärer Arbeitstag in Dresden ist, wollte ich mir diese Gelegenheit für ein paar Kilometer im Handbike nicht entgehen lassen.

Bis ich von zuhause in Pirna starten konnte, dauerte es zwar nach dem Feierabend zu Mittag noch etwas, doch rollte es dafür bereits von Beginn an richtig gut. Bei nahezu optimaler Witterung inkl. passender Temperaturen kurzärmelig unterwegs, benötigte ich auf meiner Warmfahrstrecke bis Königstein nicht einmal eine Stunde. Auch den nachfolgenden langen Anstieg - anfangs durch das Tal der Biela - über 9 km und mehr als 250 Hm absolvierte ich in deutlich unter einer Stunde.

Blick von der Ebenheit westlich von Raum zur Elbtalweitung ab Pirna. links der Cottaer Spitzberg
 mit Sendemast, rechts davon am Horizont der Dresdener Fernsehturm (Aufnahmeort)

Bis Berggießhübel schaffte ich bereits alle meine statistischen Vorgaben, sodaß es eine verschenkte Gelegenheit gewesen wäre, nun auf dem einfachsten Weg nach Pirna zurückzufahren. Erst peilte ich also das Bahretal ab Ottendorf an. Und zwar über Cotta, was bedeutete, daß ich um die Hauptstraße am Ladenberg nicht herumkam. Für diese relativ kurze, jedoch sehr stark befahrene Auffahrt mit einer Steigung zwischen 8 und 10% (s. Track vom 15.04., km 43,8 - 44,2) benutzte ich allerdings den gut ausgebauten Fußweg - angesichts der unübersichtlichen Linkskurve im oberen Teil für alle Verkehrsteilnehmer (also auch die Autofahrer) war das die beste Option.

Bei meiner Ankunft im Seidewitztal südlich von Zehista hatte ich dann aber immer noch reichlich Reserven bezüglich Zeit und Kondition. Statt nun meine Standardstrecke über Köttewitz nach Dohna zu benutzen, entschied ich mich spontan für die Kletterei hinauf nach Burkhardswalde. Trotz dieser zusätzlichen Höhenmeter auf dem letzten Anstieg des Tages blieb ich bis zum Scheitelpunkt weiter über meiner angestrebten Durchschnittsleistung und baute danach -  nun stetig bergab - den Vorsprung gegenüber meinem "Virtual Partner" sogar weiter aus. Sicher hätte ich daher vor Einbruch     der Dunkelheit auch 100 km geschafft, doch diesmal ließ ich's bleiben. Dafür gönnte ich mir einen entspannten Tagesausklang.

Für den nahen Urlaub bin ich gut in Schwung.

12. April 2026

Im eigenen Interesse

Leider regnet es heute (bis jetzt) immer noch nicht. Nässe von oben wäre aber nicht nur gut für die Natur, sondern diesmal auch gut für meine eigene Psyche. Ich bin nämlich hin- und hergerissen, ob ich nach der gestrigen Ausfahrt nicht doch noch wenigstens eine kleine Runde zum Ausrollen absolvieren sollte.

Aber eigentlich benötigen meine Schultern dringend Entlastung, und auch mein Bauch hat sich am Vorabend sehr unschön zu Wort gemeldet, sodaß ich dabei an das Debakel vom vergangenen Sommer erinnert wurde, welches schließlich nach nur zwei Touren den Abbruch meines Alpenurlaubs nach sich zog.

Auf meiner Sonnabend-Tour lief es hingegen sehr gut. Obwohl es morgens so kalt war, daß ich noch einmal mit Handschuhen und langer Unterwäsche startete, setzte sich doch bereits nach einer halben Stunde immer stärker die Sonne durch. Dazu kam ein moderates Streckenprofil und leichter Rückenwind. Meißen erreichte ich daher bereits kurz nach dem Mittag.

Die bald darauf folgende Auffahrt aus dem Triebischtal war dann der entgültige Anstoß, um sich der letzten inzwischen überflüssigen langärmligen Oberbekleidung zu entledigen. Bis zur Ankunft in Pirna fuhr ich danach im Kurzarmtrikot, denn selbst auf windanfälligen offenen Flächen konnte ich den Wärmeverlust durch körperliche Anstrengung kompensieren. Zusätzlich erweiterte ich meine geplante Strecke. Der Umweg ab Sora über Hilbersdorf und Herzogswalde lohnte sich vor allem, weil der Radweg über den Galgenberg inzwischen perfekt ausgebaut wurde (s. Track vom 11.04., km 90,8 - 92,4).

Gegen Ende der Tour verließ mich ein bißchen der Elan, auch der nun mäßige Gegenwind trug dazu bei. Jedenfalls war ich froh, als ich kurz vor Sechs zuhause im Hof einrollte. Eine Langstrecke - wofür es nun allmählich wieder Zeit wird - muß ich mir wahrscheinlich kräftemäßig etwas anders einteilen.

Vor zwanzig Jahren brauchte ich mir darüber noch keine Gedanken machen ...

7. April 2026

Schmetterling über Ostern

Der erste Härtetest der noch jungen Radsportsaison liegt hinter mir. An den vergangenen vier Tagen habe ich auf 4 Touren 450 km zurückgelegt und dabei außerdem 4360 Hm bewältigt. Für den Anfang ist das durchaus akzeptabel, zumal ich mit 15,3 km/h auch meine Anforderung hinsichtlich der Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen konnte.

Leider gab es am ersten Tag auch eine unangenehme Überraschung. Nach der Wartung in der Karwoche rollt mein Gefährt zwar wieder wie am Schnürchen, doch dafür habe ich ein neues Problem entdeckt. An der Gabel meines Handbikes ist ein Riß an einer Befestigung entstanden, der demnächst einen Austausch erforderlich machen wird. Das größte Problem sind dabei für mich nicht die Kosten, sondern die Schwierigkeiten der Ersatzbeschaffung. Dieses wichtigste Teil eines solchen Sportgeräts ist nämlich nahezu kundenspezifisch dimensioniert, weshalb ich vermute, daß das Teil beim Hersteller eben mal nicht einfach so vorrätig ist. Inzwischen habe ich auch einen Tip für eine mögliche Alternative von einem anderen Handbiker erhalten - mal sehen, wie ich das alles eintakten kann. Für die nächste Zeit muß die Gabel aber noch durchhalten, sonst ist die Saison für mich gelaufen, bevor sie so richtig begonnen hat. Immerhin scheint das Problem schon längere Zeit zu bestehen, jedenfalls nach den Symptomen zu urteilen.

Erstes Grün auf dem Weg von Possendorf zur
Babisnauer Pappel (Aufnahmeort)
Das Wetter war mir über Ostern aber durchaus wohlgesonnen. Zwar mußte ich auf meiner zweiten Tour in Wilschdorf nördlich von Dresden rund 50 Minuten vor einer Bäckerei unter einem Sonnenschirm ausharren, weil ein stetig weiter anwachsendes Regengebiet seine Schleusen geöffnet hatte. Doch blieb das die einzige Schlechtwetter-Episode, auch wenn mir der stramme Nordwestwind vor allem am Ostersonntag und -montag auf der Heimfahrt das Leben schwer machte. Inzwischen färbt die erste Sonnenbräune mein Gesicht.

Außerdem erlebte ich am Sonntag die sorbischen Osterreiter in Wendischbaselitz geradezu hautnah. Ich hatte nämlich die Gegebenheiten bei der Prozession unterschätzt und mich mit meinem Handbike bei meinem zweiten Zwischenstop zunächst viel zu dicht am Straßenrand positioniert. Als die Reiter mit ihren Pferden dann (mir entgegenkommend) vorüberzogen, fehlte manchmal nicht mehr als ein halber Meter zwischen mir und den Pferdebeinen. Die Pferde standen aufgrund des Umzugs sowie der vielen Menschenmassen sowieso schon erheblich unter Streß, und nicht jeder Vierbeiner blieb gelassen. Einmal schlug ein (ansonsten ruhig scheinendes) Pferd mehrmals neben mir mit dem linken Hinterlauf aus - das hätte für mich bzw. mein Handbike auch übel ausgehen können. Trotzdem konnte ich mich nicht so einfach zurückziehen, denn diese Bewegung in ihrer unmittelbaren Nähe wäre wahrscheinlich erst recht nicht gut bei den Tieren angekommen. Wenigstens hielt ich meine im Wind flatternde Signalfahne fest, die nun nicht mehr die Vierbeiner ängstigte. Sobald dann mal eine Lücke im Prozessionszug kam, suchte ich mit Unterstützung einer Zuschauerin schleunigst einen sicheren Platz weiter weg vom Geschehen auf. Diese Prozession war unvermutet auch für mich ziemlich nervenaufreibend geworden.

Zum Abschluß meiner Radel-Ostern fuhr ich gestern über den Höhenzug des südlichen Elbsandsteingebirges ins Böhmische. Ich hatte nämlich festgestellt, daß die drei Touren zuvor auf der Karte wie drei Flügel eines Schmetterlings mit dem Körper bzw. Zentrum in Pirna aussahen. Nun fehlte nur noch der rechte hintere Flügel, also eine Tour in Richtung Südosten. Obwohl ich konditionell nicht mehr ganz frisch war, raffte ich mich deshalb zu dieser Abschlußaktion des langen Sportwochenendes auf, bei welcher die letzten 40 km im Elbtal wegen des stürmischen Gegenwindes die größte Herausforderung wurden.

Sobald es am Morgen etwas wärmer wird, bin ich nun endlich auch für längere Touren bereit.