17. Februar 2020

Es geht (wieder) aufwärts!

Am vergangenen Wochenende habe ich endlich wieder bergigere Strecken unter die Räder genommen. Die Witterungsvoraussetzungen waren recht gut, und natürlich wollte ich auch meine Belastbarkeit testen. Dazu kam, daß mittlerweile auch die Höhenlagen des Elbsandsteingebirges völlig schneefrei sind.

Deshalb ging es sonnabends auf der kürzesten Strecke nach Tetschen (Děčín) gleich hoch bis auf rund 540 m NHN. Wegen des langen Anstiegs gewinnt man dabei zwar keine Zeit, aber es ist das fast perfekte Bergfahrtraining. Für mich verlief dieser erste Leistungstest sehr erfreulich, denn diesmal gab es keinerlei negativen Symptome aufgrund der Dauerbelastung.

Spontan erweiterte ich meine Tour bis Bensen (Benešov) und fuhr von dort anschließend über Markersdorf (Markvartice) und Johnsbach (Janská) zurück in den böhmischen Teil des Elbsandsteingebirges. Auf diesem Abschnitt gibt es keine brutalen Rampen - deshalb fahre ich ihn immer gern, wenn ich Meter machen will. Leider ist derzeit die Straße irgendwo zwischen Dittersbach (Jetřichovice) und Herrnskretschen (Hřensko) gesperrt, so daß ich danach von Windisch Kamnitz (Srbská Kamenice) die Abkürzung über Rosendorf (Růžová) nehmen mußte.

Auf dem Schloßplatz in Bensen (Benešov, Aufnahmeort)
Dafür erreichte ich schließlich Schmilka genau zum Beginn des Festumzugs der traditionellen Schifferfastnacht (hier der Umzug zur Postelwitzer Schifferfastnacht 2017). In den oberelbischen Orten, die früher einmal vor allem die Siedlungen der hiesigen Elbeschiffer waren, werden nämlich am Anfang des Jahres diese aus der Geschichte überkommenen Feste gefeiert. Für Autofahrer war deswegen natürlich die einzige Verbindungsstraße zwei Stunden lang komplett gesperrt, und es bereitete mir eine diebische Freude, deren lange Gesichter zu sehen. Auch auf meinem Weg nach Postelwitz kamen mir noch jede Menge Autos entgegen, die - wie es eben in Deutschland so üblich ist - die Sperr- und Hinweisschilder ignoriert hatten. Glücklicherweise wurde die Straße in Schmilka mit den Fahrzeugen der Feuerwehr komplett abgeriegelt, sonst hätten sicherlich einige Kraftfahrer trotz des Verbots durchzukommen versucht.

Um mich ein letztes Mal zu testen, startete ich vor der entspannten Heimfahrt auf dem Elberadweg zu einer kleinen Extra-Bergwertung. An diesem Tag erreichte ich zwar noch nicht meine Soll-Durchschnittsgeschwindigkeit, doch gab es keinen Grund, unzufrieden zu sein. Langsam komme ich wieder in Tritt.

Sonntags sollte es dann nur auf eine lockere Ausrolltour gehen. Allerdings wurde an diesem zweiten Tag des Wochenendes kräftiger Wind wieder zum Thema und verhinderte damit ein noch zügigeres Vorankommen. Gerade auf den Kilometern zwischen Bischofswerda und Krumhermsdorf (s. Track vom 16.02., km 48,8 - 68,7) mußte ich im Kampf gegen den fast schon stürmischen Südwind viele Federn lassen. Nur selten schützten Wald, die Bebauung oder auch Berge vor den heftigen Böen, dazu peitschten mir mehrmals sogar kurze Regenschauer ins Gesicht.

Nicht nur aus diesem Grund wich ich also noch einmal von der geplanten Route ab, und baute den Umweg über Sebnitz in meine Tour ein. Die gewundene Auffahrt aus dem Sebnitztal hinauf in Richtung Lichtenhain (s. Track vom 16.02., km 74,8 - 77,3) war an diesem Tag nämlich windgeschützt - außerdem fahre ich sie wegen ihres gleichmäßigen Profils und der schönen Streckenführung immer sehr gern. Gleiches gilt auch für die Panoramastraße zwischen Lichtenhain und Altendorf (s. Track vom 16.02., km 77,9 - 84,8) . Die ist immer ein Erlebnis!

Sicher hätte ich ab Bad Schandau noch ein paar Kilometer und Höhenmeter herausschinden können, indem ich zusätzlich über Cunnersdorf auf der linken Elbseite gefahren wäre. Mir jedoch reichte es an diesem Tag.

Man muß ja nicht immer gleich übertreiben.

Track der Handbiketour vom 15.02.2020
Track der Handbiketour vom 16.02.2020

10. Februar 2020

Statt Skilaufen

In dieser Saison wird es wohl nichts mehr mit dem Wintersport. Zwar waren Lád'a und auch Kerstin in den vergangenen Tagen oben im Osterzgebirge ein-/zweimal auf Brettern unterwegs, doch die Bedingungen für mich in meinem Langlaufschlitten sind nach wie vor suboptimal. Und heute regnet es schon wieder auf den Schnee...

Dafür habe ich in diesem Jahr mich schon fleißig mit dem Handbike geschafft. Auch an diesem Wochenende ging es auf die Piste - selbst am Sonntag trotz des angekündigten Sturms.

Am Sonnabendmorgen verabredete sich mein tschechischer Kamerad ziemlich spontan mit mir für eine Tour, als ich bereits losgefahren war. Er kam mit dem Auto nach Bad Gottleuba. Bei strammen Südostwind ist es nämlich meist auf der anderen Seite des Erzgebirges - also bei ihm zuhause in Kulm (Chlumec) den ganzen Tag über trüb, weil sich die Wolken am Kamm stauen. Auf der Leeseite in Sachsen strahlte dagegen die Sonne.

Auf dem Weg ins Osterzgebirge vor dem Schloß Weesenstein
im Müglitztal (Aufnahmeort)
Knapp 50 km fuhren wir gemeinsam zurück bis ins Elbtal und danach von Heidenau aus das Müglitztal bis nach Schlottwitz. Dabei trafen wir in Pirna sogar noch auf einen gemeinsamen Bekannten. Gerade an der Elbe war es mit Rückenwind sehr angenehm zu fahren, denn die Sonne hat nun wieder viel mehr Kraft und wärmt spürbar. Während mein Sportfreund dann über Liebstadt, Seidewitz- und Bahretal zurück zum geparkten Auto fuhr und dabei weitere zwei Steilrampen bewältigen mußte, rollte ich noch ein Stück westwärts bis Possendorf, bevor ich wieder mein Zuhause ansteuerte. Es war ein schöner Tag.

Sonntags blies gleich am Morgen eine frische Brise aus Südost. Deshalb verkroch ich mich auf meiner Fahrt nach Osten gleich in die Täler, wo ich meist windgeschützt recht gut vorankam. Denn da der Wind weiter auffrischen sollte, wollte ich die Gegenwindstrecke gleich zu Beginn absolvieren, um dann auf dem Heimweg geschoben zu werden.

Der Plan ging auf, und ab dem Anstieg aus dem Kirnitzschtal hatte ich Schiebeunterstützung oder doch wenigsten Kantenwind von links hinten. Gerade die Kilometer durch den Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) ließen sich bei strahlendem Sonnenschein auf glattem Asphalt sehr schön fahren. Schade, daß die letzten zwei Kilometer der Radtrasse von Lobendau zum Fußgängergrenzübergang Langburkersdorf so schotterig sind und man diesen Abschnitt deswegen nur im Schrittempo befahren sollte. Mit einem Rennrad ist das Stück jedenfalls nur sehr bedingt geeignet.

Ab der Grenze rollte es heimwärts dann im wesentlichen nur noch bergab, natürlich mit dem Wind im Rücken bzw. von der Seite. Ich war zwar nun nicht mehr ganz frisch, doch konnte ich trotzdem noch etwas für die Durchschnittsgeschwindigkeit tun.

Positiv: meine Pumpe arbeitet inzwischen fast wieder normgerecht - also so, wie ich es gewohnt bin. Nur während der ersten halben Stunde meiner Sonnabendtour fühlte ich mich etwas schlapp. Aber das lag vielleicht an der Witterung. Mitte März habe ich dennoch einen Termin für ein Belastungs-EKG in der Uniklinik Dresden. Das kann gewiß nicht schaden.

Frühling in Wald und Flur auch nicht.

Track der Handbiketour vom 08.02.2020
Track der Handbiketour vom 09.02.2020

2. Februar 2020

Ausgetrickst

In der vergangenen Woche lief die nächste Runde meines Gesundheitschecks. Mein Hausarzt überwies mich nämlich zu einer Kardiologin, und dort wurde mein Herz noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Erfreulicherweise ergab die Echokardiographie keine beunruhigenden Befunde. Als die Ärztin von meinen üblichen sportlichen Aktivitäten hörte und einige ältere EKGs von mir gesehen hatte, tendierte sie nach deren Auswertung in Richtung Entwarnung.

Immerhin schlug sie ebenfalls eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik vor. Auch sollte ich in der nächsten Zeit etwas zurückhaltender beim Sport agieren. Ich versprach ihr das, ist es doch in meinem ureigensten Interesse. Primär bedeutet das für mich, in den folgenden Wochen eben nicht mehr bei jedem Wetter mit dem Handbike auf Tour zu gehen sowie mich bezüglich der Anstiege - sprich Höhenmeter - etwas zu bremsen.

Am Sonnabend fuhr ich deshalb von Pirna aus in Richtung Westen, wo das Gelände um einiges weniger profiliert ist. Dazu kam, daß der Wind zwar morgens noch aus Südost kommen, noch vor dem Mittag aber an Stärke gewinnen, sich drehen und dann aus Westen wehen sollte. Das wollte ich unbedingt nutzen!

Blick zur Albrechtsburg in Meißen, endlich wieder ohne Gerüste
(Aufnahmeort)
Zwei Stunden nach meinem Start und noch auf dem Hinweg nach Meißen war es soweit. Allerdings konnte ich mich einen guten Teil der noch verbleibenden Strecke bis zum Umkehrpunkt windgeschützt durch Täler oder Bewuchs bzw. Bebauung in den Ortschaften vorarbeiten, so daß ich diesmal gar nicht so sehr ausgebremst wurde. Ab Meißen rollte es dafür auf dem Rückweg umso schneller. Es ist doch auch mal schön, wenn man den Wind als Verbündeten hat! Dabei ließ der für den Nachmittag angekündigte Regen immer noch auf sich warten. Trotzdem kontrollierte ich in regelmäßigen Abständen den Zug der Regengebiete in der Wetterradar-App meines Smartphones. Das half mir, abzuschätzen, ob ich meine Tour weiter ausdehnen konnte, ohne naß zu werden.

Letztlich nutzte ich die trockene Zeit des Tages nahezu optimal aus. Nur wenige Minuten nach meiner Rückkehr begann es, stark und ausdauernd zu regnen. Aber da befand ich mich schon im Trockenen.

Track der Handbiketour vom 01.02.2020

27. Januar 2020

Ein Stück Heimat

Das Ergebnis meines EKG bedarf einer genaueren Diagnose, denn es gibt ein paar Abnormalitäten. Diese können zwar auf mein überdurchschnittliches Tourenpensum im Handbike zurückzuführen sein, aber genauso ist eine erbliche Vorbelastung möglich. Ich werde wohl nun um eine detaillierte sportmedizinische Untersuchung nicht herumkommen, doch gegen altersbedingte Veränderungen kann ich sowieso nichts machen.

Apropos Alter. Da werde ich allmählicher etwas "unvernünftiger", was Anschaffungen betrifft. Vor einigen Wochen setzte sich nämlich in meinem Hirn der Wunsch nach etwas Besonderem fest. Knapp 30 km von meiner Wohnung in Richtung Osterzgebirge entfernt, befindet sich im Müglitztal die Stadt Glashütte/Sa. Dieser Ort mit seinen zahlreichen Manufakturen ist das deutsche Zentrum der Uhrmacherkunst, eine Bresche in der Phalanx der Schweizer Firmen für hochwertige mechanische Uhren. Für mich als heimatverbundenen Ureinwohner der Region kam deshalb von Anfang an nur eine Uhr aus Glashütte infrage. Als ich außerdem bei meiner Internetrecherche erfuhr, daß NOMOS quasi als einzige hier ansässige Firma zu 100% lokal hergestellte Teile für die eigenen Uhren verwendet, entschied ich mich recht schnell für diesen Hersteller, zumal mir deren Design außerordentlich gut gefiel.

Glücklicher Besitzer, von Lád'a fotografiert ...
(Aufnahmeort)
Fünf lange Tage mußte ich auf meine Uhr warten, auch weil ich mir eine persönliche Gravur wünschte. Schließlich konnte ich meinen Zeitmesser am Sonnabend abholen. Natürlich standesgemäß im Handbike. Mein Kamerad Lád'a begleitete mich, was mich umso mehr freute, weil wir endlich mal wieder eine gemeinsame Runde drehten. Bei -4°C wählten wir die leichteste und damit schnellste Anfahrt nach Glashütte. Ab Schlottwitz kämpfte sich jedoch die Sonne durch den Hochnebel, so daß es gleich viel angenehmer wurde. Nach der Uhrenübergabe kletterten wir aus dem Ort noch bis auf knapp 500 m NHN, bevor es im Bogen wieder zurück nach Pirna ging.

Nachdem ich mich dort von meinen Sportfreund verabschiedet hatte - nach seiner anstrengenden Tour vom Vortag fuhr er nun mit dem Rad im Auto wieder nachhause - setzte ich gleich zu einer Folgerunde an. Denn unter 100 km geht gar nicht! Jedenfalls nicht ohne Not ... und Kälte gehört ganz sicher nicht dazu. Bis Königstein führte mich noch mein Ausflug, und über den Elberadweg dann zurück. Auf den letzten Kilometern habe ich sogar noch die 1000 Hm geschafft.

Gestern mußte ich dann ungeplant ein zweites Mal nach Glashütte. Im NOMOS-Kaufhaus war noch etwas nachträglich zu klären, doch nach meinem Umweg über das Seidewitztal bis Döbra und weiter durch Börnchen ins Müglitztal hatte ich schließlich 11.45 Uhr alles geregelt. Danach sollte es eigentlich nur noch entspannt rollen, bis ich mein Mindestpensum erreicht hatte. Allerdings baute ich auf den letzten 25 Kilometern erneut leistungsmäßig ziemlich ab. Statt auf Krampf durchzuziehen, gönnte ich darum mir an den wenigen Anstiegen immer mal wieder eine kurze Verschnaufpause. Vielleicht lag es ja wirklich nur an der Kälte und der dicken Verpackung, wenn es auch an diesem Wochenende einige Defizite bei mir gab. Ganz so unzufrieden wie nach meinen Touren am 11./12.01. mußte ich aber nicht sein, dafür war ich viel zu gut unterwegs.

Aber: am Sonnabend hatte ich in den ersten 2 Stunden (reine Fahrzeit ohne Pausen) über 30 km bis zum höchsten Punkt der Tour eine durchschnittliche Herzfrequenz von 143 bpm, obwohl ich allein deswegen bewußt etwas Druck von den Kurbeln nahm! - Dabei fühlte ich mich zwar gar nicht so schlecht, doch auch für mich ist dieser Wert durchaus nicht üblich.

Also weiter beobachten ...

Track der Handbiketour vom 25.01.2020
Track der Handbiketour vom 26.01.2020

19. Januar 2020

In memoriam

Jetzt ist es also passiert! Als ich gestern zur Tournachbereitung mein Lieblings-Trackingportal GPSies.com im Internet aufrufen wollte, war es nicht mehr erreichbar und ich wurde sofort zum amerikanischen Anbieter AllTrails weitergeleitet.

Klaus Bechthold, der in unzähligen Stunden diese beliebte Internet-Plattform in seiner Freizeit konzipiert und programmiert hat, kündigte zwar bereits im Juni 2019 an, das Projekt aufzugeben. Mir gegenüber schrieb er auf Nachfrage, daß GPSies inzwischen fast seine gesamte Freizeit beanspruchen und letztlich sogar sein Privatleben bedrohen würde. Insofern habe ich natürlich volles Verständnis für diesen Schritt, der ihm vermutlich nicht leicht gefallen ist. Denn zuviel Herzblut steckt darin. Danke für all Dein Engagement, Klaus! Sicher war es nicht nur für mich das allerbeste Portal in dieser Richtung. Etliche Funktionalitäten, die es hier gab, habe ich bisher noch bei keinem anderen Anbieter gefunden. Besonders schmerzlich werde ich die Möglichkeit vermissen, hochgeladene Tracks auch nachträglich noch zu bearbeiten, z.B. wenn in einem tiefen Tal wegen des schlechten oder fehlenden Empfangs beim GPS-Tracking völlig unsinnige Positionen aufzeichnet worden sind.

Bis zum Schluß hatte ich gehofft, daß die GPSies-Seiten irgendwie erhalten bleiben - nur eben mit einem neuen Logo und Eigentümer. So, wie es sich derzeit darstellt, ist Klaus Bechtholds Seite allerdings komplett eingestampft worden. Schade um sein Lebenswerk! Damit jedoch werden die US-Amerikaner keine Freude haben! Ich bin mir sicher, daß nur ein Bruchteil der bisherigen Nutzer den Wechsel zum neuen Besitzer akzeptiert. Die Informationen dazu aus einschlägigen Internetforen sind da ziemlich eindeutig ... Auch ich werde meinen Account voraussichtlich nur bis Ende Juni 2020 laufen lassen, um zu beobachten, ob sich dort noch irgendetwas zum Guten wendet. Meine Tracks (die nun nicht mehr nachbearbeitet werden können) sind ab sofort bis auf weiteres bei Wikiloc zu sehen.

Trotz dieser traurigen Meldung gibt es von gestern aber auch etwas Positives zu berichten. Nach meinem drastischen Leistungseinbruch in der vergangenen Woche rollte es am Sonnabend wieder wesentlich besser. Noch immer pumpt das Herz bei Belastung manchmal mehr als normal, doch diese Momente sind etwas seltener geworden. Richtig böse Steilrampen gab es auf meiner Tour jedoch nicht, und die physischen Herausforderungen (in Form von Höhenmetern) habe ich diesmal bewußt in Grenzen gehalten. Eddy, mein Mechaniker, den ich gestern im Bike24-Laden besucht habe, meinte übrigens, daß auch ein verschleppter bzw. unbemerkter Infekt für diese Symptome verantwortlich sein könnten. Aus meiner Sicht wäre das tatsächlich denkbar, denn momentan bin ich ziemlich verschnupft.

In der kommenden Woche wird Eddy meine hydraulische Scheibenbremse austauschen. Nach 2.300 km ist schon wieder so viel Luft in der Leitung, daß die Bremskraft inzwischen drastisch nachläßt. Und weil mein Mechaniker beim letzten Mal im November keine undichte Stelle gefunden hat, gehen wir nun auf Nummer Sicher. Immerhin bin ich mit dieser Magura MT5 seit ihrer Montage Mitte Januar 2018 bisher reichlich 27 Tkm und 287 THm gefahren.

Morgen will ich schließlich noch in der Klinik ein EKG machen lassen. Wenn nicht nur das Handbike wieder voll einsatzbereit, sondern medizinisch auch kein auffälliger Befund festzustellen ist, kann ich dann hoffentlich wieder entspannter in die Zukunft blicken.

Ich habe noch viele Pläne.

Track der Handbiketour vom 18.01.2020

13. Januar 2020

Ausgebrannt

Völlig unerwartet bin ich am vergangenen Wochenende an meine Grenzen gestoßen.

Schon am Sonnabend lief es nicht richtig rund. Allerdings bin ich an diesem Tag erst sehr spät gestartet, weil sich morgens einige Regenwolken in der Gegend tummelten.  Auch ich selbst bekam später noch ein paar Tropfen ab, doch das größere Problem war der Wind. In meinem Übermut hatte ich außerdem für die ersten 50 km ein richtig zackiges Höhenprofil zusammengebastelt, welches mich ebenso gut beschäftigte.

Es wurde allmählich dunkel, als ich schließlich nach dem Blauen Wunder mit der Grundstraße den letzten längeren Anstieg ins Schönfelder Hochland in Angriff nahm. Aber inzwischen hatte ich ja die Batterien meiner Stirnlampe getauscht, so daß ich die Fahrt über den alten Bahndamm im Dunkeln beinahe genoß. Wenn ich nur ein bißchen schneller hätte sein können! Aber mehr ging halt nicht ... und auf der Abfahrt nach Pirna konnte ich's dann auch nicht mehr reißen. Nach der verhexten Tour vom vergangenen Montag wäre ich gerne wieder etwas zackiger unterwegs gewesen.

Als ich am Abend in mich ging, konnte ich jedenfalls keine Erschöpfungserscheinungen feststellen, und auch mit dem Handbike schien alles in Ordnung zu sein. Deshalb brach ich am Sonntagmorgen zu der Runde auf, die ich eigentlich schon für den Vortag geplant hatte. Der Westwind war inzwischen einem kräftigen und böigen Wind aus Südost gewichen. Für mich bedeutete das strammen Gegen- oder zumindest Kantenwind. Dazu kamen etliche kleinere giftige Rampen, die mir während der Planungsphase überhaupt nicht aufgefallen waren. Je näher ich meinem Umkehrpunkt Bautzen kam, umso mehr nervten mich diese selbstverschuldeten Gemeinheiten, so daß ich schon überlegte, die Strecke abzuändern und Bautzen von der Liste zu streichen. Aber dort wollte ich eigentlich eine Lokalität erkunden ...

Schließlich erreichte ich ca. 13.30 Uhr die Stadt, viel später als gewollt. Über die Durchschnittsgeschwindigkeit will ich gar nicht erst reden, hatte ich doch bei Kälte und Gegenwind bereits knapp 800 Hm in den Armen! Aber nun würde mich ja der Wind in Richtung Heimat schieben. Dachte ich. Tatsächlich drehte er am Nachmittag auf Südwest - also wieder Kampf mit dem nun im offenen Gelände richtig häßlichen Gegenwind. Das ging bei mir mittlerweile richtig an die Substanz! Ich hatte mich schon so verausgabt, daß sich die Herzfrequenz gar nicht mehr bei Mehrbelastung erhöhen konnte und ich dennoch den Eindruck hatte, das Herz schlüge bis zum Halse. - Alarmstufe rot! Selbst bei kleineren Anstiegen mußte ich deshalb nun Zwischenstops einlegen, um nichts Schlimmeres zu riskieren. Der Moral war das alles außerdem überhaupt nicht förderlich.

So schleppte ich mich in Richtung Pirna. Ein akzeptables Tempo stand dabei schon lange nicht mehr zur Diskussion, es ging nur noch um's ankommen. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt - und es gibt mir zu denken! Habe ich Zeichen des Körpers übersehen? Ist irgendetwas mit mir nicht (mehr) in Ordnung? Gibt es Probleme mit dem Material, was einen erhöhten Kraftaufwand nach sich zieht? Oder tragen einfach nur die Witterungsbedingungen die "Hauptschuld" an diesem Leistungseinbruch?

Jetzt habe ich erst einmal eine Arbeitswoche lang Zeit, mich wieder aufzurappeln. Vielleicht ziehe ich darüber hinaus auch ärztlichen Sachverstand hinzu. Ein EKG wäre beispielsweise gar nicht schlecht. Denn schon vor längerer Zeit gab es bei mir in der Kurve ein paar Abweichungen außerhalb der Norm, für welche die Ärzte damals keine eindeutige Erklärung hatten. Alternativ könnte ich aber auch mal 14 Tage lang pausieren und sehen, ob sich alles wieder einrenkt.

Optimistisch bleiben!

Track der Handbiketour vom 11.01.2020
Track der Handbiketour vom 12.01.2020

7. Januar 2020

Doppel"fehler"

Nachdem ich am Sonntag pausiert hatte - Kleidung und Handbike-Sitzpolster waren da immer noch nicht komplett abgetrocknet - konnte ich dafür gestern wieder auf Radtour gehen. Denn in den Höhenlagen des Osterzgebirges liegt inzwischen zwar Schnee, doch für das Skifahren reicht's eben noch nicht.

Diesmal entschied ich mich für eine Runde in die Hintere Sächsisch-Böhmische Schweiz. Die Anfahrt außerhalb des Elbtals nach Bad Schandau lief auch schon mal besser, erst bei der Fahrt durch das Kirnitzschtal akklimatisierte ich mich allmählich an die Witterungsbedingungen. Kurz vor Hinterhermsdorf fiel ein wenig Schnee. Im Ort mußte vor wenigen Stunden allerdings ein größeres Schneefallgebiet durchgezogen sein, jedenfalls sah es dort ziemlich weiß aus.

Winterstimmung am Talausgang in Khaa : das linke Gebäude ist
der einzige Überrest der sagenhaften Dixmühle(Aufnahmeort)
Trotzdem fuhr ich wie geplant weiter zum Fußgängergrenzübergang Hinterdaubitz (Zadní Doubice) und ab da weiter entlang des Flüßchens Kirnitzsch durch das Khaatal (Kyjovské údolí). Dieses Tal zählt zu meinen Lieblingsflecken in der Heimat. Aufgrund der Weitläufigkeit des Gebiets trifft man hier - wenn überhaupt - meist nur Radfahrer. Immerhin ist die Strecke seit der der Freigabe des grenzüberschreitenden Wanderweges nun nicht mehr ganz so abgeschieden wie früher. An Wochentagen herrscht hier jedoch nach wie vor Stille. Auch die grenznahen Siedlungen, wie z.B. Khaa (Kyjov) und Daubitz (Doubice) sind zu dieser Zeit und besonders im Winter nahezu ausgestorben. So begegneten mir auf dem Tourenabschnitt zwischen Hinterhermsdorf und Hohenleipa (Vysoká Lípa, s. Track vom 06.01., km 44,8 - 69,2) in mehr als drei Stunden nur eine Handvoll Autos und noch weniger Fußgänger. Stellenweise kam ich mir deshalb vor, wie in einer Parallelwelt ganz ohne Menschen. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch das Schwarz-Weiß der Winterlandschaft. Wenn etwas das Prädikat "einsam" verdient, dann diese Fahrt im tschechisch-deutschen Grenzgebiet.

Als ich es am allerwenigsten gebrauchen konnte, gab es Probleme mit meinem Handbike. Am Morgen war ich im Kirnitzschtal über Fensterglasscherben gefahren, weil ich sie zu spät gesehen hatte und deswegen nur noch abbremsen konnte. Offensichtlich hatten sich dabei ein paar winzige Splitter in den Reifen meines linken Hinterrades gebohrt. Dessen Pannenschutz verhinderte zwar zunächst einen Defekt im Schlauch, aber nach rund 30 km war auch der überwunden. Bei der Abfahrt von den Balzhütten (Tokáň) schließlich machte der Schlauch schlapp. Kilometerweit von jeder Siedlung entfernt, in einem ausgedehnten Funkloch und auf einer Forststraße, wo ganz sicher an diesem Tag niemand mehr kommen würde - hurra! Für solche Fälle habe ich aber einen Ersatzschlauch einstecken, den ich nun aufzog. Irgendwie ahnte ich schon die Ursache des Schadens, konnte jedoch trotz intensiver Suche am Reifen und Schlauch nichts Verdächtiges entdecken. Allerdings war der Reifen nicht nur naß, sondern ebenfalls verschmiert durch Schlamm und winzige Schottersplitter. Die Reparatur kostete mich eine halbe Stunde bei 0°C und stauender Nässe. Brhh, unangenehm - aber nicht zu ändern!

Das ungute Gefühl verließ mich danach jedoch nicht, denn ich hatte die Ursache des Schadens nicht ermitteln können. Und so kam es, wie es kommen mußte. Wenige Kilometer später war der Reifen wieder platt. Diesmal hatte ich keinen Ersatzschlauch mehr, und in einer knappen Stunde würde es dunkel werden. Ruhig bleiben! Ich meldete mich bei meinem tschechischen Kameraden. Er konnte zwar nicht kommen, vermittelte mir aber einen Helfer aus der Nähe. In der Zwischenzeit widmete ich mich erneut dem defekten Hinterreifen. Und siehe da: auf Anhieb, vielleicht durch Zufall, fand ich die winzige beschädigte Stelle im Reifen, operierte dort mit dem Messer alle Glassplitter heraus und konnte dadurch auch das Loch im Schlauch lokalisieren. Das Flicken desselben war dann nur Formsache, so daß ich im Prinzip fertig war, als der Bekannte von Lád'a eintraf. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Abgesehen davon, daß mir nun eine längere Fahrt durch die Dunkelheit bevorstand, war ich mir sicher, die "Fehler"quelle beseitigt zu haben. Die Gelassenheit kehrte zurück.

Nach der Freßpause in der wohltuenden Wärme des Bad Schandauer Bahnhofgebäudes (seit dem Morgen hatte ich weder getrunken noch gegessen, doch nun baute ich leistungsmäßig rapide ab), tastete ich mich im Dunkeln Kilometer um Kilometer auf dem Elberadweg zurück nachhause. Die Batterien meiner Stirnlampe waren nach etlichen Einsätzen nämlich nun am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und gaben nicht mehr viel her. Gut, wenn man da quasi jeden Meter kennt. Obwohl, Überraschungen in Form von Steinen, bisher unbekannten Schlaglöchern oder eben auch Glas kann es immer geben. Deswegen aber auch die wesentlich behutsamere Fahrweise. 18.45 Uhr war ich endlich zurück.

Noch mal gutgegangen!

Track der Handbiketour vom 06.01.2020