14. September 2026

Wasserscheu auf Tour

Der Sonntag bot nur ein relativ kleines Zeitfenster zur sportlichen Betätigung für Wasserscheue wie mich. Ehrlicherweise hatte ich den Tag bereits abgeschrieben, doch nachdem es gegen Mittag endlich aufklarte, waren eine Stunde später die Straßen in der Stadt sowie im offenen Gelände bereits gut abgetrocknet.

Nach und vor dem Regen bei Dorf Wehlen
(Aufnahmeort)
Eine kurze Ausfahrt mit dem Handbike war also noch möglich, auch wenn das trübe Wetter nicht unbedingt dazu einlud. Ich überwand meine Unlust und stellte mir Stücke für Stück eine passende Strecke zusammen. Von Pirna nördlich der Elbe bis Neustadt in Sachsen gibt es viel offenes Land, welches perfekt zu dieser Witterung paßte.

Bei einem kurzen Zwischenstop auf dem Radweg nach Langenwolmsdorf (s. Tack vom 13.09., km 22,1) passierte mich eine Radfahrerin, die kurz danach spontan anhielt, um Fallobst von Bäumen am Wegesrand aufzusammeln. Ich bat sie um Früchte - es waren Pflaumen und Birnen - weil ich selbst nicht an diese herankam. Sie suchte mir ein paar Pflaumen, kurz darauf sogar noch einige Birnen von einem entfernteren Baum und überreichte sie mir. Lächelnd bedankte ich mich. Was mich dabei irritierte: Sie verhielt sich so nett, doch trotzdem kam kein Lächeln auf meinen Dank zurück. Warum?

Später am Tag begegnete ich noch weiteren Menschen auf meinem Weg, u.a. einer alten Frau mit ihrem Rollator, in deren Gesichtern jeder Ausdruck von Freude oder wenigstens Zufriedenheit fehlte. Und das war dann doch noch etwas anderes, als die oftmals verbissen auf mich wirkenden Radrennfahrer, welche mir mehr und mehr - vor allem im urbanen Gebiet - grußlos entgegenkommen oder mich beim Überholen einfach ignorieren. Täuscht mich der Eindruck, daß dies mir immer häufiger passiert, daß Hoffnungslosigkeit, Isolation bzw. Selbstbezogenheit zunehmen und solche grundlegenden Charaktereigenschaften wie Offenheit, Freundlichkeit und Gelassenheit auf dem Rückzug sind?

Zum Glück habe ich aber auch gestern wieder ganz andere Begegnungen erlebt. Wenig überraschend, sind diese Leute, welche sich das Lächeln bewahrt haben, auch genau diejenigen, die mich grüßen. Egal, ob es der Bauer ist, der vom Kontrollgang auf seinem Acker zurückkehrt oder das junge Paar, welches gerade mit ihrem Sprößling auf dem Tretrad einen kleinen Nachmittagsspaziergang unternimmt. Ein ehrliches Lächeln kostet nichts, sondern freut beide Seiten. 

Knapp zehn Kilometer vor Pirna erreichten mich die ersten Vorboten des nächsten größeren Regengebiets, sodaß ich auf dem kürzesten Weg noch einen Zahn zulegte, statt meine Runde weiter auszudehnen. Meiner positiven Grundstimmung nach diesen (gesundheitlich) etwas holperigen Tagen schadete das indessen nicht.

Wenn ich in knapp zwei Wochen mit meinem tschechischen Kameraden für eine reichliche Woche in den Süden fahre, will ich noch einmal ordentlich dabei sein!

13. September 2026

Krank und Frieden

Am vergangenen Donnerstag begannen ein paar unangenehme Stunden für mich. Bereits auf der Arbeit machten sich erste Anzeichen bemerkbar, doch so richtig ungemütlich wurde es dann abends. Erst fror ich, und während die Spastik zunahm, schüttelte ich mich in's Fieber hinein. Vermutlich war das wieder einer jener Harnwegsinfekte, welche ich mir hin und wieder zuziehe, weil ich notorisch zu wenig trinke. Als am Ende der Nacht zum Sonnabend das Bettlaken naß vom Schweiß wurde, war klar, daß ich es  - nach Einsatz diverser Medikamente - endlich überstanden hatte.

Noch am Freitag erfuhr über einen Facebook-Eintrag vom European Peace Ride (EPR). Mir blieb zwar verborgen, wieso man die Veranstaltung englisch betitelt statt beispielsweise "Europäische Friedensfahrt". Will man doch ideell an die ehemalige Internationale Friedensfahrt anknüpfen. Sei's drum, die Idee dahinter bleibt die gleiche: Radsportler aus verschiedenen Ländern bewältigen gemeinsam Herausforderungen, die tatsächlich beachtlich sind. An den drei Tourtagen werden 2026 insgesamt rund 500 km und 6000 Hm bei einer avisierten Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 km/h bewältigt. Eine Hausnummer nur für überdurchschnittlich ambitionierte Sportler!

Ich wollte es mir aber nicht entgehen lassen, den Teilnehmern bei ihrem Zwischenstop in Glashütte meine Aufwartung zu machen, finde ich vor allem solche Veranstaltungen, die auf Kooperation statt auf Konfrontation setzen, im aktuell von verantwortungslos handelnden Machtmenschen und ihnen willfährigen Protagonisten in den Massenmedien aufgeheizten politischem Klima für umso wichtiger. Jeder Beitrag, der zur Deeskalation beitragen kann bzw. zeigt, daß sich nicht alle wie gewünscht manipulieren lassen, ist wichtig.

Ohne erst abzuwarten, ob nicht doch noch Nachwirkungen meines Infekts auftreten und nach 1,5 Tagen mit nur minimaler Nahrungsaufnahme nicht in optimaler körperlicher Verfassung, brach ich schließlich zur zehnten Stunde des Vormittags auf. Zunächst testete ich mich hinsichtlich der Belastungsfähigkeit auf den ersten flachen 30 km, bevor ich über das Lockwitztal die Landeshauptstadt verließ. Ich hatte meine Tour genau auf meine verminderte Leistungsfähigkeit zugeschnitten: lange, jedoch nur unmerkliche Anstiege, statt brutaler Steilrampen. Trotzdem waren auf der höchsten Punkt meiner Strecke vor Glashütte bereits mehr als 500 Hm zusammengekommen.

Zwischenstop der Teilnehmer des EPR am
Deutschen Uhrenmuseum Glashütte (Aufnahmeort)
Bis die Recken des EPR dann ebenfalls in Glashütte eintrafen, dauerte es dann noch reichlich 20 Minuten, aber eigentlich hatte ich es mit der Zeitplanung ganz gut getroffen. Ich freute mich mit ihnen, kannte ich doch fast die gesamte Strecke dieser zweiten Etappe aus eigenem Erleben und wußte daher, was für beinahe epische Auffahrten schon hinter den Teilnehmern lagen. Erinnert sei hier nur an die gnadenlose Rampe von Tetschen-Peiperz (Děčín-Připeř) bis Kalmswiese (Jalůvčí) und weiter nach Schneeberg (Sněžník) mit 13 km Länge und 450 m Höhenunterschied, wobei auf den ersten 2,5 km bereits 230 Hm überwunden werden müssen. - Erfreulich, daß sogar etliche Frauen mitfuhren, auch wenn eine dieser Radamazonen schon ziemlich mitgenommen aussah.

Nach einer reichlichen halben Stunde fuhr ich schließlich weiter, dehnte dabei meine Runde jedoch zweimal aus, weil ich mich immer besser fühlte. Am Ende kletterte ich tatsächlich noch die schnellstraßenartig ausgebaute Strecke von Lauenstein in Richtung Liebenau  hinauf (s. Track vom 12.09., km 67,1 - 69,2), um von dort in mehreren Schwüngen zunächst ins Müglitztal kurz hinter von Glashütte zurückzukehren und diesem dann bis Dohna zu folgen. Weil dort aber noch ca. 90 Hm an einem vierstelligen Betrag fehlten, nahm ich außerdem die Auffahrt nach Großsedlitz mit, bevor ich in Pirna einrollte. Trotz meiner Leistungsdefizite stand am Ende ein Ergebnis, für das ich mich nicht schämen muß.

Sehr erfreulich!

7. September 2026

Die siebte Tour

Hätte mich mein Sportfreund aus dem Erzgebirge nicht am vergangenen Wochenende besucht, wäre ich bereits eine Woche früher zu meinem wahrscheinlich letzten Langen Kanten des Jahres aufgebrochen. Der Plan dafür lag jedenfalls schon in der Schublade.

Zunächst bin ich aber freitags nach Feierabend mit dem Handbike unterwegs gewesen. Aufgrund der Ankündigung schlechten Wetters verlegte ich dabei meine Höhenmetersammelei nach vorn, indem ich hinauf ins Osterzgebirge fuhr. Nach einem Drittel der Strecke lagen die meisten Anstiege hinter mir, knapp 800 Hm waren dabei zusammengekommen.

Was ich dabei an Geschwindigkeit eingebüßt hatte, holte ich anschließend auf den langen Abfahrten wieder heraus. Während ich durch die daran ausgerichtete Tourenplanung auf dem Hinweg in den geschützten Tälern und Ortschaften meist vom kräftigen Westwind verschont blieb, half er mir am Ende schließlich bei der Heimfahrt auf dem Elberadweg. Weil ich aber zusätzlich ordentlich Druck machte, merkte ich am nächsten Morgen dann trotzdem meine Arme.

Das fiel allerdings weniger ins Gewicht, denn am Sonnabend wollte ich sowieso einen Ruhetag einlegen. Nach den kräftigen Regenfällen in der Nacht kündigte sich ein schöner, doch windiger Tag an. Umso schwerer fiel mir zunächst, das umzusetzen, was ich mir überlegt hatte. Wenn ich wirklich noch einen 200er in diesem Jahr fahren wollte, brauchte ich nämlich zuvor unbedingt Erholung.

Daß dieser erste Tag des Wochendes nicht gänzlich ereignislos verstrich, verdanke ich einer "zufälligen" Begegnung. Als ich nachmittags zu einem kleinen Spaziergang startete, rollte mir nämlich der bloggende Rolli-Influenzer über den Weg, welcher gerade vom Tourismusverband Sächsische Schweiz hierher eingeladen war. Da seine geplanten Vorhaben auch in Pirna nicht ohne viel zusätzliche Hilfe umsetzbar waren, bot ich ihm eine alternative Führung zu einigen schönen Orten meiner Heimatstadt an. Vom Abstecher auf dem Burglehnpfad mit dem schönen Blick auf die Pirnaer Altstadt war er sichtlich angetan.

Der Sonntag begann dann für mich schließlich sehr früh. Da die Tage nun wieder erheblich kürzer sind, muß ich bei langen Ausfahrten auch etliche Kilometer in der Dunkelheit zurücklegen. Sinnvollerweise entscheide ich mich dabei für den Morgen, damit notfalls (z.B. bei Pannen) Reserven am Ende des Tages zur Verfügung stehen.

Im Streckenprofil der Tour - übrigens der siebte Lange Kanten der aktuellen Saison -  hoben sich nur die zwei größeren Anstiege ab. Der erste dieser beiden Auffahrten war dabei die Überquerung des auslaufenden Osterzgebirgskamms am Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk). Und die zweite Kletterei wurde notwendig, weil ich die westlichen Ausläufer des Böhmischen Mittelgebirges bei akzeptabler Tourenlänge nicht so weiträumig umfahren konnte, wie es dafür erforderlich gewesen wäre.

Insgesamt gab es aber noch viel mehr Berge, sodaß ich nach dem gerade erwähnten zweiten längeren Anstieg schon knapp 1300 Hm zu Buche standen. Auf den meist flachen oder abfallenden Straßen rund um das Tagesziel holte ich endlich wieder etwas auf, die körperliche Erholung von den kraftraubenden Kilometern davor war jedoch ungleich wichtiger.

Die Hasenburg, von Nordosten aus gesehen
(Aufnahmeort)
Die Hasenburg (Hazmburk) sehen und sich freuen! Zuletzt war ich hier im Frühling 2014, doch es ist immer wieder ein erhebender Moment, sich dieser wohl eindrucksvollsten Burg(ruine) des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) zu nähern. Der sich über flachem Land erhebende Vulkankegel mit den beiden Türmen sowie Mauerresten als Bekrönung ist schon von weitem zu erkennen und zweifellos das Wahrzeichen dieser Region. Noch als Fußgänger war ich vor 1999 einmal da oben, was nun im Rollstuhl nur noch mit extrem viel Unterstützung durch Fußgänger möglich sein dürfte - und selbst dann wird man nicht alles erreichen. Für alle anderen gilt: ein Besuch der Burg lohnt sich immer!

Ich habe die Burg gestern also nur von Weitem aus minimal 1,6 km (von Slatina) gesehen, für mehr blieb außerdem keine Zeit. Immerhin aber diesmal von fast allen Seiten, inklusive des Flußtals der Eger (Ohře) im Süden.

Bis ich kurz vor Leitmeritz (Litoměřice) auf die andere Elbseite wechselte, zog es sich etwas hin. Auch die letzten reichlich neunzig Kilometer (für viele Leute eine ganze Tagestour) entlang des Flusses ähnelten am ehesten notwendiger Fleißarbeit, von welcher mir am besten der gänzlich von der Straße isolierte und gut ausgebaute Radweg zwischen Groß Tschernosek (Velké Žernoseky) und Libochowan (Libochovany, s. Track vom 06.09., km 122,2 - 125,6) gefiel. 

Spätestens ab Aussig (Ústí n. L.) machte sich ermüdende Routine breit, und ich war froh, als ich 19.45 Uhr fast pünktlich zum Sonnenuntergang endlich zuhause ankam. Erstaunlicherweise hatten sich das Auf und Ab auf dem Elberadweg sowie den flußbegleitenden Straßen auf weitere mehr als 430 Hm summiert, obwohl diese Streckenvariante zwar nicht die kürzeste, wohl aber die gängigste Alternative ist. Insgesamt fehlte am Ende des Tages nicht viel an 2000 Hm.

1. September 2026

Berge, ganz verschieden

Zum Bergefahren gibt es in meiner Heimat reichlich Möglichkeiten. Im Süden grenzt das (Ost-)Erzgebirge an das Elbtal, im Osten windet sich der Fluß durch das Gebiet des Elbsandsteins. Und doch unterscheiden sich beide Regionen: während ich eher ins Osterzgebirge fahre, um lange Auffahrten mit moderaten Steigungen, aber großen Höhenunterschieden zu bewältigen, stehen in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz bei mir oft kurze, doch steile Klettereien im Fokus. Das bedeutet natürlich nicht, daß es nicht auch genau umgedreht sein kann. Erinnert sei hier einerseits an die lange Auffahrt aus dem Elbtal bei Königstein hinauf zum Hohen Schneeberg (Děčínský Sněžník) im südlichen Elbsandsteingebirge bzw. andererseits an die 12%-Rampe ab Oberschlottwitz nach Berthelsdorf im Osterzgebirgsvorland.

Gestern habe ich auf meiner Tour beide Welten vereint, wobei eigentlich beim Abstecher in die Sächsische Schweiz nur noch eine erwähnenswerte Auffahrt kam. Nachdem es erst am Morgen kräftig geregnet hatte, wurde das Wetter immer besser. Bei der Anfahrt zum Scheitelpunkt der Tour nach Fürstenwalde störten mich die lange Zeit noch nassen Straßen aber überhaupt nicht, denn bei meinem langsamen Tempo bergauf entsteht kein Spritzwasser. Außerdem konnte ich dem kräftigen Südwestwind meist entkommen. Lediglich auf der Straße von Hirschbach nach Reinholdshain mußte ich mal ein paar Minuten leiden.

NO-Panorama nahe Luchau (Aufnahmeort)
Dafür sorgten genau diese Bedingungen erneut für eine herrliche Fernsicht. Das wohl schönste Panorama des Tages bot sich diesmal unweit von Luchau in nordöstliche Richtung, bevor ich auf schneller Abfahrt in Glashütte das Müglitztal erreichte.

Kurz vor dem sprichwörtlichen Höhepunkt meiner Runde passierte ich in Fürstenwalde das Denkmal für George Bähr. Der Baumeister der bekannten Dresdner Frauenkirche wurde nämlich im Jahre 1666 hier geboren. Es ist schon bemerkenswert, wie viele zumindest in Sachsen bekannte Persönlichkeiten aus dem Erzgebirge stammen. Man denke dabei beispielsweise auch an den Orgelbauer Gottfried Silbermann.

Auf meiner Heimfahrt streifte ich schließlich die westlichsten Felsenberge der Sächsischen Schweiz, also die unweit von Naundorf gelegenen Bärensteine. Von der Anliegerstraße vor dem Ort konnte man übrigens auch im Westen die 17-Geschosser von Pirna-Sonnenstein sehen. Am schönen Picknickplatz mit Sandsteinbank habe ich mich auch schon zum Abendbrot im Freien mit Insa getroffen.

Das sollten wir demnächst mal wiederholen.

30. August 2026

Zwei Schlösser zu zweit

Für den frühen Abend hatte sich am Freitag nun mein Sportfreund angekündigt, trotzdem blieb ausreichend Zeit für eine Feierabendtour nach der Arbeit. Zum letzten Mal konnte ich dabei in diesem Jahr bereits kurz nach Elf losfahren, denn ab nächster Woche gelten bei meinem Brötchengeber wieder andere Arbeitszeiten.

Das paßte übrigens auch gut zum Wetter, da es nachmittags immer unbeständiger wurde. Als ich am Umkehrpunkt hinter Langenwolmsdorf das Regenradar konsultierte, sah es dann überhaupt nicht gut aus, und bald darauf näherte sich mir die schwarze Wand bedrohlich schnell. Der ursprüngliche Plan landete also in der Tonne, auf kürzestem Wege ging es jetzt in Richtung Pirna. Wenn schon naß werden, dann so wenig wie möglich. Zum Glück streifte mich das Starkregengebiet aber nur. Weil in Pirna schon wieder die Sonne schien, fuhr ich schließlich eine dritte Schleife auf der anderen Elbseite, bis sich erneut Regen ankündigte.

Konditionell etwas durch die wetterbedingten Sprinteinlagen angeschlagen und das baldige Treffen mit meinem Sportfreund im Hinterkopf, ließ ich mich diesmal auf keine weiteren Umwege ein, auch wenn ich dadurch nicht mein gewünschtes Streckenziel erreichte. Dafür konnte ich am Abend meinen Besuch sogar etwas zeitiger begrüßen. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen im "Babička" und dann während der Nachbereitung zuhause wurde es sehr spät.

Vor dem Jagdschloß Moritzburg (Aufnahmeort)
Jens ist kein Frühaufsteher, doch auch ich kam diesmal am Sonnabend erst spät aus den Federn. Doch für unsere gemeinsame Ausfahrt hatte ich sowieso keine kraftraubende Aktion bzw. lange Strecke vorgesehen, sondern nur eine entspannte Runde zum Jagdschloß Moritzburg. Bis auf die touristischen Höhepunkte kannte mein Begleiter nämlich diese Gegend überhaupt noch nicht.

Außerdem stellte ich diesmal besonders schöne und verkehrsruhige Abschnitte zu einer Rundtour zusammen, welche selbst vielen Einheimischen nicht sofort einfallen würden. Der asphaltierte, teils betonierte Radweg zwischen Wallroda und der Stadtrandsiedlung von Radeberg durch meine Lieblings-"Oase" in diesem Gebiet (s. Track vom 29.08., km 28,8 - 30,3) durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Die zweite Hälfte der Tour hielt dann nur noch wenige, kurze Anstiege bereit, auch lag ich zu dieser Zeitpunkt hinsichtlich der bewältigten Höhenmeter hinter meiner 1%-Regel (1000 Hm auf 100km) zurück. Eigentlich hätten wir daher schneller sein müssen, als auf meinen beiden vorangegangenen Ausfahrten. Dem war aber nicht so. Bei vollem Tempo im Wettkampfmodus sich noch zu unterhalten, funktioniert einfach nicht. Es gab so viel zu erzählen, wir sehen uns ja eher selten. Daß ich auf dieser Fahrt ebenfalls viel mehr Flüssigkeit benötigte und es zum Schluß trotzdem etwas im Hals kratzte, brauche ich wohl nicht gesondert zu betonen.

Diesmal stand jedenfalls nicht die Leistung im Vordergrund, die gemeinsame Zeit mit meinem Kameraden war mir ungleich wichtiger. Ich bin so oft ohne Begleitung auf Achse, da genieße ich den Austausch umso mehr. (Wobei mir diese Solo-"Trainingstouren" aber auch unentbehrlich sind, weil ich mich dann ganz auf meine Leistung fokussieren kann.)

Nun ist Jens wieder weg, für ihn geht es heute zurück in Richtung Chemnitz. Ich aber habe mich über sein unerwartetes Gastspiel sehr gefreut!

PS: Sieht dieser Mann aus wie über 70?!

28. August 2026

Abendsport

Ausnahmen bestätigen die Regel. Prinzipiell steige ich zwar nachmittags zu fortgeschrittener Stunde zwar nicht mehr auf mein Handbike, doch gestern konnte ich mich dem herrlichen spätsommerlichen Wetter nicht entziehen. Nach einem Arbeitstag im Homeoffice und der Physiotherapie ging es drei Stunden vor Sonnenuntergang los.

Fünfzig Kilometer bis zur Dunkelheit sollten selbst bei der angepeilten 1%-Regelung für die Höhenmeter realistisch sein, und die habe ich tatsächlich geschafft. Es war ebenfalls die Gelegenheit, wieder mal die Steilrampe vom Elberadweg nach Thürmsdorf durch den Pehnagrund hinaufzuklettern (s. Track vom 27.08., km 15,2 - 15,8), die am Ortsausgang in Richtung Festung Königstein ihrer kurze Fortsetzung fand. Auch die vollständige ehemalige und nun asphaltierte Seilbahntrasse der Wismut ab dem Gewerbegebiet Leupoldishain (s. Track vom 27.08., km 20,4 - 23,0) bin ich diesmal gefahren, auch wenn das nicht die optimale Linie bzw. kürzeste Verbindung darstellte. Aber für solche kurzen Ausfahrten sind das genau die richtigen Ziele.

Als ich schließlich nach etlichen Erweiterungen gegen 19.20 Uhr den höchsten Punkt der Strecke auf rund 450 m NHN kurz vor Markersbach erreichte, hatte ich trotz der 530 Hm auf 34 km mit 14,7 km/h nur knapp meine gewünschte Durchschnittsgeschwindigkeit unterschritten. Daß ich diese dann auf der Heimfahrt, welche nur noch bergab führte, weit übertraf, war zu diesem Zeitpunkt bereits abzusehen.

Unterwegs kontaktierte mich telefonisch mein Sportfreund aus dem Erzgebirge. Er ist gerade auf einer Mehretappentour mit dem Rad durch die Tschechische Republik und ziemlich nahe. Heute kommt er nun zu Besuch nach Pirna, und vielleicht klappt es am nächsten Tag sogar mit einer gemeinsamen Ausfahrt.

Ich freue mich schon auf ihn!

25. August 2026

Spätsommer

Am völlig verregneten Sonnabend hatte ich wieder mal Kontakt mit meinem tschechischen Kameraden. Es ging um einen möglichen gemeinsam Kurzurlaub im Herbst. Jedenfalls plante ich daraufhin meine Sonntagstour ins Osterzgebirge, obwohl ich gar keine rechte Lust auf's Bergefahren hatte. Aber falls Lád'a auch auf Tour gehen würde, dann wäre das Gebiet der ideale Treffpunkt, weil es genau in der Mitte zwischen uns gelegen ist.

Nun, wir sind uns an diesem Tag dann nicht begegnet, doch dafür konnte ich kurzentschlossen etwas auskundschaften. Im südlichen Grenzgebiet zwischen Liebenau, Fürstenau und Müglitz gibt es nämlich neben der Schutzhütte am Schulhübel tatsächlich weitere Unterstände, die für eine spontane Übernachtung geeignet sind. Einer davon befindet sich südlich von Rudolphsdorf in unmittelbarer Nähe zur deutsch-tschechischen Grenze. Das macht diesen allerdings auch sehr attraktiv für Gäste aus dem Nachbarland - als ich gegen 10.00 Uhr an der Hütte eintraf, schälte sich dort gerade ein Pärchen aus den Federn. Da bleibe ich also lieber bei meiner bewährten Unterkunft, welche zudem auch besser für mich zugänglich ist ...

Vor Falkenhain öffnet sich ein umfassendes
Panorama nach Norden und Osten, hier der Blick
zur Dresdner Elbtalweitung. Sogar den Fernsehturm
kann man erkennen (Aufnahmeort)
So richtig in Schwung bin ich am Sonnabend aber nicht gekommen. Bereits auf dem höchsten Punkt der Tour kurz hinter Altenberg zeichnete sich das ab, trotzdem fehlte mir der Biß, um danach nochmal anzugreifen. Selbst für ein paar zusätzliche Kilometer war ich sonntags nicht zu begeistern. Ausreichend Zeit wäre geblieben, denn letztlich erreichte ich mein Zuhause schon gegen drei Uhr nachmittags. Diese Hängepartie ließ mir damit jedoch ausreichend Zeit zur Regeneration für den nächsten Tag.

Denn da stand die nächste Runde an. Wenigstens 9.000 km und 100.000 Hm will ich bis Ende August schaffen, und dafür muß ich das inzwischen spätsommerliche Wetter nutzen. Früh ist es inzwischen zwar ziemlich frisch, sodaß ich beim Start Ärmlinge benötigte. Dafür pegelten sich dann im Laufe des Tages die Temperaturen auf für mich optimale Werte um die 20°c ein, was mir schweißfrei zusätzlichen Vortrieb ermöglichte.

Außerdem überlegte ich mir gestern eine Strecke, die meiner Absicht einer schnellen Runde entgegenkam. Zuerst lockeres Einrollen auf dem Elberadweg bis Stadt Wehlen, dann folgten die verhältnismäßig anspruchsvollen Anstiege aus dem Elb- sowie durch das Polenztal. Nach einem Drittel der Ausfahrt standen deshalb schon mehr als die Hälfte der Gesamthöhenmeter auf der Habenseite. Spätestens ab Neustadt in Sachsen jagte ich meinen Virtual Partner des Navis, den ich endlich auf dem langen Gefälleabschnitt zwischen Bretnig-Hauswalde und Großröhrsdorf dauerhaft hinter mich ließ.

Daher durften es auch wieder ein paar Kilometer mehr sein, gleichwohl ich wegen abendlicher Verrichtungen nicht zu spät zurück sein wollte. Die letzten zusätzlichen Zehntel der Durchschnittsgeschwindigkeit kitzelte ich schließlich auf dem Elbradweg ab Pillnitz heraus. Da überholte mich eine Radsportlerin, an welche ich mich bald in den Windschatten hängte. Sie war die perfekte Schrittmacherin - nicht zu schnell, nicht zu langsam. Als ich schließlich in Pirna zur Stadt abbog, bedankte ich mich bei ihr.

Diese freundlich gemeinte Geste war mir ein Bedürfnis.