27. Juli 2026

Wegbereiter

Morgen werde ich mein Basislager wechseln und dabei über jenen Paß fahren, den ich heute im Handbike bezwungen habe. Die Tour zum Radstädter Tauernpaß war meine zweite Aktion in diesem Sommerurlaub, nachdem ich gestern wegen Regen pausieren mußte.

Bereits ein Tag ohne körperliche Aktivitäten reichte aus, um gut ausgeruht relativ zeitig zu starten. Außerdem sollte das Wetter gegen Mittag schlechter werden, bedeckt mit hoher Luftfeuchte war es ja schon. Doch mit 55 km Streckenlänge standen die Chancen gut, es vor dem angekündigten Regen zu schaffen, zumal die Beschreibung des Anstiegs auf Quaeldich.de wesentlich geringere Anforderungen als bei meiner Tour unter die Dachstein Südwand erwarten ließ.

Am Beginn der Schlucht (Aufnahmeort)
Trotzdem war die Strecke nicht zu unterschätzen, wie ich an der ersten Steilrampe feststellte. Die führte geradewegs in eine tiefe Schlucht, deren Anfang besonders pittoresk war. Im Bild kommt das leider nicht so deutlich zur Geltung, doch fühlte ich mich an diverse Paßstraßen in Frankreich erinnert. Dort war es freilich wesentlich wärmer.

Abgesehen von der meist dicken Wolkendecke, kam mir die Temperatur unter 20° aber sehr gelegen, deshalb machte sich die Feuchtigkeit auch nicht so schweißtreibend bemerkbar. Bis auf zwei Pinkelpausen konnte ich durchfahren und schon kurz nach Zehn erreichte ich den wenig eindrucksvollen Scheitelpunkt im oberen Teil des Touristenortes Obertauern. Der wiederum animierte mich überhaupt nicht zum längeren Verbleib, er ist halt einer dieser typischen Wintersportziele für jedermann.

Weil sich inzwischen Niederschlagsgebiete dem Ennstal (in welchem Altenmarkt liegt) bedrohlich näherten, begab ich mich nun schleunigst in die Abfahrt - leider auf dem gleichen Weg wie bergauf. Wofür ich im Aufstieg rund 3 Stunden benötigt hatte, war abwärts in einer dreiviertel Stunde Geschichte. Kurz vor Zwölf trudelte ich schließlich am Camping ein.

Der halbe Tag lag noch vor mir. Der Regen blieb nicht nur aus, sondern es setzte sich sogar die Sonne immer mehr gegen die Wolken durch. Eigentlich hätte ich also einen zusätzlichen Abstecher zum Zauchensee unternehmen können, mit rund 12 km pro Strecke und weiteren 500 Hm wäre ich dabei gewesen. Das aber war mir zuviel, will ich doch nicht gleich am Anfang meines Urlaubs mein ganzes Pulver verschießen.

Es warten noch größere Herausforderungen!

26. Juli 2026

Anspruchsvoller Einstieg

Es ist wieder losgegangen: meine beinahe alljährliche Pässejagd in den Alpen. Noch am Freitag habe ich nachmittags mein erstes Basislager aufgeschlagen, nachdem ich zuhause unerwartet schnell mit den Reisevorbereitungen fertig war.

Dazu gehörte natürlich auch die Recherche zu geeigneten Campingplätzen, die zumindest über eine (lt. Eigenaussage) barrierefreie Sanitäreinrichtung verfügen. Vorort erweist sich diese dann nur sehr selten als perfekt, meist komme ich aber auch bei suboptimalen Bedingungen mit Abstrichen noch ganz gut klar. Auch beim Camping Passrucker in Altenmarkt am Pongau gibt es diesbezüglich Luft nach oben, doch dafür sind die Leute ganz nett und machen vieles möglich, was anderswo nicht machbar wäre.

Üblicherweise beginne ich meine Alpentouren mit dem Handbike verhalten, um mich erstmal zu akklimatisieren. Hierbei geht es nicht nur um Höhenanpassung - ich wohne ja in Pirna auf nur 120 m ü. NHN. Auch eine andere Fahrstrategie ist im Hochgebirge nötig, denn große Höhendifferenzen und überhaupt ein ganz anderes Verhältnis von Strecke zu (bewältigten) Höhenmetern erfordern eine ganz andere mentale und körperliche Herangehensweise an solche Unternehmungen. Ausdauer ist wichtiger als Schnelligkeit. 

Gestern allerdings gab es keine Schonung. Das war nicht einmal von mir beabsichtigt, ich hatte bei der Planung einfach nur die Herausforderung unterschätzt. Bereits die Auffahrt von Pichl nach Ramsau am Dachstein überraschte mich mit durchgängiger Steilheit bis zu den ersten Häusern von Vorberg. Kein Wunder! Wie ich später bei Quaeldich.de feststelle, war das nämlich der anspruchsvollste Weg in den beliebten Urlaubsort.

Nach kurzer Erholung folgten dann auf der Dachsteinstraße die nächsten Steilrampen bis etwa 14% Steigung. Im unteren Teil gab es dabei mehr als 2 km lang keine Möglichkeit zum Durchschnaufen ohne Stehenzubleiben. Und das gönnte ich mir nur einmal in einer flachen Kehre, weil die Batterie meines Geschwindigkeitssensors entladen war und ich daher ausschließlich mit Strecken-/Geschwindigkeitsaufzeichnung per GPS fuhr. Sobald ich also angehalten hätte, wären beim Weiterfahren danach wegen meines geringen Tempos keine Werte mehr erfaßt worden.

Am Ziel vor der Türlwandhütte - im Hintergrund
der Dachstein, unten die Talstation, oben die
Bergstation der Seilbahn (Aufnahmeort)
Bevor ich gegen 11.40 Uhr an der Türlwandhütte den höchsten Punkt meiner Tour auf rund 1700 m Seehöhe erreichte, mußte ich noch ein weiteres Mal im Schlußteil des Anstiegs standhaft um jeden Höhenmeter kämpfen. Das war vor allem eine Kopfsache, befand sich das Ziel doch bereits in Reichweite. Die letzten Meter zum "Gipfel" sind oftmals die schwierigsten ...

Oben gönnte ich mir eine lange Ruhepause (das sind bei mir 30 Minuten), schließlich lag nun der anspruchsvollste Teil der Tour hinter mir. Von Pichl aus waren bisher auf knapp 15 km immerhin rund 1000 Hm zusammengekommen. Auf den Rest der Strecke verteilt, gab es dann noch ein paar Aufschwinger, bei denen ich jedesmal in den "Bergmodus" umschalten mußte. Letztendlich blieben diese mit insgesamt 250 Hm für die Gesamtbilanz weitestgehend unerheblich - eine Aussage, die im Flachland wohl für Kopfschütteln sorgen würde.

Kurz vor meiner Ankunft auf dem Zeltplatz nervte mich ziemliches Zickel-Zackel aufgrund geänderter bzw. gesperrter Wege. Das gehörte aber nur zum Abgesang und verdarb mir nicht die Laune. An diesem Tag hatte ich mich trotz der unerwarteten Steilrampen wirklich wacker geschlagen, auch dank optimaler Witterung.

Ein gelungener Auftakt!

20. Juli 2026

Tausendsassa

Vor Urlaubsbeginn habe ich im Juli nun doch noch die 1000 Monatskilometer geschafft. Danach sah es nämlich zunächst gar nicht aus, denn gestern begann der Tag mit langem und kräftigen Regen. Erst nach dem Mittag besserte sich allmählich das Wetter, sodaß ich - eingedenk meines gerade genannten Wunschziels - zu einer Tour im Handbike aufbrach.

Die bekannteste (Alt-)Stadtansicht von Dresden
(Aufnahmeort)
Im für mich perfekten Temperaturbereich kam ich gut voran. Deshalb bog ich nach den ersten drei "Sägezähnen", also relativ kurzen Anstiegen in Folge, dann nach Süden ab und peilte die Bergstadt Dippoldiswalde an. Von dort war die Strecke dann quasi vorgegeben: erst den letzten Anstieg von der Talsperre Malter hinauf nach Paulshain, dann die 25 km lange ununterbrochene Abfahrt in die Landeshauptstadt, von der es zum Schluß ebenfalls weitgehend flach nachhause ging. Mit den rund 120 Hm auf diesem letzten Teilstück erreichte ich wenigstens noch 900 Hm in der Tourenbilanz. Im Rahmen meiner geplanten Alpenpässejagd werde ich das locker wieder aufholen.

Am Sonnabend war ich das erste Mal mit Robert und Lena auf Tour. Ihn hatte ich im vergangenen Jahr bei einer Radveranstaltung in Dresden kennengelernt, und als wir uns vor kurzem zufällig begegneten, regte er eine gemeinsame Ausfahrt an. Um diese auch für seine Freundin attraktiv zu machen, schlug ich zunächst eine landschaftlich schöne, doch moderate Strecke vor. Auch sollte der Start aus Rücksicht auf meine Begleiter nicht zu zeitig am Tag sein.

So kam es, daß ich vor dem vereinbarten Treff am Elbeparkplatz in Pirna noch eine erste Warmfahrrunde fuhr, da wie im Sommer des öfteren die Nacht für mich wieder mal früh um Drei vorbei war. Deshalb konnte ich dann trotz Bummelei auch schon 4.20 Uhr starten. Insgesamt 48 km und über 400 Hm hatte ich bereits absolviert, als 8.00 Uhr die beiden zu mir stießen.

Lena benutzte dabei ein elektrounterstütztes Zweirad, was ich in diesem Fall jedoch tolerierte. (Meine Haltung zu diesem Thema dürfte ja vielen Leute inzwischen bekannt sein.) Denn ganz ohne sportliche Ambitionen, einfach nur, um mit uns gemeinsamen eine schöne Tour zu fahren, kann ich mit solcherart Fortbewegung leben. Bemerkenswert war übrigens für mich, daß sie danach auf dem flachen Elberadweg anfangs ganz ohne Motor fuhr, was aufgrund des Gewichts des Gefährts von rund 30 kg durchaus eine sportliche Herausforderung darstellte. Weshalb sie das gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sie kannte jedoch meine Meinung über Mofafahrer - vielleicht wollte sie ja auf ihre Art mal dagegenhalten ...

Der Streckenabschnitt in der Böhmischen und Hinteren Sächsischen Schweiz wurde natürlich der landschaftliche Höhepunkt unserer Ausfahrt. Leider verläuft ein länger Teil der Radroute durch die beiden Nationalparks auf teils extrem groben Schotter, was die Freude jedesmal trübt. Auf den reichlich 3 km zwischen Lagergrund (Táborový důl) bis zum Touristengrenzübergang Hinterdittersbach (Zadní Jetřichovice) ist der Untergrund richtig häßlich, doch auch die 6 km der Radroute auf deutscher Seite entlang der Kirnitzsch und an der Niederen Schleuse vorbei bis zur öffentlichen Straße läßt sich stückweise nicht sehr angenehm fahren (s. Track vom 18.07., km 95,0 - 104,4). Um einer Reifenpanne vorzubeugen, bin ich hier sehr langsam gefahren, was für dieses Teilstück zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h führte. Übrigens: für solcherart statistische Daten sowie auch zur Planung benutze ich immer die WebApp GPXStudio, in die ich u.a. meine aufgezeichneten Tracks hochladen und über das darunter befindliche Streckenprofil auswerten kann.

Es dauerte anschließend eine ganze Weile, bis ich den verlorenen Boden wieder gutgemacht hatte, doch nach meinem Solosprint auf der Kirnitzschtalstraße wartete ich am Ortseingang von Bad Schandau auf meine Begleiter.

Den letzten Anstieg unserer gemeinsamen Tour von Prossen zum Ortsausgang von Porschdorf (s. Track vom 18.07., km 121,9 - 124,2) kannten Robert und Lena noch nicht, doch ansonsten war ich überrascht, wie viele Strecken in der Region die beiden bereits schon gefahren waren. Eine Überraschungstour ins Unbekannte wurde es für sie entgegen meiner Annahme deshalb nicht.

Knapp vorzeitig trennten sich schließlich in Posta unserer Wege, mit ihrem Einverständnis hängte ich nun zur Kilometersammelei noch einen Abstecher bis nach Pillnitz an meine Tour. Denn wenigstens die 100 Meilen (knapp 161 km) lagen noch im Bereich des Möglichen - und das, obwohl wir auf den vorherigen 90 km mehr und längere Pausen eingelegt hatten, wie sonst bei mir üblich. Nach diesen letzten 25 km erreichte ich ungefähr 18.10 Uhr mein Zuhause, was einer Brutto-Tourenzeit von fast 14 Stunden entsprach.

Bei diesem herrlichen Sommerwetter aber absolut kein Problem!

17. Juli 2026

Die Farbe Rot

Gestern abend war ich mit einer früheren Seilgefährtin verabredet. Wir treffen uns hin wieder zum Schwatzen, meist in Verbindung mit einem gemeinsamen abendlichen Picknick an einem schönen Ort in der Umgebung.

Ich hatte die Idee für einen Abstecher zum Schloß Thürmsdorf mit anschließendem Spaziergang zum Biedermann-Mausoleum und der unmittelbar daneben befindlichen Johann-Alexander-Thiele-Aussicht. Dieser kurze Ausflug ist übrigens auch hier als Teilstrecke beschrieben, inkl. einiger Bilder.

Abends auf der Johann-Alexander-Thiele-Aussicht,
im Hintergrund die Elbe mit der Stadt Königstein,
darüber der Tafelberg Pfaffenstein (Aufnahmeort)
Ich holte Insa mit dem Auto ab, meine ehemalige Sportfreundin hatte hingegen für das Essen gesorgt. Sie ist da immer für kulinarische Überraschungen gut, z.B. aus eigenem Anbau bzw. freier Wildbahn. Herrlich natürlich und logischerweise stets "bio". Dieses Miteinander in entspannter Atmosphäre und den gegenseitigen Austausch über unsere aktuellen Unternehmungen genoß ich folglich im Park so wie bei jedem unserer Treffen. Die enge Verbindung aus längst vergangener Zeit lebt in solchen Augenblicken wieder ganz unmittelbar auf - vor allem dann, wenn die Romantik eines wunderschönen Sommerabends hinzukommt.

Nach dem Abendessen unternahmen wir schließlich den kurzen Abstecher vom Schloß zu den zwei Aussichten über dem Elbtal. Die Heckenrosen am Wegesrand leuchteten im Abendlicht noch viel kräftiger, und auf der Thiele-Aussicht färbten die Strahlen der untergehenden Sonne alles in ein weiches, warmes Rot. Es war wieder einer dieser Momente, an die man sich noch lange erinnert ... Zumal dort ebenfalls gerade ein Pärchen sein Abendbrot einnahm und ich den Mann als Fotograf für ein Bild von uns gewinnen konnte.

Wenn ich nun die Aufnahme betrachte, wirkt selbst jetzt noch das Lächeln von Insa echt ansteckend. 

14. Juli 2026

Bestes Vorgehen

Bei angekündigten sommerlichen Temperaturen hat es sich bewährt, zeitig in den Tag zu starten. Außerdem plane ich dann keine langen Touren, damit ich vor der großen Hitze vom Ausflug zurück bin. Auch gestern habe ich mich an diese Fahrpraxis gehalten, denn es sollte wieder ziemlich warm werden.

Als Ziel wählte ich das tausendjährige Bautzen, ohne jedoch dem Zentrum einen Besuch abzustatten. Ohnehin befand sich die Streckenlänge bei einem Tourbeginn zum Sonnenaufgang angesichts der Wetterprognose bereits im Grenzbereich.

Morgendlicher Blick über Rathewalde bis ins
Osterzgebirge (Aufnahmeort)
Immerhin gelang es mir, die meisten Anstiege hinter mich zu bringen, bevor die Sonne mir richtig einheizte. In Bautzen, das ich kurz nach Zehn erreichte, standen nämlich nach 67 km schon 800 Hm auf der Habenseite. Darunter auch die steilste Rampe des Tags hinauf zum Sattel unter dem Mönchswalder Berg, die zwar nur mit 12% Steigung geführt wurde, kurzzeitig ab sicherlich Spitzen von ca. 18% erreichte (s. Track vom 13.07., km 57,7 - 58,7).

Die Rückfahrt nachhause wurde dann nur noch Fleißarbeit. Beim Zusammenstellen der Strecke hatte ich darauf geachtet, daß in den voraussichtlich wärmsten Stunden der Ausfahrt nur noch relativ flaches Gelände zu bewältigen war. Dadurch gelang es mir, meinen temperaturbedingten Leistungsabfall - zur eigenen Wärmeregulation steht mir aufgrund der Querschnittlähmung nur der halbe Körper zur Verfügung - einigermaßen zu kompensieren. Natürlich machte mir die Hitze trotzdem zu schaffen. Glücklicherweise bildeten sich nun aber auch am Himmel größere Wolken, die mir Schatten spendeten und daher gerade bei den wenigen noch verbleibenden Anstiegen hochwillkommen waren.

Während der letzten Abfahrt nach Pirna setzte ich schließlich zum Endspurt an, der kühlende Fahrtwind machte es möglich. (Erfroren, wie es der Kameltreiber in der Wüste bei seinem Tier vermutete, bin ich jedoch  nicht.) Damit unterbot ich die geplante Ankunftszeit um 15.00 Uhr nochmals deutlich.

Zwanzig Minuten weniger Hitzestreß.

12. Juli 2026

Zweimal einhundert ...

... ergeben auch Zweihundert! Ursprünglich war meine gestrige Tour aber ganz anders geplant, denn da wollte ich ins Böhmische weit nach Osten.

Zu diesem Zweck startete ich von Pirna erneut in der Nacht punkt 2.00 Uhr. Hauptgrund dafür war nicht die kalkulierte Streckenlänge, sondern hauptsächlich die angenehme Witterung im Dunkeln. Temperaturen zwischen 14 - 18°C sind eben für mich optimal. Außerdem fuhr ich stundenlang, ohne einer Menschenseele zu begegnen - kein Wunder! Bis zum Grenzübertritt am Eulenthor oberhalb von Rosenthal zählte ich insgesamt nur fünf Fahrzeuge.

Tetschen (Děčín) erreichte ich noch lange vor dem Sonnenaufgang, und auch der folgende Anstieg aus der Stadt lag schon fast hinter mir, als mich die ersten Strahlen erreichten. Im Licht der Sonne offenbarte sich allerdings eine unangenehme Überraschung: meinem Vorderreifen hatte wohl die vorangegangene schnelle Abfahrt ins Elbtal den Rest gegeben. An einer Stelle der Lauffläche war nun die letzte Gummiauflage weggerieben und die Karkasse des Mantels lag blank.

Mit diesem schadhaften Reifen an meiner Planung weiter festzuhalten, wäre beinahe suizidal gewesen. Vielmehr ging es nun zunächst darum, ohne Zwischenfälle nachhause zu gelangen. Gerade als ich mich darüber freute, daß dabei alles bisher reibungslos lief, ereilte mich das Schicksal in Form einer Reifenpanne: Auf der Abfahrt hinunter ins Elbtal nach Herrnskretschen (Hřensko) holperte ich in voller Fahrt über einen Stein auf der Fahrbahn. Kurz danach sah man mich beim Schlauchwechsel am Straßenrand. Da war es 6.30 Uhr.

Daß ich danach erst recht wie auf rohen Eiern weitergefahren bin, kann sich jeder vorstellen. Einen weiteren Ersatzschlauch hatte ich nämlich nicht, mußte aber immer noch den verschlissenen Reifen nutzen. 

Meine Wohnung erreichte ich schließlich Punkt Neun, wo ich sogleich den Vorderreifen tauschte. Weil das Wetter aber immer noch nahezu perfekt meinen Ansprüchen genügte, setzte ich mich 11.00 Uhr ein zweites Mal auf den Bock. Alles andere hätte ich nicht vor mir verantworten können. Immerhin fahre ich freitags ja auch immer erst mittags nach Feierabend los und schaffe im Sommer trotzdem 100 km. Ohne mir vorher eine Strecke überlegt zu haben, begann ich deshalb den zweiten Teil meines Tourentags. Auf der ersten Runde waren knapp 88 km zusammengekommen, für den an diesem Tag geplanten 200er hätte ich also noch ca. 113 km benötigt. Doch daran dachte ich anfangs gar nicht.

Aber es lief wieder richtig rund, weshalb ich bereits auf meiner Fahrt durch das nördliche Umland von Dresden dann den Entschluß faßte, die Langstrecke wenigstens zu versuchen. Ausreichend Zeit bei Tageslicht blieb mir jedenfalls. Trotz des meist moderaten Tourenprofils addierten sich dabei erneut die Höhenmeter, sodaß ich auf diesen 113 km überraschenderweise tatsächlich noch einmal eine vierstellige Summe erreichte.

Sommeridyll nahe Possendorf, in Bildmitte die Klinik
Bavaria in Kreischa, am Horizont etwas links darüber
der Hohe Schneeberg (Děčínský Sněžník) in 32 km
Entfernung ( Aufnahmeort)
Schließlich blieb mir nach dem "Ende der Hauptschwierigkeiten" sogar genügenden Zeit für einen Kurzbesuch bei meiner Sportfreundin Christiane und ihrer Familie, die mir am frühen Abend zum Kaffeetrinken Saft und frisch gebackenen Kuchen spendierte. Da freute ich mich bereits darüber, daß ich den fünften Langen Kanten des Jahres abrechnen konnte, obwohl sich diesmal die Vorzeichen dafür alles andere als günstig erwiesen. Es war ein Sieg des Willens.

Noch auf meiner Testrunde mit dem Handbike zum Feierabend am Freitag hatte ich ebenfalls arge Bedenken, ob die für das Wochenende geplante Langstrecke hinsichtlich meiner aktuellen physischen Belastbarkeit und Kraftausdauer überhaupt realistisch sei. An diesem Tag fühlte ich mich überhaupt nicht fit, auch wenn das dabei erreichte Durchschnittstempo etwas anderes aussagen mag. Letztlich bedeutet dies nur, daß ich auch bei suboptimaler körperlicher Verfassung ausreichend leidensfähig bin, um die gewünschten statistischen Vorgaben  zu erfüllen. Die Kürze der absolvierte Strecke hing übrigens ausschließlich damit zusammen, daß ich mir für das Wochenendprojekt noch ausreichend Kraft- und Energiereserven bewahren wollte.

Wie ich im Nachhinein feststellte, verursachten meine freitäglichen Leistungsdefizite aber offenbar vor allem die für mich hohen Außentemperaturen zwischen 25 und 29°C. Auf dem Langen Kanten keine zwölf Stunden später war hingegen von solchen Einschränkungen überhaupt nichts mehr zu spüren.

Und das lag ganz sicher nicht nur an der Motivation.

6. Juli 2026

Langer Nachmittag

Den Sonntag hatte ich gestern bereits für sportliche Aktivitäten abgeschrieben. Nach dem Verfassen meines Berichts über die vorangegangenen zwei Touren, einer "Freßorgie" und ein wenig Müßiggang gönnte ich mir deshalb über den Mittag ein kurzes Schläfchen. Als ich danach jedoch aufwachte, sah es draußen nach dem regnerischen Vormittag gar nicht mehr so schlecht aus.

Kurzentschlossen überwand ich also mein Trägheitsmoment, packte meine sieben Sachen und setzte mich auf's Radl. Da war es 14.25 Uhr. Normalerweise fahre ich um diese Zeit nicht mehr los, will ich doch nicht nur irgendwelche Kurzstrecken sammeln. Aber kurz nach der Sommersonnenwende ist es eben auch lange hell - und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, nahm ich außerdem meine Beleuchtung mit.

Auf der ersten Runde südlich des Elbtals testete ich zunächst ziemlich spontan eine kurze Streckenvariante in Struppen. Die Ortsdurchfahrt ist derzeit gesperrt, nach den ersten Metern der Straßenbaustelle gibt es auch mit dem Rad kein Weiterkommen mehr. Rechts ausbiegend läßt sich dieser Abschnitt jedoch ohne die Umleitung über den steilen Kirchberg passieren, wobei es auf den ersten Metern aus dem Dorf aber ebenfalls kräftig bergauf geht (s. Track vom 05.07., km 6,8 - 8,5).

Kurz nach Struppen Siedlung kreuzten dann Regenwolken meinen Weg, die ich geschützt unterm Blätterdach vorbeiziehen ließ. Den kräftigsten Schauer gab es in Markersbach, doch auch diesen überstand ich trocken, weil ich mich rechtzeitig in das Buswartehäuschen gerettet hatte. Am lästigsten waren die nun klitschnassen Straßen, weil ich deswegen die schöne, schnelle Abfahrt nach Bad Gottleuba aufgrund des Spritzwassers nur gebremst hinabrollen konnte. Erst am Ortseingang von Pirna waren die Straßen so weit abgetrocknet, daß ich wieder voll drücken konnte.

Meine daran anschließende rechtselbische Runde wurde letztlich viel länger als geplant. Denn nachdem ich die Gegenwindpassage bis kurz vor das Dresdner Blaue Wunder gut überstanden hatte und auch der lange Anstieg über die Grundstraße hinter mir lag, war es erst kurz vor Sieben. Die zweieinhalb Stunden bis zum Sonnenuntergang boten also noch reichlich Gelegenheit zum Kilometerfressen in größtenteils flachem Gelände. Eckpunkte dafür bildeten Radeberg sowie Rennersdorf-Neudörfel.

In Helmsdorf traf ich einen meiner Strava-Sportfreunde, willkommener Zwischenstop für einen abendlichen Schwatz unter Gleichgesinnten. Ich freue mich immer, wenn ich unterwegs Bekannte treffe. Inzwischen fahren allerdings auch immer mehr Rennradler grußlos an mir vorbei - es ist ihre Sache. Manche Leute sind eben viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um andere wahrzunehmen. Dabei bilden Frauen übrigens keine Ausnahme.

Ich schaffte es sogar noch bis nachhause, bevor die Sonne hinterm Horizont verschwand. Gesehen habe ich sie den ganzen Nachmittag aber sowieso nicht.