3. August 2026

Das Salz in der Suppe

Ich habe es mir getraut, trotz der hohen Temperaturen einen der anspruchsvollsten Anstiege im österreichischen Alpenraum anzugehen. Die Tour auf den 2120 m hohen Großen Speikkogel. Allerdings startete ich noch einmal fast eine Stunde früher als bei meiner letzten Unternehmung. Denn bevor die Kletterei richtig begann, waren erstmal rund fündundzwanzig flache Kilometer für die Anfahrt im Lavanttal zu absolvieren. Zum Warmfahren eignete sich die Strecke jedenfalls gut, und zu dieser Tageszeit konnte ich zum schnellen Vorankommen auch die großen Straßen nutzen. Den Laventradweg hob ich mir lieber für die Rückfahrt auf. Erneut begleitet mich der Mond - er strahlte immer noch hell genug, sodaß ich teilweise sogar ohne Licht fahren konnte.

Kurz vor Fünf eröffnete ich den Kampf um den Berg. Er gewährte mir keine Gnade, sondern empfing mich sofort mit langen, steilen Passagen. Aber ich kam gut durch! Dennoch schaute ich mich schon nach Möglichkeiten zum Nachtanken meiner Flüssigkeitsvorräte um. Etwa in halber Höhe sah es diesbezüglich ganz gut aus, doch floß kein Wasser aus dem Brunnen. Dafür betrat die Straße gerade ein Mann, der mit Hund zu seinen Morgenspaziergang aufbrach. Den bat ich um Nachschub. Er füllte nicht nur meine Trinkflasche, sondern brachte mir sogar noch eine weitere Flasche Mineralwasser. Wir kamen ins Gespräch, und bevor ich schließlich weiterfuhr, lud mich Peter ein, doch noch mal auf dem Rückweg bei ihm anzuhalten.

Über diese Begegnung freute ich mich sehr. Zusätzlich motiviert, verweilte ich während des Anstiegs gedanklich noch lange bei diesem unerwarteten Treffen. Das sind diese besonderen Erlebnisse, welche meine Reisen oftmals bereichern!

Mit zunehmender Höhe und bei anhaltender Steilheit mußte ich nun öfters mal kurze Verschnaufpausen einlegen. Glücklicherweise war ich aber bereits so weit oben, daß mich die Hitze, welche sich inzwischen allmählich ausbreitete, nicht mehr erreichte. Das härteste Stück erwartete mich schließlich nach dem Ende der öffentlichen Straße am Skizentrum Koralpe. Ein schmales, asphaltiertes Band zog auf den letzten vier Kilometer steil gen Himmel. Die tiefen Kratzspuren der Pistenfahrzeuge auf dem Belag machten unmißverständlich klar, für wen diese Zufahrt eigentlich gedacht war. 480 Hm auf 4,2 km. Ich änderte deshalb meinen Klettermodus und arbeite mich nun nur noch meterweise aufwärts. Es zählte nicht das Tempo oder flüssiges Vorankommen, nein, das Erreichen des Gipfels hatte höchste Priorität.

Panorama vom Großen Speikkogel nach Südwesten, rechts eine der beiden Kuppeln der Goldhaube
(Aufnahmeort)
Willkommene Abwechslung und zusätzlichen Grund für eine Pause boten mir dabei teils längere Gespräche mit Einheimischen über meinen Sport, Freunde, die durch Unfälle in den Rollstuhl gelangt waren und sich ebenfalls wieder hochgerappelt hatten, über das Land und die ganz besonderen alpinen Bedingungen am Gipfel. Ich habe selten unterwegs so viele offene, freundliche und interessierte Menschen getroffen, wie an diesem Tag ... Die Schlußetappe zum höchsten Punkt der Tour lag erst nach 2,5 Stunden hinter mir. Aber neben all der Schinderei erfreuten mich auch diese herrliche Landschaft und die beinahe atemberaubenden Tiefblicke, welche trotz des Dunstes eindrucksvoll blieben. Ganz in der Ferne grüßten wahrscheinlich auch schon die slowenischen Kalkalpen.

Peter, Regina und Sunny
Auf der Abfahrt mußte meine hydraulische Scheibenbremse und die Bremsscheibe dann Schwerstarbeit leisten. Mehrmals befürchtete ich, daß Bremsölverlust drohte - dabei war das zeitweise größere Spiel des Bremshebels vermutlich durch die entstehende Reibungshitze bedingt. Es korrigierte sich jedenfalls alles wieder von selbst. Nach knapp 20 Minuten kam ich vor Peters Haus zum stehen. Ich rief, und Peter und seine Lebensgefährtin Regina sowie ihr Hund Sunny begrüßten mich mit einem extrem leckeren Kaffee - ganz so, wie ich ihn mag. In der Werkstatt (ein anderer Ort war in meinem Handbike nicht zugänglich) saßen wir dann fast eine Stunde gemütlich beisammen. Es gab viel zu erzählen, denn die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Diese Momente, bei denen ich ganz unmittelbar Kontakt zu den Menschen vorort erhalte, um an ihrem Leben teilzunehmen, sind für mich jedesmal eine enorme Bereicherung. Ich glaube, genau das ist auch ein Privileg des Alleinreisenden. Vor meiner Weiterfahrt tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus.

Über den Lavantradweg, den ich für die Heimfahrt nutzte, gibt es schließlich nur wenig zu berichten. Durchgängig asphaltiert, gut ausgeschildert und bis kurz vor dem Ende in Lavamünd durchgängig ohne Anstiege, hielt er genau das, was ich mir von ihm versprochen hatte: ein entspanntes Rollen auf den letzten Kilometern, bei dem sich auch die erneut bis 33°C hohen Temperaturen ertragen ließen. Um drei war alles vorbei.

Diese vermeintlich vergessene Grenzregion von Kärnten ist für mich bereits jetzt DIE (positive) Überraschung meines diesjährigen Sommerurlaubs in den Alpen. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt, und der Hauptgrund dafür waren die Menschen, denen ich begegnet bin.

Auf dem Campingplatz und unterwegs auf meinen Touren.

1. August 2026

Nächtlicher Überfall

Mein neues Quartier ist perfekt! Das liegt nicht nur an der nahezu vorbildlichen barrierefreien Sanitärausstattung der Einrichtung, dem meist schattigen Plätzchen unter einem Baum für mein Wohnmobil-Auto sowie einem passenden Unterstand zum Abstellen meines Handbikes, sondern auch an der überaus engagierten Betreiberin. Einen solchen Einsatz für Gäste wie mich habe ich in dem knappen Vierteljahrhundert meiner Alpenfahrten bisher nur ein-, zweimal erlebt.

Das einzige, was mich hier ausbremst, ist die gegenwärtige Hitze. Bis 35°C ist es schon geworden, da freut man sich über jeden Schatten. Für meine in diesem Gebiet geplanten Aktivitäten im Handbike ist das natürlich absolut kontraproduktiv. Zunächst stellte ich daher die Reihenfolge meiner Unternehmungen um und nahm mir die "leichtere" Tour vor. Außerdem fuhr ich dann gestern bereits in der späten Nacht um 3.40 Uhr bei noch angenehmen 19°C los.

Erstes Tagesziel war der Übergang Soboth an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der befindet sich zwar nur in 1347 m Meereshöhe, die Westauffahrt von Lavamünd überwindet dabei jedoch lt. Quaeldich.de auf 11,9 km immerhin 1014 Hm. Das ist ziemlich steil. Anders als beim vorangegangenen Schlußanstieg hinauf zum Sölkpaß, gab es hier aber immer mal wieder flachere Stücken, auf denen ich mich erholen konnte. Ein halbes Prozent Steigung weniger macht da schon viel aus - wahrscheinlich vor allem mental. (Man sieht, daß sich die Straße abflacht und "schöpft neuen Mut".)

Aus Lavamünd grüßen die Lichter zu mir herauf
(Aufnahmeort)
Im Dunkeln war ich bei Noch-fast-Vollmond lange Zeit ganz allein auf der Straße - solche Verrückten sind eben sehr selten. Fast genau um Sieben erreichte ich endlich den wenig spektakulären höchsten Punkt in einer Rechtskurve mitten im Wald und ohne Paßschild. Der frühe Start hatte sich bereits jetzt ausgezahlt. Um diese Zeit und in ausgesprochen guter körperlichen Verfassung konnte ich meine alternative Notlösung einer nur 27 km langen Rundtour beiseite legen. Über den Radlpaß steuerte ich nun also das Drautal bei Radlje ob Dravi an, von wo ich schließlich am Fluß entlang zum Ausgangspunkt zurückkehren wollte.

Die Fahrt durch schier endlosen Wald auf breiter, doch verkehrsarmer Straße verlief sehr entspannt und bot immer mal wieder schöne Ausblicke auf die nur spärlich besiedelte Gegend. Erst der zweite Teil der Auffahrt zum Radlpaß, bei der insgesamt noch einmal etwa 290 Hm überwunden werden mußten, erforderte erneut vollen Einsatz. Diesmal legte ich in den steilen Schlußserpentinen mehrere kurze Zwischenstops ein, denn mittlerweile stieg der Temperatur deutlich. 9.30 Uhr kam ich oben an. Dort befand sich auch der Grenzübergang zu Slowenien. Ich bin noch nie zuvor in meinem Leben in diesem Land gewesen, nun zum ersten Mal gleich mit dem Radl über den gleichnamigen Paß.

Auf der Abfahrt ins Tal kühlte noch der Fahrtwind, bevor mich an der Drau die erwartete brütende Hitze empfing. Statt der ursprünglich vorgesehenen Strecke auf der Hauptverkehrsstraße wich ich auf den Drauradweg aus, weil dieser auf der anderen Flußseite im Schatten (fast) ganz ohne Kraftverkehr bis Dravograd verlief. Mit einer entspannten Heimfahrt auf flacher Strecke wurde es jedoch nichts. Nervte ab Trbonje anfangs die ansteigende, über 1,2 Kilometer nur geschotterte Straße, sammelte ich hierbei zudem rund 120 zusätzliche Höhenmeter.

Auf den letzten 10 km bei oftmals voller Sonneneinstrahlung nördlich der Drau zurück zum Campingplatz verbrauchte ich zum Schluß alle Flüssigkeitsvorräte, welche ich mit mir führte und selbst bei den anstrengenden Anstiegen nicht benötigt hatte. Aber da konnte ich aufgrund des absehbaren Tourendes aus dem Vollen schöpfen.

Kurz vor 13.00 Uhr hatte ich's geschafft.

30. Juli 2026

Überraschungsaktion

Als Gast des Olachgut Camping hatte ich die sogenannte Gästecard Murau zusammen mit einer Broschüre der damit verbundenen Angebote bekommen. Beim Durchblättern des Heftchens stach mir förmlich die Möglichkeit der Nutzung der Kreischberg 10er Gondelbahn ins Auge, welche auch für Rollifahrer problemlos nutzbar sein sollte. Die Kennzeichnung als "inklusive" bedeutete in diesem Fall, daß jeder Inhaber der Gästecard kostenlos einmal mit der Seilbahn hinauf- und hinunterfahren konnte.

Das mußte ich testen! Vor dem Transfer zum nächsten Übernachtungsort blieb überdies reichlich Zeit für eine solche Extrawurst. 9.00 Uhr startete der Betrieb, 8.30 Uhr war ich vorort, da die Seilbahn in St. Georgen am Kreischberg nur ca. 6 km vom Olachgut  entfernt lag. Die Zeit bis dahin vertrieb ich mir im integrierten Intersport-Geschäft. Nach dem Ausflug erstand ich dort für ebenfalls unschlagbare 31,-EUR ein neues Radtrikot. Ein schönes Andenken.

Blick aus der Gondel hinab ins Murtal in Richtung
Murau (Aufnahmeort)
Das Einlösen des Angebots funktionierte danach genauso reibungslos, wie der Zugang zu den Gebäuden und zur Kabine wirklich barrierefrei war. (Überdies gab es dort natürlich auch ein Rolli-WC.) Es war DAS Erlebnis des Tages! Ich genoß die 16 min dauernde Fahrt nach oben in vollen Zügen. Solch eine Aktion hatte ich bisher nur in Südtirol in Bozen (auf den Ritten) sowie in Saltaus im Passeiertal (Hirzer-Seilbahn) erlebt. Von 865 m über die Mittelstation in 1441 m bis auf 1771 m Seehöhe. Grandios! Da gab es eine Extraausschüttung Glückshormone.

Oben drehte ich zwar nur eine kleine Runde um die Bergstation, doch der Höhepunkt war ja sowieso die Berg- und Talfahrt mit der Bahn, bei der ich eine Gondel ganz für mich allein hatte. Euphorisiert kehrte ich nach rund einer Stunde ins Tal zurück. Zuerst die wirklich fairen Übernachtungspreise des Camping Olachgut, und nun diese komplett ungeplante Aktion. Der Tag fing gut an! Mit einer schönen Erinnerung stieg ich schließlich 11.15 Uhr ins Auto, um zum Camping Laquamünd kurz vor Lavamünd zu fahren. Von hier aus soll es dann wieder im Handbike auf Pässejagd gehen.

Ich hoffe, die Hitze macht mir dabei keinen Strich durch die Rechnung ...

29. Juli 2026

Technischer KO

Nach einem Tag Langeweile - ich hatte den Transfer zum Camping Olachgut nahe Murau schon vormittags erledigt - bin ich heute bereits kurz vor dem Sonnenaufgang losgefahren. Mein Tagesziel war der Sölkpaß, lt. Quaeldich.de ein dreigeteilter Anstieg mit zwei anspruchsvollen Rampen zu Beginn und am Ende.

Nicht nur am Reschenpaß gibt es einen  Kirchturm
im See - auch Rottenmann verweist auf einen solchen
Doch dieser ist nur die Illustration einer Sage.
(Aufnahmeort)

Ich hatte das für mich perfekkte Zeitfenster erwischt. Nach der Anfahrt bis Schöder blieb es auf dem ersten Teil der Auffahrt trotz Sonne immer noch erfreulich angenehm. Später tauchte ich so tief in das Katschtal ein, daß die Sonne noch nicht über den Berg gestiegen war. Auch der steile Schlußanstieg mit der Kehrenfolge mittendrin lag noch im Schatten. Allerdings gab es auf diesem Abschnitt nicht ein Flachstück, nur in den Wendekurven konnte ich mal durchatmen. Trotzdem hielt ich eisern durch, immer in der Hoffnung auf ein paar weniger steile Meter.

Als ich dann endlich nach einer Biegung das Ende der Schinderei erkennen konnte und ich darüber hinaus inzwischen auf dem letzten Loch pfiff, hielt ich zum ersten Mal auf dem gesamten Anstieg für eine Ruhepause an. Ich konnte wirklich nicht mehr, und der Kopf revoltierte bereits seit längerem gegen die pausenlose Bewegung im Schneckentempo. Damit hatte ich verloren. Obwohl ich eine längere Pause einlegte, ging es danach nicht mit frischer Kraft weiter. Vielmehr quälte ich mich nun die letzten 500 m stückweise mit ungezählten Zwangsstops zum Ziel, denn ich konnte nichts mehr hinzusetzen - weder mental noch physisch. So sehr am Ende war ich lange nicht mehr. Diese Rampe hat mir sehr deutlich meine Grenzen aufgezeigt. Bis zu jenem KO hätte ich Bäume ausreißen können ...

Über den Rest der Tour ist schnell berichtet. Nach der langen Abfahrt bis Schöder fuhr ich nicht den gleichen Weg wieder zurück, sondern folgte dem Tal weiter ins bis zu dessen Mündung in Katsch an der Mur. Der daran anschließende Abschnitt des Murradwegs hielt noch ein paar kurze unangenehme Anstiege bereit, in meinem körperlich angeschlagenem Zustand (wozu auch die nun immer größere Hitze beitrug) nicht unbedingt willkommen.

Ungefähr halb Zwei kam ich endlich am Campingplatz an. Die Steilrampen und auch die Hitze waren ein Vorgeschmack auf das, was mich nun erwarten könnte. Deshalb weiß ich tatsächlich noch nicht, welche Tour ich als nächste fahre.

Nur eines steht fest: Immer ohne Motor!

PS: Heute berichtete ein Bekannter aus Bayern ganz stolz auf WhatsApp, er hätte im Handbike gemeinsam mit seinen Sportfreunden ohne Handicap auf der Route des Grandes Alpes 698 km und 18.700 Hm bewältigt. Dabei fährt er ein E-Handbike (von mir Mohabi genannt). - Wer einerseits verkündet, daß er für Handbikes ohne Elektromotor zu alt ist und sich aber andererseits mit solchen Unternehmungen brüstet, die nach meinem Verständnis nicht einmal ansatzweise eine sportliche Leistung darstellen, für den ist kein Platz (mehr) auf meiner Liste. Ich habe den Kontakt umgehend gelöscht.

27. Juli 2026

Wegbereiter

Morgen werde ich mein Basislager wechseln und dabei über jenen Paß fahren, den ich heute im Handbike bezwungen habe. Die Tour zum Radstädter Tauernpaß war meine zweite Aktion in diesem Sommerurlaub, nachdem ich gestern wegen Regen pausieren mußte.

Bereits ein Tag ohne körperliche Aktivitäten reichte aus, um gut ausgeruht relativ zeitig zu starten. Außerdem sollte das Wetter gegen Mittag schlechter werden, bedeckt mit hoher Luftfeuchte war es ja schon. Doch mit 55 km Streckenlänge standen die Chancen gut, es vor dem angekündigten Regen zu schaffen, zumal die Beschreibung des Anstiegs auf Quaeldich.de wesentlich geringere Anforderungen als bei meiner Tour unter die Dachstein Südwand erwarten ließ.

Am Beginn der Schlucht (Aufnahmeort)
Trotzdem war die Strecke nicht zu unterschätzen, wie ich an der ersten Steilrampe feststellte. Die führte geradewegs in eine tiefe Schlucht, deren Anfang besonders pittoresk war. Im Bild kommt das leider nicht so deutlich zur Geltung, doch fühlte ich mich an diverse Paßstraßen in Frankreich erinnert. Dort war es freilich wesentlich wärmer.

Abgesehen von der meist dicken Wolkendecke, kam mir die Temperatur unter 20°C aber sehr gelegen, deshalb machte sich die Feuchtigkeit auch nicht so schweißtreibend bemerkbar. Bis auf zwei Pinkelpausen konnte ich durchfahren und schon kurz nach Zehn erreichte ich den wenig eindrucksvollen Scheitelpunkt im oberen Teil des Touristenortes Obertauern. Der wiederum animierte mich überhaupt nicht zum längeren Verbleib, er ist halt einer dieser typischen Wintersportziele für jedermann.

Weil sich inzwischen Niederschlagsgebiete dem Ennstal (in welchem Altenmarkt liegt) bedrohlich näherten, begab ich mich nun schleunigst in die Abfahrt - leider auf dem gleichen Weg wie bergauf. Wofür ich im Aufstieg rund 3 Stunden benötigt hatte, war abwärts in einer dreiviertel Stunde Geschichte. Kurz vor Zwölf trudelte ich schließlich am Camping ein.

Der halbe Tag lag noch vor mir. Der Regen blieb nicht nur aus, sondern es setzte sich sogar die Sonne immer mehr gegen die Wolken durch. Eigentlich hätte ich also einen zusätzlichen Abstecher zum Zauchensee unternehmen können, mit rund 12 km pro Strecke und weiteren 500 Hm wäre ich dabei gewesen. Das aber war mir zuviel, will ich doch nicht gleich am Anfang meines Urlaubs mein ganzes Pulver verschießen.

Es warten noch größere Herausforderungen!

26. Juli 2026

Anspruchsvoller Einstieg

Es ist wieder losgegangen: meine beinahe alljährliche Pässejagd in den Alpen. Noch am Freitag habe ich nachmittags mein erstes Basislager aufgeschlagen, nachdem ich zuhause unerwartet schnell mit den Reisevorbereitungen fertig war.

Dazu gehörte natürlich auch die Recherche zu geeigneten Campingplätzen, die zumindest über eine (lt. Eigenaussage) barrierefreie Sanitäreinrichtung verfügen. Vorort erweist sich diese dann nur sehr selten als perfekt, meist komme ich aber auch bei suboptimalen Bedingungen mit Abstrichen noch ganz gut klar. Auch beim Camping Passrucker in Altenmarkt am Pongau gibt es diesbezüglich Luft nach oben, doch dafür sind die Leute ganz nett und machen vieles möglich, was anderswo nicht machbar wäre.

Üblicherweise beginne ich meine Alpentouren mit dem Handbike verhalten, um mich erstmal zu akklimatisieren. Hierbei geht es nicht nur um Höhenanpassung - ich wohne ja in Pirna auf nur 120 m ü. NHN. Auch eine andere Fahrstrategie ist im Hochgebirge nötig, denn große Höhendifferenzen und überhaupt ein ganz anderes Verhältnis von Strecke zu (bewältigten) Höhenmetern erfordern eine ganz andere mentale und körperliche Herangehensweise an solche Unternehmungen. Ausdauer ist wichtiger als Schnelligkeit. 

Gestern allerdings gab es keine Schonung. Das war nicht einmal von mir beabsichtigt, ich hatte bei der Planung einfach nur die Herausforderung unterschätzt. Bereits die Auffahrt von Pichl nach Ramsau am Dachstein überraschte mich mit durchgängiger Steilheit bis zu den ersten Häusern von Vorberg. Kein Wunder! Wie ich später bei Quaeldich.de feststelle, war das nämlich der anspruchsvollste Weg in den beliebten Urlaubsort.

Nach kurzer Erholung folgten dann auf der Dachsteinstraße die nächsten Steilrampen bis etwa 14% Steigung. Im unteren Teil gab es dabei mehr als 2 km lang keine Möglichkeit zum Durchschnaufen ohne Stehenzubleiben. Und das gönnte ich mir nur einmal in einer flachen Kehre, weil die Batterie meines Geschwindigkeitssensors entladen war und ich daher ausschließlich mit Strecken-/Geschwindigkeitsaufzeichnung per GPS fuhr. Sobald ich also angehalten hätte, wären beim Weiterfahren danach wegen meines geringen Tempos keine Werte mehr erfaßt worden.

Am Ziel vor der Türlwandhütte - im Hintergrund
der Dachstein, unten die Talstation, oben die
Bergstation der Seilbahn (Aufnahmeort)
Bevor ich gegen 11.40 Uhr an der Türlwandhütte den höchsten Punkt meiner Tour auf rund 1700 m Seehöhe erreichte, mußte ich noch ein weiteres Mal im Schlußteil des Anstiegs standhaft um jeden Höhenmeter kämpfen. Das war vor allem eine Kopfsache, befand sich das Ziel doch bereits in Reichweite. Die letzten Meter zum "Gipfel" sind oftmals die schwierigsten ...

Oben gönnte ich mir eine lange Ruhepause (das sind bei mir 30 Minuten), schließlich lag nun der anspruchsvollste Teil der Tour hinter mir. Von Pichl aus waren bisher auf knapp 15 km immerhin rund 1000 Hm zusammengekommen. Auf den Rest der Strecke verteilt, gab es dann noch ein paar Aufschwinger, bei denen ich jedesmal in den "Bergmodus" umschalten mußte. Letztendlich blieben diese mit insgesamt 250 Hm für die Gesamtbilanz weitestgehend unerheblich - eine Aussage, die im Flachland wohl für Kopfschütteln sorgen würde.

Kurz vor meiner Ankunft auf dem Zeltplatz nervte mich ziemliches Zickel-Zackel aufgrund geänderter bzw. gesperrter Wege. Das gehörte aber nur zum Abgesang und verdarb mir nicht die Laune. An diesem Tag hatte ich mich trotz der unerwarteten Steilrampen wirklich wacker geschlagen, auch dank optimaler Witterung.

Ein gelungener Auftakt!

20. Juli 2026

Tausendsassa

Vor Urlaubsbeginn habe ich im Juli nun doch noch die 1000 Monatskilometer geschafft. Danach sah es nämlich zunächst gar nicht aus, denn gestern begann der Tag mit langem und kräftigen Regen. Erst nach dem Mittag besserte sich allmählich das Wetter, sodaß ich - eingedenk meines gerade genannten Wunschziels - zu einer Tour im Handbike aufbrach.

Die bekannteste (Alt-)Stadtansicht von Dresden
(Aufnahmeort)
Im für mich perfekten Temperaturbereich kam ich gut voran. Deshalb bog ich nach den ersten drei "Sägezähnen", also relativ kurzen Anstiegen in Folge, dann nach Süden ab und peilte die Bergstadt Dippoldiswalde an. Von dort war die Strecke dann quasi vorgegeben: erst den letzten Anstieg von der Talsperre Malter hinauf nach Paulshain, dann die 25 km lange ununterbrochene Abfahrt in die Landeshauptstadt, von der es zum Schluß ebenfalls weitgehend flach nachhause ging. Mit den rund 120 Hm auf diesem letzten Teilstück erreichte ich wenigstens noch 900 Hm in der Tourenbilanz. Im Rahmen meiner geplanten Alpenpässejagd werde ich das locker wieder aufholen.

Am Sonnabend war ich das erste Mal mit Robert und Lena auf Tour. Ihn hatte ich im vergangenen Jahr bei einer Radveranstaltung in Dresden kennengelernt, und als wir uns vor kurzem zufällig begegneten, regte er eine gemeinsame Ausfahrt an. Um diese auch für seine Freundin attraktiv zu machen, schlug ich zunächst eine landschaftlich schöne, doch moderate Strecke vor. Auch sollte der Start aus Rücksicht auf meine Begleiter nicht zu zeitig am Tag sein.

So kam es, daß ich vor dem vereinbarten Treff am Elbeparkplatz in Pirna noch eine erste Warmfahrrunde fuhr, da wie im Sommer des öfteren die Nacht für mich wieder mal früh um Drei vorbei war. Deshalb konnte ich dann trotz Bummelei auch schon 4.20 Uhr starten. Insgesamt 48 km und über 400 Hm hatte ich bereits absolviert, als 8.00 Uhr die beiden zu mir stießen.

Lena benutzte dabei ein elektrounterstütztes Zweirad, was ich in diesem Fall jedoch tolerierte. (Meine Haltung zu diesem Thema dürfte ja vielen Leute inzwischen bekannt sein.) Denn ganz ohne sportliche Ambitionen, einfach nur, um mit uns gemeinsamen eine schöne Tour zu fahren, kann ich mit solcherart Fortbewegung leben. Bemerkenswert war übrigens für mich, daß sie danach auf dem flachen Elberadweg anfangs ganz ohne Motor fuhr, was aufgrund des Gewichts des Gefährts von rund 30 kg durchaus eine sportliche Herausforderung darstellte. Weshalb sie das gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sie kannte jedoch meine Meinung über Mofafahrer - vielleicht wollte sie ja auf ihre Art mal dagegenhalten ...

Der Streckenabschnitt in der Böhmischen und Hinteren Sächsischen Schweiz wurde natürlich der landschaftliche Höhepunkt unserer Ausfahrt. Leider verläuft ein länger Teil der Radroute durch die beiden Nationalparks auf teils extrem groben Schotter, was die Freude jedesmal trübt. Auf den reichlich 3 km zwischen Lagergrund (Táborový důl) bis zum Touristengrenzübergang Hinterdittersbach (Zadní Jetřichovice) ist der Untergrund richtig häßlich, doch auch die 6 km der Radroute auf deutscher Seite entlang der Kirnitzsch und an der Niederen Schleuse vorbei bis zur öffentlichen Straße läßt sich stückweise nicht sehr angenehm fahren (s. Track vom 18.07., km 95,0 - 104,4). Um einer Reifenpanne vorzubeugen, bin ich hier sehr langsam gefahren, was für dieses Teilstück zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h führte. Übrigens: für solcherart statistische Daten sowie auch zur Planung benutze ich immer die WebApp GPXStudio, in die ich u.a. meine aufgezeichneten Tracks hochladen und über das darunter befindliche Streckenprofil auswerten kann.

Es dauerte anschließend eine ganze Weile, bis ich den verlorenen Boden wieder gutgemacht hatte, doch nach meinem Solosprint auf der Kirnitzschtalstraße wartete ich am Ortseingang von Bad Schandau auf meine Begleiter.

Den letzten Anstieg unserer gemeinsamen Tour von Prossen zum Ortsausgang von Porschdorf (s. Track vom 18.07., km 121,9 - 124,2) kannten Robert und Lena noch nicht, doch ansonsten war ich überrascht, wie viele Strecken in der Region die beiden bereits schon gefahren waren. Eine Überraschungstour ins Unbekannte wurde es für sie entgegen meiner Annahme deshalb nicht.

Knapp vorzeitig trennten sich schließlich in Posta unserer Wege, mit ihrem Einverständnis hängte ich nun zur Kilometersammelei noch einen Abstecher bis nach Pillnitz an meine Tour. Denn wenigstens die 100 Meilen (knapp 161 km) lagen noch im Bereich des Möglichen - und das, obwohl wir auf den vorherigen 90 km mehr und längere Pausen eingelegt hatten, wie sonst bei mir üblich. Nach diesen letzten 25 km erreichte ich ungefähr 18.10 Uhr mein Zuhause, was einer Brutto-Tourenzeit von fast 14 Stunden entsprach.

Bei diesem herrlichen Sommerwetter aber absolut kein Problem!