30. April 2026

Zwei Gesichter

Bei all der Sonne in den vergangenen Tagen konnte ich mir hier im Urlaub gar nicht so richtig schlechtes Wetter vorstellen. Ich bekam Nachhilfe ...

Nachdem es am Ruhetag nach meiner Matschertal-Tour tagsüber bedeckt war und schließlich abends die ersten Niederschläge fielen, wurde die Nacht zum Mittwoch noch nässer. Bis weit in den Vormittag des 29.04. regnete es relativ kräftig. Allerdings schien sich das Regengebiet nach Süden zu verziehen, und kurz vor dem Mittag nieselte es nur noch leicht.

Einen weiteren Tag ohne sportliche Aktivität wollte ich mir aber nicht leisten. Auch hatte ich bereits einen Alternativplan zusammengestellt, der selbst bei suboptimaler Witterung funktionieren sollte. Also fuhr ich los. Leider hörte der leichte Niesel nicht wie erwartet auf, sondern verstärkte sich im Gegenteil noch. Trotzdem blieb ich hartnäckig. Der bedeckte Himmel und etwas kühlere Temperaturen ließen mich wenigstens nicht heißlaufen, außerdem war ich gut erholt nach dem sportfreien Vortag.

Das Dorf in den Wolken (Aufnahmeort)
Den rund 3 km langen Schlußanstieg von der Ofenpaßstraße zum Weiler Craistas absolvierte ich daher ohne Zwischenrast, obwohl sich das schmale, gewundene Sträßchen meist recht steil in den Himmel reckte. Das konnte man beinahe wörtlich nehmen, denn zum Schluß fuhr ich durch Wolken, die sich aufgrund der Feuchtigkeit in dieser Höhe bildeten.

Kurz nach dem Scheitelpunkt wurde es immer ungemütlicher. Ich hatte das Elend auf dem Regenradar schon kommen sehen, wußte deshalb aber auch, daß Warten auf Wetterbesserung sinnlos war. So rollte ich bei einsetzendem Landregen stoisch bergab, umso mehr darauf bedacht, nicht in Hektik zu verfallen. Auf dieser einsamen Straße - unterwegs traf ich nur einmal ein Auto und danach zwei Wanderer - durfte mir nichts Übles (wie z.B. eine Reifenpanne) passieren!

Als ich Sta. Maria im Val Müstair erreichte, atmete ich erstmal auf. Der Hauptstraße folgend, rollte ich danach weiter talwärts - nur eben nicht so schnell, wie eigentlich möglich. Das Fahren im Wasserschleier wäre sonst noch unangenehmer geworden, ich hatte sowie keinen trockenen Faden mehr am Leib und fror. Wahrscheinlich gab ich inzwischen auch ein ziemlich erbarmungswürdiges Bild ab. Der italienische Grenzer winkte mich jedenfalls ohne großes Federlesen durch, als ich mich suchend nach einem Beamten umsah.

Rund eine dreiviertel Stunde mußte ich noch durchhalten, bis ich wieder im Quartier ankam. Die Nachbereitung dauerte dann zwar seine Zeit, weil ich die tropfnassen Sachen sofort wechseln und mich auch um mein Gefährt kümmern mußte. Aber da sah ich wenigstens schon den Silberstreif am Horizont. Am Abend klarte es auf, sogar die Sonne ließ sich noch einmal blicken. Um die Fahrt durch den Regen wäre ich deshalb jedoch nicht herumgekommen.

Heute folgte die Fortsetzung der ersten vier Tourentage: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen über den ganzen Tag. Es erwies sich daher im Nachhinein als die richtige Entscheidung, gestern meinen Ausflug nach Sulden zu verschieben. Nicht nur wegen des Streckenprofils, sondern eben auch aufgrund der grandiosen Ausblicke auf die hohen Berge, welche mir sonst vorenthalten geblieben wären.

Dabei hatte die gestrige Regentour konditionell (und gesundheitlich) überhaupt keine Spuren bei mir hinterlassen. Auch diesmal mußte ich selbst auf den steileren Passagen nicht pausieren, wobei mir die Kühle des Vormittags ebenfalls sehr gelegen kam.

Ankunft in Sulden (Aufnahmeort)
Die Bergwelt rund um Sulden war wirklich sehr eindrucksvoll. Vermutlich war auch der vorangegangene Niederschlag in großer Höhe als Schnee gefallen, sodaß viele Bergflanken in einem beinahe makellosem Weiß erstrahlten. Dieser beeindruckende Talabschluß glich auch vieles aus, was mir sonst solche beliebigen Skiressorts verleitet. Sofern man der Bespaßungs-Infrastruktur nicht zu nahe kam, sah es hier nämlich ganz nett aus. Für eine längere Pause reichte es dennoch nicht, zumal sich allmählich die Körperwärme vom Bergauffahren verflüchtigte.

Ich stürzte mich also bald in die Abfahrt, um wärmere Gefilde zu erreichen. Bevor ich dann im Quartier einrückte, gönnte ich mir eine kleine Abschiedsrunde über Schleis. Rundum zufrieden, nahm ich dieses wunderschöne Land um mich herum mit allen Sinnen auf. Auch wenn ich mich schon auf Zuhause freue - hierher werde ich gern zurückkommen, sobald es an der Zeit ist.

Vielleicht das nächste Mal ja auch wieder in Begleitung.

28. April 2026

M & M

Martelltal und Matschertal, das waren meine Tourenziele der vergangenen beiden Tage. Bzgl. der Witterung hätte ich es nicht besser treffen können. Und auch der Ruhetag am Sonnabend war wirklich wichtig, um meine härteste Tour des Urlaubs erfolgreich meistern zu können.

Zunächst verlor ich bei meiner Fahrt durch das Vinschgau hinab zur Mündung des Martelltals rund 350 hm, die ich am Ende natürlich wieder hinaufklettern mußte. Kurz nach Neun begann die eigentliche Auffahrt, knapp 1400 Hm auf rund 23 km lagen nun vor mir. Prinzipiell könnte man ja meinen, daß die 26 km zum Einfahren gut auf die Anforderungen dieser langen Bergaufstrecke vorbereitet hätten. Andererseits erforderte es eine ganz andere Herangehensweise, sich nun nach dem beinahe mühelosen und schnellen Vorankommen für die lange Schinderei zu motivieren.

Immerhin kamen nach den ersten Serpentinen auch mal Flachstrecken, auf denen ich kräftemäßig etwas herunterregeln konnte. Dabei verzichtete ich lieber auf's Tempomachen, denn ich wußte, daß noch zwei steile Kehrenfolgen vor mir lagen.

Die erste Zickzack-Rampe führt hinauf zur Mauer des Zufritt-Stausees. Auf Quaeldich.de wurde sie als der steilste Abschnitt im Streckenprofil dargestellt. Durch die teils sehr eng aufeinanderfolgenden Kehren versuchte ich es also erst gar nicht, ohne Ruhepause durchzukommen. Auch mußte ich mich wegen des engen Kurvenradius' öfters nochmal zurückrollen lassen, um die Kehre zu bewältigen. Bei niedriger Geschwindigkeit war im steilen Gelände der Wendekreis meines Handbikes einfach zu groß.

Am Beginn des Schlußanstiegs im Martelltal:
Jeder stirbt für sich allein ... (Aufnahmeort)
Nachdem ich mich entlang des (gefühlt) beinahe leeren Stausees etwas entspannt hatte, schockte mich die Ankündigung einer 14%-Steigung. Reichlich 1,5 km fehlten noch bis zum höchsten Ende der Auffahrt, doch dieses Stück brachte mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit. Fast 40 Minuten inkl. zahlloser Verschnaufpausen kostete mich das Martyrium, doch Aufgeben kam für mich so kurz vor dem Ziel überhaupt nicht infrage. Der Endpunkt der Schinderei war schließlich hinter einem Kiosk ganz unspektakulär ein Wendeplatz im Wald. Von dort hätte man auf Schotter zwar noch wenige hundert Meter zu einem kleinen See sowie einem aufgegebenen Hotel weiterfahren können, doch angesichts der fortgeschrittenen Zeit - es war bereits 14.30 Uhr - und dem begrenzten "Mehrwert" entschied ich mich dagegen.

Dafür bin ich dann etwas später auf der Rückfahrt nochmal über die öffentlich zugängliche Krone der Staumauer gefahren, von welcher man einen schönen Blick talwärts hatte. Erfreulicherweise kam ich abwärts auch gut durch die zwei Kehrenabschnitte, d.h. ohne nochmaliges Rangieren. Das war nämlich meine größte Befürchtung - denn auf solch steiler Straße während der Abfahrt (bergauf) zurückzusetzen, ist extrem schwierig bis unmöglich.

Der Rückweg auf dem Radweg im Vinschgau wurde dann nur eine Ausdaueraktion, verglichen mit dem bisher Erlebten, ohne Höhepunkte. Nur die unzähligen Mofafahrer (wahrscheinlich ca. 80 - 90% der Zweiradnutzer) nervten, weil sie auf den geschotterten Abschnitten zwischen Göflan und Laas zusätzlich Staub aufwirbelten. Abends war ich redlich ausgearbeitet, doch hochzufrieden mit mir.

Normalerweise wollte ich am nächsten Tag einen weiteren Ruhetag im Quartier einlegen. Denn nach einer solch anstrengenden Tour konnte am Montagmorgen von vollständiger Regeneration überhaupt nicht die Rede sein. Als ich mir jedoch die Wetterprognose ansah, die für heute viel Regen ankündigte, brach ich schließlich doch zu einer Tour auf. Diese sollte allerdings nur kurz sein, und bei der Vorbereitung des Urlaubs hatte ich für genau solche Fälle schon einen Plan zusammengestellt.

Die Streckenlänge zum höchsten Punkt der Straße durch das Matschertal betrug ab meinem Quartier in Mals nur knapp 16 km, doch war die Tour nicht zu unterschätzen. Ich tat jedenfalls gut daran, zumal die ersten 2,5 km bis kurz nach der ersten Kehre erneut sehr steil waren und mir den letzten Saft aus den Armmuskeln preßten. Auch hier kämpfte ich mich nur Stück um Stück nach oben, allerdings in dem Wissen, daß danach das Schlimmste auf dieser Ausfahrt überstanden ist.

Auch von diesem schönen Aussichtspunkt im
Matschertal war (links) der Ortler zu sehen. -
Nur der stinkende Misthaufen im Vordergrund
trübte etwas den Genuß ... (Aufnahmeort)
Ab dem Dorf Matsch hatte ich das kleine Sträßchen nahezu gänzlich für mich alleine, hierhin verirrten sich zu dieser Zeit nur ganz wenige Touristen. Lediglich am höchsten Punkt auf dem großen Parkplatz bei der Kapelle am Almhotel Glieshof hielt just ein deutsches Auto mit MOL-Kennzeichen, als ich dort gerade meine Mittagspause einlegte. Der Mann und die Frau stiegen aus, die stark geschminkte ältere "Dame" zündete sich eine Zigarette an, dann standen sie ein bissel unschlüssig in der Gegend herum, bevor sie wieder im Auto zurückfuhren. Ich habe sie ignoriert und nichts gesagt, doch dachte ich folgendes: 'Was für ein fades, belangloses Leben müssen doch diese bemitleidenswerten Gestalten führen, daß ihnen nichts besseres einfällt, als einfach nur mit dem Auto in der Gegend herumzufahren ...'

Nach meiner Rückkehr aus dem Tal wäre tatsächlich noch eine Zusatzrunde über Glurns, Latsch und Schleis ohne viele Höhenmeter zur Verbesserung der ziemlich miesen Tourenstatistik möglich gewesen, aber das hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Blick. Stattdessen erreichte ich auf kürzestem Weg bereits dreiviertel Zwei wieder meinen Ausgangspunkt.

So unglücklich war ich darüber trotzdem nicht.

25. April 2026

Ein gastlicher Ort

Um für die nächste Tour gut ausgeruht zu sein, lege ich heute einen Ruhetag ein. Es fällt mir zwar schwer, bei diesem weiterhin herrlichen Wetter die Stunden "ungenutzt" verstreichen zu lassen, doch dafür werde ich morgen hoffentlich topfit für die anspruchsvollste Tour des Urlaubs sein.

Immerhin gibt mir das die Möglichkeit, auch anderen Interessierten meine Unterkunft in Mals vorzustellen. Die FinKa heißt deshalb so, weil das Gebäude früher mal eine FINanzKAserne war. Normalerweise mache ich ja keine solch ausgiebige Werbung (für die ich übrigens keine Gegenleistung erhalte). Aber ich denke, daß es als Rollifahrer sowieso schon schwierig genug ist, geeignete Urlaubsquartiere zu finden.

Außerdem sagen Bilder mehr als tausend Worte. Deshalb habe ich hier sechs Aufnahmen zusammengestellt, auf denen das wichtigste hinreichend detailgenau zu sehen ist. 
  • Ansichten von der FinKa Mals (Standort)
    Rechts vom Haupteingang konnte ich mein Auto parken, und selbst bei größerem Gästeansturm werden die Gastgeber sicher versuchen, für Rollifahrer einen geeigneten Parkplatz auf dem Gelände bereitzustellen. (Links vom Gebäude im Hintergrund befindet sich die Fahrradgarage.) 
  • Die Fahrradgarage ist mit einem elektrischen Rolltor (gerade offen) ausgestattet, welches ganz unkompliziert mit der Schlüsselkarte bedient wird. Der Sensor dafür ist sogar aus dem Handbike heraus gut erreichbar. Außerdem verschließt sich das Tor erst nach erneuter Aktivierung des Sensors, also nicht per Zeitschaltung. Ich glaube, extra sichern muß man sein Gefährt dort nicht.
  • Die Terrasse gehört zwar nicht zum Zimmer, sondern ist unmittelbar daneben über den öffentlichen Gang erreichbar. Der Blick auf die Berge ist aber wirklich schön!
  • In den zwei barrierefreien Zimmern selbst befinden sich vier Betten, jeweils nur eines davon ist tatsächlich nicht für Rollifahrer nutzbar. Das Zimmer ist sehr geräumig.
  • Die Duschkabine verfügt über einen Klappsitz, der Zugang in das Geviert ist wegen der faltbaren Glasseitenwände jedoch ein bißchen trickreich. Ich habe mir für's Duschen darüberhinaus einen Campingstuhl bereitstellen lassen, weil ich so stabiler sitze. Meinem Wunsch wurde völlig unproblematisch entsprochen.
Das im Übernachtungspreis enthaltene Frühstück ist zwar vergleichsweise einfach und ohne große Abwechslung - aber letztlich befindet man sich hier ja nicht in einem Hotel. Und natürlich kann man essen und trinken, soviel man möchte, denn es gibt ein Selbstbedienungsbuffet. Die überaus freundliche Servicemitarbeiterin (eine ukrainische Geflüchtete) ist sehr hilfsbereit und bringt auf Wunsch Essen und Getränke an den Tisch.

Achja, und nicht ganz unerheblich: die WLAN-Verbindung ist ausgezeichnet! 😀

Wenn dann noch das Wetter paßt, sind alle Voraussetzungen für einen perfekten Urlaub gegeben. - So, wie gerade jetzt!

24. April 2026

Kaiser-Jagdwetter

Zwei Alpenpässejagd-Touren liegen nun schon hinter mir, Zeit für einen ersten Bericht!

Wie beabsichtigt, erreichte ich mein Basislager Mals im Obervinschgau nachmittags am vergangenen Mittwoch. Untergekommen bin ich in der FinKa, einem Hostel, welches nicht nur über ein barrierefreies Zimmer verfügt, sondern wo wirklich faire Preise für die Übernachtung mit Frühstück berechnet werden. Bereits bei der Buchung hatte ich ein gutes Gefühl, und das bestätigte sich dann vorort vollumfänglich. Interessant ist es übrigens zu wissen, daß es quasi die Garantie gibt, nicht noch einen (unbekannten) Zimmergast in das Vierbett-Zimmer einquartiert zu bekommen. Wenn ich hingegen in Begleitung gekommen wäre, hätten wir sogar pro Person noch etwas weniger bezahlt.

Als Akklimatisationstour hatte ich mir gleich am nächsten Tag die Vinschgauer Höhenstraße vorgenommen. Denn was Streckenlänge und erreichte Höhe des Scheitelpunkts betraf, schien sie mir am geeignetsten. Außerdem bewegten sich lt. der Informationen auf Quaeldich.de die Steigungsprozente bis auf die ersten Kilometer nach Beginn in Schluderns in einem moderaten Bereich. Daß es eine großartige Aussicht von dort oben geben würde, war sowieso klar.

Der Tag startete mit Sonne satt, vielleicht fühlten sich deshalb auch die niedrigen Temperaturen von ca. 4-5°C auch nicht so kalt an. Nach knapp fünf Kilometern begann der Anstieg. Bei diesem Wetter machte das Bergefahren einfach nur Laune. Zwar mußte ich anfangs zwei-, dreimal an den Steilstücken durchschnaufen, doch motivierte mich an einem Teilstück die bis auf die Straße reichende Wasserfontänen der Bewässerungsanlagen, dort möglichst ohne Pause hochzukommen. Sehr naß bin ich dabei jedenfalls nicht geworden - angesichts der Wärmeentwicklung beim Klettern war das sogar eher angenehm. Noch vor dem Mittag lag in Schlanders die eigentliche Höhenstraße hinter mir.

Für den Rückweg hatte ich mir den Vinschgau-Radweg ausgesucht. Leider wich kurz hinter Göflan für etliche Kilometer der Asphalt einer Schotterpiste, wahrscheinlich aus Naturschutzgründen (s. Track vom 23.04., km 27,0 - 31,4). Denn kurze, steile Aufschwinger hatte man zur Verbesserung der Bodenhaftung perfekt asphaltiert. Erst am Ortseingang von Laas gab es wieder Asphalt. Als noch unangenehmer bleibt mir aber der grobe Schotter auf einigen hundert Metern hinter Prad in Erinnerung (s. Track vom 23.04., km 42,8 - 43,8), wo ich mich noch behutsamer vorangetastet habe.

Ab Glurns mußte ich zwar noch einmal mehr als 100 Hm zu meiner Bleibe in Mals überwinden, kam aber bereits 14.15 Uhr am Quartier an. Da blieb außerhalb der Wertung noch Zeit für eine kurze Ortsrundfahrt, zumal an diesem Tag gerade der jährliche Georgimarkt stattfand. Das hatte ich nämlich noch nicht erwähnt: man muß schon körperlich ziemlich fit sein, um hier im Rollstuhl einigermaßen gut ohne Hilfe klarzukommen. Eine wirklich sehr freundliche und hilfsbereite junge Einheimische, die mir beim ersten Rundgang ganz von sich aus ihre Unterstützung bei einer Steigung angeboten hatte, bemerkte dazu: "Da haben Sie sich aber den bergigsten Ort der Umgebung ausgesucht!"

Heute, also am Freitag, stand gleich die nächste Runde im Handbike an. Auf mein Tagesziel - das Langtauferer Tal - war ich erst kurz vor dem Urlaub aufmerksam geworden, weil der Autor der Beschreibung dieser Auffahrt auf Qualdich.de das Tal besonders lobte. Auch die Fahrt nach St. Valentin am Haidersee vor dem Reschensee verlief letztlich anders, als ursprünglich festgelegt. Dabei mußte ich kurz hinterm Ortsausgang von Mals bei bis zu 16% Steigung mal rund zwei Kilometer tüchtig beißen. Ohne ausreichende Erwärmung ging ich aber kein Risiko ein und pausierte zwischendurch mehrmals.

Der Radweg am Ostufer des Reschensees entpuppte sich dann erneut als Schotterpiste, weswegen ich auf die parallel verlaufende, doch stark befahrene Hauptstraße ausgewichen bin. 99,9% der Autofahrer sahen das jedoch sehr entspannt, nur ein einziger dämlicher Deutscher hupte mich einmal auf meiner Fahrt nach Graun beim Überholen an.

In Graun zweigte das Langtauferer Tal ab, und schlagartig wurde es ruhig auf der Straße. 1,5 km vor Pedross zog die Steigung merklich an und nötigte mich noch einmal zu Zwischenstops. Dieses Mal jedoch hauptsächlich, um mir den Schweiß aus den Augen zu wischen und abzukühlen. Mit Erreichen des Ortes war's das aber auch schon. Die restlichen Kilometer bis zum Ende der Straße ließen sich nämlich recht entspannt bewältigen, obwohl immerhin noch weitere 200 Hm zu überwinden waren. Vom Endpunkt der Straße zurück bis Graun benötigte ich danach 23 Minuten.

Südtirol-Panorama (Aufnahmeort)
Nun fuhr ich noch schnell bis zum Reschenpaß, bevor ich den Radweg westlich des Sees für den Rückweg unter die Räder nahm. Dieser führte zwar mehrmals auf und ab, wurde jedoch sehr schön angelegt und durchweg asphaltiert. Auch der Radweg am Westufer des südlich benachbarten Haidersees gefiel mir, obwohl zu Beginn noch einmal für wenige hundert Meter der Asphalt fehlte.

Weil die letzten drei Kilometer des Radwegs nach Burgeis wegen Bauarbeiten gesperrt war, nutzte ich schließlich ein letztes Mal an diesem Tag die Hauptstraße. In Burgeis konnte ich aber wieder auf den Vinschgau-Radweg. So bot sich mir bald das Fotomotiv des Tages: die Fürstenburg von Burgeis vor dem Vinschgau und den schneebedeckten Bergen.

Genau so stelle ich mir immer Südtirol vor!

21. April 2026

Heute hier, morgen dort (*)

Ein unerwarteter Ausstand vor dem Einstand - so könnte man meine heutige Aktion bezeichnen. Morgen geht es nämlich für ein paar Tage in Richtung Süden, natürlich zum Handbiken. Doch weil ich schon am dringend notwendigen Ruhe-Sonntag sowie dem total verregneten Montag meine gesamten Reisevorbereitungen erledigen konnte, blieb heute Zeit für eine Extratour.

Als Streckenlänge nahm ich mir die fehlende Distanz zum Monatssoll von 1000 km vor, in diesem Fall waren es 84 km. Noch vor ein paar Tagen konnte ich mir nicht vorstellen, diese Marke noch vor meiner Reise zu erreichen. Aber nach der erschöpfungsbedingten Quälerei der vorangegangenen Ausfahrt zahlte sich die rund 60-stündige Sportabstinenz spürbar aus. Vor allem am langen 10%er von Glashütte in Richtung Luchau (s. Track vom 21.04., km 25,9 - 27,9) war deutlich zu spüren, daß ich wieder über ausreichend Reserven hinsichtlich Kraft und Ausdauer verfügte. Zum Schluß verlängerte ich daher sogar meine Runde bis Lohmen und Dorf Wehlen und beendete trotzdem noch vor der Kaffetrinkerzeit meinen Ausflug in Pirna.

Nun warten im Obervinschgau lange Quaeldich-Anstiege auf mich, auch habe ich mir bereits einige Touren für das Navi zusammengestellt. Mal sehen, wie ich diesmal mit den örtlichen Bedingungen klarkomme. Das ist nicht zuletzt auch vom Wetter (z.B. niedrigen Temperaturen) abhängig. Mein beliebter Spruch "Erwarte nichts, und Du bekommst alles!" zieht allerdings nicht.

Denn dafür sind meine Ambitionen viel zu konkret.


(*) Titel eines sehr populären Folk-Songs von Hannes Wader (s. YouTube)

19. April 2026

Stark und schwach

Mein Frühjahrsurlaub hat begonnen. Bevor es in die hohen Berge geht, habe ich in den beiden vergangenen Tagen das Heldenwetter nochmal für zwei Touren in der Heimat genutzt.

Ursprünglich wollte ich am Freitag nur den provisorischen Elbübergang für Fußgänger und Fahrradfahrer in Aussig (Ústí nad Labem) testen. Dort wird gerade die alte Stahlbogenbrücke (Benešův most) generalüberholt, und auch die Auffahrt fehlt inzwischen auf der linken Elbseite. Der kürzeste Weg dorthin führte mich natürlich über die Ausläufer des Osterzgebirges und dem Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk). Gegen Elf erreichte ich wieder die Elbe, allerdings benötigte ich eine Ehrenrunde inklusive ein paar heikler Meter auf der autobahnartigen Schnellstraße für die richtige Zufahrt zur Fußgängerbrücke.

Normalerweise wäre ich nun nur noch entlang des Flusses in Richtung Heimat gekullert, doch allein der Gedanke daran erquickte mich nicht besonders. Zumal angesichts der (relativ frühen) Tageszeit bei diesem schönen Wetter! Also überlegte ich mir eine Strecke, die mich in den östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) führen sollte. Ich entschied mich schließlich für die "billigste" Variante, die ab Klein Priesen (Malé Březno) über Saubernitz (Zubrnice) nach Loschowitz (Lovečkovice) aufsteigt. Die Strecke über Hummel (Homole u Panny) ist zwar noch reizvoller, jedoch wesentlich anspruchsvoller. Angesichts der bereits absolvierten Höhenmeter wollte ich es jedoch nicht gleich übertreiben, denn auch auf der gewählten Strecke erreichte ich die 1000 Hm bereits in Nieder Rebire (Dolní Šebířov).

Ländliches Idyll vor dem letzten Teil des Anstiegs ins
Östliche Böhmische Mittelgebirge (Aufnahmeort)
Ganz oben habe ich mir deshalb auch den kurzen Abstecher zu "meiner" Aussicht (Víťova vyhlídka - Veits Aussicht) erspart, außerdem war ich schon einmal dort. Dieser zweite lange Anstieg des Tages über 11,3 km und 450 Hm nahm mich kräftemäßig ganz schön mit, weswegen ich auf der folgenden Hochfläche einen kleinen Durchhänger überwinden mußte. Die 50 Hm-Auffahrt hinter Wernstadt (Verneřice) bereitete mir jedenfalls mehr Mühe, als zu erwarten gewesen wäre.

Da ich mich jedoch bis Krippen schon wieder richtig gut fühlte, hängte ich zum Schluß als Alternative zum flachen Elberadweg noch meinen Standard-Umweg über Cunnersdorf an, was mir zusätzliche 170 Hm einbrachte. Trotz der ganzen Kletterei schaffte ich bis zuhause tatsächlich noch den gewünschten 15er Geschwindigkeitsdurchschnitt. Mich überraschte dabei nicht, daß mir abends - basierend auf meinen Herzfrequenz-, Höhen- und Streckenwerten - mein Fahrradcomputer Übertraining signalisierte und vier anschließende Ruhetage empfahl. Diese schöne Tour war es wert!

Entgegen der Empfehlung vom Vorabend setzte ich mich am Sonnabend dennoch aufs Handbike, denn für Sonntag war Dauerregen angekündigt. (Bis jetzt ist es aber noch trocken, die Ankunft des Schlechtwetters verzögert sich.)

Prinzipiell wollte ich mir jedoch nur eine flache Runde zumuten, und auch nur wenig mehr als 100 km fahren. Obwohl ich mich in meiner Heimatregion gut auskenne, verpeilte ich mich diesbezüglich aber gründlich. Denn weil mir der "langweilige" Norden zu fade erschien, hielt ich mich westwärts in Richtung Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) bzw. Lausitzer Bergland. Dabei deutet doch schon der Name daraufhin, daß es häufig auf und ab geht! Freilich waren die geplanten Anstiege nicht besonders lang und auch nur zweimal steiler als 10%. Aber in Verbindung mit dem Umstand, daß ich mich wegen des anstrengenden Vortags bereits von Beginn an konditionell nicht in Topform fühlte, quälte ich mich mehr und mehr, sobald es aufwärts ging. Diesmal erreichten die Temperaturen auch Werte, bei denen ich mich nach Schatten sehnte.

Nördlich von Neustadt nutzte ich endlich die Gelegenheit zum Wechsel auf die Dünnbrettbohrer-Heimfahrstrecke, nachdem ich auf reichlich 70 km schon fast 1000 hm eingefahren hatte und mein Geschwindigkeitsdurchschnitt nur bei 13 km/h lag. Die noch fehlenden Kilometer zur Hundert (oder wie es auf Strava bezeichnet wird: Gran Fondo) sammelte ich auf einem Umweg über die Elbniederung rund um Pratzschwitz.

Nun warte ich auf den Regen. Auch das trockene Land braucht ihn.

16. April 2026

Ausreißer

Nach drei wechselhaften Tagen strahlte gestern wieder die Sonne vom Himmel. Obwohl der Mittwoch für mich ein regulärer Arbeitstag in Dresden ist, wollte ich mir diese Gelegenheit für ein paar Kilometer im Handbike nicht entgehen lassen.

Bis ich von zuhause in Pirna starten konnte, dauerte es zwar nach dem Feierabend zu Mittag noch etwas, doch rollte es dafür bereits von Beginn an richtig gut. Bei nahezu optimaler Witterung inkl. passender Temperaturen kurzärmelig unterwegs, benötigte ich auf meiner Warmfahrstrecke bis Königstein nicht einmal eine Stunde. Auch den nachfolgenden langen Anstieg - anfangs durch das Tal der Biela - über 9 km und mehr als 250 Hm absolvierte ich in deutlich unter einer Stunde.

Blick von der Ebenheit westlich von Raum zur Elbtalweitung ab Pirna. links der Cottaer Spitzberg
 mit Sendemast, rechts davon am Horizont der Dresdener Fernsehturm (Aufnahmeort)

Bis Berggießhübel schaffte ich bereits alle meine statistischen Vorgaben, sodaß es eine verschenkte Gelegenheit gewesen wäre, nun auf dem einfachsten Weg nach Pirna zurückzufahren. Erst peilte ich also das Bahretal ab Ottendorf an. Und zwar über Cotta, was bedeutete, daß ich um die Hauptstraße am Ladenberg nicht herumkam. Für diese relativ kurze, jedoch sehr stark befahrene Auffahrt mit einer Steigung zwischen 8 und 10% (s. Track vom 15.04., km 43,8 - 44,2) benutzte ich allerdings den gut ausgebauten Fußweg - angesichts der unübersichtlichen Linkskurve im oberen Teil für alle Verkehrsteilnehmer (also auch die Autofahrer) war das die beste Option.

Bei meiner Ankunft im Seidewitztal südlich von Zehista hatte ich dann aber immer noch reichlich Reserven bezüglich Zeit und Kondition. Statt nun meine Standardstrecke über Köttewitz nach Dohna zu benutzen, entschied ich mich spontan für die Kletterei hinauf nach Burkhardswalde. Trotz dieser zusätzlichen Höhenmeter auf dem letzten Anstieg des Tages blieb ich bis zum Scheitelpunkt weiter über meiner angestrebten Durchschnittsleistung und baute danach -  nun stetig bergab - den Vorsprung gegenüber meinem "Virtual Partner" sogar weiter aus. Sicher hätte ich daher vor Einbruch     der Dunkelheit auch 100 km geschafft, doch diesmal ließ ich's bleiben. Dafür gönnte ich mir einen entspannten Tagesausklang.

Für den nahen Urlaub bin ich gut in Schwung.