Ursprünglich wollte ich am Freitag nur den provisorischen Elbübergang für Fußgänger und Fahrradfahrer in Aussig (Ústí nad Labem) testen. Dort wird gerade die alte Stahlbogenbrücke (Benešův most) generalüberholt, und auch die Auffahrt fehlt inzwischen auf der linken Elbseite. Der kürzeste Weg dorthin führte mich natürlich über die Ausläufer des Osterzgebirges und dem Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk). Gegen Elf erreichte ich wieder die Elbe, allerdings benötigte ich eine Ehrenrunde inklusive ein paar heikler Meter auf der autobahnartigen Schnellstraße für die richtige Zufahrt zur Fußgängerbrücke.
Normalerweise wäre ich nun nur noch entlang des Flusses in Richtung Heimat gekullert, doch allein der Gedanke daran erquickte mich nicht besonders. Zumal angesichts der (relativ frühen) Tageszeit bei diesem schönen Wetter! Also überlegte ich mir eine Strecke, die mich in den östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) führen sollte. Ich entschied mich schließlich für die "billigste" Variante, die ab Klein Priesen (Malé Březno) über Saubernitz (Zubrnice) nach Loschowitz (Lovečkovice) aufsteigt. Die Strecke über Hummel (Homole u Panny) ist zwar noch reizvoller, jedoch wesentlich anspruchsvoller. Angesichts der bereits absolvierten Höhenmeter wollte ich es jedoch nicht gleich übertreiben, denn auch auf der gewählten Strecke erreichte ich die 1000 Hm bereits in Nieder Rebire (Dolní Šebířov).
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| Ländliches Idyll vor dem letzten Teil des Anstiegs ins Östliche Böhmische Mittelgebirge (Aufnahmeort) |
Da ich mich jedoch bis Krippen schon wieder richtig gut fühlte, hängte ich zum Schluß als Alternative zum flachen Elberadweg noch meinen Standard-Umweg über Cunnersdorf an, was mir zusätzliche 170 Hm einbrachte. Trotz der ganzen Kletterei schaffte ich bis zuhause tatsächlich noch den gewünschten 15er Geschwindigkeitsdurchschnitt. Mich überraschte dabei nicht, daß mir abends - basierend auf meinen Herzfrequenz-, Höhen- und Streckenwerten - mein Fahrradcomputer Übertraining signalisierte und vier anschließende Ruhetage empfahl. Diese schöne Tour war es wert!
Entgegen der Empfehlung vom Vorabend setzte ich mich am Sonnabend dennoch aufs Handbike, denn für Sonntag war Dauerregen angekündigt. (Bis jetzt ist es aber noch trocken, die Ankunft des Schlechtwetters verzögert sich.)
Prinzipiell wollte ich mir jedoch nur eine flache Runde zumuten, und auch nur wenig mehr als 100 km fahren. Obwohl ich mich in meiner Heimatregion gut auskenne, verpeilte ich mich diesbezüglich aber gründlich. Denn weil ich nicht einfach nur in den "langweiligen" Norden fahren wollte, hielt ich mich westwärts in Richtung Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) bzw. Lausitzer Bergland. Dabei deutet doch schon der Name daraufhin, daß es häufig auf und ab geht! Freilich waren die geplanten Anstiege nicht besonders lang und auch nur zweimal steiler als 10%. Aber in Verbindung mit dem Umstand, daß ich mich wegen des anstrengenden Vortags bereits von Beginn an konditionell nicht in Topform fühlte, quälte ich mich mehr und mehr, sobald es aufwärts ging. Diesmal erreichten die Temperaturen auch Werte, bei denen ich mich nach Schatten sehnte.
Nördlich von Neustadt nutzte ich endlich die Gelegenheit zum Wechsel auf die Dünnbrettbohrer-Heimfahrstrecke, nachdem ich auf reichlich 70 km schon fast 1000 hm eingefahren hatte und mein Geschwindigkeitsdurchschnitt nur bei 13 km/h lag. Die noch fehlenden Kilometer zur Hundert (oder wie es auf Strava bezeichnet wird: Gran Fondo) sammelte ich auf einem Umweg über die Elbniederung rund um Pratzschwitz.
Nun warte ich auf den Regen. Auch das trockene Land braucht ihn.





