20. Oktober 2021

Baustellenrodeo

Zwar habe ich aufgrund der Streckenlänge eine Handbiketour ins Böhmische Mittelgebirge für dieses Jahr ad acta gelegt, doch im Zappenland war ich ebenfalls schon längere Zeit nicht mehr. Heutzutage kann man ja nicht mehr ausschließen, daß diese unberechenbaren Machthaber in der nun wieder anbrechenden (Grippe-)Virensaison erneut die Ländergrenzen dichtmachen oder eine Neuauflage von solch obskuren Maßnahmen, wie den persönlichen 15-km-Bewegungsradius, in Erwägung ziehen.

Mit dem Handbike einfach nur im Elbtal in unserer Nachbarland zu fahren, erschien mir jedoch zu einfach - also hakte ich bereits vor der deutsch-tschechischen Grenze mehrere Anstiege ab. Besonders viel Mühe bereitete mir dabei - vor allem wegen des frisch aufgeschütteten groben Schotters auf den ersten steilen 100 m - die Kletterei aus dem Krippenbachgrund zum Sattel zwischen Großem und Kleinem Zschirnstein (s. Track vom 18.10., km 23,9 - 26,1). Normalerweise tue ich mir diese schweißtreibende Rampe nur an, wenn ich mich schinden will. Doch ist immer noch die öffentliche Straße im Grund nahe der Forstmühle gesperrt, sodaß die einzige Alternative der weiter talaufwärts gelegene Forstweg gewesen wäre.

Die drei Dominanten von Tetschen: Schloß,
Tyrš-Brücke und Schäferwand (Pastýřská stěna, Aufnahmeort)
Als ich auf dem Elberadweg die Grenze schließlich nach rund 37 km überquerte, standen deshalb schon 600 Höhenmeter auf der Habenseite. Dabei kam die langwierigste Auffahrt erst noch. Ab Tetschen (Děčín) mußte ich nämlich auf rund 6 km Strecke immerhin fast 300 Hm am Stück bewältigen. Vor allem die ersten fünfhundert Meter wurden ziemlich stressig. Denn wegen der Sanierung der Hauptstraße durch das Polzental (údolí Ploučnice) am Ortsausgang von Tetschen steht mittels Ampelregelung nur ein Fahrstreifen für den Kraftverkehr zur Verfügung. Und das bei diesem langgezogenen Anstieg! Schon einmal war ich in den letzten Wochen hier und kannte deshalb eine Umfahrung. Sinnigerweise fanden dort gerade an beiden möglichen steil aufwärts führenden Nebenstraßen ebenfalls umfangreiche Bauarbeiten statt. Zudem war der eigentliche Polzentalradweg an dieser Stelle nur durch eine Schiebestrecke mit Treppen passierbar.

Mir blieb also nichts weiter übrig, als mich auf die einspurige Strecke zu wagen. Bei einer Fahrbahn, auf welcher eigentlich bei Gegenverkehr nur knapp ein Meter Platz zum Ausweichen blieb, eine ziemlich heikle Angelegenheit - weil ich darüberhinaus auch auf das unbedingte Verständnis der Fahrzeuglenker angewiesen war. Erfreulicherweise klappte alles viel besser als gedacht. Obwohl ich während der Bergauffahrt aufgrund der für mich zu kurzen Grünphasen der Ampel zweimal in den Gegenverkehr geriet - dann fuhr ich ganz weit ran an die Seite und wartete ab - agierten die Autofahrer extrem rücksichtsvoll und ohne Verärgerung. Ein Mann im Posttransporter grüßte mich sogar mit einem freundlichen kurzen Hupen und Handzeichen. Natürlich beeilte ich mich trotzdem, diese Gefahrenstelle hinter mich zu lassen. Das Schicksal soll man nicht zu oft herausfordern.

Die kurzen Bergauf-Sprints und danach der lange Anstieg brachten meinen Kreislauf jedenfalls ordentlich in Schwung. Es dürfte wohl fast das letzte Mal in dieser Saison gewesen sein, daß ich nur im Kurzarmtrikot und Ärmlingen gefahren bin. Nach Güntersdorf (Huntířov) kamen dann noch einige weitere Auffahrten, aber die waren wesentlich weniger anstrengend. Selbst die relativ kurze 14%-Rampe in Porschdorf (s. Track vom 18.10., km 102,8 - 103,5) brachte ich noch verhältnismäig zügig hinter mich. Die 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit erreichte ich bis zum Schluß aber nicht mehr.

Dafür kam endlich die Sonne.

17. Oktober 2021

Wasser als Thema

Auf den vergangenen beiden Touren drehte es sich bei mir um's Wasser. Den ersten Tag legte ich meine Ausfahrt so, daß ich vor dem Regen am Abend zuhause ankam. Und gestern stattete ich u.a. wieder mal dem Punpspeicherwerk Niederwartha einen Besuch ab.

Die Fallrohre mit den Wasserschlössern des
Pumpspeicherwerks Niederwartha (Aufnahmeort)
Das ist eine durchaus eindrucksvolle Anlage - doch darüberhinaus gibt es dort unmittelbar neben den Fallrohren auch eine steile Serpentinenfolge, die ich vor ca. zwei Jahren mehr oder weniger zufällig entdeckt hatte und bisher nur als Abfahrt kannte (s. Track vom 16.10., km 69,4 - 71,9). Bei herbstlich-kühlem Wetter waren dafür bergauf Kurzarmtrikot und Ärmlinge völlig ausreichend.

Die Anfahrt über die nördlich der Elbe gelegenen Gebiete bis zu den Moritzburger Teichen verlief hingegen wenig spektakulär, weil größere Anstiege fehlten. Ohne Gegenwind hatte ich bereits vor Radeberg meinen virtuellen Partner eingeholt, den ich immer beim Verlassen des Elbtals ziehen lassen muß.

Berge kamen erst wieder im Süden während der zweiten Hälfte der Ausfahrt. Nach dem Besuch meiner Sportfreundin Christiane legte ich dabei noch zwei Schippen drauf - eine, um nach der langen Pause zum Schwatzen bei Kaffee und Kuchen wieder auf Betriebstemperatur zu kommen, die zweite zum Aufhübschen der Höhenmeterbilanz. Dabei habe ich entschieden, heute endlich meine Fahrradkette (eigenhändig) zu kürzen, denn mittlerweile ist diese soweit gedehnt bzw. ausgearbeitet, daß der Kettenspanner sie gar nicht mehr straff bekommt. Mal sehen, ob alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Den Versuch ist jedenfalls wert, um nicht dafür immer einen Mechaniker nerven zu müssen. 

Meine Freitagsrunde war diesmal recht kurz - eben weil ich trocken bleiben wollte und ich außerdem erst nach dem zeitigen Feierabend zu Mittag starten konnte. Nicht nur wegen der Höhenmeter entschied ich mich für die Fahrt nach Süden in Richtung deutsch-tschechische Grenze. In den Waldungen zwischen den Ortschaften Rosenthal und Bielatal sowie unserem Nachbarland - Cunnersdorfer Forst genannt - trifft man nämlich selbst zur Hochsaison nur wenige Menschen.

An diesem Tag blieb für mich die Begegnung mit zwei Wanderern, welche wohl auf dem Forststeig unterwegs waren, der einzige menschliche  Kontakt im Gebiet. Diese Mehretappentour durch das südliche Elbsandsteingebirge erfreut sich mittlerweile einer gewissen Beliebtheit unter Naturliebhabern - sicher auch wegen der Waldeinsamkeit.

Ab Bad Schandau hätte ich später auch ganz entspannt auf dem Elberadweg nachhause rollen können, doch das war mir zu billig. Im Hinterkopf immer noch die Option, meine Tour bei passender Witterung verlängern zu können, kletterte ich in Prossen über ein steiles, doch schönes Anliegersträßchen ein zweites Mal aus dem Elbtal (Achtung: grobes Sandsteinpflaster auf 500 m Länge - s. Track vom 15.10., km 46,9 - 47,4!). Den Plan verwarf ich dann allerdings in Waltersdorf, denn der Regen kam schnell und in breiter Front näher. Abgesehen von zeitweilig leichtem Niesel, blieb ich aber bis zum Schluß vom Wasser verschont.

Für eine nette kurze Herbstrunde hat's gereicht.

Track der Handbiketour vom 15.10.2021
Track der Handbiketour vom 16.10.2021

11. Oktober 2021

Schwarzes Eis

Das angekündigte Schönwetterwochenende wollte ich bestmöglich ausnutzen. Am Sonnabend stand eine Tour in den östlichen Teil des Böhmischen Mittelgebirges, (orographisch) rechts der Elbe gelegen, an. Inklusive der Anfahrt kommen dabei etliche Kilometer zusammen. In dieser Jahreszeit wird es daher immer schwieriger, die Strecke bei Tageslicht zu schaffen.

Am Morgen lag das Elbtal noch unter einer
Wolkendecke - die Hochhäuse gehören zu Aussig
(Ústí nad Labem, (Aufnahmeort)
Bereits in der Dämmerung fuhr ich also am Sonnabend los, ein bißchen Zeitpuffer ist immer gut. Ich fühlte mich topfit, um die vielen anstehenden Höhenmeter zu bewältigen. Doch dann das: gerade, als ich in Gedanken bereits den nächsten Anstieg aus dem Elbtal durchging, verlief auf rasanter Abfahrt vom Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk) ein schwarzer Schatten quer über die Straße. Wegen einer Kurve sah ich ihn erst im letzten Augenblick und ging voll auf die Eisen, weil ich dachte, dies wäre eine bei Bauarbeiten ausgefräßte Querrinne. Bei diesem Tempo hätte das sonst einen Reifendurchschlag bedeutet. (Dabei war es nur ein Stromkabel.) Das Vorderrad blockierte und ich schlitterte über den Asphalt, bis ich zum Stehen kam. Danach war meine ursprüngliche Planung hinfällig ... Dem Reifen hatte es nämlich übel mitgespielt.

Nach der Rutschpartie
Glücklicherweise wohnt mein tschechischer Sportfreund in der Nähe. Auf meine Anfrage hin bot er mir sofort seine Hilfe an, sodaß ich nun mit dem lädierten Reifen sehr behutsam die restlichen Kilometer zu ihm fuhr. Der Schlauch schien nämlich noch intakt zu sein. (Wie sich erst viel später herausstellte, hatte er aber doch ein ganz, ganz kleines Loch.)

Als mein Handbike nach einem Reifentausch wieder flott war, war es bereits 13.00 Uhr. Denn Lád'a mußte mit mir zuerst im Auto aus meiner Wohnung in Pirna den Ersatzreifen holen - ein riesiger Aufwand, den er nur für mich betrieb. Mit einem solchen Freund habe ich das große Los gezogen!

Anschließend schlug mir mein Kamerad vor, gemeinsam direkt von Kulm (Chlumec) aus auf einem kleinen Forststräßchen ein zweites Mal zum Osterzgebirgskamm hinaufzuklettern. Die letzten, flacheren Kilometer rollt man dabei zwar zunächst auf einem unasphaltierten Waldweg, später über auch über eine große Wiese - doch sollte das (ggf. mit seiner Hilfe) für mich zu schaffen sein. So war es auch. Dieser Anstieg (s. Track vom 09.10., Teil 2, km 0,1 - 8,3) ist bei trockenem Wetter ein echter Geheimtip! Rund 450 Hm ging es dabei nur bergauf. Die schroffe Südseite des wie ein Lesepult aufgestellten Erzgebirges ist durchaus mit einigen langen und steilen Auffahrten in den Alpen vergleichbar!

Unterwegs gab es leider einen weiteren unfreiwilligen Zwischenstop, denn nun war meinem Schlauch im Vorderreifen die Luft ausgegangen. Da ich jedoch die Ursache für den Platten nicht erkennen konnte, bin ich nach dem Schlauchwechsel auf dem Schotter erst einmal fast übervorsichtig gefahren. Vermutlich wird das Loch wohl während der morgendlichen Schlitterpartie entstanden sein - mittlerweile bin ich überzeugt davon.

In Geising trennten sich nach einer kurzen Rast dann die Wege von Lád'a und mir für diesen Tag. Er fuhr über den Kahleberg zurück, und ich durch das Müglitztal - mit dem Extrazacken über Kreischa - nach Hause. Trotz des ganzen Ärgers zwischendurch hatte ich doch noch eine wunderschöne Ausfahrt, eine absolut lohnenswerte "Entdeckung" inbegriffen!

Meine Tour vom Sonntag führte mich dann nordwärts. Erstmals in diesem Herbst gab es am Morgen bei klarem Himmel mit ca. -1°C moderaten Frost. Die Handschuhe gehören nun wieder zur Standardausrüstung.

Diese Runde war insofern bemerkenswert, als daß diesmal dabei ebenfalls etliche Höhenmeter zusammenkamen. Das Streckenprofil veranschaulicht das ständige Auf und Ab ganz gut. Zwar waren die Anstiege meist nicht besonders lang und steil - doch für ein "kleines Sägeblatt" reichte es allemal. In Rathen bin ich schließlich noch einmal aus dem Elbtal geklettert. Der Panoramablick über die Felsenberge der Vorderen Sächsischen Schweiz war es mir wert, außerdem konnte ich dabei den Elberadweg mit all den Mofa- und Flachstreckenfahrern vermeiden.

Im weichen Licht der Abendsonne ein wundschöner Wochenabschluß!

4. Oktober 2021

Überflieger

Am Sonnabend wollten meine tschechischen Freunde mit mir zur Zipline nach Göhren (Klíny) fahren. Diese Seilrutsche überspannt ein Tal und ist mit 2 km derzeit die längste in unserem Nachbarland. Bis zu 150 m über Grund hängt man während der Fahrt zeitweise am Seil - für ausreichend Adrenalinausschüttung sollte dabei also gesorgt sein (s.a. Video auf Facebook).

Lád'a hatte sich über ein Fundraising-Projekt finanziell mit am Bau beteiligt und sich inzwischen erkundigt, ob ich als Rollifahrer überhaupt diese Attraktion des Wintersportorts im böhmischen Osterzgebirge nutzen kann. Soweit er das überblickte, wäre das für mich mit Hilfe (z.B. um über die Treppe auf den Startturm zu gelangen) tatsächlich möglich, obwohl der Praxistest noch aussteht. Denn leider waren alle Termine bis Mitte Oktober bereits ausgebucht, sodaß es wohl in diesem Jahr damit nicht mehr klappt.

Doch wollte ich mir die Anlage wenigstens mal aus der Nähe anschauen. Immerhin stand ja auch die Idee im Raum, zur Seilbahnfahrt gleich im Handbike anzureisen. Ungefähr 66 km ab Pirna für den Hinweg liegen zumindest im Sommer nicht außerhalb des Möglichen. Deshalb habe ich mir über den BRouter eine relativ geradlinige Strecke zusammengestellt, wobei allerdings etliche Höhenmeter mehr als beim dünnsten Brett zu bewältigen waren. Als ich nach 6 Stunden - ich war 6.30 Uhr gestartet - dort ankam, hatte ich bereits knapp 1300 Hm in den Armen.

Am Startturm der Zipline (Aufnahmeort)
Vorort herrschte ganz schön Betrieb, doch war es sehr interessant, erst einmal die Dimensionen der Anlage zu überblicken. Vom Startort sieht man nämlich auch die Zielstation auf der anderen Talseite. Im Bild hier ist sie als heller Fleck auf einer Waldlichtung im Hintergrund links oberhalb der Gästegruppe zu erkennen. Das ebenfalls zu sehende Seil mit den Bällen verläuft etwas oberhalb der eigentlichen Seilbahn und dient möglicherweise der Markierung für den Luftverkehr.

Der Rückweg vom Osterzgebirge nachhause war dann zwar länger, aber es kamen "nur" noch rund 600 Hm hinzu. Zumal ich mir den steilen Stich von Schmiedeberg nach Oberfrauendorf ersparte und lieber den schnelleren Umweg über Dippoldiswalde nahm. Einige der Kilometer im Osterzgebirge rund um Holzhau habe ich im vergangenen Winter bereits gemeinsam mit Freunden auf Skiern zurückgelegt. Bald wird es (hoffentlich) wieder so sein.

Zum Feiertag wurde es ziemlich stürmisch. Dem böigen Gegenwind wich ich jedoch auf bewährte Art aus, indem ich zunächst hauptsächlich in Tälern und Wäldern ostwärts ins Elbsandsteingebirge fuhr. Die kleine Ehrenrunde ab Bad Schandau über die Wildwiese zwischen Elb- und Kirnitzschtal (s. Track vom 03.10., km 37,4 - 52,6) bot sich trotzdem förmlich an. Dieser Ort mit freiem Blick auf das zerklüftete Felsenriff der Schrammsteine sowie den benachbarten Falkenstein gehört besonders im Herbst zu meinen Lieblingsplätzen im Gebirge.

Anschließend kletterte ich über den Tiefen Grund aus dem Elbtal, wo das Elbsandsteingebirge in das Westlausitzer Hügel- und Bergland übergeht. Die zweihundert Höhenmeter dieses 4,5 km langen Anstiegs sind immer eine Herausforderung, die ich aber immer dann in meine Tour einbaue, wenn ich ohne Umwege von Bad Schandau aus in Richtung Norden fahren will. Abgesehen von der kurzen Steilrampe bei der Durchquerung des Polenztals (s. Track vom 03.10., km 67,3 - 67,9) war's das für diesen Tag dann aber auch schon mit kräftezehrenden Anstiegen.

Kurz vor dem Polental überholte mich meine orthopädische Fachärztin mit dem Motorrad und grüßte. Später wechselten wir an der Bockmühle noch ein paar Worte, wo sie mit ihrer Begleitung gerade pausierte. Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie unterwegs treffe. "Zivil" hat man doch einen ganz anderen Zugang zu anderen Leuten!

Über mangelnde Bewegung kann sie bei mir jedenfalls nicht klagen.

Track der Handbiketour vom 02.10.2021
Track der Handbiketour vom 03.10.2021

1. Oktober 2021

Vier Ziele

Auf den letzten Drücker habe ich es dann doch noch geschafft. Ich wollte nämlich beim Pirnaer Stadtradeln vom 10.-30.09.2021 für mein Team mindestens 1000 km sammeln. Gestern ging es also ein letztes Mal im Aktionszeitraum auf Tour, weil ich bereits meinen sonst freien Montag dienstlich aktiv war.

Nach der klaren Nacht sanken die Temperaturen am Morgen bis auf 4°C. Es wird langsam wieder Zeit, die Handschuhe herauszukramen. Als ich dann endlich gegen acht in die Sonne kam, wärmte die mich aber noch erstaunlich gut.

Fernblick über Ottendorf und das südliche
Elbsandsteingebirge (Aufnahmeort)
Diesmal bin ich nach längerer Zeit wieder mal den Querverbinder über den Fußgängergrenzübergang zum Tanzplan (Tanečnice) gefahren. Diese Strecke zwischen der Saupsdorfer Straße und Thomasdorf (Tomášov, s. Track vom 30.09., km 52,9 - 54,2) ist ein steiniger Wanderweg mit etlichen grob geschotterten Abschnitten. Nichts also zum Schnellfahren, zumal es dabei in dieser Richtung auch erheblich bergauf geht. In Thomasdorf kann man dann zum Tanzplan abbiegen. Den Wirtschaftsweg dorthin bin ich ebenfalls schon gefahren - doch da man auf dem Gipfel nur vom Turm die Aussicht genießen kann, habe ich mir gestern die Extra-Höhenmeter erspart. 

Auch die folgenden Kilometer durch den Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) führten auf Straßen, die ich eher selten befahre. Aber gerade deswegen war es eben nicht nur dumpfes Kilometerfressen. Bei dem gestrigen Heldenwetter mit sehr guter Fernsicht und einer Ahnung der nun einsetzenden Laubfärbung gestaltete sich das Auf und Ab jedenfalls sehr abwechslungsreich.

Etwas später als geplant erreichte ich schließlich auf der anderen Seite in Ebersbach wieder Deutschland, wo ich umkehrte, um mich nördlich der deutsch-tschechischen Grenze nun westwärts auszurichten. Die Hohwaldstraße zwischen Steinigtwolmsdorf und Langburkersdorf (s. Track vom 30.09., km 97,0 - 106,9) ist aufgrund des starken Kraftverkehrs allerdings nur für hartgesottene Straßenfahrer zu empfehlen. Nach deren Scheitelpunkt rollte ich dann aber bis Pirna in wesentlichen nur noch bergab. Diese Streckenvariante ab Neustadt wähle ich immer recht gern, wenn ich zu Schluß entspannt nachhause kullern möchte. Immerhin wurde es dadurch trotz der langen Schrittgeschwindigkeitspassagen (u. a. wegen des schotterigen Wanderwegs) noch möglich, meine Sollvorgaben zu schaffen und rechtzeitig vor dem spätnachmittäglichen Physiotherapietermin zurück in Pirna zu sein.

Die Streckenlänge meiner Tour kam übrigens nicht von ungefähr, hatte ich sie doch an drei weiteren Zielen ausgerichtet. Neben den 1050 km für das Stadtradeln stellte ich mit 1502 km ebenfalls einen neuen Monatsstreckenrekord für den September auf. Außerdem konnte ich am letzten Tag des Monats endlich die 10.000 km- und die 100.000 Hm-Marke für das Jahr 2021 knacken. In vier vorangegangenen Jahren war ich da zwar schon weiter, aber ganz schlecht ist das auch nicht. Neue Bestwerte wird es 2021 für diese beiden Werte sowieso nicht geben.

Das Dranbleiben hat sich trotzdem gelohnt!

Track der Handbiketour vom 30.09.2021 

27. September 2021

Ode an die Freu(n)de

Die meisten meiner Projekte wären ohne Freunde gar nicht vorstell-, geschweige denn realisierbar gewesen. In meiner Zeit als Handbiker bin ich schon mit vielen Leuten unterwegs gewesen - man trifft sich, erlebt einige Dinge gemeinsam, und hin und wieder trennen sich wieder die Wege. Nahezu schon eine Konstante ist die Freundschaft zwischen meinem tschechischen Kameraden Lád'a und mir, doch in diesem Jahr katapultierte sich auch Christiane innerhalb weniger Wochen auf meiner Freundesliste bis ganz nach oben. Mit beiden konnte ich in diesem Jahr den FICHKONA realisieren, wobei - und das möchte ich ausdrücklich betonen - Andreas der wichtigste Beteiligte war. Denn erst weil Christianes Ehemann für uns die Logistik übernahm, ließ das Vorhaben in dieser Form umsetzen.

Grund genug für eine kleine Abschlußfeier zu diesem denkwürdigen Ereignis. Die Party mit weiteren Freunden sollte abends am Sonnabend bei Christane und Andreas im Garten hinter ihrem Haus starten. Das ist ein kleines Paradies, um welches ich die beiden beinahe beneide.

Natürlich stand darüber hinaus aber noch die Aufgabe vom Stadtradeln auf meiner Tagesordnung. 300 km Mindestkilometerleistung waren für das Wochenende gesetzt. Dieses Pensum teilte ich in drei kurze Strecken.

Zur ersten Tour brach ich am Freitag nach dem frühen Feierabend auf. Da es inzwischen schon recht zeitig dunkel wird - die Nächte sind nun wieder länger als die Tage - plante ich mit einer Streckenlänge unter 100 km. Außerdem wollte noch am Abend Lád'a nach Pirna kommen, um bei mir zu übernachten. So würden wir dann am nächsten Morgen bereits zeitig genug zu unserer gemeinsamen Runde starten können. Hätte ich zum Schluß der schnellen Feierabendtour dann eine Ehrenrunde durch die Stadt gedreht, wären die 100 noch drin gewesen. Lieber aber begleitete ich den gerade angekommenen Kameraden in mein Zuhause.

Für die gemeinsame Ausfahrt mit meinem tschechischen Sportfreund berücksichtigte ich bei der Planung, daß die Strecke nicht zu viele und steile Anstiege bereithalten und auch nicht besonders lang sein sollte. Schließlich wollten wir am frühen Abend zum Treffen mit unseren Freunden, wobei vorher ebenfalls noch einiges zu organisieren war. Tatsächlich kamen am Ende weniger als 1% der Streckenlänge an Höhenmetern zusammen, sodaß ich mich beim Tempo weiter steigern konnte. Mein Pacemaker (Lád'a) im Nacken war zusätzlicher Ansporn. (Eigentlich fährt ja ein Pacemaker vorneweg, aber ich kann durch einen schnellen Fahrer mental auch gedrückt werden.) Noch vor zwei Uhr am Nachmittag waren wir wieder zurück und hatten genügend Zeit, uns für den Abend frischzumachen.

Das Beisammensein in Kautzsch war dann wirklich einer meiner gesellschaftlichen Höhepunkte des Jahres! Hier fand sich eine erlesene Runde von Gleichgesinnten bei Speise und Trank zusammen, später im Dunkeln am Feuer. Ich habe es genossen, denn in angenehmer Gesellschaft fühle ich mich am wohlsten. Zum Glücklichsein brauche ich auch Menschen. Vielleicht mag das manchen verwundern, wo ich doch während meiner Urlaubsreisen meistens allein unterwegs bin. Doch auch da finde bzw. treffe ich immer wieder Leute, mit denen ich mich austauschen kann. Noch schöner ist es freilich, wenn ich vorort bereits mit Freunden auf Tour gehen kann - etwa mit meinen Schweizer Sportfreund ...

Morgenstimmung bei Struppen (Aufnahmeort)
Nach der kurzen Nacht zum Sonntag ließ ich am Morgen vor meiner dritten Runde erstmal das Frühstück aus. Ich war nämlich immer noch kugelrund und satt von der vorangegangenen Völlerei. Die angefressenen Kalorien konnte ich an diesem Tag jedenfalls gleich wieder verbrennen, obschon sich die vorherigen zwei Touren sowie die Nachwirkungen der Feier bemerkbar machten. Aufgrund der langen Abfahrten in der zweiten Hälfte, unterbrochen nur vom Anstieg aus dem Müglitztal sowie dem Abstecher nach Kautzsch, kam ich am Ende erneut locker auf die Soll-Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein rundum gelungenes Wochenende!

Nun "muß" ich nur noch einmal ran, um mein persönliches Stadtradeln-Ziel - 1000 km in drei Wochen - zu erreichen. Wenn es perfekt läuft, könnte ich dabei sogar auch gleich die 10k-Jahresmarke knacken. Falls nicht, ist das jedoch kein Drama. Im Jahr 2021 hänge ich zwar derzeit mit meiner Statistik hinter den Jahren 2017, 2019 und erst recht 2020 zurück, habe dafür aber trotz des Motivationstiefs im Frühjahr (abhängig von der Betrachtungsweise) mindestens zwei Großprojekte realisieren können, welche für die allermeisten Handbiker nicht zu schaffen sind.

Klasse statt Masse!

20. September 2021

Grauzone

Die Sonne hat sich rar gemacht am vergangenen Wochenende. Zwei, drei Mal blitzte sie am Sonntagnachmittag durch die Wolken - das war's aber auch schon. Deshalb gehören meine drei letzten Touren eher unter die Rubrik "Training".

Ich hatte ja bereits geschrieben, daß ich derzeit Kilometer für's Stadtradeln sammle. Natürlich konnte ich am Freitag nach zwei nicht mehr einen Hunderter im Hellen zurücklegen. Trotzdem bin ich (gegen meine prinzipielle Streckenvorgabe) losgefahren, nur mit einer ungefähren Vorstellung, wohin es gehen könnte. Berge sollten jedenfalls dabei sein. Wieder rollte es ausgesprochen gut, sodaß ich meine Runde spontan um etliche Anstiege ausdehnte. Dazu gehörten die längere 12%-Rampe aus Oberschlottwitz nach Berthelsdorf (s. Track vom 17.09., km 34,0 - 35,6) sowie der recht kurze 14%er am Ortsausgang von Langenhennersdorf (s. Track vom 17.09., km 59,8 - 60,3). Als ich schließlich auf dem Elberadweg wieder nach Hause rollte, verabschiedete sich der Tag.

Den Sonnabend hatte ich für's Handbiken eigentlich abgeschrieben. Doch am Morgen sah das Wetter gar nicht so schlecht aus, wie angekündigt. Nachdem ich mir also zunächst viel Zeit für das Frühstück ließ, entschied ich mich daher wenigstens für einen Versuch. Weil ich dem Frieden jedoch mißtraute, bewegte ich mich dabei immer in relativer Nähe rund um meine Heimatstadt. Im Falle einer drastischen Wetterwende hätte ich dann - zumindest am Anfang - in höchstens einer Stunde den schützenden Hafen erreichen können. Abgesehen von einigen Minuten Nieselregen blieb ich jedoch den Tag über trocken. Denn anderswo in der Region kam derweil eine ganze Menge Naß vom Himmel. Am Nachmittag schaute ich noch mal bei der Geburtstagsfeier meines jüngeren Patenkindes vorbei, blieb aber nicht lange, weil es zunehmend ungemütlicher wurde. Kurz nach meiner Ankunft in Pirna kam der Regen und beendete den Tag.

Dieses sehr bekannte Wasserspiel in Dresden kennen
 viele Einheimische noch von der Prager Straße.
Es war einzige Fotomotiv während der vergangenen
drei Touren (Aufnahmeort).
Gestern wollte ich zum Schloß Moritzburg. Doch natürlich kam es wieder anders - wie häufig, wenn ich mir spontan während der Fahrt die Strecke zusammenstelle. Zunächst schlug ich in nordöstliche Richtung einen ziemlich großen Haken. Dann peilte ich Radeburg (nördlich von Moritzburg) an. Doch auch diese Stadt ließ ich links liegen, weil ich erneut sehr flott vorankam. Am Ende drehte ich erst in Thiendorf nach Süd(west)en ab, und lernte auf meinem Weg nach Meißen bei dieser Gelegenheit gleich noch ein paar für mich bisher unbekannte Orte und Verbindungsstraßen kennen. Moritzburg war da als Tagesziel schon längst gestrichen. Den Elberadweg habe ich mir ebenfalls erspart, zumindest den Abschnitt bis ins Dresdner Stadtzentrum. Ein paar Höhenmeter sollten es auf dieser sonst flachen Strecke noch sein, gleich der Anstieg aus dem Elbtal in Meißen brachte davon ausreichend. Dafür rollte es auf den letzten 40 km, bis auf das kurze Intermezzo in Dresden-Plauen, nur bergab bzw. flach. Wahrscheinlich war das meine finale 100-Meilen-Tour des Jahres 2021.

Angefangen mit meinen Touren in Norddeutschland bin ich jetzt immer überdurchschnittlich schnell im Handbike unterwegs gewesen. Anfangs vermutete ich ja, daß dies hauptsächlich am flachen Streckenprofil in Ostfriesland lag, Nun bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher. Bei meinem Bremsbelagwechsel Ende August richtete ich nämlich den Bremssattel neu aus, weil ich den Verdacht hegte, daß die Beläge permanent, aber kaum wahrnehmbar, mit der Bremsscheibe in Kontakt kamen. Wenn dem wirklich so war, überrascht mich umso mehr die Wirkung!

Grund genug, meine Bremse zukünftig besser im Auge zu behalten!