19. Oktober 2026

Immer schlechter

Drei Tourentage liegen wieder hinter mir, und trotz meiner Kilometerjagd werde ich wohl mein Saison-Streckenziel in diesem Jahr nicht erreichen. Aber letztlich sind das ja auch nur Zahlen, das Entscheidende sind Landschaft und Erlebnisse auf meinen Touren. Auch wenn in diesem Jahr die ganz großen Projekte fehlen, ist diesbezüglich doch einiges zusammengekommen ...

Freitags fiel es mir nun wirklich nicht schwer, mich zu einer frühen Feierabendrunde zu motivieren. Bei strahlendem Sonnenschein und deshalb nur im Kurzarmtrikot mit Ärmlingen startete ich bereits kurz nach Elf. Diese Runde war auch meine bergigste Tour des Dreierpacks. Wenn man zu Beginn des Wochenendes frisch bei Kräften ist, fährt es sich eben viel lockerer. Nach dem Auf und Ab der südlichen Elbseite und dem erneuten Anstieg aus dem Elbtal im Norden folgte schließlich weitgehend flaches Gelände, sodaß ich mir zum Schluß sogar wieder mal den Anstieg durch Dobra gönnte, ohne auf dem letzten Loch zu pfeifen. Vor dem Sonnenuntergang kam ich zuhause an.

Am nächsten Tag hatte es sich schon merklich eingetrübt, auch wenn morgens tatsächlich einige Male die Sonne hinter den Wolken hervorlugte. Weil ich abends zu einem Klassentreffen eingeladen war, fuhr ich bereits gegen 8.00 Uhr los. Damit wollte ich außerdem dem für Nachmittag angekündigten Regen zuvorkommen.

Blick zu den Kletterfelsen im Oberen Bielatal
(Aufnahmeort)
Diesmal legte ich meinen Strecke für einen Abstecher in unser Nachbarland über das südliche Elbsandsteingebirge. Die Forststraße durch das Bielatal ist zwar ab den letzten Häusern des Rosenthaler Ortsteils Ottomühle bis zu den ersten Häusern von Eiland (Ostrov) nicht mehr asphaltiert, doch lassen sich diese rund 3 km selbst mit dünnen Reifen gut befahren (s. Track vom 17.10., km 20,1 - 23,2). Leider ragen mittlerweile die Bäume im Tal schon wieder sehr hoch auf, weshalb der Blick auf die vielen bizarren Felsgestalten des größten Klettergebiets der Sächsischen Schweiz sehr eingeschränkt ist. Nur im oberen Teil des Bielatals bekommt man eine Ahnung von der sonst eigentlich eindrucksvollen Landschaftskulisse.

Als ich dann von Tyssa (Tisá) hinab ins Tal des Eulaubachs hinabrollte, tauchte ich dabei so richtig in eine herbsttrübe Nebelsuppe ein. Dieses Grau in Grau war der Vorgeschmack dessen, was mich am Sonntag erwartete. So, wie ich mich im Elbtal auf dem Elbradweg der tscheschich-deutschen Grenze näherte, umso mehr klarte es auf. Daher baute ich spontan den zusätzlichen Anstieg ab Porschdorf hinauf nach Waltersdorf in meine Tour ein, mußte jedoch anschließend kurz vor dem Ziel für den gewünschten Hunderter eine Ehrenrunde drehen. Hier erreichten mich endlich auch die ersten schwachen Ausläufer der sich nun nähernden Niederschlagsgebiete, doch war dieser Niesel bei weitem nicht vergleichbar mit der Regenfahrt eine Woche zuvor. Zum abendlichen Treffen blieb mir immer noch ausreichend Zeit.

Am Sonntag wollte es gar nicht richtig hell werden. Wie sich bald erwies, lag das nicht nur an einer geschlossenen Wolkendecke, sondern auch am kompakten Nochnebel, welcher sich darunter ausbreitete. Während das im Elbtal noch leidlich gut auszuhalten war, stieß ich bald an die Untergrenze dieser feucht-kalten Schicht, sobald ich die höheren Regionen meiner Anfahrt nach Grillenburg erreichte. Nach dem ersten Scheitelpunkt bei Possendorf begleitete mich diese nasse Kälte dann ausdauernd von Freital aus in den Tharandter Wald, wo sich dieser Nebel festgesetzt hatte.

Eigentlich wollte ich mich ja in Grillenburg mit den Leuten der Dresdner Selbsthilfegruppe integrativ-aktiv treffen, welche sich dort zu einer geführten Tour durch die Geopark-Rangerin Dagmar verabredet hatten. Sie waren natürlich schon unterwegs, als ich dort kurz nach dem Mittag eintraf. Leider befanden sie sich inzwischen offenbar in einem ausgedehnten Funkloch, sodaß mein Versuch zur Kontaktaufnahme scheiterte. Länger als eine Viertelstunde konnte ich jedoch nicht warten, denn gut durchfeuchtet vom leichten Niesel des Nebels und außerdem vom eigenen Schweiß kühlte ich ohne Bewegung sehr schnell aus. Letztlich fuhr ich weiter, ohne den Freunden begegnet zu sein.

Glücklicherweise halfen mir einige nachfolgende leichte Anstiege, mich wieder einigermaßen aufzuwärmen. Als ich bald darauf den Nebelwald verließ, trocknete sogar meine Kleidung. Während der letzten Kilometer entlang der Elbe freute ich mich trotzdem schon auf mein Zuhause. Pünktlich mit meiner Ankunft in Pirna meldete sich auch Klärchen zurück.

Da hatte ich aber keine Lust mehr auf einen Extrazacken. 

13. Oktober 2026

Alles Banane

Oder besser: eine Banane für alles. Meine Montagstour war wieder einmal typisch für die Zeit des Übergangs. Wenn es nicht mehr sehr warm wird, benötige ich nämlich auf meinen Handbiketouren noch weniger Essen und Trinken. Aber nach einem üppigem Frühstück komme ich den Tag über troz der körperlichen Belastung ohne großen Energienachschub aus.
 
Gestern gab es bei mir beispielsweise früh gleich rund 250g (Trockengewicht) Spaghetti mit Ketchup, dazu eine große Tasse Kaffee. Überhaupt esse ich inzwischen gerne bereits am Morgen warm, manchmal aber auch etliche Scheiben Toastbrot mit Butter oder Marmelade. Damit komme ich selbst bei Anstrengung sehr lange aus. Während meiner einzigen Freßpause gegen 12.30 Uhr auf dem höchsten Punkt kurz vor Krumhermsdorf waren es diesmal eben jene Banane und ca. 100 ml Orangenlimonade.
 
Beinahe überflüssig zu erwähnen ist, daß meine Sportfreunde wegen meiner absonderlichen Ernährungsgewohnheiten regelmäßig verständnislos mit dem Kopf schütteln. Gerade Christiane, deren Kinder eine Sportschule besuch(t)en und die deshalb Gelegenheit hatte, an speziellen Seminaren von Sportmediziniern zur richtigen Ernährung im Wettkampfsport teilzunehmen, riet mir, doch die praxisbewährten ernährungsphysiologischen Regeln für die Energiezufuhr anzuwenden. Diese empfehlen etwas ganz anderes, trotzdem wirkt meine Strategie nach eigenem Empfinden sehr gut. Ich höre jedenfalls lieber auf mein Bauchgefühl. Sprichwörtlich.
 
Panorama oberhalb von Lichtenhain in Richtung Südwesten (Aufnahmeort)
Ansonsten beginnen nun auch wieder jene Tage, an denen ich mich morgens zusätzlich motivieren muß, um in Schwung zu kommen. Sofern es gut rollt, ist diese Barriere zwar bald überwunden, doch bleibt selbst dann unterwegs wenig Muße für längere Pausen.
 
Immerhin erweiterte ich meine Tour noch um den Zacken über Sebnitz, was auch den längeren Anstieg in Richtung Lichtenhain mit einschloß (s. Track vom 12.10., km 58,0 - 60,5). Diesen fahre ich aufgrund der gleichmäßigen und nicht allzu großen Steigung (von ca. 6-8%) allerdings ziemlich gerne und freue mich dann jedesmal auf die schnelle Abfahrt nach Lichtenhain. Von der stammt übrigens auch das Bild, ein wirklich großartiges Panorama nach Süden und Westen. (Es war gestern tatsächlich meist ziemlich dunkel.)
 
Nach dem Abstecher bis Cunnersdorf über meine Lieblings-"Renn"-Runde blieb nur noch der Heimweg auf dem Elberadweg, wobei die Baustellenumfahrung kurz hinter Königstein (s. Track vom 12.10., km 95,9 - 96,3) mich weniger als erwartet nervte. Doch nur dem beherzten Schlußsprint ab Pötzscha war es zu verdanken, daß ich schließlich bis Pirna doch noch mein Geschwindigkeit-Wunschziel schaffte.

Macht mich das Mehr an Kleidung etwa wieder langsamer?
 

11. Oktober 2026

Nachdrücklich Herbst

Mütze statt Kopftuch, außerdem Jacke: es läßt sich nicht länger leugnen, daß der Herbst da ist.

Als ich am Freitag mittags nach dem zeitigen Feierabend losfuhr, wagte ich es aber noch einmal nur mit Kurzarmtrikot und Ärmlinge. Trotzdem war es eine Umstellung nach diesen warmen Tagen im Süden. Auch von der Sonne sah ich nicht viel, doch noch kam ich recht gut voran.

Anders wurde es hingegen auf der nördlichen Elbseite. So, wie sich der Himmel immer mehr zuzog, so wurde die Fahrt immer mehr Pflicht als Vergnügen. Zu meinem Verdruß begann es schließlich auf meinem Weg von Radeberg nach Großerkmannsdorf ausdauernd zu regnen, nachdem zuvor schon erste Tropfen gefallen waren. Diese letzten zwanzig Kilometer arteten bald zu einer Durchhaltestrecke aus, denn ich habe lange nicht mehr so viel Naß von oben abbekommen. Deshalb ersparte ich mir schließlich auch die knapp drei Kilometer, die noch an einem Hunderter fehlten. - Nur schnell nach Hause!

Der erste Wochenendtag begann dann gleich mit miesem Wetter. Obwohl, so viel Regen gab es in Pirna eigentlich nicht - so meinte ich es jedenfalls. Ich blieb lange unentschlossen, doch entschied mich letztlich gegen eine Handbiketour. Nur zu einem Nachmittagsspaziergang mit Einkauf im Supermarkt überredete ich mich, um wenigstens nicht die ganze Zeit in der Wohnung zu verbringen. Dafür organisierte ich meinen Tagesablauf so, daß ich am nächsten Morgen zeitig starten konnte. Sonntags sollte es nämlich erneut ab Mittag ungemütlich werden, doch wollte ich bis dahin den Großteil der Strecke absolviert haben.

Herbstzeit ist im Elbsandsteingebirge immer auch
die Zeit der Morgennebel, hier mit dem Lilienstein
im Hintergrund (Aufnahmeort)
Diesmal ging mein Plan auf. Bereits kurz vor Sonnenaufgang saß ich auf dem Handbike und erlebte daher einen Tagesbeginn voller Herbstromantik. Nur die Laubfärbung setzt eben erst zaghaft ein, erst in zwei, drei Wochen "brennt" der Wald. Bei Temperaturen im einstelligen Bereich begrüßte ich jeden Anstieg, der mich aufwärmte. Auch an den Fingern wird es nun allmählich kalt, aber noch benötige ich keine Handschuhe. Mal sehen, wie lange - manchmal geht es schnell ...

Als ich kurz nach Schlottwitz meine (kurze) Mittagsrast hielt, lagen auf diesen 63 km bereits 850 Hm hinter mir. Ich hätte mich daher also entspannen können, doch leider entluden sich nun rings um mich herum immer mehr Regenwolken mit teils heftigen Schauern. Das war ein bißchen wie Russisch Roulette, zumal die Sonne eigentlich immer noch einen schönen Herbsttag vorgaukelte.

Mir blieb das Glück jedoch treu. Sämtlicher Regen zog vorüber, ohne mich einzunässen, und so konnte ich mir in Dresden einen letzten Umweg bis kurz vor das Blaue Wunder leisten. Die nächste mächtige Regenwand im Nacken, spurtete ich die letzten Kilometer auf dem Elberadweg nachhause. Zum Schluß flankierte mich sogar südlich ein weiteres Regengebiet und drohte, mich zu überholen. Mit den ersten Tropfen schaffte ich es aber bis ins Ziel.

Ein entspannter Nachmittag erwartete mich.

5. Oktober 2026

Schneller erschöpft

So, langsam lasse ich es ausklingen ... Besonders an den letzten beiden Tourtagen habe ich es gemerkt, daß ich eben auch schon straff auf die Sechzig zugehe. Man stößt inzwischen nicht nur schneller an seine physischen und mentalen Grenzen, sondern benötigt für die Regeneration auch wesentlich mehr Zeit. 

Aber ich will nicht klagen, denn vor allem meine Ausfahrt mit dem Handbike am 02.10. hatte wieder alles dabei, was eine Fahrt in den hohen Bergen so besonders macht: wunderschöne Straßen und phantastische Ausblicke, verbunden mit dem Gefühl, genau zur richtigen  Zeit am richtigen Ort zu sein.

Rein rechnerisch erschien die Tour hinauf zum Ort Foza und der anschließenden Weiterfahrt auf einer Art Hochfläche über Asiago bis Treschè Conca gar nicht übermäßig anspruchsvoll, doch der Teufel steckte im Detail. Der größte Anstieg des Tages über reichlich 900 Hm erfolgte nämlich auf nur 14 km (s. Track vom 02.10., km 31,0 - 45,3). Sogar die Profis des Giro d'Italia sind hier schon hinaufgeklettert, wovon eine Tafel zu Beginn des eigentlichen Anstieges kündete.

Ich selbst kam mit der Steigung ganz gut zurecht. Allerdings hatte ich ca. 300 Hm unterhalb des Scheitelpunkts bereits so viel Federn gelassen, daß dann der Rest eine echte (Durch-)Hängepartie wurde. Dabei gab es gar keine direkt meßbaren Verschlechterungen (wie z.B. über die Herzfrequenz), tatsächlich fühlte ich mich aber zwischenzeitlich ziemlich elend. Nun, indem ich mir alle Zeit der Welt für diese letzten Kilometer nahm und keinen Streß machte, überstand ich schließlich auch diesen Abschnitt. Umkehren war jedenfalls zu keiner Zeit eine Option.

Von der Straße zwischen Fozo und Asiaga kann
man tief hinab ins Val Frenzela in Richtung des
Ortes Valstagna schauen, wo die Serpentinenstraße
nach Foza beginnt (Aufnahmeort)

Auch weil ich nach dieser Kletterei dann jeden Anstieg von Beginn an etwas langsamer hinauffuhr, kam ich dabei nie mehr in Bedrängnis. Leider mußte ich den Radweg auf der Bahnstrecke der ehemaligen Bahn nach Asiago abwählen und stattdessen die Hauptstraße benutzen. Denn als Lád'a am Vortag die Trasse erkundete, stellte er fest, daß diese sich in einem zu schlechten Zustand (Schotter, teils zugewachsen) war, um für mich noch sinnvoll ohne erheblichen Zeitverzug nutzbar zu sein. 

Hinab in die Ebene ging es schließlich über etliche Serpentinen, von denen sich erneut schöne Ausblicke eröffneten (s. Track vom 02.10., km 73,8 - 82,7). Das einzige nervige dort waren halbstarke Motorradfahrer, welche rücksichtslos gegenüber Auto- und Radfahrern die Piste als Rennstrecke mißbrauchten, was einige Male zu wirklich gefährlichen Situationen führte.

Die letzten kurzen Gegenanstiege des Tages ärgerten mich noch ein wenig (ich hatte nicht mehr mit ihnen gerechnet), doch als ich zum Sonnenuntergang am Quartier eintraf, war ich restlos glücklich und auch zufrieden mit mir. Besonders die Traumstraße nach Foza wird mir in Erinnerung bleiben.

Natürlich war abends bereits klar, daß es sich für mich in diesem Jahr in den Alpen ausgeklettert hatte. Am letzten Tag meines Urlaubs in Venetien stand also nur noch eine lockere Runde in der Ebene auf dem Programm. Als Ziel hatte ich mir Padua ausgesucht, auf der Rückfahrt schlug ich aber noch einen Bogen über Cittadella.

Man sollte meinen, ich würde in diesem konditionell anspruchslosen Gelände abgehen wie eine Rakete. Das bestätigte sich aber nicht. Da es hier keine nennenswerten, also längere Anstiege gab, folgten darauf auch keine Abfahrten, auf denen ich mich hätte vom Kurbeln "erholen" können. Insgesamt war ich also überdurchschnittlich lang und ausdauernd mit der Armarbeit ausgelastet. Über einen ganzen Tag ist diese Anstrengung nicht zu unterschätzen.

Von Paduas Altstadt war ich etwas enttäuscht, ich hatte mir mehr Sehenswertes erhofft. Vielleicht war ich auch nur nicht an den richtigen Orten, doch sehr lange wollte ich mich am Umkehrpunkt nicht aufhalten. Die zweite Stadt, nämlich Cittadella, gefiel mir hingegen besser, vor allem aber die eindrucksvolle Stadtmauer mit den Toren, welche allesamt sehr gut erhalten sind. Wahrscheinlich bräuchte ich aber auch hier wesentlich mehr Muße für die Erkundung. Bei Touren im Handbike kann ich mit der Zeit im Nacken nur an der Oberfläche kratzen.

Meine letzten Kilometer gehörten schließlich beinahe zur Standardstrecke, weil ich dieses Stück wahrscheinlich auf jeder meiner Touren hier absolviert habe. Als ich endlich im Hof der Unterkunft einrollte, war ich beinahe genauso geschafft, wie an den Tagen zuvor.

Lád'a meinte, wir könnten hier wieder einmal ein paar Tage verbringen. Unser Heim auf Zeit in Maragnole jedenfalls war sehr gut für mich geeignet und ist somit durchaus empfehlenswert. Und auch ausreichend mögliche Ziele gibt es für mich noch in der Umgebung, inklusive einer Bergtour zur Bocchetta Granezza und dem Passo Stretto. Wenn wir dann noch solches Heldenwetter wie in den vergangenen Tagen haben, ist das beispielsweise eine sichere Bank für die Saisoneröffnung oder den Jahresabschluß. Diesmal sind das bei mir übrigens auf 5 Touren insgesamt 462 km mit 4430 Hm gewesen.

1. Oktober 2026

Lange Leitung

Die Zeit war reif für die letzte überdurchschnittlich anspruchsvolle Handbiketour des Jahres 2026 in den Alpen. Nachdem ich während des Sommerurlaubs mit meinen Fahrten auf den Großen Speikkogel sowie auf den Monte Zoncolan auch schon sogenannte Hochgebirgsmonumente mit dem Handbike erklommen hatte, sollte nun die Tour auf den Monte Grappa meine diesjährige sehr erfolgreiche Alpenpässejagd abrunden.

Um mir genügend Zeitreserven zu bewahren, fuhr ich am Morgen bereits relativ zeitig los. Doch selbst gegen 8.00 Uhr reichte mir das Kurzarmtrikot aus. Bei 14°C Lufttemperatur und strahlendem Sonnenschein konnte ich mich auf den ersten flachen 24 km bis zum Beginn des Gipfelsturms ab Romano d'Ezzelino ausreichend warmfahren. Nach dem Bericht meines tschechischen Kameraden, welcher mit dem Rennrad zwei Tage zuvor erfolgreich über diese Strecke den Gipfel erreicht hatte, entschied ich mich entgegen meiner ursprünglichen Planung nun ebenfalls für diese Auffahrt.

Von hier verteilten sich nämlich die zu überwindenden (lt. Quaeldich.de) 1500 Hm auf die wesentlich längere Distanz von 27 km (statt 17 km), was in der Mehrheit geringere Steigungsprozente bedeutete. (Mein Navi hat übrigens auf diesem Abschnitt einen Anstieg von knapp 1600 Hm erfaßt.) Damit unterschied sich diese Auffahrt auch grundlegend von den Steilrampen auf den Großen Speikkogel sowie den Monte Zoncolan. Nicht bloße Kraft, sondern vor allem Ausdauer war hier gefordert!

Freilich hatte ich wieder einen perfekten Tag erwischt. Nachdem ich bereits auf der Anfahrt feststellte, daß ich endlich uneingeschränkt belastbar war, trugen erneut optimale Witterungsbedingungen zusätzlich zur Motivation bei. Viel Sonne, aber die Straße immer ausreichend im Schatten der Wälder, nicht zu kalt, nicht zu warm und manchmal ein schwaches Lüftchen, um die Hitze der Muskelmotoren besser abzuleiten.

Noch am Morgen schlug Lád'a vor, mich im Auto während der Gipfeltour zu unterstützen und uns zum Schluß auf dem Scheitelpunkt zu treffen. Nun erreichte er mich zum ersten Mal am Ende der Serpentinen nach ca. 9 km des Anstiegs. Es gab Cola als Dopingmittel, außerdem nutzte ich den Zwischenstop, um etwas zu essen. Ab diesem Treffen hielt mein Sportfreund etliche Male für meine Verpflegung sowie als Fotograf an der Strecke, sodaß ich völlig unbesorgt bzgl. meines Flüssigkeitsverbrauchs sein konnte. Dadurch verlief meine Tour im Gegensatz zu einigen Solotouren in den Alpen zuvor insgesamt wesentlich entspannter. Irgendwie war es sehr schön, den Freund im Hintergrund zu wissen ...

Unterhalb des Rifugio Bassano, kurz vor dem Ende
der öffentlichen Straße. Im Hintergrund ist die
Stichstraße zu erkennen, welche hinauf zum Sacrario
Militare del Monte Grappa am Horizont in Bildmitte
führt (Aufnahmeort)
Nach zwei bis drei konditionellen Durchhängern unterwegs, kam ich schließlich kurz nach 16.00 Uhr auf dem Gipfel an, wo mich Lád'a ein letztes Mal an diesem Tag erwartete. Er hatte auch schon mit dem Soldaten in der dortigen Kaserne gesprochen und die Erlaubnis dafür erhalten, daß ich ausnahmsweise über die sonst für den Verkehr komplett gesperrte kurze Stichstraße, deren Zugang zudem mittels Ketten gesichert ist, mit den Handbike hinauf zum Kriegerdenkmal fahren darf. Dort oben verbrachten wir ein paar schöne, doch gerade auch nachdenkliche Momente. Fast 23.000 Gefallene nur einer einzigen Schlacht sind dort begraben, die meisten der Toten namenlos. Warum lernen die Menschen nie aus solchen Katastrophen und wollen sich erneut die Köpfe einschlagen, sobald die letzten Zeitzeugen, die den Krieg am eigenen Leib erfahren haben, gestorben sind?! - Der nächste große europäische Krieg wird im nuklearen Inferno der letzte sein!

Kurz nach halb Fünf stürzte ich mich endlich in die Abfahrt. Vorbei am sogenannten Panettone, dem wichtigsten Startplatz der Paraglider, die vom Monte Grappa aus talwärts fliegen, konnte ich es dabei trotz des häufigem Bremsens relativ locker laufen lassen. Denn vor meiner Abfahrt vom Quartier hatte ich dort in einer Hauruck-Aktion gemeinsam mit meinem Sportfreund die Bremsbeläge meiner hydraulischen Scheibenbremse gewechselt, eine Sache von 3 - 4 Minuten. Nun war ich froh, es getan zu haben.

Vom Ende der Abfahrt in Semonzo del Grappa bis zum Quartier benötigte ich schließlich noch einmal etwas mehr als zwei Stunden und kam dadurch vor meiner Ankunft in die Dunkelheit. Aber auch das störte mich nicht, weil ich mir sowieso die Beleuchtung eingepackt hatte. Bei immer noch angenehmen 22°C erlebte ich am letzten Septembertag die letzten Kilometer wie in einer lauen Sommernacht.

Die Freude über das Erlebte tief in mir.

Auf dem Weg der Besserung

In den vergangenen drei Tagen jagte ein Höhepunkt den anderen. Ich werde nun versuchen, alle Ereignisse seit Montag aufzuarbeiten.

Nach der ersten Tour in Venetien hatte ich ja noch über Unwohlsein geklagt. Leider wurde es zu Beginn der neuen Woche nicht besser. Dennoch wollte ich die Zeit nicht tatenlos im Quartier verbringen, sondern wenigstens eine kurze Ausfahrt im flachen Gelände unternehmen. Dafür eignete sich die Empfehlung meines Kameraden perfekt, nämlich die Altstädte von Marostica und Bassano del Grappa zu besichtigen. Der mittelalterliche Stadtkern von Marostica sowie u.a. die Holzbrücke "Ponte degli Alpini" in Bassano zählen zu den überregionalen Sehenswürdigkeiten in diesem Gebiet.

Die Anfahrt dorthin strengte mich trotz geringer konditioneller Anforderung mehr an als sonst - ein Zeichen dafür, daß ich gesundheitlich noch nicht über'n Berg war. Doch die Erkundung der beiden genannten Städte entschädigte mich reichlich. Es erwies sich als die beste Idee, den Tag sinnvoll zu nutzen, auch wenn ich am Nachmittag geschafft wie nach einer langen Tour war. Noch sah es überhaupt nicht gut aus für mein größtes geplantes Projekt.

Daher entschlossen sich Lád'a und ich, zunächst noch einen weiteren Tag ohne nennenswerte sportliche Aktivitäten zu verbringen. Statt, wie geplant, zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Auto einen Abstecher nach Venedig zu unternehmen, stand extrem kurzfristig bereits am Dienstag der Besuch dieser Stadt auf dem Programm. Leider verpaßten wir aus diesem Grund den letztmöglichen Zeitpunkt (nämlich mindestens 24 Stunden zuvor), einen der kostenfreien Rolliparkplätze im großen Parkhaus online zu reservieren und mußten schließlich auf die Bezahlvariante ausweichen, was uns dann 35,- EUR kostete.

In Venedig auf dem Markusplatz vor
dem Markusdom (Aufnahmeort)
Um als Rollifahrer die verschiedenen barrierefrei zugänglichen Orte bzw. Ortsteile zu erreichen, ist man auf sogenannte Vaporetti angewiesen, dem öffentlichen Nahverkehr auf den Kanälen der Lagunenstadt. Für die Wasserbusse waren die Ticketpreise erfreulich fair: für mich inkl. Begleitperson 1,50 EUR pro Fahrt. Wir erwarben gleich mehrere Fahrscheine am zentralen Startpunkt bei der Piazzale Roma, die wir dann nach und nach entwerteten. Manchmal mußten wir lediglich auf die andere Seite des Canal Grande, benötigten aber hier ebenso ein Ticket. Dennoch wurde es ein ganz besonderes Erlebnis, zumal wir anfangs damit eine Art Stadtrundfahrt auf dem Wasser unternahmen. Für den schnellen Transfer ist das Vaporetto zwar ungeeignet, weil es oft bereits nach wenigen 100 m - manchmal sogar nicht einmal so weit - erneut anlegte, doch wir hatten ja alle Zeit der Welt!

Nach der morgendlichen Schweißattacke im Bett fühlte ich mich inzwischen auch wieder richtig gut. (Solche Schweißausbrüche sind bei mir im Krankheitsfall immer ein ziemlich sicheres Indiz dafür, daß das Schlimmste überstanden ist.) Deshalb genoß ich unseren Ausflug umso mehr. Freilich benötigte ich wegen der Steilheit der Rampen selbst über die barrierefrei ausgebauten Brücken immer die Hilfe meines Begleiters, doch konnten wir viele Orte auch abseits der Touristenströme erreichen. Mit etwas besserer Vorbereitung (bei einer weniger kurzfristigen Entscheidung) wäre sich auch noch mehr möglich gewesen, doch insgesamt haben wir an diesem Tag ebenfalls eine ganze Menge gesehen.

Ich jedenfalls war abends ziemlich erledigt und hatte keinerlei Bedürfnis, gleich noch einen Beitrag hier zu veröffentlichen. Das allerbeste an diesem Tag war jedoch, daß ich mir nun ziemlich sicher war, für die nächsten sportlichen Herausforderungen wieder voll einsatzbereit zu sein.

Monte Grappa, ich komme!

28. September 2026

Überraschend steil

Ich bin schon am Sonnabend losgefahren, um mich mit meinem tschechischen Kameraden nahe Vicenza zu treffen. Erfreulicherweise kam ich bereits abends gegen 20.00 Uhr am Ziel an. Statt einer Nacht im Auto, machte es mein Kamerad möglich, daß ich nach Absprache mit dem Hotelier bei ihm in seinem Übergangsquartier übernachten konnte. Diese Unterkunft war zwar nicht barrierefrei, aber Lád'a hievte mich mit viel Engagement hinauf in den ersten Stück, wo er übernachtete. So konnte ich ausgeschlafen gleich am nächsten Tag zu meiner ersten Tour starten.

Die sollte eigentlich flach werden, mit einem Abstecher nach Vicenza. Doch noch am vorhergehenden Abend hatte mein Sportfreund durchaus ernstzunehmende Anstiege mit mehr als 300 m Höhendifferenz in der Nähe von Vicenza entdeckt. Die Colli Berici (dt. „Berici-Hügel“) sind übrigens auch ein Weinbaugebiet in der Region mit geschützter Herkunftsbezeichnung.

Bei der Abfahrt von den Colli Berici erinnerte mich
vieles an die Toskana (Aufnahmeort)
Nach einer flotten Fahrt durch die brettebene Landschaft zwischen Adria und den Alpen nahm ich mir also eine der Auffahrten in diese Hügel vor, nachdem klar war, daß ich heute auf die Begleitung durch Lád'a verzichten mußte. (Er hatte zunächst mein Auto zum gebuchten Quartier überführt, bevor er sich ebenfalls auf's Rad setzte.) Allerdings hatte ich den nun bald folgenden Anstieg komplett unterschätzt. Kurz hinter Sant' Agostino wurde es nämlich richtig steil (s. Track vom 27.09., km 34,3 - 35,8).  Auf 1,5 km mußte ich dabei einen Höhenunterschied von mehr als 170 m überwinden. Ohne die entsprechende (mentale) Vorbereitung kam ich hier an meine physischen Grenzen. Einzige Abhilfe: Stop & Go oder - wie ich es auch bezeichne - Klettern in kurzen "Sprüngen". Doch selbst mit dieser Fahrtaktik verausgabte ich mich völlig, sodaß mich danach lange Zeit jeder weitere Anstieg, also auch flachere, zu Verschnaufpausen zwang.

Diese Tour hatte ich nicht vorab geplant, und das rächte sich dann auf dem Rückweg. Denn mein Navi lotste mich meist auf großen und stark befahrenen Fernverkehrsstraßen zum neuen Quartier. Im Gegensatz zur Heimatregion kannte ich mich aber im Gebiet überhaupt nicht aus, weswegen ich der Streckenführung meines Navigationsgeräts ziemlich ausgeliefert war. Dabei hätte man sicherlich auch eine ruhigere und schönere Route finden können.

Am Abend stand schließlich fest, daß ich heute mich von dieser ersten Tour erholen werde, zumal ich gestern nicht in optimaler (gesundheitlicher) Verfassung war. Hoffentlich renkt sich alles wieder ein.

Es warten noch richtige Bollwerke auf mich!