18. Juli 2024

Ein Sommerabend

Noch ist es so lange hell, daß sich selbst nachmittags zu fortgeschrittener Stunde eine Tour mit dem Handbike lohnt. Das habe ich gestern getan, obwohl ich bis kurz nach dem Mittag in Dresden auf Arbeit war.

Statt einer Fahrt ins Blaue, fuhr ich diesmal jedoch nach Streckenplan ins südliche Elbsandsteingebirge. Nach den zwei, mir wegen der erstklassigen Asphaltstraßen und auch der landschaftlich schönen Strecke liebsten Tälern in der Region - dem Bahre- (s. Track vom 17.07., km 3,8 - 8,9) sowie dem Bahratal (s. Track vom 17.07., km 17,1 - 19,9) - steuerte ich das große zusammenhängende Waldgebiet zwischen Rosenthal und Cunnersdorf an.

Dieser sogenannte Cunnersdorfer Forst ist nicht nur wegen seiner Abgeschiedenheit eine Empfehlung, nein, diese siedlungsfreie, einsame Gegend eignet sich auch perfekt für heiße Sommertage. Im Schatten der Bäume und entlang von Bächen herrschen hier in den Tälern immer noch erträgliche Temperaturen, wenn zur gleichen Zeit anderswo bereits die Gluthitze erbarmungslos zuschlägt.

Auch gestern war ich dort über eine Stunde ganz allein unterwegs. Nur einmal begegnete ich einem Forstarbeiter, der mit seinem Harvester gerade die frisch gefällten Bäume zu einem Polter aufstapelte. Eigentlich war nämlich die Forststraße gesperrt, doch weil es vorher keine Ankündigung gab, bin ich unversehens dort hineingeraten. Natürlich machte ich mich sofort gegenüber ihm bemerkbar, und er erlaubte mir daraufhin die Weiterfahrt. Das fand ich sehr nett, denn er hätte mich ja auch abweisen können. Aber der Ton macht eben die Musik: mit meinem Handbike kennen mich hier in der Region viele Leute, und eine Bitte, mit Freundlichkeit respektvoll vorgetragen, wird mir eigentlich nie (ohne extrem triftige Gründe) abgeschlagen. Und wenn es mal soweit kommt (z.B. bei einer gerade frisch aufgetragenen neuen Asphaltdecke) bin ich der letzte, der dann uneinsichtig ist.

Blick zu Kleinem (links, etwas versteckt) und 
Großem Zschirnstein (Aufnahmeort)
Nach dem Fuchsteich bog ich schließlich spontan auch zum Taubenteich ab. Diese Strecke fahre ich wesentlich seltener - nicht zuletzt auch aufgrund der ca. 18% steilen Rampe auf den letzten Metern hinter dem Teich bzw. des (aus der Gegenrichtung kommend) sich hinziehenden Anstiegs aus den Krippenbachgrund. Dafür ist es hier noch ursprünglicher und stiller als auf der Fuchsbachstraße, und man hat in Richtung Osten einen schönen Blick über eine Lichtung neueren Datums zum Kleinem und Großen Zschirnstein. Diese beiden langgestreckten Tafelberge bekrönen als kleinere Geschwister des benachbarten Hohen Schneebergs (Děčínský Sněžník - mit 724 m NHN höchste Erhebung) im Süden den deutschen Teil des Elbsandsteingebirges.

Nach der flotten Abfahrt ins Elbtal bis Krippen rollte ich nur noch auf dem Elberadweg nachhause. Für diesen Tag reichte es mir, schließlich wartete ja am nächsten Tag wieder die Arbeit auf mich.

Es müssen nicht immer 100 km sein.

15. Juli 2024

Durchatmen

So gefällt mir der Sommer: Temperaturen bis maximal 25°C und immer mal wieder Wolken, die auch im offenen Gelände für ausreichend Schatten sorgen!

Dabei hieß es am Sonnabendmorgen erst einmal abwarten, bis ein größeres Regengebiet durchgezogen war. (Das ist auch mal ganz nett, etwas länger im Bett liegen zu bleiben.) Danach aber rollte es umso schneller. Warmfahren bis zur Dresdner Grundstraße, über diese in neuer persönlicher Bestzeit das Elbtal verlassen und anschließend flach ansteigend weiter ostwärts zum Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek). Diesmal galt nämlich mein Interesse hauptsächlich dem Sägezahnprofil zwischen Lobendau (Lobendava) und Schluckenau (Šluknov). Nach dem Umkehrpunkt in Kaiserswalde (Císařský) kurz vor Schluckenau folgten noch zwei weitere Anstiege, sodaß die Säge letzten Endes immerhin sechs Zacken hatte (s. Streckenprofil des Tracks).

Vor der letzten nennenswerten Auffahrt über die Straße von Sebnitz nach Lichtenhain (s. Track vom 13.07., km 96,6 - 99,1) hatte ich ausreichend Vorsprung, um erneut eine schnelle Runde abrechnen zu können. Den Berg fahre ich übrigens recht gern, die Strecke ist abwechslungs- / kurvenreich und dabei nicht zu steil.

Das historische Rathaus mit 
Glasglockenspiel
in Wilsdruff
(Aufnahmeort)
Sonntags wollte ich nur eine kleine Runde drehen. Geplant hatte ich eine Ausfahrt nach Nordwesten in die Gegend um Moritzburg. Die Anfahrt sollte über das südlich der Elbe sich ausbreitende (Ost-)Erzgebirgsvorland erfolgen, denn erst am Vortag war ich ja auf der normalerweise üblichen Strecke unterwegs gewesen. Außerdem würde ich bei dieser Gelegenheit vor der flachen Teichlandschaft noch ein paar Höhenmeter sammeln können.

Aber es kam wieder einmal so, wie häufig, wenn ich ohne konkreten Streckenplan fahre. Da ein kleiner Umweg, dann noch diese Ortschaft mitgenommen, im Tharandter Wald war ich auch lange nicht mehr, ja natürlich, man kann auch Tharandt umfahren und dafür den schönen, asphaltierten Radweg auf der ehemaligen Schmalspurbahnstrecke nach Wilsdruff mitnehmen (s. Tack vom 14.07., km 65,8 - 71,4) ... Als in der Stadt schon knapp 73 km auf dem Navi standen, strich ich den Abstecher auf die nördliche Elbseite und peilte so ziemlich direkt den Elberadweg in Höhe des Dresdener Stadtteils Kemnitz an.

Abgesehen davon, daß ich nicht zu spät wieder zuhause sein wollte, wurde das Wetter auch zunehmend wechselhafter. Vor Klingenberg hatte ich einigen Regenwolken im Blau noch erfolgreich ein Schnippchen schlagen können, doch es waren weitere Schauer im Anmarsch. Am Dresdner Terrassenufer (also im Zentrum von Dresden) fuhr ich das erste Mal am Tage auf klatschnassen Straßen, die allerdings rasch abtrockneten. Hier war der Regen schon durch, doch in Laubegast mußte ich trotz eines furiosen Fluchtversuchs auf dem Elberadweg vor dem nächsten Unwetter schließlich doch noch 15 Minuten unter einer Markise eines Imbisses zwangspausieren. Besser, als kurz vor Finito komplett durchgespült zu werden, war das allemal.

Bald danach schien wieder die Sonne.

9. Juli 2024

1000 Teiche?

Am Montag konnte ich nun nachholen, was ich ursprünglich für das Wochenende geplant hatte. Erst vor kurzen hatte ich nämlich einen Artikel über das Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" und dessen Besucher- und Informationszentrum "Haus der tausend Teiche" gelesen und mir den Ort gleich als potentielles Tourenziel vorgemerkt. Meine zuerst geplante Strecke dehnte ich jedoch noch ein bißchen aus, denn die Aktion eignete sich prima für einen Langen Kanten.

Den am Morgen wolkenlosen Himmel nutzte ich gleich für einen frühen Start. Nur während der knappen ersten Stunde benötigte ich die Beleuchtung, und zwar bloß, um (von den Auofahrern) gesehen zu werden. Allerdings war bis auf den einsetzenden Schichtverkehr ziemlich wenig auf den Straßen los.

Verwaltung (links) und Besucherinformationszentrum
des Biosphärenreservats „Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft“ (Aufnahmeort)
Nach 39 km hatte ich kurz hinter Burkau meinen Virtual Partner eingeholt - die mir selbst vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,2 km/h sollte ich danach den ganzen Tag über nicht mehr unterschreiten. Mehr als 60 km führte die Tour anschließend weitestgehend flach über's Land, ein großer Teil davon durch das Biosphärenreservat. Das viele Grün bot dabei ausreichend Schatten, was ich als sehr angenehm empfand, obwohl es diesmal nicht so heiß wurde. Von den vielen Teichen habe ich aber leider nur sehr wenig gesehen. Ob es wirklich tausend sind? Trotzdem war die Strecke durchaus abwechslungsreich und dabei außerdem perfekt zum Meter machen. Selbst zwei, drei über mehrere Kilometer schnurgerade Straßenabschnitte beeinträchtigten die Freude am Fahren nicht sonderlich.

Dagegen zog sich die Südumfahrung von Bautzen länger hin, als ich es mir bei der Planung ausgemalt hatte. Möglicherweise lag dies daran, daß ich erst in Naundorf meine nächste Rast mit Trinken und Essen einlegen wollte, der Körper bei diesem Zick-Zack mit einigen kurzen Anstiegen jedoch schon vorher Bedarf anmeldete. Letztlich pausierte ich 2 km vorher in Gaußig und beseitigte die Defizite, die mir sonst auf der Steilrampe durch Naundorf unnötig das Leben schwer gemacht hätten. Die getankte Energie und die Flüssigkeit reichte dann bis zum letzten geplanten Anstieg ab Polenz, den ich schließlich nach einen weiteren Zwischenstop mit unvermindertem Elan anging.

Das gab mir zu denken, und ich konnte mich auch angesichts der Tageszeit nicht mehr herausreden, auf  ein Extrazackel bei meinen Langen Kanten zu verzichten. Klar, die Rückfahrt im Elbtal wäre die einfachste Möglichkeit gewesen, wieder nachhause zu gelangen. Aber da in Bad Schandau nach 180 km erst etwas über 1300 Hm auf dem Navi standen, entschloß ich mich zu meiner Standardarweiterung über Cunnersdorf. Zwar war lt. Baustelleninformationssystem die Straße zwischen Krippen und Kleingießhübel gesperrt, aber es war erstens schon 16.00 Uhr und zweitens die Straße nur noch vier Tage lang gesperrt. Das Risiko ging ich also ein, dort umkehren zu müssen. Aber ich kam gut durch, von Arbeitern und Maschinen war auf dem ganzen Stück weit und breit nichts zu sehen.

Nach schneller Abfahrt in Richtung Königstein, wählte ich am Ende außerdem spontan die Auffahrt nach Leupoldishain, auch weil es (im Gegensatz zum Elbtal) die streckentechnisch logischste Variante war. Die zusätzlichen rund 200 Hm fielen mir dann aber nicht mehr so leicht. Umso entspannter gestalteten sich dann die restlichen Kilometer nach Pirna, auf denen es nur noch bergab rollte. 18.30 Uhr war ich wieder zurück.

Der vorangegangene Ruhetag hatte sich ausgezahlt.

6. Juli 2024

Schnelle Spur

Ich kann nicht genau sagen, woran es lag, doch während der vergangenen drei Handbiketouren war ich überdurchschnittlich schnell auf der Piste unterwegs. Allerdings lagen die Temperaturen fast durchweg (bis auf die letzten Kilometer heute) in meinem Wohlfühlbereich - also zwischen 20 und 24°C - und auch das Streckenprofil enthielt meistens nur moderate Anstiege sowie etliche lange Abfahrten mit optimalem Gefälle (ca. 3 - 5%).

Für den Newsletter von Quaeldich.de habe ich
mich vor dem Lilienstein mit meinem neuen
Club-2k-Trikot ablichten lassen
(Aufnahmeort)
Am Mittwoch vermutete ich noch die "antreibende" Wirkung meiner ehemaligen Sportfreundin vom Klettern. Da haben wir uns nämlich nach der Arbeit für die nächste gemeinsame Runde verabredet. Ich machte schon kurz nach Mittag Feierabend, sie war kurz nach 14.00 Uhr in Rathen mit ihrer Tätigkeit für eine Kletterschule fertig. Es wurde eine schöne Runde mit einigen meiner liebsten Streckenabschnitte in der näheren Umgebung. Bei den Bergen gab ich natürlich ordentlich Druck auf die Kurbel, schließlich wollte ich meine Begleiterin nicht zu lange warten lassen.

Kurz nach halb Sechs trennten wir uns nach der kurzweiligen Ausfahrt in Pirna, damit Insa rechtzeitig wieder zuhause war. Da das Wetter wider Erwarten aber stabil schön blieb, setzte ich nun jedoch zu einer zweiten Runde auf der anderen Elbseite an. 100 km sollten es an diesem herrlich klaren Abend noch sein, und das habe ich auch geschafft!

Am Freitag bin ich dann ebenfalls zu einem Nachmittags-100er nach dem Homeoffice aufgebrochen. Die Tour hatte ich mir kurz vorher weniger unter dem Gesichtspunkt landschaftlicher Schönheit, sondern eher als Rennstrecke zusammengestellt. Mein Plan ging von Anfang an auf, sodaß ich schließlich noch ein paar schöne Nebenstrecken zusätzlich in meine Ausfahrt einbaute. Der wunderschöne asphaltierte Radweg zwischen Ehrenberg und dem Tiefen Grund (s. Track vom 05.07., km 69,1 - 71,3) gehört auf jeden Fall dazu.

Während der Heimfahrt auf dem Elberadweg kam mir kurz nach Königstein ein Sportfreund, den ich von Strava her (als Follower) kenne, entgegen. Wir hielten beide an und schwatzten eine ganze Weile miteinander. Es ist so schön, wenn man sich eben nicht nur virtuell  über's Internet kennt! Ansonsten tausche ich unterwegs auch immer mit vielen anderen Radsportlern Grüße. Sie wissen, was ich so treibe und wie oft ich auf Achse bin und erkennen das an. Als Handbiker fühle ich mich jedenfalls in der heimischen Szene unter Gleichgesinnten gut aufgehoben!

Heute stand eigentlich erneut eine längere Tour an. Die getraute ich mir dann aber nicht, denn für den Nachmittags wurden Unwetter angekündigt. Vielmehr entschied ich mich zu einem Ausflug ins Osterzgebirge. Vor allem aufgrund des prognostizierten auffrischenden Südwinds erschien mir das als beste Alternative. Und ich fuhr gut mit dieser Entscheidung! Abgesehen davon, daß ich immer wieder gern ins Osterzgebirge "klettere", sind dort inzwischen auch viele Straßenkilometer runderneuert (neu asphaltiert) und damit optimal zum Meter machen.

Zurück in Richtung Norden, sprich Dresden bzw. das Elbtal, schob mich - wie erwartet - dann zusätzlich der Wind, was ein beeindruckendes Tempo selbst auf flacheren Abschnitten ermöglichte. War die Durchschnittsgeschwindigkeit am Scheitelpunkt der Tour nach 42,5 km und 910 Hm auf 11,5 km/h gesunken, so erreichte ich am Ende trotz mehrerer kleinere Gegenanstiege, die sich immerhin auf 350 Hm summierten, einen Gesamtschnitt von 16,3 km/h auf 122,8 km mit ca. 1260 Hm. Damit stand zum dritten Mal in Folge eine Sechzehn vor dem Komma.

Es rollt!

30. Juni 2024

Freundliche Nachbarn

Die Woche quälte mich mit großer Hitze. Obwohl es derzeit sehr lange hell ist und es sich somit noch lohnen würde, erst ab 16.00 Uhr zu einer kleinen Runde im Handbike aufzubrechen, machten Temperaturen über 30°C meine Überlegungen zunichte. Auch für das Wochenende sah es diesbezüglich nicht gut aus, außerdem waren für Sonntag wieder einmal Unwetter angekündigt.

Für mich bedeutete das, den ersten Tag des Wochenendes exzessiv für sportliche Aktivitäten zu nutzen. Eine Strecke für eine Handbiketour hatte ich mir schon überlegt; und am Freitag begab ich mich zeitiger in die Horizontale, damit ich sonnabends wenigstens die ersten Kilometer in der Nacht sowie am frühen Morgen zurücklegen konnten. Denn da herrschten immer noch angenehme Temperaturen um die 15°C - für mich also optimale Bedingungen.

Die ersten 600 Hm bis zum Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk) und damit den längsten und größten Anstieg schaffte ich daher vor der großen Hitze, erst nach der folgenden langen Abfahrt wurde es warm. Auch als ich später die Randgebiete des linkselbischen Böhmischen Mittelgebirges streifte,  ließ es sich aushalten. Denn nach einem kurzen Zwischenspiel durch das offene Gelände westlich des Milada-Sees (einem renaturiertem Tagebau-Restloch und inzwischen beliebtem Ziel für die Naherholung) tauchte ich in die ausgedehnten Wälder ein, die sich von den Hängen der Vulkanberge herabzogen. Die zweite längere Kletterei des Tages ließ sich also trotzdem immer noch leidlich gut bewältigen, obwohl der Schweiß wegen der hohen Luftfeuchte rann. Die vom kräftigen Regen des Vortags teils klatschnassen Straßen trugen dazu ein Übriges bei, allerdings wurde dabei durch die Verdunstung auch die Luft gekühlt.

Sommer im Böhmischen Mittelgebirge, am
Horizont in Bildmitte der Lobosch (Lovoš) und
rechts davon der Boretzer Berg (Boreč,
Aufnahmeort)
Bereits gegen 11.30 Uhr erreichte ich meinen Umkehrpunkt Leitmeritz (Litoměřice). Anschließend führte mich meine Tour ebenfalls wieder nur durch die Randgebiete des Böhmischen Mittelgebirges, diesmal auf der rechtselbischen Seite. Bei der Planung war mir nämlich klar geworden, daß die direktere Variante mit wesentlich mehr Anstiegen bei der zu erwartenden Hitze eine fragwürdige Schinderei bedeutet hätte. So kletterte ich nur noch einmal bis knapp über 400 m NHN, bevor es während der letzten 70 km bis auf zwei, drei kurze "Brems"berge nur noch rollte.

Der erste Teil der dritten und letzten große Auffahrt durch die mir noch unbekannte abwechslungsreiche Gegend hinter Leitmeritz (s. Track vom 29.06., km 102,3 - 117,2) überraschte mich übrigens nicht nur mit seinem welligen Profil, sondern wurde auch zum Brennpunkt meiner Tour. Weil es hier kaum schattige Straßenabschnitte gab, trocknete ich selbst dabei schneller aus, als mir lieb war. Trotz gewohnter Sparsamkeit mußte ich nun mehrmals zur Flasche greifen, um mir wenigstens den Mund anzufeuchten. In Konojed (Konojedy) trank ich den letzten Rest Wasser, nun verblieb mir nur noch ca. 1l Limonade. Da sah ich in einem Grundstück jemanden mit einem Gartenschlauch hantieren. Daraufhin fragte ich, ob ich nicht etwas Wasser bekommen könnte. Das Mädchen holte ihre Eltern, denen gegenüber ich mich erklärte. Natürlich halfen sie mir und füllten zweimal meine Flasche auf (die erste Füllung verdunstete sofort in der Kehle)! Wir unterhielten uns ein wenig, und der Mann ließ sich daraufhin nicht davon abhalten, mir zum Abschied ein Stieleis zu spendieren.

Aber das erlebe ich bei unseren Nachbarn immer wieder: Hilfe gegenüber Fremden ist für sie selbstverständlich, und wenn man mit ihnen auch noch tschechisch redet, geht - selbst wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht - noch eine ganze Menge mehr! Ich jedenfalls fühlte mich nach dem Wasser und dem Eis herrlich erfrischt und nahm mit neuem Elan die letzte Auffahrt unter die Räder.

Solche Erlebnisse motivieren mich ungemein!

28. Juni 2024

Respekt

Morgen, am 29.06., sind genau 25 Jahre seit jenem schweren Kletterunfall vergangen, der mein Leben komplett umkrempelte. Ein viertel Jahrhundert sitze ich nun schon im Rollstuhl, doch habe ich seitdem so viel erlebt, so viel erreicht, daß ich mit meinem "Schicksal" nicht hadere.

Auch wenn nichts den Verlust ersetzen kann, was das Klettern mir einst bedeutete, fand ich doch vor allem als Handbiker meine sportliche Bestimmung. Etliche Projekte sind inzwischen nicht zuletzt mit der Unterstützung meiner Freude Realität geworden, von denen schon ein einzelnes jedem leidenschaftlichen Sportler zur Ehre gereicht hätte.

Nach erfolgreichem Abschluß
gönnte ich mir das
Club-2k-Trikot von
Quaeldich.de
Mein ältestes Vorhaben und daher schon längst ein Dauerläufer ist die Alpenpässejagd. Als ich 2002 damit begann, ahnte ich nicht, was sich daraus entwickeln würde. Doch von Anfang an war das Internetportal Quaeldich.de die wichtigste Informationsquelle, um mich über Pässe und Paßstraßen zu informieren. Als vor einigen Jahren dann von dessen Machern Listen für Pässesammler zusammengestellt wurden, hatte ich im Handbike bereits so viele verschiedene Anstiege auf Alpenpässe mit mindestens 2000 m Meereshöhe bewältigt, daß es für mich folgerichtig war, meine eigene Club-2k-Liste zu vervollständigen. Kurz vor meinem 56. Geburtstag habe ich am 15. Juni dieses Ziel schließlich erreicht.

Von den darauffolgenden Glückwünschen im Forum des Pässelexikon-Portals war ich ziemlich überrascht, freute mich aber umso mehr darüber. Inzwischen folgten dort noch weitere Wortmeldungen, und selbst Jan, der Chef von Quaeldich.de, gratulierte mir. Auch auf meine diesbezüglichen Veröffentlichungen bei Facebook sowie Instagram gab es positive Resonanz von Radsportlern und Pässejägern wie mir.

Ich habe mir meine Projekte immer schon um der sportlichen bzw. körperlichen Herausforderung willen gesucht, nicht, weil ich damit vor anderen glänzen oder deren Aufmerksamkeit erringen wollte. Und doch ist es ist ein gutes Gefühl, von Gleichgesinnten anerkannt und respektiert zu werden - zumal das ja alles Sportler ohne Handicap sind. Für viele von ihnen war es bis dahin wahrscheinlich gar nicht vorstellbar, daß man mit einer solchen körperlichen Einschränkung diese Leistung erbringen kann. Auch wenn ich mich inzwischen sicherlich nicht mehr als Referenz für DEN typischen Rollifahrer eigne, so zeigt es doch, was möglich ist.

Sport verbindet!

24. Juni 2024

Osterzgebirgskletterei

Schon seit Anfang des Jahres hatte ich einen konditionell anspruchsvollen Langen Kanten in der Schublade. Gestern nun war die Zeit dafür gekommen, denn die Wettervorhersage versprach nahezu optimale Bedingungen für mich. Ich wurde nicht enttäuscht.

Um genügenden Zeitreserven zu haben, startete ich bereits kurz vor dem Sonnenaufgang, sobald ich keine Beleuchtung mehr benötigte. Zwar zog ich mir zunächst noch eine Jacke an, doch bald hatte ich mich warm gefahren, und sie verschwand für den Rest des Tages im Rucksack.

Bis zum westlichsten Punkt der Tour in Lengefeld bewegte ich mich zwar hauptsächlich nur in Höhen zwischen 300 und 500 m NHN, doch ging es häufig hoch und wieder runter. Schon nach 77 km durchbrach ich - viel früher als angenommen - in Großwaltersdorf die 1000hm-Marke. Sonst nehme ich die Höhenmeterangaben bei meinen Planungwerkzeugen (BRouter-Web in Verbindung mit GPX-Studio) nicht sonderlich ernst, doch dieses Mal paßte es ganz gut.

Dafür sah dann der lange Anstieg über reichlich 400 Hm von Pockau bis ins Tschechische, kurz vor Göhren (Klíny, s. Track vom 23.06., km 91,8 - 123,4) im Streckenprofil viel furchteinflößender aus als er dann tatsächlich war. Kein Wunder, sind das doch nur durchschnittlich 1,34% Steigung!

Ab km 115 führte mich die eigentliche Osterzgebirgs-Kammstraße ausschließlich auf tschechischer Seite bis nach Peterswald (Petrovice, s. Track vom 23.06., km 115,4 - 177,8). Allerdings gibt es im deutschen Grenzgebiet öfters ebenfalls schöne, nahezu parallele, jedoch tiefergelegene Streckenalternativen.

Verkehrserziehung einmal anders! (Aufnahmeort)
Die Route auf tschechischer Seite wurde übrigens mittlerweile durchweg als Krušnohorský (automobilový) okruh (Erzgebirgsrunde) ausgewiesen - wohl, um auch Auto- und Motorradfahrer die Befahrung schmackhaft zu machen. Für Radfahrer wie mich ist das nicht so angenehm, lockt doch diese landschaftlich wunderschöne Strecke damit inzwischen zahlreiche Auto-, aber noch viel mehr Motorradfahrer an. Dabei ist der Straßenbelag des gestern befahrenen Abschnitts zwischen der Staumauer der Talsperre Fley (Fláje) und der Straße nach Moldau (Modava) inzwischen so stark verwittert, daß man im Handbike ordentlich durchgeschüttelt wird bzw. sich der Rollwiderstand drastisch erhöht hat. Dort sollte man mal investieren!

Ab Peterswald führt die Kammstraße sogar noch weiter über Tyssa (Tísa) und Schneeberg (Sněžník) ins Elbtal nach Tetschen (Děčín), doch diesen Teil bin ich ja erst am vergangenen Freitag gefahren. Außerdem wären damit noch einmal rund 40 km inklusive des Heimwegs im Elbtal zur Streckenlänge hinzugekommen, was mich zwar nicht wesentlich mehr Höhenmeter gekostet, jedoch angesichts der schon fortgeschrittenen Zeit (in Peterswald war es bereits 19.00 Uhr) meine Ankunft zuhause um mindestens 2,5 Stunden verzögert hätte. Danach stand mir nach einem langen Klettertag mit inzwischen 2400 Hm nun wirklich nicht mehr der Sinn!

So erreichte mein Drahtesel mit mir kurz vor Acht seinen heimatlichen Stall - die lange Abfahrt nach Pirna machte es möglich. Das war die Belohnung, auf die ich mich schon die ganze Zeit gefreut hatte und die mir noch ein akzeptables Durchschnittstempo ermöglichte.

Mein Langer Kanten Nr. 3 des Jahres 2024 war eine runde Sache!