Kurzentschlossen überwand ich also mein Trägheitsmoment, packte meine sieben Sachen und setzte mich auf's Radl. Da war es 14.25 Uhr. Normalerweise fahre ich um diese Zeit nicht mehr los, will ich doch nicht nur irgendwelche Kurzstrecken sammeln. Aber kurz nach der Sommersonnenwende ist es eben auch lange hell - und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, nahm ich außerdem meine Beleuchtung mit.
Auf der ersten Runde südlich des Elbtals testete ich zunächst ziemlich spontan eine kurze Streckenvariante in Struppen. Die Ortsdurchfahrt ist derzeit gesperrt, nach den ersten Metern der Straßenbaustelle gibt es auch mit dem Rad kein Weiterkommen mehr. Rechts ausbiegend läßt sich dieser Abschnitt jedoch ohne die Umleitung über den steilen Kirchberg passieren, wobei es auf den ersten Metern aus dem Dorf aber ebenfalls kräftig bergauf geht (s. Track vom 05.07., km 6,8 - 8,5).
Kurz nach Struppen Siedlung kreuzten dann Regenwolken meinen Weg, die ich geschützt unterm Blätterdach vorbeiziehen ließ. Den kräftigsten Schauer gab es in Markersbach, doch auch diesen überstand ich trocken, weil ich mich rechtzeitig in das Buswartehäuschen gerettet hatte. Am lästigsten waren die nun klitschnassen Straßen, weil ich deswegen die schöne, schnelle Abfahrt nach Bad Gottleuba aufgrund des Spritzwassers nur gebremst hinabrollen konnte. Erst am Ortseingang von Pirna waren die Straßen so weit abgetrocknet, daß ich wieder voll drücken konnte.
Meine daran anschließende rechtselbische Runde wurde letztlich viel länger als geplant. Denn nachdem ich die Gegenwindpassage bis kurz vor das Dresdner Blaue Wunder gut überstanden hatte und auch der lange Anstieg über die Grundstraße hinter mir lag, war es erst kurz vor Sieben. Die zweieinhalb Stunden bis zum Sonnenuntergang boten also noch reichlich Gelegenheit zum Kilometerfressen in größtenteils flachem Gelände. Eckpunkte dafür bildeten Radeberg sowie Rennersdorf-Neudörfel.
In Helmsdorf traf ich einen meiner Strava-Sportfreunde, willkommener Zwischenstop für einen abendlichen Schwatz unter Gleichgesinnten. Ich freue mich immer, wenn ich unterwegs Bekannte treffe. Inzwischen fahren allerdings auch immer mehr Rennradler grußlos an mir vorbei - es ist ihre Sache. Manche Leute sind eben viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um andere wahrzunehmen. Dabei bilden Frauen übrigens keine Ausnahme.
Ich schaffte es sogar noch bis nachhause, bevor die Sonne hinterm Horizont verschwand. Gesehen habe ich sie den ganzen Nachmittag aber sowieso nicht.





