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9. Dezember 2023

Stimmungsvoller Advent

Am Freitagnachmittag war ich mit Begleitern auf die Festung Königstein eingeladen. Die hier Verantwortlichen und Beschäftigten der Schlösserverwaltung engagieren sich schon seit vielen Jahren für die barrierefreie Zugänglichkeit eines der eindrucksvollsten historischen Bauwerke von Sachsen. Neben dem normalen Museumsbetrieb findet zwischen den Festungsanlagen an den Wochenenden im Advent außerdem der historische Weihnachtsmarkt statt, welcher mittlerweile noch am Freitagnachmittag um den sogenannten After Work Advent erweitert wurde.

Zwei alte Esel auf dem Weihnachtsmarkt ...
(Aufnahmeort)
Genau diese Vorveranstaltung nutzten wir für die Begutachtung der Gegebenheiten hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit. (Tip am Rande: Aufgrund des großen Besucheransturms am Wochenende fühlt man sich im Rollstuhl bestimmt an diesem Tag mit dem zu dieser Zeit geringerem Andrang wesentlich wohler - so erging es mir jedenfalls.) 

Die auf einen zentralen Hauptmarkt mit der Bühne sowie zwei weiteren kleinen Standorten verteilten Stände sind meist gut zu erreichen, einige kleinere Hindernisse, wie z.B. Steigungen / Gefälle oder auch mal Absätze sowie holperiges Sandsteinpflaster, kann man auf Rädern - ggf. unterstützt durch Begleiter - gut bewältigen. Es gab an einer Stelle zwar auch zwei, drei Buden, die nur über eine dreistufige Treppe zugänglich waren, aber selbst dort ist (in Zukunft) Abhilfe möglich. Eine Rollifahrertoilette befindet sich an zentraler Stelle in der Alten Kaserne, mehr Informationen bietet der Flyer mit Tips für mobilitätseingeschränkte Gäste. Einzige Wehrmutstropfen: zum Bereich des Weihnachtsmarkts in den Kasematten kommt man nicht im Rollstuhl, wie auch der mit leuchtenden Herrnhuter Weihnachtssternen ausgestaltete historische Zugang zum Festungsplateau (die Dunkle Appareille) sich aufgrund seiner Steilheit und des Untergrunds eher nicht für Rollifahrer eignet. 

Von der Mauerkrone schweift der Blick über die
Stadt Königstein an der Elbe nach Osten
(Aufnahmeort)
Nach der Besichtigung des Weihnachtsmarktes nahmen sich Kerstin, Ute und ich gemeinsam mit der u.a. für das Thema "Barrierefrei" zuständigen Mitarbeiterin der Museumsverwaltung natürlich noch den Rundgang entlang der Mauerkrone vor, denn dieser Weg ist eine der schönsten im Rollstuhl zugänglichen Panoramastrecken, die ich in der Sächsischen Schweiz kenne. Gestern kam dazu noch der Schnee, der diesmal trotzdem erstaunlich gut zu berollen war. Die verschneite Festung und die Ausblicke auf eine weiße Winterlandschaft hatte ich hier oben bisher noch nie erlebt. Einmal mehr ging mir dabei durch den Kopf, wie privilegiert wir als Einheimische doch sind, in dieser wunderschönen Landschaft mit solch großartigen Kulturdenkmälern und weltbekannten Örtlichkeiten zu leben.

Ich bin dort zuhause, wo andere Urlaub machen!

7. Dezember 2023

"Schönstes deutsches Handwerk"

Mit diesem Slogan präsentiert sich die Glashütter Uhrenmanufaktur "Moritz Grossmann", und gestern ergab sich nun endlich für mich die Gelegenheit, gemeinsam mit weiteren Interessierten die Herstellung der edlen Zeitmesser vor Ort kennenzulernen.

Das rund 25 km von meinem Zuhause in Pirna entfernte Glashütte beherbergt inzwischen wieder neun verschiedene Uhrenhersteller, deren Herkunftsbezeichnung nun sogar durch die Glashütteverordnung gesetzlich geschützt ist. Die Fa. Moritz Grossmann ist dabei eines der beiden hier ansässigen Unternehmen, welche nicht nur ausschließlich selbst konstruierte und produzierte Uhrwerke (sogenannte Manufaktur-Kaliber) verwenden, sondern sich bis heute auch ihre unternehmerische Selbstständigkeit bewahrt haben.

Nach der persönlichen Begrüßung unserer kleinen, illustren Runde durch die Chefin Frau Hutter, führte uns der Brand Manager Herr Verhoeven durch die Räumlichkeiten. Erst während dieses Rundgangs wurde mir so richtig klar, wieviele verschiedene Arbeitsschritte und Tätigkeiten erfolgen müssen, bis am Ende solch ein kleines Kunstwerk in Form einer Uhr entstanden ist.

Mitarbeiterinnen bei der Montage des Uhrwerks
Das Fräsen der Platinen (sie bilden das "Gerüst" für die beweglichen Teile der Uhr) und die Herstellung der teilweise mikroskopisch kleinen Komponenten des Uhrwerks, die Konstruktionsabteilung, der Prototypenbau, die Tätigkeiten zur Oberflächenveredelung mit der Bearbeitung (Auswuchten) und Polieren von Unruhe, Zahnrädern (u.a. mit dem wunderschönen Sonnenschliff), Zeigern (Fasen sowie Anlassen durch Hitze, d.h. "Färben" des Stahls) sowie der Handgravur - z.B. des Unruhklobens, dazu schlußendlich auch die Montage des Uhrwerks und dessen Regulierung (Einstellung der Ganggenauigkeit) - es gab so viel zu sehen! Mindestens genauso interessant waren aber die Erläuterungen und Demonstrationen der Mitarbeiter. Ihnen bei ihrer Tätigkeit mal über die Schulter schauen zu dürfen, empfand ich als ein besonderes Privileg. Vielen Dank dafür!

Abschußrunde mit Frau Hutter (2. v.l.) und Herrn
Verhoeven (4. v.l.) im Präsentationsraum der Manufaktur
Mancher mag vielleicht an dieser Stelle bei der Fülle der Details abwinken, doch mit meiner Begeisterung für diese mechanischen Wunderwerke hätte ich hier stundenlang zuschauen und die Beschäftigten mit Fragen löchern können. Es war für mich definitiv ein ganz besonderes Erlebnis, welches mit der Präsentation verschiedener Uhren und einem kleinen Imbiß beim gegenseitigen Gedankenaustausch nach knapp vier Stunden seinen Abschluß fand.

Ich bin stolz darauf, daß in meiner Heimat dieses großartige Handwerk in solcher Vollendung lebt!

28. Januar 2023

Genie und ... Kunst!

Freunde von mir schauen sich in diesen Tagen den gesamten "Ring des Nibelungen" unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann in der Semperoper an. Mir erschien das Anlaß genug, mich auch mal wieder mit Richard Wagner zu beschäftigen, in dessen epischen Tondichtungen ich mich emotional wiederfinde. Die Umgebung von Pirna beherbergte das Genie ja nicht nur während seiner Dresdener Schaffenszeit, sondern lieferte ihm auch manche Inspiration für seine Werke, z.B. dem "Lohengrin".

Das kleine, feine Richard-Wagner-Museum in Graupa war für heute also bereits fest eingeplant, doch am Morgen hatte ich noch eine weitere Idee. Im schon damals bekannten Liebethaler Grund besuchte der Komponist nämlich nicht nur mehrmals die Lochmühle, sondern dort steht auch das größte Wagner-Denkmal der Welt.

Romantik pur im Liebethaler Grund
(Aufnahmeort)
In Ute fand ich erneut eine wackere Begleiterin für das Vorhaben. Als erstes wanderten wir gemeinsam an der Wesenitz entlang zur Lochmühle. In Verbindung mit der Fahrradstraße von Mühlsdorf nach Liebethal und von dort das kleine Sträßchen wieder hinab zum Ausgangspunkt kann man tatsächlich eine knapp 5 km lange schöne Rundtour unternehmen. Allerdings ist es wahrscheinlich günstiger, die Tour im Uhrzeigersinn anzugehen, denn der steile Sandsteinpflasterweg zwischen Lochmühle und Mühlsdorf ist bergauf eine echte Schinderei. Weiters wären die zwei Stufen am ehemaligen E-Werk flußabwärts ebenfalls leichter zu bewältigen. Unterstützung durch (mindestens einen) Fußgänger ist für Rollifahrer aber m. E. in jedem Fall zwingend erforderlich.

Nach unserem Ausflug in die Natur kam dann die Kultur. Die sehr sehenswerte, teils multimediale Ausstellung im Graupaer Jagdschloß wurde komplett barrierefrei gestaltet. Die Räumlichkeiten sowie den großen Konzertsaal im Obergeschoß konnte ich ebenfalls über einen Aufzug erreichen. Außerdem gab es im Seitenflügel sogar eine Rollifahrer-Toilette. Im nahen Lohengrinhaus, wo Wagner mit seiner Familie wohnte, war dann für mich zwar nur das Erdgeschoß zugänglich, doch habe ich deswegen wohl nicht allzu viel verpaßt.

Zum Schluß schauten wir uns noch ein wenig im Schloßpark um und bestaunten die eindrucksvolle 450-jährige Eiche, die hier schon stand, als die Gebäude noch gar nicht gebaut waren.

7. Dezember 2022

Im Detail

An einem solch verregneten Tag wie gestern, gibt es nicht viele Möglichkeiten, die Zeit sinnvoll zu verbringen. Ich entschied mich für das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz, das sich bei meinem Erkundungsgang nach meiner Ankunft auf den ersten Blick als barrierefrei zugänglich zeigte.

Es war keine schlechte Idee, wie sich bald herausstellen sollte. An der Kasse ließ ich mir zunächst etwas über das Museum erzählen, die polnische Angestellte begrüßte mich sehr herzlich. Freilich konnte sie sich viel Zeit nehmen, denn kurz nach der Öffnung war ich der einzige Besucher.

Der Ausstellungen des Museums sprachen mich an, nur die Präsentation der Fauna des Regenwalds erschien mir museumspädagogisch antiquiert. Dafür gab es im Untergeschoß ein sehenswertes Vivarium sowie zwei weitere Stationen, die mich besonders faszinierten. Eines davon war ein lichtdurchlässiges 3D-Landschaftsmodell der Region zwischen Dresden und dem Riesengebirge, bei dem von unterhalb zu verschiedenen Themen, z.B. zur Geologie des Gebietes, farbige Flächen auf die Karte projiziert wurden.

In der Höhle lauert der weiße Grottenolm
(Aufnahmeort)
In der kleinen Sonderausstellung "Grundwasser lebt" befand sich das andere interessante Ausstellungsobjekt. Hier wurde u.a. auch gezeigt, wie vielfältig und artenreich dieser verborgene Lebensraum ist - angefangen von Mikroorganismen bis hin zu relativ großen Tieren. Zweifellos ist der Grottenolm von diesen eines der größten. An einer Konsole konnte man auf virtuelle Tauchfahrt in einer dreidimensional animierten verzweigten Unterwasserhöhle gehen und dabei deren verschiedenen Bewohner entdecken. Das war sehr unterhaltsam! Überhaupt kam diese kleine, aber feine Wanderausstellung ganz ohne moralischen Zeigefinger aus, was ich als sehr angenehm empfand. Ideologen hätten sicher wieder die Klimawandel-Keule herausgeholt, verbunden mit einer Belehrung über das umweltbewußte Handeln jedes Einzelnen.

Nach fünf Stunden trollte ich mich schließlich wieder ins Quartier. Der Regen hatte aufgehört, doch für Aktivitäten im Handbike war es längst zu spät. Aber es kommen noch ein paar Tage, an denen ich mich (hoffentlich) wieder sportlich betätigen kann.

Geduld ist eine Tugend!

3. Dezember 2022

Festakt

Anläßlich des Internationalen Tages für Menschen mit Behinderungen, der jährlich am 3. Dezember begangen wird, wurde gestern nun während einer Festveranstaltung im Sächsischen Landtag der 5. Sächsische Inklusionspreis übergeben. Eigentlich waren es ja eher fünf Preise, denn für jede der Kategorien „Digitale Barrierefreiheit“ - „Kinder & Familie“ - „Wohnen“ - „Tourismus“ - „Kultur“ hatte die Jury zur Beratung am 5. Oktober einen Preisträger gekürt.

Gruppenbild der Preisträger und Juroren gemeinsam
mit dem Sächsischen Inklusionsbeauftragten und
dem stellvertretenden Schirmherrn (Aufnahmeort)
Der Plenarsaal war ziemlich voll, weil die meisten Bewerber in Begleitung von Projektteilnehmern zur Feierstunde erschienen. Dank der perfekten Organisation mit musikalischer Umrahmung durch das Polizeiorchester sowie einer stimmigen Moderation wurde es recht kurzweilig, und selbst die Reden der "Würdenträger" paßten hinsichtlich Umfang und Inhalt gut in den Ablauf. Für Heiterkeit sorgte bei den anschließenden Interviews mit den geehrten Projektträgern und -teilnehmern manch launige Antwort. Spontane Reaktionen sind sowieso immer die ehrlichsten.

Als (ehemaliges) Jurymitglied der Kategorie „Tourismus" hielt ich die Laudatio für den Preisträger in dieser Sparte. Wahrscheinlich können sich die regelmäßigen Leser meines Blogs schon denken, wer hierbei das Rennen gemacht hatte: es war der Förderverein Lausitzer Findlingspark Nochten e.V. mit seinem Projekt „Findlingspark Nochten – Landschaft barrierefrei erleben“.  Als die Auszuzeichnenden feststanden, hatte ich mir nämlich den Landschaftspark vor einigen Wochen selbst angeschaut.

Nach der Preisübergabe gab es bei einem kleinen Imbiß Gelegenheit, mit den Anwesenden ins Gespräch zu kommen. Für mich ist das immer der schönste Teil solcher Veranstaltungen, lerne ich doch dabei regelmäßig interessante Menschen kennen. Auch gestern war das so, denn die Leute vom SFZ Förderzentrum aus Chemnitz, die gemeinsam unter fachkundiger Anleitung ein zerlegbares Großkanu gebaut haben und darüberhinaus nun auch regelmäßig damit auf's Wasser gehen, waren mir sofort sympathisch. - Ich denke, im nächsten Jahr werde ich dort mal vorbeischauen und mitmachen.

Das strahlende Gesicht von Julia begleitete mich noch lange auf dem Heimweg.

6. Oktober 2022

Vorbild+Wirkung

Gestern wurden die Preisträger des 5. Sächsischen Inklusionspreises ermittelt. Aus diesem Anlaß hatte die Koordinatorin vom Büro des Landesbeauftragten für Inklusion der Menschen mit Behinderungen des Freistaates Sachsen alle Jurymitglieder unter dessen Federführung zur Beratung in die Sächsische Staatskanzlei eingeladen.

Momentaufnahme während der Jurysitzung 
Es war ein vielfältiges Bild, welches sich dort allen Anwesenden bot.  Trotz des (sinnvollerweise) beschränkten Kreises der Teilnehmer waren neben den anwesenden Fachleuten der einzelnen Kategorien, die beruflich mit dem Sachgebiet zu tun haben, auch in jeder Kategorie Juroren mit Handicap vertreten. Und zwar mit nahezu allen Einschränkungen, d.h. hinsichtlich Mobilität (Rollstuhl), Sinneswahrnehmung (Sehbeeinträchtigung / blind, gehörlos) und kognitiv. Das hat mich ziemlich beeindruckt - besonders, wie unkompliziert und selbstverständlich die Kommunikation zwischen allen Beteiligten erfolgte. Die beiden Gebärdendolmetscherinnen waren voll ins Geschehen integriert, und eine helfende Hand bei sinnvoller bzw. notwendiger Unterstützung immer bereit. Sogar die Online-Verbindung zu einem Juror über die Konferenzsoftware klappte reibungslos. 😉 

Freilich hatte ich schon den Eindruck, daß die Preisrichter mit Handicap schon seit vielen Jahren mitten im Leben stehen. Aus meiner Sicht könnte jeder von ihnen ein Vorbild für andere Betroffene sein, weil sie zeigen, wie man sich in der Gesellschaft nicht nur behauptet, sondern auch am sozialen Leben der Gemeinschaft aktiv teilnimmt.

Interessant war für mich vor allem der Austausch. Es gab viele unterschiedliche Sichtweisen auf die Themen sowie die Aktivitäten der Bewerber, auch solche, auf die ich selbst noch gar nicht gekommen war. Mir erschienen dabei zwei Dinge bei der Beurteilung der eingereichten Projekte als sehr wichtig: 1. Motiviert die Aktion zur Nachahmung? und 2. Wie groß ist die Außenwirkung des Vorhabens? Frei nach dem Motto "Tue Gutes und rede darüber!" Ohne Öffentlichkeit wird nämlich viel Potential verschenkt, um Inklusion als etwas völlig Selbstverständliches in der Gesellschaft zu verankern. Denn erst dann muß auch niemand mehr darüber reden. 

Letztlich war dieser Tag auch für mich eine inhaltliche Bereicherung, ganz abgesehen von den neuen Kontakten zu engagierten Leuten, für die solche Aktivitäten ebenfalls eine Herzensangelegenheit sind.

Bis weit in den Nachmittag dauerte die Beratung, dann standen alle Preisträger fest. Außerdem wurde der organisatorische Ablauf der Preisverleihung am 2. Dezember im Sächsischen Landtag mit allen Jurymitgliedern abgestimmt. Ich werde hierbei die Laudatio für den Preisträger in der Kategorie Tourismus halten, also zu jenem Themengebiet, in welchen ich selbst schon jahrelang ehrenamtlich aktiv bin.

Was werde ich wohl in diesen drei Minuten sagen?

27. August 2022

Solch ein Theater!

Gestern abend habe ich mit meinen Freunden Christiane und Andreas eine Vorstellung auf der Felsenbühne Rathen besucht. Es wurde die Oper "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner aufgeführt.

Nach einer mehrjährigen Umbauzeit, während der die Spielstätte den aktuellen Erfordernissen angepaßt wurde, finden hier erst wieder seit Juni 2022 Veranstaltungen statt. Das sind hauptsächlich konzertante Aufführungen, Schauspiel - darunter die beliebten Winnetou-Abenteuer - aber auch andere Kindertheaterstücke sowie Opern. Im Prinzip all das, wobei die umgebende Felskulisse die romantische Wirkung der Aufführung noch einmal verstärkt und dieses dadurch auch zu einem beeindruckenden Landschaftserlebnis wird.

Für Rollifahrer wie mich ist der Besuch gut möglich, denn die Theaterleute haben sich einiges für unsereinen einfallen lassen. So gibt es direkt an der Theaterkasse maximal zwei Parkplätze für Rollifahrer,  einen Shuttleservice zum nur über einen ziemlich steilen und langen Zugang erreichbarem Veranstaltungsort sowie gesonderte Sitzplätze vor der Bühne. 

Allerdings steckt der Teufel im Detail: 
  • Wegen der geringen Anzahl sollte ein Parkplatz am Zugang zur Spielstätte unbedingt vorher bei den Leuten an der Theaterkasse "bestellt" werden, ebenso das Shuttle, mit welchem der steilen Zugang motorisiert bewältigt werden kann.
  • Gestern stand zur Anfahrt leider nur ein VW-Transporter zu Verfügung, dessen Sitzplätze für weniger mobile Rollifahrer viel zu hoch und daher nicht allein erreichbar sind. Besser wäre da wohl ein "Hundefänger" à la Renault Berlingo, günstigstenfalls mit Rampe. Aber vielleicht wird bei Bedarf ja auch ein solcher Kastenwagen eingesetzt - sich danach erkundigen schadet jedenfalls nicht ...
  • Des weiteren standen beim "Fliegenden Holländer" die ursprünglich für Rollifahrer vorgesehenen Stellpätze im Sektor I (s. Sitzplan auf der Homepage) nicht zur Verfügung, weil dort das Klangerlebnis durch die räumliche Anordnung des Orchesters links neben der Bühne aufgrund der Abschirmung stark eingeschränkt ist.
Infos zur Zugänglichkeit der Zuschauerplätze
Ich hatte deshalb bei der Kartenreservierung einen "normalen" Sitzplatz für mich und meine Begleiter gebucht, um mich dann auf diesen umsetzen zu können. Vorort teilte mir die engagierte Chefin des Besucher-Service jedoch mit, daß dies aus feuerwehrtechnischen Gründen nicht statthaft sei. Letzten Endes stellte sie uns dreien nach Absprache mit den Rettungsdiensten (Feuerwehr, Notarzt) deren Sperrplätze zur Verfügung (die grau markierten Flächen im Sektor II, Reihe 13 auf diesem Sitzplan), von wo wir ebenfalls einen schönen Blick zum Geschehen auf der Bühne hatten.

Meine Empfehlung für Besucher mit Handicap: Umbedingt vorher die Lage des Sitzplatzes klären - gern auch mithilfe dieses Blogbeitrags! Genau deshalb habe ich das hier nämlich so detailliert beschrieben ...

Schlußapplaus für die Akteure! (Aufnahmeort)
Nachdem sich gestern alles zufriedenstellend gefügt hatte, konnten wir die Vorstellung ungetrübt genießen. Einzig die unsichere Wettersituation machte es spannend bis zum Schluß. Von fast überall her zogen schwere Gewitter und viel Regen heran, und manchmal sorgte Wetterleuchten für zusätzliche Dramatik beim Fortgang der Handlung. Aber es blieb bis kurz vor dem Ende trocken, und der zum Finale kurzzeitig einsetzende leichte Regen war vernachlässigbar. Weil die Spielstätte nicht überdacht ist, wird man dort sonst im ungünstigsten Fall richtig naß.

Wir hatten einen wunderschönen Abend!

5. Dezember 2021

Sonniges Finale

Mein Plan ging auf! Nachdem ich meine Sonnabendrunde mehr schlecht als recht über die Bühne gebracht hatte, brauchte ich unbedingt eine Pause. Andererseits war es die beste Entscheidung, jenen Tag für die dritte Radtour in Folge zu nutzen, denn noch in der Nacht kam erst der Regen und dann der Schnee.

So mußte ich am Sonnabend überhaupt kein schlechtes Gewissen haben, als ich mich gegen jedwede sportliche Aktivität entschied. Meinen Ruhetag nutzte ich daher für ein Kulturprogramm. Diesmal besuchte ich das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Und das erwies sich als Volltreffer! Nicht nur die sehenswerte Dauerausstellung begeisterte mich, noch viel mehr jedoch die aktuelle Sonderausstellung "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte". Sechs Stunden reichten bei weitem nicht aus, sich alles ganz genau anzusehen. Irgendwann war ich aber so platt, daß ich mir bei einigen Räumen nur einen Überblick verschaffte. Fazit: Großartig! Die acht Euro (ermäßigter) Eintritt waren jedenfalls optimal investiert ... 

Auf dem Rückweg besichtigte ich dann den Dom von Halle, nachdem ich mich dorthin über viele hundert Meter holperige Pflasterwege und -straßen durchgekämpft hatte. Bei meinem Vergleich mit unserer Pirnaer Stadtkirche St. Marien kam er aber nicht gar nicht gut weg. Dafür beeindruckte mich die benachbarte Weihnachtsausstellung in der Neuen Residenz. Beim Beruflichen Bildungswerk beschäftigte Arbeitslose hatten im Rahmen von Vorbereitungsmaßnahmen zur Rückkehr auf dem 1. Arbeitsmarkt  begehbare Rundhütten innen und außen weihnachtlich gestaltet, wobei keine Einrichtung der anderen glich. Eine originelle Idee, die gut ankam, wie die vielen Besucher bewiesen.

Der Naumburger Dom (Aufnahmeort)
Heute machte der Sonntag seinem Namen alle Ehre. Ich hätte mich sicherlich schwarz geärgert, wenn ich - ohne noch einmal auf Tour zu gehen - planmäßig nachhause gefahren wäre. Alternativ stand nun die vierte Himmelsrichtung an, von Halle aus fuhr ich also nach Süden. Endlich hielt sich auch der Wind zurück, und obschon die Strecke nicht sonderlich abwechslungsreich war, gab es doch vor allem nach der Hälfte der Strecke einiges Sehenswertes. Die Talhänge rund um Freyburg an der Unstrut mit ihren Weingütern und kleinen Schlößchen zum Beispiel, oder auch den Naumburger Dom.

Kurz nach Naumburg lagen schließlich die letzten einigermaßen wahrnehmbaren Anstiege hinter mir, sodaß ich nun meinen Handbike-Urlaub entspannt ausklingen lassen konnte.

Alle Ziele erreicht!

19. Dezember 2018

"Hier lebt die Zeit"

Mit diesem Slogan wirbt die Stadt Glashütte / Sachsen als Standort gleich mehrerer Manufakturen für Luxusuhren. Mit Natur hat das zwar nichts zu tun, trotzdem führte unsere alljährliche Ausfahrt der Ehrenamtler des NationalparkZentrums Bad Schandau heute ins Deutsche Uhrenmuseum in dieser Stadt im Müglitztal. Immerhin gibt es ja einen engen regionalen Bezug.

Am interaktiven Funktionsplan einer der filigranen
mechanischen Kunstwerke (Aufnahmeort)
Das Museum ist über einen Seiteneingang mit Rufanlage ohne Einschränkungen im Rollstuhl zu erreichen und verfügt auch innen über die entsprechende Infrastruktur (Aufzug, Rollitoilette). Wir bekamen eine sehr informative 90-minütige Führung durch die zwei Etagen der Ausstellung. Technikfans bzw. Liebhaber von mechanischen Uhren können hier aber auch locker vier Stunden verbringen, ohne daß ihnen langweilig wird. Ich selbst werde bestimmt noch mal wiederkommen.

Der Ausflug endete mit einem gemeinsamen Mittagessen, zu dem wir noch ein kleines Geschenk vom Dachverband der Nationalen Naturlandschaften EUROPARC als Dankeschön für unser ehrenamtliches Engagement überreicht bekamen.

Ja, ist denn schon Weihnachten?!

8. Dezember 2018

Noch einmal abtauchen ...

Wenn schon nichts (mehr) mit dem Handbike zu machen war, so wollte ich doch wenigstens nicht tatenlos bleiben. Nachdem ich mir gestern bereits das Meeresmuseum angeschaut hatte, nahm ich mir für meinen letzten Tag in Stralsund nun das Ozeaneum vor.

Auch hier gibt es neben der umfangreichen Ausstellung noch einen großen "Unterwasser-Zoo". Während beim Meeresmuseum der Rolliparkplatz etwas versteckt liegt, sind auf der Hafeninsel gleich neben dem Gebäude vier Rolliparkplätze. Diesmal konnte ich sämtliche Ausstellungsräume besuchen, denn alle Ebenen sind per Lift zu erreichen. Nur die Pinguinanlage auf dem Dach eines der Gebäude muß man sich als Rollifahrer aus der Fischperspektive anschauen, aber das ist ein akzeptabler Kompromiß.

Überhaupt merkt man dem Museum deutlich an, daß es in diesem Jahr erst 10 Jahre alt geworden ist. Und zwar im positiven Sinne. Sowohl, was die Ausstellungsgestaltung betrifft, die Präsentation der Objekte oder auch nur die Aufbereitung und Vermittlung von Wissen. Da lassen sich selbst die Belehrungen und Werbeblöcke von Greenpeace einigermaßen verkraften, auch wenn ich von diesen Berufsrevoluzzern nichts halte. Immerhin haben sie ja nicht ganz unrecht.

Das Tunnelaquarium mit der Meeresflora und -fauna im Gebiet
der Insel Helgoland (Aufnahmeort)
Besonders begeisterten mich die teils riesigen Aquarien. Wenn man dazu die technischen Details liest (sehr interessant!), wird einem ganz schwindelig. Ich finde, die Unterwasserpräsentation des Lebensraumes Ostsee und Nordsee ist der optische Höhepunkt des Ozeaneums. Schon allein deswegen kann ich den Besuch nur empfehlen! Daß ich wieder den ganzen Tag im Museum verbracht habe, sei nur am Rande erwähnt.

Falls ich mal wieder in den Norden komme, wird es dann hoffentlich etwas mehr Gelegenheiten für Handbiketouren geben. Zwar habe ich die zwei wichtigsten Ziele (Kap Arkona, Darß / Zingst) "abhaken" können, doch gibt es hier bestimmt noch eine ganze Menge Me{e/h}r zu entdecken.

Stralsund (mit seiner barrierefreien Jugendherberge) ist dafür ein sehr guter Ausgangpunkt.

7. Dezember 2018

'Beschissen' ist geprahlt

Da hat es mich doch gestern flachgelegt! Keine Ahnung, wie ich dazu gekommen bin, aber wegen Übelkeit bis zum Erbrechen sowie Anzeichen von Durchfall mußte ich alle Aktivitäten streichen. Passend dazu das regnerische Wetter, welches nun das Land überzieht. Bis zu meiner Abreise am 2. Advent wird es wohl nichts mehr mit Radfahren. Aber eigentlich wollte ich ja sowieso einen auf Hängematte machen ...

Nach einer selbstverordneten Diät ging es mir heute jedenfalls schon wieder viel besser, so daß ich mir wenigstens das Meeresmuseum Stralsund anschauen konnte. Leider stellte sich dabei heraus, daß ein erheblicher Teil der Ausstellung (inkl. der Tiefseeabteilung, die mich wirklich interessiert hätte) nicht stufenlos erreichbar ist. Das fand ich sehr schade, zumal das Haus doch sicher schon mal in den letzten Jahren modernisiert wurde. Als begeisterter Museumsbesucher habe ich trotzdem den ganzen (Museums-)Tag hier verbracht, denn die Fülle der Exponate läßt auch so die Zeit nicht lang werden.

Das große Meeresschildkröten-Aquarium (Aufnahmeort)
Zum Schluß ging es in ein Nebengebäude zu den Aquarien. Ein echter Blickfang war dort auf jeden Fall das große Bassin mit drei Meeresschildkröten, einem Hai und weiteren Fischen. Daneben gab es noch eine ganze Menge weitere mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Aquarien, auch wenn ich nicht immer die dabei beschriebenen Tiere im Wasser gefunden habe.

Ich denke, das Meeresmuseum war die beste Alternative für solch einen ausgemachten Schlechtwettertag. Morgen schaue ich mir dann das Ozeaneum an.

19. November 2018

Wieder mal Semperoper

Abendlicher Theaterplatz in Dresden (Aufnahmeort)
Gestern war Kulturtag. Ich hatte von Freunden Karten für den Ballettabend "Labyrinth" in der Semperoper überlassen bekommen, weil sie diese wegen ihres Urlaubs nicht einlösen konnten. - Danke noch mal, Kirsten!

Gemeinsam mit Beate ging es abends also nach Dresden. Vor der Aufführung schlenderten wir noch ein bißchen durch die abendliche Altstadt. Die Vorstellung selbst war dann sehr schön, besonders jedoch beeindruckte mich dabei der dritte Teil. Wirklich sehenswert!

Auf der Heimfahrt fiel der erste Schnee der Saison. Er blieb anfangs sogar auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt liegen.

Winterstimmung.

2. Mai 2018

Vor langer, langer Zeit ...

Der angekündigte Regen kam. Die ganze erste Tageshälfte gab es reichlich Wasser von oben.

Ich nutzte die Zeit, um einige Dinge zu erledigen, die während des Urlaubs sonst liegenbleiben. Bei der ausgezeichneten Internetverbindung in der Jugendherberge waren sogar noch einige Planspiele und Recherchen für weitere Touren bzw. Varianten möglich.

Als sich die Regenwolken mittags endlich verzogen hatten, konnte es endlich in die Stadt gehen. Ich wollte nun endlich mal dem "Iceman" Ötzi im Südtiroler Archäologiemuseum meine Referenz erweisen. Das ganze Museum ist diesem Sensationsfund und seinem näheren Umfeld gewidmet. Neben der Dauerausstellung gibt es dabei auch in Abständen Sonderausstellungen mit inhaltlich damit zusammenhängenden Themen.

Die Räumlichkeiten des Museum sind komplett barrierefrei zugänglich, außerdem gibt es natürlich Rollitoiletten. Einige Exponate sind allerdings in sitzender Position nicht oder schlecht einsehbar, weil zu hoch liegend. Das gilt natürlich dann erst recht für deren Beschriftung. Mit dem gegen Gebühr ausleihbaren Audioguide  bzw. dem kostenlosen Download einer Smartphone-App läßt sich dieses Manko aber vermutlich ausgleichen.

Interaktiver Untersuchungstisch mit der Visualisierung von Ötzi
Auch wenn die Präsentation der Exponate nicht mehr den allerneuesten museumspädagogischen Ansätzen von interaktiver Wissenvermittlung entspricht (umgangssprachlich würde man sagen: etwas "altbacken" ist), lohnt sich dennoch der Besuch. Dabei habe ich mir den Blick durch das kleine Fensterchen in die Kühlzelle, wo die Gletschermumie aufbewahrt wird, erspart. Auch das wäre im Rollstuhl sicher eine körperliche Herausforderung.

Das für mich interessanteste Ausstellungsobjekt war der im Bild zu sehende "digitale" Untersuchungstisch mit der Visualisierung des Mannes aus dem Eis. Hier konnten auf dem großen Touchscreen Bildausschnitte wie eine Art Lupe über die Abbildung der Leiche bewegt und dabei je nach Auswahl z.B. die Knochen (Röntgen), Muskeln, oder die vergrößerte Oberfläche der darunterliegenden Körperregion angezeigt werden. Das habe ich so bisher noch nirgendwo gesehen.

Am späten Nachmittag und Abend traf ich mich schließlich mit meinen bayerischen Freunden, die heute in Bozen ankamen. Morgen packen wir's gemeinsam an!

18. März 2018

Achterbahn

Das Wetter fährt Achterbahn! Nach dem warmen Vorwochenende machte der der Wintereinbruch kurz vor dem Frühlingsanfang alle Tourenpläne für Sonnabend und Sonntag zunichte. Wenige Tage vor der Abfahrt in den Süden will ich kein Risiko eingehen - mal ganz abgesehen davon, daß es bei kräftigem Wind und Dauerfrost an der Motivation fehlt.

Auf der Rolle: Ohne Brille und mit Stirntuch und Handtüchern
gegen den Schweiß
Immerhin gibt mir das tägliche 30-45-minütige Rollentraining wenigstens das gute Gefühl, etwas für die Grundlagenausdauer und die Fettverbrennung zu tun. Und wenn es schon nicht auf die Piste geht, dann ist dies übergangsweise eine akzeptable Alternative zu den Außenaktivitäten. Denn ohne ständige Fahrpraxis baut man schneller ab, als gedacht.
Erfreulich: kostete es mich in den früheren Jahren oft einige Überwindung, mich auf den Rollentrainer zu setzen, so sind die diesjährigen Trainingseinheiten bis jetzt beinahe Selbstläufer. Umso mehr, nachdem ich in der vergangenen Woche tatsächlich den Eindruck hatte, daß sich die gute Tagesform auch auf das "Trockenfahren" zurückführen ließ. Möglicherweise "erinnert" sich ja mein Körper schon nach wenigen Wochen Training an die abgerufenen Leistungen. Jedenfalls sind nun Fortschritte innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitabschnitts zu beobachten ...

Ausschnitte der Trainigsauswertung vom 17.03.
Paradoxerweise scheinen durch die täglichen kurzen Belastungsintervalle auch meine Problemzonen erfolgreich therapiert zu werden. Die Auffälligkeiten im linken Schultergelenk haben sich inzwischen quasi in Luft aufgelöst und lassen mich optimistisch auf mein großes Sommerprojekt vorausblicken. Vielleicht ist es ja wirklich so, wie mir meine Physiotherapeutin erklärte: Die Stärkung der Schultermuskulatur wirkt positiv auf die Verbindung von Oberarmknochen und Schultergelenk, weil durch mehr Muskelmasse diese "harten" Teile entlastet werden. Das würde in meine früheren Beobachtungen passen, wonach die während der Ruhephase auftretenden Belastungserscheinungen verschwanden, sobald man wieder ein paar Kilometer im Handbike zurückgelegt hatte.

Als Belohnung gab es schließlich gestern zu vorgerückter Stunde noch etwas Kulturprogramm. Schülerinnen und Schüler der älteren Klassenstufen des Copitzer Herder-Gymnasiums spielten vor ausverkauftem Haus ihre Version des Musicals "Flashdance" mit einer Authentizität und Lebendigkeit, die einfach nur beeindruckte. Das war nicht bloß ein bißchen Schultheater, das war große Show! Allein der Aufwand für Bühnenbild, Musik, Beleuchtung usw. - ganz wie im professionellen Kulturbetrieb. Es ist für mich Außenstehenden schon erstaunlich gewesen, was die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Lehrern und den ganzen anderen Machern (wie beispielsweise Tanzpädagogen, Kostümbildnern, Musikern, Tontechnikern) da auf die Beine gestellt haben. Singen, Tanzen, Schauspiel - alles Live ohne Playback! Doch dieses sehenswerte Ergebnis kommt nicht von ungefähr, denn das Musical setzt nur die Schultradition fort, aller zwei Jahre - und das schon seit 2005 - ein Bühnenstück zur Aufführung zu bringen.

Ein toller Abend!

24. Juli 2017

Wiege der modernen Zivilisation

Am Sonntag schlug mein Studienfreund vor, sich eine Sonderausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn anzusehen. Wir sind beide Archäologie-Fans, und bereits das Thema "IRAN - Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste" klang sehr interessant.

Nach einer entspannten ersten Tageshälfte fuhren wir nachmittags in die ehemalige Bundeshauptstadt. Mit dem öffentlichen Nahverkehr war das überhaupt kein Problem, so daß ich mein Auto stehen lassen konnte. Die Bonner Regionalzüge, U- bzw. Straßenbahnen sind auch mit dem Rollstuhl meist sehr gut nutzbar. Zwischen der Haustür und dem Museumseingang mußten wir nicht einmal einen halben Kilometer zu Fuß zurücklegen.

In der Ausstellung (Aufnahmeort)
Die Schau selbst hatte allerhöchstes Niveau. Auswahl und Qualität der Exponate waren nahezu atemberaubend, die begleitenden Texte und Filmsequenzen sehr informativ. Sogar eine 3D-Animation gab es. Besonders die  außerordentlich fein gearbeiteten Chlorit-Gefäße, welche die Menschen dort bereits vor 5000 Jahren hergestellt haben, faszinierten uns. Na, und die Pracht des Ausstellungsraums mit all den goldenen Fundstücken der vorpersischen Zeitepochen muß man sich einfach nur anschauen. Viele Gegenstände waren nicht nur vom verwendeten Material her edel, sondern strahlten auch eine Ästhetik aus, die sich teilweise sogar in der modernen Formensprache wiederfindet. - Einfach großartig!

Es war ein erlebnisreicher Nachmittag in Bonn. Schön, wenn man auch solche Dinge abseits des Sports mit Freunden gemeinsam erleben darf. Denn der Gedankenaustausch gehört zu einem Museumsbesuch dazu, wie die Musik zum Tanz.

Jetzt brauche ich aber wieder Natur.

12. Oktober 2015

Zwischensaison

Meine Oktoberferien will ich auch für ein paar Handbiketouren nutzen. Doch das Wetter hat bisher nicht so richtig mitgespielt. Am Freitag viel Nässe und gestern Frost - das sind alles andere als optimale Bedingungen für's Radfahren. Obwohl ich morgens also eine Extraportion Selbstmotivation benötige, läuft es dann umso besser, wenn ich erstmal auf dem Bock hocke.

Da geht es derzeit recht flott voran, denn heißlaufen kann ich nun nicht mehr. Überdies versuche ich, etwas zurückhaltender bezüglich der Höhenmeterbilanz zu fahren, was mir allerdings nicht immer gelingt. Wie habe ich das bloß früher gemacht - es muß doch auch in unserer Region flachere Strecken geben, ohne ganz stupide nur den Elberadweg zu nutzen?

Ein Gebiet mit weniger und kürzeren Anstiegen erstreckt sich nördlich von Dresden bis zu den ersten westlichen Ausläufern des Lausitzer Berglands. Die offene Landschaft ist zwar ohne besondere Höhepunkte, bietet jedoch ausreichend Abwechslung.

In Wölkau, am östlichsten Punkt der Tour, war allerdings die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt. Normalerweise ignoriere ich solche Sperrschilder. Diesmal jedoch stoppte mich ein tiefer Graben, den die Bauarbeiter quer zur Straße ausgehoben hatten. Nur ein schmales Stücken war noch befahrbar, doch dort stand der Bagger. Wie so häufig erlebt, waren die Arbeiter jedoch sehr nett. Als sie mich sahen, sprang einer von ihnen in das Baufahrzeug und machte mir den Weg frei. Der Chef maß sogar die Breite meines Handbikes, um festzustellen, ob ich wirklich durchkomme. Naja, ich hätte es auch so gewußt ... Natürlich habe ich mich gebührend bedankt, denn soviel Entgegenkommen ist nicht selbstverständlich. - Es gibt kein "Danke" zuviel!

Sonnabends war ich zur Feier des 20jährigen Bestehens des Heims der Heilpädagogischen Schule in Bonnewitz eingeladen, da blieb keine Zeit für eine Ausfahrt. Es wurde ein entspannter Nachmittag, an dem ich viele ehemalige Bewohner des Heims und auch Betreuer wiedergetroffen habe. Für mich ist es immer besonders schön, wenn die Kinder von damals mich noch mit dem Namen kennen und sich über das Wiedersehen freuen.

Der Dresdener Fernsehturm über dem Wachwitzer
Elbufer - vom Elberadweg aus gesehen
In der Nacht zum Sonntag gab es schließlich die ersten Minusgrade - der Preis für einen wolkenlosen Morgenhimmel. Obwohl mir die Sonne den ganzen Tag lachte, schafften es die Temperaturen nicht in den zweistelligen Bereich. Handschuhe werden nun wieder immer häufiger zur Tourenausrüstung dazugehören. Damit fahre ich zwar nicht so gerne, denn man muß zum Festhalten der Kurbelgriffe wesentlich mehr Kraft aufwenden. Wenn das Blut beim Bergfahren endlich ordentlich in Wallung geraten ist, werden diese jedoch bald überflüssig. Genau deshalb ging es im ersten Teil meiner Sonntagsausfahrt auch beständig bergauf. Das ist für diese Jahreszeit genau das Richtige.

Auf dem Heimweg bremste mich dann nur noch der auffrischende Ostwind, doch war ich rechtzeitig für das Bonusprogramm zurück.

Beate hatte nämlich von einer Freundin Karten für das Tom-Paus-Theater geschenkt bekommen, weil diese verhindert war. (Normalerweise ist es völlig aussichtslos, Tickets für das Haus zu bekommen, denn die Vorstellungen sind in der Regel wenige Stunden nach Beginn des Vorverkaufs für die Saison vergriffen.) So haben wir uns beide bei dem Stück "Ilse Bähnert jagt Dr. Nu" köstlich amüsiert. Ilse Bähnert (alias Tom Pauls) ist wohl jedem Sachsen ein Begriff und eine absolute Kultfigur.

Das Theater ist übrigens weitestgehend barrierefrei zugänglich, es gibt einen Aufzug und eine schräge Rampe. Nur am Eingang muß eine Stufe überwunden werden, was allerdings wegen des Untergrunds nicht ohne Unterstützung klappt. Wie der Zugang zu den Toiletten ist, kann ich leider nicht sagen. Ich wohne vis-à-vis des Theaters, und so war das für mich kein Thema.

Über Langeweile konnte ich mich in den den letzten Tagen nicht beklagen.

Track der Handbiketour vom 09.10.2015
Track der Handbiketour vom 11.10.2015

26. September 2015

Sein oder Nichtsein

Am Freitag hatte die Schwester meiner Kumpeline Geburtstag. Beate ist begeisterte Theatergängerin, und so lud sie zu diesem Anlaß uns sowie den Partner und die Tochter ihrer Schwester ein, mit ihr gemeinsam Shakespeares Hamlet im Großen Haus des Staatsschauspiels Dresden zu erleben.

Genauso wie das Kleine Haus, ist die Hauptspielstätte gegenüber des Dresdener Zwingers - genannt Großes Haus - absolut unproblematisch für Gäste im Rollstuhl zu erreichen. Eine kleine Rampe inkl. Türöffner für den am weitesten rechts liegenden Zugang bei den Haupteingängen, im Haus dann dort auch ein Aufzug sowie eine Rollitoilette rechts der Garderobe decken alle Notwendigkeiten ab.

Applaus für die Künstler!
Ich war gestern zum ersten Mal als Zuschauer im Großen Haus und sah ganz große Kunst. Nicht langweilig oder angestaubt, nein, dieser Hamlet agierte trotz der alten Texte ganz im Stil der Gegenwart. Der erste Akt war dabei sehr musikalisch - die Titel haben echtes Hitpotential. Auch der düstere zweite Akt, der sich kontrastreich vom eingängigen ersten Teil abhob, wirkte auf mich sehr stark. Wie die Kulissen sich teils mitten im Spiel änderten und damit die Wirkung der Szenen noch verstärkten, das war schon eindrucksvoll!

So also kann man klassische Stücke ganz neu interpretieren! Der Blick auf das Publikum bewies, wie diese Inszenierung ankommt. So viele jungen Leute habe ich lange nicht mehr bei solcherart Darbietungen gesehen. Bisher dachte ich immer, das Theater ist die Domäne des reiferen Bildungsbürgertums. Doch selbst mir war hinterher vollkommen klar, warum sich Beate dieses Stück nunmehr bereits zum dritten oder vierten Mal angeschaut hat.

Ein wirklich gelungener Abend!

3. Mai 2015

Heraus zum 1. Mai!

Obwohl der Mai ziemlich verregnet begann, störte mich das nicht sonderlich. Denn der Donnerstag war sowieso für die Kultur reserviert. Am Abend fand anläßlich des 30jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung der Semperoper Dresden zum ersten Mal das "Semper Open Air" statt. Mit dem "Freischütz" wurde damals das Theater wieder seiner Bestimmung übergeben, dem Stück der letzten Vorstellung des Hauses vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Und zum "Freischütz" habe ich spätestens seit unserem Musiktheaterprojekt eine ganz besondere Beziehung.

Vor der Aufführung
Gemeinsam mit Freunden und einigen Leuten meiner Laienschauspielertruppe schauten wir uns abends die Oper auf der vor der Semperoper installierten Großleinwand an. Ein Kulturerlebnis der Extraklasse! Die Inszenierung ist wirklich ein großer Wurf! Dazu nicht nur großartige Stimmen, sondern auch ein sehr gutes Spiel der Akteure. - Wenn mich schon das Geschehen auf der Leinwand gefesselt hat, um wieviel beeindruckender muß wohl die Atmosphäre im Operhaus gewesen sein...

Zwar war es abends für meine Verhältnisse spät geworden, doch der neue Tag lockte mit Sonnenschein und guten Wetteraussichten. So habe ich mich gestern mit dem Handbike schon früh auf den Weg gemacht. Jetzt, im Frühling, fahre ich an solchen Tagen durch das offene Land, um jeden Sonnenstrahl zu erhaschen. Denn morgens braucht man sogar noch Handschuhe.

Nach dem Einrollen bis Pillnitz gab es für mich diesmal sogar wieder etwas neues zu entdecken. Bisher bin ich immer den 20%er direkt hoch nach Krieschendorf gefahren, und habe die rechts abzweigende Pflasterstraße in Richtung Meixmühle ignoriert (s. Track vom 02.05., km 10,0 - 11,1). Die als Radroute ausgeschilderte Verbindung ist ebenfalls sehr anspruchvoll, da kommen außer dem groben Pflaster und einen kurzen unbefestigten flacheren Abschnitt auf dem einen Kilometer ordentlich Höhenmeter zusammen. Hinsichtlich der Steilheit steht sie der alternativen Variante jedenfalls in nichts nach.

Auch nachdem ich erstmal eine gewisse Ausgangshöhe erreicht hatte, ging es immer wieder hoch und runter. Solche Sägezahnstreckenprofile sind nur im ausgeruhten Zustand einigermaßen flott zu befahren. Für mich gestern also kein Problem, zumal die Landschaft ordentlich motivierte. Im Frühling ist es draußen einfach nur herrlich. Das frische Grün, die weiß blühenden Obstbäume, die gelb leuchtenden Rapsfelder unter einem blauen Himmel mit Wolkentupfern - diesen Farbenrausch gibt es zu keiner anderen Jahreszeit.

Blick von der Hohen Straße bei Mittelndorf auf die Affenstein mit dem Langen Horn
Von der Hohen Straße zwischen Lichtenhain und Altendorf schaut man über das Kirnitzschtal hinweg zu den Affensteinen. Am vergangenen Montag bin ich unterhalb der Felsen mit meiner Begleiterin auf Tour gewesen. Nun konnte ich das Panorama genießen. Bei dem klaren Wetter eine wahre Augenweide!

Track der Handbiketour vom 02.05.2015

23. März 2015

Abschied ist ein bißchen wie Sterben ...

Alisa vor unserer Vorstellungsankündigung am Kleinen Haus
Das war es also: Unser gemeinsames Theaterprojekt "Expedition Freischütz". Gestern abend gaben wir die letzte Vorstellung. Eine schöne Zeit hat ihr Ende gefunden. Zum Schluß sind noch einmal fast alle Beteiligten gekommen, die Laien-Darsteller sowieso, aber auch die Macher - also Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildnerin, Soundmaster und Videoproduzenten.

Wir haben während der Proben und der Aufführungen viel und intensiv gemeinsam erlebt, das war eine wirklich schöne Erfahrung. Natürlich werden wir noch hoffentlich recht lange in Kontakt miteinander bleiben, doch bin ich Realist genug, um zu wissen, daß sich eines Tages unsere Wege wieder trennen werden.

Deshalb die leise Wehmut.

11. Januar 2015

Zu früh gefreut!

Noch am vergangenen Mittwoch war die Welt in Ordnung. Zum Winter gehört Schnee, und den gab es wenigstens im Osterzgebirge in ausreichender Menge. Zu dieser Zeit war aber auch nicht vorstellbar, daß das Thermometer drei Tage später bis auf 16°C klettern würde. Skifahren ade!

Aber irgendwie lief es die vergangenen Tage sowieso nicht wie gewünscht. Obwohl ich der Meinung war, bereits alles, was mit der OP zusammenhängt, überstanden zu haben, mußte ich nun meinen Irrtum einsehen. Die OP-Narbe bzw. das darunterliegende Gewebe hat sich vermutlich entzündet und mein linker Handballen ist leicht geschwollen. Das wirkt sich bis in die Finger, das Handgelenk und den Unterarm aus. - Schonung war für mich also unabdingbar.

So habe ich am Sonnabend nur an meinem "Buch"-Projekt gearbeitet und mich am Rechner zunächst weiter mit dem Layout-Programm vertraut gemacht. Es besteht nämlich der Plan, die schönsten Handbike-Rundtouren in den Alpen, welche ich bereits gefahren bin, zukünftig in einer Broschüre vorzustellen und diese dann als PDF-Dokument weiteren Interessierten zum (natürlich kostenlosen) Download zur Verfügung zu stellen.

Am Abend gab es dann zur Abwechslung 'was auf die Ohren. Gemeinsam mit Alisa bin ich zum Club-Konzert der "Whowhooz" nach Dresden gefahren. Claudio von meiner Theatertruppe ist Gitarrist in der Band und hatte alle Mitspieler eingeladen. Schließlich haben wir dort dann zu sechst in rammelvoller Bude bei richtig guter Musik tierisch abgerockt. - Hat Spaß gemacht!

Heute war immer noch Schontag angesagt. Die Idee von Thomas, die Ausstellung "Du bist die Kunst" mit Mitmach-Illusionen in Meißen auf der Albrechtsburg zu besuchen, war mir deshalb hochwillkommen. Ich hatte schon einiges von den 3D-Bildern gehört und wollte mir das nun mal selbst ansehen.

Davor mußten wir uns jedoch mächtig mühen. Nicht nur, daß auf den Internetseiten der Stadt sowie der Albrechtsburg keinerlei Hinweise für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen zu finden waren (z.B. über Parkplätze, Zugang zur Burg usw.). Das grobe und oft schadhafte Feldsteinpflaster, auf dem wir uns dann in Richtung Burg steil bergauf quälten, schien zudem noch aus dem Mittelalter zu stammen. Der Weg zur Ausstellung bereitete mir wahrhaft keine Freude.

Oben angekommen mußte ich - bereits leicht frustriert - registrieren, daß in dem luxussanierten Ausstellungstrakt ein selbstbestimmtes Bewegen für Rollifahrer ebenfalls nicht möglich ist. Die zwar schön in die Treppen integrierten Hebebühnen dürfen nur durch das Personal per Fernbedienung betätigt werden. Meinem Ärger darüber habe ich dann dort bei den Museumsmitarbeitern gleich Luft gemacht. Einziger Kommentar einer Angestellten: "Seien Sie doch froh, daß es hier überhaupt Lifte gibt!" - Willkommen in der geistigen Steinzeit!

Ein nachdenklicher "König"
Auch sonst war die Schau eher eine Enttäuschung. Die 7,50 EUR Eintritt (es gab keine Ermäßigungen) für das Besichtigen eines reichlichen Dutzends großformatiger Abbildungen, von denen manche sich schamlos der richtig großen Kunst bedienten, waren genauso fragwürdig, wie der gewählte Titel dieser Schau. Mit Kunst hatte das jedenfalls nichts zu tun - eher mit Kitsch. Vielleicht repräsentierten einige Bilder der chinesischen "Künstler" - es gab u.a. auch bearbeitete Motive von da Vinci und Botticelli - die asiatische Auffassung von der kulturellen Identität Europas. So, wie sich die Ausstellung darbot, ist sie jedoch bestenfalls als Kinderspielplatz interessant.

Die Zeit haben Susi und Thomas mit ihren beiden Kindern und auch ich trotzdem rumgekriegt.

Mein Urteil über die Albrechtsburg und den Zugang von der Stadt aus bleibt jedoch vernichtend: Es gibt so viele interessante Orte in Sachsen, die sehr gut barrierefrei zugänglich sind. Da muß man sich als Rollifahrer die Stadt und Burg Meißen nicht antun!