22. August 2026

Nur für Spezialisten

Der Regen kam mit Ansage. Allerdings dann doch viel schneller, als es zunächst nach dem Online-Regenradar zu erwarten war. Für mich hieß das am Ende der gestrigen Feierabendtour eine dreiviertel Stunde Naß von oben.  Aufgrund der immer noch angenehmen Temperaturen ließ sich das jedoch einigermaßen ertragen, bis ich kurz nach Sechs endlich mein Zuhause erreichte.

Bei meinem Start zum vorgezogenen Feierabend schien jedenfalls noch die Sonne, sodaß ich mir über schlechtes Wetter keine Gedanken machte. Ohnehin hatte ich meine Runde ja so konzipiert, daß es auf der Heimfahrt mehrere Abkürzungsmöglichkeiten gab. So gesehen, wäre ich bei der Wahl einer dieser Optionen überhaupt nicht naß geworden, auch wenn ich damit mein Entfernungswunschziel von 100 km nicht schaffen konnte.

Wichtigstes Vorhaben des Nachmittags war die Befahrung des Eselswegs, einem Wanderweg vom Königsteiner Ortsteil Hütten hinauf zur Festung Königstein bzw. zum Parkhaus unterhalb dieser (s. Track vom 21.08., km 64,1 - 65,6). Eine liebe Freundin hatte mich gebeten, diese Strecke zu erkunden, weil demnächst ein rollstuhlfahrender Reiseblogger dort mit seinem elektrischen Zuggerät zur Festung "wandern" möchte. Meine letzte und bisher einzige Befahrung lag aber schon einige Zeit zurück, und deshalb erinnerte ich mich nur daran, daß dies auf Rädern prinzipiell möglich ist.

Auf dem Eselsweg zur Festung Königstein
(Aufnahmeort)
Die Anfahrt über 64 km - natürlich auf einem riesigen Umweg - verlief erneut überdurchschnittlich flott. Derzeit bin ich offenbar gut in Schwung. Wie zu vermuten, änderte sich das schlagartig mit Beginn des Wanderwegs. Erst holperiges Sandsteinpflaster, welches teilweise mit Gras und Moos durchsetzt war. Bereits hier drehte hin und wieder mein Antriebsrad durch, nicht zuletzt auch aufgrund der (geschätzten) Steigung von ca. 12%. Nach knapp 100 m wechselte der Untergrund zu groben Schotter bei kaum nachlassender Steilheit. Dabei gab es immer wieder Stellen, wo abfließendes Regenwasser dem Wanderweg zugesetzt und Abflußrinnen gegraben hatte. Erst weitere 400 m später lag dieses unangenehme Teilstück, welches ich ebenfalls nur mit mehreren Zwischenstops bewältigen konnte, hinter mir. Im weiteren Verlauf folgten dann noch mehrere halbwegs gut zu überwindende Steinschwellen zum Ableiten des Regenwassers sowie auf dem an einer Kreuzung rechts abzweigenden schmaleren Wanderweg (den man wegen des gesperrten Hauptweges benutzten muß) eine für den Rollstuhl eigentlich zu schmale Spurrinne und anschließend ein lehmiger Hohlweg mit für die Bodenhaftung grenzwertiger Steigung. Insgesamt waren bei diesem Anstieg auf 1,5 km rund 120 Hm zu überwinden, was (in Verbindung mit dem längeren flachen Wegabschnitt) - für sich gesehen - bereits dessen Anspruch offenbart. Wer hier auf Rädern hinauf will, sollte über einige Erfahrung im schwierigen Gelände verfügen, um nicht in Teufels Küche zu geraten. Obwohl ich letztlich nicht die Möglichkeiten seiner eingesetzten Technik kenne, rate ich dem Rollifahrer also dringend davon ab, ganz ohne Begleitung über den Eselsweg zur Festung Königstein zu fahren.

Rund fünfunddreißig Minuten hielt mich dieser Anstieg inkl. Pausen und umfangreicher Fotodokumention auf - Zeit, die ich zum Schluß hätte gebrauchen können, um trotz Extraschleife vor dem Regen nachhause zu kommen. Umglücklich war ich trotzdem nicht, denn nun bin ich wieder auf dem aktuellen Stand, was diese alternative Zufahrt zur Festung Königstein betrifft. Meinen Sollvorgaben für's Training hat es übrigens auch nicht geschadet.

Alles gut!

17. August 2026

Aufhören, wenn's am besten läuft

Nach drei Wochen Urlaub werde ich mich ab morgen wieder meiner regelmäßigen Erwerbstätigkeit widmen. Dann bleiben nur noch das verlängerte Wochenende (inkl. Montag) sowie gelegentlich der Freitagnachmittag für größere sportliche Aktivitäten.

Über Waltersdorf erhebt sich der Lilienstein und
dahinter die Festung Königstein (Aufnahmeort)
Am vergangenen Sonnabend wählte ich die Hintere Sächsisch-Böhmische Schweiz als Tourenziel. Die waldreiche Gegend ist nicht nur für warme Tage eine Empfehlung, obwohl gerade im für den Kraftverkehr gesperrten Khaatal (Kyjovské údolí) zur besten Tageszeit inzwischen viele Ausflügler und Zweiradtouristen unterwegs sind.

Den Rückweg legte ich über Nixdorf (Mikulášovice), weil dort an diesem Wochenende lt. Ankündigung auf Facebook eine Wallfahrt stattfand und ich mir diese ansehen wollte. Leider konnte ich dann dort außer dem geöffneten Kirchenportal auf meiner Durchfahrt nichts davon entdecken,  doch war ich vielleicht einfach nur zu früh vorort. Die Kirchenveranstaltungen sowie die Messe sollten nämlich erst am späten Nachmittag stattfinden. Mit meiner Vorstellung, daß es rund um diese Wallfahrt auch einen kirmesähnlichen Jahrmarkt oder wenigstens Versamlungen gibt, hatte die Realität jedenfalls nichts zu tun. Nixdorf war zu jener Zeit genauso leer und uninteressant wie sonst auch.

Noch weit vor dem Mittag lag die Holperstrecke zwischen Lobendau (Lobendava) und der tschechisch-deutschen Grenze vor Langburkersdorf hinter mir, welche ich immer wegen der Reifenpannengefahr ziemlich entlangschleiche. (Allerdings ist sie der beste Weg aus dem Schluckenauer Zipfel, um nachfolgend fast nur noch bergab bis Pirna zu rollen.) Bevor sich die große Hitze an diesem Tag ausbreitete, kam ich wieder zuhause an.

Gestern wollte ich zum Urlaubsausklang wenigstens eine Minirunde fahren, obwohl die Wetterprognose nicht so rosig aussah. Und tatsächlich näherte sich (endlich!) ein großes Regengebiet, das damit bei mir für einen sportfreien Vormittag sorgte. Erst um die Mittagszeit konnte ich starten.

Die Straßen noch naß, die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch, hielt ich mich anfangs zurück. Da ich sowieso noch erkunden wollte, ob eine wegen Bauarbeiten gesperrte Strecke meines Arbeitswegs inzwischen wieder freigegeben wurde, bot sich eine Tour im städtischen Umfeld von Dresden an. Zur Auflockerung gab's zwei leichtere Anstiege, doch ansonsten verlief der rechtselbische Teil meiner Ausfahrt recht flach.

Nachdem ich die Elbe auf der Eisenbahnbrücke von Niederwartha überquert hatte, lockte mich aber die Serpentinenstraße hinauf nach Oberwartha. Diesem Anstieg folgten auf der Rückfahrt sukzessive weitere drei Auffahrten, wobei ich mich - meine Durchschnittsgeschwindigkeit immer im Blick - jedesmal ziemlich spontan dazu entschloß. Aber es rollte wirklich gut! Gegen Ende der Tour hatte ich wirklich fast alle meine Reserven aufgebraucht, sodaß ich nur noch relativ locker die letzten Kilometer im Seidewitztal abwärts bis Pirna absolvierte. Da wußte ich bereits, daß ich auch diesmal weit über meinen Sollvorgaben lag.

Insgesamt bin ich mit der Ausbeute der vergangenen drei Urlaubswochen sehr zufrieden. 7 Touren in den Alpen über 470 km und 10.530 Hm sowie danach in der Heimat auf 5 Touren 680 km mit 6550 Hm sind ein absolut akzeptables Ergebnis. Höhepunkte waren dabei die Fahrten auf den Großen Speikkogel in Österreich und den Monte Zoncolan in Italien sowie der Lange Kanten in die Lausitz.

In den nächsten Wochen wird es wieder etwas ruhiger ...

14. August 2026

Auch Berge ...

Meine Heimatstadt Pirna befindet sich zwar nur ca. 110 m ü. NHN, doch wenige Kilometer südlich vom Elbtal beginnt schon das Erzgebirge. Die höchsten Berge im östlichsten Teil des langgestreckten Gebirgszuges - welcher übrigens auch die Grenze zwischen Deutschland und der tschechischen Republik markiert - reichen dabei immer noch bis knapp über 900 m.

Ganz so weit hinauf ging es gestern bei mir nicht, doch befand sich der Scheitelpunkt meiner Tour  kurz vor Böhmisch Zinnwald (Cínovec) immerhin auf 876 m ü. NHN. Damit lag dieser rund 760 m höher als mein Zuhause. Im Gegensatz zur letzten Alpentour genau eine Woche zuvor hatte ich allerdings wesentlich mehr Strecke, um diese Höhe zu erreichen. Auch gab es zwischendurch ein paar Abfahrten, welche die Kletterei etwas auflockerten.

Über Neustadt im Erzgebirge thront der Stürmer
(Bouřňák, Aufnahmeort)
Diesmal suchte ich mir für die Anfahrt zum Erzgebirgskamm einen Weg, den ich so in voller Länge bisher noch nie gefahren bin. Um nämlich die verkehrsintensive und recht eintönige Bundesstraße B170  zu vermeiden, stellte ich mir stückweise eine Strecke zusammen, welche tatsächlich größtenteils parallel zur Hauptverkehrsachse verlief. Von Hähnichen führte diese auf verkehrsruhigen und vor allem im Abschnitt zwischen dem Ortsausgang von Reichstädt bis zur Abfahrt ins Tal der Wilden Weißeritz vor Seyde herrlich aussichtsreichen Straßen bis zum Grenzübergang Neu-Rehefeld und weiter nach Neustadt im Erzgebirge (Nové Město), dem südlichsten Punkt der Tour. Das waren insgesamt fast 45 km!

Auf dem Teilstück zwischen Wittichbaude (Horská chata Vitiška) und Böhmisch Zinnwald (s. Track vom 13.08., km 65,7 -71,8) werde ich in ein paar Monaten hoffentlich wieder auf Brettern mit meinen Freunden unterwegs sein, denn im Winter wird diese Straße als Teil der KLM (Krušnohorská lyžařská magistrála - Erzgebirgsskimagistrale) für den Kraftverkehr gesperrt und als Loipe präpariert.

Nach dem kleinen Umweg über Altenberg folgte ich ab Lauenstein stetig abwärts der Müglitz. 37 km ausschließlich bergab reichten für die erfolgreiche Aufholjagd aus, sodaß ich mir zum Schluß den Extrazacken über Zehista leisten konnte. Nach den angenehmen Temperaturen auf den Höhen des Erzgebirges wurde mir dabei noch einmal ziemlich warm, dafür ersparte ich mir aber den Elberadweg.

Die langen Anstiege in das höchste Gebirge des Landkreises Sächsische Schweiz - Osterzgebirge waren und sind das perfekte Training für die großen Berge in den Alpen. Schöne Landschaft gibt's gratis dazu!

12. August 2026

Mittelalter in der Lausitz?

Das Tourenbild eines Strava-Sportfreunds erregte mein Interesse. Darauf waren etliche aus Backsteinziegeln gemauerter Vierertürme zu sehen, die mich sofort an mittelalterliche Donjons erinnerten. Was hatte es damit auf sich? Jedenfalls entstand ziemlich spontan die Idee, die Besichtigung der Bauwerke in Lauchhammer gleich mit einem weiteren Langen Kanten - dem nun schon sechsten in der aktuellen Saison - zu verbinden.

Die Wettervorhersage für den Dienstag versprach beste Bedingungen. Dennoch startete ich erneut vor Sonnenaufgang. Ich glaube, so viele Nacht- bzw. Morgendämmerungstouren wie in dieser Saison, sind bei mir bisher noch nie zusammengekommen. Weil es in nördliche Richtung ging, war das Streckenprofil aber sehr flach. Nur zu Beginn und später dann am Ende mußten ein paar Anstiege bewältigt werden, doch waren diesen natürlich nicht im mindesten mit denen zu vergleichen, welche ich mir noch eine Woche zuvor in den Alpen vorgenommen hatte.

Dementsprechend flott war ich unterwegs. Allmählich frischte zwar der Wind etwas aus nordwestlicher Richtung auf, doch dieser Gegenwind würde mich bald während der Rückfahrt zusätzlich schieben. Außerdem kühlte dieser Luftstrom wunderbar, ohne mich zu sehr auszubremsen. Bereits 11.30 Uhr erreichte ich die Sängerstadt Finsterwalde ("Wir sind die Sänger von Finsterwalde"), weshalb ich einen Extrazacken an meine geplante Strecke dranhing und noch Doberlug-Kirchhain mitnahm. Die Landstraßen in diesem Teil Brandenburges verliefen zwar des öfteren kilometerlang schnurgerade und boten auch sonst nicht viel (visuelle) Abwechslung, waren dafür aber zum "Meter machen" wie geschaffen. Radeln völlig frei von äußeren Reizen ... das darf auch mal sein.

Die Biotürme von Lauchhammer (Aufnahmeort)
Schließlich tauchten vor Lauchhammer rechts der Straße die erwähnten Türme auf. Sie wirkten auf mich recht eindrucksvoll. Gleich daneben gab es eine Art Freilichtgalerie mit Artefakten und Gerätschaften aus dem Bergbau. In dieser Gegend wurde ja einst ebenfalls im großen Stil Braunkohle im Tagebau gefördert. Eine Erklärung zu dieser industriellen Anlage habe ich vorort leider vergeblich gesucht, doch nach der Recherche in Wikipedia weiß ich nun über deren Zweck Bescheid. Mich wundert nur, daß sie bisher noch nicht als Filmkulisse für beispielsweise einen dystopischen Film entdeckt wurden ... Optisch machen sie echt 'was her!

Immer noch kam ich so schnell voran, daß ich bald danach mir eine 1,5-stündige Pause bei Freunden leisten konnte. Es gab viel zu erzählen, waren doch auch sie erst vor kurzem aus ihrem Urlaub auf dem Balkan zurückgekehrt.

Mittlerweile sanken die über den ganzen Tag sowieso immer erträglich gebliebenen Temperaturen und das Licht wurde am späten Nachmittag immer goldener. Für das letzte Viertel meines Langen Kantens genau die Bedingungen, die ich mir immer wünsche. Es wurde nicht nur eine sehr schöne Fahrt in den beginnenden Abend, ich konnte zudem nun auch tempomäßig eine weitere Schippe drauflegen. Selbst die wenigen Anstiege brachten mich nicht aus dem Takt. So locker habe ich lange nicht mehr eine solche Streckenlänge am Stück absolviert.

Eigentlich hätte ich noch stundenlang weiterfahren können, wäre dann aber irgendwann wieder in die Dunkelheit gekommen. Als sich meine allerbeste Sportfreundin kurzentschlossen für einen abendlichen Besuch ankündigte, war ich aber überhaupt nicht böse.

Erst um Mitternacht endete meine Schicht.

10. August 2026

Wechsel der Fahrtaktik

Weil mich eine liebe Freundin beim Ausräumen und Verstauen meines Urlaubskrempels unterstützte und ich daher viel schneller als sonst mit der Reisenachbereitung fertig war, konnte ich am Sonntag schon wieder die erste Handbiketour in der Heimat absolvieren.

Voller Elan und bei herrlich angenehmen 18-20°C widmete ich mich zunächst den Bergen. Kurz nach meiner Rückkehr aus dem Hochgebirge teste ich immer, wie stark sich die erfolgte Höhenakklimatisation auf die eigene Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Tatsächlich war auch gestern dieser positive Effekt deutlich zu spüren, zumal ich mich in den vorangegangenen zwei Tagen ohne körperliche Belastung ausreichend erholen konnte.

Zurück in der Felsenheimat, hier der Blick vom
Schönaer Ortsteil Reuterhof auf die Schrammsteine
(Aufnahmeort)
Noch vor dem Mittag und damit vor der Hitze beendete ich meine Kletterei auf der linken Elbseite mit einem absolut akzeptablem Geschwindigkeitsdurchschnitt nach 60 km und bereits mehr als 800 Hm. Verglichen mit meinen Pässefahrten in den Alpen war ich nun wieder drastisch schneller unterwegs. Aber das kam nicht von ungefähr oder zufällig, und deshalb werde ich auch überhaupt nicht nervös, wenn ich in den hohen Bergen idealerweise nur eine geradeso zweistellige Durchschnittsgeschwindigkeit erreiche. 

Woran das liegt? Erstens müssen bei Paßanstiegen in der Regel wesentlich größere Höhenunterschiede auf oftmals gleicher oder sogar kürzerer Strecke überwunden werden. Die Länge des Anstiegs bedingt auch, daß ich mir meine Kräfte ganz anderes einteile, damit ich selbst nach mehreren Stunden ununterbrochenen Bergauffahrens immer noch über ausreichend Kraftreserven verfüge. Nicht selten folgen ja nach einem ersten Anstieg auch noch weitere nicht zu  unterschätzende Berge bzw. manchmal sogar erst die Auffahrt zum eigentlichen Tagesziel (beispielsweise bei meiner Fahrt auf den Monte Zoncolan). Wer hier von Anfang an auf Tempo statt auf Ausdauer setzt, ist entweder ein Konditionswundertalent oder einfach nur größenwahnsinnig - und im letzteren Fall zum Scheitern verurteilt.

Übrigens: da ich die Strecken üblicherweise bisher nicht aus eigenem Erleben kenne, sondern höchstens auf Beschreibungen und Erfahrungsberichte anderer zurückgreifen kann, bleibt trotzdem immer noch ein Unsicherheitsfaktor, den ich ebenfalls in meine Fahrtaktik einfließen lassen muß. Nicht nur die Steigung sowie die Verteilung der Hauptschwierigkeiten wird dabei häufig von jedem Sportler verschieden empfunden, auch die Qualität des Untergrunds (rissige, holperige Asphaltdecke) wirkt sich beim Fahren mit einem dreirädrigen Handbike erheblich stärker aus wie mit einem agileren Zweirad. Das gilt bergauf (Rollwiderstand) und bergab (Notwendigkeit des Bremsens).

Im heimatlichen Revier hingegen kenne ich alle Straßen. Außerdem existieren hier nur wenige längere Anstiege, welche dann auch nicht solche Höhenunterschiede überwinden. Zudem kann ich mir aufgrund des dichten Verkehrswegenetzes die Strecken anforderunsgsspezifisch paßgenau entsprechend meiner beabsichtigten Belastung zusammenstellen. Auch ganz spontan, denn in meinem Kopf befindet sich quasi eine Liste, auf der jeder Streckenabschnitt hinsichtlich seiner Anforderungen und des vorhandenen Straßenbelags eingeordnet ist. Mit diesem umfangreichen Wissen läßt sich wesentlich unbefangener zu Werke gehen. Im schlimmsten Fall, also bei Leistungsdefiziten, bleiben so viele Möglichkeiten, auf "leichtere" Straßen auszuweichen, daß ich häufig schon ab dem Start ein höheres Tempo vorlege. 

Auf meiner Wiedereinstiegstour bewegte ich mich aber auf der zweiten Hälfte der Strecke schließlich fast nur noch im flachen Gelände. Lediglich die Abkürzung über Waltersdorf war mit ein paar mehr Höhenmetern verbunden, in diesem Fall sogar mittels der 13%igen Steigung durch Porschdorf. Aber der steilste Teil davon war nur wenige hundert Meter lang, und ich wußte, wie es danach weitergeht.

Jeder direkte Vergleich zwischen Paßstraßen und Anstiegen in der Heimat würde deshalb hinken.

8. August 2026

Loslassen und ankommen

Am 6. August endete meine diesjährige Pässejagd mit der Handbiketour zum Sella di Razzo.

Ich hatte mir dafür eine schöne Rundstrecke zusammengestellt, doch bei dem etwas verworrenem Transfer im Auto zum letzten geplanten Basislager in Ovaro stellte ich fest, daß die besonders empfohlene Straße durch die Lumiei-Schlucht wegen Tunnelbauarbeiten derzeit voll gesperrt ist. Die nahegelegene Streckenalternative über den Passo di Pura entging jedoch meiner Beachtung, hätte mich aber auch zusätzliche 470 Hm gekostet. Mit frischen Kräften und vor allem bei besseren Witterungsbedingungen (d.h. stabiles Wetter und keine Hitze) wäre das sicher machbar gewesen, doch nach den sechs vorangegangenen Pässetouren ging mir langsam die Puste aus. Außerdem stellte sich allmählich ein gewisses Sättigungsgefühl ein - es reichte einfach ...

Jedenfalls entschied ich mich für die Rückkehr zum Basislager auf gleicher Strecke. Das hatte den Vorteil, den unteren Teil der Paßfahrt noch einmal bei Tageslicht zu erleben. Da es nicht nur wieder sehr heiß werden sollte, sondern ab Mittag zudem Gewitter drohten, brach ich nämlich wie bisher meistens in diesem Urlaub lange vor dem Sonnenaufgang auf. 

Natürlich dann immer mit voller Beleuchtung. Trotzdem fuhr mich diesmal kurz vor einer Ortschaft im unteren Val Pesarina ein extrem kurvenschneidender und bestimmt auch viel zu schneller Autofahrer im Gegenverkehr fast über den Haufen. Ohne einen Anflug von Einsicht in sein Fehlverhalten hupte er mich dabei an, statt sich auf's Bremsen zu konzentrieren. Später kam er zurück. Ich merkte dies daran, daß ein Fahrer von hinten auf gerader Strecke völlig grundlos beim Überholen lang und böse hupte. Das konnte nur er gewesen sein, denn schließlich kam mir der silberfarbene VW-Bus bei fortgeschrittener Dämmerung noch einmal entgegen. Nun schaltete dieser Typ kurz vor mir das Fernlicht ein, um mich noch mehr zu blenden. - Ich kann mich nicht erinnern, jemals einem derart aggressiven Motoristen begegnet zu sein ...

Am Ende des Abstechers zum Sella di Rioda kurz
vor den Serpentinen hinab nach Sauris (Aufnahmeort)
Die Auffahrt zum Scheitelpunkt der Tour an sich verlief erfreulich abwechslungsreich und wurde auch trotz der rund 1340 Hm ab Ovaro nicht zu anspruchsvoll. Deshalb halte ich die Strecke durchaus auch für Pässejagd-Einsteiger geeignet. Es war zudem alles dabei, was eine erlebnisreiche Tour ausmacht: Ortsdurchfahrten durch schöne alte Dörfer mit engen Straßen, eine Schlucht mit mehreren Tunneln (bzw. halboffenen Lawinengalerien), einige Kehrenabschnitte sowie eine schön gewundene Straßenpassage. Ganz oben gab es zudem herrliche Ausblicke auf die beeindruckende Bergwelt mit ihren schroffen Felsen und den grünen Almen. Selbst ich kann mir durchaus vorstellen, hierher später einmal für weitere Touren zurückzukehren.

An diesem Tag erreichte ich sogar noch ein zweites Mal die 1800 m Meereshöhe, welche ich bisher nur während der Fahrt auf den Großen Speikkogel überschritten hatte. Diese Marke war mir jedenfalls den 2-km-Abstecher in Richtung Sauris zum Sella di Rioda wert, welcher mich zudem mit etlichen schönen Ausblicken in fast alle Himmelsrichtungen belohnte. Ein solch malerisches Almgebiet habe ich noch nicht zu oft auf meinen Touren kennengelernt.

Die Rückfahrt bergab zum Campingplatz gestaltete sich als entspannte Fototour, bei der ich noch einmal ganz ohne jede Anstrengung die herrliche Gebirgslandschaft genoß. In der zwölften Stunde des Tages kam nun auch die Hitze, doch kühlte der Fahrtwind fast bis zum Schluß immer noch angenehm. Die zweite Tageshälfte verbrachte ich schließlich mit notwendigen Verrichtungen und Reisevorbereitungen. Leider wird der dafür nötige Zeitaufwand immer größer, ich bin eben nicht mehr der jüngste.

Hoffentlich aber noch viele Jahre nicht zu alt, um weitere Straßenpässe in den Alpen mit dem Handbike zu bezwingen. 

5. August 2026

Dann eben nicht ...

Mein detailliert ausgearbeiteter Plan sah vor, als nächstes im Camping Špik bei Gozd Martuljek in Slowenien Quartier zu machen. Doch schon bei meiner Ankunft dort ahnte ich, daß es schwierig werden könnte.

Tatsächlich war das Camp komplett ausgebucht, und die Dame an der Rezeption ließ sich nicht davon überzeugen, mich dennoch mit meinem Auto irgendwo auf dem Areal unterzubringen. Sie kontaktierte zwar telefonisch noch weitere Zeltplätze, aber die immergleiche Antwort hieß 'full'. Außerdem stellte sie sofort klar, daß für das unerlaubte Abstellen des Autos 100,- EUR Strafe fällig werden würden.

Unverrichteter Dinge mußte ich also abziehen, was mich ziemlich verdroß. Ich hatte mir nämlich zwei sehr schöne Touren zusammengestellt, die ich nun mit schwarzer Kreide in die Esse schreiben konnte. In Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und auch in Italien ermöglichten mir die Betreiber der Campingplätze regelmäßig trotz voll belegter Zeltplätze bei ihnen oder auf nahen Parkflächen unterzukommen. Nur im quasisozialistischen Frankreich und nun ebenfalls in Slowenien bin ich abgeblitzt! - Wo ich nicht willkommen bin, zieht's mich nicht so bald wieder hin ...

Nach einer zeitraubenden und nervenaufwendigen Odyssee landete ich schließlich auf dem Zoncolan Camping im italienischen Ovaro. Hier wollte ich am Ende meiner Pässejagdsaison noch zwei Touren mit dem Handbike fahren, darunter einen echten Scharfrichter. Der Monte Zoncolan ist bei bergeliebenden Radsportlern beinahe berühmt-berüchtigt, weil der Gipfel nur über extrem steile Auffahrten zu erreichen ist.

Das dünnste Brett dieser drei Strecken nahm ich mir gleich am Dienstag vor. In Verbindung mit einem weiteren Paß, dem Sella Valcalda, ergab sich eine nette, kleine Rundtour über 41 km und allerdings 1900 Hm. Wie ich schon kurz nach dem Start feststellte, ließ sich der erste Paßanstieg des Tages sehr schön fahren. Eine gleichmäßig Steigung von ca. 6 - 8 %, eine kurvenreiche Strecke und nicht zu viele Höhenmeter eigneten sich ausgezeichnet zum Warmfahren. Zweimal, einmal kurz nach dem Beginn und einmal in Nähe des Scheitelpunkts, hielten Italiener extra mit ihren Autos an, um mich in Aktion zu fotografieren. Italien ist eben ein radsportbegeistertes Land und ich ein Exot auf drei Rädern.

Kurz nach Acht begann ab dem Ortseingang von Sutrio der Aufstieg zum Monte Zoncolan. Die Sonne entfaltete bereits ihre Kraft und in den südseitig exponierten Serpentinen machte sich das sofort bemerkbar. Die waren eigentlich gar nicht so steil, doch mit zunehmender Dauer fiel mir das Vorankommen immer schwerer. Wahrscheinlich lag das vor allem an einem erheblichen Flüssigkeitsdefizit. Weil ich nicht wußte, wie es mit der Getränkeversorgung unterwegs aussah, sparte ich mir jeden Schluck. Mehr und mehr quälte ich mich schon jetzt. Meine Hoffnung war das Skizentrum Zoncolan nach dem Ende der Serpentinen. Ich hatte Glück, gab es dort doch am Kreisverkehr eine Wasserstelle. Sofort tankte ich 2 - 3 Liter kühles, köstliches Naß und füllte meine Vorräte auf. Danach ging es mir schon wieder viel besser ... Jedenfalls: ohne diese Wasserentnahmestelle hätte ich vermutlich kapitulieren müssen, bevor noch überhaupt der härteste Teil des Anstiegs begann.

Die letzten 430 Hm wurden dann meist eine Tortur, denn drei Steilrampen bis über 20% Steigung erwarteten mich auf den folgenden 3,8 km bis zum höchsten Punkt. Stück um Stück und mit vielen kürzeren und längeren Pausen, meist im Schatten einzelner Bäume, mühte ich mich aufwärts. 14.00 Uhr war ich endlich oben.

Am Scheitelpunkt der Straße auf den Monte
Zoncalan (Aufnahmeort)
Doch damit war die Tour noch nicht vorbei! Nun erwartete mich eine Abfahrt, die mich und mein Material, genauer die Hydraulikscheibenbremse, an die Grenzen bringen sollte. Die höllische supersteile Auffahrt direkt von Ovaro aus hatte ich mir wohlweislich im Anstieg erspart, doch im Rahmen dieser Rundstrecke mußte ich dort hinunter! Die Bremse fast permanent zu ziehen, war nicht nur auf Dauer sehr kraftaufwendig, es erhitzte natürlich auch die Scheibe enorm. Und nach jedem Zwischenstop zur Abkühlung ergab sich das gleiche Problem wie schon bei der Abfahrt vom Großen Speikkogel. Der Bremshebel zog nicht mehr, und ich war kurz davor, aufgrund des riesigen Spiels des Bremshebels bis immer näher an den Anschlag nicht mehr bremsen zu können. Auch hier korrigierte sich das Bremshebelspiel zwar immer wieder etwas, doch dafür mußte überhaupt erstmal eine Bremswirkung erzielt werden. Und mit jedem Halt wurde es schlimmer ... Jeder kann sich bestimmt vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich endlich unten ankam. Auch wieder so eine Grenzerfahrung!

In den nächsten Tagen bleibt es zwar sehr warm, aber die Witterung wird unbeständiger. Eine Tour hätte ich noch in petto. Bereits jetzt bin ich jedoch vollauf zufrieden, denn meine Bilanz kann sich sehen lassen. Bisher sind es neun Paßanstiege geworden, davon allein fünf Pässe, welche auf Quaeldich.de als "Highlight" gekennzeichnet sind.

Das ist doch schon etwas!

3. August 2026

Das Salz in der Suppe

Ich habe es mir getraut, trotz der hohen Temperaturen einen der anspruchsvollsten Anstiege im österreichischen Alpenraum anzugehen. Die Tour auf den 2120 m hohen Großen Speikkogel. Allerdings startete ich noch einmal fast eine Stunde früher als bei meiner letzten Unternehmung. Denn bevor die Kletterei richtig begann, waren erstmal rund fündundzwanzig flache Kilometer für die Anfahrt im Lavanttal zu absolvieren. Zum Warmfahren eignete sich die Strecke jedenfalls gut, und zu dieser Tageszeit konnte ich zum schnellen Vorankommen auch die großen Straßen nutzen. Den Laventradweg hob ich mir lieber für die Rückfahrt auf. Erneut begleitet mich der Mond - er strahlte immer noch hell genug, sodaß ich teilweise sogar ohne Licht fahren konnte.

Kurz vor Fünf eröffnete ich den Kampf um den Berg. Er gewährte mir keine Gnade, sondern empfing mich sofort mit langen, steilen Passagen. Aber ich kam gut durch! Dennoch schaute ich mich schon nach Möglichkeiten zum Nachtanken meiner Flüssigkeitsvorräte um. Etwa in halber Höhe sah es diesbezüglich ganz gut aus, doch floß kein Wasser aus dem Brunnen. Dafür betrat die Straße gerade ein Mann, der mit Hund zu seinen Morgenspaziergang aufbrach. Den bat ich um Nachschub. Er füllte nicht nur meine Trinkflasche, sondern brachte mir sogar noch eine weitere Flasche Mineralwasser. Wir kamen ins Gespräch, und bevor ich schließlich weiterfuhr, lud mich Peter ein, doch noch mal auf dem Rückweg bei ihm anzuhalten.

Über diese Begegnung freute ich mich sehr. Zusätzlich motiviert, verweilte ich während des Anstiegs gedanklich noch lange bei diesem unerwarteten Treffen. Das sind diese besonderen Erlebnisse, welche meine Reisen oftmals bereichern!

Mit zunehmender Höhe und bei anhaltender Steilheit mußte ich nun öfters mal kurze Verschnaufpausen einlegen. Glücklicherweise war ich aber bereits so weit oben, daß mich die Hitze, welche sich inzwischen allmählich ausbreitete, nicht mehr erreichte. Das härteste Stück erwartete mich schließlich nach dem Ende der öffentlichen Straße am Skizentrum Koralpe. Ein schmales, asphaltiertes Band zog auf den letzten vier Kilometern steil gen Himmel. Die tiefen Kratzspuren der Pistenfahrzeuge auf dem Belag machten unmißverständlich klar, für wen diese Zufahrt eigentlich gedacht war. 480 Hm auf 4,2 km. Ich änderte deshalb meinen Klettermodus und arbeite mich nun nur noch meterweise aufwärts. Es zählte nicht das Tempo oder flüssiges Vorankommen, nein, das Erreichen des Gipfels hatte höchste Priorität.

Panorama vom Großen Speikkogel nach Südwesten, rechts eine der beiden Kuppeln der Goldhaube
(Aufnahmeort)
Willkommene Abwechslung und zusätzlichen Grund für eine Pause boten mir dabei teils längere Gespräche mit Einheimischen über meinen Sport, Freunde, die durch Unfälle in den Rollstuhl gelangt waren und sich ebenfalls wieder hochgerappelt hatten, über das Land und die ganz besonderen alpinen Bedingungen am Gipfel. Ich habe selten unterwegs so viele offene, freundliche und interessierte Menschen getroffen, wie an diesem Tag ... Die Schlußetappe zum höchsten Punkt der Tour lag erst nach 2,5 Stunden hinter mir. Aber neben all der Schinderei erfreuten mich auch diese herrliche Landschaft und die beinahe atemberaubenden Tiefblicke, welche trotz des Dunstes eindrucksvoll blieben. Ganz in der Ferne grüßten wahrscheinlich auch schon die slowenischen Kalkalpen.

Peter, Regina und Sunny
Auf der Abfahrt mußte meine hydraulische Scheibenbremse und die Bremsscheibe dann Schwerstarbeit leisten. Mehrmals befürchtete ich, daß Bremsölverlust drohte - dabei war das zeitweise größere Spiel des Bremshebels vermutlich durch die entstehende Reibungshitze bedingt. Es korrigierte sich jedenfalls alles wieder von selbst. Nach knapp 20 Minuten kam ich vor Peters Haus zum stehen. Ich rief, und Peter und seine Lebensgefährtin Regina sowie ihr Hund Sunny begrüßten mich mit einem extrem leckeren Kaffee - ganz so, wie ich ihn mag. In der Werkstatt (ein anderer Ort war in meinem Handbike nicht zugänglich) saßen wir dann fast eine Stunde gemütlich beisammen. Es gab viel zu erzählen, denn die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Diese Momente, bei denen ich ganz unmittelbar Kontakt zu den Menschen vorort erhalte, um an ihrem Leben teilzuhaben, sind für mich jedesmal eine enorme Bereicherung. Ich glaube, genau das ist auch ein Privileg des Alleinreisenden. Vor meiner Weiterfahrt tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus.

Über den Lavantradweg, den ich für die Heimfahrt nutzte, gibt es schließlich nur wenig zu berichten. Durchgängig asphaltiert, gut ausgeschildert und bis kurz vor dem Ende in Lavamünd ohne Anstiege, hielt er genau das, was ich mir von ihm versprochen hatte: ein entspanntes Rollen auf den letzten Kilometern, bei dem sich auch die erneut bis 33°C hohen Temperaturen ertragen ließen. Um drei war alles vorbei.

Diese vermeintlich vergessene Grenzregion von Kärnten ist für mich bereits jetzt DIE (positive) Überraschung meines diesjährigen Sommerurlaubs in den Alpen. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt, und der Hauptgrund dafür waren die Menschen, denen ich begegnet bin.

Auf dem Campingplatz und unterwegs auf meinen Touren.

1. August 2026

Nächtlicher Überfall

Mein neues Quartier ist perfekt! Das liegt nicht nur an der nahezu vorbildlichen barrierefreien Sanitärausstattung der Einrichtung, dem meist schattigen Plätzchen unter einem Baum für mein Wohnmobil-Auto sowie einem passenden Unterstand zum Abstellen meines Handbikes, sondern auch an der überaus engagierten Betreiberin. Einen solchen Einsatz für Gäste wie mich habe ich in dem knappen Vierteljahrhundert meiner Alpenfahrten bisher nur ein-, zweimal erlebt.

Das einzige, was mich hier ausbremst, ist die gegenwärtige Hitze. Bis 35°C ist es schon geworden, da freut man sich über jeden Schatten. Für meine in diesem Gebiet geplanten Aktivitäten im Handbike ist das natürlich absolut kontraproduktiv. Zunächst stellte ich daher die Reihenfolge meiner Unternehmungen um und nahm mir die "leichtere" Tour vor. Außerdem fuhr ich dann gestern bereits in der späten Nacht um 3.40 Uhr bei noch angenehmen 19°C los.

Erstes Tagesziel war der Übergang Soboth an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der befindet sich zwar nur in 1347 m Meereshöhe, die Westauffahrt von Lavamünd überwindet dabei jedoch lt. Quaeldich.de auf 11,9 km immerhin 1014 Hm. Das ist ziemlich steil. Anders als beim vorangegangenen Schlußanstieg hinauf zum Sölkpaß, gab es hier aber immer mal wieder flachere Stücken, auf denen ich mich erholen konnte. Ein halbes Prozent Steigung weniger macht da schon viel aus - wahrscheinlich vor allem mental. (Man sieht, daß sich die Straße abflacht und "schöpft neuen Mut".)

Aus Lavamünd grüßen die Lichter zu mir herauf
(Aufnahmeort)
Im Dunkeln war ich bei Noch-fast-Vollmond lange Zeit ganz allein auf der Straße - solche Verrückten sind eben sehr selten. Fast genau um Sieben erreichte ich endlich den wenig spektakulären höchsten Punkt in einer Rechtskurve mitten im Wald und ohne Paßschild. Der frühe Start hatte sich bereits jetzt ausgezahlt. Um diese Zeit und in ausgesprochen guter körperlichen Verfassung konnte ich meine alternative Notlösung einer nur 27 km langen Rundtour beiseite legen. Über den Radlpaß steuerte ich nun also das Drautal bei Radlje ob Dravi an, von wo ich schließlich am Fluß entlang zum Ausgangspunkt zurückkehren wollte.

Die Fahrt durch schier endlosen Wald auf breiter, doch verkehrsarmer Straße verlief sehr entspannt und bot immer mal wieder schöne Ausblicke auf die nur spärlich besiedelte Gegend. Erst der zweite Teil der Auffahrt zum Radlpaß, bei der insgesamt noch einmal etwa 290 Hm überwunden werden mußten, erforderte erneut vollen Einsatz. Diesmal legte ich in den steilen Schlußserpentinen mehrere kurze Zwischenstops ein, denn mittlerweile stieg der Temperatur deutlich. 9.30 Uhr kam ich oben an. Dort befand sich auch der Grenzübergang zu Slowenien. Ich bin noch nie zuvor in meinem Leben in diesem Land gewesen, nun zum ersten Mal gleich mit dem Radl über den gleichnamigen Paß.

Auf der Abfahrt ins Tal kühlte noch der Fahrtwind, bevor mich an der Drau die erwartete brütende Hitze empfing. Statt der ursprünglich vorgesehenen Strecke auf der Hauptverkehrsstraße wich ich auf den Drauradweg aus, weil dieser auf der anderen Flußseite im Schatten (fast) ganz ohne Kraftverkehr bis Dravograd verlief. Mit einer entspannten Heimfahrt auf flacher Strecke wurde es jedoch nichts. Nervte ab Trbonje anfangs die ansteigende, über 1,2 Kilometer nur geschotterte Straße, sammelte ich hierbei zudem rund 120 zusätzliche Höhenmeter.

Auf den letzten 10 km bei oftmals voller Sonneneinstrahlung nördlich der Drau zurück zum Campingplatz verbrauchte ich zum Schluß alle Flüssigkeitsvorräte, welche ich mit mir führte und selbst bei den anstrengenden Anstiegen nicht benötigt hatte. Aber da konnte ich aufgrund des absehbaren Tourendes aus dem Vollen schöpfen.

Kurz vor 13.00 Uhr hatte ich's geschafft.

30. Juli 2026

Überraschungsaktion

Als Gast des Olachgut Camping hatte ich die sogenannte Gästecard Murau zusammen mit einer Broschüre der damit verbundenen Angebote bekommen. Beim Durchblättern des Heftchens stach mir förmlich die Möglichkeit der Nutzung der Kreischberg 10er Gondelbahn ins Auge, welche auch für Rollifahrer problemlos nutzbar sein sollte. Die Kennzeichnung als "inklusive" bedeutete in diesem Fall, daß jeder Inhaber der Gästecard kostenlos einmal mit der Seilbahn hinauf- und hinunterfahren konnte.

Das mußte ich testen! Vor dem Transfer zum nächsten Übernachtungsort blieb überdies reichlich Zeit für eine solche Extrawurst. 9.00 Uhr startete der Betrieb, 8.30 Uhr war ich vorort, da die Seilbahn in St. Georgen am Kreischberg nur ca. 6 km vom Olachgut  entfernt lag. Die Zeit bis dahin vertrieb ich mir im integrierten Intersport-Geschäft. Nach dem Ausflug erstand ich dort für ebenfalls unschlagbare 31,-EUR ein neues Radtrikot. Ein schönes Andenken.

Blick aus der Gondel hinab ins Murtal in Richtung
Murau (Aufnahmeort)
Das Einlösen des Angebots funktionierte danach genauso reibungslos, wie der Zugang zu den Gebäuden und zur Kabine wirklich barrierefrei war. (Überdies gab es dort natürlich auch ein Rolli-WC.) Es war DAS Erlebnis des Tages! Ich genoß die 16 min dauernde Fahrt nach oben in vollen Zügen. Solch eine Aktion hatte ich bisher nur in Südtirol in Bozen (auf den Ritten) sowie in Saltaus im Passeiertal (Hirzer-Seilbahn) erlebt. Von 865 m über die Mittelstation in 1441 m bis auf 1771 m Seehöhe. Grandios! Da gab es eine Extraausschüttung Glückshormone.

Oben drehte ich zwar nur eine kleine Runde um die Bergstation, doch der Höhepunkt war ja sowieso die Berg- und Talfahrt mit der Bahn, bei der ich eine Gondel ganz für mich allein hatte. Euphorisiert kehrte ich nach rund einer Stunde ins Tal zurück. Zuerst die wirklich fairen Übernachtungspreise des Camping Olachgut, und nun diese komplett ungeplante Aktion. Der Tag fing gut an! Mit einer schönen Erinnerung stieg ich schließlich 11.15 Uhr ins Auto, um zum Camping Laquamünd kurz vor Lavamünd zu fahren. Von hier aus soll es dann wieder im Handbike auf Pässejagd gehen.

Ich hoffe, die Hitze macht mir dabei keinen Strich durch die Rechnung ...

29. Juli 2026

Technischer KO

Nach einem Tag Langeweile - ich hatte den Transfer zum Camping Olachgut nahe Murau schon vormittags erledigt - bin ich heute bereits kurz vor dem Sonnenaufgang losgefahren. Mein Tagesziel war der Sölkpaß, lt. Quaeldich.de ein dreigeteilter Anstieg mit zwei anspruchsvollen Rampen zu Beginn und am Ende.

Nicht nur am Reschenpaß gibt es einen  Kirchturm
im See - auch Rottenmann verweist auf einen solchen
Doch dieser ist nur die Illustration einer Sage.
(Aufnahmeort)

Ich hatte das für mich perfekkte Zeitfenster erwischt. Nach der Anfahrt bis Schöder blieb es auf dem ersten Teil der Auffahrt trotz Sonne immer noch erfreulich angenehm. Später tauchte ich so tief in das Katschtal ein, daß die Sonne noch nicht über den Berg gestiegen war. Auch der steile Schlußanstieg mit der Kehrenfolge mittendrin lag noch im Schatten. Allerdings gab es auf diesem Abschnitt nicht ein Flachstück, nur in den Wendekurven konnte ich mal durchatmen. Trotzdem hielt ich eisern durch, immer in der Hoffnung auf ein paar weniger steile Meter.

Als ich dann endlich nach einer Biegung das Ende der Schinderei erkennen konnte und ich darüber hinaus inzwischen auf dem letzten Loch pfiff, hielt ich zum ersten Mal auf dem gesamten Anstieg für eine Ruhepause an. Ich konnte wirklich nicht mehr, und der Kopf revoltierte bereits seit längerem gegen die pausenlose Bewegung im Schneckentempo. Damit hatte ich verloren. Obwohl ich eine längere Pause einlegte, ging es danach nicht mit frischer Kraft weiter. Vielmehr quälte ich mich nun die letzten 500 m stückweise mit ungezählten Zwangsstops zum Ziel, denn ich konnte nichts mehr hinzusetzen - weder mental noch physisch. So sehr am Ende war ich lange nicht mehr. Diese Rampe hat mir sehr deutlich meine Grenzen aufgezeigt. Bis zu jenem KO hätte ich Bäume ausreißen können ...

Über den Rest der Tour ist schnell berichtet. Nach der langen Abfahrt bis Schöder fuhr ich nicht den gleichen Weg wieder zurück, sondern folgte dem Tal weiter ins bis zu dessen Mündung in Katsch an der Mur. Der daran anschließende Abschnitt des Murradwegs hielt noch ein paar kurze unangenehme Anstiege bereit, in meinem körperlich angeschlagenem Zustand (wozu auch die nun immer größere Hitze beitrug) nicht unbedingt willkommen.

Ungefähr halb Zwei kam ich endlich am Campingplatz an. Die Steilrampen und auch die Hitze waren ein Vorgeschmack auf das, was mich nun erwarten könnte. Deshalb weiß ich tatsächlich noch nicht, welche Tour ich als nächste fahre.

Nur eines steht fest: Immer ohne Motor!

PS: Heute berichtete ein Bekannter aus Bayern ganz stolz auf WhatsApp, er hätte im Handbike gemeinsam mit seinen Sportfreunden ohne Handicap auf der Route des Grandes Alpes 698 km und 18.700 Hm bewältigt. Dabei fährt er ein E-Handbike (von mir Mohabi genannt). - Wer einerseits verkündet, daß er für Handbikes ohne Elektromotor zu alt ist und sich aber andererseits mit solchen Unternehmungen brüstet, die nach meinem Verständnis nicht einmal ansatzweise eine sportliche Leistung darstellen, für den ist kein Platz (mehr) auf meiner Liste. Ich habe den Kontakt umgehend gelöscht.

27. Juli 2026

Wegbereiter

Morgen werde ich mein Basislager wechseln und dabei über jenen Paß fahren, den ich heute im Handbike bezwungen habe. Die Tour zum Radstädter Tauernpaß war meine zweite Aktion in diesem Sommerurlaub, nachdem ich gestern wegen Regen pausieren mußte.

Bereits ein Tag ohne körperliche Aktivitäten reichte aus, um gut ausgeruht relativ zeitig zu starten. Außerdem sollte das Wetter gegen Mittag schlechter werden, bedeckt mit hoher Luftfeuchte war es ja schon. Doch mit 55 km Streckenlänge standen die Chancen gut, es vor dem angekündigten Regen zu schaffen, zumal die Beschreibung des Anstiegs auf Quaeldich.de wesentlich geringere Anforderungen als bei meiner Tour unter die Dachstein Südwand erwarten ließ.

Am Beginn der Schlucht (Aufnahmeort)
Trotzdem war die Strecke nicht zu unterschätzen, wie ich an der ersten Steilrampe feststellte. Die führte geradewegs in eine tiefe Schlucht, deren Anfang besonders pittoresk war. Im Bild kommt das leider nicht so deutlich zur Geltung, doch fühlte ich mich an diverse Paßstraßen in Frankreich erinnert. Dort war es freilich wesentlich wärmer.

Abgesehen von der meist dicken Wolkendecke, kam mir die Temperatur unter 20°C aber sehr gelegen, deshalb machte sich die Feuchtigkeit auch nicht so schweißtreibend bemerkbar. Bis auf zwei Pinkelpausen konnte ich durchfahren und schon kurz nach Zehn erreichte ich den wenig eindrucksvollen Scheitelpunkt im oberen Teil des Touristenortes Obertauern. Der wiederum animierte mich überhaupt nicht zum längeren Verbleib, er ist halt einer dieser typischen Wintersportziele für jedermann.

Weil sich inzwischen Niederschlagsgebiete dem Ennstal (in welchem Altenmarkt liegt) bedrohlich näherten, begab ich mich nun schleunigst in die Abfahrt - leider auf dem gleichen Weg wie bergauf. Wofür ich im Aufstieg rund 3 Stunden benötigt hatte, war abwärts in einer dreiviertel Stunde Geschichte. Kurz vor Zwölf trudelte ich schließlich am Camping ein.

Der halbe Tag lag noch vor mir. Der Regen blieb nicht nur aus, sondern es setzte sich sogar die Sonne immer mehr gegen die Wolken durch. Eigentlich hätte ich also einen zusätzlichen Abstecher zum Zauchensee unternehmen können, mit rund 12 km pro Strecke und weiteren 500 Hm wäre ich dabei gewesen. Das aber war mir zuviel, will ich doch nicht gleich am Anfang meines Urlaubs mein ganzes Pulver verschießen.

Es warten noch größere Herausforderungen!

26. Juli 2026

Anspruchsvoller Einstieg

Es ist wieder losgegangen: meine beinahe alljährliche Pässejagd in den Alpen. Noch am Freitag habe ich nachmittags mein erstes Basislager aufgeschlagen, nachdem ich zuhause unerwartet schnell mit den Reisevorbereitungen fertig war.

Dazu gehörte natürlich auch die Recherche zu geeigneten Campingplätzen, die zumindest über eine (lt. Eigenaussage) barrierefreie Sanitäreinrichtung verfügen. Vorort erweist sich diese dann nur sehr selten als perfekt, meist komme ich aber auch bei suboptimalen Bedingungen mit Abstrichen noch ganz gut klar. Auch beim Camping Passrucker in Altenmarkt am Pongau gibt es diesbezüglich Luft nach oben, doch dafür sind die Leute ganz nett und machen vieles möglich, was anderswo nicht machbar wäre.

Üblicherweise beginne ich meine Alpentouren mit dem Handbike verhalten, um mich erstmal zu akklimatisieren. Hierbei geht es nicht nur um Höhenanpassung - ich wohne ja in Pirna auf nur 120 m ü. NHN. Auch eine andere Fahrstrategie ist im Hochgebirge nötig, denn große Höhendifferenzen und überhaupt ein ganz anderes Verhältnis von Strecke zu (bewältigten) Höhenmetern erfordern eine ganz andere mentale und körperliche Herangehensweise an solche Unternehmungen. Ausdauer ist wichtiger als Schnelligkeit. 

Gestern allerdings gab es keine Schonung. Das war nicht einmal von mir beabsichtigt, ich hatte bei der Planung einfach nur die Herausforderung unterschätzt. Bereits die Auffahrt von Pichl nach Ramsau am Dachstein überraschte mich mit durchgängiger Steilheit bis zu den ersten Häusern von Vorberg. Kein Wunder! Wie ich später bei Quaeldich.de feststelle, war das nämlich der anspruchsvollste Weg in den beliebten Urlaubsort.

Nach kurzer Erholung folgten dann auf der Dachsteinstraße die nächsten Steilrampen bis etwa 14% Steigung. Im unteren Teil gab es dabei mehr als 2 km lang keine Möglichkeit zum Durchschnaufen ohne Stehenzubleiben. Und das gönnte ich mir nur einmal in einer flachen Kehre, weil die Batterie meines Geschwindigkeitssensors entladen war und ich daher ausschließlich mit Strecken-/Geschwindigkeitsaufzeichnung per GPS fuhr. Sobald ich also angehalten hätte, wären beim Weiterfahren danach wegen meines geringen Tempos keine Werte mehr erfaßt worden.

Am Ziel vor der Türlwandhütte - im Hintergrund
der Dachstein, unten die Talstation, oben die
Bergstation der Seilbahn (Aufnahmeort)
Bevor ich gegen 11.40 Uhr an der Türlwandhütte den höchsten Punkt meiner Tour auf rund 1700 m Seehöhe erreichte, mußte ich noch ein weiteres Mal im Schlußteil des Anstiegs standhaft um jeden Höhenmeter kämpfen. Das war vor allem eine Kopfsache, befand sich das Ziel doch bereits in Reichweite. Die letzten Meter zum "Gipfel" sind oftmals die schwierigsten ...

Oben gönnte ich mir eine lange Ruhepause (das sind bei mir 30 Minuten), schließlich lag nun der anspruchsvollste Teil der Tour hinter mir. Von Pichl aus waren bisher auf knapp 15 km immerhin rund 1000 Hm zusammengekommen. Auf den Rest der Strecke verteilt, gab es dann noch ein paar Aufschwinger, bei denen ich jedesmal in den "Bergmodus" umschalten mußte. Letztendlich blieben diese mit insgesamt 250 Hm für die Gesamtbilanz weitestgehend unerheblich - eine Aussage, die im Flachland wohl für Kopfschütteln sorgen würde.

Kurz vor meiner Ankunft auf dem Zeltplatz nervte mich ziemliches Zickel-Zackel aufgrund geänderter bzw. gesperrter Wege. Das gehörte aber nur zum Abgesang und verdarb mir nicht die Laune. An diesem Tag hatte ich mich trotz der unerwarteten Steilrampen wirklich wacker geschlagen, auch dank optimaler Witterung.

Ein gelungener Auftakt!

20. Juli 2026

Tausendsassa

Vor Urlaubsbeginn habe ich im Juli nun doch noch die 1000 Monatskilometer geschafft. Danach sah es nämlich zunächst gar nicht aus, denn gestern begann der Tag mit langem und kräftigen Regen. Erst nach dem Mittag besserte sich allmählich das Wetter, sodaß ich - eingedenk meines gerade genannten Wunschziels - zu einer Tour im Handbike aufbrach.

Die bekannteste (Alt-)Stadtansicht von Dresden
(Aufnahmeort)
Im für mich perfekten Temperaturbereich kam ich gut voran. Deshalb bog ich nach den ersten drei "Sägezähnen", also relativ kurzen Anstiegen in Folge, dann nach Süden ab und peilte die Bergstadt Dippoldiswalde an. Von dort war die Strecke dann quasi vorgegeben: erst den letzten Anstieg von der Talsperre Malter hinauf nach Paulshain, dann die 25 km lange ununterbrochene Abfahrt in die Landeshauptstadt, von der es zum Schluß ebenfalls weitgehend flach nachhause ging. Mit den rund 120 Hm auf diesem letzten Teilstück erreichte ich wenigstens noch 900 Hm in der Tourenbilanz. Im Rahmen meiner geplanten Alpenpässejagd werde ich das locker wieder aufholen.

Am Sonnabend war ich das erste Mal mit Robert und Lena auf Tour. Ihn hatte ich im vergangenen Jahr bei einer Radveranstaltung in Dresden kennengelernt, und als wir uns vor kurzem zufällig begegneten, regte er eine gemeinsame Ausfahrt an. Um diese auch für seine Freundin attraktiv zu machen, schlug ich zunächst eine landschaftlich schöne, doch moderate Strecke vor. Auch sollte der Start aus Rücksicht auf meine Begleiter nicht zu zeitig am Tag sein.

So kam es, daß ich vor dem vereinbarten Treff am Elbeparkplatz in Pirna noch eine erste Warmfahrrunde fuhr, da wie im Sommer des öfteren die Nacht für mich wieder mal früh um Drei vorbei war. Deshalb konnte ich dann trotz Bummelei auch schon 4.20 Uhr starten. Insgesamt 48 km und über 400 Hm hatte ich bereits absolviert, als 8.00 Uhr die beiden zu mir stießen.

Lena benutzte dabei ein elektrounterstütztes Zweirad, was ich in diesem Fall jedoch tolerierte. (Meine Haltung zu diesem Thema dürfte ja vielen Leute inzwischen bekannt sein.) Denn ganz ohne sportliche Ambitionen, einfach nur, um mit uns gemeinsamen eine schöne Tour zu fahren, kann ich mit solcherart Fortbewegung leben. Bemerkenswert war übrigens für mich, daß sie danach auf dem flachen Elberadweg anfangs ganz ohne Motor fuhr, was aufgrund des Gewichts des Gefährts von rund 30 kg durchaus eine sportliche Herausforderung darstellte. Weshalb sie das gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sie kannte jedoch meine Meinung über Mofafahrer - vielleicht wollte sie ja auf ihre Art mal dagegenhalten ...

Der Streckenabschnitt in der Böhmischen und Hinteren Sächsischen Schweiz wurde natürlich der landschaftliche Höhepunkt unserer Ausfahrt. Leider verläuft ein länger Teil der Radroute durch die beiden Nationalparks auf teils extrem groben Schotter, was die Freude jedesmal trübt. Auf den reichlich 3 km zwischen Lagergrund (Táborový důl) bis zum Touristengrenzübergang Hinterdittersbach (Zadní Jetřichovice) ist der Untergrund richtig häßlich, doch auch die 6 km der Radroute auf deutscher Seite entlang der Kirnitzsch und an der Niederen Schleuse vorbei bis zur öffentlichen Straße läßt sich stückweise nicht sehr angenehm fahren (s. Track vom 18.07., km 95,0 - 104,4). Um einer Reifenpanne vorzubeugen, bin ich hier sehr langsam gefahren, was für dieses Teilstück zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h führte. Übrigens: für solcherart statistische Daten sowie auch zur Planung benutze ich immer die WebApp GPXStudio, in die ich u.a. meine aufgezeichneten Tracks hochladen und über das darunter befindliche Streckenprofil auswerten kann.

Es dauerte anschließend eine ganze Weile, bis ich den verlorenen Boden wieder gutgemacht hatte, doch nach meinem Solosprint auf der Kirnitzschtalstraße wartete ich am Ortseingang von Bad Schandau auf meine Begleiter.

Den letzten Anstieg unserer gemeinsamen Tour von Prossen zum Ortsausgang von Porschdorf (s. Track vom 18.07., km 121,9 - 124,2) kannten Robert und Lena noch nicht, doch ansonsten war ich überrascht, wie viele Strecken in der Region die beiden bereits schon gefahren waren. Eine Überraschungstour ins Unbekannte wurde es für sie entgegen meiner Annahme deshalb nicht.

Knapp vorzeitig trennten sich schließlich in Posta unserer Wege, mit ihrem Einverständnis hängte ich nun zur Kilometersammelei noch einen Abstecher bis nach Pillnitz an meine Tour. Denn wenigstens die 100 Meilen (knapp 161 km) lagen noch im Bereich des Möglichen - und das, obwohl wir auf den vorherigen 90 km mehr und längere Pausen eingelegt hatten, wie sonst bei mir üblich. Nach diesen letzten 25 km erreichte ich ungefähr 18.10 Uhr mein Zuhause, was einer Brutto-Tourenzeit von fast 14 Stunden entsprach.

Bei diesem herrlichen Sommerwetter aber absolut kein Problem!

17. Juli 2026

Die Farbe Rot

Gestern abend war ich mit einer früheren Seilgefährtin verabredet. Wir treffen uns hin wieder zum Schwatzen, meist in Verbindung mit einem gemeinsamen abendlichen Picknick an einem schönen Ort in der Umgebung.

Ich hatte die Idee für einen Abstecher zum Schloß Thürmsdorf mit anschließendem Spaziergang zum Biedermann-Mausoleum und der unmittelbar daneben befindlichen Johann-Alexander-Thiele-Aussicht. Dieser kurze Ausflug ist übrigens auch hier als Teilstrecke beschrieben, inkl. einiger Bilder.

Abends auf der Johann-Alexander-Thiele-Aussicht,
im Hintergrund die Elbe mit der Stadt Königstein,
darüber der Tafelberg Pfaffenstein (Aufnahmeort)
Ich holte Insa mit dem Auto ab, meine ehemalige Sportfreundin hatte hingegen für das Essen gesorgt. Sie ist da immer für kulinarische Überraschungen gut, z.B. aus eigenem Anbau bzw. freier Wildbahn. Herrlich natürlich und logischerweise stets "bio". Dieses Miteinander in entspannter Atmosphäre und den gegenseitigen Austausch über unsere aktuellen Unternehmungen genoß ich folglich im Park so wie bei jedem unserer Treffen. Die enge Verbindung aus längst vergangener Zeit lebt in solchen Augenblicken wieder ganz unmittelbar auf - vor allem dann, wenn die Romantik eines wunderschönen Sommerabends hinzukommt.

Nach dem Abendessen unternahmen wir schließlich den kurzen Abstecher vom Schloß zu den zwei Aussichten über dem Elbtal. Die Heckenrosen am Wegesrand leuchteten im Abendlicht noch viel kräftiger, und auf der Thiele-Aussicht färbten die Strahlen der untergehenden Sonne alles in ein weiches, warmes Rot. Es war wieder einer dieser Momente, an die man sich noch lange erinnert ... Zumal dort ebenfalls gerade ein Pärchen sein Abendbrot einnahm und ich den Mann als Fotograf für ein Bild von uns gewinnen konnte.

Wenn ich nun die Aufnahme betrachte, wirkt selbst jetzt noch das Lächeln von Insa echt ansteckend. 

14. Juli 2026

Bestes Vorgehen

Bei angekündigten sommerlichen Temperaturen hat es sich bewährt, zeitig in den Tag zu starten. Außerdem plane ich dann keine langen Touren, damit ich vor der großen Hitze vom Ausflug zurück bin. Auch gestern habe ich mich an diese Fahrpraxis gehalten, denn es sollte wieder ziemlich warm werden.

Als Ziel wählte ich das tausendjährige Bautzen, ohne jedoch dem Zentrum einen Besuch abzustatten. Ohnehin befand sich die Streckenlänge bei einem Tourbeginn zum Sonnenaufgang angesichts der Wetterprognose bereits im Grenzbereich.

Morgendlicher Blick über Rathewalde bis ins
Osterzgebirge (Aufnahmeort)
Immerhin gelang es mir, die meisten Anstiege hinter mich zu bringen, bevor die Sonne mir richtig einheizte. In Bautzen, das ich kurz nach Zehn erreichte, standen nämlich nach 67 km schon 800 Hm auf der Habenseite. Darunter auch die steilste Rampe des Tags hinauf zum Sattel unter dem Mönchswalder Berg, die zwar nur mit 12% Steigung geführt wurde, kurzzeitig ab sicherlich Spitzen von ca. 18% erreichte (s. Track vom 13.07., km 57,7 - 58,7).

Die Rückfahrt nachhause wurde dann nur noch Fleißarbeit. Beim Zusammenstellen der Strecke hatte ich darauf geachtet, daß in den voraussichtlich wärmsten Stunden der Ausfahrt nur noch relativ flaches Gelände zu bewältigen war. Dadurch gelang es mir, meinen temperaturbedingten Leistungsabfall - zur eigenen Wärmeregulation steht mir aufgrund der Querschnittlähmung nur der halbe Körper zur Verfügung - einigermaßen zu kompensieren. Natürlich machte mir die Hitze trotzdem zu schaffen. Glücklicherweise bildeten sich nun aber auch am Himmel größere Wolken, die mir Schatten spendeten und daher gerade bei den wenigen noch verbleibenden Anstiegen hochwillkommen waren.

Während der letzten Abfahrt nach Pirna setzte ich schließlich zum Endspurt an, der kühlende Fahrtwind machte es möglich. (Erfroren, wie es der Kameltreiber in der Wüste bei seinem Tier vermutete, bin ich jedoch  nicht.) Damit unterbot ich die geplante Ankunftszeit um 15.00 Uhr nochmals deutlich.

Zwanzig Minuten weniger Hitzestreß.

12. Juli 2026

Zweimal einhundert ...

... ergeben auch Zweihundert! Ursprünglich war meine gestrige Tour aber ganz anders geplant, denn da wollte ich ins Böhmische weit nach Osten.

Zu diesem Zweck startete ich von Pirna erneut in der Nacht punkt 2.00 Uhr. Hauptgrund dafür war nicht die kalkulierte Streckenlänge, sondern hauptsächlich die angenehme Witterung im Dunkeln. Temperaturen zwischen 14 - 18°C sind eben für mich optimal. Außerdem fuhr ich stundenlang, ohne einer Menschenseele zu begegnen - kein Wunder! Bis zum Grenzübertritt am Eulenthor oberhalb von Rosenthal zählte ich insgesamt nur fünf Fahrzeuge.

Tetschen (Děčín) erreichte ich noch lange vor dem Sonnenaufgang, und auch der folgende Anstieg aus der Stadt lag schon fast hinter mir, als mich die ersten Strahlen erreichten. Im Licht der Sonne offenbarte sich allerdings eine unangenehme Überraschung: meinem Vorderreifen hatte wohl die vorangegangene schnelle Abfahrt ins Elbtal den Rest gegeben. An einer Stelle der Lauffläche war nun die letzte Gummiauflage weggerieben und die Karkasse des Mantels lag blank.

Mit diesem schadhaften Reifen an meiner Planung weiter festzuhalten, wäre beinahe suizidal gewesen. Vielmehr ging es nun zunächst darum, ohne Zwischenfälle nachhause zu gelangen. Gerade als ich mich darüber freute, daß dabei alles bisher reibungslos lief, ereilte mich das Schicksal in Form einer Reifenpanne: Auf der Abfahrt hinunter ins Elbtal nach Herrnskretschen (Hřensko) holperte ich in voller Fahrt über einen Stein auf der Fahrbahn. Kurz danach sah man mich beim Schlauchwechsel am Straßenrand. Da war es 6.30 Uhr.

Daß ich danach erst recht wie auf rohen Eiern weitergefahren bin, kann sich jeder vorstellen. Einen weiteren Ersatzschlauch hatte ich nämlich nicht, mußte aber immer noch den verschlissenen Reifen nutzen. 

Meine Wohnung erreichte ich schließlich Punkt Neun, wo ich sogleich den Vorderreifen tauschte. Weil das Wetter aber immer noch nahezu perfekt meinen Ansprüchen genügte, setzte ich mich 11.00 Uhr ein zweites Mal auf den Bock. Alles andere hätte ich nicht vor mir verantworten können. Immerhin fahre ich freitags ja auch immer erst mittags nach Feierabend los und schaffe im Sommer trotzdem 100 km. Ohne mir vorher eine Strecke überlegt zu haben, begann ich deshalb den zweiten Teil meines Tourentags. Auf der ersten Runde waren knapp 88 km zusammengekommen, für den an diesem Tag geplanten 200er hätte ich also noch ca. 113 km benötigt. Doch daran dachte ich anfangs gar nicht.

Aber es lief wieder richtig rund, weshalb ich bereits auf meiner Fahrt durch das nördliche Umland von Dresden dann den Entschluß faßte, die Langstrecke wenigstens zu versuchen. Ausreichend Zeit bei Tageslicht blieb mir jedenfalls. Trotz des meist moderaten Tourenprofils addierten sich dabei erneut die Höhenmeter, sodaß ich auf diesen 113 km überraschenderweise tatsächlich noch einmal eine vierstellige Summe erreichte.

Sommeridyll nahe Possendorf, in Bildmitte die Klinik
Bavaria in Kreischa, am Horizont etwas links darüber
der Hohe Schneeberg (Děčínský Sněžník) in 32 km
Entfernung ( Aufnahmeort)
Schließlich blieb mir nach dem "Ende der Hauptschwierigkeiten" sogar genügenden Zeit für einen Kurzbesuch bei meiner Sportfreundin Christiane und ihrer Familie, die mir am frühen Abend zum Kaffeetrinken Saft und frisch gebackenen Kuchen spendierte. Da freute ich mich bereits darüber, daß ich den fünften Langen Kanten des Jahres abrechnen konnte, obwohl sich diesmal die Vorzeichen dafür alles andere als günstig erwiesen. Es war ein Sieg des Willens.

Noch auf meiner Testrunde mit dem Handbike zum Feierabend am Freitag hatte ich ebenfalls arge Bedenken, ob die für das Wochenende geplante Langstrecke hinsichtlich meiner aktuellen physischen Belastbarkeit und Kraftausdauer überhaupt realistisch sei. An diesem Tag fühlte ich mich überhaupt nicht fit, auch wenn das dabei erreichte Durchschnittstempo etwas anderes aussagen mag. Letztlich bedeutet dies nur, daß ich auch bei suboptimaler körperlicher Verfassung ausreichend leidensfähig bin, um die gewünschten statistischen Vorgaben  zu erfüllen. Die Kürze der absolvierte Strecke hing übrigens ausschließlich damit zusammen, daß ich mir für das Wochenendprojekt noch ausreichend Kraft- und Energiereserven bewahren wollte.

Wie ich im Nachhinein feststellte, verursachten meine freitäglichen Leistungsdefizite aber offenbar vor allem die für mich hohen Außentemperaturen zwischen 25 und 29°C. Auf dem Langen Kanten keine zwölf Stunden später war hingegen von solchen Einschränkungen überhaupt nichts mehr zu spüren.

Und das lag ganz sicher nicht nur an der Motivation.

6. Juli 2026

Langer Nachmittag

Den Sonntag hatte ich gestern bereits für sportliche Aktivitäten abgeschrieben. Nach dem Verfassen meines Berichts über die vorangegangenen zwei Touren, einer "Freßorgie" und ein wenig Müßiggang gönnte ich mir deshalb über den Mittag ein kurzes Schläfchen. Als ich danach jedoch aufwachte, sah es draußen nach dem regnerischen Vormittag gar nicht mehr so schlecht aus.

Kurzentschlossen überwand ich also mein Trägheitsmoment, packte meine sieben Sachen und setzte mich auf's Radl. Da war es 14.25 Uhr. Normalerweise fahre ich um diese Zeit nicht mehr los, will ich doch nicht nur irgendwelche Kurzstrecken sammeln. Aber kurz nach der Sommersonnenwende ist es eben auch lange hell - und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, nahm ich außerdem meine Beleuchtung mit.

Auf der ersten Runde südlich des Elbtals testete ich zunächst ziemlich spontan eine kurze Streckenvariante in Struppen. Die Ortsdurchfahrt ist derzeit gesperrt, nach den ersten Metern der Straßenbaustelle gibt es auch mit dem Rad kein Weiterkommen mehr. Rechts ausbiegend läßt sich dieser Abschnitt jedoch ohne die Umleitung über den steilen Kirchberg passieren, wobei es auf den ersten Metern aus dem Dorf aber ebenfalls kräftig bergauf geht (s. Track vom 05.07., km 6,8 - 8,5).

Kurz nach Struppen Siedlung kreuzten dann Regenwolken meinen Weg, die ich geschützt unterm Blätterdach vorbeiziehen ließ. Den kräftigsten Schauer gab es in Markersbach, doch auch diesen überstand ich trocken, weil ich mich rechtzeitig in das Buswartehäuschen gerettet hatte. Am lästigsten waren die nun klitschnassen Straßen, weil ich deswegen die schöne, schnelle Abfahrt nach Bad Gottleuba aufgrund des Spritzwassers nur gebremst hinabrollen konnte. Erst am Ortseingang von Pirna waren die Straßen so weit abgetrocknet, daß ich wieder voll drücken konnte.

Meine daran anschließende rechtselbische Runde wurde letztlich viel länger als geplant. Denn nachdem ich die Gegenwindpassage bis kurz vor das Dresdner Blaue Wunder gut überstanden hatte und auch der lange Anstieg über die Grundstraße hinter mir lag, war es erst kurz vor Sieben. Die zweieinhalb Stunden bis zum Sonnenuntergang boten also noch reichlich Gelegenheit zum Kilometerfressen in größtenteils flachem Gelände. Eckpunkte dafür bildeten Radeberg sowie Rennersdorf-Neudörfel.

In Helmsdorf traf ich einen meiner Strava-Sportfreunde, willkommener Zwischenstop für einen abendlichen Schwatz unter Gleichgesinnten. Ich freue mich immer, wenn ich unterwegs Bekannte treffe. Inzwischen fahren allerdings auch immer mehr Rennradler grußlos an mir vorbei - es ist ihre Sache. Manche Leute sind eben viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um andere wahrzunehmen. Dabei bilden Frauen übrigens keine Ausnahme.

Ich schaffte es sogar noch bis nachhause, bevor die Sonne hinterm Horizont verschwand. Gesehen habe ich sie den ganzen Nachmittag aber sowieso nicht.

5. Juli 2026

Minus fünfzehn Kelvin

Innerhalb einer Woche ist der Frühling zurückgekommen. Die Maximaltemperatur am Tag sank von 38 °C auf 23 °C und ermöglichte damit die Rückkehr in den Normalmodus. Schade nur, daß damit auch die Witterung unbeständiger wurde, denn wegen des angekündigten Regens konnte ich keine Langstrecke planen.

Meine Nachmittagstour am Freitag hätte mich dazu aber perfekt motiviert.  Das Streckenprofil der diesmal kurz vorher zusammengestellten Route war zwar relativ flach und enthielt keine steilen Auffahrt. Doch das erklärt nicht ausschließlich mein gutes Vorankommen. Auch der anfangs frische Westwind, welcher mir ungebremste Fahrt ermöglichte reicht nicht als Begründung. Es lag wohl hauptsächlich an der Temperatur in meinem Wohlfühlbereich bei meist bedecktem Himmel. Ohne lästige Schweißausbrücke bzw. mit guter Kühlung durch den Fahrtwind läßt sich der Körper ganz anderes belasten als in flirrender Hitze.

Diesmal absolvierte ich erneut nur mein Minimalpensum, obwohl damit meine Feierabendrunde bereits 18.30 Uhr endete. Das deshalb nicht verschossene Pulver hob ich mir lieber für den nächsten Tag auf.

Noch unschlüssig, wohin es am Sonnabend gehen sollte, kam mir die zündende Idee erst am Morgen. Schon längere Zeit bin ich nicht mehr in Nixdorf (Mikulášovice) gewesen, auch weil in dieser Gegend viele lange und auch steile Anstiege bewältigt werden müssen. In Verbindung mit der Quasi-Umrundung des böhmischen Elbsandsteingebirges (orographisch) rechts der Elbe ergibt sich selbst nach dem langen Anstieg von Sebnitz über Wölmsorf (Vilémov) durch Nixdorf bis zum Scheitelpunkt der Tour unterhalb des Plissenbergs (Plešný) auf ca. 510 m ü. NHN (s. Track vom 05.07., km 39,2 - 53,7) ein Sägezahnprofil, mittels dessen bis zur Rückkehr ins Elbtal sich noch weitere 450 Hm summieren.

Andachtsbild an der Böhmerstraße (Česká silnice), 
s.a. Beschreibung (Aufnahmeort)
Die abwechslungsreiche Fahrt hielt mich jedoch immer bei Laune, was nicht zuletzt gerade auch wieder dem angenehmen Klima zu verdanken war. Außerdem wurden inzwischen viele Straßenabschnitte neu asphaltiert bzw. umfassend ausgebessert, sodaß ich mich eigentlich nie mit holperigem Untergrund herumärgern mußte. Einzig die Mofa-Fahrer nervten mich zunehmend, deren Konzentration sich mit meiner Annäherung an die touristischen Ausflugsziele spürbar erhöhte.

Dafür hinterließ eine Beobachtung auf der Straße nach Herrnskretschen (Hřensko) ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Nachdem mir bereits in Rainwiese (Mezní Louka) das Auto der Ordnungshüter des Gemeindeamts entgegengekommen war, wartete ich nur noch auf "Opfer" der fleißigen Kollegen. Und tatsächlich standen trotz des ausdrücklichen und mehrfach ausgeschilderten Halteverbots kurz vor dem Abzweig des Wanderwegs zum Prebischtor (Pravčická brána) am Straßenrand zwei Autos. Für deren Besitzer bleibt nun die Wanderung zum größten Felsentor des Elbsandsteingebirges dauerhaft im Gedächtnis - und zwar anders als gedacht. Ihre Fahrzeuge wurden nämlich mit Radkrallen fixiert. Deren lange Gesichter bei ihrer Rückkehr hätte ich sehen wollen, zumal damit neben einer saftigen Geldbuße auch ein erheblicher sowie zeitintensiver Aufwand bis zur Freigabe der Fahrzeuge durch die Mitarbeiter der Ortsverwaltung verbunden ist! Bei den Tschechen läuft es ein bißchen anders als in unserer Bananenrepublik - da wird nicht diskutiert, sondern gehandelt ... Manche Leute müssen das erst auf die harte Tour lernen.

Bereits im Elbtal, veranlaßte mich hingegen drohender Regen zu einem Ziel"sprint" ab Postelwitz. Wie angekündigt, näherte sich von Westen her ein größeres Niederschlagsgebiet, und ich wollte unbedingt vermeiden, auf den letzten Kilometern dieser schönen Tour noch naß zu werden.

Das ist mir gelungen.

28. Juni 2026

Abgefahren ...

War das ein Wochenende! Die Hitze lähmte das ganze Land, und auch in Pirna wurden heute 39°C erreicht. (In meiner Dachgeschoßwohnung sieht's übrigens auch nicht viel besser aus, bei mittlerweile knapp 32°C Raumtemperatur kann ich mich höchstens noch in der Badewanne abkühlen.)

Trotzdem war ich mit dem Handbike aktiv. Sogar bei größtenteils durchaus angenehmen Bedingungen, denn ich habe meine Radtouren ganz einfach in die Nacht- und Morgenstunden verlegt. So ließ es sich nicht nur aushalten, sondern es gab darüberhinaus ein paar unvergeßliche Momente im Osterzgebirge. Dort hatte ich mich mit Lád'a, meinem tschechischen Sportfreund verabredet. Ursprünglich wollte ich ja im Gebirge wieder in einer Schutzhütte übernachten, doch bereits am Freitag war es so heiß, daß ich mir die schweißtreibende Anfahrt und damit das Biwak als solches ersparte. Es hätte keinerlei Sinn ergeben!

Dafür startete ich am Sonnabend bereits gegen Mitternacht. So blieb mir ausreichend Zeit bis zum vereinbarten Treffpunkt in Böhmisch Zinnwald (Cínovec), wo wir uns dann 5.30 Uhr begrüßten. Nichts beschreibt mein Verhältnis zu den dunklen Stunden eines Tages besser, als der Titel eines meiner Blogbeiträge. Während der Weiterfahrt auf der Panorama-Kammstraße (die mit all ihren Varianten zu meiner Lieblingsstrecke in der Region zählt), hatten wir die Welt ganz für uns allein. Kein Autolärm, kein Motorrad-Geknattere, einfach nur der Zauber des erwachenden Tages. So etwas kann man nicht für Geld kaufen ...

Als kurz nach Sechs mit der Steilrampe aus Schönwald (Krásný Les) heraus (s. Track vom 27.06., km 77,5 - 77,8) der letzte Anstieg hinter mir lag, war klar, daß ich lange vor der angekündigten großen Hitze zuhause sein würde. Lád'a verabschiedete sich von mir im Bahratal. Er fuhr nun zunächst nach Berggießhübel, um letztlich über den Kamm zurück nach Kulm (Chlumec) auf der anderen Seite des Erzgebirges zu fahren. Ich hingegen erreichte nach schneller Abfahrt bereits 7.15 Uhr die Heimat.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Schlafen und Dösen in der Wohnung ... mehr war angesichts dieser Hitzewelle einfach nicht drin.

Sonnenaufgang auf dem Osterzgebirgskamm vor
Adolfsgrün (Adolfov, Aufnahmeort)
Weil es so schön war, wollten Lád'a und ich am nächsten Tag gleich noch einmal gemeinsam auf Tour gehen. Erneut planten wir die Panorama-Kammstraße in unsere Strecke ein, trafen uns diesmal jedoch bereits um 5.00 Uhr in der der Nähe von Voitsdorf (Fojtovice). Das leuchtende Morgenrot gipfelte in einem wunderschönen Sonnenaufgang. Kurz nachdem der rote Feuerball im Osten über dem Wald einer unberührt wirkenden Landschaft gestiegen war, ergab sich die Gelegenheit, diesen magischen Augenblick im Bild einzufangen. Spätestens hier sollte ersichtlich sein, warum ich diese Gegend so mag. Abgesehen davon, war es zu dieser Zeit noch einsamer als am Vortag. Wir sind kilometerweit bzw. stundenlang gefahren, ohne einer Menschenseele oder irgendwelchen Fahrzeugen zu begegnen.

Diesmal folgten wir dem Höhenrücken bis Schneeberg (Sněžník), bevor es talwärts nach Norden ging. Auf den letzten Metern der Abfahrt ins Elbtal stieg dann bereits spürbar die Temperatur an. Trotzdem kamen wir noch leidlich gut bis Pirna, wobei sich mein Kamerad nicht davon abhalten ließ, mich bis zum Schluß zu begleiten. Allerdings mußte er danach über den Erzgebirgskamm nachhause, wobei er - wie sich am Ende herausstellte - noch einmal 72 km und rund 1200 Hm absolvierte. Absolut verrückt!

Doch "normal" sind wir alle beide sowieso nicht ...