5. Oktober 2026

Schneller erschöpft

So, langsam lasse ich es ausklingen ... Besonders an den letzten beiden Tourtagen habe ich es gemerkt, daß ich eben auch schon straff auf die Sechzig zugehe. Man stößt inzwischen nicht nur schneller an seine physischen und mentalen Grenzen, sondern benötigt für die Regeneration auch wesentlich mehr Zeit. 

Aber ich will nicht klagen, denn vor allem meine Ausfahrt mit dem Handbike am 02.10. hatte wieder alles dabei, was eine Fahrt in den hohen Bergen so besonders macht: wunderschöne Straßen und phantastische Ausblicke, verbunden mit dem Gefühl, genau zur richtigen  Zeit am richtigen Ort zu sein.

Rein rechnerisch erschien die Tour hinauf zum Ort Foza und der anschließenden Weiterfahrt auf einer Art Hochfläche über Asiago bis Treschè Conca gar nicht übermäßig anspruchsvoll, doch der Teufel steckte im Detail. Der größte Anstieg des Tages über reichlich 900 Hm erfolgte nämlich auf nur 14 km (s. Track vom 02.10., km 31,0 - 45,3). Sogar die Profis des Giro d'Italia sind hier schon hinaufgeklettert, wovon eine Tafel zu Beginn des eigentlichen Anstieges kündete.

Ich selbst kam mit der Steigung ganz gut zurecht. Allerdings hatte ich ca. 300 Hm unterhalb des Scheitelpunkts bereits so viel Federn gelassen, daß dann der Rest eine echte (Durch-)Hängepartie wurde. Dabei gab es gar keine direkt meßbaren Verschlechterungen (wie z.B. über die Herzfrequenz), tatsächlich fühlte ich mich aber zwischenzeitlich ziemlich elend. Nun, indem ich mir alle Zeit der Welt für diese letzten Kilometer nahm und keinen Streß machte, überstand ich auch schließlich diesen Abschnitt. Umkehren war jedenfalls zu keiner Zeit eine Option.

Von der Straße zwischen Fozo und Asiaga kann
man tief hinab ins Val Frenzela in Richtung des
Ortes Valstagna schauen, wo die Serpentinenstraße
nach Foza beginnt (Aufnahmeort)

Auch weil ich nach dieser Kletterei dann jeden Anstieg von Beginn an etwas langsamer hinauffuhr, kam ich dabei nie mehr in Bedrängnis. Leider mußte ich den Radweg auf der Bahnstrecke der ehemaligen Bahn nach Asiago abwählen und stattdessen die Hauptstraße benutzen. Denn als Lád'a am Vortag diese Trasse erkundete, stellte er fest, daß diese sich in einem zu schlechten Zustand (Schotter, teils zugewachsen) war, um für mich noch sinnvoll ohne erheblichen Zeitverzug nutzbar zu sein. 

Hinab in die Ebene ging es schließlich über etliche Serpentinen, von denen sich erneut schöne Ausblicke eröffneten (s. Track vom 02.10., km 73,8 - 82,7). Das einzige nervige dort waren halbstarke Motorradfahrer, welche rücksichtslos gegenüber Auto- und Radfahrern die Piste als Rennstrecke mißbrauchten, was einige Male zu wirklich gefährlichen Situationen führte.

Die letzten kurzen Gegenanstiege des Tages ärgerten mich noch ein wenig (ich hatte nicht mehr mit ihnen gerechnet), doch als ich zum Sonnenuntergang am Quartier eintraf, war ich restlos glücklich und auch zufrieden mit mir. Besonders die Traumstraße nach Foza wird mir in Erinnerung bleiben.

Natürlich war abends bereits klar, daß es sich für mich in diesem Jahr in den Alpen ausgeklettert hatte. Am letzten Tag meines Urlaubs in Venetien stand also nur noch eine lockere Runde in der Ebene auf dem Programm. Als Ziel hatte ich mir Padua ausgesucht, auf der Rückfahrt schlug ich aber noch einen Bogen über Cittadella.

Man sollte meinen, ich würde in diesem konditionell anspruchslosen Gelände abgehen wie eine Rakete. Das bestätigte sich aber nicht. Da es hier keine nennenswerten, also längere Anstiege gab, folgten darauf auch keine Abfahrten, auf denen ich mich hätte vom Kurbeln "erholen" können. Insgesamt war ich also überdurchschnittlich lang und ausdauernd mit der Armarbeit ausgelastet. Über einen ganzen Tag ist diese Anstrengung nicht zu unterschätzen.

Von Paduas Altstadt war ich etwas enttäuscht, ich hatte mir mehr Sehenswertes erhofft. Vielleicht war ich auch nur nicht an den richtigen Orten, doch sehr lange wollte ich mich am Umkehrpunkt nicht aufhalten. Die zweite Stadt, nämlich Cittadella, gefiel mir hingegen besser, vor allem aber die eindrucksvolle Stadtmauer mit den Toren, welche allesamt sehr gut erhalten sind. Wahrscheinlich bräuchte ich aber auch hier wesentlich mehr Muße für die Erkundung. Bei Touren im Handbike kann ich mit der Zeit im Nacken nur an der Oberfläche kratzen.

Meine letzten Kilometer gehörten schließlich beinahe zur Standardstrecke, weil ich dieses Stück wahrscheinlich auf jeder meiner Touren hier absolviert habe. Als ich endlich im Hof der Unterkunft einrollte, war ich beinahe genauso geschafft, wie an den Tagen zuvor.

Lád'a meinte, wir könnten hier wieder einmal ein paar Tage verbringen. Unser Heim auf Zeit in Maragnole jedenfalls war sehr gut für mich geeignet und ist somit durchaus empfehlenswert. Und auch ausreichend mögliche Ziele gibt es für mich noch in der Umgebung, inklusive einer Bergtour zur Bocchetta Granezza und dem Passo Stretto. Wenn wir dann noch solches Heldenwetter wie in den vergangenen Tagen haben, ist das beispielsweise eine sichere Bank für die Saisoneröffnung oder den Jahresabschluß. Diesmal sind das bei mir übrigens auf 5 Touren insgesamt 462 km mit 4430 Hm gewesen.

1. Oktober 2026

Lange Leitung

Die Zeit war reif für die letzte überdurchschnittlich anspruchsvolle Handbiketour des Jahres 2026 in den Alpen. Nachdem ich während des Sommerurlaubs mit meinen Fahrten auf den Großen Speikkogel sowie auf den Monte Zoncolan auch schon sogenannte Hochgebirgsmonumente mit dem Handbike erklommen hatte, sollte nun die Tour auf den Monte Grappa meine diesjährige sehr erfolgreiche Alpenpässejagd abrunden.

Um mir genügend Zeitreserven zu bewahren, fuhr ich am Morgen bereits relativ zeitig los. Doch selbst gegen 8.00 Uhr reichte mir das Kurzarmtrikot aus. Bei 14°C Lufttemperatur und strahlendem Sonnenschein konnte ich mich auf den ersten flachen 24 km bis zum Beginn des Gipfelsturms ab Romano d'Ezzelino ausreichend warmfahren. Nach dem Bericht meines tschechischen Kameraden, welcher mit dem Rennrad zwei Tage zuvor erfolgreich über diese Strecke den Gipfel erreicht hatte, entschied ich mich entgegen meiner ursprünglichen Planung nun ebenfalls für diese Auffahrt.

Von hier verteilten sich nämlich die zu überwindenden (lt. Quaeldich.de) 1500 Hm auf die wesentlich längere Distanz von 27 km (statt 17 km), was in der Mehrheit geringere Steigungsprozente bedeutete. (Mein Navi hat übrigens auf diesem Abschnitt einen Anstieg von knapp 1600 Hm erfaßt.) Damit unterschied sich diese Auffahrt auch grundlegend von den Steilrampen auf den Großen Speikkogel sowie den Monte Zoncolan. Nicht bloße Kraft, sondern vor allem Ausdauer war hier gefordert!

Freilich hatte ich wieder einen perfekten Tag erwischt. Nachdem ich bereits auf der Anfahrt feststellte, daß ich endlich uneingeschränkt belastbar war, trugen erneut optimale Witterungsbedingungen zusätzlich zur Motivation bei. Viel Sonne, aber die Straße immer ausreichend im Schatten der Wälder, nicht zu kalt, nicht zu warm und manchmal ein schwaches Lüftchen, um die Hitze der Muskelmotoren besser abzuleiten.

Noch am Morgen schlug Lád'a vor, mich im Auto während der Gipfeltour zu unterstützen und uns zum Schluß auf dem Scheitelpunkt zu treffen. Nun erreichte er mich zum ersten Mal am Ende der Serpentinen nach ca. 9 km des Anstiegs. Es gab Cola als Dopingmittel, außerdem nutzte ich den Zwischenstop, um etwas zu essen. Ab diesem Treffen hielt mein Sportfreund etliche Male für meine Verpflegung sowie als Fotograf an der Strecke, sodaß ich völlig unbesorgt bzgl. meines Flüssigkeitsverbrauchs sein konnte. Dadurch verlief meine Tour im Gegensatz zu einigen Solotouren in den Alpen zuvor insgesamt wesentlich entspannter. Irgendwie war es sehr schön, den Freund im Hintergrund zu wissen ...

Unterhalb des Rifugio Bassano, kurz vor dem Ende
der öffentlichen Straße. Im Hintergrund ist die kurze
Stichstraße zu erkennen, welche hinauf zum Sacrario
Militare del Monte Grappa am Horizont in Bildmitte
führt (Aufnahmeort)
Nach zwei bis drei konditionellen Durchhängern unterwegs, kam ich schließlich kurz nach 16.00 Uhr auf dem Gipfel an, wo mich Lád'a ein letztes Mal an diesem Tag erwartete. Er hatte auch schon mit dem Soldaten in der dortigen Kaserne gesprochen und die Erlaubnis dafür erhalten, daß ich ausnahmsweise über die sonst für den Verkehr komplett gesperrte kurze Stichstraße, deren Zugang zudem mittels Ketten gesichert ist, mit den Handbike hinauf zum Kriegerdenkmal fahren darf. Dort oben verbrachten wir ein paar schöne, doch gerade auch nachdenkliche Momente. Fast 23.000 Gefallene nur einer einzigen Schlacht sind dort begraben, die meisten der Toten namenlos. Warum lernen die Menschen nie aus solchen Katastrophen und wollen sich erneut die Köpfe einschlagen, sobald die letzten Zeitzeugen, die den Krieg am eigenen Leib erfahren haben, gestorben sind?! - Der nächste große europäische Krieg wird im nuklearen Inferno der letzte sein!

Kurz nach halb Fünf stürzte ich mich endlich in die Abfahrt. Vorbei am sogenannten Panettone, dem wichtigsten Startplatz der Paraglider, die vom Monte Grappa aus talwärts fliegen, konnte ich es dabei trotz des häufigem Bremsens relativ locker laufen lassen. Denn vor meiner Abfahrt vom Quartier hatte ich dort in einer Hauruck-Aktion gemeinsam mit meinem Sportfreund die Bremsbeläge meiner hydraulischen Scheibenbremse gewechselt, eine Sache von 3 - 4 Minuten. Nun war ich froh, es getan zu haben.

Vom Ende der Abfahrt in Semonzo del Grappa bis zum Quartier benötigte ich schließlich noch einmal etwas mehr als zwei Stunden und kam dadurch vor meiner Ankunft in die Dunkelheit. Aber auch das störte mich nicht, weil ich mir sowieso die Beleuchtung eingepackt hatte. Bei immer noch angenehmen 22°C erlebte ich am letzten Septembertag die letzten Kilometer wie in einer lauen Sommernacht.

Die Freude über das Erlebte tief in mir.

Auf dem Weg der Besserung

In den vergangenen drei Tagen jagte ein Höhepunkt den anderen. Ich werde nun versuchen, alle Ereignisse seit Montag aufzuarbeiten.

Nach der ersten Tour in Venetien hatte ich ja noch über Unwohlsein geklagt. Leider wurde es zu Beginn der neuen Woche nicht besser. Dennoch wollte ich die Zeit nicht tatenlos im Quartier verbringen, sondern wenigstens eine kurze Ausfahrt im flachen Gelände unternehmen. Dafür eignete sich die Empfehlung meines Kameraden perfekt, nämlich die Altstädte von Marostica und Bassano del Grappa zu besichtigen. Der mittelalterliche Stadtkern von Marostica sowie u.a. die Holzbrücke "Ponte degli Alpini" in Bassano zählen zu den überregionalen Sehenswürdigkeiten in diesem Gebiet.

Die Anfahrt dorthin strengte mich trotz geringer konditioneller Anforderung mehr an als sonst - ein Zeichen dafür, daß ich gesundheitlich noch nicht über'n Berg war. Doch die Erkundung der beiden genannten Städte entschädigte mich reichlich. Es erwies sich als die beste Idee, den Tag sinnvoll zu nutzen, auch wenn ich am Nachmittag geschafft wie nach einer langen Tour war. Noch sah es überhaupt nicht gut aus für mein größtes geplantes Projekt.

Daher entschlossen sich Lád'a und ich, zunächst noch einen weiteren Tag ohne nennenswerte sportliche Aktivitäten zu verbringen. Statt, wie geplant, zu einem späteren Zeitpunkt, mit dem Auto einen Abstecher nach Venedig zu unternehmen, stand extrem kurzfristig bereits am Dienstag der Besuch dieser Stadt auf dem Programm. Leider verpaßten wir aus diesem Grund den letztmöglichen Zeitpunkt (nämlich mindestens 24 Stunden zuvor), einen der kostenfreien Rolliparkplätze im großen Parkhaus online zu reservieren und mußten schließlich auf die Bezahlvariante ausweichen, was uns dann 35,- EUR kostete.

In Venedig auf dem Markusplatz vor
dem Markusdom (Aufnahmeort)
Um als Rollifahrer die verschiedenen barrierefrei zugänglichen Orte bzw. Ortsteile zu erreichen, ist man auf sogenannte Vaporetti angewiesen, dem öffentlichen Nahverkehr auf den Kanälen der Lagunenstadt. Für die Wasserbusse waren die Ticketpreise erfreulich fair: für mich inkl. Begleitperson 1,50 EUR pro Fahrt. Wir erwarben gleich mehrere Fahrscheine am zentralen Startpunkt bei der Piazzale Roma, die wir dann nach und nach entwerteten. Manchmal mußten wir lediglich auf die andere Seite des Canal Grande, benötigten aber hier ebenso ein Ticket. Dennoch wurde es ein ganz besonderes Erlebnis, zumal wir anfangs damit eine Art Stadtrundfahrt auf dem Wasser unternahmen. Für den schnellen Transfer ist das Vaporetto zwar ungeeignet, weil es oft bereits nach wenigen 100 m - manchmal sogar nicht einmal so weit - erneut anlegte, doch wir hatten ja alle Zeit der Welt!

Nach der morgendlichen Schweißattacke im Bett fühlte ich mich inzwischen auch wieder richtig gut. (Solche Schweißausbrüche sind bei mir im Krankheitsfall immer ein ziemlich sicheres Indiz dafür, daß das Schlimmste überstanden ist.) Deshalb genoß ich unseren Ausflug umso mehr. Freilich benötigte ich wegen der Steilheit der Rampen selbst über die barrierefrei ausgebauten Brücken immer die Hilfe meines Begleiters, doch konnten wir wir viele Orte auch abseits der Touristenströme erreichen. Mit etwas besserer Vorbereitung (bei einer weniger kurzfristigen Entscheidung) wäre sich auch noch mehr möglich gewesen, doch insgesamt haben wir an diesem Tag ebenfalls eine ganze Menge gesehen.

Ich jedenfalls war abends ziemlich erledigt und hatte keinerlei Bedürfnis, gleich noch einen Beitrag hier zu veröffentlichen. Das allerbeste an diesem Tag war jedoch, daß ich mir nun ziemlich sicher war, für die nächsten sportlichen Herausforderungen wieder voll einsatzbereit zu sein.

Monte Grappa, ich komme!

28. September 2026

Überraschend steil

Ich bin schon am Sonnabend losgefahren, um mich mit meinem tschechischen Kameraden nahe Vicenza zu treffen. Erfreulicherweise kam ich bereits abends gegen 20.00 Uhr am Ziel an. Statt einer Nacht im Auto, machte es mein Kamerad möglich, daß ich nach Absprache mit dem Hotelier bei ihm in seinem Übergangsquartier übernachten konnte. Diese Unterkunft war zwar nicht barrierefrei, aber Lád'a hievte mich mit viel Engagement hinauf in den ersten Stück, wo er übernachtete. So konnte ich ausgeschlafen gleich am nächsten Tag zu meiner ersten Tour starten.

Die sollte eigentlich flach werden, mit einem Abstecher nach Vicenza. Doch noch am vorhergehenden Abend hatte mein Sportfreund durchaus ernstzunehmende Anstiege mit mehr als 300 m Höhendifferenz in der Nähe von Vicenza entdeckt. Die Colli Berici (dt. „Berici-Hügel“) sind übrigens auch ein Weinbaugebiet in der Region mit geschützter Herkunftsbezeichnung.

Bei der Abfahrt von den Colli Berici erinnerte mich
vieles an die Toskana (Aufnahmeort)
Nach einer flotten Fahrt durch die brettebene Landschaft zwischen Adria und den Alpen nahm ich mir also eine der Auffahrten in diese Hügel vor, nachdem klar war, daß ich heute auf die Begleitung durch Lád'a verzichten mußte. (Er hatte zunächst mein Auto zum gebuchten Quartier überführt, bevor er sich ebenfalls auf's Rad setzte.) Allerdings hatte ich den nun bald folgenden Anstieg komplett unterschätzt. Kurz hinter Sant' Agostino wurde es nämlich richtig steil (s. Track vom 27.09., km 34,3 - 35,8).  Auf 1,5 km mußte ich dabei einen Höhenunterschied von mehr als 170 m überwinden. Ohne die entsprechende (mentale) Vorbereitung kam ich hier an meine physischen Grenzen. Einzige Abhilfe: Stop & Go oder - wie ich es auch bezeichne - Klettern in kurzen "Sprüngen". Doch selbst mit dieser Fahrtaktik verausgabte ich mich völlig, sodaß mich danach lange Zeit jeder weitere Anstieg, also auch flachere, zu Verschnaufpausen zwang.

Diese Tour hatte ich nicht vorab geplant, und das rächte sich dann auf dem Rückweg. Denn mein Navi lotste mich meist auf großen und stark befahrenen Fernverkehrsstraßen zum neuen Quartier. Im Gegensatz zur Heimatregion kannte ich mich aber im Gebiet überhaupt nicht aus, weswegen ich der Streckenführung meines Navigationsgeräts ziemlich ausgeliefert war. Dabei hätte man sicherlich auch eine ruhigere und schönere Route finden können.

Am Abend stand schließlich fest, daß ich heute mich von dieser ersten Tour erholen werde, zumal ich gestern nicht in optimaler (gesundheitlicher) Verfassung war. Hoffentlich renkt sich alles wieder ein.

Es warten noch richtige Bollwerke auf mich!

22. September 2026

Zwischenergebnis

Mit der kurzen Ausfahrt am Montag habe ich nun mein Zwischenziel erreicht: 10.010 km mit 110.723 Hm reichen aktuell zwar - über die Jahre betrachtet - nur für einen  Platz im Mittelfeld, sind aber akzeptabel. Derzeit sieht es allerdings ganz danach aus, als ob ich hinsichtlich der jährlichen Kilometerleistung in dieser Saison ein paar Abstriche machen muß, zumal wahrscheinlich noch ein paar größere, d.h. zeitintensive Reparaturen an meinem Handbike zu erledigen sind.

Überhaupt war es durchaus nicht selbstverständlich, mein avisiertes Ziel noch vor dem nächsten Wochenende zu erreichen. Im Vertrauen auf besseres Wetter am Folgetag, strich ich nämlich sonntags aufgrund etlicher sich nahender Regengebiete meine Außenaktiväten. Daß es dann trotz vieler Regenwolken rund um Pirna bis nachmittags um Drei trocken bleiben würde, war wirklich nicht abzusehen.

Der Kalkbrennofen an der Straße vom Müglitztal
nach Maxen (Aufnahmeort)
Dafür sah es am Montag wie erwartet zunächst besser aus, sogar die Sonne ließ sich hin und wieder sehen. Den Kampf gegen kräftigen Westwind vermied ich auf altbewährte Weise, indem ich lieber die zwei bewaldeten Anstiege nach Burkhardswalde sowie Maxen fuhr. Der Kraftaufwand dürfte dabei nicht viel höher gewesen sein, als wenn ich mich auf offenem Feld gegen den stürmischen Westwind hätte stemmen müssen.

Ab Possendorf nutzte ich auch wieder mal den Bahntrassenradweg auf der alten Strecke der Windbergbahn. Dieser läßt sich sehr schön fahren und bietet mehrere Aussichtspunkte, u.a. über die Landeshauptstadt Dresden. Schade, daß er relativ kurz ist, denn eigentlich braucht er sich in puncto Streckenführung und Anbindung durchaus nicht hinter dem m. E. schönsten Bahntrassenradweg der Region durch das Schönfelder Hochland verstecken.

Spätestens ab Freital schob mich endlich der Wind, welcher unmittelbar vor den herannahenden Regenfronten noch einmal zulegte. Da es nun nur noch flach auf dem Elberadweg nachhause rollte, konnte ich vor dem Schlechtwetter fliehen. Und das wenige Naß, welches dennoch über mir niederging, ertrug ich relativ entspannt, weil es mich nicht frontal traf. Letztlich entschied ich mich aber deswegen statt zusätzlicher Strecke nur für das Minimalprogramm.

In einer Woche will ich fit für die nächsten Bergtouren sein!

21. September 2026

Nur Bilder

Statt eines umfangreichen Reiseberichts von meinem diesjährigen Sommerurlaub in den Alpen gibt's diesmal nur eine kurze Zusammenfassung sowie einige etwas ausführlicher kommentierte Bilder, denn das meiste dazu findet sich bereits in meinen Blogbeiträgen.

Wer das noch einmal nachlesen möchte, den verweise ich auf diese Einträge:
Auf Facebook habe ich also nun nur noch den oben erwähnten kurzen illustrierten Rückblick veröffentlicht. (Der Link funktioniert wahrscheinlich nur für Netzer, die über ein Facebook-Konto verfügen.)

Es war mir ein Bedürfnis.

20. September 2026

Doppelter Countdown

Eine Woche noch bis zur nächsten Urlaubsfahrt in den Süden, und bis dahin würde ich gern auch die Kilometerbilanz des Jahres fünfstellig werden lassen. Nach den vergangenen beiden Touren fehlen dafür noch 65 km.

Was die Planung für den Süden betrifft, gab es eine spontane Änderung. Mein Kamerad Lád'a will nun nämlich gleich in mehreren Etappen mit dem Rad dorthin fahren, während ich am Sonnabend mit dem Auto nachkomme. Damit wird die Anfahrt für mich ein bißchen stressiger, ist aber immer noch machbar. Mit genügend Zeit und unterwegs ggf. eine Mütze Schlaf sollte das jedenfalls zu schaffen sein.

Meine letzte Feierabendtour vor der Tag-und-Nacht-Gleiche wird wohl auch fast der letzte Nachmittags-Hunderter gewesen sein, bei dem ich vor dem Sonnenuntergang wieder zuhause war. Auch daß ich die ganze Zeit im Kurzarmtrikot fahren konnte, gehört in dieser Saison wohl bald der Vergangenheit an. Vermutlich bleibt das dann nicht ohne Folgen auf das Tempo, doch daran verschwende ich derzeit noch keine Gedanken. Alles hat seine Zeit.

Statt meiner Standardstrecke über Putzkau, Ober-/Niederottendorf und Neustadt habe ich mich am Freitag auf dem Rückweg übrigens in Bischofswerda spontan für die Auffahrt durch Großdrebnitz nach Rückersdorf (s. Track vom 18.09., km 64,5 - 70,2) entschieden. Lange mied ich diesen Anstieg, doch inzwischen fühlt er sich gar nicht mehr so zermürbend an, wie er bisher in meinem Kopf abgespeichert war. Auch der letzte Anstieg hinter Porschendorf (s. Track vom 18.09., km 91,4 - 92,0) verliert seinen "Schrecken", wenn man ihn fährt, ohne kräftemäßig bereits am Limit zu sein. In dieser Saison habe ich mich dort auch schon richtig gequält.

Für den Sonntag hatte mich mein jüngeres Patenkind zum Geburtstags-Kaffeetrinken eingeladen, der Nachmittag war also bereits verplant. Trotzdem blieb noch ausreichend Zeit für eine Tour. Die führte mich zunächst ins Böhmische bis Tyssa (Tísa), wo ich auch schon eine Weile nicht mehr gewesen bin.

Nach der schnellen Abfahrt hinab ins Elbtal bis Tetschen bog ich kurz vor Bad Schandau noch zur Wildwiese unterhalb der Schrammsteine ab. Ich "benötigte" noch ein paar zusätzliche Kilometer und Höhenmeter für meine Tourenbilanz, außerdem ist es dort im Angesicht mächtiger Felsmauern immer wieder schön.

Kurz vor der Ziegenrückenstraße breitet sich vor
dem Betrachter die Rathener Felsenwelt aus,
rechts der Gamrig (Aufnahmeort)
Die letzte ernstzunehmende Auffahrt über die Ziegenrückenstraße zur Hocksteinschänke (s. Track vom 19.09., km 82,5 - 85,7)  wurde noch einmal eine schweißtreibende Angelegenheit. Vor allem das erste rund 400 m lange Steilstück mag ich überhaupt nicht, jedenfalls habe ich vor diesem mehr Respekt, als vor der gesamten Auffahrt durch Porschdorf in Richtung Waltersdorf (s. Track vom 19.09., km 79,2 - 80,0). Dabei ist die Porschdorfer Auffahrt mit 13% Steigung ausgeschildert, während der Beginn der Rampe über den Ziegenrücken nur mit 12% angekündigt wird.

Dafür lagen spätestens am Abzweig zur Bastei alle größeren Anstiege hinter mir und ich konnte mich endlich auf Kaffee und Kuchen freuen. An solchen Tagen genieße ich die Leckereien ganz ohne Reue, habe ich doch zuvor reichlich Kalorien verbrannt. Gut, daß danach nur noch der Abgesang meines Tourentags folgte, denn lange Pausen und gutes Essen machen mich immer träge.

An diesem Abend lag jedoch nichts mehr an.

14. September 2026

Wasserscheu auf Tour

Der Sonntag bot nur ein relativ kleines Zeitfenster zur sportlichen Betätigung für Wasserscheue wie mich. Ehrlicherweise hatte ich den Tag bereits abgeschrieben, doch nachdem es gegen Mittag endlich aufklarte, waren eine Stunde später die Straßen in der Stadt sowie im offenen Gelände bereits gut abgetrocknet.

Nach und vor dem Regen bei Dorf Wehlen
(Aufnahmeort)
Eine kurze Ausfahrt mit dem Handbike war also noch möglich, auch wenn das trübe Wetter nicht unbedingt dazu einlud. Ich überwand meine Unlust und stellte mir Stücke für Stück eine passende Strecke zusammen. Von Pirna nördlich der Elbe bis Neustadt in Sachsen gibt es viel offenes Land, welches perfekt zu dieser Witterung paßte.

Bei einem kurzen Zwischenstop auf dem Radweg nach Langenwolmsdorf (s. Tack vom 13.09., km 22,1) passierte mich eine Radfahrerin, die kurz danach spontan anhielt, um Fallobst von Bäumen am Wegesrand aufzusammeln. Ich bat sie um Früchte - es waren Pflaumen und Birnen - weil ich selbst nicht an diese herankam. Sie suchte mir ein paar Pflaumen, kurz darauf sogar noch einige Birnen von einem entfernteren Baum und überreichte sie mir. Lächelnd bedankte ich mich. Was mich dabei irritierte: Sie verhielt sich so nett, doch trotzdem kam kein Lächeln auf meinen Dank zurück. Warum?

Später am Tag begegnete ich noch weiteren Menschen auf meinem Weg, u.a. einer alten Frau mit ihrem Rollator, in deren Gesichtern jeder Ausdruck von Freude oder wenigstens Zufriedenheit fehlte. Und das war dann doch noch etwas anderes, als die oftmals verbissen auf mich wirkenden Radrennfahrer, welche mir mehr und mehr - vor allem im urbanen Gebiet - grußlos entgegenkommen oder mich beim Überholen einfach ignorieren. Täuscht mich der Eindruck, daß dies mir immer häufiger passiert, daß Hoffnungslosigkeit, Isolation bzw. Selbstbezogenheit zunehmen und solche grundlegenden Charaktereigenschaften wie Offenheit, Freundlichkeit und Gelassenheit auf dem Rückzug sind?

Zum Glück habe ich aber auch gestern wieder ganz andere Begegnungen erlebt. Wenig überraschend, sind diese Leute, welche sich das Lächeln bewahrt haben, auch genau diejenigen, die mich grüßen. Egal, ob es der Bauer ist, der vom Kontrollgang auf seinem Acker zurückkehrt oder das junge Paar, welches gerade mit ihrem Sprößling auf dem Tretrad einen kleinen Nachmittagsspaziergang unternimmt. Ein ehrliches Lächeln kostet nichts, sondern freut beide Seiten. 

Knapp zehn Kilometer vor Pirna erreichten mich die ersten Vorboten des nächsten größeren Regengebiets, sodaß ich auf dem kürzesten Weg noch einen Zahn zulegte, statt meine Runde weiter auszudehnen. Meiner positiven Grundstimmung nach diesen (gesundheitlich) etwas holperigen Tagen schadete das indessen nicht.

Wenn ich in knapp zwei Wochen mit meinem tschechischen Kameraden für eine reichliche Woche in den Süden fahre, will ich noch einmal ordentlich dabei sein!

13. September 2026

Krank und Frieden

Am vergangenen Donnerstag begannen ein paar unangenehme Stunden für mich. Bereits auf der Arbeit machten sich erste Anzeichen bemerkbar, doch so richtig ungemütlich wurde es dann abends. Erst fror ich, und während die Spastik zunahm, schüttelte ich mich in's Fieber hinein. Vermutlich war das wieder einer jener Harnwegsinfekte, welche ich mir hin und wieder zuziehe, weil ich notorisch zu wenig trinke. Als am Ende der Nacht zum Sonnabend das Bettlaken naß vom Schweiß wurde, war klar, daß ich es  - nach Einsatz diverser Medikamente - endlich überstanden hatte.

Noch am Freitag erfuhr über einen Facebook-Eintrag vom European Peace Ride (EPR). Mir blieb zwar verborgen, wieso man die Veranstaltung englisch betitelt statt beispielsweise "Europäische Friedensfahrt". Will man doch ideell an die ehemalige Internationale Friedensfahrt anknüpfen. Sei's drum, die Idee dahinter bleibt die gleiche: Radsportler aus verschiedenen Ländern bewältigen gemeinsam Herausforderungen, die tatsächlich beachtlich sind. An den drei Tourtagen werden 2026 insgesamt rund 500 km und 6000 Hm bei einer avisierten Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 km/h bewältigt. Eine Hausnummer nur für überdurchschnittlich ambitionierte Sportler!

Ich wollte es mir aber nicht entgehen lassen, den Teilnehmern bei ihrem Zwischenstop in Glashütte meine Aufwartung zu machen, finde ich vor allem solche Veranstaltungen, die auf Kooperation statt auf Konfrontation setzen, im aktuell von verantwortungslos handelnden Machtmenschen und ihnen willfährigen Protagonisten in den Massenmedien aufgeheizten politischem Klima für umso wichtiger. Jeder Beitrag, der zur Deeskalation beitragen kann bzw. zeigt, daß sich nicht alle wie gewünscht manipulieren lassen, ist wichtig.

Ohne erst abzuwarten, ob nicht doch noch Nachwirkungen meines Infekts auftreten und nach 1,5 Tagen mit nur minimaler Nahrungsaufnahme nicht in optimaler körperlicher Verfassung, brach ich schließlich zur zehnten Stunde des Vormittags auf. Zunächst testete ich mich hinsichtlich der Belastungsfähigkeit auf den ersten flachen 30 km, bevor ich über das Lockwitztal die Landeshauptstadt verließ. Ich hatte meine Tour genau auf meine verminderte Leistungsfähigkeit zugeschnitten: lange, jedoch nur unmerkliche Anstiege, statt brutaler Steilrampen. Trotzdem waren auf der höchsten Punkt meiner Strecke vor Glashütte bereits mehr als 500 Hm zusammengekommen.

Zwischenstop der Teilnehmer des EPR am
Deutschen Uhrenmuseum Glashütte (Aufnahmeort)
Bis die Recken des EPR dann ebenfalls in Glashütte eintrafen, dauerte es dann noch reichlich 20 Minuten, aber eigentlich hatte ich es mit der Zeitplanung ganz gut getroffen. Ich freute mich mit ihnen, kannte ich doch fast die gesamte Strecke dieser zweiten Etappe aus eigenem Erleben und wußte daher, was für beinahe epische Auffahrten schon hinter den Teilnehmern lagen. Erinnert sei hier nur an die gnadenlose Rampe von Tetschen-Peiperz (Děčín-Připeř) bis Kalmswiese (Jalůvčí) und weiter nach Schneeberg (Sněžník) mit 13 km Länge und 450 m Höhenunterschied, wobei auf den ersten 2,5 km bereits 230 Hm überwunden werden müssen. - Erfreulich, daß sogar etliche Frauen mitfuhren, auch wenn eine dieser Radamazonen schon ziemlich mitgenommen aussah.

Nach einer reichlichen halben Stunde fuhr ich schließlich weiter, dehnte dabei meine Runde jedoch zweimal aus, weil ich mich immer besser fühlte. Am Ende kletterte ich tatsächlich noch die schnellstraßenartig ausgebaute Strecke von Lauenstein in Richtung Liebenau  hinauf (s. Track vom 12.09., km 67,1 - 69,2), um von dort in mehreren Schwüngen zunächst ins Müglitztal kurz hinter von Glashütte zurückzukehren und diesem dann bis Dohna zu folgen. Weil dort aber noch ca. 90 Hm an einem vierstelligen Betrag fehlten, nahm ich außerdem die Auffahrt nach Großsedlitz mit, bevor ich in Pirna einrollte. Trotz meiner Leistungsdefizite stand am Ende ein Ergebnis, für das ich mich nicht schämen muß.

Sehr erfreulich!

7. September 2026

Die siebte Tour

Hätte mich mein Sportfreund aus dem Erzgebirge nicht am vergangenen Wochenende besucht, wäre ich bereits eine Woche früher zu meinem wahrscheinlich letzten Langen Kanten des Jahres aufgebrochen. Der Plan dafür lag jedenfalls schon in der Schublade.

Zunächst bin ich aber freitags nach Feierabend mit dem Handbike unterwegs gewesen. Aufgrund der Ankündigung schlechten Wetters verlegte ich dabei meine Höhenmetersammelei nach vorn, indem ich hinauf ins Osterzgebirge fuhr. Nach einem Drittel der Strecke lagen die meisten Anstiege hinter mir, knapp 800 Hm waren dabei zusammengekommen.

Was ich dabei an Geschwindigkeit eingebüßt hatte, holte ich anschließend auf den langen Abfahrten wieder heraus. Während ich durch die daran ausgerichtete Tourenplanung auf dem Hinweg in den geschützten Tälern und Ortschaften meist vom kräftigen Westwind verschont blieb, half er mir am Ende schließlich bei der Heimfahrt auf dem Elberadweg. Weil ich aber zusätzlich ordentlich Druck machte, merkte ich am nächsten Morgen dann trotzdem meine Arme.

Das fiel allerdings weniger ins Gewicht, denn am Sonnabend wollte ich sowieso einen Ruhetag einlegen. Nach den kräftigen Regenfällen in der Nacht kündigte sich ein schöner, doch windiger Tag an. Umso schwerer fiel mir zunächst, das umzusetzen, was ich mir überlegt hatte. Wenn ich wirklich noch einen 200er in diesem Jahr fahren wollte, brauchte ich nämlich zuvor unbedingt Erholung.

Daß dieser erste Tag des Wochendes nicht gänzlich ereignislos verstrich, verdanke ich einer "zufälligen" Begegnung. Als ich nachmittags zu einem kleinen Spaziergang startete, rollte mir nämlich der bloggende Rolli-Influenzer über den Weg, welcher gerade vom Tourismusverband Sächsische Schweiz hierher eingeladen war. Da seine geplanten Vorhaben auch in Pirna nicht ohne viel zusätzliche Hilfe umsetzbar waren, bot ich ihm eine alternative Führung zu einigen schönen Orten meiner Heimatstadt an. Vom Abstecher auf dem Burglehnpfad mit dem schönen Blick auf die Pirnaer Altstadt war er sichtlich angetan.

Der Sonntag begann dann für mich schließlich sehr früh. Da die Tage nun wieder erheblich kürzer sind, muß ich bei langen Ausfahrten auch etliche Kilometer in der Dunkelheit zurücklegen. Sinnvollerweise entscheide ich mich dabei für den Morgen, damit notfalls (z.B. bei Pannen) Reserven am Ende des Tages zur Verfügung stehen.

Im Streckenprofil der Tour - übrigens der siebte Lange Kanten der aktuellen Saison -  hoben sich nur die zwei größeren Anstiege ab. Der erste dieser beiden Auffahrten war dabei die Überquerung des auslaufenden Osterzgebirgskamms am Nollendorfer Paß (Nakléřovský průsmyk). Und die zweite Kletterei wurde notwendig, weil ich die westlichen Ausläufer des Böhmischen Mittelgebirges bei akzeptabler Tourenlänge nicht so weiträumig umfahren konnte, wie es dafür erforderlich gewesen wäre.

Insgesamt gab es aber noch viel mehr Berge, sodaß ich nach dem gerade erwähnten zweiten längeren Anstieg schon knapp 1300 Hm zu Buche standen. Auf den meist flachen oder abfallenden Straßen rund um das Tagesziel holte ich endlich wieder etwas auf, die körperliche Erholung von den kraftraubenden Kilometern davor war jedoch ungleich wichtiger.

Die Hasenburg, von Nordosten aus gesehen
(Aufnahmeort)
Die Hasenburg (Hazmburk) sehen und sich freuen! Zuletzt war ich hier im Frühling 2014, doch es ist immer wieder ein erhebender Moment, sich dieser wohl eindrucksvollsten Burg(ruine) des Böhmischen Mittelgebirges (České středohoří) zu nähern. Der sich über flachem Land erhebende Vulkankegel mit den beiden Türmen sowie Mauerresten als Bekrönung ist schon von weitem zu erkennen und zweifellos das Wahrzeichen dieser Region. Noch als Fußgänger war ich vor 1999 einmal da oben, was nun im Rollstuhl nur noch mit extrem viel Unterstützung durch Fußgänger möglich sein dürfte - und selbst dann wird man nicht alles erreichen. Für alle anderen gilt: ein Besuch der Burg lohnt sich immer!

Ich habe die Burg gestern also nur von Weitem aus minimal 1,6 km (von Slatina) gesehen, für mehr blieb außerdem keine Zeit. Immerhin aber diesmal von fast allen Seiten, inklusive des Flußtals der Eger (Ohře) im Süden.

Bis ich kurz vor Leitmeritz (Litoměřice) auf die andere Elbseite wechselte, zog es sich etwas hin. Auch die letzten reichlich neunzig Kilometer (für viele Leute eine ganze Tagestour) entlang des Flusses ähnelten am ehesten notwendiger Fleißarbeit, von welcher mir am besten der gänzlich von der Straße isolierte und gut ausgebaute Radweg zwischen Groß Tschernosek (Velké Žernoseky) und Libochowan (Libochovany, s. Track vom 06.09., km 122,2 - 125,6) gefiel. 

Spätestens ab Aussig (Ústí n. L.) machte sich ermüdende Routine breit, und ich war froh, als ich 19.45 Uhr fast pünktlich zum Sonnenuntergang endlich zuhause ankam. Erstaunlicherweise hatten sich das Auf und Ab auf dem Elberadweg sowie den flußbegleitenden Straßen auf weitere mehr als 430 Hm summiert, obwohl diese Streckenvariante zwar nicht die kürzeste, wohl aber die gängigste Alternative ist. Insgesamt fehlte am Ende des Tages nicht viel an 2000 Hm.

1. September 2026

Berge, ganz verschieden

Zum Bergefahren gibt es in meiner Heimat reichlich Möglichkeiten. Im Süden grenzt das (Ost-)Erzgebirge an das Elbtal, im Osten windet sich der Fluß durch das Gebiet des Elbsandsteins. Und doch unterscheiden sich beide Regionen: während ich eher ins Osterzgebirge fahre, um lange Auffahrten mit moderaten Steigungen, aber großen Höhenunterschieden zu bewältigen, stehen in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz bei mir oft kurze, doch steile Klettereien im Fokus. Das bedeutet natürlich nicht, daß es nicht auch genau umgedreht sein kann. Erinnert sei hier einerseits an die lange Auffahrt aus dem Elbtal bei Königstein hinauf zum Hohen Schneeberg (Děčínský Sněžník) im südlichen Elbsandsteingebirge bzw. andererseits an die 12%-Rampe ab Oberschlottwitz nach Berthelsdorf im Osterzgebirgsvorland.

Gestern habe ich auf meiner Tour beide Welten vereint, wobei eigentlich beim Abstecher in die Sächsische Schweiz nur noch eine erwähnenswerte Auffahrt kam. Nachdem es erst am Morgen kräftig geregnet hatte, wurde das Wetter immer besser. Bei der Anfahrt zum Scheitelpunkt der Tour nach Fürstenwalde störten mich die lange Zeit noch nassen Straßen aber überhaupt nicht, denn bei meinem langsamen Tempo bergauf entsteht kein Spritzwasser. Außerdem konnte ich dem kräftigen Südwestwind meist entkommen. Lediglich auf der Straße von Hirschbach nach Reinholdshain mußte ich mal ein paar Minuten leiden.

NO-Panorama nahe Luchau (Aufnahmeort)
Dafür sorgten genau diese Bedingungen erneut für eine herrliche Fernsicht. Das wohl schönste Panorama des Tages bot sich diesmal unweit von Luchau in nordöstliche Richtung, bevor ich auf schneller Abfahrt in Glashütte das Müglitztal erreichte.

Kurz vor dem sprichwörtlichen Höhepunkt meiner Runde passierte ich in Fürstenwalde das Denkmal für George Bähr. Der Baumeister der bekannten Dresdner Frauenkirche wurde nämlich im Jahre 1666 hier geboren. Es ist schon bemerkenswert, wie viele zumindest in Sachsen bekannte Persönlichkeiten aus dem Erzgebirge stammen. Man denke dabei beispielsweise auch an den Orgelbauer Gottfried Silbermann.

Auf meiner Heimfahrt streifte ich schließlich die westlichsten Felsenberge der Sächsischen Schweiz, also die unweit von Naundorf gelegenen Bärensteine. Von der Anliegerstraße vor dem Ort konnte man übrigens auch im Westen die 17-Geschosser von Pirna-Sonnenstein sehen. Am schönen Picknickplatz mit Sandsteinbank habe ich mich auch schon zum Abendbrot im Freien mit Insa getroffen.

Das sollten wir demnächst mal wiederholen.

30. August 2026

Zwei Schlösser zu zweit

Für den frühen Abend hatte sich am Freitag nun mein Sportfreund angekündigt, trotzdem blieb ausreichend Zeit für eine Feierabendtour nach der Arbeit. Zum letzten Mal konnte ich dabei in diesem Jahr bereits kurz nach Elf losfahren, denn ab nächster Woche gelten bei meinem Brötchengeber wieder andere Arbeitszeiten.

Das paßte übrigens auch gut zum Wetter, da es nachmittags immer unbeständiger wurde. Als ich am Umkehrpunkt hinter Langenwolmsdorf das Regenradar konsultierte, sah es dann überhaupt nicht gut aus, und bald darauf näherte sich mir die schwarze Wand bedrohlich schnell. Der ursprüngliche Plan landete also in der Tonne, auf kürzestem Wege ging es jetzt in Richtung Pirna. Wenn schon naß werden, dann so wenig wie möglich. Zum Glück streifte mich das Starkregengebiet aber nur. Weil in Pirna schon wieder die Sonne schien, fuhr ich schließlich eine dritte Schleife auf der anderen Elbseite, bis sich erneut Regen ankündigte.

Konditionell etwas durch die wetterbedingten Sprinteinlagen angeschlagen und das baldige Treffen mit meinem Sportfreund im Hinterkopf, ließ ich mich diesmal auf keine weiteren Umwege ein, auch wenn ich dadurch nicht mein gewünschtes Streckenziel erreichte. Dafür konnte ich am Abend meinen Besuch sogar etwas zeitiger begrüßen. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen im "Babička" und dann während der Nachbereitung zuhause wurde es sehr spät.

Vor dem Jagdschloß Moritzburg (Aufnahmeort)
Jens ist kein Frühaufsteher, doch auch ich kam diesmal am Sonnabend erst spät aus den Federn. Doch für unsere gemeinsame Ausfahrt hatte ich sowieso keine kraftraubende Aktion bzw. lange Strecke vorgesehen, sondern nur eine entspannte Runde zum Jagdschloß Moritzburg. Bis auf die touristischen Höhepunkte kannte mein Begleiter nämlich diese Gegend überhaupt noch nicht.

Außerdem stellte ich diesmal besonders schöne und verkehrsruhige Abschnitte zu einer Rundtour zusammen, welche selbst vielen Einheimischen nicht sofort einfallen würden. Der asphaltierte, teils betonierte Radweg zwischen Wallroda und der Stadtrandsiedlung von Radeberg durch meine Lieblings-"Oase" in diesem Gebiet (s. Track vom 29.08., km 28,8 - 30,3) durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Die zweite Hälfte der Tour hielt dann nur noch wenige, kurze Anstiege bereit, auch lag ich zu dieser Zeitpunkt hinsichtlich der bewältigten Höhenmeter hinter meiner 1%-Regel (1000 Hm auf 100km) zurück. Eigentlich hätten wir daher schneller sein müssen, als auf meinen beiden vorangegangenen Ausfahrten. Dem war aber nicht so. Bei vollem Tempo im Wettkampfmodus sich noch zu unterhalten, funktioniert einfach nicht. Es gab so viel zu erzählen, wir sehen uns ja eher selten. Daß ich auf dieser Fahrt ebenfalls viel mehr Flüssigkeit benötigte und es zum Schluß trotzdem etwas im Hals kratzte, brauche ich wohl nicht gesondert zu betonen.

Diesmal stand jedenfalls nicht die Leistung im Vordergrund, die gemeinsame Zeit mit meinem Kameraden war mir ungleich wichtiger. Ich bin so oft ohne Begleitung auf Achse, da genieße ich den Austausch umso mehr. (Wobei mir diese Solo-"Trainingstouren" aber auch unentbehrlich sind, weil ich mich dann ganz auf meine Leistung fokussieren kann.)

Nun ist Jens wieder weg, für ihn geht es heute zurück in Richtung Chemnitz. Ich aber habe mich über sein unerwartetes Gastspiel sehr gefreut!

PS: Sieht dieser Mann aus wie über 70?!

28. August 2026

Abendsport

Ausnahmen bestätigen die Regel. Prinzipiell steige ich zwar nachmittags zu fortgeschrittener Stunde zwar nicht mehr auf mein Handbike, doch gestern konnte ich mich dem herrlichen spätsommerlichen Wetter nicht entziehen. Nach einem Arbeitstag im Homeoffice und der Physiotherapie ging es drei Stunden vor Sonnenuntergang los.

Fünfzig Kilometer bis zur Dunkelheit sollten selbst bei der angepeilten 1%-Regelung für die Höhenmeter realistisch sein, und die habe ich tatsächlich geschafft. Es war ebenfalls die Gelegenheit, wieder mal die Steilrampe vom Elberadweg nach Thürmsdorf durch den Pehnagrund hinaufzuklettern (s. Track vom 27.08., km 15,2 - 15,8), die am Ortsausgang in Richtung Festung Königstein ihrer kurze Fortsetzung fand. Auch die vollständige ehemalige und nun asphaltierte Seilbahntrasse der Wismut ab dem Gewerbegebiet Leupoldishain (s. Track vom 27.08., km 20,4 - 23,0) bin ich diesmal gefahren, auch wenn das nicht die optimale Linie bzw. kürzeste Verbindung darstellte. Aber für solche kurzen Ausfahrten sind das genau die richtigen Ziele.

Als ich schließlich nach etlichen Erweiterungen gegen 19.20 Uhr den höchsten Punkt der Strecke auf rund 450 m NHN kurz vor Markersbach erreichte, hatte ich trotz der 530 Hm auf 34 km mit 14,7 km/h nur knapp meine gewünschte Durchschnittsgeschwindigkeit unterschritten. Daß ich diese dann auf der Heimfahrt, welche nur noch bergab führte, weit übertraf, war zu diesem Zeitpunkt bereits abzusehen.

Unterwegs kontaktierte mich telefonisch mein Sportfreund aus dem Erzgebirge. Er ist gerade auf einer Mehretappentour mit dem Rad durch die Tschechische Republik und ziemlich nahe. Heute kommt er nun zu Besuch nach Pirna, und vielleicht klappt es am nächsten Tag sogar mit einer gemeinsamen Ausfahrt.

Ich freue mich schon auf ihn!

25. August 2026

Spätsommer

Am völlig verregneten Sonnabend hatte ich wieder mal Kontakt mit meinem tschechischen Kameraden. Es ging um einen möglichen gemeinsam Kurzurlaub im Herbst. Jedenfalls plante ich daraufhin meine Sonntagstour ins Osterzgebirge, obwohl ich gar keine rechte Lust auf's Bergefahren hatte. Aber falls Lád'a auch auf Tour gehen würde, dann wäre das Gebiet der ideale Treffpunkt, weil es genau in der Mitte zwischen uns gelegen ist.

Nun, wir sind uns an diesem Tag dann nicht begegnet, doch dafür konnte ich kurzentschlossen etwas auskundschaften. Im südlichen Grenzgebiet zwischen Liebenau, Fürstenau und Müglitz gibt es nämlich neben der Schutzhütte am Schulhübel tatsächlich weitere Unterstände, die für eine spontane Übernachtung geeignet sind. Einer davon befindet sich südlich von Rudolphsdorf in unmittelbarer Nähe zur deutsch-tschechischen Grenze. Das macht diesen allerdings auch sehr attraktiv für Gäste aus dem Nachbarland - als ich gegen 10.00 Uhr an der Hütte eintraf, schälte sich dort gerade ein Pärchen aus den Federn. Da bleibe ich also lieber bei meiner bewährten Unterkunft, welche zudem auch besser für mich zugänglich ist ...

Vor Falkenhain öffnet sich ein umfassendes
Panorama nach Norden und Osten, hier der Blick
zur Dresdner Elbtalweitung. Sogar den Fernsehturm
kann man erkennen (Aufnahmeort)
So richtig in Schwung bin ich am Sonnabend aber nicht gekommen. Bereits auf dem höchsten Punkt der Tour kurz hinter Altenberg zeichnete sich das ab, trotzdem fehlte mir der Biß, um danach nochmal anzugreifen. Selbst für ein paar zusätzliche Kilometer war ich sonntags nicht zu begeistern. Ausreichend Zeit wäre geblieben, denn letztlich erreichte ich mein Zuhause schon gegen drei Uhr nachmittags. Diese Hängepartie ließ mir damit jedoch ausreichend Zeit zur Regeneration für den nächsten Tag.

Denn da stand die nächste Runde an. Wenigstens 9.000 km und 100.000 Hm will ich bis Ende August schaffen, und dafür muß ich das inzwischen spätsommerliche Wetter nutzen. Früh ist es inzwischen zwar ziemlich frisch, sodaß ich beim Start Ärmlinge benötigte. Dafür pegelten sich dann im Laufe des Tages die Temperaturen auf für mich optimale Werte um die 20°c ein, was mir schweißfrei zusätzlichen Vortrieb ermöglichte.

Außerdem überlegte ich mir gestern eine Strecke, die meiner Absicht einer schnellen Runde entgegenkam. Zuerst lockeres Einrollen auf dem Elberadweg bis Stadt Wehlen, dann folgten die verhältnismäßig anspruchsvollen Anstiege aus dem Elb- sowie durch das Polenztal. Nach einem Drittel der Ausfahrt standen deshalb schon mehr als die Hälfte der Gesamthöhenmeter auf der Habenseite. Spätestens ab Neustadt in Sachsen jagte ich meinen Virtual Partner des Navis, den ich endlich auf dem langen Gefälleabschnitt zwischen Bretnig-Hauswalde und Großröhrsdorf dauerhaft hinter mich ließ.

Daher durften es auch wieder ein paar Kilometer mehr sein, gleichwohl ich wegen abendlicher Verrichtungen nicht zu spät zurück sein wollte. Die letzten zusätzlichen Zehntel der Durchschnittsgeschwindigkeit kitzelte ich schließlich auf dem Elbradweg ab Pillnitz heraus. Da überholte mich eine Radsportlerin, an welche ich mich bald in den Windschatten hängte. Sie war die perfekte Schrittmacherin - nicht zu schnell, nicht zu langsam. Als ich schließlich in Pirna zur Stadt abbog, bedankte ich mich bei ihr.

Diese freundlich gemeinte Geste war mir ein Bedürfnis.

22. August 2026

Nur für Spezialisten

Der Regen kam mit Ansage. Allerdings dann doch viel schneller, als es zunächst nach dem Online-Regenradar zu erwarten war. Für mich hieß das am Ende der gestrigen Feierabendtour eine dreiviertel Stunde Naß von oben.  Aufgrund der immer noch angenehmen Temperaturen ließ sich das jedoch einigermaßen ertragen, bis ich kurz nach Sechs endlich mein Zuhause erreichte.

Bei meinem Start zum vorgezogenen Feierabend schien jedenfalls noch die Sonne, sodaß ich mir über schlechtes Wetter keine Gedanken machte. Ohnehin hatte ich meine Runde ja so konzipiert, daß es auf der Heimfahrt mehrere Abkürzungsmöglichkeiten gab. So gesehen, wäre ich bei der Wahl einer dieser Optionen überhaupt nicht naß geworden, auch wenn ich damit mein Entfernungswunschziel von 100 km nicht schaffen konnte.

Wichtigstes Vorhaben des Nachmittags war die Befahrung des Eselswegs, einem Wanderweg vom Königsteiner Ortsteil Hütten hinauf zur Festung Königstein bzw. zum Parkhaus unterhalb dieser (s. Track vom 21.08., km 64,1 - 65,6). Eine liebe Freundin hatte mich gebeten, diese Strecke zu erkunden, weil demnächst ein rollstuhlfahrender Reiseblogger dort mit seinem elektrischen Zuggerät zur Festung "wandern" möchte. Meine letzte und bisher einzige Befahrung lag aber schon einige Zeit zurück, und deshalb erinnerte ich mich nur daran, daß dies auf Rädern prinzipiell möglich ist.

Auf dem Eselsweg zur Festung Königstein
(Aufnahmeort)
Die Anfahrt über 64 km - natürlich auf einem riesigen Umweg - verlief erneut überdurchschnittlich flott. Derzeit bin ich offenbar gut in Schwung. Wie zu vermuten, änderte sich das schlagartig mit Beginn des Wanderwegs. Erst holperiges Sandsteinpflaster, welches teilweise mit Gras und Moos durchsetzt war. Bereits hier drehte hin und wieder mein Antriebsrad durch, nicht zuletzt auch aufgrund der (geschätzten) Steigung von ca. 12%. Nach knapp 100 m wechselte der Untergrund zu groben Schotter bei kaum nachlassender Steilheit. Dabei gab es immer wieder Stellen, wo abfließendes Regenwasser dem Wanderweg zugesetzt und Abflußrinnen gegraben hatte. Erst weitere 400 m später lag dieses unangenehme Teilstück, welches ich ebenfalls nur mit mehreren Zwischenstops bewältigen konnte, hinter mir. Im weiteren Verlauf folgten dann noch mehrere halbwegs gut zu überwindende Steinschwellen zum Ableiten des Regenwassers sowie auf dem an einer Kreuzung rechts abzweigenden schmaleren Wanderweg (den man wegen des gesperrten Hauptweges benutzten muß) eine für den Rollstuhl eigentlich zu schmale Spurrinne und anschließend ein lehmiger Hohlweg mit für die Bodenhaftung grenzwertiger Steigung. Insgesamt waren bei diesem Anstieg auf 1,5 km rund 120 Hm zu überwinden, was (in Verbindung mit dem längeren flachen Wegabschnitt) - für sich gesehen - bereits dessen Anspruch offenbart. Wer hier auf Rädern hinauf will, sollte über einige Erfahrung im schwierigen Gelände verfügen, um nicht in Teufels Küche zu geraten. Obwohl ich letztlich nicht die Möglichkeiten seiner eingesetzten Technik kenne, rate ich dem Rollifahrer also dringend davon ab, ganz ohne Begleitung über den Eselsweg zur Festung Königstein zu fahren.

Rund fünfunddreißig Minuten hielt mich dieser Anstieg inkl. Pausen und umfangreicher Fotodokumention auf - Zeit, die ich zum Schluß hätte gebrauchen können, um trotz Extraschleife vor dem Regen nachhause zu kommen. Umglücklich war ich trotzdem nicht, denn nun bin ich wieder auf dem aktuellen Stand, was diese alternative Zufahrt zur Festung Königstein betrifft. Meinen Sollvorgaben für's Training hat es übrigens auch nicht geschadet.

Alles gut!

17. August 2026

Aufhören, wenn's am besten läuft

Nach drei Wochen Urlaub werde ich mich ab morgen wieder meiner regelmäßigen Erwerbstätigkeit widmen. Dann bleiben nur noch das verlängerte Wochenende (inkl. Montag) sowie gelegentlich der Freitagnachmittag für größere sportliche Aktivitäten.

Über Waltersdorf erhebt sich der Lilienstein und
dahinter die Festung Königstein (Aufnahmeort)
Am vergangenen Sonnabend wählte ich die Hintere Sächsisch-Böhmische Schweiz als Tourenziel. Die waldreiche Gegend ist nicht nur für warme Tage eine Empfehlung, obwohl gerade im für den Kraftverkehr gesperrten Khaatal (Kyjovské údolí) zur besten Tageszeit inzwischen viele Ausflügler und Zweiradtouristen unterwegs sind.

Den Rückweg legte ich über Nixdorf (Mikulášovice), weil dort an diesem Wochenende lt. Ankündigung auf Facebook eine Wallfahrt stattfand und ich mir diese ansehen wollte. Leider konnte ich dann dort außer dem geöffneten Kirchenportal auf meiner Durchfahrt nichts davon entdecken,  doch war ich vielleicht einfach nur zu früh vorort. Die Kirchenveranstaltungen sowie die Messe sollten nämlich erst am späten Nachmittag stattfinden. Mit meiner Vorstellung, daß es rund um diese Wallfahrt auch einen kirmesähnlichen Jahrmarkt oder wenigstens Versamlungen gibt, hatte die Realität jedenfalls nichts zu tun. Nixdorf war zu jener Zeit genauso leer und uninteressant wie sonst auch.

Noch weit vor dem Mittag lag die Holperstrecke zwischen Lobendau (Lobendava) und der tschechisch-deutschen Grenze vor Langburkersdorf hinter mir, welche ich immer wegen der Reifenpannengefahr ziemlich entlangschleiche. (Allerdings ist sie der beste Weg aus dem Schluckenauer Zipfel, um nachfolgend fast nur noch bergab bis Pirna zu rollen.) Bevor sich die große Hitze an diesem Tag ausbreitete, kam ich wieder zuhause an.

Gestern wollte ich zum Urlaubsausklang wenigstens eine Minirunde fahren, obwohl die Wetterprognose nicht so rosig aussah. Und tatsächlich näherte sich (endlich!) ein großes Regengebiet, das damit bei mir für einen sportfreien Vormittag sorgte. Erst um die Mittagszeit konnte ich starten.

Die Straßen noch naß, die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch, hielt ich mich anfangs zurück. Da ich sowieso noch erkunden wollte, ob eine wegen Bauarbeiten gesperrte Strecke meines Arbeitswegs inzwischen wieder freigegeben wurde, bot sich eine Tour im städtischen Umfeld von Dresden an. Zur Auflockerung gab's zwei leichtere Anstiege, doch ansonsten verlief der rechtselbische Teil meiner Ausfahrt recht flach.

Nachdem ich die Elbe auf der Eisenbahnbrücke von Niederwartha überquert hatte, lockte mich aber die Serpentinenstraße hinauf nach Oberwartha. Diesem Anstieg folgten auf der Rückfahrt sukzessive weitere drei Auffahrten, wobei ich mich - meine Durchschnittsgeschwindigkeit immer im Blick - jedesmal ziemlich spontan dazu entschloß. Aber es rollte wirklich gut! Gegen Ende der Tour hatte ich wirklich fast alle meine Reserven aufgebraucht, sodaß ich nur noch relativ locker die letzten Kilometer im Seidewitztal abwärts bis Pirna absolvierte. Da wußte ich bereits, daß ich auch diesmal weit über meinen Sollvorgaben lag.

Insgesamt bin ich mit der Ausbeute der vergangenen drei Urlaubswochen sehr zufrieden. 7 Touren in den Alpen über 470 km und 10.530 Hm sowie danach in der Heimat auf 5 Touren 680 km mit 6550 Hm sind ein absolut akzeptables Ergebnis. Höhepunkte waren dabei die Fahrten auf den Großen Speikkogel in Österreich und den Monte Zoncolan in Italien sowie der Lange Kanten in die Lausitz.

In den nächsten Wochen wird es wieder etwas ruhiger ...

14. August 2026

Auch Berge ...

Meine Heimatstadt Pirna befindet sich zwar nur ca. 110 m ü. NHN, doch wenige Kilometer südlich vom Elbtal beginnt schon das Erzgebirge. Die höchsten Berge im östlichsten Teil des langgestreckten Gebirgszuges - welcher übrigens auch die Grenze zwischen Deutschland und der tschechischen Republik markiert - reichen dabei immer noch bis knapp über 900 m.

Ganz so weit hinauf ging es gestern bei mir nicht, doch befand sich der Scheitelpunkt meiner Tour  kurz vor Böhmisch Zinnwald (Cínovec) immerhin auf 876 m ü. NHN. Damit lag dieser rund 760 m höher als mein Zuhause. Im Gegensatz zur letzten Alpentour genau eine Woche zuvor hatte ich allerdings wesentlich mehr Strecke, um diese Höhe zu erreichen. Auch gab es zwischendurch ein paar Abfahrten, welche die Kletterei etwas auflockerten.

Über Neustadt im Erzgebirge thront der Stürmer
(Bouřňák, Aufnahmeort)
Diesmal suchte ich mir für die Anfahrt zum Erzgebirgskamm einen Weg, den ich so in voller Länge bisher noch nie gefahren bin. Um nämlich die verkehrsintensive und recht eintönige Bundesstraße B170  zu vermeiden, stellte ich mir stückweise eine Strecke zusammen, welche tatsächlich größtenteils parallel zur Hauptverkehrsachse verlief. Von Hähnichen führte diese auf verkehrsruhigen und vor allem im Abschnitt zwischen dem Ortsausgang von Reichstädt bis zur Abfahrt ins Tal der Wilden Weißeritz vor Seyde herrlich aussichtsreichen Straßen bis zum Grenzübergang Neu-Rehefeld und weiter nach Neustadt im Erzgebirge (Nové Město), dem südlichsten Punkt der Tour. Das waren insgesamt fast 45 km!

Auf dem Teilstück zwischen Wittichbaude (Horská chata Vitiška) und Böhmisch Zinnwald (s. Track vom 13.08., km 65,7 -71,8) werde ich in ein paar Monaten hoffentlich wieder auf Brettern mit meinen Freunden unterwegs sein, denn im Winter wird diese Straße als Teil der KLM (Krušnohorská lyžařská magistrála - Erzgebirgsskimagistrale) für den Kraftverkehr gesperrt und als Loipe präpariert.

Nach dem kleinen Umweg über Altenberg folgte ich ab Lauenstein stetig abwärts der Müglitz. 37 km ausschließlich bergab reichten für die erfolgreiche Aufholjagd aus, sodaß ich mir zum Schluß den Extrazacken über Zehista leisten konnte. Nach den angenehmen Temperaturen auf den Höhen des Erzgebirges wurde mir dabei noch einmal ziemlich warm, dafür ersparte ich mir aber den Elberadweg.

Die langen Anstiege in das höchste Gebirge des Landkreises Sächsische Schweiz - Osterzgebirge waren und sind das perfekte Training für die großen Berge in den Alpen. Schöne Landschaft gibt's gratis dazu!

12. August 2026

Mittelalter in der Lausitz?

Das Tourenbild eines Strava-Sportfreunds erregte mein Interesse. Darauf waren etliche aus Backsteinziegeln gemauerter Vierertürme zu sehen, die mich sofort an mittelalterliche Donjons erinnerten. Was hatte es damit auf sich? Jedenfalls entstand ziemlich spontan die Idee, die Besichtigung der Bauwerke in Lauchhammer gleich mit einem weiteren Langen Kanten - dem nun schon sechsten in der aktuellen Saison - zu verbinden.

Die Wettervorhersage für den Dienstag versprach beste Bedingungen. Dennoch startete ich erneut vor Sonnenaufgang. Ich glaube, so viele Nacht- bzw. Morgendämmerungstouren wie in dieser Saison, sind bei mir bisher noch nie zusammengekommen. Weil es in nördliche Richtung ging, war das Streckenprofil aber sehr flach. Nur zu Beginn und später dann am Ende mußten ein paar Anstiege bewältigt werden, doch waren diesen natürlich nicht im mindesten mit denen zu vergleichen, welche ich mir noch eine Woche zuvor in den Alpen vorgenommen hatte.

Dementsprechend flott war ich unterwegs. Allmählich frischte zwar der Wind etwas aus nordwestlicher Richtung auf, doch dieser Gegenwind würde mich bald während der Rückfahrt zusätzlich schieben. Außerdem kühlte dieser Luftstrom wunderbar, ohne mich zu sehr auszubremsen. Bereits 11.30 Uhr erreichte ich die Sängerstadt Finsterwalde ("Wir sind die Sänger von Finsterwalde"), weshalb ich einen Extrazacken an meine geplante Strecke dranhing und noch Doberlug-Kirchhain mitnahm. Die Landstraßen in diesem Teil Brandenburges verliefen zwar des öfteren kilometerlang schnurgerade und boten auch sonst nicht viel (visuelle) Abwechslung, waren dafür aber zum "Meter machen" wie geschaffen. Radeln völlig frei von äußeren Reizen ... das darf auch mal sein.

Die Biotürme von Lauchhammer (Aufnahmeort)
Schließlich tauchten vor Lauchhammer rechts der Straße die erwähnten Türme auf. Sie wirkten auf mich recht eindrucksvoll. Gleich daneben gab es eine Art Freilichtgalerie mit Artefakten und Gerätschaften aus dem Bergbau. In dieser Gegend wurde ja einst ebenfalls im großen Stil Braunkohle im Tagebau gefördert. Eine Erklärung zu dieser industriellen Anlage habe ich vorort leider vergeblich gesucht, doch nach der Recherche in Wikipedia weiß ich nun über deren Zweck Bescheid. Mich wundert nur, daß sie bisher noch nicht als Filmkulisse für beispielsweise einen dystopischen Film entdeckt wurden ... Optisch machen sie echt 'was her!

Immer noch kam ich so schnell voran, daß ich bald danach mir eine 1,5-stündige Pause bei Freunden leisten konnte. Es gab viel zu erzählen, waren doch auch sie erst vor kurzem aus ihrem Urlaub auf dem Balkan zurückgekehrt.

Mittlerweile sanken die über den ganzen Tag sowieso immer erträglich gebliebenen Temperaturen und das Licht wurde am späten Nachmittag immer goldener. Für das letzte Viertel meines Langen Kantens genau die Bedingungen, die ich mir immer wünsche. Es wurde nicht nur eine sehr schöne Fahrt in den beginnenden Abend, ich konnte zudem nun auch tempomäßig eine weitere Schippe drauflegen. Selbst die wenigen Anstiege brachten mich nicht aus dem Takt. So locker habe ich lange nicht mehr eine solche Streckenlänge am Stück absolviert.

Eigentlich hätte ich noch stundenlang weiterfahren können, wäre dann aber irgendwann wieder in die Dunkelheit gekommen. Als sich meine allerbeste Sportfreundin kurzentschlossen für einen abendlichen Besuch ankündigte, war ich aber überhaupt nicht böse.

Erst um Mitternacht endete meine Schicht.

10. August 2026

Wechsel der Fahrtaktik

Weil mich eine liebe Freundin beim Ausräumen und Verstauen meines Urlaubskrempels unterstützte und ich daher viel schneller als sonst mit der Reisenachbereitung fertig war, konnte ich am Sonntag schon wieder die erste Handbiketour in der Heimat absolvieren.

Voller Elan und bei herrlich angenehmen 18-20°C widmete ich mich zunächst den Bergen. Kurz nach meiner Rückkehr aus dem Hochgebirge teste ich immer, wie stark sich die erfolgte Höhenakklimatisation auf die eigene Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Tatsächlich war auch gestern dieser positive Effekt deutlich zu spüren, zumal ich mich in den vorangegangenen zwei Tagen ohne körperliche Belastung ausreichend erholen konnte.

Zurück in der Felsenheimat, hier der Blick vom
Schönaer Ortsteil Reuterhof auf die Schrammsteine
(Aufnahmeort)
Noch vor dem Mittag und damit vor der Hitze beendete ich meine Kletterei auf der linken Elbseite mit einem absolut akzeptablem Geschwindigkeitsdurchschnitt nach 60 km und bereits mehr als 800 Hm. Verglichen mit meinen Pässefahrten in den Alpen war ich nun wieder drastisch schneller unterwegs. Aber das kam nicht von ungefähr oder zufällig, und deshalb werde ich auch überhaupt nicht nervös, wenn ich in den hohen Bergen idealerweise nur eine geradeso zweistellige Durchschnittsgeschwindigkeit erreiche. 

Woran das liegt? Erstens müssen bei Paßanstiegen in der Regel wesentlich größere Höhenunterschiede auf oftmals gleicher oder sogar kürzerer Strecke überwunden werden. Die Länge des Anstiegs bedingt auch, daß ich mir meine Kräfte ganz anderes einteile, damit ich selbst nach mehreren Stunden ununterbrochenen Bergauffahrens immer noch über ausreichend Kraftreserven verfüge. Nicht selten folgen ja nach einem ersten Anstieg auch noch weitere nicht zu  unterschätzende Berge bzw. manchmal sogar erst die Auffahrt zum eigentlichen Tagesziel (beispielsweise bei meiner Fahrt auf den Monte Zoncolan). Wer hier von Anfang an auf Tempo statt auf Ausdauer setzt, ist entweder ein Konditionswundertalent oder einfach nur größenwahnsinnig - und im letzteren Fall zum Scheitern verurteilt.

Übrigens: da ich die Strecken üblicherweise bisher nicht aus eigenem Erleben kenne, sondern höchstens auf Beschreibungen und Erfahrungsberichte anderer zurückgreifen kann, bleibt trotzdem immer noch ein Unsicherheitsfaktor, den ich ebenfalls in meine Fahrtaktik einfließen lassen muß. Nicht nur die Steigung sowie die Verteilung der Hauptschwierigkeiten wird dabei häufig von jedem Sportler verschieden empfunden, auch die Qualität des Untergrunds (rissige, holperige Asphaltdecke) wirkt sich beim Fahren mit einem dreirädrigen Handbike erheblich stärker aus wie mit einem agileren Zweirad. Das gilt bergauf (Rollwiderstand) und bergab (Notwendigkeit des Bremsens).

Im heimatlichen Revier hingegen kenne ich alle Straßen. Außerdem existieren hier nur wenige längere Anstiege, welche dann auch nicht solche Höhenunterschiede überwinden. Zudem kann ich mir aufgrund des dichten Verkehrswegenetzes die Strecken anforderunsgsspezifisch paßgenau entsprechend meiner beabsichtigten Belastung zusammenstellen. Auch ganz spontan, denn in meinem Kopf befindet sich quasi eine Liste, auf der jeder Streckenabschnitt hinsichtlich seiner Anforderungen und des vorhandenen Straßenbelags eingeordnet ist. Mit diesem umfangreichen Wissen läßt sich wesentlich unbefangener zu Werke gehen. Im schlimmsten Fall, also bei Leistungsdefiziten, bleiben so viele Möglichkeiten, auf "leichtere" Straßen auszuweichen, daß ich häufig schon ab dem Start ein höheres Tempo vorlege. 

Auf meiner Wiedereinstiegstour bewegte ich mich aber auf der zweiten Hälfte der Strecke schließlich fast nur noch im flachen Gelände. Lediglich die Abkürzung über Waltersdorf war mit ein paar mehr Höhenmetern verbunden, in diesem Fall sogar mittels der 13%igen Steigung durch Porschdorf. Aber der steilste Teil davon war nur wenige hundert Meter lang, und ich wußte, wie es danach weitergeht.

Jeder direkte Vergleich zwischen Paßstraßen und Anstiegen in der Heimat würde deshalb hinken.

8. August 2026

Loslassen und ankommen

Am 6. August endete meine diesjährige Pässejagd mit der Handbiketour zum Sella di Razzo.

Ich hatte mir dafür eine schöne Rundstrecke zusammengestellt, doch bei dem etwas verworrenem Transfer im Auto zum letzten geplanten Basislager in Ovaro stellte ich fest, daß die besonders empfohlene Straße durch die Lumiei-Schlucht wegen Tunnelbauarbeiten derzeit voll gesperrt ist. Die nahegelegene Streckenalternative über den Passo di Pura entging jedoch meiner Beachtung, hätte mich aber auch zusätzliche 470 Hm gekostet. Mit frischen Kräften und vor allem bei besseren Witterungsbedingungen (d.h. stabiles Wetter und keine Hitze) wäre das sicher machbar gewesen, doch nach den sechs vorangegangenen Pässetouren ging mir langsam die Puste aus. Außerdem stellte sich allmählich ein gewisses Sättigungsgefühl ein - es reichte einfach ...

Jedenfalls entschied ich mich für die Rückkehr zum Basislager auf gleicher Strecke. Das hatte den Vorteil, den unteren Teil der Paßfahrt noch einmal bei Tageslicht zu erleben. Da es nicht nur wieder sehr heiß werden sollte, sondern ab Mittag zudem Gewitter drohten, brach ich nämlich wie bisher meistens in diesem Urlaub lange vor dem Sonnenaufgang auf. 

Natürlich dann immer mit voller Beleuchtung. Trotzdem fuhr mich diesmal kurz vor einer Ortschaft im unteren Val Pesarina ein extrem kurvenschneidender und bestimmt auch viel zu schneller Autofahrer im Gegenverkehr fast über den Haufen. Ohne einen Anflug von Einsicht in sein Fehlverhalten hupte er mich dabei an, statt sich auf's Bremsen zu konzentrieren. Später kam er zurück. Ich merkte dies daran, daß ein Fahrer von hinten auf gerader Strecke völlig grundlos beim Überholen lang und böse hupte. Das konnte nur er gewesen sein, denn schließlich kam mir der silberfarbene VW-Bus bei fortgeschrittener Dämmerung noch einmal entgegen. Nun schaltete dieser Typ kurz vor mir das Fernlicht ein, um mich noch mehr zu blenden. - Ich kann mich nicht erinnern, jemals einem derart aggressiven Motoristen begegnet zu sein ...

Am Ende des Abstechers zum Sella di Rioda kurz
vor den Serpentinen hinab nach Sauris (Aufnahmeort)
Die Auffahrt zum Scheitelpunkt der Tour an sich verlief erfreulich abwechslungsreich und wurde auch trotz der rund 1340 Hm ab Ovaro nicht zu anspruchsvoll. Deshalb halte ich die Strecke durchaus auch für Pässejagd-Einsteiger geeignet. Es war zudem alles dabei, was eine erlebnisreiche Tour ausmacht: Ortsdurchfahrten durch schöne alte Dörfer mit engen Straßen, eine Schlucht mit mehreren Tunneln (bzw. halboffenen Lawinengalerien), einige Kehrenabschnitte sowie eine schön gewundene Straßenpassage. Ganz oben gab es zudem herrliche Ausblicke auf die beeindruckende Bergwelt mit ihren schroffen Felsen und den grünen Almen. Selbst ich kann mir durchaus vorstellen, hierher später einmal für weitere Touren zurückzukehren.

An diesem Tag erreichte ich sogar noch ein zweites Mal die 1800 m Meereshöhe, welche ich bisher nur während der Fahrt auf den Großen Speikkogel überschritten hatte. Diese Marke war mir jedenfalls den 2-km-Abstecher in Richtung Sauris zum Sella di Rioda wert, welcher mich zudem mit etlichen schönen Ausblicken in fast alle Himmelsrichtungen belohnte. Ein solch malerisches Almgebiet habe ich noch nicht zu oft auf meinen Touren kennengelernt.

Die Rückfahrt bergab zum Campingplatz gestaltete sich als entspannte Fototour, bei der ich noch einmal ganz ohne jede Anstrengung die herrliche Gebirgslandschaft genoß. In der zwölften Stunde des Tages kam nun auch die Hitze, doch kühlte der Fahrtwind fast bis zum Schluß immer noch angenehm. Die zweite Tageshälfte verbrachte ich schließlich mit notwendigen Verrichtungen und Reisevorbereitungen. Leider wird der dafür nötige Zeitaufwand immer größer, ich bin eben nicht mehr der jüngste.

Hoffentlich aber noch viele Jahre nicht zu alt, um weitere Straßenpässe in den Alpen mit dem Handbike zu bezwingen. 

5. August 2026

Dann eben nicht ...

Mein detailliert ausgearbeiteter Plan sah vor, als nächstes im Camping Špik bei Gozd Martuljek in Slowenien Quartier zu machen. Doch schon bei meiner Ankunft dort ahnte ich, daß es schwierig werden könnte.

Tatsächlich war das Camp komplett ausgebucht, und die Dame an der Rezeption ließ sich nicht davon überzeugen, mich dennoch mit meinem Auto irgendwo auf dem Areal unterzubringen. Sie kontaktierte zwar telefonisch noch weitere Zeltplätze, aber die immergleiche Antwort hieß 'full'. Außerdem stellte sie sofort klar, daß für das unerlaubte Abstellen des Autos 100,- EUR Strafe fällig werden würden.

Unverrichteter Dinge mußte ich also abziehen, was mich ziemlich verdroß. Ich hatte mir nämlich zwei sehr schöne Touren zusammengestellt, die ich nun mit schwarzer Kreide in die Esse schreiben konnte. In Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und auch in Italien ermöglichten mir die Betreiber der Campingplätze regelmäßig trotz voll belegter Zeltplätze bei ihnen oder auf nahen Parkflächen unterzukommen. Nur im quasisozialistischen Frankreich und nun ebenfalls in Slowenien bin ich abgeblitzt! - Wo ich nicht willkommen bin, zieht's mich nicht so bald wieder hin ...

Nach einer zeitraubenden und nervenaufwendigen Odyssee landete ich schließlich auf dem Zoncolan Camping im italienischen Ovaro. Hier wollte ich am Ende meiner Pässejagdsaison noch zwei Touren mit dem Handbike fahren, darunter einen echten Scharfrichter. Der Monte Zoncolan ist bei bergeliebenden Radsportlern beinahe berühmt-berüchtigt, weil der Gipfel nur über extrem steile Auffahrten zu erreichen ist.

Das dünnste Brett dieser drei Strecken nahm ich mir gleich am Dienstag vor. In Verbindung mit einem weiteren Paß, dem Sella Valcalda, ergab sich eine nette, kleine Rundtour über 41 km und allerdings 1900 Hm. Wie ich schon kurz nach dem Start feststellte, ließ sich der erste Paßanstieg des Tages sehr schön fahren. Eine gleichmäßig Steigung von ca. 6 - 8 %, eine kurvenreiche Strecke und nicht zu viele Höhenmeter eigneten sich ausgezeichnet zum Warmfahren. Zweimal, einmal kurz nach dem Beginn und einmal in Nähe des Scheitelpunkts, hielten Italiener extra mit ihren Autos an, um mich in Aktion zu fotografieren. Italien ist eben ein radsportbegeistertes Land und ich ein Exot auf drei Rädern.

Kurz nach Acht begann ab dem Ortseingang von Sutrio der Aufstieg zum Monte Zoncolan. Die Sonne entfaltete bereits ihre Kraft und in den südseitig exponierten Serpentinen machte sich das sofort bemerkbar. Die waren eigentlich gar nicht so steil, doch mit zunehmender Dauer fiel mir das Vorankommen immer schwerer. Wahrscheinlich lag das vor allem an einem erheblichen Flüssigkeitsdefizit. Weil ich nicht wußte, wie es mit der Getränkeversorgung unterwegs aussah, sparte ich mir jeden Schluck. Mehr und mehr quälte ich mich schon jetzt. Meine Hoffnung war das Skizentrum Zoncolan nach dem Ende der Serpentinen. Ich hatte Glück, gab es dort doch am Kreisverkehr eine Wasserstelle. Sofort tankte ich 2 - 3 Liter kühles, köstliches Naß und füllte meine Vorräte auf. Danach ging es mir schon wieder viel besser ... Jedenfalls: ohne diese Wasserentnahmestelle hätte ich vermutlich kapitulieren müssen, bevor noch überhaupt der härteste Teil des Anstiegs begann.

Die letzten 430 Hm wurden dann meist eine Tortur, denn drei Steilrampen bis über 20% Steigung erwarteten mich auf den folgenden 3,8 km bis zum höchsten Punkt. Stück um Stück und mit vielen kürzeren und längeren Pausen, meist im Schatten einzelner Bäume, mühte ich mich aufwärts. 14.00 Uhr war ich endlich oben.

Am Scheitelpunkt der Straße auf den Monte
Zoncalan (Aufnahmeort)
Doch damit war die Tour noch nicht vorbei! Nun erwartete mich eine Abfahrt, die mich und mein Material, genauer die Hydraulikscheibenbremse, an die Grenzen bringen sollte. Die höllische supersteile Auffahrt direkt von Ovaro aus hatte ich mir wohlweislich im Anstieg erspart, doch im Rahmen dieser Rundstrecke mußte ich dort hinunter! Die Bremse fast permanent zu ziehen, war nicht nur auf Dauer sehr kraftaufwendig, es erhitzte natürlich auch die Scheibe enorm. Und nach jedem Zwischenstop zur Abkühlung ergab sich das gleiche Problem wie schon bei der Abfahrt vom Großen Speikkogel. Der Bremshebel zog nicht mehr, und ich war kurz davor, aufgrund des riesigen Spiels des Bremshebels bis immer näher an den Anschlag nicht mehr bremsen zu können. Auch hier korrigierte sich das Bremshebelspiel zwar immer wieder etwas, doch dafür mußte überhaupt erstmal eine Bremswirkung erzielt werden. Und mit jedem Halt wurde es schlimmer ... Jeder kann sich bestimmt vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich endlich unten ankam. Auch wieder so eine Grenzerfahrung!

In den nächsten Tagen bleibt es zwar sehr warm, aber die Witterung wird unbeständiger. Eine Tour hätte ich noch in petto. Bereits jetzt bin ich jedoch vollauf zufrieden, denn meine Bilanz kann sich sehen lassen. Bisher sind es neun Paßanstiege geworden, davon allein fünf Pässe, welche auf Quaeldich.de als "Highlight" gekennzeichnet sind.

Das ist doch schon etwas!