6. Juli 2026

Langer Nachmittag

Den Sonntag hatte ich gestern bereits für sportliche Aktivitäten abgeschrieben. Nach dem Verfassen meines Berichts über die vorangegangenen zwei Touren, einer "Freßorgie" und ein wenig Müßiggang gönnte ich mir deshalb über den Mittag ein kurzes Schläfchen. Als ich danach jedoch aufwachte, sah es draußen nach dem regnerischen Vormittag gar nicht mehr so schlecht aus.

Kurzentschlossen überwand ich also mein Trägheitsmoment, packte meine sieben Sachen und setzte mich auf's Radl. Da war es 14.25 Uhr. Normalerweise fahre ich um diese Zeit nicht mehr los, will ich doch nicht nur irgendwelche Kurzstrecken sammeln. Aber kurz nach der Sommersonnenwende ist es eben auch lange hell - und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, nahm ich außerdem meine Beleuchtung mit.

Auf der ersten Runde südlich des Elbtals testete ich zunächst ziemlich spontan eine kurze Streckenvariante in Struppen. Die Ortsdurchfahrt ist derzeit gesperrt, nach den ersten Metern der Straßenbaustelle gibt es auch mit dem Rad kein Weiterkommen mehr. Rechts ausbiegend läßt sich dieser Abschnitt jedoch ohne die Umleitung über den steilen Kirchberg passieren, wobei es auf den ersten Metern aus dem Dorf aber ebenfalls kräftig bergauf geht (s. Track vom 05.07., km 6,8 - 8,5).

Kurz nach Struppen Siedlung kreuzten dann Regenwolken meinen Weg, die ich geschützt unterm Blätterdach vorbeiziehen ließ. Den kräftigsten Schauer gab es in Markersbach, doch auch diesen überstand ich trocken, weil ich mich rechtzeitig in das Buswartehäuschen gerettet hatte. Am lästigsten waren die nun klitschnassen Straßen, weil ich deswegen die schöne, schnelle Abfahrt nach Bad Gottleuba aufgrund des Spritzwassers nur gebremst hinabrollen konnte. Erst am Ortseingang von Pirna waren die Straßen so weit abgetrocknet, daß ich wieder voll drücken konnte.

Meine daran anschließende rechtselbische Runde wurde letztlich viel länger als geplant. Denn nachdem ich die Gegenwindpassage bis kurz vor das Dresdner Blaue Wunder gut überstanden hatte und auch der lange Anstieg über die Grundstraße hinter mir lag, war es erst kurz vor Sieben. Die zweieinhalb Stunden bis zum Sonnenuntergang boten also noch reichlich Gelegenheit zum Kilometerfressen in größtenteils flachem Gelände. Eckpunkte dafür bildeten Radeberg sowie Rennersdorf-Neudörfel.

In Helmsdorf traf ich einen meiner Strava-Sportfreunde, willkommener Zwischenstop für einen abendlichen Schwatz unter Gleichgesinnten. Ich freue mich immer, wenn ich unterwegs Bekannte treffe. Inzwischen fahren allerdings auch immer mehr Rennradler grußlos an mir vorbei - es ist ihre Sache. Manche Leute sind eben viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um andere wahrzunehmen. Dabei bilden Frauen übrigens keine Ausnahme.

Ich schaffte es sogar noch bis nachhause, bevor die Sonne hinterm Horizont verschwand. Gesehen habe ich sie den ganzen Nachmittag aber sowieso nicht.

5. Juli 2026

Minus fünfzehn Kelvin

Innerhalb einer Woche ist der Frühling zurückgekommen. Die Maximaltemperatur am Tag sank von 38 °C auf 23 °C und ermöglichte damit die Rückkehr in den Normalmodus. Schade nur, daß damit auch die Witterung unbeständiger wurde, denn wegen des angekündigten Regens konnte ich keine Langstrecke planen.

Meine Nachmittagstour am Freitag hätte mich dazu aber perfekt motiviert.  Das Streckenprofil der diesmal kurz vorher zusammengestellten Route war zwar relativ flach und enthielt keine steilen Auffahrt. Doch das erklärt nicht ausschließlich mein gutes Vorankommen. Auch der anfangs frische Westwind, welcher mir ungebremste Fahrt ermöglichte reicht nicht als Begründung. Es lag wohl hauptsächlich an der Temperatur in meinem Wohlfühlbereich bei meist bedecktem Himmel. Ohne lästige Schweißausbrücke bzw. mit guter Kühlung durch den Fahrtwind läßt sich der Körper ganz anderes belasten als in flirrender Hitze.

Diesmal absolvierte ich erneut nur mein Minimalpensum, obwohl damit meine Feierabendrunde bereits 18.30 Uhr endete. Das deshalb nicht verschossene Pulver hob ich mir lieber für den nächsten Tag auf.

Noch unschlüssig, wohin es am Sonnabend gehen sollte, kam mir die zündende Idee erst am Morgen. Schon längere Zeit bin ich nicht mehr in Nixdorf (Mikulášovice) gewesen, auch weil in dieser Gegend viele lange und auch steile Anstiege bewältigt werden müssen. In Verbindung mit der Quasi-Umrundung des böhmischen Elbsandsteingebirges (orographisch) rechts der Elbe ergibt sich selbst nach dem langen Anstieg von Sebnitz über Wölmsorf (Vilémov) durch Nixdorf bis zum Scheitelpunkt der Tour unterhalb des Plissenbergs (Plešný) auf ca. 510 m ü. NHN (s. Track vom 05.07., km 39,2 - 53,7) ein Sägezahnprofil, mittels dessen bis zur Rückkehr ins Elbtal sich noch weitere 450 Hm summieren.

Andachtsbild an der Böhmerstraße (Česká silnice), 
s.a. Beschreibung (Aufnahmeort)
Die abwechslungsreiche Fahrt hielt mich jedoch immer bei Laune, was nicht zuletzt gerade auch wieder dem angenehmen Klima zu verdanken war. Außerdem wurden inzwischen viele Straßenabschnitte neu asphaltiert bzw. umfassend ausgebessert, sodaß ich mich eigentlich nie mit holperigem Untergrund herumärgern mußte. Einzig die Mofa-Fahrer nervten mich zunehmend, deren Konzentration sich mit meiner Annäherung an die touristischen Ausflugsziele spürbar erhöhte.

Dafür hinterließ eine Beobachtung auf der Straße nach Herrnskretschen (Hřensko) ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Nachdem mir bereits in Rainwiese (Mezní Louka) das Auto der Ordnungshüter des Gemeindeamts entgegengekommen war, wartete ich nur noch auf "Opfer" der fleißigen Kollegen. Und tatsächlich standen trotz des ausdrücklichen und mehrfach ausgeschilderten Halteverbots kurz vor dem Abzweig des Wanderwegs zum Prebischtor (Pravčická brána) am Straßenrand zwei Autos. Für deren Besitzer bleibt nun die Wanderung zum größten Felsentor des Elbsandsteingebirges dauerhaft im Gedächtnis - und zwar anders als gedacht. Ihre Fahrzeuge wurden nämlich mit Radkrallen fixiert. Deren lange Gesichter bei ihrer Rückkehr hätte ich sehen wollen, zumal damit neben einer saftigen Geldbuße auch ein erheblicher sowie zeitintensiver Aufwand bis zur Freigabe der Fahrzeuge durch die Mitarbeiter der Ortsverwaltung verbunden ist! Bei den Tschechen läuft es ein bißchen anders als in unserer Bananenrepublik - da wird nicht diskutiert, sondern gehandelt ... Manche Leute müssen das erst auf die harte Tour lernen.

Bereits im Elbtal, veranlaßte mich hingegen drohender Regen zu einem Ziel"sprint" ab Postelwitz. Wie angekündigt, näherte sich von Westen her ein größeres Niederschlagsgebiet, und ich wollte unbedingt vermeiden, auf den letzten Kilometern dieser schönen Tour noch naß zu werden.

Das ist mir gelungen.

28. Juni 2026

Abgefahren ...

War das ein Wochenende! Die Hitze lähmte das ganze Land, und auch in Pirna wurden heute 39°C erreicht. (In meiner Dachgeschoßwohnung sieht's übrigens auch nicht viel besser aus, bei mittlerweile knapp 32°C Raumtemperatur kann ich mich höchstens noch in der Badewanne abkühlen.)

Trotzdem war ich mit dem Handbike aktiv. Sogar bei größtenteils durchaus angenehmen Bedingungen, denn ich habe meine Radtouren ganz einfach in die Nacht- und Morgenstunden verlegt. So ließ es sich nicht nur aushalten, sondern es gab darüberhinaus ein paar unvergeßliche Momente im Osterzgebirge. Dort hatte ich mich mit Lád'a, meinem tschechischen Sportfreund verabredet. Ursprünglich wollte ich ja im Gebirge wieder in einer Schutzhütte übernachten, doch bereits am Freitag war es so heiß, daß ich mir die schweißtreibende Anfahrt und damit das Biwak als solches ersparte. Es hätte keinerlei Sinn ergeben!

Dafür startete ich am Sonnabend bereits gegen Mitternacht. So blieb mir ausreichend Zeit bis zum vereinbarten Treffpunkt in Böhmisch Zinnwald (Cínovec), wo wir uns dann 5.30 Uhr begrüßten. Nichts beschreibt mein Verhältnis zu den dunklen Stunden eines Tages besser, als der Titel eines meiner Blogbeiträge. Während der Weiterfahrt auf der Panorama-Kammstraße (die mit all ihren Varianten zu meiner Lieblingsstrecke in der Region zählt), hatten wir die Welt ganz für uns allein. Kein Autolärm, kein Motorrad-Geknattere, einfach nur der Zauber des erwachenden Tages. So etwas kann man nicht für Geld kaufen ...

Als kurz nach Sechs mit der Steilrampe aus Schönwald (Krásný Les) heraus (s. Track vom 27.06., km 77,5 - 77,8) der letzte Anstieg hinter mir lag, war klar, daß ich lange vor der angekündigten großen Hitze zuhause sein würde. Lád'a verabschiedete sich von mir im Bahratal. Er fuhr nun zunächst nach Berggießhübel, um letztlich über den Kamm zurück nach Kulm (Chlumec) auf der anderen Seite des Erzgebirges zu fahren. Ich hingegen erreichte nach schneller Abfahrt bereits 7.15 Uhr die Heimat.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Schlafen und Dösen in der Wohnung ... mehr war angesichts dieser Hitzewelle einfach nicht drin.

Sonnenaufgang auf dem Osterzgebirgskamm vor
Adolfsgrün (Adolfov, Aufnahmeort)
Weil es so schön war, wollten Lád'a und ich am nächsten Tag gleich noch einmal gemeinsam auf Tour gehen. Erneut planten wir die Panorama-Kammstraße in unsere Strecke ein, trafen uns diesmal jedoch bereits um 5.00 Uhr in der der Nähe von Voitsdorf (Fojtovice). Das leuchtende Morgenrot gipfelte in einem wunderschönen Sonnenaufgang. Kurz nachdem der rote Feuerball im Osten über dem Wald einer unberührt wirkenden Landschaft gestiegen war, ergab sich die Gelegenheit, diesen magischen Augenblick im Bild einzufangen. Spätestens hier sollte ersichtlich sein, warum ich diese Gegend so mag. Abgesehen davon, war es zu dieser Zeit noch einsamer als am Vortag. Wir sind kilometerweit bzw. stundenlang gefahren, ohne einer Menschenseele oder irgendwelchen Fahrzeugen zu begegnen.

Diesmal folgten wir dem Höhenrücken bis Schneeberg (Sněžník), bevor es talwärts nach Norden ging. Auf den letzten Metern der Abfahrt ins Elbtal stieg dann bereits spürbar die Temperatur an. Trotzdem kamen wir noch leidlich gut bis Pirna, wobei sich mein Kamerad nicht davon abhalten ließ, mich bis zum Schluß zu begleiten. Allerdings mußte er danach über den Erzgebirgskamm nachhause, wobei er - wie sich am Ende herausstellte - noch einmal 72 km und rund 1200 Hm absolvierte. Absolut verrückt!

Doch "normal" sind wir alle beide sowieso nicht ...

22. Juni 2026

Adaption

Bevor mich morgen ein anstrengender (Arbeits-)Tag erwartet, habe ich den Montag für eine schnelle Morgenrunde genutzt. Um der Hitze aus dem Weg zu gehen, bin ich dabei sehr zeitig losgefahren. So konnte ich den längsten Anstieg - unterbrochen durch eine kurze Zwischenabfahrt - bewältigen, bevor hoch am Himmel die Sonne ihre Kraft entfaltete.

Zwischen Elbsandstein- und Böhmischen
Mittelgebirge: Steinsdorf (Kamenec), rechts dahinter
der Kahle Berg (Holý vrch) und ganz rechts am
Horizont der Aussichtsturm des Hohen Schneebergs
(Děčínský Sněžník, Aufnahmeort)
Um mir einen Teil des morgendlichen Berufsverkehr auf der Hauptstraße nach Tetschen (Děčín) zu ersparen, hängte ich außerdem einen Abstecher in das Hochland jenseits des Eulautals bis nach München (Mnichov) an. Trotzdem erreichte ich die Elbe schon 8.30 Uhr.

Leider fand ich in Pirnas tschechischer Partnerstadt nicht den linkselbischen Zugang zur neu eingerichteten Elbquerung für Radfahrer, die unmittelbar neben der Bahnbrücke verläuft. Vom anderen Elbufer ist die Streckenführung vermutlich eindeutiger - da muß ich es wohl demnächst von dort aus erneut versuchen.

Nur knappe drei Stunden benötigte ich danach, bis ich wieder im Rollstuhl saß. Zum Schluß zogen zwar die Temperaturen (erwartungsgemäß) etwas an, doch selbst den letzten Anstieg, nämlich den 13%er durch Porschendorf (s. Track vom 22.06., km 83,4 - 84,3), kam ich noch vergleichsweise locker hoch. Diesmal vermied ich jedoch weitere Eskapaden zum Kilometersammeln.

Geduscht geht es nun tiefenentspannt in den Nachmittag.

21. Juni 2026

Kein kühler Fleck

Noch am vergangenen Montag kühles, windiges Wetter - doch spätestens freitags kam die große Hitze. Anstrengende, sportliche Aktivitäten in Tagesmitte sind daher momentan wirklich nicht empfehlenswert, und daran habe ich mich an den vergangenen Tagen gehalten. Für mich war die zu erwartende warme Sommernacht allerdings die Gelegenheit, um erneut im Freien zu übernachten. Solche Erlebnisse sind für mich recht selten möglich - bisher nur zweimal seit meinem Unfall, nämlich im Jahr 2023 mit meinen Sportfreunden Christiane und Lád'a und vor genau einem Jahr mit Jens, meinem Radlfreund aus dem Erzgebirge

Letzten Anstoß dazu gab das alljährlich Mitte Juni stattfindende Stadtfest in Pirna, bei dem auf dem Marktplatz direkt unter meinem Fenster die Hölle los ist. Dieses "infernalische Getöse" (Zitat Timur Vermes: "Er ist wieder da") bis weit nach Mitternacht und damit eine schlaflose Nacht wollte ich mir unbedingt ersparen, und so packte ich meinen Krempel. Outdoor-Luftmatratze, eine große Plasteplane (als Unterlage) sowie eine Fleecedecke konnte ich neben meinen sonstigen Radtourenutensilien inkl. zusätzlicher Hygieneartikel (Kathedersets) sowie meiner Verpflegung noch gut auf meinem Handbike verstauen. Freilich kalkulierte ich mein Essen und Trinken relativ knapp, ließ mir aber die Möglichkeit offen, nach der Nacht einen Zwischenstop in meiner Wohnung zum "Nachtanken" einzulegen. Für mich war wichtig, alles selbst - d.h. ohne fremde Hilfe - verpacken und benutzen zu können.

Kurz nach 18.00 Uhr startete ich am Freitag schließlich von Pirna. Die größte Hitze des Tages war inzwischen vorüber, deshalb fuhr ich zunächst noch eine Runde südlich der Elbe. Der Anstieg nach Cotta (s. Track vom 19.06., km 6,6 - 8,2) kostete mich dabei den meisten Schweiß, doch konnte ich danach im Bahretal wieder einigermaßen herunterkühlen. Auf dem Weg zu meinem Übernachtungsort, einer Schutzhütte im Schönfelder Hochland, überquerte ich schließlich die Elbe. Reichlich 3 km vor meinem Ziel ging die Sonne unter, doch blieb es bei klarem Himmel noch lange hell. So konnte ich mich dort ohne Eile gut einrichten.

Nächtlicher Blick in Richtung Pirna, gut zu
erkennen die Hochhäuser des Ortsteils Sonnenstein
(Aufnahmeort)
Meine größte Befürchtung, daß der Platz schon z.B. durch die Dorfjugend belegt ist, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil: ich war weit und breit der einzige Mensch - die perfekte Illusion von Abgeschiedenheit! Es wurde ein schöner Abend und eine besinnliche Nacht, ganz allein mit mir und meinen Gedanken. Doch sogar bis hierhin drang der Lärm von der Hauptbühne des Pirnaer Stadtfestes, obwohl es bis dahin mehr als sieben Kilometer Luftlinie waren. Gegen drei Uhr nachts herrschte endlich Stille.

Zu meinem 58. Geburtstag fuhr ich dann schon relativ zeitig wieder los. Ursprünglich hatte ich nur eine ebenso kurze Tour wie am Freitag vorgesehen, doch bald packte mich der Ehrgeiz. 100 km vor der großen Hitze waren vielleicht möglich, jedenfalls wollte ich es versuchen.

Bis kurz vor Bischofswerda, also bis 10.00 Uhr, ging meine Rechnung auch auf. Nur noch ein größerer Anstieg mit außerdem moderater Steigung erwartete mich danach, und so hoffte ich auf weiterhin gutes Vorankommen. Das allmähliche Heißlaufen konnte ich zudem durch unterdurchschnittlich viele Höhenmeter der Strecke einigermaßen kompensieren, denn insgesamt waren es bis Pirna aufgrund des höhergelegenen Schlafplatzes ja 250 Hm weniger bergauf als abwärts.

Trotzdem wurde es immer mühsamer. Außerdem machten sich nun bei Temperaturen erheblich über 30°C auch der Nahrungs- und Getränkemangel leistungsmindernd bemerkbar. Eine längere Freß- und Trinkpause in Polenz bewirkte ebenfalls keine fundamentale Verbesserung. Der letzte erwähnenswerte Aufschwinger hinter Porschendorf (s. Track vom 20.06., km 96,0 - 96,5) kam mir daher zum Schluß wie eine Steilrampe vor. Unglaubliche vier Zwischenstops mußte ich hier zum Verschnaufen einlegen - an einem Berg, den ich zwar nicht besonders mag, aber dennoch sonst immer flüssig durchfahre.

Ziemlich (von der Hitze) ausgelaugt, erreichte ich schließlich 14.00 Uhr mein Zuhause. Es dauerte eine geraume Weile, bis ich mich danach wieder in halbwegs akzeptabler körperlicher Verfassung befand. Trotz des erneuten Lärms vor meiner Wohnung bin ich abends dann gut eingeschlafen ...

16. Juni 2026

Dreimal kurz

In den vergangenen Tagen kam der April noch einmal zurück. Temperaturen unter 20°C und ein Flickenteppich von Niederschlagsgebieten überzogen das Land und machten das Handbiken zu einer Art Lotteriespiel. Jedenfalls dann, wenn man unterwegs nicht naß werden wollte.

Nicht nur wegen einer offenen Verletzung der Haut im Sitzbereich nahm ich mir also für's Wochenende nicht zuviel vor. Nachdem ich bereits am Freitag meine Nachmittagsrunde gestrichen hatte (bloß gut!), sah es anderntags auch nicht viel besser aus. Trotzdem wagte ich den Aufbruch, als die ersten Schauer durchgezogen waren. Wenigstens wollte ich meine Sportfreundin Christiane in der Bergwachthütte in Rathen besuchen, wo sie gerade mit anderen Ehrenamtlichen die Unfallbereitschaft für das Wochenende absicherte.

Von der Woche körperlich noch ausgeruht, rollte es gut voran, und vor dem Mittag hielt sich auch der Gegenwind noch in Grenzen. In Eschdorf mußte ich dann aber das erste Mal eine 45-minütige Pause im Unterstand einer Bushaltestelle einlegen, bis zur Abfahrt ins Elbtal kamen dann noch zwei weitere erzwungene Zwischenstops hinzu. Dafür blieb ich jedoch den ganzen Tag lang trocken. Nach der Kaffeetrinkerpause bei meinen Freunden in Rathen trudelte ich schließlich abends einigermaßen entspannt wieder zuhause ein. 

Auch für den Sonntag plante ich nur mit einer kurzen Strecke - für mich ist dies das Minimalprogramm mit knapp über 100 km. Diesmal war das Wetter zwar stabiler, allerdings blies der Westwind kräftiger als am Vortag. In meinem Navi befand sich noch eine Strecke, die ich mir mal als Feierabendtour zusammengestellt hatte. Die sollte es nun sein.

Oberhalb von Hartmannsbach, am Horizont ist in
Bildmitte die Burgruine von Frauenstein zu erahnen
(Aufnahmeort)
Doch schon beim Einrollen im flachen Gelände wurde ich erheblich vom Gegenwind ausgebremst, sodaß ich bereits frühzeitig meinem Virtual Partner hinterherfuhr. Zusätzlich erwies sich die gewählte Route als wesentlich anspruchsvoller, wie die Zusammenfassung der Daten auf dem Navi zunächst vermuten ließ. Vor allem der Anstieg unterhalb der Talsperre Lehnmühle aus dem Tal der Wilden Weißeritz überraschte mich ob seiner Steilheit (s. Track vom 14.06., km 61,0 - 62,3). Diesen Berg kannte ich bisher nur in der Gegenrichtung. Ich fuhr ihn trotzdem ohne Halt durch, und das kam mir ein paar Minuten danach zugute. Denn keinen Augenblick zu spät erreichte nach der langen Abfahrt durch Reichstädt erneut ein Buswartehäuschen, wo ich geschützt die nun folgende Sintflut recht komfortabel vorüberziehen lassen konnte. Das wäre sonst überhaupt nicht gut für mich ausgegangen!

In Hirschbach stand ich schließlich vor der Entscheidung, entweder nur noch bergab bzw. eben nachhause zu rollen - zum Schluß auf der Strecke der Anfahrt - oder aber auf der konfigurierten Strecke weitere Anstiege zu absolvieren. Im ersten Fall hätte ich wahrscheinlich meine Geschwindigkeitsvorgabe tatsächlich noch erreicht, doch sammelte ich an diesem Tag lieber Höhenmeter. So gesehen, war am Ende der Durchschnitt von 14,2 km/h bei 1450 Hm auf 104 km absolut akzeptabel.

Auch gestern zog es mich bei dicker Wolkendecke, kräftigen Wind und ca. 12°C überhaupt nicht nach draußen. Ich redete mir aber gut zu, indem ich lediglich zu einer konditionell anspruchslosen Trainingstour startete. Die flachen, aufgrund des Gegenwinds nervtötenden Kilometer auf dem Elberadweg bis Meißen hatte ich bis 11.00 Uhr abgehakt.

Danach wurde es zwar hügelig, doch mit dem Wind im Rücken nahm ich ordentlich Fahrt auf. Deshalb verlegte ich die Rückfahrt nach Pirna auch etwas weiter nördlich in offenes Gelände. Daß dabei einige Straßen relativ stark vom Kraftverkehr frequentiert waren, nahm ich in Kauf, zumal es unmittelbar daneben auch immer wieder gut ausgebaute Radwege gab. Erst in Eschdorf wählte ich den ruhigeren Umweg über Dürrröhrs- und Porschendorf nach Pirna (s. Track vom 15.06., km 99,8 - 110,0). Am Ende der dritten Tour in Folge ging es mir konditionell (nach dem zwischenzeitlichen, jedoch durchaus üblichen Hänger kurz vor dem letzten Viertel) immer noch recht passabel. Statt weiterer Abstecher freute ich mich dennoch auf das Trainingsende zur Kaffeetrinkerzeit.

In nächster Zukunft möchte ich mir nämlich gern mal wieder längere Touren zumuten.

9. Juni 2026

Neu entdeckt

Schon seit längerer Zeit wollte ich für einen neuen Wandervorschlag im Routenportal des Tourismusverbands Sächsische Schweiz das Walderlebniszentrum Leupoldishain erkunden. Ich kannte das Areal noch vor der umfassenden Erneuerung, doch seitdem hat sich dort viel getan. Außerdem bot es sich bei dieser Gelegenheit an, gleich noch den Zugang zur Waldbühne auf Rollitauglichkeit zu testen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals schon einmal dort gewesen zu sein.

Am Montag klappte es nun endlich. Mit Ute hatte ich mich dafür bei schönstem Wetter verabredet, Peggy war diesmal aber leider verhindert. Zuerst besuchten wir natürlich die Einrichtung des Sachsenforst. Auf überraschend kleiner Fläche ist dort ein wirklich sehenswertes und erlebnisreiches Ausflugsziel für die ganze Familie entstanden - ganz im Gegensatz zur Weitläufigkeit der Waldhusche in Hinterhermsdorf.

Die Vielfalt der Möglichkeiten zum aktiven Erleben, die sich vor allem durch die abwechslungsreiche Topologie (Wald, Dickicht, Wiese, Feuchtbiotop, Felsen) ergeben, hat mich wirklich sehr überrascht. Und das zentrale Gebäude ist einfach nur ein Schmuckstück, welches sich wunderbar in die Umgebung einfügt. Dazu gibt's noch den herrlichen Ausblick nach Nordosten über Festung Königstein, Lilienstein bis hin zum Pfaffenstein. Hier kann man durchaus auch länger verweilen.

In der Wildpretskammer (Aufnahmeort)
Nach unserem Besuch im Walderlebniszentrum wanderten wir schließlich zur Waldbühne Leupoldishain. Trotz des wegen Bauarbeiten derzeit gesperrten Hauptzugangs ab der Ortsmitte von Leupoldishain, war zumindest der untere Weg ab dem Ortsteil Nikolsdorf komfortabel mit dem Rolli befahrbar. Wir benutzten ihn für den Rückweg (s. Track vom 08.06., km 2,6 - 2,9). Auch der schmale Pfad darüber ließ sich im Rolli bewältigen, allerdings fühlte ich mich dabei in Begleitung von Ute wesentlich wohler. Bis zur Waldbühne mußten wir dann vom tiefsten Punkt des Weges noch einmal fast 40 Hm auf ca. 500 m bewältigen, weswegen ich davon ausgehe, daß man hier - so wie ich - im Rollstuhl Schiebeunterstützung benötigt, selbst auf der etwas längeren Strecke.

Nach dem schönen Picknick mit Erdbeertorte von Ute "arbeiteten" wir uns noch im weglosen Gelände bei leidlich gut berollbarem Untergrund bis zu einer Höhle am Ende von Bärs Grund vor, die sowohl unter Wildbretskammer als auch als Kleiner Kuhstall auf den Karten eingezeichnet ist. Romantisch in einem Felskessel gelegen, war das natürlich ein besonderer Höhepunkt der Tour.

Am zeitigen Nachmittag kehrten wir von unserem reichlich zweistündigen Spaziergang zurück.

8. Juni 2026

Momentum

Derzeit rollt es richtig gut - optimale Witterung und meine dazu passende Motivation macht's möglich.

Weil ich mich am Sonnabend nachmittags mit meiner Sportfreundin Christiane treffen wollte, verschob ich die ursprünglich geplante Tour ins Böhmische Mittelgebirge und peilte stattdessen wieder mal die Panoramastraße im Osterzgebirge an. Diese ist quasi meine unangefochtene Lieblingsstrecke in der Region, auch wenn sie mittlerweile zur besten Tageszeit durch Unmassen von Motorrad- und Autofahrern heimgesucht wird.

Jedenfalls nahm ich diesmal sogar noch den Abschnitt zwischen Nollendorf (Nakléřov) und Schönwald (Krásny Les) mit, der offensichtlich erst vor kurzem ganz neu asphaltiert wurde. Doch auch der Rest der Strecke bis Moldau (Moldava) ist hinsichtlich des Straßenbelags mittlerweile in einem tadellosen Zustand inklusive etlicher weiterer vor kurzem erneuerter Abschnitte. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß man diese Straße (s. Track vom 06.06., km 29,6 - 63,5) demnächst mal für ein (internationales) Radrennen ins Gespräch bringen will. Wert wäre sie es auf jeden Fall!

Zu früher Morgenstunde war es hier übrigens noch recht still, erst kurz vor Voitsdorf (Fojtovice) setzte allmählich der Kraftverkehr ein. Dafür teilte ich mir an diesem Tag etliche Kilometer der Straße durch das Böhmische Erzgebirge mit vielen weiteren Radsportlern, die am sogenannten "Erztaler" teilnahmen. Erst in Dippoldiswalde trennten sich endgültig unsere Wege, aber da lag auch für mich der anstrengendste Teil bereits hinter mir. Trotz der vielen Höhenmeter lag ich immer noch gut in der Zeit, dafür verging beim Schwof mit Christiane diese wie im Fluge. Zwei Stunden waren fast wie ein Augenblick.

Danach hatte ich keine Lust mehr auf Umwege und steuerte direkt mein Zuhause an. Kurz nach halb Fünf war der Tag für mich gelaufen.

Gestern wählte ich als Tourenziel den tschechischen Teil des Elbsandsteingbirges. Meine Sportfreundin erwähnte nämlich am Vortag, daß sie dort am Sonntag ab Dittersbach (Jetřichovice) gemeinsam mit ihrer Ältesten eine weitere Etappe des historischen Kammwegs wandern wollte. Vielleicht würde ich sie dort ja treffen, obwohl es nur wenige hundert Meter gab, wo wir uns den Weg teilten.

Erneut kam ich wieder überdurchschnittlich flott voran, denn die Anstrengungen des Vortages hatten bei mir keine Spuren hinterlassen. Selbst die 18%-Rampe von Rathen nach Waltersdorf (s. Track vom 07.06., 13,4 - 14,1) war ich diesmal zügig hochgeklettert. Solche immer wieder schön zu fahrenden Anstiege, wie die Straße von Herrnskretschen (Hřensko) nach Rainwiese (Mezní Louka, s. Track vom 06.06., km 31,0 - 36,0) bzw. weiter bis zum Hotel "Linde" in Hohen Leipa (Vysoká Lípa, s. Track vom 06.06., km 38,1 - 40,6) oder auch von Dittersbach in Richtung Schemmel (Všemily, s. Track vom 06.06., km 44,5 - 45,6), hielten mich dabei nicht sonderlich auf.

Am Klettergarten in Windisch Kamnitz (Aufnahmeort)
Tatsächlich geschah dann in Windisch Kamnitz (Srbská Kamenice) das Unglaubliche: Nahe des "Klettersteigs" (einer 10 m Steinbruchwand mit vier Drahtseilen und Eisenklammern) winkten mir beim Vorbeifahren plötzlich Christiane und ihre Tochter zu. Natürlich ging ich sofort auf die Eisen. Den Schwatz verband ich dabei mit der Bitte, daß doch meine Sportfreundin gleich noch ein Foto von mir schießen möge. Weil ich meist allein unterwegs bin, gibt es für derartige Bilder selten Möglichkeiten, und Selfies sind eigentlich fast immer suboptimal.

Nachdem sich unsere Wege wieder getrennt hatten - die beiden wanderten nun durch Schluchten und über Berge zurück nach Herrnskretschen - setzte ich meine Fahrt munter in Richtung Bensen (Benešov) im Tal des Polzen (Ploučnice) fort. Die Begegnung hatte mir zusätzlichen Schwung gegeben.

Die letzten reichlich sechzig Kilometer meiner Ausfahrt verliefen dann nur auf Standard- , will sagen: (für mich) langweiligen Strecken, die es mit dem Fleiß einer Ameise abzuarbeiten galt. Nur der Abstecher über Cunnersdorf zur Verbesserung der Höhenmeterbilanz lockerte die Fahrt etwas auf und ersparte mir für eine Weile all diese Gestalten mit Zweirädern, die bei dem herrlichen Sonntagswetter entlang der Elbe unterwegs sind.

Allerdings reichte es mir für dieses Mal, als ich schließlich am späten Nachmittag zuhause eintraf. Für das absolvierte Wochenendpensum geht das aber in Ordnung.

2. Juni 2026

Ruhe tut gut ...

Ursprünglich war gestern eine Rolliwanderung geplant, doch dann regnete es in der Nacht zuvor. Unter solchen Bedingungen wäre es im Wald also eine ziemliche Schlammschlacht geworden, außerdem hätte ich mich nur mit Ute als meine Begleiterin treffen können. Als am Morgen aber bereits alle Regengebiete durchgezogen waren, entschied ich dennoch für eine Tour. Mit dem Handbike durch weitestgehend offenes Gelände - das würde funktionieren, weil dort am ehesten der Untergrund abtrocknet.

Zu Füßen des Hutbergs liegt Kamenz (Aufnahmeort)
Mein Tagesziel sollte diesmal der Kamenzer Hutberg sein. Neben der Hutbergbühne gibt es dort einen schönen Rhododendron- und Azaleenpark, und nach meinem Ausflug im Jahr 2020 wollte ich mir die bunte Blütenpracht wieder mal anschauen. Leider kam ich jahreszeitlich zu spät - das war mir vorher gar nicht so bewußt. Dafür testete ich bergab eine mir noch unbekannte Strecke, die mich mit weiten Blicken übers Land belohnte.

Meine Tourenpause am Sonntag hatte sich übrigens ebenfalls bezahlt gemacht. Schon beim Anstieg aus dem Elbtal kurz nach dem Start konnte ich ordentlich Druck auf die Kurbel geben, ohne gleich außer Atem zu kommen. In der Folge blieb ich immer dicht dran an meinen Sollwerten, obwohl ich teilweise mehr als 200 Hm über der angestrebten 1%-Marke lag (d.h. z.B. 600 Hm auf 40 km). Natürlich spielte mir dabei ebenfalls das mit ca. 16 - 20°C angenehm kühle Wetter sowie der bedeckte Himmel in die Karten.

Jedenfalls bog ich während der Rückfahrt schließlich in Pulsnitz westwärts ab, um noch ein paar zusätzliche Kilometer zu schinden. Bei immer mehr Sonnenschein wurde es nun zwar wärmer, doch die meisten Anstiege lagen ja bereits hinter mir. Am Ende rollte ich auf dem Elberadweg ab Dresden mit Rückenwindunterstützung entspannt und erstaunlich unverbraucht zügig nachhause.

Die Schlappe vom vergangenen Sonnabend ist damit fast vergessen.

31. Mai 2026

Das Gefühl einer Zitrone

Ich fühle mich ausgepreßt wie eine Zitrone. Noch während meiner Feierabendrunde am Freitag war ich trotz etlicher Anstiege recht flüssig unterwegs, doch gestern bin ich leistungsmäßig eingebrochen, wie lange nicht mehr. Und das lag gewiß nicht ausschließlich an der Witterung sowie dem ruppigem Untergrund auf vielen Kilometern.

Meine Nachmittagstour am 29. Mai teilte ich mir in zwei Abschnitte. Der erste Teil führte mich ins südliche Elbsandsteingebirge, wo ich seit langer Zeit mal wieder die Forsttrasse über Ladeweg, Lampertsstraße und Sommerhübelweg (s. Track vom 29.05., km 22,9 - 30,9) gefahren bin. Die letzten 4,5 Kilometer verläuft diese Verbindung zwar nur noch auf nichtasphaltiertem Untergrund - doch bei moderater Steigung spielte das eine nicht ganz so große Rolle.

Auf dem Rückweg nach Pirna über Tyssa (Tisá) konnte ich bergab meinen Virtual Partner wieder einholen, und auch bei meiner Fahrt im zweiten Teilstück durch das Seidewitztal nach Liebstadt verlor ich nicht mehr übermäßig an Boden, sodaß ich am Ende in Dohna für ein paar zusätzliche Höhenmeter nochmal aus dem Müglitztal kletterte. Ganz offensichtlich liegen mir lange Anstiege mit moderater Steigung, kombiniert mit langen, gemäßigten Abfahrten.

Auch der Sonnabend begann eigentlich ganz gut. Der bedeckte Himmel bei Temperaturen um die 16°C war nahezu ideal für mich, auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, daß eine hohe Luftfeuchte den positiven Effekt schmälerte.

Diesmal nahm ich mir zunächst die Befahrung der Gelben Etappe des Rockheads - einer Gravelbike-Mehrtagestour durch das Elbsandsteingebirge und die Oberlausitz - vor, weil im Rahmen des Pirnaer Stadtradelns der Tourismusverband Sächsische Schweiz an diesem Tag zu einer gemeinsamen Tour eingeladen hatte. Ich bin bei solchen Veranstaltungen natürlich nicht so schnell wie "normale" Radfahrer und startete daher zwei Stunden früher.

Die Strecke dieser ersten Etappe verlief erstaunlich selten auf Schotterpisten (insgesamt nur 2,6 km), allerdings gab es auch dreimal holperiges Granitsteinpflaster sowie verwitterten alten Asphalt. Dennoch fiel mir der letzte Schotterabschnitt im Cunnersdorfer Forst auf der Langen Straße überdurchschnittlich schwer, vielleicht war ich ja noch vom Vortag kraftausdauermäßig etwas angeschlagen.

Als ich 11.30 Uhr endlich in Krippen das Elbtal erreichte, waren endlich alle nennenswerte Anstiege geschafft, doch dafür erwartete mich auf der Rückfahrt nach Westen kräftiger Gegenwind. Statt Erholung ging der Kampf also weiter. Fast zwei Stunden benötigte ich danach bis Pirna, wobei ich jedoch in Rathen zwischendurch an der geschlossenen Bahnschranke rund 10 Minuten warten mußte. Desweiteren war ein kurzer Abschnitt des Elberadwegs hinter Königstein wegen einer Baustelle gesperrt, die Radfahrer mußten dort auf der anderen Seite der Bahntrasse eine ziemlich abenteuerliche Umleitung inklusive Sandstein-Steilrampen zu Beginn und Ende benutzen (s. Track vom 30.05., km 46,4 - 46,8). Noch am Freitag hatten mich dort die Bauarbeiter freundlicherweise auf dem Radweg durchgelotst, doch diesmal wollte ich das ihnen und auch mir nicht erneut zumuten. - Die Teilnehmer der organisierten Rockhead-Tour haben mich übrigens nicht (mehr) eingeholt.

Auf dem zweiten Rundkurs des Tages ab Pirna über knapp 40 km und 320 Hm war ich dann im normalen Tempo unterwegs, da sich der flache Beginn bei starkem Gegenwind mit der bergigeren Strecke von Kreischa zurück zum Start einigermaßen ausglich. Bereits körperlich angeschlagen, gönnte ich mir zudem einen längeren Zwischenstop mit Freßpause, was mir sichtlich guttat.

Weiter Blick nach Osten. Rechts am Horizont sind die Tafelberge des Elbsandsteingebirges zu sehen, links davor die Hochhäuser von Pirna-Sonnenstein, während am linken Bildrand die Dresdner Elbtalweitung beginnt (Aufnahmeort).
Eine Überraschung lieferte dann die Tourenauswertung zuhause, denn es wurden beinahe astronomische Herzfrequenzwerte angezeigt. Tatsächlich scheint der Anzeige jedoch ein technisches Problem des Sensors zugrunde zu liegen, weswegen ich mich nach der ersten Aufregung wieder beruhigte. Letztlich sollte man wohl vor allem auf seine eigenen Körpersignale achten. Die deuteten aber diesmal ebenfalls in diese Richtung, wenn auch nicht ganz so drastisch.

Die heutige Ruhepause wird's hoffentlich richten ...

26. Mai 2026

Flach aber oho!

Für meinen nächsten Langen Kanten des Jahres 2026 hatte ich mir als Tagesziel den Collmberg bei Wernsdorf ausgesucht. Dort war ich bereits zweimal: Im Mai 2011 und im April 2020. Natürlich suchte ich mir dafür im westlichen und weiter entfernten Teil der Route Straßen und Radwege zusammen, die ich bisher noch nicht kannte. Auf der Karte sah diese Streckenführung absolut logisch aus.

Aufgrund der zu erwartenden Wärme verlegte ich meinen Start erneut in die späte Nacht. In den 1,5 Stunden bis Sonnenaufgang herrschten die für mich beinahe perfekten Bedingungen, sodaß ich ohne Schnappatmung Anstieg um Anstieg aneinanderreihen konnte. Beinahe stundenlang war ich der einzige Mensch im Gelände und genoß die Ruhe, in die sich bald das Vogelgezwitscher mischte.

Auf der Trasse der ehemaligen Schmalspurbahn
durch das Käbschütztal (Aufnahmeort)
Hinter Semmelsberg im Triebischtal erwartete mich endlich Neuland. Für den Weiterweg wechselte ich nämlich auf den Radwegtrassenradweg der ehemaligen Schmalspurbahn Wilsdruff–Döbeln-Gärtitz. Die Fahrt durch das Käbschütztal (s. Tack vom 25.05., km 58,9 - 64,3) war zwar stellenweise sehr romantisch, hielt mich wegen der Untergrundbeschaffenheit aber ziemlich auf. Danach wurde es wieder besser, doch dafür folgten nun unzählige kurze Anstiege und Abfahrten. Dieses Sägezahn-Streckenprofil zermürbte, zumal nun auch die Sonne ihre ganze Kraft zu entfalten begann.

Mit meiner Einstellung, im Flachland schnell und ohne Mühe voranzukommen, erlebte ich jedenfalls gründlich Schiffbruch. Auf den nach dem Verlassen der Bahntrasse folgenden rund 45 km Strecke bis kurz hinter Wermsdorf summierten sich mehr als 600 Hm, obwohl ich mich niemals höher als 230 m NHN befand! Erst 13.10 Uhr konnte ich schließlich zum finalen Sturm auf den Gipfel des Collmbergs ansetzen. Die Steigung der außer den ersten 400 m gepflasterten alte Straße überschritt dabei niemals 12%, trotzdem erzwang die Hitze drei Ruhepausen. Bloß gut, daß mich nur noch zwei nennenswerte Anstiege auf den letzten 90 km ausbremsten!

Am meisten ermüdete mich an diesem Tag schließlich die lange Fahrt auf dem Elberadweg von Zehren bis nach Pirna. Immerhin konnte ich hierbei einigen verlorenen Boden gutmachen, auch wenn es bis zum Ziel nicht für meine Wunschwerte reichte. Einige unwegsame Kilometer, das Streckenprofil des zweiten Viertels sowie die hochsommerlichen Temperaturen hatten das letztlich verhindert.

Ich kann mit diesem kleinen Schönheitsfehler leben.

24. Mai 2026

Stadt, Land, Fluß

Zwei weitere Touren sind in meiner aktuellen Stadtradel-Bilanz hinzugekommen. Die Feierabendrunde am Freitag nutzte ich dabei zur Bilddokumentation einer Strecke für das Tourenportal des Tourismusverbands Sächsische Schweiz im Internet. Und am Sonntag hatte ich mich mit Marvin von der Tretmühle verabredet.

Bevor ich am ersten Tourentag die Strecke ab Hinterhermsdorf hinab in Kirnitzschtal und zurück zur Straße unter die Räder nahm, bin ich natürlich noch ein paar zusätzliche Kilometer gefahren. Die Tage sind nun wieder so lang, daß ich selbst bei Halbtags-Mittelstrecken nicht mehr in die Dunkelheit komme. Als ich gegen viertel Fünf hinter der Gaststätte "Buchenparkhalle" in die Schotterstraße einbog, konnte ich mir deshalb viel Zeit für die bildliche Tourdokumentation lassen.

Auf dem Weg zur Niederen Schleuse im Kirnitzschtal
(Aufnahmeort)
Während der Belag der unasphaltierten Forststraße hinab ins Kirnitzschtal (s. Track vom 22.05., 52,2 - 57,2) meist frei von groben Gestein ist, weist der daran anschließende Teil der Strecke entlang des Flüßchens Kirnitzsch (s. Track vom 22.05., 57,2 - 63,3) neben zwei, drei kürzeren Asphaltstücken auch hunderte Meter lange Abschnitte auf, bei denen sich die Qualität des Untergrunds merklich verschlechtert hat. Noch vor ein paar Jahren bedeckte hier eine fein geschlämmte Mineralstoffdecke den Schotter, doch inzwischen wurde diese nahezu vollständig weggewaschen. Für mich bedeutete es, wegen meiner schmalen Reifen rund 10 km nur mit halber Kraft fahren zu können, um nicht eine Panne zu riskieren. Die Schönheit dieses romantischen Flußtals in der Hinteren Sächsischen Schweiz hat eben ihren Preis. Übrigens: Trotz der fortgeschrittenen Tageszeit, trotz der relativen Abgelegenheit begegneten mir gerade auf dieser als Radroute im Nationalpark ausgewiesenen Trasse eine ganze Menge Zweiradfahrer. Das hat mich überrascht, denn sonst war ich hier oft ganz allein unterwegs.

Nachdem ich wieder auf die asphaltierte öffentliche Straße gewechselt war, holte ich auf dem Heimweg meine Bummelei auf, sodaß ich schließlich 19.30 Uhr zuhause ankam. Eine schöne Einstimmung auf's Wochenende!

Gestern schließlich fuhr ich auf Umwegen nach Radebeul. Marvin vom dortigen Fahrradspezialgeschäft hatte mir angeboten, doch mal ein Handbike von Hase zu testen. Sein Arbeitgeber war es nämlich auch, der die Selbsthilfegruppe integrativ-aktiv am Sonnabend nach Himmelfahrt bei unserem gemeinsamen Ausflug in die Schrammsteine mit Leihrädern unterstützte. Obwohl die Handbikes von Hase grundsätzlich mit Elektromotor ausgestattet sind und daher für mich als Fortbewegungsmittel nicht infrage kommen, stand ich dennoch einer Testfahrt offen gegenüber - bot es doch die Möglichkeit, die ganz realen Auswirkungen einer Motorunterstützung beim Handbiken unmittelbar zu erleben. Bisher fußte meine Ablehnung von Mofas als Sportgerät immer nur auf Beobachtungen ...

Leider gab es ein Malheur bei der Anpassung des Handbikes auf meine Körpermaße, weshalb dieser Test am Ende doch nicht stattfinden konnte. Aber dann wird es eben später einmal, das ist jedenfalls ausgemacht. Außerdem habe ich angeboten, die Leute von Hase auch mit ganz praktischen Tips aufgrund meiner langen Handbikerlaufbahn zu unterstützen. Vielleicht ergeben sich dabei ja auch neue Querverbindungen, das jedenfalls würde ich ausdrücklich begrüßen.

Auf dem Rückweg nach Pirna wurde es danach am frühen Nachmittag teilweise richtig heiß. Das sind schon wieder die Temperaturen, bei denen ich leide. Zum Glück hatte ich bereits zwei Drittel der Strecke und der gewünschten Höhenmeter absolviert und konnte nun ohne Extravaganzen abseits des sicherlich bei diesem Sommerwetter stark frequentierten Elberadwegs heimfahren.

Zuhause wartete bereits eine eiskalte Cola auf mich.

19. Mai 2026

Einsame Höhen

Während meiner notwendigen Tourenpause am Sonntag entstand spontan die Idee für einen weiteren Langen Kanten. Solche Langstrecken sind für mich nur machbar, wenn ich zuvor gefaulenzt habe. Dann bin ich nicht nur ausgeruht, sondern kann auch ausgeschlafen zeitiger als sonst starten.

Am Montag fuhr ich endlich hinauf bis zum Kamm des Osterzgebirges. In diesem Jahr war ich im Handbike dort überhaupt noch nicht - zu kalt, zu windig, zu wechselhaft. Dabei mag ich diese Landschaft sehr! Doch allein die lange Anfahrt aus dem Elbtal mit vielen Höhenmetern selbst auf der "billigsten" Wegstrecke - dem Müglitztal - läßt solche Unternehmungen nur sinnvoll erscheinen, wenn eine längere Tour geplant ist. Am ersten Scheitelpunkt meiner Ausfahrt kurz hinter Böhmisch Zinnwald (Cínovec) standen nach knapp 50 km jedenfalls schon 800 Hm in der Streckenbilanz - und dabei hatte ich sogar die Abkürzung mit dem üblichen Einfahr"buckel" über Zehista und Köttewitz bzw. alternativ bis kurz vor Großsedlitz ausgelassen, um mich zu schonen.

Einsame Osterzgebirgskammstraße nahe der
Wüstung Ullersdorf (Oldříš) (Aufnahmeort)
Nach meinem Start gegen 4.00 Uhr morgens erreichte ich die Wittichbaude (Vitiška) an der Kammstraße kurz nach halb Neun. Um diese Zeit, noch dazu an einem Wochentag, war ich hier ganz allein. Das genau hatte ich auch beabsichtigt. An Wochenenden ist bei freundlichem Wetter auf diesen schmalen und oft verwitterten Sträßchen, die entlang des Erzgebirgskamms von Peterswald (Petrovice) im Osten ins zentrale Erzgebirge (im Westen) führen, nämlich oft der Teufel los. Vor allem Motoristen, darunter ganze Rudel von Zweiradfahrern, vergraulen mir mit ihrem Lärm und gehäuftem Auftreten die Freude. Diese Leute werden auf ihren Fahrzeugen nie den wahren Zauber dieser Landschaft erleben, der aus der Weitläufigkeit und der stillen Melancholie der von den Deutschböhmen verlassenen Siedlungsgebiete entsteht. Zuletzt war ich im Gebiet zwischen Holzhau, Neustadt im Erzgebirge (Nové Město) und Langewiese (Dlouhá Louka) übrigens mit Freunden im Februar 2026 auf Skiern unterwegs, denn es ist auch ein wunderschönes Winterland.

Erst in Deutschneudorf wechselte ich wieder auf die deutsche Seite, folgte jedoch weiterhin dem Tal der Schweidnitz westwärts. Überhaupt nutzte ich während meiner gestrigen Tour meist Täler zum Vorwärtskommen. Aufwärts im wesentlichen das Müglitztal, auf dem Rückweg die Täler der Schweinitz, der Flöha sowie der Freiberger Mulde. Auch dabei stand die Absicht im Vordergrund, sich "unnötige" Anstiege zu ersparen. Die Fahrt durch die häufig windungsreichen Flußtäler verlief dabei sehr abwechslungsreich, wie ich erfreut feststellte.

Erst ab Freiburg wurde es bis zur endgültigen Abfahrt ins Elbtal nach Dresden mühsam. Die vielen kleinen Anstiege und Abfahrten strengten mich mehr an, als es das Streckenprofil vermuten ließ. Dementsprechend langsam kam ich auf diesen 35 km voran. Zum Glück konnte ich mit schneller Fahrt auf dem Elberadweg meinen Durchhänger anschließend wieder ausbügeln. Dort mußte ich meinen Weg am Abend nur noch mit zahlreichen Feierabendpiloten teilen, bevor ich am Ende den nächsten 200er der Saison abrechnen konnte.

Das war wieder ein perfekter Tourentag mit für mich optimaler Witterung!

17. Mai 2026

Halbe Tage voller Aktion

Es muß nicht immer ein ganzer Tag in Bewegung sein. Seit einigen Jahren hat sich bei mir deshalb auch die freitägliche Feierabendrunde im Handbike etabliert. An diesem Tag arbeite ich von zuhause aus und kann aufgrund flexibler Arbeitszeitgestaltung auch schon mittags die Arbeitswoche beenden. Innerhalb weniger Minuten bin ich danach startklar.

Die Festung Königstein ist von allen Seiten eine
eindrucksvolle Erscheinung (Aufnahmeort)
Vorgestern habe ich dabei nur mein Minimalprogramm abgespult, was allerdings bedeutete, mir neben etlichen "schnellen" Strecken eine Steilrampe sowie einen Anstieg über rund 230 Hm am Stück vorzunehmen. Erstere ist der Anstieg von Pötzscha nach Naundorf (s. Track vom 15.05., km 8,1 - 9,5) sowie die daran anschließende 12% steile Pflasterstraße im Ort (s. Track vom 15.05., km 9,8 - 10,0). Diese Auffahrt gehört zu jedenfalls zu den Strecken, um die ich lieber einen Bogen mache, wobei ich mir hin und wieder gerade solche Abschnitte bei kurzen Trainingstouren zur (mentalen) Abhärtung verordne.

Die zweite größere Herausforderung war natürlich die Auffahrt durch den Tiefen Grund in Richtung Hohnstein (s. Track vom 15.05., km 40,3 - 45,6). Hier verhält es sich ein bißchen anders, weil ich diesen Berg aufgrund seines abwechslungsreichen Steigungsprofils eigentlich ganz gerne fahre. 12% werde nur auf einem relativ kurzen Stück erreicht, und auch erst, wenn man sich an den ersten Aufschwüngen eingefahren hat. Außerdem gibt es immer wieder Flachstücke, die sich - je nach tagesaktueller körperlicher Verfassung - entweder zum Beschleunigen oder zum Durchatmen eignen.

Da sich inzwischen dunkle Wolken mit Regenfahnen näherten, holte ich vor Neustadt schließlich etwas weiter ostwärts aus. Tatsächlich gelang es mir, bei diesem wechselhaften Wetter bis zum Schluß trocken zu bleiben und meine Tour wie geplant zu beenden.

Sonnabends stand dann wieder eine gemeinsame Ausfahrt mit den sportlich Interessierten der Dresdner Selbsthilfegruppe "integrativ-aktiv" an, während eine weitere Gruppe derweil wesentlich entspannter in Bad Schandau unterwegs war. Nachdem wir im Vorjahr auf Rädern gemeinsam eine recht anspruchsvolle Runde auf der anderen Elbseite ab Reinhardtsdorf-Schöna bewältigt hatten, wollten wir uns diesmal auf der Wildwiese die Schrammsteine von der entgegengesetzten Seite anschauen. Als Start- und Zielpunkt der Tour diente Königstein, wo nach der Rückkehr gemeinsames Grillen angesagt war (s. Track vom 16.05., km 39,9 -66,8).

Fast alle Teilnehmer mit Handicap benutzten Fahrzeuge mit zusätzlicher Elektrounterstützung. Prinzipiell bin ich zwar gegen solche Gefährte, wenn sie als Sportgeräte dienen sollen. In diesem Fall stand jedoch eher das Erleben im Vordergrund, weswegen ich ganz gut damit leben konnte. Zudem muß ich faierweise eingestehen, daß für die meisten Betroffenen eine solche Strecke gar nicht ohne zusätzliche Kraftunterstützung möglich gewesen wäre. Interessant war für mich vor allem, wie bzw. ob der Fahrer des Adaktivhandbikes auf den etwas steileren Abschnitten des Wenzelwegs ohne Hilfe klarkommt (s. Track vom 16.05., km 50,9 - 51,1). Dabei stellte sich heraus, daß Benutzer eines solchen Handbikes dort tatsächlich einen Begleiter zum Schieben benötigen. In der Gegenrichtung, also bei der Auffahrt über den Nassen Grund, dürfte es übrigens auf dem letzten Teilstück genauso sein.

Ich bin natürlich zum Treffpunkt auch schon mit dem Rad gekommen. Davor sammelte ich noch ein paar Kilometer und Höhenmeter, den fehlenden Rest zur gewünschten Gesamtbilanz beglich ich auf der Heimfahrt. An diesem Tag war ich insgesamt ebenfalls nur 7 Stunden sportlich aktiv, die übrige Zeit verging beim Grillen sowie den zahlreichen kleineren und größeren Pausen des doch erfreulich großen Radfahrerpulks der Dresdner Selbsthilfegruppe.

15. Mai 2026

Moderne Zeiten

Wegen des wechselhaften Wetters hatte ich mir für den Feiertag zu Himmelfahrt nur eine kurze Tour vorgenommen. Unschlüssig, wohin es gehen sollte, kreuzte ich zunächst im Osterzgebirgsvorland. Da der Wind immer mehr aus SW auffrischte, entschied ich mich dabei für die altbewährte Taktik: in den Tälern geschützt südwärts, mit Rückenwind dann aber auf den Höhen bzw. im freien Gelände zurück.

Das Fledermausquartier mit "Kristallkuppel" im
Bahretal (Aufnahmeort)
Gleich zu Beginn gab es eine Überraschung. In einem meiner Lieblingstäler "ziert" jetzt den historischen Kalkofen eine Glaskuppel. Die Bausubstanz dieses Gebäudes wurde vor einigen Jahren gesichert und als Fledermausquartier bereitgestellt, sodaß ein Betreten des Inneren durch Besucher danach nicht mehr möglich war. Nun frage ich mich, was der Zweck dieser neuen Konstruktion ist und wie diese genutzt werden soll. Ist es nur ein Präsentations- /  Werbeobjekt für die Pirnaer Firma, die sich offenbar auf die Errichtung solcher Bauten spezialisiert hat? Denn direkt zugänglich dürfte dieser Aufbau aus Naturschutzgründen nicht sein - oder etwa doch? Mir erscheint das alles etwas mysteriös, denn offensichtlich muß es ja dafür vorher eine  behördliche Genehmigung gegeben haben.

Nach meiner Höhenmetersammelei im Süden mit einigen schönen Ausblicken in die Sächsische Schweiz und bis nach Dresden fuhr ich schließlich über das Lockwitztal in die Landeshauptstadt. Dort kamen mir erstaunlicherweise viele Radsportler, auch in Gruppen, entgegen. Das waren ein paar zuviel, um reiner Zufall zu sein. Nach meiner Rückkehr recherchierte ich deshalb mittels Flyby-Funktion von Strava. Es stellte sich heraus, daß es Teilnehmer der "Internationalen Touristischen Friedensfahrt" waren, welche über dieses verlängerte Wochenende gerade stattfindet. Eine schöne Idee!

Die letzten Tourenkilometer des Tages absolvierte ich schließlich auf der anderen Elbseite. Der Anstieg über die Grundstraße war diesmal mit Windunterstützung noch entspannter zu fahren, und danach kam nichts mehr, was mir den Schweiß auf die Stirn hätte treiben können. Kurz vor dem Ende näherten sich mir endlich auch mal dunkle Wolken mit einem kräftigen Regenschauer, doch schaffte ich es rechtzeitig nachhause.

Der Nachmittag brachte noch einiges an Naß, was mich allerdings nicht mehr kümmerte. Denn ich hatte bereits mein Programm im Trockenen absolviert.

11. Mai 2026

Volle Fahrt voraus!

Derzeit rollt's gut! Obwohl ich freitags keine Meinung zu einer Feierabendtour hatte, kamen doch über's Wochenende mehr als 300 km Strecke mit dem Handbike zusammen.

Ohne sportliche Aktivität am Vortag, war ich sonnabends sehr früh munter und startete bereits in der Nacht gegen 4.00 Uhr. Mit diesem zeitlichen Vorlauf konnte ich mir natürlich wieder eine größere Unternehmung leisten. Die Tour dafür stand bereits fest. Es sollte ins Lausitzer Gebirge gehen, an dessen Ausläufern sich ebenfalls mehrere Sandstein(kletter)gebiete befinden. Bekannt sind auf deutscher Seite die Felsen rund um Oybin als Zittauer Gebirge, in der tschechischen Republik die Bürgsteiner Schweiz (Sloupské skály) sowie weitere Sandsteintäler südlich und östlich von Zwickau in Böhmen (Cvikov).

Für die Anfahrt wählte ich eine gemäßigte Routenvariante, die den Hohwald zwischen Neustadt in Sachsen und Steinigtwolmsdof umgeht. Hinter Schluckenau (Šluknov) warteten jedoch einige längere Anstiege auf mich, sodaß am Toristengrenzübergang oberhalb von Waltersdorf nach knapp 90 km bereits 1350 Hm in der Bilanz standen. Dort war ich übrigens noch nie, weil die Straße an der Grenze endet. Die daran anschließende Schotterpiste (s. Track vom 09.05., km 87,4 - 88,0) ließ sich jedoch im Schrittempo leidlich gut befahren, und aufgrund des relativ geringen Gefälles dürfte sie sogar auch in Gegenrichtung mit dem Handbike zu bewältigen sein. Nach diesen 600 m folgte bis Nieder Lichtenwalde (Dolní Světlá) ein alter Betonplattenweg, den ich wegen einiger großer Absätze aber fast genauso vorsichtig befuhr.

Die Wüste Kirche (Pustý kostel) nahe Zwitte ist mit
Hilfe durch Begleiter sehr wahrscheinlich auch im
Rollstuhl zugänglich, s. dazu auch hier (Aufnahmeort)
Bis Böhmisch Leipa (Česká Lípa) führte die Strecke nun im wesentlichen bergab, doch leider wurde es gerade während der ersten rund zwanzig Kilometer auf alten, verwitterten Straßen - die eher Schlaglochpisten glichen - ein arges Geholpere mit vielem Bremsen statt hohem Tempo. Immerhin hatte dieser Teil der Tour landschaftlich und historisch einiges zu bieten. Besonders im malerischen Wellnitztal (Velenické údolí) gab es viel zu entdecken, u.a. die sogenannten Wüsten Kirchen (Pusté kostely), welche durch die Schleifsandgewinnung künstlich entstanden. Hier gibt es dazu einige sehr interessante Ausführungen.

Weil ich gut in der Zeit lag, wählte ich ab Böhmisch Leipa die bergigere Alternative über Tiefendorf (Bořetín) bevor ich in Straußnitz (Stružnice) schließlich endgültig ins Tal des Polzen (Ploučnice) wechselte. Vor Franzenthal-Ulgersdorf (Františkov nad Ploučnicí) mündete meine Fahrt dann in die Strecke meiner bereits vor drei Wochen absolvierten Tour ins Böhmische Mittelgebirge.

Für die letzten knapp 60 km benötigte ich noch 3,5 Stunden, über die es nichts nennenswertes zu berichten gibt. 18.45 Uhr kam ich zuhause an, froh darüber, so zeitig losgefahren zu sein. Denn dadurch mußte ich den ganzen Tag über nicht irgendeinem eng getakteten Zeitplan hinterherhecheln, sondern hatte genügend Zeit für alle diese kleinen Entdeckungen am Wegesrand. Die bedeuten mir nämlich mindestens genauso viel, wie die körperliche Leistung.

Normalerweise hätte ich nun einen Ruhetag eingelegt, doch am Montag - dem nächsten möglichen Tourentag - drohte schlechtes Wetter. (Tatsächlich ist gerade ein großen Regengebiet durchgezogen, während ich schreibe.) Deshalb absolvierte ich am Sonntag gleich noch eine weitere Ausfahrt.

Abgestimmt auf die vorangegangene kraftraubende Aktion wollte ich damit aber keine Bäume rausreißen. Wieviel ich mir (noch) zumuten konnte, würde sich ganz ohne eigene Vorgaben unterwegs zeigen. Nach dem Warmfahren - länger als sonst üblich - bewältigte ich jedoch den größten Anstieg des Tages durch den Helfenberger Grund erstaunlich locker und ohne an körperliche Grenzen zu stoßen. Möglicherweise wirkt eben immer noch das Höhen- und Kraftausdauertraining meines Alpenurlaubs nach.

Auch im weiteren Tourenverlauf kam ich eigentlich nur ein einziges Mal etwas außer Atem, und das war ironischerweise exakt am Anstieg zum Scheitelpunkt meiner Ausfahrt im Waldgebiet rund um den Hochstein vor Rammenau. Freilich ersparte ich mir weitere größere Anstiege. Statt über Großdrebnitz zu fahren, bog ich in Goldbach lieber westlich nach Großharthau ab. Parallel zur Bundesstraße B6 gibt es hier seit vergangenem Jahr einen perfekt ausgebauten Radweg, der damit diesen sonst ziemlich gefährliche Straßenabschnitt entschärft (s. Track vom 10.05., km 72,1 - 74,8). Nur die 500 m vom Abzweig nach Bühlau in Richtung Schmiedefeld (s. Track vom 10.05., km 77,1 - 77,6), auf denen die Straße (im Hinblick auf Gegenverkehr) unübersichtlich über eine Hügelkuppe führt, bleiben heikel.

Die verbleibende Strecke summierte sich danach nur noch auf das gewünschte Streckensoll von 100 km, und eigentlich hätte ich das Minizackel am Ortsausgang von Helmsdorf gar nicht mehr machen müssen. Aber den Wesenitzradweg nach Dürrröhrsdorf benutze ich so oft, da wollte ich auch mal wieder die geringfügig längere Variante benutzen.

Als ich zur Kaffeetrinkerzeit wieder auf den Rollstuhl umstieg, lag der ganze Nachmittag noch vor mir.

8. Mai 2026

Tourenbilder von Südtirol

Auf dem Vinschgau Radweg (Aufnahmeort)
Nun habe ich es geschafft, meine während des Frühjahrsurlaubs im Vinschgau fotografierten Erinnerungen aufzubereiten und die aussagekräftigsten davon für eine Veröffentlichung auszuwählen. In Verbindung mit einem kurzen Text als zusammenfassender Überblick ist daraus ein Beitrag auf meiner Facebook-Seite entstanden.

Mögen die kommentierten Aufnahmen - gemeinsam mit den entsprechenden Artikeln in diesem Blog - anderen Interessierten Inspiration für eigene Aktionen in einer Region sein, die auf jeden Fall eine Reise wert ist. Die beste Zeit dafür ist sicherlich das späte Frühjahr.

5. Mai 2026

Dabei ab Zwei...hundert

Als ich am Sonntag einen Ruhetag einlegen mußte, eröffnete sich dadurch die Gelegenheit für einen angemessenen Schlußpunkt meiner arbeitsfreien Zeit. Auf der Sonnabendrunde hatte sich bereits bestätigt, daß meine körperliche Belastung in alpinen Höhen - zumindest für ein paar Tage - eine Leistungssteigerung bewirkten. Vor der längeren Ruhepause während der kommenden Arbeitswoche wollte ich das gleich noch einmal ausnutzen.

Einzig die Frage, ob dieser eine Tag Regeneration ausreichte, um erneut eine überdurchschnittliche Leistung abrufen zu können, blieb unbeantwortet. Deshalb entschied ich mich für einen Langen Kanten mit eher flachem Streckenprofil sowie einer längeren Warmfahrphase. Am Anstieg von Stadt nach Dorf Wehlen klärte sich diese letzte Frage. Nach anfänglichem Zug in den Armen, kam ich immer besser in Schwung, sodaß ich ziemlich flott diese 130 Hm bewältigte. Bereits vor Neustadt i. Sa. überholte ich meinen Virtual Partner, der sich mit 15,2 km/h bewegt.

Bis Bautzen fuhr ich durch weitestgehend bekanntes Gelände, fand diesmal jedoch eine interessante Streckenalternative bei der Anfahrt auf diese 1000jährige Stadt. Nach 70 km lagen nun auch die größten Anstiege hinter mir, sofern man angesichts der unlängst überwundenen Höhenunterschiede überhaupt davon reden kann. Jedenfalls erfüllte ich bis dahin immer noch meine 1%-Strecke:Höhenmeter-Bilanz (700 Hm auf 70 km).

In der Niederlausitz wurde es schließlich wirklich flach. Die Tour verlief nun auf sehr verkehrsarmen Straßen und erstaunlich abwechslungsreich durch viel Wald. Bis nördlich von Kamenz verlief alles nach Plan, wo ich trotz Navi an einem großen Kreisverkehr in die falsche Straße abbog. Die Gegend war mir jedoch bislang völlig unbekannt, deshalb blieb ich dabei und fuhr weiter.

Letztlich mußte ich deswegen ab Schmorkau für einige Kilometer die stark befahrene Bundesstraße B97 für die Rückkehr zur Originalroute nutzen und blieb auch nicht von der üblen Pflasterstrecke bis nach Königsbrück (s. Track vom 04.05., km 135,6 - 137,9) verschont, doch blieben die Autofahrer (inkl. großer LKW) diesmal bzgl. meiner Anwesenheit erstaunlich locker. Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens die Tatsache, daß mich nach meiner Erinnerung bisher NIE einer der LKW-Fahrer böse angehupt hat, obwohl ich für deren Fahrzeuge (u.a. mit Hängern) beim Überholen immer ein wesentlich schwieriger zu passierendes Hindernis darstelle. Vielleicht trägt dazu ebenfalls mein kooperativer Fahrstil bei, d.h. Fahren - soweit möglich bzw. teilweise - rechts des Randstreifens, verbunden mit Durchwinken, sowie notfalls auch Zwischenstop abseits der Fahrbahn, um besonders große Fahrzeuge vorbeizulassen.

Ab Königsbrück befand ich mich dann wieder auf öfter genutzten Straßen. Den letzten reichlich 60 km  Stecke kam dabei die Rolle des undankbaren langen Endes zu, wobei ich bis hinter Moritzburg zunehmend mit Gegenwind zu tun hatte. Ansonsten gab es witterungsmäßig an diesem Tag aber überhaupt nichts zu beklagen! Perfekte Temperaturen und dafür nicht so viel Sonne (die hätte zusätzlich eingeheizt) ermöglichten mir in Verbindung mit den langen Flachstrecken ein lang nicht mehr erreichtes Durchschnittstempo.

Trotzdem war ich froh, wenige Minuten vor 19.00 Uhr nach ca. 13 Stunden zuhause im Hof einzurollen. Viel früher, als geplant!

3. Mai 2026

Von groß zu klein

Nach der Heimreise am Maifeiertag bin ich gleich gestern das erste Mal wieder in heimischen Gefilden mit dem Handbike auf Achse gewesen.

Die Verschiebung der Dimensionen - dort lange Anstiege mit vielen Höhenmetern, dafür jedoch kurze Strecken - hier viele kleinere Anstiege, welche jedoch längere Touren ermöglichen - bewirkte natürlich auch eine Verbesserung der Statistik. Außerdem kenne ich zuhause das Straßennetz aus dem Effeff und kann mir daher die Route respektive Anstiege entsprechend meiner tagaktuellen Leistungsfähigkeit zusammenstellen.

Wie auf meiner letzten Tour vor dem Urlaub fuhr ich zunächst ins Osterzgebirge. Ich wollte testen, inwieweit mein Aufenthalt der vergangenen Tage in größeren Höhen Auswirkungen auf meine körperliche Belastbarkeit hatte. Tatsächlich gab es eindeutige Anzeichen dafür, von "Außer-Atem-Kommen" keine Spur! Allerdings wirkte noch die muskuläre Ermüdung der Oberarme nach, die diesen Effekt minderte. Zur vollständigen Regeneration benötige ich unbedingt eine mehrtägige Ruhepause!

Frühling im Osterzgebirge, hier der Blick vom
Radrundweg Liebenau über das Müglitztal nach
Lauenstein (Aufnahmeort)
Während sich im Elbtal die Wochenendradler in Scharen tummelten und mir auch im südlichen Elbsandsteingebirge etliche ambitionierte Radsportler begegneten, genoß ich die Einsamkeit auf dem Radrundweg um Liebenau, dessen höchster Punkt mit 645 m NHN auch der Scheitelpunkt meiner Sonnabendrunde war. Auf dieser wunderschönen, asphaltierten Trasse weit abseits öffentlicher Straßen (s. Track vom 02.05., km 36,3 - 43,0) treffe ich auch sonst nur selten andere Zweiradfahrer, und selbst Mofapiloten schaffen es oftmals nicht bis hierher. Diesen Radrundweg bin ich übrigens schon komplett abgefahren, nämlich während meiner Ausfahrt vom 26.05.2023. Im Track dieser Tour umfaßt dieser dabei den Teilabschnitt von Kilometer 28,3 bis 40,3, also insgesamt 12 km.

Weil ich immer noch ganz gut vorankam, erweiterte ich schließlich mein Programm nach der ersten langen Abfahrt noch um den nächsten Anstieg bis Raum und danach zudem um die knapp 130 Hm bergauf bis zur Hochfläche nach Cunnersdorf. Spätestens auf dem Elberadweg war es dann aber vorbei mit der Einsamkeit, doch benötigte ich für dieses letzte Stück nur noch etwas mehr als eine Stunde.

Dafür verzichte ich heute trotz Sonntagswetters lieber auf Sport.

30. April 2026

Zwei Gesichter

Bei all der Sonne in den vergangenen Tagen konnte ich mir hier im Urlaub gar nicht so richtig schlechtes Wetter vorstellen. Ich bekam Nachhilfe ...

Nachdem es am Ruhetag nach meiner Matschertal-Tour tagsüber bedeckt war und schließlich abends die ersten Niederschläge fielen, wurde die Nacht zum Mittwoch noch nässer. Bis weit in den Vormittag des 29.04. regnete es relativ kräftig. Allerdings schien sich das Regengebiet nach Süden zu verziehen, und kurz vor dem Mittag nieselte es nur noch leicht.

Einen weiteren Tag ohne sportliche Aktivität wollte ich mir aber nicht leisten. Auch hatte ich bereits einen Alternativplan zusammengestellt, der selbst bei suboptimaler Witterung funktionieren sollte. Also fuhr ich los. Leider hörte der leichte Niesel nicht wie erwartet auf, sondern verstärkte sich im Gegenteil noch. Trotzdem blieb ich hartnäckig. Der bedeckte Himmel und etwas kühlere Temperaturen ließen mich wenigstens nicht heißlaufen, außerdem war ich gut erholt nach dem sportfreien Vortag.

Das Dorf in den Wolken (Aufnahmeort)
Den rund 3 km langen Schlußanstieg von der Ofenpaßstraße zum Weiler Craistas absolvierte ich daher ohne Zwischenrast, obwohl sich das schmale, gewundene Sträßchen meist recht steil in den Himmel reckte. Das konnte man beinahe wörtlich nehmen, denn zum Schluß fuhr ich durch Wolken, die sich aufgrund der Feuchtigkeit in dieser Höhe bildeten.

Kurz nach dem Scheitelpunkt wurde es immer ungemütlicher. Ich hatte das Elend auf dem Regenradar schon kommen sehen, wußte deshalb aber auch, daß Warten auf Wetterbesserung sinnlos war. So rollte ich bei einsetzendem Landregen stoisch bergab, umso mehr darauf bedacht, nicht in Hektik zu verfallen. Auf dieser einsamen Straße - unterwegs traf ich nur einmal ein Auto und danach zwei Wanderer - durfte mir nichts Übles (wie z.B. eine Reifenpanne) passieren!

Als ich Sta. Maria im Val Müstair erreichte, atmete ich erstmal auf. Der Hauptstraße folgend, rollte ich danach weiter talwärts - nur eben nicht so schnell, wie eigentlich möglich. Das Fahren im Wasserschleier wäre sonst noch unangenehmer geworden, ich hatte sowie keinen trockenen Faden mehr am Leib und fror. Wahrscheinlich gab ich inzwischen auch ein ziemlich erbarmungswürdiges Bild ab. Der italienische Grenzer winkte mich jedenfalls ohne großes Federlesen durch, als ich mich suchend nach einem Beamten umsah.

Rund eine dreiviertel Stunde mußte ich noch durchhalten, bis ich wieder im Quartier ankam. Die Nachbereitung dauerte dann zwar seine Zeit, weil ich die tropfnassen Sachen sofort wechseln und mich auch um mein Gefährt kümmern mußte. Aber da sah ich wenigstens schon den Silberstreif am Horizont. Am Abend klarte es auf, sogar die Sonne ließ sich noch einmal blicken. Um die Fahrt durch den Regen wäre ich deshalb jedoch nicht herumgekommen.

Heute folgte die Fortsetzung der ersten vier Tourentage: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen über den ganzen Tag. Es erwies sich daher im Nachhinein als die richtige Entscheidung, gestern meinen Ausflug nach Sulden zu verschieben. Nicht nur wegen des Streckenprofils, sondern eben auch aufgrund der grandiosen Ausblicke auf die hohen Berge, welche mir sonst vorenthalten geblieben wären.

Dabei hatte die gestrige Regentour konditionell (und gesundheitlich) überhaupt keine Spuren bei mir hinterlassen. Auch diesmal mußte ich selbst auf den steileren Passagen nicht pausieren, wobei mir die Kühle des Vormittags ebenfalls sehr gelegen kam.

Ankunft in Sulden (Aufnahmeort)
Die Bergwelt rund um Sulden war wirklich sehr eindrucksvoll. Vermutlich war auch der vorangegangene Niederschlag in großer Höhe als Schnee gefallen, sodaß viele Bergflanken in einem beinahe makellosem Weiß erstrahlten. Dieser beeindruckende Talabschluß glich auch vieles aus, was mir sonst solche beliebigen Skiressorts verleitet. Sofern man der Bespaßungs-Infrastruktur nicht zu nahe kam, sah es hier nämlich ganz nett aus. Für eine längere Pause reichte es dennoch nicht, zumal sich allmählich die Körperwärme vom Bergauffahren verflüchtigte.

Ich stürzte mich also bald in die Abfahrt, um wärmere Gefilde zu erreichen. Bevor ich dann im Quartier einrückte, gönnte ich mir eine kleine Abschiedsrunde über Schleis. Rundum zufrieden, nahm ich dieses wunderschöne Land um mich herum mit allen Sinnen auf. Auch wenn ich mich schon auf Zuhause freue - hierher werde ich gern zurückkommen, sobald es an der Zeit ist.

Vielleicht das nächste Mal ja auch wieder in Begleitung.

28. April 2026

M & M

Martelltal und Matschertal, das waren meine Tourenziele der vergangenen beiden Tage. Bzgl. der Witterung hätte ich es nicht besser treffen können. Und auch der Ruhetag am Sonnabend war wirklich wichtig, um meine härteste Tour des Urlaubs erfolgreich meistern zu können.

Zunächst verlor ich bei meiner Fahrt durch das Vinschgau hinab zur Mündung des Martelltals rund 350 hm, die ich am Ende natürlich wieder hinaufklettern mußte. Kurz nach Neun begann die eigentliche Auffahrt, knapp 1400 Hm auf rund 23 km lagen nun vor mir. Prinzipiell könnte man ja meinen, daß die 26 km zum Einfahren gut auf die Anforderungen dieser langen Bergaufstrecke vorbereitet hätten. Andererseits erforderte es eine ganz andere Herangehensweise, sich nun nach dem beinahe mühelosen und schnellen Vorankommen für die lange Schinderei zu motivieren.

Immerhin kamen nach den ersten Serpentinen auch mal Flachstrecken, auf denen ich kräftemäßig etwas herunterregeln konnte. Dabei verzichtete ich lieber auf's Tempomachen, denn ich wußte, daß noch zwei steile Kehrenfolgen vor mir lagen.

Die erste Zickzack-Rampe führt hinauf zur Mauer des Zufritt-Stausees. Auf Quaeldich.de wurde sie als der steilste Abschnitt im Streckenprofil dargestellt. Durch die teils sehr eng aufeinanderfolgenden Kehren versuchte ich es also erst gar nicht, ohne Ruhepause durchzukommen. Auch mußte ich mich wegen des engen Kurvenradius' öfters nochmal zurückrollen lassen, um die Kehre zu bewältigen. Bei niedriger Geschwindigkeit war im steilen Gelände der Wendekreis meines Handbikes einfach zu groß.

Am Beginn des Schlußanstiegs im Martelltal:
Jeder stirbt für sich allein ... (Aufnahmeort)
Nachdem ich mich entlang des (gefühlt) beinahe leeren Stausees etwas entspannt hatte, schockte mich die Ankündigung einer 14%-Steigung. Reichlich 1,5 km fehlten noch bis zum höchsten Ende der Auffahrt, doch dieses Stück brachte mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit. Fast 40 Minuten inkl. zahlloser Verschnaufpausen kostete mich das Martyrium, doch Aufgeben kam für mich so kurz vor dem Ziel überhaupt nicht infrage. Der Endpunkt der Schinderei war schließlich hinter einem Kiosk ganz unspektakulär ein Wendeplatz im Wald. Von dort hätte man auf Schotter zwar noch wenige hundert Meter zu einem kleinen See sowie einem aufgegebenen Hotel weiterfahren können, doch angesichts der fortgeschrittenen Zeit - es war bereits 14.30 Uhr - und dem begrenzten "Mehrwert" entschied ich mich dagegen.

Dafür bin ich dann etwas später auf der Rückfahrt nochmal über die öffentlich zugängliche Krone der Staumauer gefahren, von welcher man einen schönen Blick talwärts hatte. Erfreulicherweise kam ich abwärts auch gut durch die zwei Kehrenabschnitte, d.h. ohne nochmaliges Rangieren. Das war nämlich meine größte Befürchtung - denn auf solch steiler Straße während der Abfahrt (bergauf) zurückzusetzen, ist extrem schwierig bis unmöglich.

Der Rückweg auf dem Radweg im Vinschgau wurde dann nur eine Ausdaueraktion, verglichen mit dem bisher Erlebten, ohne Höhepunkte. Nur die unzähligen Mofafahrer (wahrscheinlich ca. 80 - 90% der Zweiradnutzer) nervten, weil sie auf den geschotterten Abschnitten zwischen Göflan und Laas zusätzlich Staub aufwirbelten. Abends war ich redlich ausgearbeitet, doch hochzufrieden mit mir.

Normalerweise wollte ich am nächsten Tag einen weiteren Ruhetag im Quartier einlegen. Denn nach einer solch anstrengenden Tour konnte am Montagmorgen von vollständiger Regeneration überhaupt nicht die Rede sein. Als ich mir jedoch die Wetterprognose ansah, die für heute viel Regen ankündigte, brach ich schließlich doch zu einer Tour auf. Diese sollte allerdings nur kurz sein, und bei der Vorbereitung des Urlaubs hatte ich für genau solche Fälle schon einen Plan zusammengestellt.

Die Streckenlänge zum höchsten Punkt der Straße durch das Matschertal betrug ab meinem Quartier in Mals nur knapp 16 km, doch war die Tour nicht zu unterschätzen. Ich tat jedenfalls gut daran, zumal die ersten 2,5 km bis kurz nach der ersten Kehre erneut sehr steil waren und mir den letzten Saft aus den Armmuskeln preßten. Auch hier kämpfte ich mich nur Stück um Stück nach oben, allerdings in dem Wissen, daß danach das Schlimmste auf dieser Ausfahrt überstanden ist.

Auch von diesem schönen Aussichtspunkt im
Matschertal war (links) der Ortler zu sehen. -
Nur der stinkende Misthaufen im Vordergrund
trübte etwas den Genuß ... (Aufnahmeort)
Ab dem Dorf Matsch hatte ich das kleine Sträßchen nahezu gänzlich für mich alleine, hierhin verirrten sich zu dieser Zeit nur ganz wenige Touristen. Lediglich am höchsten Punkt auf dem großen Parkplatz bei der Kapelle am Almhotel Glieshof hielt just ein deutsches Auto mit MOL-Kennzeichen, als ich dort gerade meine Mittagspause einlegte. Der Mann und die Frau stiegen aus, die stark geschminkte ältere "Dame" zündete sich eine Zigarette an, dann standen sie ein bissel unschlüssig in der Gegend herum, bevor sie wieder im Auto zurückfuhren. Ich habe sie ignoriert und nichts gesagt, doch dachte ich folgendes: 'Was für ein fades, belangloses Leben müssen doch diese bemitleidenswerten Gestalten führen, daß ihnen nichts besseres einfällt, als einfach nur mit dem Auto in der Gegend herumzufahren ...'

Nach meiner Rückkehr aus dem Tal wäre tatsächlich noch eine Zusatzrunde über Glurns, Latsch und Schleis ohne viele Höhenmeter zur Verbesserung der ziemlich miesen Tourenstatistik möglich gewesen, aber das hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Blick. Stattdessen erreichte ich auf kürzestem Weg bereits dreiviertel Zwei wieder meinen Ausgangspunkt.

So unglücklich war ich darüber trotzdem nicht.