19. Mai 2026

Einsame Höhen

Während meiner notwendigen Tourenpause am Sonntag entstand spontan die Idee für einen weiteren Langen Kanten. Solche Langstrecken sind für mich nur machbar, wenn ich zuvor gefaulenzt habe. Dann bin ich nicht nur ausgeruht, sondern kann auch ausgeschlafen zeitiger als sonst starten.

Am Montag fuhr ich endlich hinauf bis zum Kamm des Osterzgebirges. In diesem Jahr war ich im Handbike dort überhaupt noch nicht - zu kalt, zu windig, zu wechselhaft. Dabei mag ich diese Landschaft sehr! Doch allein die lange Anfahrt aus dem Elbtal mit vielen Höhenmetern selbst auf der "billigsten" Wegstrecke - dem Müglitztal - läßt solche Unternehmungen nur sinnvoll erscheinen, wenn eine längere Tour geplant ist. Am ersten Scheitelpunkt meiner Ausfahrt kurz hinter Böhmisch Zinnwald (Cínovec) standen nach knapp 50 km jedenfalls schon 800 Hm in der Streckenbilanz - und dabei hatte ich sogar die Abkürzung mit dem üblichen Einfahr"buckel" über Zehista und Köttewitz bzw. alternativ bis kurz vor Großsedlitz ausgelassen, um mich zu schonen.

Einsame Osterzgebirgskammstraße nahe der
Wüstung Ullersdorf (Oldříš) (Aufnahmeort)
Nach meinem Start gegen 4.00 Uhr morgens erreichte ich die Wittichbaude (Vitiška) an der Kammstraße kurz nach halb Neun. Um diese Zeit, noch dazu an einem Wochentag, war ich hier ganz allein. Das genau hatte ich auch beabsichtigt. An Wochenenden ist bei freundlichem Wetter auf diesen schmalen und oft verwitterten Sträßchen, die entlang des Erzgebirgskamms von Peterswald (Petrovice) im Osten ins zentrale Erzgebirge (im Westen) führen, nämlich oft der Teufel los. Vor allem Motoristen, darunter ganze Rudel von Zweiradfahrern, vergraulen mir mit ihrem Lärm und gehäuftem Auftreten die Freude. Diese Leute werden auf ihren Fahrzeugen nie den wahren Zauber dieser Landschaft erleben, der aus der Weitläufigkeit und der stillen Melancholie der von den Deutschböhmen verlassenen Siedlungsgebiete entsteht. Zuletzt war ich im Gebiet zwischen Holzhau, Neustadt im Erzgebirge (Nové Město) und Langewiese (Dlouhá Louka) übrigens mit Freunden im Februar 2026 auf Skiern unterwegs, denn es ist auch ein wunderschönes Winterland.

Erst in Deutschneudorf wechselte ich wieder auf die deutsche Seite, folgte jedoch weiterhin dem Tal der Schweidnitz westwärts. Überhaupt nutzte ich während meiner gestrigen Tour meist Täler zum Vorwärtskommen. Aufwärts im wesentlichen das Müglitztal, auf dem Rückweg die Täler der Schweinitz, der Flöha sowie der Freiberger Mulde. Auch dabei stand die Absicht im Vordergrund, sich "unnötige" Anstiege zu ersparen. Die Fahrt durch die häufig windungsreichen Flußtäler verlief dabei sehr abwechslungsreich, wie ich erfreut feststellte.

Erst ab Freiburg wurde es bis zur endgültigen Abfahrt ins Elbtal nach Dresden mühsam. Die vielen kleinen Anstiege und Abfahrten strengten mich mehr an, als es das Streckenprofil vermuten ließ. Dementsprechend langsam kam ich auf diesen 35 km voran. Zum Glück konnte ich mit schneller Fahrt auf dem Elberadweg meinen Durchhänger anschließend wieder ausbügeln. Dort mußte ich meinen Weg am Abend nur noch mit zahlreichen Feierabendpiloten teilen, bevor ich am Ende den nächsten 200er der Saison abrechnen konnte.

Das war wieder ein perfekter Tourentag mit für mich optimaler Witterung!

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