Ohne sportliche Aktivität am Vortag, war ich sonnabends sehr früh munter und startete bereits in der Nacht gegen 4.00 Uhr. Mit diesem zeitlichen Vorlauf konnte ich mir natürlich wieder eine größere Unternehmung leisten. Die Tour dafür stand bereits fest. Es sollte ins Lausitzer Gebirge gehen, an dessen Ausläufern sich ebenfalls mehrere Sandstein(kletter)gebiete befinden. Bekannt sind auf deutscher Seite die Felsen rund um Oybin als Zittauer Gebirge, in der tschechischen Republik die Bürgsteiner Schweiz (Sloupské skály) sowie weitere Sandsteintäler südlich und östlich von Zwickau in Böhmen (Cvikov).
Für die Anfahrt wählte ich eine gemäßigte Routenvariante, die den Hohwald zwischen Neustadt in Sachsen und Steinigtwolmsdof umgeht. Hinter Schluckenau (Šluknov) warteten jedoch einige längere Anstiege auf mich, sodaß am Toristengrenzübergang oberhalb von Waltersdorf nach knapp 90 km bereits 1350 Hm in der Bilanz standen. Dort war ich übrigens noch nie, weil die Straße an der Grenze endet. Die daran anschließende Schotterpiste (s. Track vom 09.05., km 87,4 - 88,0) ließ sich jedoch im Schrittempo leidlich gut befahren, und aufgrund des relativ geringen Gefälles dürfte sie sogar auch in Gegenrichtung mit dem Handbike zu bewältigen sein. Nach diesen 600 m folgte bis Nieder Lichtenwalde (Dolní Světlá) ein alter Betonplattenweg, den ich wegen einiger großer Absätze aber fast genauso vorsichtig befuhr.
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| Die Wüste Kirche (Pustý kostel) nahe Zwitte ist mit Hilfe durch Begleiter sehr wahrscheinlich auch im Rollstuhl zugänglich, s. dazu auch hier (Aufnahmeort) |
Weil ich gut in der Zeit lag, wählte ich ab Böhmisch Leipa die bergigere Alternative über Tiefendorf (Bořetín) bevor ich in Straußnitz (Stružnice) schließlich endgültig ins Tal des Polzen (Ploučnice) wechselte. Vor Franzenthal-Ulgersdorf (Františkov nad Ploučnicí) mündete meine Fahrt dann in die Strecke meiner bereits vor drei Wochen absolvierten Tour ins Böhmische Mittelgebirge.
Für die letzten knapp 60 km benötigte ich noch 3,5 Stunden, über die es nichts nennenswertes zu berichten gibt. 18.45 Uhr kam ich zuhause an, froh darüber, so zeitig losgefahren zu sein. Denn dadurch mußte ich den ganzen Tag über nicht irgendeinem eng getakteten Zeitplan hinterherhecheln, sondern hatte genügend Zeit für alle diese kleinen Entdeckungen am Wegesrand. Die bedeuten mir nämlich mindestens genauso viel, wie die körperliche Leistung.
Normalerweise hätte ich nun einen Ruhetag eingelegt, doch am Montag - dem nächsten möglichen Tourentag - drohte schlechtes Wetter. (Tatsächlich ist gerade ein großen Regengebiet durchgezogen, während ich schreibe.) Deshalb absolvierte ich am Sonntag gleich noch eine weitere Ausfahrt.
Abgestimmt auf die vorangegangene kraftraubende Aktion wollte ich damit aber keine Bäume rausreißen. Wieviel ich mir (noch) zumuten konnte, würde sich ganz ohne eigene Vorgaben unterwegs zeigen. Nach dem Warmfahren - länger als sonst üblich - bewältigte ich jedoch den größten Anstieg des Tages durch den Helfenberger Grund erstaunlich locker und ohne an körperliche Grenzen zu stoßen. Möglicherweise wirkt eben immer noch das Höhen- und Kraftausdauertraining meines Alpenurlaubs nach.
Auch im weiteren Tourenverlauf kam ich eigentlich nur ein einziges Mal etwas außer Atem, und das war ironischerweise exakt am Anstieg zum Scheitelpunkt meiner Ausfahrt im Waldgebiet rund um den Hochstein vor Rammenau. Freilich ersparte ich mir weitere größere Anstiege. Statt über Großdrebnitz zu fahren, bog ich in Goldbach lieber westlich nach Großharthau ab. Parallel zur Bundesstraße B6 gibt es hier seit vergangenem Jahr einen perfekt ausgebauten Radweg, der damit diesen sonst ziemlich gefährliche Straßenabschnitt entschärft (s. Track vom 10.05., km 72,1 - 74,8). Nur die 500 m vom Abzweig nach Bühlau in Richtung Schmiedefeld (s. Track vom 10.05., km 77,1 - 77,6), auf denen die Straße (im Hinblick auf Gegenverkehr) unübersichtlich über eine Hügelkuppe führt, bleiben heikel.
Die verbleibende Strecke summierte sich danach nur noch auf das gewünschte Streckensoll von 100 km, und eigentlich hätte ich das Minizackel am Ortsausgang von Helmsdorf gar nicht mehr machen müssen. Aber den Wesenitzradweg nach Dürrröhrsdorf benutze ich so oft, da wollte ich auch mal wieder die geringfügig längere Variante benutzen.
Als ich zur Kaffeetrinkerzeit wieder auf den Rollstuhl umstieg, lag der ganze Nachmittag noch vor mir.

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