30. April 2026

Zwei Gesichter

Bei all der Sonne in den vergangenen Tagen konnte ich mir hier im Urlaub gar nicht so richtig schlechtes Wetter vorstellen. Ich bekam Nachhilfe ...

Nachdem es am Ruhetag nach meiner Matschertal-Tour tagsüber bedeckt war und schließlich abends die ersten Niederschläge fielen, wurde die Nacht zum Mittwoch noch nässer. Bis weit in den Vormittag des 29.04. regnete es relativ kräftig. Allerdings schien sich das Regengebiet nach Süden zu verziehen, und kurz vor dem Mittag nieselte es nur noch leicht.

Einen weiteren Tag ohne sportliche Aktivität wollte ich mir aber nicht leisten. Auch hatte ich bereits einen Alternativplan zusammengestellt, der selbst bei suboptimaler Witterung funktionieren sollte. Also fuhr ich los. Leider hörte der leichte Niesel nicht wie erwartet auf, sondern verstärkte sich im Gegenteil noch. Trotzdem blieb ich hartnäckig. Der bedeckte Himmel und etwas kühlere Temperaturen ließen mich wenigstens nicht heißlaufen, außerdem war ich gut erholt nach dem sportfreien Vortag.

Das Dorf in den Wolken (Aufnahmeort)
Den rund 3 km langen Schlußanstieg von der Ofenpaßstraße zum Weiler Craistas absolvierte ich daher ohne Zwischenrast, obwohl sich das schmale, gewundene Sträßchen meist recht steil in den Himmel reckte. Das konnte man beinahe wörtlich nehmen, denn zum Schluß fuhr ich durch Wolken, die sich aufgrund der Feuchtigkeit in dieser Höhe bildeten.

Kurz nach dem Scheitelpunkt wurde es immer ungemütlicher. Ich hatte das Elend auf dem Regenradar schon kommen sehen, wußte deshalb aber auch, daß Warten auf Wetterbesserung sinnlos war. So rollte ich bei einsetzendem Landregen stoisch bergab, umso mehr darauf bedacht, nicht in Hektik zu verfallen. Auf dieser einsamen Straße - unterwegs traf ich nur einmal ein Auto und danach zwei Wanderer - durfte mir nichts Übles (wie z.B. eine Reifenpanne) passieren!

Als ich Sta. Maria im Val Müstair erreichte, atmete ich erstmal auf. Der Hauptstraße folgend, rollte ich danach weiter talwärts - nur eben nicht so schnell, wie eigentlich möglich. Das Fahren im Wasserschleier wäre sonst noch unangenehmer geworden, ich hatte sowie keinen trockenen Faden mehr am Leib und fror. Wahrscheinlich gab ich inzwischen auch ein ziemlich erbarmungswürdiges Bild ab. Der italienische Grenzer winkte mich jedenfalls ohne großes Federlesen durch, als ich mich suchend nach einem Beamten umsah.

Rund eine dreiviertel Stunde mußte ich noch durchhalten, bis ich wieder im Quartier ankam. Die Nachbereitung dauerte dann zwar seine Zeit, weil ich die tropfnassen Sachen sofort wechseln und mich auch um mein Gefährt kümmern mußte. Aber da sah ich wenigstens schon den Silberstreif am Horizont. Am Abend klarte es auf, sogar die Sonne ließ sich noch einmal blicken. Um die Fahrt durch den Regen wäre ich deshalb jedoch nicht herumgekommen.

Heute folgte die Fortsetzung der ersten vier Tourentage: strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen über den ganzen Tag. Es erwies sich daher im Nachhinein als die richtige Entscheidung, gestern meinen Ausflug nach Sulden zu verschieben. Nicht nur wegen des Streckenprofils, sondern eben auch aufgrund der grandiosen Ausblicke auf die hohen Berge, welche mir sonst vorenthalten geblieben wären.

Dabei hatte die gestrige Regentour konditionell (und gesundheitlich) überhaupt keine Spuren bei mir hinterlassen. Auch diesmal mußte ich selbst auf den steileren Passagen nicht pausieren, wobei mir die Kühle des Vormittags ebenfalls sehr gelegen kam.

Ankunft in Sulden (Aufnahmeort)
Die Bergwelt rund um Sulden war wirklich sehr eindrucksvoll. Vermutlich war auch der vorangegangene Niederschlag in großer Höhe als Schnee gefallen, sodaß viele Bergflanken in einem beinahe makellosem Weiß erstrahlten. Dieser beeindruckende Talabschluß glich auch vieles aus, was mir sonst solche beliebigen Skiressorts verleitet. Sofern man der Bespaßungs-Infrastruktur nicht zu nahe kam, sah es hier nämlich ganz nett aus. Für eine längere Pause reichte es dennoch nicht, zumal sich allmählich die Körperwärme vom Bergauffahren verflüchtigte.

Ich stürzte mich also bald in die Abfahrt, um wärmere Gefilde zu erreichen. Bevor ich dann im Quartier einrückte, gönnte ich mir eine kleine Abschiedsrunde über Schleis. Rundum zufrieden, nahm ich dieses wunderschöne Land um mich herum mit allen Sinnen auf. Auch wenn ich mich schon auf Zuhause freue - hierher werde ich gern zurückkommen, sobald es an der Zeit ist.

Vielleicht das nächste Mal ja auch wieder in Begleitung.

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