Ich hatte mir dafür eine schöne Rundstrecke zusammengestellt, doch bei dem etwas verworrenem Transfer im Auto zum letzten geplanten Basislager in Ovaro stellte ich fest, daß die besonders empfohlene Straße durch die Lumiei-Schlucht wegen Tunnelbauarbeiten derzeit voll gesperrt ist. Die nahegelegene Streckenalternative über den Passo di Pura entging jedoch meiner Beachtung, hätte mich aber auch zusätzliche 470 Hm gekostet. Mit frischen Kräften und vor allem bei besseren Witterungsbedingungen (d.h. stabiles Wetter und keine Hitze) wäre das sicher machbar gewesen, doch nach den sechs vorangegangenen Pässetouren ging mir allmählich die Puste aus. Außerdem stellte sich allmählich ein gewisses Sättigungsgefühl ein - es reichte einfach ...
Jedenfalls entschied ich mich für die Rückkehr zum Basislager auf gleicher Strecke. Das hatte den Vorteil, den unteren Teil der Paßfahrt noch einmal bei Tageslicht zu erleben. Da es nicht nur wieder sehr heiß werden sollte, sondern ab Mittag zudem Gewitter drohten, brach ich nämlich wie bisher meistens in diesem Urlaub lange vor dem Sonnenaufgang auf.
Natürlich wie immer mit voller Beleuchtung. Trotzdem fuhr mich diesmal kurz vor einer Ortschaft im unteren Val Pesarina ein extrem kurvenschneidender und bestimmt auch viel zu schneller Autofahrer im Gegenverkehr fast über den Haufen. Ohne einen Anflug von Einsicht in sein Fehlverhalten hupte er mich dabei an, statt sich auf's Bremsen zu konzentrieren. Später kam er zurück. Ich merkte dies daran, daß ein Fahrer von hinten auf gerader Strecke völlig grundlos beim Überholen lang und böse hupte. Das konnte nur er gewesen sein, denn schließlich kam mir der silberfarbene VW-Bus bei fortgeschrittener Dämmerung noch einmal entgegen. Nun schaltete dieser Typ kurz vor mir das Fernlicht ein, um mich noch mehr zu blenden. - Ich kann mich nicht erinnern, jemals einem derart aggressiven Motoristen begegnet zu sein ...
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| Am Ende des Abstechers zum Sella di Rioda kurz vor den Serpentinen hinab nach Sauris (Aufnahmeort) |
An diesem Tag erreichte ich sogar noch ein zweites Mal die 1800 m Meereshöhe, welche ich bisher nur während der Fahrt auf den Großen Speikkogel überschritten hatte. Diese Marke war mir jedenfalls den 2-km-Abstecher in Richtung Sauris zum Sella di Rioda wert, welcher mich zudem mit etlichen schönen Ausblicken in fast alle Himmelsrichtungen belohnte. Ein solch malerisches Almgebiet habe ich noch nicht zu oft auf meinen Touren kennengelernt.
Die Rückfahrt bergab zum Campingplatz gestaltete sich als entspannte Fototour, bei der ich noch einmal ganz ohne jede Anstrengung die herrliche Gebirgslandschaft genoß. In der zwölften Stunde des Tages kam nun auch die Hitze, doch kühlte der Fahrtwind fast bis zum Schluß immer noch angenehm. Die zweite Tageshälfte verbrachte ich schließlich mit notwendigen Verrichtungen und Reisevorbereitungen. Leider wird der dafür nötige Zeitaufwand immer größer, ich bin eben nicht mehr der jüngste.
Hoffentlich aber noch viele Jahre nicht zu alt, um weitere Straßenpässe in den Alpen mit dem Handbike zu bezwingen.

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