Voller Elan und bei herrlich angenehmen 18-20°C widmete ich mich zunächst den Bergen. Kurz nach meiner Rückkehr aus dem Hochgebirge teste ich immer, wie stark sich die erfolgte Höhenakklimatisation auf die eigene Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Tatsächlich war auch gestern dieser positive Effekt deutlich zu spüren, zumal ich mich in den vorangegangenen zwei Tagen ohne körperliche Belastung ausreichend erholen konnte.
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| Zurück in der Felsenheimat, hier der Blick vom Schönaer Ortsteil Reuterhof auf die Schrammsteine (Aufnahmeort) |
Woran das liegt? Erstens müssen bei Paßanstiegen in der Regel wesentlich größere Höhenunterschiede auf oftmals gleicher oder sogar kürzerer Strecke überwunden werden. Die Länge des Anstiegs bedingt auch, daß ich mir meine Kräfte ganz anderes einteile, damit ich selbst nach mehreren Stunden ununterbrochenen Bergauffahrens immer noch über ausreichend Kraftreserven verfüge. Nicht selten folgen ja nach einem ersten Anstieg auch noch weitere nicht zu unterschätzende Berge bzw. manchmal sogar erst die Auffahrt zum eigentlichen Tagesziel (beispielsweise bei meiner Fahrt auf den Monte Zoncolan). Wer hier von Anfang an auf Tempo statt auf Ausdauer setzt, ist entweder ein Konditionswundertalent oder einfach nur größenwahnsinnig - und im letzteren Fall zum Scheitern verurteilt.
Übrigens: da ich die Strecken üblicherweise bisher nicht aus eigenem Erleben kenne, sondern höchstens auf Beschreibungen und Erfahrungsberichte anderer zurückgreifen kann, bleibt trotzdem immer noch ein Unsicherheitsfaktor, den ich ebenfalls in meine Fahrtaktik einfließen lassen muß. Nicht nur die Steigung sowie die Verteilung der Hauptschwierigkeiten wird dabei häufig von jedem Sportler verschieden empfunden, auch die Qualität des Untergrunds (rissige, holperige Asphaltdecke) wirkt sich beim Fahren mit einem dreirädrigen Handbike erheblich stärker aus wie mit einem agileren Zweirad. Das gilt bergauf (Rollwiderstand) und bergab (Notwendigkeit des Bremsens).
Im heimatlichen Revier hingegen kenne ich alle Straßen. Außerdem existieren hier nur wenige längere Anstiege, welche dann auch nicht solche Höhenunterschiede überwinden. Zudem kann ich mir aufgrund des dichten Verkehrswegenetzes die Strecken anforderunsgsspezifisch paßgenau entsprechend meiner beabsichtigten Belastung zusammenstellen. Auch ganz spontan, denn in meinem Kopf befindet sich quasi eine Liste, auf der jeder Streckenabschnitt hinsichtlich seiner Anforderungen und des vorhandenen Straßenbelags eingeordnet ist. Mit diesem umfangreichen Wissen läßt sich wesentlich unbefangener zu Werke gehen. Im schlimmsten Fall, also bei Leistungsdefiziten, bleiben so viele Möglichkeiten, auf "leichtere" Straßen auszuweichen, daß ich häufig schon ab dem Start ein höheres Tempo vorlege.
Auf meiner Wiedereinstiegstour bewegte ich mich aber auf der zweiten Hälfte der Strecke schließlich fast nur noch im flachen Gelände. Lediglich die Abkürzung über Waltersdorf war mit ein paar mehr Höhenmetern verbunden, in diesem Fall sogar mittels der 13%igen Steigung durch Porschdorf. Aber der steilste Teil davon war nur wenige hundert Meter lang, und ich wußte, wie es danach weitergeht.
Jeder direkte Vergleich zwischen Paßstraßen und Anstiegen in der Heimat würde deshalb hinken.

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