22. Oktober 2024

Fast wie am Meer

Mein Herbsturlaub führte mich in diesem Jahr nach Waren an der Müritz, dem größten See im Osten Deutschlands. Eigentlich wollte ich ja ans Meer, doch erwies sich die Quartiersuche in der Region als eher frustrierend. In Meeresnähe werden nämlich derartig astronomische Preise aufgerufen, daß mir die Lust auf Romantik am Meer verging. Wenn ich in einer gewöhnlichen Jugendherberge (z.B. Heringsdorf) als alleinreisender Rollifahrer rund 80,- EUR für eine Übernachtung mit Frühstück zahlen soll (wegen Einzelbelegung eines Doppelzimmers), dann ist das einfach unverschämt. - Aber gut, solange es Touristen gibt, die solchen Wucher mitmachen ...

In Waren (Müritz) bin ich nun in der Begegnungsstätte Immanuel Haus Ecktannen untergekommen, welche ich eher zufällig bei meiner Recherche gefunden habe. Das Haus ist nicht nur sehr schön gelegen, sondern für meine geplanten Aktivitäten nahezu perfekt. Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt, nicht zuletzt, weil die Beschäftigten freundlich und engagiert auf meine "Extrawünsche" (wie z.B. die Unterbringung meines Handbikes) eingegangen sind. Und das zu absolut fairen Preisen, die für Gäste mit Handicap sogar noch etwas günstiger sind.

Gleich nachdem ich mich einigermaßen eingerichtet hatte, unternahm ich einen kurzen Spaziergang ins Stadtzentrum. Bis dahin sind es etwa zwei Kilometer, für mich im Rolli kein Problem. Dafür ließ es sich auf der  Strandpromenade ganz entspannt rollen. Im Hafen an der Stadt gab es dann leider viele holperige Pflasterpassagen, die man nicht komplett vermeiden konnte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau ...

Morgenstimmung auf der Mecklenburgischen
Seenplatte (Aufnahmeort)
Am Sonntag ging es dann zum ersten Mal mit dem Handbike auf die Piste. Von den vier zuhause ausgearbeiteten Touren entschied ich mich zunächst für die Nordrunde zum Kummerower See. Schon von Beginn an rollte es prächtig. Das lag nicht nur am Rückenwind, sondern auch am flachen Streckenprofil. Darüber hinaus lachte alsbald die Sonne von einem blauen Himmel, und zwar bei jahreszeitlich ungewöhnlich milden Temperaturen von 15 - 19°C. Optimal!

Nach knapp 54 km wurde ich allerdings unerwartet gestopt. Bei der Planung war mir nicht aufgefallen, daß die Peene an dieser Stelle nur mittels Fähre überquert werden konnte. Da das Schiff jedoch nicht barrierefrei zugänglich war und ich keine Schäden am Handbike durch unsachgemäße Hilfe riskieren wollte, wählte ich den Umweg über Demmin und Dargun. Das bedeutet dreißig zusätzliche Kilometer, doch war ich nicht nur sehr schnell unterwegs, sondern hatte sowieso schon mit ein paar Zusatzkilometern geliebäugelt. Zumal ich Demmin noch von der FICHKONA-Aktion im Jahr 2021 kannte.

Auf dem Rückweg wurde ich dann bei spürbarem Gegenwind etwas langsamer, und allmählich wurde mir klar, daß ich es vermutlich nicht bis vor dem Sonnenuntergang wieder "zuhause" wäre. Aber das machte mir nichts aus, denn ich hatte sowieso Beleuchtung mitgenommen. Am Ende erreichte ich mein Basislager gegen 18.30 Uhr, gut ausgearbeitet und hochzufrieden. Das war ein wirklich gelungener Auftakt!

Gestern bin ich am Morgen dann sofort zur zweiten Handbiketour aufgebrochen. Diesmal sollte es rund um die Müritz gehen. Ursprünglich als Einrolltour gedacht, wollte ich dabei hauptsächlich den Müritz-Radweg rund um den See befahren. Doch bereits auf den ersten Kilometern nach Waren stellte ich fest, daß die Markierung als Radweg bei Openstreetmap hier nicht zwangsläufig asphaltierten bzw. ähnlich befestigten Untergrund bedeutete. Vielmehr bewegte ich mich oft auf einer gut berollbaren Mineralstoffdecke, auf welcher ich wesentlich mehr Obacht wegen möglicher Hindernisse und spitzer Steiner unter dem Laub geben mußte und damit auch langsamer vorankam. Ganz abgesehen vom aufgewirbelten Sand. Einige geplante Abschnitte des Rundwegs wählte ich deshalb ab und benutzte lieber straßenbegleitende Radwege oder verkehrsarme Ortsverbindungsstraßen. Landschaftlich büßte ich dabei nichts ein.

Kurz nach Rechlin erreichte ich schließlich den Müritz-Nationalpark. Den hätte ich nun so ziemlich direkt durchquert, doch angesichts des erst frühen Nachmittags dehnte ich ab Boek meine Runde weiter nach Osten aus. Letztlich bewegte ich mich dabei außerhalb der Ostgrenze des Nationalparks durch nicht minder sehenswerte Lande. Die andere Streckenvariante kann ich ja immer noch während meiner nächsten Tour erkunden ...

Eine weitere Überraschung erwartete mich außerdem an diesem Tag - fast zum Schluß. Da kam ich in Ankershagen am Elternhaus des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann vorbei, in welchem er neun Jahre seiner Kindheit verbrachte. Mit dem Handbike konnte ich freilich nicht ins Haus, welches heute ein Museum über diese faszinierende Persönlichkeit beherbergt. Den Hauch der Geschichte spürte ich trotzdem.

Ich freue mich schon auf die nächsten Erkundungen!

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