Letzten Anstoß dazu gab das alljährlich um Mittsommer stattfindende Stadtfest in Pirna, bei dem auf dem Marktplatz direkt unter meinem Fenster die Hölle los ist. Dieses "infernalische Getöse" (Zitat Timur Vermes: "Er ist wieder da") bis weit nach Mitternacht und damit eine schlaflose Nacht wollte ich mir unbedingt ersparen, und so packte ich meinen Krempel. Outdoor-Luftmatratze, eine große Plasteplane (als Unterlage) sowie eine Fleecedecke konnte ich neben meinen sonstigen Radtourenutensilien inkl. zusätzlicher Hygieneartikel (Kathedersets) sowie meiner Verpflegung noch gut auf meinem Handbike verstauen. Freilich kalkulierte ich mein Essen und Trinken relativ knapp, ließ mir aber die Möglichkeit offen, nach der Nacht einen Zwischenstop in meiner Wohnung zum "Nachtanken" einzulegen. Für mich war wichtig, alles selbst - d.h. ohne fremde Hilfe - verpacken und benutzen zu können.
Meine größe Befürchtung, daß der Platz schon z.B. durch die Dorfjugend belegt ist, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil: ich war weit und breit der einzige Mensch - die perfekte Illusion von Abgeschiedenheit! Es wurde ein schöner Abend und eine besinnliche Nacht, ganz allein mit mir und meinen Gedanken. Doch sogar bis hierhin drang der Lärm von der Hauptbühne des Pirnaer Stadtfestes, obwohl es bis dahin mehr als sieben Kilometer Luftlinie waren. Gegen drei Uhr nachts herrschte endlich Stille.
Kurz nach 18.00 Uhr startete ich am Freitag schließlich von Pirna. Die größte Hitze des Tages war inzwischen vorüber, deshalb fuhr ich zunächst noch eine Runde südlich der Elbe. Der Anstieg nach Cotta (s. Track vom 19.06., km 6,6 - 8,2) kostete mich dabei den meisten Schweiß, doch konnte ich im Bahretal danach wieder einigermaßen herunterkühlen. Auf dem Weg zu meinem Übernachtungsort, einer Schutzhütte im Schönfelder Hochland, überquerte ich schließlich die Elbe. Reichlich 3 km vor meinem Ziel ging die Sonne unter, doch blieb es bei klarem Himmel noch lange hell. So konnte ich mich dort ohne Eile gut einrichten.
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| Nächtlicher Blick in Richtung Pirna, gut zu erkennen die Hochhäuser des Ortsteils Sonnenstein (Aufnahmeort) |
Zu meinem 58. Geburtstag fuhr ich dann schon relativ zeitig wieder los. Ursprünglich hatte ich nur eine ebenso kurze Tour wie am Freitag vorgesehen, doch bald packte mich der Ehrgeiz. 100 km vor der großen Hitze waren vielleicht möglich, jedenfalls wollte ich es versuchen.
Bis kurz vor Bischofswerda, also bis 10.00 Uhr, ging meine Rechnung auch auf. Nur noch ein größerer Anstieg mit außerdem moderater Steigung erwartete mich danach, und so hoffte ich auf weiterhin gutes Vorankommen. Das allmähliche Heißlaufen konnte ich zudem durch unterdurchschnittlich viele Höhenmeter der Strecke einigermaßen kompensieren, denn insgesamt waren es bis Pirna aufgrund des höhergelegenen Schlafplatzes ja 250 Hm weniger bergauf als abwärts.
Trotzdem wurde es immer mühsamer. Außerdem machten sich nun bei Temperaturen erheblich über 30°C auch der Nahrungs- und Getränkemangel leistungsmindernd bemerkbar. Eine längere Freß- und Trinkpause in Polenz bewirkte ebenfalls keine fundamentale Verbesserung. Der letzte erwähnenswerte Aufschwinger hinter Porschendorf (s. Track vom 20.06., km 96,0 - 96,5) kam mir daher zum Schluß wie eine Steilrampe vor. Unglaubliche vier Zwischenstops mußte ich hier zum Verschnaufen einlegen - an einem Berg, den ich zwar nicht besonders mag, aber dennoch sonst immer flüssig durchfahre.
Ziemlich (von der Hitze) ausgelaugt, erreichte ich schließlich 14.00 Uhr mein Zuhause. Es dauerte eine geraume Weile, bis ich mich danach wieder in halbwegs akzeptabler körperlicher Verfassung befand. Trotz des erneuten Lärms vor meiner Wohnung, bin ich abends dann gut eingeschlafen ...






