25. August 2026

Spätsommer

Am völlig verregneten Sonnabend hatte ich wieder mal Kontakt mit meinem tschechischen Kameraden. Es ging um einen möglichen gemeinsam Kurzurlaub im Herbst. Jedenfalls plante ich daraufhin meine Sonntagstour ins Osterzgebirge, obwohl ich gar keine rechte Lust auf's Bergefahren hatte. Aber falls Lád'a auch auf Tour gehen würde, dann wäre das Gebiet der ideale Treffpunkt, weil es genau in der Mitte zwischen uns gelegen ist.

Nun, wir sind uns an diesem Tag dann nicht begegnet, doch dafür konnte ich kurzentschlossen etwas auskundschaften. Im südlichen Grenzgebiet zwischen Liebenau, Fürstenau und Müglitz gibt es nämlich neben der Schutzhütte am Schulhübel tatsächlich weitere Unterstände, die für eine spontane Übernachtung geeignet sind. Einer davon befindet sich südlich von Rudolphsdorf in unmittelbarer Nähe zur deutsch-tschechischen Grenze. Das macht diesen allerdings auch sehr attraktiv für Gäste aus dem Nachbarland - als ich gegen 10.00 Uhr an der Hütte eintraf, schälte sich dort gerade ein Pärchen aus den Federn. Da bleibe ich also lieber bei meiner bewährten Unterkunft, welche zudem auch besser für mich zugänglich ist ...

Vor Falkenhain öffnet sich ein umfassendes
Panorama nach Norden und Osten, hier der Blick
zur Dresdner Elbtalweitung. Sogar den Fernsehturm
kann man erkennen (Aufnahmeort)
So richtig in Schwung bin ich am Sonnabend aber nicht gekommen. Bereits auf dem höchsten Punkt der Tour kurz hinter Altenberg zeichnete sich das ab, trotzdem fehlte mir der Biß, um danach nochmal anzugreifen. Selbst für ein paar zusätzliche Kilometer war ich sonntags nicht zu begeistern. Ausreichend Zeit wäre geblieben, denn letztlich erreichte ich mein Zuhause schon gegen drei Uhr nachmittags. Diese Hängepartie ließ mir damit jedoch ausreichend Zeit zur Regeneration für den nächsten Tag.

Denn da stand die nächste Runde an. Wenigstens 9.000 km und 100.000 Hm will ich bis Ende August schaffen, und dafür muß ich das inzwischen spätsommerliche Wetter nutzen. Früh ist es inzwischen zwar ziemlich frisch, sodaß ich beim Start Ärmlinge benötigte. Dafür pegelten sich dann im Laufe des Tages die Temperaturen auf für mich optimale Werte um die 20°c ein, was mir schweißfrei zusätzlichen Vortrieb ermöglichte.

Außerdem überlegte ich mir gestern eine Strecke, die meiner Absicht einer schnellen Runde entgegenkam. Zuerst lockeres Einrollen auf dem Elberadweg bis Stadt Wehlen, dann folgten die verhältnismäßig anspruchsvollen Anstiege aus dem Elb- sowie durch das Polenztal. Nach einem Drittel der Ausfahrt standen deshalb schon mehr als die Hälfte der Gesamthöhenmeter auf der Habenseite. Spätestens ab Neustadt in Sachsen jagte ich meinen Virtual Partner des Navis, den ich endlich auf dem langen Gefälleabschnitt zwischen Bretnig-Hauswalde und Großröhrsdorf dauerhaft hinter mich ließ.

Daher durften es auch wieder ein paar Kilometer mehr sein, gleichwohl ich wegen abendlicher Verrichtungen nicht zu spät zurück sein wollte. Die letzten zusätzlichen Zehntel der Durchschnittsgeschwindigkeit kitzelte ich schließlich auf dem Elbradweg ab Pillnitz heraus. Da überholte mich eine Radsportlerin, an welche ich mich bald in den Windschatten hängte. Sie war die perfekte Schrittmacherin - nicht zu schnell, nicht zu langsam. Als ich schließlich in Pirna zur Stadt abbog, bedankte ich mich bei ihr.

Diese freundlich gemeinte Geste war mir ein Bedürfnis.

22. August 2026

Nur für Spezialisten

Der Regen kam mit Ansage. Allerdings dann doch viel schneller, als es zunächst nach dem Online-Regenradar zu erwarten war. Für mich hieß das am Ende der gestrigen Feierabendtour eine dreiviertel Stunde Naß von oben.  Aufgrund der immer noch angenehmen Temperaturen ließ sich das jedoch einigermaßen ertragen, bis ich kurz nach Sechs endlich mein Zuhause erreichte.

Bei meinem Start zum vorgezogenen Feierabend schien jedenfalls noch die Sonne, sodaß ich mir über schlechtes Wetter keine Gedanken machte. Ohnehin hatte ich meine Runde ja so konzipiert, daß es auf der Heimfahrt mehrere Abkürzungsmöglichkeiten gab. So gesehen, wäre ich bei der Wahl einer dieser Optionen überhaupt nicht naß geworden, auch wenn ich damit mein Entfernungswunschziel von 100 km nicht schaffen konnte.

Wichtigstes Vorhaben des Nachmittags war die Befahrung des Eselswegs, einem Wanderweg vom Königsteiner Ortsteil Hütten hinauf zur Festung Königstein bzw. zum Parkhaus unterhalb dieser (s. Track vom 21.08., km 64,1 - 65,6). Eine liebe Freundin hatte mich gebeten, diese Strecke zu erkunden, weil demnächst ein rollstuhlfahrender Reiseblogger dort mit seinem elektrischen Zuggerät zur Festung "wandern" möchte. Meine letzte und bisher einzige Befahrung lag aber schon einige Zeit zurück, und deshalb erinnerte ich mich nur daran, daß dies auf Rädern prinzipiell möglich ist.

Auf dem Eselsweg zur Festung Königstein
(Aufnahmeort)
Die Anfahrt über 64 km - natürlich auf einem riesigen Umweg - verlief erneut überdurchschnittlich flott. Derzeit bin ich offenbar gut in Schwung. Wie zu vermuten, änderte sich das schlagartig mit Beginn des Wanderwegs. Erst holperiges Sandsteinpflaster, welches teilweise mit Gras und Moos durchsetzt war. Bereits hier drehte hin und wieder mein Antriebsrad durch, nicht zuletzt auch aufgrund der (geschätzten) Steigung von ca. 12%. Nach knapp 100 m wechselte der Untergrund zu groben Schotter bei kaum nachlassender Steilheit. Dabei gab es immer wieder Stellen, wo abfließendes Regenwasser dem Wanderweg zugesetzt und Abflußrinnen gegraben hatte. Erst weitere 400 m später lag dieses unangenehme Teilstück, welches ich ebenfalls nur mit mehreren Zwischenstops bewältigen konnte, hinter mir. Im weiteren Verlauf folgten dann noch mehrere halbwegs gut zu überwindende Steinschwellen zum Ableiten des Regenwassers sowie auf dem an einer Kreuzung rechts abzweigenden schmaleren Wanderweg (den man wegen des gesperrten Hauptweges benutzten muß) eine für den Rollstuhl eigentlich zu schmale Spurrinne und anschließend ein lehmiger Hohlweg mit für die Bodenhaftung grenzwertiger Steigung. Insgesamt waren bei diesem Anstieg auf 1,5 km rund 120 Hm zu überwinden, was (in Verbindung mit dem längeren flachen Wegabschnitt) - für sich gesehen - bereits dessen Anspruch offenbart. Wer hier auf Rädern hinauf will, sollte über einige Erfahrung im schwierigen Gelände verfügen, um nicht in Teufels Küche zu geraten. Obwohl ich letztlich nicht die Möglichkeiten seiner eingesetzten Technik kenne, rate ich dem Rollifahrer also dringend davon ab, ganz ohne Begleitung über den Eselsweg zur Festung Königstein zu fahren.

Rund fünfunddreißig Minuten hielt mich dieser Anstieg inkl. Pausen und umfangreicher Fotodokumention auf - Zeit, die ich zum Schluß hätte gebrauchen können, um trotz Extraschleife vor dem Regen nachhause zu kommen. Umglücklich war ich trotzdem nicht, denn nun bin ich wieder auf dem aktuellen Stand, was diese alternative Zufahrt zur Festung Königstein betrifft. Meinen Sollvorgaben für's Training hat es übrigens auch nicht geschadet.

Alles gut!

17. August 2026

Aufhören, wenn's am besten läuft

Nach drei Wochen Urlaub werde ich mich ab morgen wieder meiner regelmäßigen Erwerbstätigkeit widmen. Dann bleiben nur noch das verlängerte Wochenende (inkl. Montag) sowie gelegentlich der Freitagnachmittag für größere sportliche Aktivitäten.

Über Waltersdorf erhebt sich der Lilienstein und
dahinter die Festung Königstein (Aufnahmeort)
Am vergangenen Sonnabend wählte ich die Hintere Sächsisch-Böhmische Schweiz als Tourenziel. Die waldreiche Gegend ist nicht nur für warme Tage eine Empfehlung, obwohl gerade im für den Kraftverkehr gesperrten Khaatal (Kyjovské údolí) zur besten Tageszeit inzwischen viele Ausflügler und Zweiradtouristen unterwegs sind.

Den Rückweg legte ich über Nixdorf (Mikulášovice), weil dort an diesem Wochenende lt. Ankündigung auf Facebook eine Wallfahrt stattfand und ich mir diese ansehen wollte. Leider konnte ich dann dort außer dem geöffneten Kirchenportal auf meiner Durchfahrt nichts davon entdecken,  doch war ich vielleicht einfach nur zu früh vorort. Die Kirchenveranstaltungen sowie die Messe sollten nämlich erst am späten Nachmittag stattfinden. Mit meiner Vorstellung, daß es rund um diese Wallfahrt auch einen kirmesähnlichen Jahrmarkt oder wenigstens Versamlungen gibt, hatte die Realität jedenfalls nichts zu tun. Nixdorf war zu jener Zeit genauso leer und uninteressant wie sonst auch.

Noch weit vor dem Mittag lag die Holperstrecke zwischen Lobendau (Lobendava) und der tschechisch-deutschen Grenze vor Langburkersdorf hinter mir, welche ich immer wegen der Reifenpannengefahr ziemlich entlangschleiche. (Allerdings ist sie der beste Weg aus dem Schluckenauer Zipfel, um nachfolgend fast nur noch bergab bis Pirna zu rollen.) Bevor sich die große Hitze an diesem Tag ausbreitete, kam ich wieder zuhause an.

Gestern wollte ich zum Urlaubsausklang wenigstens eine Minirunde fahren, obwohl die Wetterprognose nicht so rosig aussah. Und tatsächlich näherte sich (endlich!) ein großes Regengebiet, das damit bei mir für einen sportfreien Vormittag sorgte. Erst um die Mittagszeit konnte ich starten.

Die Straßen noch naß, die Luftfeuchtigkeit entsprechend hoch, hielt ich mich anfangs zurück. Da ich sowieso noch erkunden wollte, ob eine wegen Bauarbeiten gesperrte Strecke meines Arbeitswegs inzwischen wieder freigegeben wurde, bot sich eine Tour im städtischen Umfeld von Dresden an. Zur Auflockerung gab's zwei leichtere Anstiege, doch ansonsten verlief der rechtselbische Teil meiner Ausfahrt recht flach.

Nachdem ich die Elbe auf der Eisenbahnbrücke von Niederwartha überquert hatte, lockte mich aber die Serpentinenstraße hinauf nach Oberwartha. Diesem Anstieg folgten auf der Rückfahrt sukzessive weitere drei Auffahrten, wobei ich mich - meine Durchschnittsgeschwindigkeit immer im Blick - jedesmal ziemlich spontan dazu entschloß. Aber es rollte wirklich gut! Gegen Ende der Tour hatte ich wirklich fast alle meine Reserven aufgebraucht, sodaß ich nur noch relativ locker die letzten Kilometer im Seidewitztal abwärts bis Pirna absolvierte. Da wußte ich bereits, daß ich auch diesmal weit über meinen Sollvorgaben lag.

Insgesamt bin ich mit der Ausbeute der vergangenen drei Urlaubswochen sehr zufrieden. 7 Touren in den Alpen über 470 km und 10.530 Hm sowie danach in der Heimat auf 5 Touren 680 km mit 6550 Hm sind ein absolut akzeptables Ergebnis. Höhepunkte waren dabei die Fahrten auf den Großen Speikkogel in Österreich und den Monte Zoncolan in Italien sowie der Lange Kanten in die Lausitz.

In den nächsten Wochen wird es wieder etwas ruhiger ...

14. August 2026

Auch Berge ...

Meine Heimatstadt Pirna befindet sich zwar nur ca. 110 m ü. NHN, doch wenige Kilometer südlich vom Elbtal beginnt schon das Erzgebirge. Die höchsten Berge im östlichsten Teil des langgestreckten Gebirgszuges - welcher übrigens auch die Grenze zwischen Deutschland und der tschechischen Republik markiert - reichen dabei immer noch bis knapp über 900 m.

Ganz so weit hinauf ging es gestern bei mir nicht, doch befand sich der Scheitelpunkt meiner Tour  kurz vor Böhmisch Zinnwald (Cínovec) immerhin auf 876 m ü. NHN. Damit lag dieser rund 760 m höher als mein Zuhause. Im Gegensatz zur letzten Alpentour genau eine Woche zuvor hatte ich allerdings wesentlich mehr Strecke, um diese Höhe zu erreichen. Auch gab es zwischendurch ein paar Abfahrten, welche die Kletterei etwas auflockerten.

Über Neustadt im Erzgebirge thront der Stürmer
(Bouřňák, Aufnahmeort)
Diesmal suchte ich mir für die Anfahrt zum Erzgebirgskamm einen Weg, den ich so in voller Länge bisher noch nie gefahren bin. Um nämlich die verkehrsintensive und recht eintönige Bundesstraße B170  zu vermeiden, stellte ich mir stückweise eine Strecke zusammen, welche tatsächlich größtenteils parallel zur Hauptverkehrsachse verlief. Von Hähnichen führte diese auf verkehrsruhigen und vor allem im Abschnitt zwischen dem Ortsausgang von Reichstädt bis zur Abfahrt ins Tal der Wilden Weißeritz vor Seyde herrlich aussichtsreichen Straßen bis zum Grenzübergang Neu-Rehefeld und weiter nach Neustadt im Erzgebirge (Nové Město), dem südlichsten Punkt der Tour. Das waren insgesamt fast 45 km!

Auf dem Teilstück zwischen Wittichbaude (Horská chata Vitiška) und Böhmisch Zinnwald (s. Track vom 13.08., km 65,7 -71,8) werde ich in ein paar Monaten hoffentlich wieder auf Brettern mit meinen Freunden unterwegs sein, denn im Winter wird diese Straße als Teil der KLM (Krušnohorská lyžařská magistrála - Erzgebirgsskimagistrale) für den Kraftverkehr gesperrt und als Loipe präpariert.

Nach dem kleinen Umweg über Altenberg folgte ich ab Lauenstein stetig abwärts der Müglitz. 37 km ausschließlich bergab reichten für die erfolgreiche Aufholjagd aus, sodaß ich mir zum Schluß den Extrazacken über Zehista leisten konnte. Nach den angenehmen Temperaturen auf den Höhen des Erzgebirges wurde mir dabei noch einmal ziemlich warm, dafür ersparte ich mir aber den Elberadweg.

Die langen Anstiege in das höchste Gebirge des Landkreises Sächsische Schweiz - Osterzgebirge waren und sind das perfekte Training für die großen Berge in den Alpen. Schöne Landschaft gibt's gratis dazu!

12. August 2026

Mittelalter in der Lausitz?

Das Tourenbild eines Strava-Sportfreunds erregte mein Interesse. Darauf waren etliche aus Backsteinziegeln gemauerter Vierertürme zu sehen, die mich sofort an mittelalterliche Donjons erinnerten. Was hatte es damit auf sich? Jedenfalls entstand ziemlich spontan die Idee, die Besichtigung der Bauwerke in Lauchhammer gleich mit einem weiteren Langen Kanten - dem nun schon sechsten in der aktuellen Saison - zu verbinden.

Die Wettervorhersage für den Dienstag versprach beste Bedingungen. Dennoch startete ich erneut vor Sonnenaufgang. Ich glaube, so viele Nacht- bzw. Morgendämmerungstouren wie in dieser Saison, sind bei mir bisher noch nie zusammengekommen. Weil es in nördliche Richtung ging, war das Streckenprofil aber sehr flach. Nur zu Beginn und später dann am Ende mußten ein paar Anstiege bewältigt werden, doch waren diesen natürlich nicht im mindesten mit denen zu vergleichen, welche ich mir noch eine Woche zuvor in den Alpen vorgenommen hatte.

Dementsprechend flott war ich unterwegs. Allmählich frischte zwar der Wind etwas aus nordwestlicher Richtung auf, doch dieser Gegenwind würde mich bald während der Rückfahrt zusätzlich schieben. Außerdem kühlte dieser Luftstrom wunderbar, ohne mich zu sehr auszubremsen. Bereits 11.30 Uhr erreichte ich die Sängerstadt Finsterwalde ("Wir sind die Sänger von Finsterwalde"), weshalb ich einen Extrazacken an meine geplante Strecke dranhing und noch Doberlug-Kirchhain mitnahm. Die Landstraßen in diesem Teil Brandenburges verliefen zwar des öfteren kilometerlang schnurgerade und boten auch sonst nicht viel (visuelle) Abwechslung, waren dafür aber zum "Meter machen" wie geschaffen. Radeln völlig frei von äußeren Reizen ... das darf auch mal sein.

Die Biotürme von Lauchhammer (Aufnahmeort)
Schließlich tauchten vor Lauchhammer rechts der Straße die erwähnten Türme auf. Sie wirkten auf mich recht eindrucksvoll. Gleich daneben gab es eine Art Freilichtgalerie mit Artefakten und Gerätschaften aus dem Bergbau. In dieser Gegend wurde ja einst ebenfalls im großen Stil Braunkohle im Tagebau gefördert. Eine Erklärung zu dieser industriellen Anlage habe ich vorort leider vergeblich gesucht, doch nach der Recherche in Wikipedia weiß ich nun über deren Zweck Bescheid. Mich wundert nur, daß sie bisher noch nicht als Filmkulisse für beispielsweise einen dystopischen Film entdeckt wurden ... Optisch machen sie echt 'was her!

Immer noch kam ich so schnell voran, daß ich bald danach mir eine 1,5-stündige Pause bei Freunden leisten konnte. Es gab viel zu erzählen, waren doch auch sie erst vor kurzem aus ihrem Urlaub auf dem Balkan zurückgekehrt.

Mittlerweile sanken die über den ganzen Tag sowieso immer erträglich gebliebenen Temperaturen und das Licht wurde am späten Nachmittag immer goldener. Für das letzte Viertel meines Langen Kantens genau die Bedingungen, die ich mir immer wünsche. Es wurde nicht nur eine sehr schöne Fahrt in den beginnenden Abend, ich konnte zudem nun auch tempomäßig eine weitere Schippe drauflegen. Selbst die wenigen Anstiege brachten mich nicht aus dem Takt. So locker habe ich lange nicht mehr eine solche Streckenlänge am Stück absolviert.

Eigentlich hätte ich noch stundenlang weiterfahren können, wäre dann aber irgendwann wieder in die Dunkelheit gekommen. Als sich meine allerbeste Sportfreundin kurzentschlossen für einen abendlichen Besuch ankündigte, war ich aber überhaupt nicht böse.

Erst um Mitternacht endete meine Schicht.

10. August 2026

Wechsel der Fahrtaktik

Weil mich eine liebe Freundin beim Ausräumen und Verstauen meines Urlaubskrempels unterstützte und ich daher viel schneller als sonst mit der Reisenachbereitung fertig war, konnte ich am Sonntag schon wieder die erste Handbiketour in der Heimat absolvieren.

Voller Elan und bei herrlich angenehmen 18-20°C widmete ich mich zunächst den Bergen. Kurz nach meiner Rückkehr aus dem Hochgebirge teste ich immer, wie stark sich die erfolgte Höhenakklimatisation auf die eigene Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Tatsächlich war auch gestern dieser positive Effekt deutlich zu spüren, zumal ich mich in den vorangegangenen zwei Tagen ohne körperliche Belastung ausreichend erholen konnte.

Zurück in der Felsenheimat, hier der Blick vom
Schönaer Ortsteil Reuterhof auf die Schrammsteine
(Aufnahmeort)
Noch vor dem Mittag und damit vor der Hitze beendete ich meine Kletterei auf der linken Elbseite mit einem absolut akzeptablem Geschwindigkeitsdurchschnitt nach 60 km und bereits mehr als 800 Hm. Verglichen mit meinen Pässefahrten in den Alpen war ich nun wieder drastisch schneller unterwegs. Aber das kam nicht von ungefähr oder zufällig, und deshalb werde ich auch überhaupt nicht nervös, wenn ich in den hohen Bergen idealerweise nur eine geradeso zweistellige Durchschnittsgeschwindigkeit erreiche. 

Woran das liegt? Erstens müssen bei Paßanstiegen in der Regel wesentlich größere Höhenunterschiede auf oftmals gleicher oder sogar kürzerer Strecke überwunden werden. Die Länge des Anstiegs bedingt auch, daß ich mir meine Kräfte ganz anderes einteile, damit ich selbst nach mehreren Stunden ununterbrochenen Bergauffahrens immer noch über ausreichend Kraftreserven verfüge. Nicht selten folgen ja nach einem ersten Anstieg auch noch weitere nicht zu  unterschätzende Berge bzw. manchmal sogar erst die Auffahrt zum eigentlichen Tagesziel (beispielsweise bei meiner Fahrt auf den Monte Zoncolan). Wer hier von Anfang an auf Tempo statt auf Ausdauer setzt, ist entweder ein Konditionswundertalent oder einfach nur größenwahnsinnig - und im letzteren Fall zum Scheitern verurteilt.

Übrigens: da ich die Strecken üblicherweise bisher nicht aus eigenem Erleben kenne, sondern höchstens auf Beschreibungen und Erfahrungsberichte anderer zurückgreifen kann, bleibt trotzdem immer noch ein Unsicherheitsfaktor, den ich ebenfalls in meine Fahrtaktik einfließen lassen muß. Nicht nur die Steigung sowie die Verteilung der Hauptschwierigkeiten wird dabei häufig von jedem Sportler verschieden empfunden, auch die Qualität des Untergrunds (rissige, holperige Asphaltdecke) wirkt sich beim Fahren mit einem dreirädrigen Handbike erheblich stärker aus wie mit einem agileren Zweirad. Das gilt bergauf (Rollwiderstand) und bergab (Notwendigkeit des Bremsens).

Im heimatlichen Revier hingegen kenne ich alle Straßen. Außerdem existieren hier nur wenige längere Anstiege, welche dann auch nicht solche Höhenunterschiede überwinden. Zudem kann ich mir aufgrund des dichten Verkehrswegenetzes die Strecken anforderunsgsspezifisch paßgenau entsprechend meiner beabsichtigten Belastung zusammenstellen. Auch ganz spontan, denn in meinem Kopf befindet sich quasi eine Liste, auf der jeder Streckenabschnitt hinsichtlich seiner Anforderungen und des vorhandenen Straßenbelags eingeordnet ist. Mit diesem umfangreichen Wissen läßt sich wesentlich unbefangener zu Werke gehen. Im schlimmsten Fall, also bei Leistungsdefiziten, bleiben so viele Möglichkeiten, auf "leichtere" Straßen auszuweichen, daß ich häufig schon ab dem Start ein höheres Tempo vorlege. 

Auf meiner Wiedereinstiegstour bewegte ich mich aber auf der zweiten Hälfte der Strecke schließlich fast nur noch im flachen Gelände. Lediglich die Abkürzung über Waltersdorf war mit ein paar mehr Höhenmetern verbunden, in diesem Fall sogar mittels der 13%igen Steigung durch Porschdorf. Aber der steilste Teil davon war nur wenige hundert Meter lang, und ich wußte, wie es danach weitergeht.

Jeder direkte Vergleich zwischen Paßstraßen und Anstiegen in der Heimat würde deshalb hinken.

8. August 2026

Loslassen und ankommen

Am 6. August endete meine diesjährige Pässejagd mit der Handbiketour zum Sella di Razzo.

Ich hatte mir dafür eine schöne Rundstrecke zusammengestellt, doch bei dem etwas verworrenem Transfer im Auto zum letzten geplanten Basislager in Ovaro stellte ich fest, daß die besonders empfohlene Straße durch die Lumiei-Schlucht wegen Tunnelbauarbeiten derzeit voll gesperrt ist. Die nahegelegene Streckenalternative über den Passo di Pura entging jedoch meiner Beachtung, hätte mich aber auch zusätzliche 470 Hm gekostet. Mit frischen Kräften und vor allem bei besseren Witterungsbedingungen (d.h. stabiles Wetter und keine Hitze) wäre das sicher machbar gewesen, doch nach den sechs vorangegangenen Pässetouren ging mir langsam die Puste aus. Außerdem stellte sich allmählich ein gewisses Sättigungsgefühl ein - es reichte einfach ...

Jedenfalls entschied ich mich für die Rückkehr zum Basislager auf gleicher Strecke. Das hatte den Vorteil, den unteren Teil der Paßfahrt noch einmal bei Tageslicht zu erleben. Da es nicht nur wieder sehr heiß werden sollte, sondern ab Mittag zudem Gewitter drohten, brach ich nämlich wie bisher meistens in diesem Urlaub lange vor dem Sonnenaufgang auf. 

Natürlich dann immer mit voller Beleuchtung. Trotzdem fuhr mich diesmal kurz vor einer Ortschaft im unteren Val Pesarina ein extrem kurvenschneidender und bestimmt auch viel zu schneller Autofahrer im Gegenverkehr fast über den Haufen. Ohne einen Anflug von Einsicht in sein Fehlverhalten hupte er mich dabei an, statt sich auf's Bremsen zu konzentrieren. Später kam er zurück. Ich merkte dies daran, daß ein Fahrer von hinten auf gerader Strecke völlig grundlos beim Überholen lang und böse hupte. Das konnte nur er gewesen sein, denn schließlich kam mir der silberfarbene VW-Bus bei fortgeschrittener Dämmerung noch einmal entgegen. Nun schaltete dieser Typ kurz vor mir das Fernlicht ein, um mich noch mehr zu blenden. - Ich kann mich nicht erinnern, jemals einem derart aggressiven Motoristen begegnet zu sein ...

Am Ende des Abstechers zum Sella di Rioda kurz
vor den Serpentinen hinab nach Sauris (Aufnahmeort)
Die Auffahrt zum Scheitelpunkt der Tour an sich verlief erfreulich abwechslungsreich und wurde auch trotz der rund 1340 Hm ab Ovaro nicht zu anspruchsvoll. Deshalb halte ich die Strecke durchaus auch für Pässejagd-Einsteiger geeignet. Es war zudem alles dabei, was eine erlebnisreiche Tour ausmacht: Ortsdurchfahrten durch schöne alte Dörfer mit engen Straßen, eine Schlucht mit mehreren Tunneln (bzw. halboffenen Lawinengalerien), einige Kehrenabschnitte sowie eine schön gewundene Straßenpassage. Ganz oben gab es zudem herrliche Ausblicke auf die beeindruckende Bergwelt mit ihren schroffen Felsen und den grünen Almen. Selbst ich kann mir durchaus vorstellen, hierher später einmal für weitere Touren zurückzukehren.

An diesem Tag erreichte ich sogar noch ein zweites Mal die 1800 m Meereshöhe, welche ich bisher nur während der Fahrt auf den Großen Speikkogel überschritten hatte. Diese Marke war mir jedenfalls den 2-km-Abstecher in Richtung Sauris zum Sella di Rioda wert, welcher mich zudem mit etlichen schönen Ausblicken in fast alle Himmelsrichtungen belohnte. Ein solch malerisches Almgebiet habe ich noch nicht zu oft auf meinen Touren kennengelernt.

Die Rückfahrt bergab zum Campingplatz gestaltete sich als entspannte Fototour, bei der ich noch einmal ganz ohne jede Anstrengung die herrliche Gebirgslandschaft genoß. In der zwölften Stunde des Tages kam nun auch die Hitze, doch kühlte der Fahrtwind fast bis zum Schluß immer noch angenehm. Die zweite Tageshälfte verbrachte ich schließlich mit notwendigen Verrichtungen und Reisevorbereitungen. Leider wird der dafür nötige Zeitaufwand immer größer, ich bin eben nicht mehr der jüngste.

Hoffentlich aber noch viele Jahre nicht zu alt, um weitere Straßenpässe in den Alpen mit dem Handbike zu bezwingen.