21. Juni 2026

Kein kühler Fleck

Noch am vergangenen Montag kühles, windiges Wetter - doch spätestens freitags kam die große Hitze. Anstrengende, sportliche Aktivitäten in Tagesmitte sind daher momentan wirklich nicht empfehlenswert, und daran habe ich mich an den vergangenen Tagen gehalten. Für mich war die zu erwartende warme Sommernacht allerdings die Gelegenheit für eine erneute Übernachtung im Freien. Solche Erlebnisse sind für mich recht selten möglich - bisher nur zweimal, nämlich im Jahr 2023 mit meinen Sportfreunden Christiane und Lád'a und vor genau einem Jahr mit Jens, meinem Radlfreund aus dem Erzgebirge

Letzten Anstoß dazu gab das alljährlich um Mittsommer stattfindende Stadtfest in Pirna, bei dem auf dem Marktplatz direkt unter meinem Fenster die Hölle los ist. Dieses "infernalische Getöse" (Zitat Timur Vermes: "Er ist wieder da") bis weit nach Mitternacht und damit eine schlaflose Nacht wollte ich mir unbedingt ersparen, und so packte ich meinen Krempel. Outdoor-Luftmatratze, eine große Plasteplane (als Unterlage) sowie eine Fleecedecke konnte ich neben meinen sonstigen Radtourenutensilien inkl. zusätzlicher Hygieneartikel (Kathedersets) sowie meiner Verpflegung noch gut auf meinem Handbike verstauen. Freilich kalkulierte ich mein Essen und Trinken relativ knapp, ließ mir aber die Möglichkeit offen, nach der Nacht einen Zwischenstop in meiner Wohnung zum "Nachtanken" einzulegen. Für mich war wichtig, alles selbst - d.h. ohne fremde Hilfe - verpacken und benutzen zu können.

Kurz nach 18.00 Uhr startete ich am Freitag schließlich von Pirna. Die größte Hitze des Tages war inzwischen vorüber, deshalb fuhr ich zunächst noch eine Runde südlich der Elbe. Der Anstieg nach Cotta (s. Track vom 19.06., km 6,6 - 8,2) kostete mich dabei den meisten Schweiß, doch konnte ich im Bahretal danach wieder einigermaßen herunterkühlen. Auf dem Weg zu meinem Übernachtungsort, einer Schutzhütte im Schönfelder Hochland, überquerte ich schließlich die Elbe. Reichlich 3 km vor meinem Ziel ging die Sonne unter, doch blieb es bei klarem Himmel noch lange hell. So konnte ich mich dort ohne Eile gut einrichten.

Nächtlicher Blick in Richtung Pirna, gut zu
erkennen die Hochhäuser des Ortsteils Sonnenstein
(Aufnahmeort)
Meine größe Befürchtung, daß der Platz schon z.B. durch die Dorfjugend belegt ist, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil: ich war weit und breit der einzige Mensch - die perfekte Illusion von Abgeschiedenheit! Es wurde ein schöner Abend und eine besinnliche Nacht, ganz allein mit mir und meinen Gedanken. Doch sogar bis hierhin drang der Lärm von der Hauptbühne des Pirnaer Stadtfestes, obwohl es bis dahin mehr als sieben Kilometer Luftlinie waren. Gegen drei Uhr nachts herrschte endlich Stille.

Zu meinem 58. Geburtstag fuhr ich dann schon relativ zeitig wieder los. Ursprünglich hatte ich nur eine ebenso kurze Tour wie am Freitag vorgesehen, doch bald packte mich der Ehrgeiz. 100 km vor der großen Hitze waren vielleicht möglich, jedenfalls wollte ich es versuchen.

Bis kurz vor Bischofswerda, also bis 10.00 Uhr, ging meine Rechnung auch auf. Nur noch ein größerer Anstieg mit außerdem moderater Steigung erwartete mich danach, und so hoffte ich auf weiterhin gutes Vorankommen. Das allmähliche Heißlaufen konnte ich zudem durch unterdurchschnittlich viele Höhenmeter der Strecke einigermaßen kompensieren, denn insgesamt waren es bis Pirna aufgrund des höhergelegenen Schlafplatzes ja 250 Hm weniger bergauf als abwärts.

Trotzdem wurde es immer mühsamer. Außerdem machten sich nun bei Temperaturen erheblich über 30°C auch der Nahrungs- und Getränkemangel leistungsmindernd bemerkbar. Eine längere Freß- und Trinkpause in Polenz bewirkte ebenfalls keine fundamentale Verbesserung. Der letzte erwähnenswerte Aufschwinger hinter Porschendorf (s. Track vom 20.06., km 96,0 - 96,5) kam mir daher zum Schluß wie eine Steilrampe vor. Unglaubliche vier Zwischenstops mußte ich hier zum Verschnaufen einlegen - an einem Berg, den ich zwar nicht besonders mag, aber dennoch sonst immer flüssig durchfahre.

Ziemlich (von der Hitze) ausgelaugt, erreichte ich schließlich 14.00 Uhr mein Zuhause. Es dauerte eine geraume Weile, bis ich mich danach wieder in halbwegs akzeptabler körperlicher Verfassung befand. Trotz des erneuten Lärms vor meiner Wohnung, bin ich abends dann gut eingeschlafen ...

16. Juni 2026

Dreimal kurz

In den vergangenen Tagen kam der April noch einmal zurück. Temperaturen unter 20°C und ein Flickenteppich von Niederschlagsgebieten überzogen das Land und machten das Handbiken zu einer Art Lotteriespiel. Jedenfalls dann, wenn man unterwegs nicht naß werden wollte.

Nicht nur wegen einer offenen Verletzung der Haut im Sitzbereich nahm ich mir also für's Wochenende nicht zuviel vor. Nachdem ich bereits am Freitag meine Nachmittagsrunde gestrichen hatte (bloß gut!), sah es anderntags auch nicht viel besser aus. Trotzdem wagte ich den Aufbruch, als die ersten Schauer durchgezogen waren. Wenigstens wollte ich meine Sportfreundin Christiane in der Bergwachthütte in Rathen besuchen, wo sie gerade mit anderen Ehrenamtlichen die Unfallbereitschaft für das Wochenende absicherte.

Von der Woche körperlich noch ausgeruht, rollte es gut voran, und vor dem Mittag hielt sich auch der Gegenwind noch in Grenzen. In Eschdorf mußte ich dann aber das erste Mal eine 45-minütige Pause im Unterstand einer Bushaltestelle einlegen, bis zur Abfahrt ins Elbtal kamen dann noch zwei weitere erzwungene Zwischenstops hinzu. Dafür blieb ich jedoch den ganzen Tag lang trocken. Nach der Kaffeetrinkerpause bei meinen Freunden in Rathen trudelte ich schließlich abends einigermaßen entspannt wieder zuhause ein. 

Auch für den Sonntag plante ich nur mit einer kurzen Strecke - für mich ist dies das Minimalprogramm mit knapp über 100 km. Diesmal war das Wetter zwar stabiler, allerdings blies der Westwind kräftiger als am Vortag. In meinem Navi befand sich noch eine Strecke, die ich mir mal als Feierabendtour zusammengestellt hatte. Die sollte es nun sein.

Oberhalb von Hartmannsbach, am Horizont ist in
Bildmitte die Burgruine von Frauenstein zu erahnen
(Aufnahmeort)
Doch schon beim Einrollen im flachen Gelände wurde ich erheblich vom Gegenwind ausgebremst, sodaß ich bereits frühzeitig meinem Virtual Partner hinterherfuhr. Zusätzlich erwies sich die gewählte Route als wesentlich anspruchsvoller, wie die Zusammenfassung der Daten auf dem Navi zunächst vermuten ließ. Vor allem der Anstieg unterhalb der Talsperre Lehnmühle aus dem Tal der Wilden Weißeritz überraschte mich ob seiner Steilheit (s. Track vom 14.06., km 61,0 - 62,3). Diesen Berg kannte ich bisher nur in der Gegenrichtung. Ich fuhr ihn trotzdem ohne Halt durch, und das kam mir ein paar Minuten danach zugute. Denn keinen Augenblick zu spät erreichte nach der langen Abfahrt durch Reichstädt erneut ein Buswartehäuschen, wo ich geschützt die nun folgende Sintflut recht komfortabel vorüberziehen lassen konnte. Das wäre sonst überhaupt nicht gut für mich ausgegangen!

In Hirschbach stand ich schließlich vor der Entscheidung, entweder nur noch bergab bzw. eben nachhause zu rollen - zum Schluß auf der Strecke der Anfahrt - oder aber auf der konfigurierten Strecke weitere Anstiege zu absolvieren. Im ersten Fall hätte ich wahrscheinlich meine Geschwindigkeitsvorgabe tatsächlich noch erreicht, doch sammelte ich an diesem Tag lieber Höhenmeter. So gesehen, war am Ende der Durchschnitt von 14,2 km/h bei 1450 Hm auf 104 km absolut akzeptabel.

Auch gestern zog es mich bei dicker Wolkendecke, kräftigen Wind und ca. 12°C überhaupt nicht nach draußen. Ich redete mir aber gut zu, indem ich lediglich zu einer konditionell anspruchslosen Trainingstour startete. Die flachen, aufgrund des Gegenwinds nervtötenden Kilometer auf dem Elberadweg bis Meißen hatte ich bis 11.00 Uhr abgehakt.

Danach wurde es zwar hügelig, doch mit dem Wind im Rücken nahm ich ordentlich Fahrt auf. Deshalb verlegte ich die Rückfahrt nach Pirna auch etwas weiter nördlich in offenes Gelände. Daß dabei einige Straßen relativ stark vom Kraftverkehr frequentiert waren, nahm ich in Kauf, zumal es unmittelbar daneben auch immer wieder gut ausgebaute Radwege gab. Erst in Eschdorf wählte ich den ruhigeren Umweg über Dürrröhrs- und Porschendorf nach Pirna (s. Track vom 15.06., km 99,8 - 110,0). Am Ende der dritten Tour in Folge ging es mir konditionell (nach dem zwischenzeitlichen, jedoch durchaus üblichen Hänger kurz vor dem letzten Viertel) immer noch recht passabel. Statt weiterer Abstecher freute ich mich dennoch auf das Trainingsende zur Kaffeetrinkerzeit.

In nächster Zukunft möchte ich mir nämlich gern mal wieder längere Touren zumuten.

9. Juni 2026

Neu entdeckt

Schon seit längerer Zeit wollte ich für einen neuen Wandervorschlag im Routenportal des Tourismusverbands Sächsische Schweiz das Walderlebniszentrum Leupoldishain erkunden. Ich kannte das Areal noch vor der umfassenden Erneuerung, doch seitdem hat sich dort viel getan. Außerdem bot es sich bei dieser Gelegenheit an, gleich noch den Zugang zur Waldbühne auf Rollitauglichkeit zu testen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals schon einmal dort gewesen zu sein.

Am Montag klappte es nun endlich. Mit Ute hatte ich mich dafür bei schönstem Wetter verabredet, Peggy war diesmal aber leider verhindert. Zuerst besuchten wir natürlich die Einrichtung des Sachsenforst. Auf überraschend kleiner Fläche ist dort ein wirklich sehenswertes und erlebnisreiches Ausflugsziel für die ganze Familie entstanden - ganz im Gegensatz zur Weitläufigkeit der Waldhusche in Hinterhermsdorf.

Die Vielfalt der Möglichkeiten zum aktiven Erleben, die sich vor allem durch die abwechslungsreiche Topologie (Wald, Dickicht, Wiese, Feuchtbiotop, Felsen) ergeben, hat mich wirklich sehr überrascht. Und das zentrale Gebäude ist einfach nur ein Schmuckstück, welches sich wunderbar in die Umgebung einfügt. Dazu gibt's noch den herrlichen Ausblick nach Nordosten über Festung Königstein, Lilienstein bis hin zum Pfaffenstein. Hier kann man durchaus auch länger verweilen.

In der Wildpretskammer (Aufnahmeort)
Nach unserem Besuch im Walderlebniszentrum wanderten wir schließlich zur Waldbühne Leupoldishain. Trotz des wegen Bauarbeiten derzeit gesperrten Hauptzugangs ab der Ortsmitte von Leupoldishain, war zumindest der untere Weg ab dem Ortsteil Nikolsdorf komfortabel mit dem Rolli befahrbar. Wir benutzten ihn für den Rückweg (s. Track vom 08.06., km 2,6 - 2,9). Auch der schmale Pfad darüber ließ sich im Rolli bewältigen, allerdings fühlte ich mich dabei in Begleitung von Ute wesentlich wohler. Bis zur Waldbühne mußten wir dann vom tiefsten Punkt des Weges noch einmal fast 40 Hm auf ca. 500 m bewältigen, weswegen ich davon ausgehe, daß man hier - so wie ich - im Rollstuhl Schiebeunterstützung benötigt, selbst auf der etwas längeren Strecke.

Nach dem schönen Picknick mit Erdbeertorte von Ute "arbeiteten" wir uns noch im weglosen Gelände bei leidlich gut berollbarem Untergrund bis zu einer Höhle am Ende von Bärs Grund vor, die sowohl unter Wildbretskammer als auch als Kleiner Kuhstall auf den Karten eingezeichnet ist. Romantisch in einem Felskessel gelegen, war das natürlich ein besonderer Höhepunkt der Tour.

Am zeitigen Nachmittag kehrten wir von unserem reichlich zweistündigen Spaziergang zurück.

8. Juni 2026

Momentum

Derzeit rollt es richtig gut - optimale Witterung und meine dazu passende Motivation macht's möglich.

Weil ich mich am Sonnabend nachmittags mit meiner Sportfreundin Christiane treffen wollte, verschob ich die ursprünglich geplante Tour ins Böhmische Mittelgebirge und peilte stattdessen wieder mal die Panoramastraße im Osterzgebirge an. Diese ist quasi meine unangefochtene Lieblingsstrecke in der Region, auch wenn sie mittlerweile zur besten Tageszeit durch Unmassen von Motorrad- und Autofahrern heimgesucht wird.

Jedenfalls nahm ich diesmal sogar noch den Abschnitt zwischen Nollendorf (Nakléřov) und Schönwald (Krásny Les) mit, der offensichtlich erst vor kurzem ganz neu asphaltiert wurde. Doch auch der Rest der Strecke bis Moldau (Moldava) ist hinsichtlich des Straßenbelags mittlerweile in einem tadellosen Zustand inklusive etlicher weiterer vor kurzem erneuerter Abschnitte. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß man diese Straße (s. Track vom 06.06., km 29,6 - 63,5) demnächst mal für ein (internationales) Radrennen ins Gespräch bringen will. Wert wäre sie es auf jeden Fall!

Zu früher Morgenstunde war es hier übrigens noch recht still, erst kurz vor Voitsdorf (Fojtovice) setzte allmählich der Kraftverkehr ein. Dafür teilte ich mir an diesem Tag etliche Kilometer der Straße durch das Böhmische Erzgebirge mit vielen weiteren Radsportlern, die am sogenannten "Erztaler" teilnahmen. Erst in Dippoldiswalde trennten sich endgültig unsere Wege, aber da lag auch für mich der anstrengendste Teil bereits hinter mir. Trotz der vielen Höhenmeter lag ich immer noch gut in der Zeit, dafür verging beim Schwof mit Christiane diese wie im Fluge. Zwei Stunden waren fast wie ein Augenblick.

Danach hatte ich keine Lust mehr auf Umwege und steuerte direkt mein Zuhause an. Kurz nach halb Fünf war der Tag für mich gelaufen.

Gestern wählte ich als Tourenziel den tschechischen Teil des Elbsandsteingbirges. Meine Sportfreundin erwähnte nämlich am Vortag, daß sie dort am Sonntag ab Dittersbach (Jetřichovice) gemeinsam mit ihrer Ältesten eine weitere Etappe des historischen Kammwegs wandern wollte. Vielleicht würde ich sie dort ja treffen, obwohl es nur wenige hundert Meter gab, wo wir uns den Weg teilten.

Erneut kam ich wieder überdurchschnittlich flott voran, denn die Anstrengungen des Vortages hatten bei mir keine Spuren hinterlassen. Selbst die 18%-Rampe von Rathen nach Waltersdorf (s. Track vom 07.06., 13,4 - 14,1) war ich diesmal zügig hochgeklettert. Solche immer wieder schön zu fahrenden Anstiege, wie die Straße von Herrnskretschen (Hřensko) nach Rainwiese (Mezní Louka, s. Track vom 06.06., km 31,0 - 36,0) bzw. weiter bis zum Hotel "Linde" in Hohen Leipa (Vysoká Lípa, s. Track vom 06.06., km 38,1 - 40,6) oder auch von Dittersbach in Richtung Schemmel (Všemily, s. Track vom 06.06., km 44,5 - 45,6), hielten mich dabei nicht sonderlich auf.

Am Klettergarten in Windisch Kamnitz (Aufnahmeort)
Tatsächlich geschah dann in Windisch Kamnitz (Srbská Kamenice) das Unglaubliche: Nahe des "Klettersteigs" (einer 10 m Steinbruchwand mit vier Drahtseilen und Eisenklammern) winkten mir beim Vorbeifahren plötzlich Christiane und ihre Tochter zu. Natürlich ging ich sofort auf die Eisen. Den Schwatz verband ich dabei mit der Bitte, daß doch meine Sportfreundin gleich noch ein Foto von mir schießen möge. Weil ich meist allein unterwegs bin, gibt es für derartige Bilder selten Möglichkeiten, und Selfies sind eigentlich fast immer suboptimal.

Nachdem sich unsere Wege wieder getrennt hatten - die beiden wanderten nun durch Schluchten und über Berge zurück nach Herrnskretschen - setzte ich meine Fahrt munter in Richtung Bensen (Benešov) im Tal des Polzen (Ploučnice) fort. Die Begegnung hatte mir zusätzlichen Schwung gegeben.

Die letzten reichlich sechzig Kilometer meiner Ausfahrt verliefen dann nur auf Standard- , will sagen: (für mich) langweiligen Strecken, die es mit dem Fleiß einer Ameise abzuarbeiten galt. Nur der Abstecher über Cunnersdorf zur Verbesserung der Höhenmeterbilanz lockerte die Fahrt etwas auf und ersparte mir für eine Weile all diese Gestalten mit Zweirädern, die bei dem herrlichen Sonntagswetter entlang der Elbe unterwegs sind.

Allerdings reichte es mir für dieses Mal, als ich schließlich am späten Nachmittag zuhause eintraf. Für das absolvierte Wochenendpensum geht das aber in Ordnung.

2. Juni 2026

Ruhe tut gut ...

Ursprünglich war gestern eine Rolliwanderung geplant, doch dann regnete es in der Nacht zuvor. Unter solchen Bedingungen wäre es im Wald also eine ziemliche Schlammschlacht geworden, außerdem hätte ich mich nur mit Ute als meine Begleiterin treffen können. Als am Morgen aber bereits alle Regengebiete durchgezogen waren, entschied ich dennoch für eine Tour. Mit dem Handbike durch weitestgehend offenes Gelände - das würde funktionieren, weil dort am ehesten der Untergrund abtrocknet.

Zu Füßen des Hutbergs liegt Kamenz (Aufnahmeort)
Mein Tagesziel sollte diesmal der Kamenzer Hutberg sein. Neben der Hutbergbühne gibt es dort einen schönen Rhododendron- und Azaleenpark, und nach meinem Ausflug im Jahr 2020 wollte ich mir die bunte Blütenpracht wieder mal anschauen. Leider kam ich jahreszeitlich zu spät - das war mir vorher gar nicht so bewußt. Dafür testete ich bergab eine mir noch unbekannte Strecke, die mich mit weiten Blicken übers Land belohnte.

Meine Tourenpause am Sonntag hatte sich übrigens ebenfalls bezahlt gemacht. Schon beim Anstieg aus dem Elbtal kurz nach dem Start konnte ich ordentlich Druck auf die Kurbel geben, ohne gleich außer Atem zu kommen. In der Folge blieb ich immer dicht dran an meinen Sollwerten, obwohl ich teilweise mehr als 200 Hm über der angestrebten 1%-Marke lag (d.h. z.B. 600 Hm auf 40 km). Natürlich spielte mir dabei ebenfalls das mit ca. 16 - 20°C angenehm kühle Wetter sowie der bedeckte Himmel in die Karten.

Jedenfalls bog ich während der Rückfahrt schließlich in Pulsnitz westwärts ab, um noch ein paar zusätzliche Kilometer zu schinden. Bei immer mehr Sonnenschein wurde es nun zwar wärmer, doch die meisten Anstiege lagen ja bereits hinter mir. Am Ende rollte ich auf dem Elberadweg ab Dresden mit Rückenwindunterstützung entspannt und erstaunlich unverbraucht zügig nachhause.

Die Schlappe vom vergangenen Sonnabend ist damit fast vergessen.

31. Mai 2026

Das Gefühl einer Zitrone

Ich fühle mich ausgepreßt wie eine Zitrone. Noch während meiner Feierabendrunde am Freitag war ich trotz etlicher Anstiege recht flüssig unterwegs, doch gestern bin ich leistungsmäßig eingebrochen, wie lange nicht mehr. Und das lag gewiß nicht ausschließlich an der Witterung sowie dem ruppigem Untergrund auf vielen Kilometern.

Meine Nachmittagstour am 29. Mai teilte ich mir in zwei Abschnitte. Der erste Teil führte mich ins südliche Elbsandsteingebirge, wo ich seit langer Zeit mal wieder die Forsttrasse über Ladeweg, Lampertsstraße und Sommerhübelweg (s. Track vom 29.05., km 22,9 - 30,9) gefahren bin. Die letzten 4,5 Kilometer verläuft diese Verbindung zwar nur noch auf nichtasphaltiertem Untergrund - doch bei moderater Steigung spielte das eine nicht ganz so große Rolle.

Auf dem Rückweg nach Pirna über Tyssa (Tisá) konnte ich bergab meinen Virtual Partner wieder einholen, und auch bei meiner Fahrt im zweiten Teilstück durch das Seidewitztal nach Liebstadt verlor ich nicht mehr übermäßig an Boden, sodaß ich am Ende in Dohna für ein paar zusätzliche Höhenmeter nochmal aus dem Müglitztal kletterte. Ganz offensichtlich liegen mir lange Anstiege mit moderater Steigung, kombiniert mit langen, gemäßigten Abfahrten.

Auch der Sonnabend begann eigentlich ganz gut. Der bedeckte Himmel bei Temperaturen um die 16°C war nahezu ideal für mich, auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, daß eine hohe Luftfeuchte den positiven Effekt schmälerte.

Diesmal nahm ich mir zunächst die Befahrung der Gelben Etappe des Rockheads - einer Gravelbike-Mehrtagestour durch das Elbsandsteingebirge und die Oberlausitz - vor, weil im Rahmen des Pirnaer Stadtradelns der Tourismusverband Sächsische Schweiz an diesem Tag zu einer gemeinsamen Tour eingeladen hatte. Ich bin bei solchen Veranstaltungen natürlich nicht so schnell wie "normale" Radfahrer und startete daher zwei Stunden früher.

Die Strecke dieser ersten Etappe verlief erstaunlich selten auf Schotterpisten (insgesamt nur 2,6 km), allerdings gab es auch dreimal holperiges Granitsteinpflaster sowie verwitterten alten Asphalt. Dennoch fiel mir der letzte Schotterabschnitt im Cunnersdorfer Forst auf der Langen Straße überdurchschnittlich schwer, vielleicht war ich ja noch vom Vortag kraftausdauermäßig etwas angeschlagen.

Als ich 11.30 Uhr endlich in Krippen das Elbtal erreichte, waren endlich alle nennenswerte Anstiege geschafft, doch dafür erwartete mich auf der Rückfahrt nach Westen kräftiger Gegenwind. Statt Erholung ging der Kampf also weiter. Fast zwei Stunden benötigte ich danach bis Pirna, wobei ich jedoch in Rathen zwischendurch an der geschlossenen Bahnschranke rund 10 Minuten warten mußte. Desweiteren war ein kurzer Abschnitt des Elberadwegs hinter Königstein wegen einer Baustelle gesperrt, die Radfahrer mußten dort auf der anderen Seite der Bahntrasse eine ziemlich abenteuerliche Umleitung inklusive Sandstein-Steilrampen zu Beginn und Ende benutzen (s. Track vom 30.05., km 46,4 - 46,8). Noch am Freitag hatten mich dort die Bauarbeiter freundlicherweise auf dem Radweg durchgelotst, doch diesmal wollte ich das ihnen und auch mir nicht erneut zumuten. - Die Teilnehmer der organisierten Rockhead-Tour haben mich übrigens nicht (mehr) eingeholt.

Auf dem zweiten Rundkurs des Tages ab Pirna über knapp 40 km und 320 Hm war ich dann im normalen Tempo unterwegs, da sich der flache Beginn bei starkem Gegenwind mit der bergigeren Strecke von Kreischa zurück zum Start einigermaßen ausglich. Bereits körperlich angeschlagen, gönnte ich mir zudem einen längeren Zwischenstop mit Freßpause, was mir sichtlich guttat.

Weiter Blick nach Osten. Rechts am Horizont sind die Tafelberge des Elbsandsteingebirges zu sehen, links davor die Hochhäuser von Pirna-Sonnenstein, während am linken Bildrand die Dresdner Elbtalweitung beginnt (Aufnahmeort).
Eine Überraschung lieferte dann die Tourenauswertung zuhause, denn es wurden beinahe astronomische Herzfrequenzwerte angezeigt. Tatsächlich scheint der Anzeige jedoch ein technisches Problem des Sensors zugrunde zu liegen, weswegen ich mich nach der ersten Aufregung wieder beruhigte. Letztlich sollte man wohl vor allem auf seine eigenen Körpersignale achten. Die deuteten aber diesmal ebenfalls in diese Richtung, wenn auch nicht ganz so drastisch.

Die heutige Ruhepause wird's hoffentlich richten ...

26. Mai 2026

Flach aber oho!

Für meinen nächsten Langen Kanten des Jahres 2026 hatte ich mir als Tagesziel den Collmberg bei Wernsdorf ausgesucht. Dort war ich bereits zweimal: Im Mai 2011 und im April 2020. Natürlich suchte ich mir dafür im westlichen und weiter entfernten Teil der Route Straßen und Radwege zusammen, die ich bisher noch nicht kannte. Auf der Karte sah diese Streckenführung absolut logisch aus.

Aufgrund der zu erwartenden Wärme verlegte ich meinen Start erneut in die späte Nacht. In den 1,5 Stunden bis Sonnenaufgang herrschten die für mich beinahe perfekten Bedingungen, sodaß ich ohne Schnappatmung Anstieg um Anstieg aneinanderreihen konnte. Beinahe stundenlang war ich der einzige Mensch im Gelände und genoß die Ruhe, in die sich bald das Vogelgezwitscher mischte.

Auf der Trasse der ehemaligen Schmalspurbahn
durch das Käbschütztal (Aufnahmeort)
Hinter Semmelsberg im Triebischtal erwartete mich endlich Neuland. Für den Weiterweg wechselte ich nämlich auf den Radwegtrassenradweg der ehemaligen Schmalspurbahn Wilsdruff–Döbeln-Gärtitz. Die Fahrt durch das Käbschütztal (s. Tack vom 25.05., km 58,9 - 64,3) war zwar stellenweise sehr romantisch, hielt mich wegen der Untergrundbeschaffenheit aber ziemlich auf. Danach wurde es wieder besser, doch dafür folgten nun unzählige kurze Anstiege und Abfahrten. Dieses Sägezahn-Streckenprofil zermürbte, zumal nun auch die Sonne ihre ganze Kraft zu entfalten begann.

Mit meiner Einstellung, im Flachland schnell und ohne Mühe voranzukommen, erlebte ich jedenfalls gründlich Schiffbruch. Auf den nach dem Verlassen der Bahntrasse folgenden rund 45 km Strecke bis kurz hinter Wermsdorf summierten sich mehr als 600 Hm, obwohl ich mich niemals höher als 230 m NHN befand! Erst 13.10 Uhr konnte ich schließlich zum finalen Sturm auf den Gipfel des Collmbergs ansetzen. Die Steigung der außer den ersten 400 m gepflasterten alte Straße überschritt dabei niemals 12%, trotzdem erzwang die Hitze drei Ruhepausen. Bloß gut, daß mich nur noch zwei nennenswerte Anstiege auf den letzten 90 km ausbremsten!

Am meisten ermüdete mich an diesem Tag schließlich die lange Fahrt auf dem Elberadweg von Zehren bis nach Pirna. Immerhin konnte ich hierbei einigen verlorenen Boden gutmachen, auch wenn es bis zum Ziel nicht für meine Wunschwerte reichte. Einige unwegsame Kilometer, das Streckenprofil des zweiten Viertels sowie die hochsommerlichen Temperaturen hatten das letztlich verhindert.

Ich kann mit diesem kleinen Schönheitsfehler leben.