29. Oktober 2025

Klettern im Elbsandstein 2026 - Beitrag für Kalenderblatt Februar

Schon seit einiger Zeit lag ein Text bei mir in der Schublade, den ich für den Kletterkalender von Mike Jäger verfaßt hatte. Er handelt von einem der großen, jedoch berühmt-berüchtigten Elbsandsteinklassiker: dem Kletterweg "Dolch" am Gipfel "Rohnspitze" in den Affensteinen.
 
Kalenderblatt-Beitrag
In der Ausgabe 2026 ist der Beitrag nun auf der Rückseite des Kalenderblatts für den Monat Februar veröffentlicht, zusammen mit dem dazugehörigen Auszug meines Fahrtenbuchs sowie eines durch das Elbehochwasser 2002 in Mitleidenschaft gezogenenen Fotos, welches Insa im Nachstieg zeigt, während ich (schlecht zu sehen) sie zu mir am Ring hochsichere.
 
Nach dieser langen Zeit kann ich deshalb noch so detailliert darüber berichten, weil es ein ganz besonderes Erlebnis für mich war. Nur wenige Klettereien - vorzugsweise die Begehungen klassischer Wege der Altvorderen - sind mir so deutlich in Erinnerung geblieben. Allerdings steigt auch hier mit jedem Jahr die Gefahr, daß sich bei meinen Schilderungen die damals erlebte Wirklichkeit unbewußt mit Legenden vermischt und aus einem Tatsachenbericht eine semi-fiktive Erzählung wird. Vielleicht ist dies daher mein letzter veröffentlichter Tourentext vom Klettern.
 
Der Kalender "Klettern im Elbsandstein 2026" kann im heimischen Buchhandel sowie direkt über den Verlag von Mike Jäger erworben werden. Zum Nachlesen des von mir freigegebenen Artikels am besten die Abbildung des Blogbeitrags in Volldarstellung anzeigen lassen (Bild mit rechter Maustaste anklicken und im Kontextmenü "Link im neuen Tab öffnen" auswählen).

27. Oktober 2025

Kurz - lang - kurz

Drei Handbiketouren sind es trotz einiger Hemmnisse in den vergangenen Tagen geworden. Aber letztlich konnte ich damit das wichtigste Monatsziel erreichen, und die Chancen stehen gut, daß ich mit einer Ausfahrt am kommenden Reformationstag auch noch mein Wunschziel hinsichtlich der Höhenmeter erreiche.

Bereits am Freitag sattelte ich meinen Drahtesel für eine Feierabendrunde, denn das angekündigte schlechte Wetter verzögerte sich offensichtlich. Natürlich wollte ich das Tageslicht maximal ausnutzen, schließlich war es der letzte Wochentag während der Sommerzeit. Dazu kam es dann allerdings nicht.

Als ich nämlich am Anstieg nach Burkhardswalde den Druck auf die Kurbel verstärkte, meldete sich mein linker Kurbelgriff. Zuerst nur mit mehren kurzen Knackgeräuschen (die registrierte ich schon seit einiger Zeit), dann jedoch mit einem längerem "Kreischen". Das kannte ich! Was nun passierte, überraschte mich deshalb nicht, hatte ich doch damit seit längerem gerechnet. Beim Kurbeln gab es in der Drehung immer mal Widerstand, bis diese schließlich blockierte und sich nur mit zusätzlichem Kraftaufwand wieder drehen ließ. Damit war der Tag gelaufen ...

Ich feilschte noch um ein paar Kilometer, steuerte aber nun mein Zuhause an. Dort lag das Ersatzteil schon bereit. Sonst hatte ich es immer schon mitgenommen, genauso wie das dafür benötigte Werkzeug zum Wechseln. Die Demontage des defekten Kurbelgriffs erwies sich aber als sehr schwierig, der Griff war extrem in der Kurbel festgezogen. Erst mein Nachbar konnte nach mehreren Versuchen mit seinem speziellen Maulschlüssel das Schraubgewinde lösen. Der Rest ging dann flott von der Hand - zum Glück! (Übrigens: diese Kurbel bzw. deren Kugellager haben seit Januar 2018 immerhin fast 109 Tkm durchgehalten!)

Sonntags sollte es noch schlechteres Wetter geben. Das hatte ich Lád'a auch am Vortag mitgeteilt, womit ich vielleicht eine weitere gemeinsame Tour absagte. Doch draußen sah es derzeit gar nicht so schlecht aus, der Regen sollte wohl auch erst nachmittags im Gebiet ankommen. Eingedenk meines angestrebten Monatsziels machte ich mich daher - etwas zeitiger als sonst - auf den Weg.

Weil die Wetterlage nicht nur stabil blieb, sondern sich nun immer öfter die Sonne zeigte, bog ich in Herrnskretschen (Hřensko) spontan ins Zappenland ab. Die dabei gewählte Streckenvariante durch Jons- (Janov) und Rosendorf (Růžová) nach Windisch Kamnitz (Srbská Kamenice) und zurück nach Tetschen (Děčín) über Loos- (Ludvíkovice) und zusätzlich Falkendorf (Folknáře) bin ich noch nie gefahren. Hier wurde es sogar richtiggehend schön, die Sonne wärmte, und es herrschte eine sehr gute Sicht. Dazu die  Laubfärbung auf ihrem Höhepunkt ... alles zusammen eine Herbststimmung, die kurz vergessen machte, daß diese Tage auch den Abschied von Licht und Wärme bedeuten.

Herbstliche Farbenpracht im Elbtal vor 
Niedergrund (Dolní Žleb), vom Elberadweg aus
gesehen (Aufnahmeort)
Im Elbtal sollte es dann eigentlich nur auf dem Radweg entlang des Flusss nachhause gehen, doch in Krippen stach mich wieder mal der Hafer. Es war erst 13.30 Uhr, auch fühlte ich mich - nicht zuletzt wegen des herrlichen Wetters - ausreichend motiviert für meine Standard-"Rennstrecke" im südlichen Elbsandsteingebirge (s. Track vom 25.10., km 78,2 -95,6).

Am Ende des langen, jedoch gemäßigten Anstiegs kam mir ein Rollskifahrer entgegen. Er steuerte direkt auf die Abfahrt zu. Das interessierte mich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie er den Berg hinunter bremst. Wir kamen sofort ins Gespräch: zuerst beantwortete er meine Frage und zeigte mir die spezielle Bremsvorrichtung an seinem Rollski und deren Funktionsweise. Da wir ganz offensichtlich ähnlich tickten, kamen wir bald auch über andere Dinge ins Gespräch. Skifahren, Klettern, meinen Unfall ... Er hatte außerdem ebenfalls an der Raddemo teilgenommen und sich dort mit mir unterhalten (woran ich mich aber nicht mehr erinnern konnte). Zum Schluß fragte auch ich ihn nach seinen Namen. Sofern es mir möglich gewesen wäre, hätte ich kurz darauf strammgestanden. Denn es war Gunter Gäbel, einer der sehr guten Kletterer im Elbsandstein und ehemaliger Landestrainer für das Wettkampfklettern. Ich sag's ja immer wieder: die richtigen Experten - diejenigen, die über den Dingen stehen - sind wie Du und ich. Ohne Arroganz, ohne Besserwisserei, ohne Belehrungen. Im Wissen um ihr eigenes Können zollen sie auch Leistungen ihre Anerkennung, die weit unterhalb der eigenen Grenzen liegen.

Auf der Heimfahrt beschäftigte ich mich im Geiste noch eine ganze Weile mit dieser Begegnung. Mein "Umweg" über Cunnersdorf hatte sich gleich in mehrfacher Hinsicht gelohnt.

Der Sonntag war für sportliche Aktivitäten im Freien bereits abgehakt, doch dann öffnete sich erneut ein Wetterfenster. Zwar sah man auf dem Online-Regenradar schon dunkelblaue Regengebiete heranziehen, aber sie kamen nur sehr langsam voran. Zumindest für eine weitere kurze Tour würde die Zeit reichen.

Zunächst stemmte ich mich gegen den immer kräftiger werdenden Westwind, bevor ich über die Dresdner Grundstraße ins Schönfelder Hochland fuhr (s. Track vom 26.10., km 17,2 - 20,0). Dieser ziemlich gleichmäßige Anstieg läßt sich recht gut fahren, sofern man auf dem Radweg den starken Kraftverkehr ignoriert. Wie mir Gunter am Tag zuvor erzählte, findet hier im Sommer sogar ein inoffizielles Rollski-Rennen statt.

Durch das Schönfelder Hochland wählte ich danach eine eher selten befahrene Streckenvariante auf der Landstraße (und nicht den Bahntrassenradweg). Nach der Fertigstellung der Brücke über die zukünftige Umgehungsstraße ist mittlerweile auch die Straße zwischen Eschdorf und Dittersbach wieder freigegeben. Für mich war das die Premiere seit dem Umbau.

Am Ortsausgang von Stürza mußte ich mich entscheiden, entweder noch einen Haken über Hohnstein zu schlagen oder auf dem schnellsten Weg wieder ins Elbtal zurückzukehren. Nach Konsultation des Regenradars auf meinen Smartphone entschied ich mich für Letzteres und schaffte es trocken bis kurz nach halb Eins nach Pirna.

Den bald darauf einsetzenden Landregen beobachtete ich schon von meiner Wohnung aus.

20. Oktober 2025

Wenn die Blätter bunt werden

Viel Sonne gab es an den vergangenen beiden Tagen. Dabei hatte ich eigentlich nach meiner Rückkehr aus Mecklenburg-Vorpommern einen Ruhetag geplant. Doch wäre das vertane Zeit gewesen.

Trotzdem bin ich es zunächst moderat angegangen. Denn den Gegensatz zu langen flachen Strecken im Norden zu dem doch teilweise anspruchsvollem Streckenprofil in meiner Heimat wollte ich zeitlich etwas abmildern. Ohne nur auf dem Elberadweg hin und her zu fahren eigneten sich dafür die langen, mäßig ansteigenden Auffahrten aus dem Elbtal in Richtung Süden zum Kamm des Elbsandstein- bzw. Osterzgebirges. Sowohl die Straße von Königstein ins Bielatal und anschließend weiter über Raum nach Markersbach (s. Track vom 18.10., km 17,1 - 29,9) als auch die Müglitztalstraße ab Heidenau bzw. Dohna in Verbindung mit der Straße nach Reinhardtsgrimma (s. Track vom 18.10., km 53,3 - 67,0) fahre ich bei solchen Zielvorgaben immer sehr gern.

Die steile Abfahrt ins Bahratal, unten grüßen die
Häuser von Markersbach (Aufnahmeort)
Am Sonnabend herrschte auch zusätzlich zum Bilderbuch-Herbstwetter eine unglaublich gute Fernsicht. Die Ausblicke auf die nah und fern bunt gesprenkelten bewaldeten Berghänge waren ein einziges Fest für das Auge. Noch nie ist mir dabei aufgefallen, daß man auch von der Straße ab Possendorf zur Babisnauer Pappel (s. Track vom 18.10., km 81,2) bis ins südliche Elbsandsteingebirge schauern kann. Zwar lugten die "Steine" (Pfaffenstein, Papsstein, Gohrisch, Kleinhennersdorfer Stein) nur halb verdeckt hinter der Anhöhe im Vordergrund (es mag der Zughübel sein) hervor, doch der Hohe Schneeberg (Děčínský Sněžník) als Dominante des Gebirges thronte am Horizont über allem. Bis dahin waren es 32 km Luftlinie.

Nach dem Zwischenstop bei meiner Sportfreundin Christiane mit einem Kaffeeschwatz ging es dann auf dem entspanntesten Weg nachhause. Obwohl an diesem Tag etliche Höhenmeter zusammengekommen waren, spiegelte sich das nicht im Tempo wider. Ich hatte nämlich erwartet, daß ich bei den wesentlich höheren konditionellen Anforderungen durch das Streckenprofil nun hier erstmal durch die Lande schleiche.

Sonntags begann der Tag mit frostigen Temperaturen. Deshalb beeilte ich mich morgens überhaupt nicht, sondern gönnte mir zum Frühstück erst einmal eine meiner beinahe schon legendären Portionen Spaghetti. Als ich mich dann gegen 9.15 Uhr in die Spur begab, fühlte es sich draußen in der Sonne schon gar nicht mehr so kalt an. Meine Handschuhe benötigte ich dennoch.

Vollends Betriebstemperatur erreichte ich auf dem Elberadweg kurz vor Stadt Wehlen. Da fuhr mich ein Jugendlicher mit seinem Mofa übern Haufen, als er mit viel zu hoher Geschwindigkeit (die hätte er ohne Motor nie zustandegebracht) an einer unübersichtlichen Linkskurve mir entgegen schoß. Trotz des Zusammenstoßes und des daraufhin wilden Knäuels an Mensch und Material ist dabei nichts und niemand zu Schaden gekommen, beinahe unglaublich!

Nach dem längeren Anstieg aus dem Elbtal folgten auch an diesem Tag keine kräftezehrenden Steilrampen. Nur der kräftige Südostwind ärgerte mich ein wenig, bis ich schließlich Neustadt erreicht hatte. Von dort ging es nur noch auf einigen meiner "Rennstrecken" - d.h. die Straße Neustadt - Putzkau (s. Track vom 19.10., km 41,4 - 51,5) sowie Rammenau - Radeberg (s. Track vom 19.10., km 64,3 - 78,4) - über Bischofswerda bis kurz vor Radeberg, bis ich mal wieder auf die Direktverbindung nach Pirna abbog. 

Bis zur Fertigstellung der Schnellstraße zwischen Pirna und Radeberg wird es (lt. der Informationsschilder an den Baustellen) noch mindestens bis zum Jahr 2027 dauern, und solange muß man sich dieses Teilstück mit viel Kraftverkehr teilen. Erfreulicherweise reagierten die Autofahrer ziemlich entspannt auf meine Anwesenheit, kein Hupen, keine riskanten Überholmanöver.

Vielleicht lag's ja ebenfalls am herrlichen Herbstwetter.

17. Oktober 2025

Joker

Gestern morgen entschloß ich mich, einen Tag länger im Norden zu bleiben. Doch schon am Vorabend hatte ich darüber nachgedacht, ob ich nicht gleich die Gelegenheit nutzen sollte, eine Handbiketour auf die Insel Usedom zu unternehmen. Dort war ich bisher noch nie, auch nicht in meinem ersten Leben.

Zunächst stellte ich mir eine geeignete Strecke zusammen, eine Rundfahrt natürlich. Aufgrund der begrenzten Tageslänge und auch weiterer Bedingungen plante ich dabei, in Anklam zu starten. Erstmalig würde ich also mit den Handbike im Auto zum Ausgangspunkt gelangen müssen. Zwar bedeutete dieses Vorgehen einen höheren logistischen Aufwand, war jedoch m. E. die einzige erfolgversprechende Alternative.

So ziemlich genau ging es dann 8.30 Uhr mit dem Handbike von Anklam aus los. Da ich diesmal meist überregionale Radrouten für meine Tour nutzte, fuhr ich oft abseits von öffentlichen Straßen bzw. auf verkehrsarmen Nebenstrecken. Erstaunlicherweise gab es anfangs dabei nur einen relativ kurzen Abschnitt, welcher nicht asphaltiert oder mit Betonsteinen ausgebaut war. Selbst als es ca. 6 km vor Ahlbeck hügelig wurde und einige kräftigere Anstiege bewältigt werden mußten, blieb der Untergrund meist noch leidlich akzeptabel.

Überhaupt war die nördliche, also an die Ostsee grenzende Küste der Insel ziemlich anspruchsvoll. Abgesehen von den Abschnitten durch die Seebäder, d.h. über die Strandpromenaden von Ahlbeck sowie Heringsdorf ging es hier häufig bergauf und bergab. Lange Anstiege waren das zwar nicht, sie schlauchten aber dennoch auch aus einem weiteren Grund. Große Teile des ausgewiesenen Küstenradwegs verliefen nämlich nur auf Schotter bzw. verdichteten Sandboden. Für die zahlreichen Zweiradtouristen mochte das ausreichen, mich hinderte das jedoch am zügigen Vorankommen. Immerhin erwies sich die Strecke als ziemlich abwechslungsreich, und auch Aussichtspunkte auf das Meer gab es etliche.

Blick von der Seebrück Koserow nach Osten zur
Küste mit dem Streckelsberg (Aufnahmeort)
Den Abschluß dieses Bummelparcours bildete dann die Seebrücke von Koserow. Fixiert auf die Unebenheiten des Fahrwegs, wäre ich an dieser Konstruktion beinahe ahnungslos vorbeigefahren. Erst im letzten Moment bemerkte ich den Abzweig, und da es langsam Zeit war, etwas zu essen, steuerte ich folgerichtig das Bauwerk an. Die Seebrücke war der perfekte Rastplatz mit Blick auf die Ostsee und den Küstenstreifen. Endlich "richtig" am Meer, so wie es mir immer vorgestellt hatte!

Alles was danach kam, bedeutete für mich nur noch Ausdauersport. Ein paar Kilometer Betonplattenweg bremste mich ein letztes Mal, doch im wesentlichen konnte ich dabei wieder einiges von der während der Küstenfahrt verlorenen Zeit aufholen. Denn immerhin galt es ja, noch möglichst vor dem Sonnenuntergang zurück in Anklam zu sein. Es wurde schließlich ein punktgenauer Zieleinlauf: als ich die Aufzeichnung auf dem Fahrradnavi stoppte, schaltete es gerade in den Nachtmodus um. Geschafft!

Diese völlig ungeplante Extratour zähle ich nun als die schönste Unternehmung meines diesjährigen Herbsturlaubs. Eine für hiesige Verhältnisse überdurchschnittlich abwechslungsreiche Strecke, viel Sehenswertes, endlich mal auch am "richtigen" Meer - das alles wäre mir entgangen, wenn ich bereits gestern nach meinem am Schreibtisch geplanten Tourenprogramm wieder nachhause gefahren wäre. Manchmal sollten man die Logistik überdenken, falls sich dadurch neue Möglichkeiten eröffnen. Daß ich nun häufig zum Beginn einer Ausfahrt mit dem Handbike erstmal im Auto fahre, ist zwar weiterhin eher unwahrscheinlich.

In diesem Fall paßte aber alles zusammen.

15. Oktober 2025

Nummer 4 von hier

Während meines Urlaubs wollte ich von Ueckermünde aus das Umland in allen möglichen Himmelsrichtungen durchstreifen. Die Tour nach Südwesten hatte ich mir heute zum Abschluß vorgenommen, weil sie die kürzeste bei gleichzeitig flachem Streckenprofil war. Den Umkehrpunkt Strasburg in der Uckermark erreichte ich bereits 12.00 Uhr.

Ansonsten gibt es nichts Spannendes vom Tag zu vermelden. Keine landschaftlichen Höhepunkte, keine überdurchschnittlich sehenswerte Architektur in den durchfahrenen Orten - und das vielleicht einzige interessante Ziel, ein großes Feuchtbiotop nördlich des Galenbecker Sees, verbarg sich hinter einem kilometerlangen Deich, den risikoreich zu erklimmen ich mir gar nicht erst die Mühe machte (s. Track vom 15,10., km 37,1 - 43,2).

In den "Genuß" der für diese Region typischen Verkehrsinfrastruktur bin ich aber natürlich auch wieder gekommen. Das waren zum einen zwei Straßenabschnitte von 2 (s. Track vom 15.10., km 16,1 - 18,1) bzw. 1 km (s. Track vom 15.10., km 18,8 - 19,8), die den berüchtigten Pavé-Sektoren des legendären Radrennens Paris - Roubaix alle Ehre gemacht hätten und welche aber hinsichtlich ihrer Unbefahrbarkeit sogar alle ähnlichen Abschnitte der vorangegangenen Touren in den Schatten stellten. Als zweite regionale Besonderheit muß ich erneut die endlos schnurgeraden Straßenabschnitte nennen, die fast mit der 8 km langen SW-Anfahrt auf Grosseto durch die Maremma (in der Toskana) mithalten können. Auch wenn diese Teilstücke heute "nur" maximal vier Kilometer ohne Kurve oder Biegung durch das flache Land führten, war ich darauf trotz meines zügigen Vorankommens (gefühlt) ewig unterwegs.

Noch einmal im Hafen vor einem
der Großsegler des ZERUM
(Aufnahmeort)
Nach all der Meckerei gab es jedoch noch einen Lichtblick. Zwischen Strasburg und Jatznick gestaltete sich nämlich meine Fahrt recht abwechslungsreich. Die leicht wellige Topograpfie des Geländes zwang hier offensichtlich zu angepaßter Straßenführung jenseits einer Geraden von A nach B. 

Spätestens ab Straßburg setzte sich auch immer mehr die Sonne durch, sodaß ich sogar meine Radjacke ablegen konnte und nun am Körper nur noch ein langärmeliges Funktionsunterhemd sowie (darüber) ein Kurzarm-Radtrikot trug. So selbstverständlich ist das zu dieser Jahreszeit auch nicht mehr. Von den wärmenden Strahlen der Herbstsonne gestreichelt, erreichte ich schließlich nach entspannter Fahrt zur besten Kaffeetrinkerzeit mein Zuhause auf Zeit.

Plan erfüllt!

14. Oktober 2025

Regen und Sonne

Mein straffes Tourenprogramm läßt keine Pause zu. Auch wenn es am Sonntagmorgen draußen gar nicht gut aussah, startete ich wie am Vortag kurz nach Acht zu einer weiteren Ausfahrt. Dafür nahm ich die geplante Tour nach Westen mit den Eckpunkten Anklam und Friedland in Angriff.

Bereits am Start war die Luft feucht, und bald danach begann es leicht zu nieseln. In der Hoffnung, daß dies nur ein kurzes Intermezzo bleiben würde, fuhr ich jedoch weiter. Blieb es aber nicht. Mal mehr, mal weniger fiel nun leichter Regen - dabei wurde auf dem Online-Regenradar meiner Smartphone-App davon gar nichts angezeigt! Na, dann konnte es ja auch gar nicht so schlimm sein ...

Wider besserem Wissen - ich hatte mich ja schon während der Tourenplanung intensiv damit beschäftigt und die Strecke entsprechend des auf OpenStreetMap (OSM) "codierten" Untergrunds zusammengestellt - folgte ich in Bugewitz der Ausschilderung nach Anklam. Mit dem Ergebnis, daß ich dann doch zwei Kilometer weiter an einem Vogelbeobachtungsturm auf meine geplante Strecke zurückkehren mußte, weil die Piste sich im unwegsamen Gelände verlor.

Auf mittlerweile klatschnassen Straßen arbeitete ich mich jetzt nach Anklam vor und wurde dabei immer nässer. Wenigstens konnte ich mir einbilden, nicht völlig durch beispielsweise Landregen eingeweicht zu werden. Spaß machte es aber keinen. Obwohl Anklam offensichtlich ein durchaus sehenswertes Stadtzentrum mit alten Gemäuern einschließlich mehrerer Stadttore verfügt, hatte ich kein Auge dafür. Nur schnell weiter, denn noch lagen knappe zwei Drittel der Tour vor mir!

Bei diesem Wetter fehlte eigentlich nur noch schlechter Untergrund. Wie gesagt, die erste Hürde hatte ich vor Anklam erfolgreich gemeistert. Doch die Asphaltdecke der "Straße" genannten öffentlichen Verkehrsverbindung zwischen dem Abzweig hinter Spantekow bis zwei Kilometer vor Borntin spottete jeder Beschreibung. Etwas später fuhr ich dann auf einem typischen Kolonnenweg aus Betonplatten, der schließlich wieder in wild aufgeworfenes Feldsteinpflaster überging. In Zinzow hatte ich genug davon und fuhr lieber einen großen Umweg, noch dazu auf der relativ stark befahrenen Bundesstraße B197. Erst danach wurde es wieder besser. Das betraf inzwischen auch das Wetter auf dem Rückweg von Friedland. Auch diese Stadt scheint durchaus einen Besuch zu lohnen, gleichwohl ich hier aus bereits genannten Gründen ebenfalls nur Zaungast blieb.

Vor Ferdinandshof wurde es zwar noch einmal feucht, doch ansonsten ließ sich auf den letzten Kilometern manchmal sogar die Sonne blicken. Zurück im Quartier, mußte ich an diesem Tag mir einiges einfallen lassen, um meine Radbekleidung und die Sitzpolsterung meines Handbikes wieder trocken zu bekommen. Denn den nächsten Tag, an welchem viel Sonne angekündigt war, durfte ich nicht untätig verstreichen lassen.

Da wollte ich zur Küste des Stettiner Haffs. Bereits als ich meine Route zuhause plante, sah ich mich mit einigen Unwägbarkeiten konfrontiert: Straßen, die danach aussahen, als ob sie nicht mehr benutzt werden würden, ein deutsch-polnischer Grenzübergang, zu dem offensichtlich nur ein schmaler Wanderweg führte sowie ein scheinbar nichtöffentliches Sträßchen entlang der Küste. Tatsächlich wurde meine Montagsrunde die abenteuerlichste aber auch erlebnisreichste Unternehmung der vergangenen drei Tage.

Bis Altwarp kam ich gut voran, wenngleich morgens bei strahlendem Sonnenschein fast schon Handschuhwetter herrschte. Da ich den Rückweg von der Halbinsel nicht über die gleiche Straße absolvieren wollte, nutzte ich die zweite auf der Karte eingezeichnete Verkehrsverbindung. Das war jene aufgelassene Straße, auf welcher ich bis Warsin schließlich eine gefühlte Ewigkeit mutterseelenallein durch endlose Waldidylle fuhr. Auch die ausgewiesene Radtrasse nach Rieth enthielt zwischendurch einen längeren unbefestigten Abschnitt.

Mit meinen Helfern vom Naturpark "Am Stettiner
Haff" auf der Grenzbrücke, auf meine Bitte hin
fotografiert von einem der polnischen Grenzer
(Aufnahmeort)
Spannend wurde es auf dem letzten Stück zum deutsch-polnischen Touristengrenzübergang bei Rieth. Am Ende des asphaltierten Straßenstücks führte nämlich der Wanderweg zu einem selbstschließenden Tor im Zaun, welcher das Überqueren der Grenze von Tieren mit Afrikanischer Schweinepest verhindern soll. Aber auch ich stand zunächst macht- und ratlos vor diesem Hindernis. Auf der Suche nach möglichen Helfern kehrte ich in den Grenzort zurück, wo mir just in diesem Moment ein Auto mit Mitarbeitern des Naturparks "Am Stettiner Haff" entgegenkam. Sie wollten am Strand Wasservögel zählen, doch als ich sie um Unterstützung bat, zögerten sie nicht lange. Zitat meines Ansprechpartners: "Eine gute Tat am Tag vollbringen!" Letztlich öffnete mir der Mitarbeiter des Naturparks dann das Schweinegatter und begleitete mich mit seinen beiden Kolleginnen dann noch bis zur kleinen Grenzbrücke, wo er mir außerdem die Steilrampe hinaufhalf. Über diese Brücke fuhr einst (1908 - 1945) die Randower Kleinbahn von Neuwarp nach Stöven, gestern erwarteten uns darauf jedoch mitten im Nirgendwo zwei polnische Grenzer, einer ganz martialisch mit einem Sturmgewehr im Anschlag. Dabei war ich vermutlich der einzige Grenzgänger an diesem Tag. Während meine Helfer anschließend zu ihrer Arbeit zurückkehrten, fuhr ich auf dem nun asphaltierten Radweg weiter zur Straße nach Neuwarp.

Als letztes Abenteuer der Tour stellte sich der Abschnitt an der Küste des Stettiner Haffs ab Miroszewo heraus. Ich hatte gehofft, dort am Ufer mit Blick auf das Wasser zu fahren, doch abgesehen davon, daß die vermeintliche Straße nur ein holperiger und zugewachsener Betonplattenweg war, führte dieser immer landeinwärts unterhalb der Deichkrone entlang, sodaß ich niemals die Landschaft dahinter zu sehen bekam. Deshalb ersparte ich mir schließlich das Holpern und bog am nächstmöglichen Abzweig in Warnołęka vorzeitig zur Landstraße ab.

Die Kilometer bis zum Grenzübergang vor Blankensee verliefen anschließend nach dem Motto: "Hirn abschalten und volle Kraft voraus!" Dabei war das längste schnurgerade Stück aus Asphalt rund 5 km lang ... Wenigstens begegneten mir auch hier nur ganz, ganz selten Leute in ihren Autos. An der Grenze, hier auf öffentlicher Straße, traf ich zumindest den Bewaffneten vom ersten Grenzübertritt wieder. Wir nickten uns zu, dann ging es weiter.

"Ein Schiff wird kommen ..." (Aufnahmeort)
Bereits in Ueckermünde, gönnte ich mir zuletzt noch einen Abstecher an das östliche Ufer der Ueckermündung, die ich vom ZERUM aus nicht direkt erreichen kann. Diese Aussichtsplattform ist (im Gegensatz zur Anlage auf der "ZERUM"-Seite) komplett barrierefrei zugänglich. Im Abendsonnenschein tuckerte gerade ein Segelboot zum Stadthafen.

Ein schöner Tourenabschluß!

Entschleunigung, aber flott!

Diesmal werde ich den Bericht über meine vergangenen drei Touren aufteilen, denn es gibt etliches zu berichten. Zunächst einmal über dem Ort, den ich mir diesmal für meinen Herbsturlaub ausgewählt habe.

Bekanntlich versuche ich ja immer, diese freien Tage am Ende der warmen Tage im Norden zu verbringen - vorzugsweise am Wasser. 2025 klappte es nun endlich mit der Unterkunft im Zentrum für ERlebnispädagogik und UMweltbildung (ZERUM), welche etwas abgelegen von Ueckermünde direkt am Oderhaff liegt. Hier hat man sich direkt auch auf Gäste (verzugsweise Gruppen) mit Handicap eingestellt, und hier ist auch der Heimathafen des (nach Eigenaussage) ersten Rolliseglers in Deutschland.

Meine Unterkunft im ZERUM, davor einer der
beiden Großsegler des Zentrums, die "Greif von
Ueckermünde". Ich schlafe im Erdgeschoß des
blauen Gebäudeteils, allerdings auf der anderen
Seite (Aufnahmeort)
Schon unmittelbar nach meiner Ankunft habe ich mich sofort willkommen gefühlt. Das lag nicht nur an der Begrüßung und Unterstützung durch die Verantwortliche am Empfang, sondern auch am weit überdurchschnittlichen Engagement ihrer Kollegen vorort. So bot mir ungefragt die Zuständige für das im Nebenhaus gelegene Quartier an, daß ich mein Handbike dort gleich im Korridor abstellen könnte. Nun steht es trocken und auch geschützt vor unberechtigtem Zugriff, obwohl ich nicht glaube, daß dies nötig wäre. Des weiteren konnte ich das Frühstück für mich vorverlegen, ganz wichtig für meine geplanten Touren. Auch als ich nicht ausschließen konnte, nach meiner langen Auftakttour rechtzeitig zum Abendbrot zurück zu sein und daher die Mitarbeiterin in der Küche bat, mir für diesen Fall eine Auswahl an Speisen zusammenzustellen, war das absolut kein Problem. Ich kam nämlich dann tatsächlich zu spät wieder in der Unterkunft an und fand deshalb dennoch für mich eine üppige und reichhaltige Mahlzeit vor. Toll!

Insgesamt ist es hier sehr ruhig, das Zimmer einfach und zweckmäßig eingerichtet. Den separaten behindertengerechten und gut ausgestatteten Sanitärraum teilt man sich allerdings mit (möglichen) weiteren Gästen. Für mich ist das akzeptabel, da ich zurzeit im Gebäude sowieso der einzige Bewohner bin. Fernsehen und Radio gibt es (im für mich zugänglichen Bereich) nicht, auch das WLAN ist nur (eingeschränkt) im Speiseraum verfügbar. Für manche Besucher mag das nervend sein, mir gefällt es jedoch ausnehmend gut. Anderswo wird viel Geld für Entschleunigung im Urlaub verlangt, hier bekomme ich das als Alleinreisender quasi gratis dazu. KEINE (frustrierenden) Nachrichten aus aller Welt, KEIN Zivilisationslärm, KEIN Getöse aus Funk und Fernsehen. Dafür jedoch die Möglichkeit zu einem kurzen 300m-Spaziergang an die Küste, wo die Uecker in das Oderhaff mündet, außerdem unmittelbar am Haus Hafenromantik, in welchem u.a. auch der Rollisegler liegt (der ist zurzeit leider unterwegs). Jedenfalls kann ich die Unterkunft auch für Gruppen von Rollifahrern wärmstens empfehlen - die können sich hier ja bei Bedarf gegenseitig bespaßen.

Am Sonnabend bin ich zu meiner ersten Handbiketour aufgebrochen. Denn aufgrund der schlechten Wetterprognose hatte ich meinen Urlaubsbeginn um einen Tag vorverlegt und damit leidlich gute Witterungsbedingungen. Zwar blieb es den ganzen Tag meist bedeckt, aber auch trocken. Für meine geplante Runde war das eine unabdingbare Voraussetzung. 142 km waren für die Tour vorgesehen, letztlich wurden es 163 km. Von meinem Tourenziel Stettin (Szczecin) hatte ich mir allerdings mehr versprochen, eben eine typische alte deutsche Hansestadt. Dafür wich ich sogar im Stadtzenrum von meiner geplanten Route ab, um der sogenannten Altstadt einen Besuch abzustatten. Zusammenhängende alte Gebäudeensemble habe ich dort aber nicht gefunden, vermutlich ist das meiste den Bombardements im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen.

"Klassische" mecklenburgische Straße zwischen
Ahlbeck und Hintersee (Aufnahmeort)
Ansonsten blieb es bei viel Kurbelroutine ohne landschaftliche Höhepunkte, die ich trotz "langsamer" Streckenabschnitte bei viel weniger Höhenmetern als sonst ziemlich flott absolvierte. Kurz hinter Ahlbeck lag ein Baum quer über die Straße, an welchem sich gerade das Aufräumungsteam zu schaffen machte. Da war ich wohl gerade zur richtigen Zeit zur Stelle, zeitiger wäre schlecht gewesen. Kurz danach erwartete mich zum ersten Mal im Urlaub eine der gefürchteten "klassischen" mecklenburgischen Straßen, die man häufig auch bei den Ortsdurchfahrten kleiner Dörfer findet. Hier mußte ich mich ca. 7 km quälen - dabei nur wenig schneller als im Schrittempo, um keine Reifenpanne zu riskieren.

Bereits auf dem Rückweg, blieb mir wenige Kilometer hinter Rothenklempenow eine weitere unangenehme Überraschung nicht erspart. Dort hatte sich die Nebenstraße abgesenkt und war daher auf ca. 100 m vom Wasser überspült. Nachdem der Fahrer eines gerade entgegenkommenden Autos mir gezeigt hatte, wie hoch bei der Durchquerung das Wasser an seinem Fahrzeug stand, entschied ich mich für einen Umweg. Einen nassen Hintern bzw. durchgeweichten Handbikesitz konnte ich absolut nicht gebrauchen! Bis nach Pasewalk verschlug es mich anschließend, viele nervtötende Kilometer davon bei kräftigem Gegenwind entlang der B104. Glücklicherweise existierte dort - wie übrigens ebenso entlang vieler weniger bedeutender Verkehrsverbindungen - ein sehr gut ausgebauter Radweg und entschärfte damit das Vorankommen. Rund zwanzig Kilometer zusätzliche Strecke bedeuteten letztlich, daß ich meine Unterkunft erst nach Sonnenuntergang erreichte. Aber ich hatte ja meine Beleuchtung mitgenommen ...

Alles in allem ein gelungener Start in den Urlaub!

6. Oktober 2025

Fahren auf Abruf

Das Wetter der vergangenen Tage machte die Tourenplanung schwierig. Dabei hatte ich mir einiges vorgenommen, denn bereits am nächsten Sonntag werde ich hoffentlich im Norden (mit dem Handbike) unterwegs sein.

Nur für den Feiertag war eine stabile Wetterlage angekündigt. Der Tag begann freilich ziemlich kalt und mit dem für diese Jahreszeit typischen dichten Morgennebel. Zum ersten Mal seit dem Ende des Winters benötigte ich daher meine Handschuhe.

Am Ende der anstrengenden Offroad-Auffahrt aus
dem Elbtal (s. Track vom 03.10., km 45,2 - 46,7)
wird man mit diesem eindrucksvollen Blick auf
den Lilienstein, welcher hier wie ein gewaltiger
Schiffsbug wirkt, belohnt (Aufnahmeort)
Zunächst nahm ich mir meine Standardstrecken südlich des Elbtals zum Warmfahren vor, bevor ich mich dem Hauptanliegen des Tages widmete. Für einen weiteren Handbike-Tourenvorschlag im Internetportal des Tourismusverbands wollte ich nämlich noch einige Fotos zur Dokumentation der Strecke aufnehmen. Gerade die bildliche Darstellung der Wegebeschaffenheit und - wie in diesem Fall - schwieriger Stellen ist mir dabei besonders wichtig. Auf der steilen Abfahrt nach Rathen schoß ich dann das letzte Bild des Tages, eine Impression von Rathen mit dem Panoramablick über die Felsenwelt.

Inzwischen wurde es endlich sonniger, sodaß ich bereits nördlich der Elbe meine Tour erweiterte. Und weil für das kommende Wochenende regnerisches Wetter angekündigt war, bog ich schließlich kurz vor Pirna zu einer weiteren knapp 30 Kilometer langen Extratour ab. Die führte mich durch das Bahretal (s. Track vom 03.10., km 105,5 - 110,5), dem meiner Meinung nach schönsten Tal im näheren Umkreis meiner Heimatstadt. Nachdem ich die stark befahrene Hauptstraße bis Berggießhübel überstanden hatte, rollte es zum Schluß nur noch bergab.

Den Sonnabend hatte ich gedanklich schon als Tourentag gestrichen, doch die großen, blauen Niederschlagsechos rückten nur langsam näher bzw. schienen an meiner Heimatregion vorbeizudriften. Deshalb brach ich nach längerem Zaudern doch noch auf. Wenn ich 60 km schaffen würde, brächte mich das meinem wöchentlichen Entfernungsziel ein erhebliches Stück näher! Unter dieser Maßgabe überlegte ich mir auch eine geeignete Strecke, welche nicht nur konditionell weniger anspruchvoll sein, sondern auch immer die Möglichkeit bieten sollte, bei drastischer Verschlechterung der Wetterlage unkompliziert abzukürzen.

Zwar tröpfelte es dann auf meinem Weg nach Bad Schandau zweimal etwas intensiver, aber das blieben die einzigen feuchten Momente. Richtig naß geworden bin ich dadurch jedenfalls nicht. 12.30 Uhr befand ich mich bereits kurz hinter Bad Schandau auf dem Elberadweg beim Rückweg nach Pirna. Nun schob auch noch der frische Ostwind, und nach Regen sah es ebenfalls nicht aus. Bei meiner Ankunft in Pirna hätte ich also noch eine Zusatzrunde fahren können, doch war ich an diesem Tag mental gar nicht darauf eingestimmt. Erst bei der Tournachbereitung zuhause wurmte es mich doch ein wenig, diese Möglichkeit nicht genutzt zu haben. Denn was der Sonntag witterungsmäßig bringen würde, war längst nicht klar.

Abgesehen von dem kräftigen Wind, der nun im Gegensatz zu den Vortagen aus westlicher Richtung wehte, sah es sonntags am Himmel aber gar nicht so schlecht aus. Darum gab es für mich keinen Grund, zuhause Trübsal zu blasen. Meine Tour legte ich nun so, daß ich wenigstens auf dem Hinweg vom Wind profitieren konnte. Was man hat, hat man. Wenn es dann nachmittags unbeständiger werden würde, wäre ein gleichmäßig strammer Wind aus einer Richtung sowieso kein Thema mehr. Das war bisher jedenfalls meine Beobachtung.

Leider wurde ich trotzdem zur Halbzeit unerwartet ausgebremst. Kurz vor dem Touristengrenzübergang zwischen Hainspach (Lipová) und Sohland-Neudorf lag ein umgestürzter Baum mit seinen vielen Ästen quer über dem Radweg und machte mir die Weiterfahrt unmöglich. Die alternative Radtrasse auf einem unasphaltierten Forstweg, welche ich daraufhin für meinen Umweg nutzen wollte, entpuppte sich nach einigen hundert Metern für mich als ebenso unbefahrbar. Jedenfalls wollte ich hier kein unnötiges Risiko eingehen, eine solche steile Schotterstrecke in menschenleerem Gelände hat mir schon einmal im Schwarzwald den Angstschweiß auf die Stirn getrieben.

Kurz nach dem Touristengrenzübergang in Richtung Steinigtwolmsdorf lag schließlich der anstrengendste Teil der Tour hinter mir, bis dahin hatte ich auf 60 km bereits 900 Hm gesammelt. Aus diesem Grund ersparte ich mir auch ab Oberottendorf weitere Anstiege, und fuhr den zwar längeren, aber viel schnelleren Umweg über Neustadt. Hier erwischte mich tatsächlich auch der erste Regenschauer, aber nur kurz. Die blauen Flecken auf dem Niederschlagsradar sahen nun allerdings so aus wie bei einem Streuselkuchen, doch hatte ich irgendwie immer Glück und Sonnenschein.

Die letzte Tour vor meiner Urlaubsfahrt nach Ueckermünde endete ganz entspannt zur Kaffeetrinkerzeit.