Daß es am Wochenende kalt werden würde, hatte sich bereits angedeutet. Allerdings eben auch mir viel Sonne, und so habe ich mir am Sonnabend morgens etwas mehr Zeit gelassen, bevor mich dann auf's Handbike schwang.
Mein Hauptaugenmerk lag an diesem Tag auf der gesperrten Elbbrücke in Bad Schandau, denn ich wollte erkunden, welche Straßen bzw. Radwege in der aktuellen Situation noch befahren werden dürfen. Um mir beide Brückenauffahrten anschauen zu können, mußte ich dabei natürlich bis Tetschen (Děčín) fahren. Elbaufwärts ist diese Straßenquerung des Flusses erst der nächste mögliche Übergang, und das nach 44 Flußkilometern ab der alten Pirnaer Stadtbrücke!
Davor stattete ich dem Polenztal auch noch einen längst wieder einmal fälligen Besuch ab. Besonders sehenswert ist dabei die enge Schlucht zwischen dem Gasthaus Polenztal und der Waltersdorfer Mühle, auch wenn dieser Abschnitt prinzipiell nicht mit den Rad befahren werden darf (s. Track vom 09.11., km 35,3 - 37,9). Ich genehmigte mir jedoch die Ausnahme, weil es ansonsten für mich unmöglich ist, hier allein durchzukommen. Immerhin gibt es trotzdem mehrere schwierige "verblockte" Stellen, deren Überwindung grenzwertig ist. Mit tiefen Racehandbikes oder gar einem Carbonrahmen geht es definitiv nicht! Eimal nahm ich dieses Mal auch selbst Hilfe von Wanderern, die mir gerade entgegenkamen, in Anspruch und ersparte mir damit waghalsiges Manövrieren nahe des Steilufers zum Flüßchen Polenz.
![]() |
Auf Safari im Polenztal (Aufnahmeort) |
In Bad Schandau lag der konditionell anspruchsvollste Teil meiner Ausfahrt hinter mir. Nun folgt die Beschreibung der Zugänglichkeit der Straßen nahe der Brücke bzw. deren Auffahrten. Auf der rechtselbischen Seite ist die Straße unter der Brücke gesperrt, die Umleitung des Verkehrs erfolgt per Ampelregelung über den stadtauswärtigen einspurigen Abzweig nach Rathmannsdorf (s. Track vom 09.11., km 44,2). Die Bahnhofsseite ist für Radfahrer noch stärker von den Auswirkungen der Brückensperrung betroffen. Hier mußte der Elberadweg in Richtung Königstein (erwartungsgemäß) komplett gesperrt werden, weil er unter der Brücke hindurchführt. Glücklicherweise dürfen die Eisenbahnüberführungen vor Krippen sowie die Verlängerung der Elbbrücke (noch) befahren werden. Letzten Ende bedeutet dies, daß Radfahrer nun linkselbisch nur noch auf der Bundesstraße B172 nach Königstein gelangen können. Wegen des drastisch reduzierten Verkehrs (aufgrund der gesperrten Brücke) ist das jedoch weniger problematisch, als es sich anhört. Mindestens bis Ende 2024 bleibt wahrscheinlich diese für die Region extrem wichtige Verkehrsverbindung gekappt, bis dahin soll eine vertiefte Prüfung der Bausubstanz des Brückenkörpers stattfinden.
Zwischen meiner Begutachtung der Elbbrücke an beiden Ufern lagen (inkl. einer kurzen Freßpause) drei Stunden - solange kostete mich der Umweg über Tetschen. In der nächsten Zeit werde ich mir also schon beim Start in Pirna Gedanken darüber machen müssen, ob ich auf Tour nördlich oder südlich der Elbe gehen will ...
Sonntags traf ich mich endlich mal wieder mit Lád'a für ein paar gemeinsame Tourenkilometer. Diesmal hatte er ein Anliegen, was mir die Chance gab, mich für all seine Unterstützung wenigstens ein bißchen zu revanchieren. Mein fabelhaftes neues Handbike-Cockpit war ja seine bisher letzte Idee. Er war es auch, der den Vorschlag unterbreitete, doch nahe der Grenze in Richtung Müglitztal für fahren. Mir graut es immer vor dieser Strecke. Zwar wurde die katastrophal durchlöcherte Straße hinab in das Gottleubatal inzwischen durch perfekten Asphaltbelag ersetzt, aber der Scharfrichter bleibt unmittelbar darauf dennoch die 15%-Rampe hinauf nach Breitenau (s. Track vom 10.11., km 43,2 - 44,7). Ich habe mich diesmal dort wirklich gequält, selbst mit "Hochruhen". Wenn mich zuletzt sogar mein tschechischer Kamerad ein paar Meter mit Schieben unterstützt hat, sah es wohl ziemlich mühsam aus.
Wenigstens folgten nun keine großen Anstiege mehr, und als es schließlich kurz vor Waltersdorf durch das Seidewitztal 22 km lang nur noch abwärts bis Pirna rollte, konnte ich bald wieder ordentlich Dampf machen. Apropos. Dabei fiel uns beiden nämlich auf, daß es immer kälter wurde, je tiefer wir kamen. Waren es auf dem Scheitelpunkt der Tour beinahe angenehme 10-12°C, so kletterten die Temperaturen in Pirna trotz Sonne nicht über 6°C. Diese typische Inversionswetterlage konnten wir auch beim Blick von oben in Richtung des Dresdener Elbtalkessels rein optisch erkennen: Während es nämlich in der Höhe klar war, lag über den Niederungen eine scharf abgegrenzte Dunstglocke. Als ich nach dem Abschied von Lád'a in Pirna für mein Minimal-Tagessoll noch eine kleine Extrarunde bis zum Blauen Wunder drehte, merkte ich davon aber nichts. Doch so, wie sich die Sonne dem Horizont näherte, wurde es rasch kälter.
Ich freute mich schon auf mein warmes Zuhause.
2 Kommentare :
Fähren gibt's ja auch noch...
Aber deren barrierefreie Zugänglichkeit (mit einem „sperrigen“ Handbike) ist meist nicht ohne weiteres gegeben - s. z.B. die Fähre Königstein-Halbestadt, deren Zugangsrampen so ungünstig gebaut wurde (mit Spitzkehren), daß sie ausschließlich mit einem Rollstuhl nutzbar sind. Evtl. kann jedoch die Fähre in Schmilka mit Handbike genutzt werden.
Kommentar veröffentlichen