12. Januar 2026

Zu zweit und zu dritt

Auch am zweiten Wochenende des Jahres war ich mit meinen Freunden ausschließlich auf Brettern im Schnee unterwegs. Die heftigen Schneefälle gegen Ende der Arbeitswoche ermöglichten uns dabei sogar, in den tieferen Lagen auf Skitour zu gehen.

Weil Christiane kurzfristig am Sonnabend verfügbar war, fuhren wir am späten Vormittag schließlich ins südliche Elbsandsteingebirge. Mein Vorschlag, diesmal vom Parkplatz am Schwert-A-Weg oberhalb von Markersbach zu starten, hatte allerdings seine Tücken. Obwohl ich davon ausging, daß sich dort zu dieser Zeit bereits etliche Skifahrer auf der Piste befanden und es daher Spuren gab, mußten wir uns nämlich allein einen Weg bahnen.

Auf der Bohlenschneise ohne Spur durch noch
unberührten Schnee (Aufnahmeort)
Zu Beginn halfen uns zwar frische Reifenspuren, die fast in der richtigen Breite den Schnee festgewalzt hatten, doch später wurde es bis zur deutsch-tschechischen Grenze ein anstrengender Marsch durch tiefen, pulverigen Neuschnee. Hier kam man sich vor wie in den skandinavischen Weiten - so jedenfalls stellte es meine Tandem-Erste fest. Dazu fuhren wir kilometerweit mutterseelenallein durch den Wald, was diesen Eindruck noch verstärkte.

Auf tschechischer Seite sah es zum Glück endlich anders aus. Hier war die Piste mittels Schneemobil präpariert, wenn auch nicht so perfekt wie durch einen Pisten-Bully. Obwohl Christiane das Gebiet um Raitza (Rájec) erkunden wollte, schlug ich vor, zunächst in Richtung der Tyssaer Touristenbaude (Turistická Chata Tisá) zu fahren. Leider verpaßten wir damit die einzige für mich machbare Möglichkeit einer Tour nach Raitza, denn der nächste Abzweig führte zu einer extrem steilen Abfahrt, die wir - (nur) zu zweit - tunlichst vermeiden sollten.

Deshalb blieb es beim einfachen Hin- und Zurück mit einer angehängten 6-km-Extrarunde nach Schneeberg (Sněžník). Auf dem Rückweg mußten wir uns noch einmal durch tiefen Schnee mühen - besonders der ungespurte Anstieg auf dem Theilemann-Weg zur Bohlenschneise (s. Track vom 10.01., km 19,9 - 20,4) hielt uns dabei extrem auf - bevor wir kurz nach Sonnenuntergang wieder am Auto eintrafen. Vor allem wegen der Kälte von schließlich ca. -12 bis -14°C war diese Tour auch für meine Begleiterin echt grenzwertig.

Am Sonntag stand ein Termin mit einem Kamerateam vom MDR im Altenberg-Zinnwalder Wintersportareal an. Zusätzlich hatte ich dafür Carsten als Begleiter motivieren können, wollte ich bei dieser Gelegenheit doch auch unsere erfolgreiche Vasaloppet-Mannschaft vorstellen. Leider kam das im schließlich gezeigten Beitrag für das MDR-Regionalnachrichtenmagazin "Sachsenspiegel" am Abend nicht so richtig zur Geltung - eigentlich schade. Immerhin gibt es im Video ein paar nette Szenen, u.a. mit einer Drohne, und einige Informationen zu unserer Art, gemeinsam auf Ski-Tour zu gehen.

Nach dem Dreh wurde es dann aber einige Male richtig wild, und zwar beinahe wortwörtlich. Die erste Aktion war der Abstecher zum Gipfel, also der höchsten Stelle des Kahlebergs. Diesen Ort kann ich selbst in der schneefreien Zeit weder mit dem Rollstuhl noch im Handbike erreichen, weswegen das ein wirklicher Höhepunkt wurde. Jedenfalls gab es hier eine zwar buckelige und schmale, aber festgetretene Spur, welche sich zwar langsam, doch ansonsten gut für mich im Schlitten bewältigen ließ.

In weißer Wildnis vor dem Großen Lugstein
(Aufnahmeort)
Die zweite Idee von Christiane bezog sich auf die "Erstürmung" des Großen Lugsteins, einem weiteren Gipfel der 14 Achttausender im deutschen Osterzgebirge, der mir noch fehlte. Auf die Felsspitze darf / soll man zwar nicht klettern, doch bereits der Zugang durch wegloses, tief verschneites Gelände zur Scharte unterhalb artete bald in einen leidenschaftlichen Kampf mit den Elementen aus. Während Christiane sich beinahe ausschließlich um Vortrieb bemühte, mußte ich alle meine Kraftreserven aufbieten, um mich einigermaßen senkrecht zu halten, was mir trotz Carstens ausgiebiger und für ihn extrem anstrengender Unterstützung nicht immer gelang. Allein diese dreihundert Meter (s. Track vom 11.01., km 8,3 - 8,6) kosteten uns mehr als 20 Minuten. Immerhin kann ich nun auch an den Eintrag für diesen bisher als durch mich unerreichbar gehaltenen Achttausender einen Haken auf der Liste machen. Daß mich irgendwann mal jemand huckepack auf die letzte Spitze trägt, ist weder sinnvoll noch zu erwarten.

Zumindest ich war danach konditionell angeschlagen, doch wollten wir diesmal sowieso nicht bis zum Sonnenuntergang skifahren. Bei den nun folgenden, teilweise sehr steilen Anstiegen schob jetzt zusätzlich auch Carsten (von hinten) meinen Langlaufschlitten und nahm unserem Gespann damit einige Kilogramm ab. Den letzten Anstieg zum Parkplatz auf dem Rückweg über die Osterzgebirgsloipe habe ich mich im Tandem am Ende recht und schlecht hochgequält und jeden Meter bis zum Parkplatz, wo das Auto stand, gezählt.

Ich war lange nicht mehr so erledigt.

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