14. September 2015

Denn bei der Post geht's nicht so schnell ...

Meine zwei Handbiketouren vom Wochenende führten diesmal wieder etliche Kilometer durch Offroad-Gelände. Besonders der Abstecher am Sonntag von Tetschen (Děčín) aus hatte es in sich.

Üblicherweise behalte ich mir immer den ersten Tourentag für bergige Ausfahrten vor. So auch dieses Mal. Es sollte wieder hinauf zum Osterzgebirgskamm gehen. Doch in dem offenen Gelände bremste mich der stramme Südwind zusätzlich zu den Anstiegen ganz schön aus.

Auf der Poststraße
So fuhr ich nicht bis nach Zinnwald, sondern erkundete einen Abschnitt, den ich bisher nur einmal vor etlichen Jahren gefahren bin. Die sogenannte "Alte Dresden-Teplitzer Poststraße" ist jedenfalls als Radroute ausgewiesen. Abgesehen von dem kurzen Abschnitt im Oelsengrund (s. Track vom 12.09., km 31,8 - 32,8), verläuft das erste danach von mir befahrene Teilstück ebenfalls nur auf gesplitteten Forstwegen (s. Track vom 12.09., km 33,3 - 35,7), allerdings meist recht gutgängig. Anschließend führt die Poststraße auf Asphalt bis Müglitz (km 39,5) weiter. Diese Ecke liebe ich besonders, denn in ihrer Abgeschiedenheit liegt auch der Reiz der Gegend.

Besonders gefallen mir bei der "Alten Dresden-Teplitzer" die Wegweiser, immer mit handgeschnitzten Postkutschen. Mindestens vier sind mir dort oben aufgefallen, jeder ein bißchen anders. Von einfachen - vielleicht kindlichen - Ausführungen (s. Bild), bis zu richtigen kleinen Kunstwerken. Den hier tätigen Heimatfreunden sei's gedankt.

Nachdem ich bereits kurz nach 11 meine 1000 Hm erreicht hatte, blieb nur noch der entspannte Rückweg durch das Müglitztal und der kurze Abstecher auf die andere Elbseite hinter Pillnitz. So konnte ich mich in aller Ruhe für das abendliche Klassentreffen mit meinen Kameraden aus der Grundschule frischmachen.

Morgen in Herrnskretschen (Hřensko) an der Elbe
Die Strecke vom Sonntag war für meine Verhältnissee diesmal ungewöhnlich einfallslos. An der Elbe bis Tetschen und auf der anderen Flußseite wieder zurück. Zwar nahm ich auf dem Hinweg wieder mal die Straße über Tschirte (Čertova Voda) und Mittelgrund (Prostřední Žleb) - also nicht das erst seit wenigen Jahren existierenden Verbindungsstück unmittelbar an der Elbe - was mir ein paar zusätzliche Anstiege und eine richtig steile kurze Rampe bescherte. Und auch bei der Rückfahrt wählte ich die bergige Variante über Waltersdorf.

Der Hauptgrund dafür lag jedoch an meinem nicht einsatzbereiten Kettenumwerfer am Kurbelblatt. Der Schalthebel aus Titan war mir tags zuvor gegen Ende der Tour einfach abgebrochen, so daß ich nun im wesentlichen nur das kleine Blatt benutzte. Sonst hätte ich jedesmal mühsam den Werfer von Hand verschieben müssen.

Am interessantesten war die kleine Extrarunde nach Eulau (Jílové). Ich wollte schon immer mal die über den Tetschener Ortsteil Schönborn (Krásný Studenec) fahren, denn von dort gibt es eine Mountainbikeverbindung in Richtung Westen (s. Track vom 13.09., km 49,7 - 51,4). Von der anderen Seite hatte ich diesen Weg vor einigen Jahren mal getestet, kam  da aber auf steiler, nasser und fahrrinnendurchfurchter Wiese nicht mehr weiter. In Gegenrichtung war ich diesmal erfolgreich, mußte hierbei dennoch meinen Preis zahlen.

Einen Augenblick beim Queren der Spurrinnen nicht ganz bei der Sache und schon kippte das Handbike samt Fahrer um 90° nach rechts auf die Seite. Für Außenstehende sah das vermutlich lustig aus, als ich (mit Beckengurt, Kniegurten und Klettbändern an den Fußrasten) gefesselt an meinen fahrbaren Untersatz da auf der Wiese, das Handbike halb über mir, lag. Ich kam mir hingegen beim Versuch, an die Fixierungen zu gelangen, um diese zu lösen, wie ein Entfesselungskünstler vor. Ironischerweise erkannte ich diese Passage gleich vom ersten Versuch her wieder, auch damals mußte ich in die Wiese. Einen Vorteil hatte die ganze Sache: Ich wußte, daß ich nach dieser heiklen Stelle nun wieder einigermaßen gut in besseres Gelände kommen würde und keine weiteren bösen Überraschungen auf mich warteten. Wenn man allein fährt, ist solcherart Ungewißheit sonst immer der größte Nervenkitzel.

Auf dem Rückweg fuhr ich dann noch bei der Familie meiner Schwester vorbei, um eine mögliche Reparatur des Schalthebels mit meinem Schwager zu besprechen. Was für eine Freude! Uwe konnte mir sogar gleich auf die Schnelle ein einsatzbereites Provisorium basteln. Mal sehen, wie lange es hält.  Manche Notbehelfe überdauern ja sehr lange ...

Track der Handbiketour vom 12.09.2015
Track der Handbiketour vom 13.09.2015

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