12. Juli 2026

Zweimal einhundert ...

... ergeben auch Zweihundert! Ursprünglich war meine gestrige Tour aber ganz anders geplant, denn da wollte ich ins Böhmische weit nach Osten.

Zu diesem Zweck startete ich von Pirna erneut in der Nacht punkt 2.00 Uhr. Hauptgrund dafür war nicht die kalkulierte Streckenlänge, sondern hauptsächlich die angenehme Witterung im Dunkeln. Temperaturen zwischen 14 - 18°C sind eben für mich optimal. Außerdem fuhr ich stundenlang, ohne einer Menschenseele zu begegnen - kein Wunder! Bis zum Grenzübertritt am Eulenthor oberhalb von Rosenthal zählte ich insgesamt nur fünf Fahrzeuge.

Tetschen (Děčín) erreichte ich noch lange vor dem Sonnenaufgang, und auch der folgende Anstieg aus der Stadt lag schon fast hinter mir, als mich die ersten Strahlen erreichten. Im Licht der Sonne offenbarte sich allerdings eine unangenehme Überraschung: meinem Vorderreifen hatte wohl die vorangegangene schnelle Abfahrt ins Elbtal den Rest gegeben. An einer Stelle der Lauffläche war nun die letzte Gummiauflage weggerieben und die Karkasse des Mantels lag blank.

Mit diesem schadhaften Reifen an meiner Planung weiter festzuhalten, wäre beinahe suizidal gewesen. Vielmehr ging es nun zunächst darum, ohne Zwischenfälle nachhause zu gelangen. Gerade als ich mich darüber freute, daß dabei alles bisher reibungslos lief, ereilte mich das Schicksal in Form einer Reifenpanne: Auf der Abfahrt hinunter ins Elbtal nach Herrnskretschen (Hřensko) holperte ich in voller Fahrt über einen Stein auf der Fahrbahn. Kurz danach sah man mich beim Schlauchwechsel am Straßenrand. Da war es 6.30 Uhr.

Daß ich danach erst recht wie auf rohen Eiern weitergefahren bin, kann sich jeder vorstellen. Einen weiteren Ersatzschlauch hatte ich nämlich nicht, mußte aber immer noch den verschlissenen Reifen nutzen. 

Meine Wohnung erreichte ich schließlich Punkt Neun, wo ich sogleich den Vorderreifen tauschte. Weil das Wetter aber immer noch nahezu perfekt meinen Ansprüchen genügte, setzte ich mich 11.00 Uhr ein zweites Mal auf den Bock. Alles andere hätte ich nicht vor mir verantworten können. Immerhin fahre ich freitags ja auch immer erst mittags nach Feierabend los und schaffe im Sommer trotzdem 100 km. Ohne mir vorher eine Strecke überlegt zu haben, begann ich deshalb den zweiten Teil meines Tourentags. Auf der ersten Runde waren knapp 88 km zusammengekommen, für den an diesem Tag geplanten 200er hätte ich also noch ca. 113 km benötigt. Doch daran dachte ich anfangs gar nicht.

Aber es lief wieder richtig rund, weshalb ich bereits auf meiner Fahrt durch das nördliche Umland von Dresden dann den Entschluß faßte, die Langstrecke wenigstens zu versuchen. Ausreichend Zeit bei Tageslicht blieb mir jedenfalls. Trotz des meist moderaten Tourenprofils addierten sich dabei erneut die Höhenmeter, sodaß ich auf diesen 113 km überraschenderweise tatsächlich noch einmal eine vierstellige Summe erreichte.

Sommeridyll nahe Possendorf, in Bildmitte die Klinik
Bavaria in Kreischa, am Horizont etwas links darüber
der Hohe Schneeberg (Děčínský Sněžník) in 32 km
Entfernung ( Aufnahmeort)
Schließlich blieb mir nach dem "Ende der Hauptschwierigkeiten" sogar genügenden Zeit für einen Kurzbesuch bei meiner Sportfreundin Christiane und ihrer Familie, die mir am frühen Abend zum Kaffeetrinken Saft und frisch gebackenen Kuchen spendierte. Da freute ich mich bereits darüber, daß ich den fünften Langen Kanten des Jahres abrechnen konnte, obwohl sich diesmal die Vorzeichen dafür alles andere als günstig erwiesen. Es war ein Sieg des Willens.

Noch auf meiner Testrunde mit dem Handbike zum Feierabend am Freitag hatte ich ebenfalls arge Bedenken, ob die für das Wochenende geplante Langstrecke hinsichtlich meiner aktuellen physischen Belastbarkeit und Kraftausdauer überhaupt realistisch sei. An diesem Tag fühlte ich mich überhaupt nicht fit, auch wenn das dabei erreichte Durchschnittstempo etwas anderes aussagen mag. Letztlich bedeutet dies nur, daß ich auch bei suboptimaler körperlicher Verfassung ausreichend leidensfähig bin, um die gewünschten statistischen Vorgaben  zu erfüllen. Die Kürze der absolvierte Strecke hing übrigens ausschließlich damit zusammen, daß ich mir für das Wochenendprojekt noch ausreichend Kraft- und Energiereserven bewahren wollte.

Wie ich im Nachhinein feststellte, verursachten meine freitäglichen Leistungsdefizite aber offenbar vor allem die für mich hohen Außentemperaturen zwischen 25 und 29°C. Auf dem Langen Kanten keine zwölf Stunden später war hingegen von solchen Einschränkungen überhaupt nichts mehr zu spüren.

Und das lag ganz sicher nicht nur an der Motivation.

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