13. September 2026

Krank und Frieden

Am vergangenen Donnerstag begannen ein paar unangenehme Stunden für mich. Bereits auf der Arbeit machten sich erste Anzeichen bemerkbar, doch so richtig ungemütlich wurde es dann abends. Erst fror ich, und während die Spastik zunahm, schüttelte ich mich in's Fieber hinein. Vermutlich war das wieder einer jener Harnwegsinfekte, welche ich mir hin und wieder zuziehe, weil ich notorisch zu wenig trinke. Als am Ende der Nacht zum Sonnabend das Bettlaken naß vom Schweiß wurde, war klar, daß ich es  - nach Einsatz diverser Medikamente - endlich überstanden hatte.

Noch am Freitag erfuhr über einen Facebook-Eintrag vom European Peace Ride (EPR). Mir blieb zwar verborgen, wieso man die Veranstaltung englisch betitelt statt beispielsweise "Europäische Friedensfahrt". Will man doch ideell an die ehemalige Internationale Friedensfahrt anknüpfen. Sei's drum, die Idee dahinter bleibt die gleiche: Radsportler aus verschiedenen Ländern bewältigen gemeinsam Herausforderungen, die tatsächlich beachtlich sind. An den drei Tourtagen werden 2026 insgesamt rund 500 km und 6000 Hm bei einer avisierten Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 km/h bewältigt. Eine Hausnummer nur für überdurchschnittlich ambitionierte Sportler!

Ich wollte es mir aber nicht entgehen lassen, den Teilnehmern bei ihrem Zwischenstop in Glashütte meine Aufwartung zu machen, finde ich vor allem solche Veranstaltungen, die auf Kooperation statt auf Konfrontation setzen, im aktuell von verantwortungslos handelnden Machtmenschen und ihnen willfährigen Protagonisten in den Massenmedien aufgeheizten politischem Klima für umso wichtiger. Jeder Beitrag, der zur Deeskalation beitragen kann bzw. zeigt, daß sich nicht alle wie gewünscht manipulieren lassen, ist wichtig.

Ohne erst abzuwarten, ob nicht doch noch Nachwirkungen meines Infekts auftreten und nach 1,5 Tagen mit nur minimaler Nahrungsaufnahme nicht in optimaler körperlicher Verfassung, brach ich schließlich zur zehnten Stunde des Vormittags auf. Zunächst testete ich mich hinsichtlich der Belastungsfähigkeit auf den ersten flachen 30 km, bevor ich über das Lockwitztal die Landeshauptstadt verließ. Ich hatte meine Tour genau auf meine verminderte Leistungsfähigkeit zugeschnitten: lange, jedoch nur unmerkliche Anstiege, statt brutaler Steilrampen. Trotzdem waren auf der höchsten Punkt meiner Strecke vor Glashütte bereits mehr als 500 Hm zusammengekommen.

Zwischenstop der Teilnehmer des EPR am
Deutschen Uhrenmuseum Glashütte (Aufnahmeort)
Bis die Recken des EPR dann ebenfalls in Glashütte eintrafen, dauerte es dann noch reichlich 20 Minuten, aber eigentlich hatte ich es mit der Zeitplanung ganz gut getroffen. Ich freute mich mit ihnen, kannte ich doch fast die gesamte Strecke dieser zweiten Etappe aus eigenem Erleben und wußte daher, was für beinahe epische Auffahrten schon hinter den Teilnehmern lagen. Erinnert sei hier nur an die gnadenlose Rampe von Tetschen-Peiperz (Děčín-Připeř) bis Kalmswiese (Jalůvčí) und weiter nach Schneeberg (Sněžník) mit 13 km Länge und 450 m Höhenunterschied, wobei auf den ersten 2,5 km bereits 230 Hm überwunden werden müssen. - Erfreulich, daß sogar etliche Frauen mitfuhren, auch wenn eine dieser Radamazonen schon ziemlich mitgenommen aussah.

Nach einer reichlichen halben Stunde fuhr ich schließlich weiter, dehnte dabei meine Runde jedoch zweimal aus, weil ich mich immer besser fühlte. Am Ende kletterte ich tatsächlich noch die schnellstraßenartig ausgebaute Strecke von Lauenstein in Richtung Liebenau  hinauf (s. Track vom 12.09., km 67,1 - 69,2), um von dort in mehreren Schwüngen zunächst ins Müglitztal kurz hinter von Glashütte zurückzukehren und diesem dann bis Dohna zu folgen. Weil dort aber noch ca. 90 Hm an einem vierstelligen Betrag fehlten, nahm ich außerdem die Auffahrt nach Großsedlitz mit, bevor ich in Pirna einrollte. Trotz meiner Leistungsdefizite stand am Ende ein Ergebnis, für das ich mich nicht schämen muß.

Sehr erfreulich!

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