14. September 2026

Wasserscheu auf Tour

Der Sonntag bot nur ein relativ kleines Zeitfenster zur sportlichen Betätigung für Wasserscheue wie mich. Ehrlicherweise hatte ich den Tag bereits abgeschrieben, doch nachdem es gegen Mittag endlich aufklarte, waren eine Stunde später die Straßen in der Stadt sowie im offenen Gelände bereits gut abgetrocknet.

Nach und vor dem Regen bei Dorf Wehlen
(Aufnahmeort)
Eine kurze Ausfahrt mit dem Handbike war also noch möglich, auch wenn das trübe Wetter nicht unbedingt dazu einlud. Ich überwand meine Unlust und stellte mir Stücke für Stück eine passende Strecke zusammen. Von Pirna nördlich der Elbe bis Neustadt in Sachsen gibt es viel offenes Land, welches perfekt zu dieser Witterung paßte.

Bei einem kurzen Zwischenstop auf dem Radweg nach Langenwolmsdorf (s. Tack vom 13.09., km 22,1) passierte mich eine Radfahrerin, die kurz danach spontan anhielt, um Fallobst von Bäumen am Wegesrand aufzusammeln. Ich bat sie um Früchte - es waren Pflaumen und Birnen - weil ich selbst nicht an diese herankam. Sie suchte mir ein paar Pflaumen, kurz darauf sogar noch einige Birnen von einem entfernteren Baum und überreichte sie mir. Lächelnd bedankte ich mich. Was mich dabei irritierte: Sie verhielt sich so nett, doch trotzdem kam kein Lächeln auf meinen Dank zurück. Warum?

Später am Tag begegnete ich noch weiteren Menschen auf meinem Weg, u.a. einer alten Frau mit ihrem Rollator, in deren Gesichtern jeder Ausdruck von Freude oder wenigstens Zufriedenheit fehlte. Und das war dann doch noch etwas anderes, als die oftmals verbissen auf mich wirkenden Radrennfahrer, welche mir mehr und mehr - vor allem im urbanen Gebiet - grußlos entgegenkommen oder mich beim Überholen einfach ignorieren. Täuscht mich der Eindruck, daß dies mir immer häufiger passiert, daß Hoffnungslosigkeit, Isolation bzw. Selbstbezogenheit zunehmen und solche grundlegenden Charaktereigenschaften wie Offenheit, Freundlichkeit und Gelassenheit auf dem Rückzug sind?

Zum Glück habe ich aber auch gestern wieder ganz andere Begegnungen erlebt. Wenig überraschend, sind diese Leute, welche sich das Lächeln bewahrt haben, auch genau diejenigen, die mich grüßen. Egal, ob es der Bauer ist, der vom Kontrollgang auf seinem Acker zurückkehrt oder das junge Paar, welches gerade mit ihrem Sprößling auf dem Tretrad einen kleinen Nachmittagsspaziergang unternimmt. Ein ehrliches Lächeln kostet nichts, sondern freut beide Seiten. 

Knapp zehn Kilometer vor Pirna erreichten mich die ersten Vorboten des nächsten größeren Regengebiets, sodaß ich auf dem kürzesten Weg noch einen Zahn zulegte, statt meine Runde weiter auszudehnen. Meiner positiven Grundstimmung nach diesen (gesundheitlich) etwas holperigen Tagen schadete das indessen nicht.

Wenn ich in knapp zwei Wochen mit meinem tschechischen Kameraden für eine reichliche Woche in den Süden fahre, will ich noch einmal ordentlich dabei sein!

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