20. Oktober 2026

Alt genug

Mehr als zehn Jahre sind seit der Taufe des ältesten Sones meiner Nichte vergangen. Aus dem kleinen Wicht auf meinem Schoß ist inzwischen ein interessierter Junge geworden, der gern mal seinen Paten auf einer Fahrradtour begleiten wollte. Gestern war es nun soweit.

Vor dem Treffen in Dorf Wehlen habe ich natürlich noch ein paar zusätzliche Kilometer zum Warmfahren absolviert, zumal sich die Wolken nach einem trüben Tagesstart merklich auflockerten. Anschließend fuhren wir beide auf einer meiner Lieblingsrunden, welche ich übrigens Gästen (mit Handbike) uneingeschränkt empfehlen kann, zunächst zur Bastei (Gesamttour s. Track vom 19.10., km 22,1 - 40,1).

Verständlicherweise hatte mich die Mutti von Oskar gebeten, nur verkehrsruhige oder für den öffentlichen Kraftverkehr gesperrte Straßen bzw. Wege zu benutzen, und auch ich wollte erst mal schauen, wie sich mein Patenkind mit dem Rad bewegte. Immerhin ist er meines Wissens noch nie eine längere Strecke gefahren. Aber er schlug sich wacker! Hochmotiviert, wie er war, hatte ich selbst auf flacher Strecke Mühe, ihm zu folgen. Allerdings bin ich natürlich auf den Wald- und Forstwegen ohne Asphaltbelag schon wegen der Pannengefahr für meine schmalen Reifen wesentlich vorsichtiger, also langsamer gefahren.

Einfahrt in den Kohlgrund (Aufnahmeort)
Weil auf der Bastei der übliche Besucherandrang herrschte, hielten wir uns dort gar nicht lange auf, sondern fuhren kurz danach zum (aus meiner Sicht) eigentlichen Höhepunkt der Tour: die Abfahrt auf der sogenannten "Radroute im Nationalpark" durch Rein-, Kohl-, Zscherre- und Wehlener Grund hinunter nach Stadt Wehlen (s. Track vom 19.10., km 32,9 - 36,9). Ich hatte erwartet, daß mein kindlicher Begleiter nun angesichts der abenteuerlichen Szenerie der tiefen Schluchten mit schroffen Felsen bis unmittelbar an den Wegesrand seiner Begeisterung Ausdruck verleiht, doch kamen keine Kommentare von ihm. Vielleicht war Oskar ja viel zu beschäftigt mit Radfahren oder er ist - mindestens genauso wahrscheinlich - wesentlich introvertierter als angenommen.

Gefallen hat es ihm aber sicherlich, auch wenn er zum Schluß der Abfahrt seine freie Hand in die Jackentasche steckte, weil ihm kalt wurde. Für das Eis in Stadt Wehlen als Belohnung spielte das aber keine Rolle. Anschließend fuhr er den langen Anstieg hinauf nach Dorf Wehlen erstaunlich locker und schnell hinauf, wartete sogar immer in Abständen, bis sein langsamer Patenonkel ihn wieder erreicht hatte.

Knapp 2,5 Stunden waren wir schließlich inkl. aller Pausen für diese reichlich 18 km unterwegs, und mein Schützling zeigte danach überhaupt keine Anzeichen von Ermüdung. Da können wir also das nächste Mal durchaus auch eine längere Tour unternehmen.

Nachdem ich Oskar bei seiner Mutti "abgeliefert" hatte, bin ich zum Schluß erneut auf Umwegen nachhause gefahren. An- und Abfahrt nach Dorf Wehlen lagen hinsichtlich meiner Anforderungen zwar im Sollbereich, doch die langsame Fahrt auf den unbefestigten Wegen zwischendurch schlug sich merklich im Endergebnis wieder.

Die gemeinsame Tour mit meinem Patenkind war es aber allemal wert.

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