5. Oktober 2026

Schneller erschöpft

So, langsam lasse ich es ausklingen ... Besonders an den letzten beiden Tourtagen habe ich es gemerkt, daß ich eben auch schon straff auf die Sechzig zugehe. Man stößt inzwischen nicht nur schneller an seine physischen und mentalen Grenzen, sondern benötigt für die Regeneration auch wesentlich mehr Zeit. 

Aber ich will nicht klagen, denn vor allem meine Ausfahrt mit dem Handbike am 02.10. hatte wieder alles dabei, was eine Fahrt in den hohen Bergen so besonders macht: wunderschöne Straßen und phantastische Ausblicke, verbunden mit dem Gefühl, genau zur richtigen  Zeit am richtigen Ort zu sein.

Rein rechnerisch erschien die Tour hinauf zum Ort Foza und der anschließenden Weiterfahrt auf einer Art Hochfläche über Asiago bis Treschè Conca gar nicht übermäßig anspruchsvoll, doch der Teufel steckte im Detail. Der größte Anstieg des Tages über reichlich 900 Hm erfolgte nämlich auf nur 14 km (s. Track vom 02.10., km 31,0 - 45,3). Sogar die Profis des Giro d'Italia sind hier schon hinaufgeklettert, wovon eine Tafel zu Beginn des eigentlichen Anstieges kündete.

Ich selbst kam mit der Steigung ganz gut zurecht. Allerdings hatte ich ca. 300 Hm unterhalb des Scheitelpunkts bereits so viel Federn gelassen, daß dann der Rest eine echte (Durch-)Hängepartie wurde. Dabei gab es gar keine direkt meßbaren Verschlechterungen (wie z.B. über die Herzfrequenz), tatsächlich fühlte ich mich aber zwischenzeitlich ziemlich elend. Nun, indem ich mir alle Zeit der Welt für diese letzten Kilometer nahm und keinen Streß machte, überstand ich auch schließlich diesen Abschnitt. Umkehren war jedenfalls zu keiner Zeit eine Option.

Von der Straße zwischen Fozo und Asiaga kann
man tief hinab ins Val Frenzela in Richtung des
Ortes Valstagna schauen, wo die Serpentinenstraße
nach Foza beginnt (Aufnahmeort)

Auch weil ich nach dieser Kletterei dann jeden Anstieg von Beginn an etwas langsamer hinauffuhr, kam ich dabei nie mehr in Bedrängnis. Leider mußte ich den Radweg auf der Bahnstrecke der ehemaligen Bahn nach Asiago abwählen und stattdessen die Hauptstraße benutzen. Denn als Lád'a am Vortag diese Trasse erkundete, stellte er fest, daß diese sich in einem zu schlechten Zustand (Schotter, teil zugewachsen) war, um für mich noch sinnvoll ohne erheblichen Zeitverzug nutzbar zu sein. 

Hinab in die Ebene ging es schließlich über etliche Serpentinen, von denen sich erneut schöne Ausblicke eröffneten (s. Track vom 02.10., km 73,8 - 82,7). Das einzige nervige dort waren halbstarke Motorradfahrer, welche rücksichtslos gegenüber Auto- und Radfahrern die Piste als Rennstrecke mißbrauchten, was einige Male zu wirklich gefährlichen Situationen führte.

Die letzten kurzen Gegenanstiege des Tages ärgerten mich noch ein wenig (ich hatte nicht mehr mit ihnen gerechnet), doch als ich zum Sonnenuntergang am Quartier eintraf, war ich restlos glücklich und auch zufrieden mit mir. Besonders die Traumstraße nach Foza wird mir in Erinnerung bleiben.

Natürlich war abends bereits klar, daß es sich für mich in diesem Jahr in den Alpen ausgeklettert hatte. Am letzten Tag meines Urlaubs in Venetien stand also nur noch eine lockere Runde in der Ebene auf dem Programm. Als Ziel hatte ich mir Padua ausgesucht, auf der Rückfahrt schlug ich aber noch einen Bogen über Cittadella.

Man sollte meinen, ich würde in diesem konditionell anspruchslosen Gelände abgehen wie ein Rakete. Das bestätigte sich aber nicht. Da es hier keine nennenswerten, also längere Anstiege gab, folgten darauf auch keine Abfahrten, auf denen ich mich hätte vom Kurbeln "erholen" können. Insgesamt war ich also überdurchschnittlich lang und ausdauernd mit der Armarbeit ausgelastet. Über einen ganzen Tag ist diese Anstrengung nicht zu unterschätzen.

Von Paduas Altstadt war ich etwas enttäuscht, ich hatte mir mehr Sehenswertes erhofft. Vielleicht war ich auch nur nicht an den richtigen Orten, doch sehr lange wollte ich mich am Umkehrpunkt nicht aufhalten. Die zweite Stadt, nämlich Cittadella, gefiel mir hingegen besser, vor allem aber die eindrucksvolle Stadtmauer mit den Toren, welche allesamt sehr gut erhalten sind. Wahrscheinlich bräuchte ich aber auch hier wesentlich mehr Zeit für die Erkundung. Bei Touren im Handbike kann ich mit der Zeit im Nacken nur an der Oberfläche kratzen.

Meine letzten Kilomter gehörten schließlich beinahe zur Standardstrecke, weil ich dieses Stück wahrscheinlich auf jeder meiner Touren hier absolviert habe. Als ich endlich im Hof der Unterkunft einrollte, war ich beinahe genauso geschafft, wie an den Tagen zuvor.

Lád'a meinte, wir könnten hier wieder einmal ein paar Tage verbringen. Unser Heim auf Zeit in Maragnole jedenfalls war sehr gut für mich geeignet und ist somit durchaus empfehlenswert. Und auch ausreichend mögliche Ziele gibt es für mich noch in der Umgebung, inklusive einer Bergtour zur Bocchetta Granezza und dem Passo Stretto. Wenn wir dann noch solches Heldenwetter wie in den vergangenen Tagen haben, ist das beispielsweise eine sichere Bank für die Saisoneröffnung oder den Jahresabschluß. Diesmal sind das bei mir übrigens auf 5 Touren insgesamt 462 km mit 4430 Hm gewesen.

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