31. Dezember 2020

"Corona" heißt "Krone"

Das war schon ein verrücktes Jahr 2020! Die im Spätwinter ausgerufene SARS-CoV-2-Pandemie durchkreuzte so ziemlich alle sportlichen Pläne, die ich mir für die Saison gemacht hatte. Aber der Reihe nach ...

Noch mit allen Bewegungsfreiheiten ausgestattet, ließ mich Anfang des Jahres der Winter im Stich. Es wollte und wollte nicht schneien, und als dann endlich mal an zwei Wochenenden ausreichend Schnee im Osterzgebirge lag, klappte es bei mir nicht. Sogar im sonst schneesicheren Isergebirge sah es meist ziemlich mau aus, so daß der Winter für mich ohne eine einzige Skitour zu Ende ging.

Umso mehr freute ich mich auf den Frühling, denn endlich wollten Lád'a und ich mit unseren tschechischen Sportfreunden zum Saisonauftakt wieder mal in die Toskana fahren. Die ersten eintreffenden Horrormeldungen beflissentlich ignorierend, wurden wir bei der Quartiersuche schon bald darauf ausgebremst. Zwei Wochen später war das Vorhaben gestorben.

Bildergruß von einem Freund
Immerhin konnte ich dem ersten amtlich verordneten Lockdown etwas gutes abgewinnen. Während andernorts, wie z.B. in Spanien, die Leute fast buchstäblich in ihren eigenen vier Wänden eingesperrt blieben, durfte hierzulande weiterhin Sport im Freien stattfinden. Bei kreativer Auslegung der Regeln ergaben sich Spielräume, die mir ausgedehnte Touren ermöglichten.

Allein im April absolvierte ich dabei drei Lange Kanten (Strecken über 200km) bis nach Südbrandenburg, zum Collmberg und rund um Dresden. Auch die folgenden zwei Langen Kanten zum Schloß Augustusburg im Erzgebirge und in den Fürst-Pückler-Park Bad Muskau waren perfekt als Vorbereitung für mein größtes Langstreckenvorhaben in diesem Jahr geeignet. Bereits kurz nach meiner erfolgreichen Nonstop-Tour nach Prag und zurück stand nämlich die Fahrt mit dem Handbike in die deutsche Hauptstadt auf meiner Wunschliste. Das Projekt "Berlin Alexanderplatz" konnte ich nun am letzten Maiwochenende verwirklichen. Mit 435 km Länge war die Tour nur reichlich 100 km kürzer als der Styrkeprøven, den ich im Jahr 2012 bewältigt hatte.  Nach einem weiteren 200er ins Lausitzer Gebirge war ich immer noch hochmotiviert, um gleich das nächste Langstreckenprojekt anzugehen. Mit der Handbiketour nach Leipzig über 313 km führte ich endgültig die neue Kategorie "Ultra" bei der Klassifizierung meiner Strecken ein.

Summa summarum stehen im Jahr 2020 acht Strecken über 200 Kilometer auf der Endabrechnung - das sind doppelt so viele, wie durchschnittlich in den letzten Jahren. Außerdem habe ich mit 1761 km im April einen neuen Monatsbestwert sowie mit 1840 km im Juni einen Rekord für das monatliche Streckenpensum erreicht. Pandemiebedingte Einschränkungen im Sport gab es bei mir letztlich keine - eher andersherum.

Dafür stand der ebenfalls geplante Tourenurlaub in den Alpen lange Zeit auf der Kippe. In Nordwestitalien und Südostfrankreich mit dem Handbike auf Pässejagd zu gehen, hatte ich sowieso schon abgehakt. Dort weiterzumachen, wo ich im vergangenen Jahr verletzungsbedingt aufhören mußte, erschien mir angesichts der Reisebeschränkungen illusorisch. Deshalb lag mein Hauptaugenmerk für den Sommer auf der Schweiz.

Dazu kam, daß ich durch meine über die Internetplattform Strava veröffentlichten Aktivitäten inzwischen weitere Kontakte in das südliche Nachbarland geknüpft hatte. Besonders Silvia und ich waren uns als begeisterte Radsportler bald sympathisch, so daß wir einige gemeinsame Touren in ihrer Heimat planten. Sie war zwar der Meinung, daß sie aus dem Flachland kommt - aber ihre "Hügel" im Schweizer Jura sollten sich bei unseren Ausflügen als ernstzunehmende Herausforderungen entpuppen.

Glücklicherweise entspannte sich rechtzeitig vor dem Sommer die Lage. Meine Alpenfahrt verband ich gleich mit einem Besuch bei einem Freund aus der Zeit unserer Erstreha in Kreischa. Damit begannen für mich die schönsten Tage des Jahres. Silvia haute gleich von Beginn an ordentlich auf die Pauke. Manches Mal fragte ich mich, wie sie die Bummelei mit mir in den Bergen ertragen konnte - aber mein tschechischer Kamerad kann es ja auch. Lád'a und ich sind jedoch schon viele Jahre miteinander befreundet, meine Begleiterin in der Nordschweiz kannte mich bisher nur über das Internet. Jedenfalls werden den drei schönen Touren mit dieser tollen und supersportlichen Frau zukünftig gewiß weitere folgen, sofern es nach mir geht.

Danach habe ich während des Urlaubs noch den Chasseral, den höchsten Berg des Berner Juras, erklommen, bevor ich mir die Anstiege in den Alpen vornahm. Für zwei Touren im Wallis konnte sich endlich auch mal wieder mein Schweizer Handbike-Sportfreund Rudy einklinken, mit dem ich auch schon so manchen Paß bezwungen habe. Die anstrengendste aber auch eindruckvollste Bergtour wurde die Fahrt zum Männlichen über Grindelwald. Daß ich mich bergauf recht quälte, lag vermutlich auch an meinem nicht mehr 100%ig einsatztauglichem Gefährt. Für weitere Details gibt es meinen Reisebericht und kommentierte Bilder.

Eigentlich wollte ich meine Urlaubswoche im Spätherbst dann am liebsten an der Ostsee verbringen. Allerdings begann im Oktober wieder das ganze Corona-Theater, so daß dort die gewünschte Unterkunft dicht gemacht hatte. Auch meine Ausweichquartiere mußten sich den neu erlassenen Verordnungen beugen, so daß zum Schluß noch nicht einmal das relativ nah gelegene Görlitz übrig blieb.

Selbst zuhause wurde es bei all diesen Verbotsorgien der Politiker immer schwieriger, sich genügend freie Räume für die Ausübung des Sports zu bewahren. Es ist schon ein gewissermaßen trauriger Höhepunkt, wenn ich nicht mehr detailliert über meine Aktivitäten berichten und meine Tourentracks veröffentlichen kann, weil ich befürchten muß, nicht mehr nur diffamiert, sondern auch denunziert zu werden. Ein solches Handeln haben bisher die öffentlichen Berichterstatter ausschließlich den zentralistischen Staaten wie z.B. China unterstellt.

Obwohl das Handbike mit Abstand das wichtigste Sportgerät für mich ist, gab es im Jahr 2020 auch noch weitere Ereignisse, die in der Rückschau erwähnenswert sind. Unter der Rubrik "Rollstuhlwandern" zählt hier vor allem meine zweite "Besteigung" der Schneekoppe im Riesengebirge mit ausgiebiger Unterstützung durch meine Freunde. Auch diesmal war es eine klasse Aktion, über die ich mich sehr gefreut habe. Genauso gern erinnere ich mich an den kurzen Nachmittagsausflug zur Basteibrücke, denn dorthin gelangt man nur über viele Stufen, wozu unbedingt Hilfe erforderlich ist. Aber die Begleitung durch Fußgänger empfehle ich rollstuhlfahrenden Besuchern des Elbsandsteingebirges ja sowieso, wie u.a. in einem Beitrag des MDR-Magazins "Selbstbestimmt" zu hören ist.

Nach diesem Rückblick auf meine Aktivitäten komme ich nun zur trockenen Statistik. Vielleicht wundert sich mancher über die nun folgenden Zahlen, aber das Thema "Corona" ist für mich durchaus nicht ausschließlich negativ konnotiert. Es hängt eben auch davon ab, was man aus einer an sich ungünstigen Ausgangssituation macht. Ich konnte dabei oftmals sogar das Vorzeichen umdrehen und mir zuguterletzt selbst die Krone auf's Haupt setzen.

Die beeindruckendsten Zahlen liefert sicher die Zusammenfassung: Auf 121 Touren habe ich eine Strecke von 15.338 km zurückgelegt und dabei gleichzeitig 157.554 Hm bewältigt. Das sind durchschnittlich 126,7 km und 1302 Hm pro Tour oder 41,9 km und 430 Hm an jedem Kalendertag. Somit entspricht dies fast einem täglichen Marathon. Nicht zuletzt sind mit diesen Werten meine bisherigen Bestleistungen aus dem vergangenen Jahr nahezu pulverisiert worden, denn die alten Rekorde liegen 1899 km bzw. 15.791 Hm darunter. So viele Kilometer bin ich noch nie in einem Monat gefahren, und die Höhenmeter erreiche nur in den Alpenurlaubs-Monaten. Die mir zu Jahresbeginn geleistete Belohnung habe ich mir also redlich verdient! 

Auch wenn meine Durchschnittsgeschwindigkeit über alle Touren mit 15,3 km/h den Vergleich mit den Werten der Wettkampfathleten und auch zahlreicher anderer Freizeitsportler nicht standhält, so sind doch neben dem auf Robustheit statt Geschwindigkeit ausgelegten Handbike vor allem die vielen Höhenmeter ein triftiger Grund dafür. Meine diesbezügliche Bilanz dürfte unter den Radsportlern auf drei Rädern so ziemlich einzigartig sein.

Auf Strava gibt es etliche Handbikergruppen, dreien von ihnen habe ich mich angeschlossen. Schaut man dort in die Statistiken der Mitglieder, sind fünfstellige Jahreskilometerleistungen gar nicht so selten. Allerdings zählen eben die meisten Vollzeit-Handbiker - wenn sie nicht gerade ein e-Handbike fahren - auch die Kilometer zuhause auf der Rolle, manchmal außerdem die vermutlich per Drehwiderstand simulierten Höhenmeter von irgendwelchen virtuell am Trainingsgerät "gefahrenen" Strecken. Das kommt für mich jedoch nicht infrage. Die Rolle ist ein Gerät für relativ kurze Trainingseinheiten unter definierbaren Bedingungen - nicht für stundenlange simulierte "Touren" vor einem Monitor, auf dem die Straße eingeblendet wird.

Draußen werden Helden geboren!

30. Dezember 2020

Austrudeln

Um noch ein paar Bonusziele abzuhaken, bin ich gestern ein letztes Mal frühmorgens zu einer Handbiketour gestartet. Obwohl die Temperaturen um den Gefrierpunkt herum lagen, war es doch im Elbtal trocken.

Morgendlicher Blick zum Triebenberg (Aufnahmeort)
Das änderte sich ziemlich unvermittelt, als ich noch vor dem Sonnenaufgang von der Dresdener Grundstraße in Richtung Schönfelder Hochland abbog. Gerade wollte ich mich darüber wundern, warum die mir entgegenkommenden Autos so schlichen, da drehte sich bei mir selbst das Vorderrad am Berg auf der Nebenstraße durch. Es war glatt! Zum Glück, war der Anstieg nicht so steil, daß ich deswegen steckenblieb. Doch auch noch später, auf dem als Fahrradweg ausgebauten alten Damm der ehemaligen Schönfelder Hochlandbahn, ließ der Winter grüßen. Der Blick von dort zum Triebenberg bot im ersten Licht der Sonne ein schönes Jahresabschlußmotiv.

Überhaupt hatte ich an diesem Tag wieder herrliches Radelwetter, und so wählte ich die Langversion meines Tourenvorschlags. Die führte mich zwar erneut ein paar Kilometer außerhalb meiner Bewegungszone, doch auch diesmal gab es keine Probleme deswegen. Ein bißchen spekuliere ich ja immer auch darauf, daß ich bei den Ordnungshütern in der Region ebenfalls so bekannt bin, um mich gewähren zu lassen, wenn ich solo im Handbike unterwegs bin.

Ganz zum Schluß besuchte ich für ein paar besinnliche Minuten noch das Grab meiner Eltern. Mein Vater hat mich nie als Rollifahrer erlebt, dafür jedoch meine Mutti. Vor allem ihr verdanke ich sehr viel.

Auch im Jahr 2020 könnte sie stolz auf ihren Sohn sein!

28. Dezember 2020

Kleinvieh macht auch Mist!

Bei der Zusammenstellung meines Jahresabschlußberichts ist mir aufgefallen, daß ich noch nie über ein nicht unwesentliches Detail geschrieben habe: Was verbrauche ich in zwölf Monaten an Verschleißteilen bzw. welche Ersatzteile benötige ich über's Jahr?

Selbstverständlich erfasse ich bereits seit 2008 meine Reparaturen (inkl. Reifenpannen!) sowie die eigenen kleineren, aber auch die durch meinen Mechaniker durchgeführten regulären Wartungsarbeiten am Handbike. Das ist durchaus kein Selbstzweck, denn an der Laufzeit bestimmter Verschleißteile, wie z.B. Reifen oder Bremsbeläge, kann man erkennen, ob die Hardware (Bremse, bzw. Rad/Spurausrichtung) ordnungsgemäß funktioniert. Wenn bei den Zahlen irgendwelche Ausreißer vom langjährigen Durchschnitt vorkommen, gibt es garantiert ein Problem.

Wartungsübersicht in BikeXperience - Bremsbelagwechsel
Für die Erfassung der Wartungsarbeiten kann ich die freie Software "bikeXperience" ebenfalls nur empfehlen. Die regelmäßig weiterentwickelte Anwendung ist mir schon jahrelang ein treues Werkzeug für die Dokumentation meiner Handbike-Aktivitäten.

Hier nun eine Auflistung der im Jahr 2020 erneuerten Teile an meinem Handbike:

  • Ersatz Bremsbelag für hydraulische 4-Kolben-Scheibenbremse Magura MT5: 7x (!!!)
  • Ersatz Reifen: 4x Vorderrad, 1x linkes Hinterrad, 1x rechtes Hinterrad
  • Schlauchwechsel (aufgrund von Pannen): 3x
  • Batterie: 1x TFQ-Sensor, 2x V-Sensor, 2x HFQ-Sensor, mind. 2x Fahrradcomputer HAC5 (ist bei mir  als zusätzliche Anzeige noch im Einsatz)
Einmalig mußten in diesem Jahr außerdem getauscht werden:
  • Bremse Magura MT5 (24.01., s.a. in diesem Bericht zu den Gründen)
  • Kugellager im linken Kurbelgriff (09.04.)
  • Bremsscheibe (12.08., s.a. die Bemerkungen dazu)
  • Herzfrequenz-Brustgurt ANT+ (18.08.)
  • Klettband zur Fixierung des linken Knies
  • Kleines (38er) Kurbelkettenblatt
  • Getriebeöl für Rohloff Speedhub
  • Rohloff-Ritzel (16er) an  der Getriebenabe (kein Tausch, das Wenderitzel wurde nur gedreht)
  • Kette (die vorgenannten fünf Arbeiten erfolgten am 17.09. im Rahmen der Großen Wartung durch Eddy von Bike24)
Als eine beinahe filmreife Aktion bleibt mir dabei vor allem die Reparatur meines linken Kurbelgriffs in Erinnerung. Mein tschechischer Kamerad versprach zwar ultraschnelle Hilfe in der Werkstatt eines seiner Bekannten in Tschechien. Da die deutsch-tschechische Grenze zur Seuchenbekämpfung allerdings in dieser Zeit komplett dicht war, mußten wir bei der Übergabe der Kurbel sehr erfindungsreich vorgehen (s.a. die Ausführungen dazu im entsprechenden Blogbeitrag). Jedenfalls war das ein wirklicher Freundschaftsdienst, denn ohne meinen Sportfreund hätte ich nicht so bald wieder mit meinem Handbike fahren können. - Danke, Lád'a! 

Die größte Einzelinvestition nach der Ersatzbeschaffung einer zweiten Rohloff Speedhub 500/14  im vergangenen Jahr (Einbau am 06.08.2019, s.a. diese Erwähnung) war diesmal der Kauf eines neuen Fahrradnavis am 09.07.  - nämlich des Garmin Edge 1030 Plus - der mit rund 550 EUR zu Buche schlug. Die Entscheidung dafür kam gerade rechtzeitig, denn unmittelbar vor der Lieferung gab mein alter Garmin Edge 1000, den ich als Preis im Styrkeprøven-Fotowettbewerb gewonnen hatte, den Geist auf.

Nach einem knappen halben Jahr im Einsatz mit nun schon wieder mehr als 6700 km Strecke auf 58 Touren bin ich echt begeistert vom aktuellen Garmin-Flaggschiff für Fahrradnavigation. Vor allem die Laufzeit des eingebauten Akkus ist im positive Sinne jenseits aller meiner Erwartungen.  Nach 7-8 Stunden Einsatz und mehr als 100 km Aufzeichnung zeigt der Akkuladestand selbst bei der derzeitigen Kälte immer noch mehr als 80% an. Das ist absolut beeindruckend! Allein deshalb waren die für ein solches Gerät relativ hohen Anschaffungskosten keinesfalls rausgeworfenes Geld. - Den Langstreckenfahrer freut's!

Seit dem 01.10. fahre ich außerdem mit einem LED-Rücklicht über den ganzen Tag. Bei dieser Anschaffung habe ich ebenfalls vergleichsweise tief in die Tasche gegriffen, nachdem ich vorher schon längere Zeit auf der Suche nach einer praktikablen Lösung für meine langen Touren war. Der Big Cobber des australischen Herstellers Knog erledigt nun sehr gut genau das, was er soll.

In der Summe dürfte im Jahr 2020 für alle Wartungsarbeiten inkl. Material auch ohne Navi auf der Kostenseite erneut ein vierstelliger Betrag zusammengekommen sein. Das ist ungefähr so sicher, wie die Annahme, daß der gesamte Wartungsaufwand für mein 2006 gekauftes Handbike Schmicking S3 inzwischen den Anschaffungspreis des Gefährts erheblich überschreitet.

Aber all die Erlebnisse im Handbike während dieser ganzen Jahre sind es mir wert!

Anmerkung: Vielleicht fragt sich mancher, was aus der Sache mit dem rechten gebrochenen Kurbelarm geworden ist. Nun, der Ersatz von Schmicking ist längst bei mir eingetroffen. Aber nachdem sich meine erste Panik gelegt hat, fahre ich immer noch ohne getauschte Kurbel. Natürlich beobachte ich ständig, ob sich etwas am Bruch bewegt - das ist bisher jedoch nicht der Fall. Inzwischen sind damit auch schon wieder über 3800 km mit 39.000 Hm zusammengekommen, und der alte Kurbelarm tut's weiterhin! Deshalb werde ich wahrscheinlich den Austausch erst zur nächsten großen Wartung durch meinen Haus- und Hofmechaniker erledigen lassen. - Erstaunlich, was so alles geht!

27. Dezember 2020

Dezemberrallye

Ganz ohne Bewegung geht es nicht! Dabei kann ich außerdem sogar die Statistik aufhübschen, auch wenn das letztlich bloß ein zusätzliches i-Tüpfelchen ist.

Schön wäre es natürlich gewesen, wenn ich gestern eine letzte Runde mit meinem Kameraden hätte unternehmen können. Aber in Tschechien sind nun ebenfalls die Beschränkungen weiter verschärft worden, so daß inzwischen für uns beide nach einem Grenzübertritt Tests auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 verpflichtend sind und Quarantäne droht.

Das schlimmste daran: ich kann derzeit nicht erkennen, daß es in den nächsten Monaten besser wird und damit vielleicht gemeinsame Skitouren im Osterzgebirge möglich sind. Derzeit "darf" ich ja noch nicht einmal in die Skigebiete, weil diese außerhalb meines persönlichen 15km-Umkreises liegen. Nicht nur bei mir wird die Wut auf die dafür Verantwortlichen immer größer.

Meine Tour am zweiten Weihnachtsfeiertag kam also auch genau richtig, um Dampf abzulassen. An der Kurbel beschäftige ich mich fast ausschließlich mit dem Vorwärtskommen - und gestern war das ziemlich flott! Freilich hatte ich mir eine moderate Strecke zusammengestellt, d.h. weniger Höhenmeter und ohne steile Rampen, dafür mit einigen meiner "Renn"berge. Das sind gemäßigte Steigungen, die ich meist - je nach Tagesform - relativ zügig bewältige.

Panoramablick nach Dresden (Aufnahmeort)
Als Bonus gab's ein paar wunderschöne Ausblicke von den Höhen auf die Dresdener Elbniederung, wobei sich die Sicht trotz Sonne allerdings im Laufe des Morgens immer mehr eintrübte. Als sich die Wolken schließlich ausbreiteten und kein Sonnenstrahl mehr die Erde erreichte, lag der größte Teil der Tour bereits hinter mir. Ich verkniff mir also ein Extrazackel und hob mir die Belohnung für die nächste Fahrt auf. Maximal 16 km muß ich bis zum Dezember-Tausender noch zurücklegen, und an der Marke von 1000 Fahrstunden im Handbike pro Jahr fehlen ebenfalls nur 4 Stunden und 37 Minuten.

Das sollte doch zu schaffen sein!

25. Dezember 2020

Sonnenweihnacht

Als ich gestern frühmorgens einen ersten Blick aus dem Fenster warf, war draußen alles trocken. Auch beim Blick auf das Thermometer mußte ich mir zunächst die Augen reiben: 10°C. Zwar hatte ich ursprünglich eine Rolliwanderung mit Susi und Thomas geplant, doch solch eine Gelegenheit konnte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen!

Sonnige Weihnachten in meiner zweiten Heimat!
Gleich zu Beginn fuhr ich bei meiner Kumpeline vorbei, ich wollte ihr wenigstens mein Weihnachtsgeschenk bringen. Danach ging es weiter nach Osten, denn genau dorthin trieb mich der Wind. Hinter den Serpentinen durch das Polenztal und Hohnstein - gerade noch so innerhalb meines persönlichen 15km-Umkreises - aktualisierte ich zum ersten Mal meine Route. Inzwischen strahlte die Sonne nämlich von einem großflächig blauen Himmel, so daß es gar keinen Grund gab, bereits hier umzukehren. Daher dehnte ich die Tour nun bis in die böhmischen Randgebiete aus.

Bei diesem Feiertagswetter war es ein sehr schönes Vorwärtskommen. Eine weiße Weihnacht gab es in den letzten Jahren sowieso nicht mehr, warum also anstatt des trüben Graus nicht mal frühlingshafte Temperaturen mit Sonnenschein?!

Allerdings meldete sich kurz nach Elf mein Handbike für Wartungsarbeiten an, weil das typische Geräusch für abgefahrene Beläge beim Bremsen mittlerweile immer lauter wurde. Obwohl ich mit Blick auf die Uhr kräftemäßig meine Runde hätte immer noch weiter ausdehnen können, wollte ich nicht unnötigerweise eine Beschädigung der Bremsscheibe riskieren.

Für den Rückweg paßte ich deshalb meine Strecke an die Erfordernisse an, auf der ich steile Abfahrten größtenteils vermied. Den Rest erledigte der frische Gegenwind, welcher bergab - diesmal gewollt - als Bremspolster wirkte. So konnte ich auch die Heimfahrt ganz entspannt genießen und schaffte außerdem mein Kilometer- und Geschwindigkeitssoll.

Zuhause erwartete mich schon mein Festtagsschmaus.

21. Dezember 2020

Erinnerung an eine Tragödie

Am 4. Advent war ich wieder mal für einen kurzen Ausflug im Rollstuhl auf Achse. Kerstin hatte die Idee, zu dritt Regionalgeschichte und den Besuch des schönsten Aussichtspunkts von Freital miteinander zu verbinden und zum Windberg bei Kleinnaundorf zu fahren.

Nahe der Siedlung "Am Segen" befindet sich nämlich der Begräbnis- und Gedächtnisort für die Toten eines der schwersten Grubenunglücke im sächsischen Bergbau von 1869. Es ist eine sehr schöne Anlage, dem Zweck uneingeschränkt würdig und vor einigen Jahren liebevoll saniert. In den Friedhof selbst gelangt man nur über acht Stufen einer Treppe, doch hievten mich meine Freunde in bewährter Art nach oben.

Die Rückansicht des König-Albert-Denkmals,
davor Kerstin und Gerald
Anschließend wanderten wir zum ca. 2 km entfernten König-Albert-Denkmal auf dem Windberg. Bei strahlendem Sonnenschein und ohne den kräftigen Wind der letzten Tage war es im lichten, blätterlosen Wald herrlich angenehm, so daß es während unserer "Rast" mit Glühwein und selbstgebackenen Plätzchen viel zu erzählen gab. Die meisten Spazierwege  hier sind übrigens recht gut in einen ganz normalen Rolli zu befahren, da man kurze Steilaufschwünge meist über alternative Strecken gut umgehen kann.

Auch das Windbergdenkmal ist barrierefrei zu erreichen, allerdings nur das Plateau davor (d.h. auf der aussichtsabgewandten Seite) Zur eigentlichen Aussicht führen dann wieder zu beiden Seiten jeweils sieben Treppenstufen hinab. Mit Hilfe meiner Begleiter war das aber kein Problem, so daß ich endlich einmal ganz uneingeschränkt bei schönstem Wochenendwetter den großartige Ausblick genießen konnte. Natürlich nicht allein, wie auf meinen Handbiketouren. Denn das sonnige Wetter hatte viele Ausflügler hierhin gelockt, als gäbe es gar keinen Lockdown.

Richtig so!

20. Dezember 2020

Letzte "Pflicht"

Gestern habe ich erreicht, was bisher für mich ins Reich der Sagen und Legenden gehörte: 15.000 km bei knapp 155.000 Hm.

Dabei wollte ich eigentlich auf der letzten "Pflicht"tour ganz brav sein und mich an die - zugegebenermaßen idiotischen - Regeln halten. Aber gestern ergab sich kurzfristig außerdem die Gelegenheit, unterwegs noch etwas abzuholen. Mike wollte mir nämlich seinen Kletterkalender für 2021 geben, von dem noch Restbestände im Lager waren. Genau für diesen hatte ich vor einigen Jahren einen Beitrag verfaßt - um so mehr freute ich mich über das Geschenk. Demnächst werde ich wohl wieder eine Anekdote aus meinem ersten Leben für ihn verfassen. Eine Idee habe ich dazu jedenfalls schon.

Mike wohnt nahe der deutsch-tschechischen Grenze, und weil ich nicht den gleichen Weg zurückfahren wollte, schaute ich wenigstens am Grenzübergang vorbei. Dort war weit und breit niemand zu sehen, so daß ich einfach in meine zweite Heimat wechselte. Im Ort fast keine Menschenseele, nur zwei tschechische Bergsteiger grüßten mich bei Hudy Sport. Auch auf den Straßen herrschte beinahe unwirkliche Stille, doch sicherlich lag das auch am Wetter. Denn während mein tschechischer Kamerad gerade mit dem Rad unter einem strahlend blauen Himmel im Sonnenschein vom Osterzgebirgskamm hinunter in Richtung Dresden rollte, mußte ich bei kräftigem Gegenwind teilweise sogar durch die kalten Wolken fahren, welche schon knapp über dem Elbtal das Gebirge bedeckten. Richtiges Jahresendwetter!

Diesmal nutzte ich die Gelegenheit, um über eine asphaltierte Stichstraße noch ein abseits gelegenes Anwesen zu erkunden. Sonst bin ich nämlich immer an dieser Steilrampe vorbeigefahren. Obwohl von oben wegen des trüben Wetters nicht viel zu sehen war, bereute ich meinen Entschluß nicht. Hier komme ich bestimmt mal wieder vorbei!

An der Grenze
Schließlich bog ich nach Westen ab. Sieben Kilometer waren es auf der kraftfahrzeugfreien Forststraße mitten durch den tschechischen Nationalpark bis zum Fußgängergrenzübergang nach Deutschland, die letzten drei Kilometer davon sehr holperig und langsam über teils groben Schotter. Der selbst zur warmen Jahreszeit nicht überlaufene Rastplatz an der Grenze strahlte bei diesem trüben und kalten Wetter eine stille Melancholie aus, die mich schon den ganzen Tag über begleitete. Was müssen das wohl für Menschen gewesen sein, die hier einst in ein paar Häusern, von denen inzwischen nur wenige Grundmauern übriggeblieben sind, gelebt haben?   

Völlig unerwartet, wurde es nach der Grenze noch einmal richtig spannend. Bereits der erste umgestürzte Baum zwang mich von meinem Handbike. Zwar konnte ich auf die benachbarte Wiese ausweichen, doch ein kurzes Stück mußte ich im Gras mein Handbike hinter mir her einen kleinen Abhang hinaufbugsieren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Aber alles klappte ganz gut, auch war der Untergrund leidlich "angenehm", d.h. trocken und weich. Als mir kurz darauf allerdings erneut mehrere querliegende Baumleichen den Weg versperrten, entschied ich mich - nicht ganz freiwillig - für die Alternativstrecke aus dem Tal heraus mit zusätzlichen zweihundert Höhenmetern. Dabei war ich mir lange Zeit gar nicht sicher, ob ich hier durchkomme. Die großflächig abgestorbenen Bäume in der Hinteren Sächsischen Schweiz sind inzwischen so morsch, daß jeder kräftige Windstoß sie dort  - wo diese nicht abgesägt wurden - zu Fall bringen kann.

Glücklicherweise lief es gut für mich, und als mir ein Auto der Nationalparkverwaltung entgegenkam, konnte ich endlich aufatmen. Der Heimweg durch Kirnitzsch- und Elbtal hielt mich dann nicht mehr weiter auf, so daß ich trotz des Zeitverlusts bei der vorangegangenen Aktion in Pirna sogar noch den Kirchturm gegenüber meiner Wohnung im letzten Sonnenlicht sah.

Es blieb meine einzige Begegnung mit der Sonne.